Die Veranstaltungen der Partei am 20. April und 1. Mai.
Am 2 0. April, dem 50. Geburtstag des Führers, findet um 20 Uhr im Saale des Cafe Leib die Vereidigung der Politischen Leiter statt, die im Laufe des letzten Jahres in ihre Aemter berufen wurden.
Die Partei und alle ihre Gliederungen sowie eine Abordnung der Wehrmacht stellen sich am Abend in der Ludwigstraße und in den angrenzenden Straßen zum Fackelzug auf. Um 20.30 Uhr beginnt der Marsch. An der Spitze marschieren das Musikkorps und eine Ehrenkompanie der Wehrmacht, dann kommen hinter dem Musik^ug der Standarte 116 die SA. und alle übrigen Gliederungen der Partei, am Schluß marschiert die ff. Der Musikzug der Kreisleitung, der HI. und der Fanfarenzug des Jungvolks werden ebenfalls Marschmusik stellen. Der'Fackelzug durchschreitet folgende Straßen: Ludwigstraße, Bleichstraße, Hindenburg- wall, Neuen Baue, Sonnenftraße, Kreuzplatz, Seltersweg, Horst-Wessel-Wall, Bahnhofstraße, Marktstraße, Marktplatz, Kirchenplatz, Lindenplatz, Walltorstraße, Hitlerwall, Landgrafenstraße zum Landgraf-Philipp-Platz. Hier schließt sich um 20.-30 Uhr eine große Kundgebung an, bei der Pg. Jung (Frankfurt a. M.) die Ansprache halten
wird. Der Gruß an den Führer und die Nationalhymnen bilden den Abschluß der Kundgebung.
Der 1. Mai als der Nationale Feiertag des deutschen Volkes wird unter die Parole „Freut euch des Lebens" gestellt.
Am 29. April wird der Maibaum feierlich eingeholt werden. Die Jugend wird dabei mit mancherlei Darbietungen erfreuen. Der Maibaum soll auch Schmuck aus der Arbeit des Gießener Handwerks erhalten. Nachdem der Maibaum auf dem Trieb aufgestellt ist, schließt sich dort großes Volks- fest mit reichhaltigen Unterhaltungsdarbietungen an. Für den 3 0. April ist ein Kinderfest vorgesehen.
Der 1. Mai, der ebenfalls auf dem Trieb gefeiert wird, soll mit einem Großen Wecken der Wehrmacht eingeleitet werden. Dann werden Darbietungen der Gesangvereine folgen. Vormittags findet die Jugendfeier st unde statt, der am Mittag die allgemeine große Feier folgen wird. Bei beiden Veranstaltungen werden die Feiern in Berlin übertragen. Nachmittags ist dann wieder V o l k s f e st auf dem Trieb.
Große Beteiligung am Schaufenster-Weilbewerb
Bisher über 100 Anmeldungen.
Zum Schaufen st er-Wettbewerb, der im Rahmen des Reichsberufswettkampfes aller Schaffenden in der Zeit vom 2 0. bis3 0. April 1939 zum erstenmal im Großdeutschen Reich zur Durchführung gelangt, sind im Stadtkreis Gießen über 100 Anmeldungen eingegangen, das sind rund 20 v. H. mehr als im vergangenen Jahre.
Sämtliche Firmen, die bis setzt noch nicht ihre Anmeldungen zum Schaufenster-Wettbewerb abgegeben haben, können dies zum letzten Termin bis
17. April 1939 noch nachholen. Wir erwarten die Teilnahme aller Einzelhändler.
Wer kann sich zum Wettbewerb anmelden? Sämtliche Arbeitskameraden, vom Lehrling bis einschließlich Betriebsführer.
Anmeldungen nimmt die Kreiswaltung der DAF., Schanzenstraße 18, Abt. Reichsberufswettkampf, noch bis zum angegebenen Termin entgegen.
Die Wellbewerbsleitung
für den Schaufenster-Wettbewerb.
— Gossen, auch Pullen, genannt — beseitigt und an den Bürgersteigen entlang geführt. Ebenso verschwanden allmählich die die Stadt durchziehenden Kanäle — Flutgräben —, z. B. der von der Schul- ftraße durch die Dreihäusergasse nach dem Kreuz- Vlatz führende — auch Bach genannt —, in welche vielfach die Aborte — wie z. B. im Teufelslust- Kärtchen — und die Spülwasser aus den Häusern und Geschäften, wie Gerbereien und besonders Metzgereien, welche damals noch in Räumen ihres Betriebes schlachteten, abgeleitet waren und die, wie nicht näher ausgeführt zu werden braucht, jeder Hygiene spotteten. Die in der Stadt um jene Zeit öfter aufgetretenen Epidemien, wie Blattern, Typhus, Cholera usw., mögen in diesen Zuständen ihren Entstehungsherd gehabt und zur Verbreitung solcher Krankheiten beigetragen haben. Da die öffentlichen und privaten Pumpbrunnen nicht immer einwandfreies Wasser lieferten, teilweise sogar verseucht waren, wurde die schon im Jahre 1877 als dringend notwendig anerkannte Quellwasserleitung aus dem Gießener Stadtwalde (Hohe Warte) vom Jahre 1883 ab durch die Stadt gelegt, die zur Ausstellung von mehr als 20 öffentlichen Dentilbrunnen und dann zu Hauswasseranschlüssen führte und zur Hebung des Gesundheitszustandes der Bevölkerung wesentlich bei trug. Seitdem ist der Typhus usw. als Epidemie nicht mehr aufgetreten.
Die zunehmende Einwohnerschaft und der sich entwickelnde Verkehr bedingten eine Erweiterung der Stadt durch Neuerrichtung von Straßen. So wurden, außer der Bahnhofstraße und den vier Anlagen, teils verlängert und ausgebaut, teils neu angelegt und angebaut die folgenden Straßen:
der Asterweg, durch Ueberbrückung des Stadtgrabens und Verlängerung über die Schoor nach dem Gartfeld;
die Bismarckstraße, von der Südanlage bis zur Stephansmark;
die Gartenftraße, von der Wieseckbrücke her links an dem Wenzels- später Steins Garten (der jetzigen Bergstraße) entlang bis zum Nahrungsberg;
die Goethe-, anfangs Stephanstraße, von der Südanlage bis zur Stephansmark;
die Ludwigstraße bis zur Univerfitäts-, der nachmaligen Liebigstraße;
der Ludwigsplatz, auf dem am 10. November 1883, anläßlich des 400. Geburtstages Dr. Martin Luthers, die Lutherlinde gepflanzt wurde;
die Plockstraße, die Schillerstraße, die Schützen-, die Wiesen- und die Wolsstraße;
ferner nach längeren Verhandlungen die Dleich- ftraße von der Südanlage bis zur Wieseck, die Löberstraße und im Gartfeld die Stein-, Damm-, Weser-, Eder- und Schottstraße.
Ihre jetzigen Namen erhielten: die Frankfurter-, Marburger-, Licher- und Rodheimer Straße sowie die Rittergasse, vorher Judengasse.
An Neubauten, bei welchen die Stadt Gießen mehr oder weniger stark finanziell in Anspruch genommen war, wurden errichtet: das Realgymnasium und die Universität in der Ludwigstraße, das Gymnasium in der Süd- anlage, die Höhere Mädchenschule in der Schillerstraße und das Justizgebäude (Landgericht) in der Ostanlage.
Als Ereignisse von besonderer Tragweite sind zu bezeichnen:
1. die käufliche Erwerbung des im Privatbesitze befundenen Gaswerks, das am 1. Oktober 1886 in das Eigentum der Stadt Gießen und in die städtische'Verwaltung überging und für die Stadtkasse eine nicht zu unterschätzende Einnahmequelle bildete — mit demselben wurde ein Jahr später die Verwaltung des städtischen Wasserwerks verbunden;
2. die nach mehr als zehnjährigen Verhandlungen erfolgte Erbauung des städtischen Schlachthauses, dessen Betrieb am
15. Oktober 1887 eröffnet wurde und die Stadt von weitgehenden Uebelständen befreite. Diese Darstellung der Stiftungen während der Amtsperiode des Oberbürgermeisters Bramm zeugt von einer außerordentlich umfangreichen Betätigung auf allen Gebieten der städttfchen Verwaltung. Wenn es dennoch, wie zu allen Zeiten, unzufriedene Spießbürger gab, die mit dieser auf- sttebenden Entwicklung und ihrem gessttgen Urheber nicht einverstanden waren, so sicher nur deshalb, weil sie eine, durch die nicht zu vermeidenden großen Ausgaben bedingte, steuerliche Mehrbelastung befürchteten.
Nicht viele der heutigen Gießener Einwohner werden sich des schlichten, aufrechten Mannes erinnern können, der über 14 Jahre lang täglich zweimal zwischen seiner Wohnung (anfangs Neustadt 45, dann Ludwigsplatz 10) und dem Bürgermeisteramte, das sich in dem alten Rathause und vom Oktober 1876 ab in der alten Realschule — jetzt Sozialamt und Stadtkasse — befand, hin und her wanderte, der mit ganzer Hingabe sich den ihm obliegenden Aufgaben zum Wohle der Stadt und der Ein- wvhnerschaft Gießens widmete, der kaum eine Sitzung der Stadtverordneten versäumte und sich selten einen längeren Erholungsurlaub als die zwischen zwei Sitzungstagen gelegene Zeit, in der Regel zwei Wochen, gönnte, bis ihn ein anfangs zu wenig beachtetes schweres Leiden auf das Krankenbett warf, dem er dann, drei Monate nach der am 17. Januar 1889 stattgehabten letzten von ihm geleiteten Stadtoerordnetensitzung, erlag. In seiner großen Sorge um das Wohl seiner Vaterstadt empfahl er noch auf feinem Sterbebette den von ihm
oorgeschlagenen, im November 1886 zum Beigeordneten berufenen Kreisingenieur Feodor G n a u t h zu seinem Nachfolger.
Wenn seine Tätigkeit sich auch stets den Zeit- verhältnissen, namentlich in finanzieller Hinsicht, anpassen und hauptsächlich auf den Ausbau des Stadtinnern beschränken mußte, so war er doch der Wegbereiter für die nach ihm erfolgte Erweiterung des Weichbildes der Stadt und ihre spätere Äusdehnung nach allen Richtungen.
Auf kulturellem Gebiete war er ein eifriger Förderer aller Einrichtungen und Bestrebungen, welche eine Hebung der Geistesbildung und eine Pflege der Volkswohlfahrt zum Ziele hatten. Sein Streben, zur Volkserziehung durch eine gute Schulbildung beizutragen, bekundete er nicht nur in seiner Fürsorge für die Höheren Schulen durch Erbauung von Schulgebäuden, sondern auch dadurch, daß er durch fast regelmäßige Teilnahme an den öffentlichen Schulprüfungen, besonders in der Volksschule, sich persönlich von den Ergebnissen des Schulunterrichstzss und den Fortschritten der Schüler überzeugte. ^§r brach nach und nach mit dem Remunerationswesen, auf das die städtischen Beamten und Angestellten bei ihrer geringen Besoldung geradezu angewiesen waren, unb führte ein festes, gestaffeltes, wenn auch nach oben noch ziemlich begrenztes Gehaltsystem ein, so für die ftädttsche Lehrerschaft, für die Schutzmannschaft, deren Institut am 1. Oktober 1878' ins Leben trat, und die sonstigen städtischen Beamten. Im Kirchen- und Schulvorstande sowie in der Armen- deputatton führte er den Vorsitz, unterstützte den Volksbildungsverein, die Fortbildungsschule und die
Handwerkerschule und war Mitglied des .Kreis- und Provinzialausschusses der Provinz Oberhessen und der Landessynode in Darmstadt. Der schon im Januar 1877 erfolgten Anregung zur Erbauung eines neuen Rathauses konnte aus finanziellen Gründen nicht nähergetreten werden. Das gleiche Schicksal widerfuhr dem im Dezember 1880 von mehreren Einwohnern gestellten Anträge auf Erbauung eines Saalbaues. Leider war es ihm nicht mehr vergönnt, an der erst im Juli 1890 erfolgten Enthüllungsfeier des Liebig - Denkmals, dessen Errichtung er seit der schon im Juli 1876 erfolgten Projektierung das größte Interesse entgegengebracht hatte, leitend teilnehmen zu können.
Wenn sein Name in der Folgezeit selten genannt, in lokalgeschichtlicl)en Berichten sogar nicht erwähnt worden ist und seine geistig hochstehende und sehr geschätzte Persönlichkeit durch die seines Nachfolgers, der nach elfjähriger Amtszeit zum hessischen Finanz-
Wehr als ein Schönheitsmittel, ein Pflegemittel für Schuhe ist Erdal. Erdal gibt den Schuhen nämlich nicht nur rasch Hochglanz, es pflegt auch das Leder, schützt es vor dem Hart- und Brüchigwerden. Die Schuhe halten länger und bleiben länger schön, lessv
Minister berufen wurde, gewissermaßen in den Schatten gestellt worden ist, so kann dafür eine Begründung schwerlich gefunden werden, wenn sie nicht etwa'in der seiner großen Bescheidenheit zu suchen ist, die ihn auch während eines Zeitraumes von vierzehn Jahren mit einer nicht pensionsberechtigten jährlichen Besoldung von sechstausend Mark, etwa der Hälfte des Anfangsgehaltes feines Nachfolgers, sich zufrieden geben ließ. Nach dem Ablaufe seiner Amtszeit am 31. Dezember 1886 erfolgte zu Anfang Januar 1887 durch die Stadt- verordneten-Versammlung seine einstimmige Wiederwahl als Bürgermeister auf weitere zwölf Jahre, aber erst in dem folgenden Jahre, in seinem letzten Amts- und Lebensjahre, wurde ihm ein höheres Jahresgehalt von siebentausend Mark zugebilligt und ihm am 12. September 1888 vom Großherzog der Amtstitel „Oberbürgermeister" verliehen, nachdem die Bevölkerung der Stadt Gießen während seiner Amtsdauer von 13 980 auf über 19 000 Einwohner angewachsen war, also das zwanzigste Tausend erreicht hatte. Man kann nicht behaupten, daß die Stadtverordneten-Dersammlung in dem nach seinem Tode gefaßten Beschluß, seiner Witwe von seinem Todestage ab eine Witwenpension von jährlich fünfhundert Mark zu bewilligen, eine besondere Anerkennung der hohen Verdienste des Verstorbenen und einen schuldigen Dank für feine unermüdliche, aufopfernde Arbeitsleistung zum Ausdruck gebracht hätte, denn selbst in jener billigeren Zeit mar bei bescheidensten Ansprüchen ein Jahreseinkommen von fünfhundert Mark für den Lebensunterhalt nicht ausreichend.
Wenn «in Mann verdient hat, daß fein Name nicht nach Menschenlos der Vergangen- und Der- gessenheit anheimfällt, sondern in dankbarem Gedenken weiterlebt, so gewiß Gießens erster Oberbürgermeister August Bramm, der als geborener 'Gießener kein höheres und schöneres Ziel kannte als den Aufstieg und das Wohl feiner Vaterstadt und feiner Mitbürger und sich somit schon damals in echt nationalsozialistischem Sinne für die Volksgemeinschaft eingesetzt hat. F. Br.
Hitler-Jugend Bann 116.
Fliegergefolgschaft 1/116, Gießen.
Morgen, Sonntag, 16. April, treten die Jg., die über die Pfterfeiertage an einer Schulung auf der Amöneburg oder in Maar teilgenommen haben, zur Schulung in Maar um 7 Uhr cm der Groß-Garage in Svmmer--Uniform an.
Der am Montag, 17. April, ftattfinbenbe Dienst wird auf den 18. April, um 20.15 Uhr, verlegt.
Gießener Stadttheater.
Katharina Stoll: „Einen Sommer lang."
„Einen Sommer lang" — das ist eine hübsche Lustspielüberschrift, welche die Phantasie anregt und einen auf allerhand erfreuliche Gedanken bringen kann. Katharina Stoll, die sich im Programmheft als Schauspielerin und Autorin oorstellt, hat sich eine Liebesgeschichte zu vieren ausgedacht, die ganz lustspielmäßig anfängt und auch ganz vorschrifts- mäßig mit zwei glücklichen Paaren endet; schade ist nur, daß die Fabel, bei Licht besehen, allenfalls für einen wohlproporttonierten Einakter ausreicht. Drei Akte lang — „einen Sommer lang", das gibt der Einfall nicht her.
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Dem Privatdozenten Peter ist feine junge Frau Maria davongelaufen, weil er bloß an feine Arbeit und nicht an die Liebe denkt. Da er- sich auch davonmacht, sie zu suchen, bleibt das hübsche Sommerhäuschen, wo sie gewohnt haben, leer und verlassen. Das paßt gerade zwei jungen Zirkusleuten auf der Walze und ohne Geld, dem Kunstschützen Hubertus und der Tänzerin Theresina, die sich unterwegs den Fuß verstaucht hat. Den beiden ist das leere Nest eben recht, sie kommen sich wie im Märchen vor, und als dann etwas später erst Peter und bann Maria auf der Bildfläche erscheinen (die die Erinnerung an ihren Hochzeitstag zurückgetrieben hat), werden sie in ihrem eigenen Hause von dem Artistenpärchen für Einbrecher oder jedenfalls auch für ungeladene Gäste gehalten.
Da Maria und Peter ihren unausgetragenen Ehe- zwist nicht vor den beiden Fremdlingen beilegen wollen, improvisieren sie einen Scherz: Maria sei das Hausmädchen und Peter ihr Freund, und sie beschließen, da die „Herrschaften" ja doch verreist seien, einen Sommer lang zu viert hier zu hausen. Das geht mit Kameradschaft, mit Liebe und Eifersucht übers Kreuz so lange gut, bis die Polizei kommt und das Nest aushebt; zwar stellt sich der Irrtum der Obrigkeit schnell heraus, aber nun sind Hubertus und Rest böse ob des Spiels, das jene mit ihnen getrieben haben, und es dauert noch einen ganzen Akt, bis der Frieden hüben und drüben und nochmal übers Kreuz wiederhergestellt ist.
Der von Herrn Winkel geleiteten Aufführung gelangen die besten Szenen, sommerliche Stimmung, improvisatorische Leichtigkeit und allerlei hübsche Situationskomik, zu Anfang. Später märe, besonders gegen Ende, in Anbetracht der merklich nachlassenden Spannung, eine energische Raffung
sehr zu empfehlen. (Daß die Erstaufführung überdies durch die Unpäßlichkeit eines Darstellers in die Länge gezogen wurde, war natürlich höhere Gewalt.)
Ansonsten war das kleine Quartett munter und bei Laune. Herr Erler spielte den Hubertus als bayerischen Naturburschen von fröhlicher Unbefangenheit, Fräulein Garbe die kleine verschüchterte und mädchenhaft beglückte Theresia. Herr Weiland und Fräulein Schloeder machten das halb trotzige, halb zärtliche Ehepärchen; Herr V o l ck vertrat mit unbestechlichem Diensteifer die Polizeigewalt. — Sehr hübsch war das Bühnenbild des Herrn Löffler.
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Die kleine Neuigkeit fand eine' sehr freundliche Aufnahme. Hans Thyriot.
Hochzeit im Gebirg.
Von Josef Friedrich perkonig.
Die ehrsame Braut und der ehrsame Bräutigam tun euch schon bitten! Der Hochzeitlader klopft mit seinem Stock einigemal auf den Boden; ob er seine Ladung gereimt oder ungereimt vorbringen mag, ob er die künftige Lust beim Hochzeitsmahl verrät ober verschweigt, ob man ihn für seine Ansage belohnt ober nicht, wie vor Zeiten in Oberösterreich, wo er einen Hahn, eine Henne empfing, er fühlt sich bei ber Hochzeit als ber erste im Kalenber unb schreitet bie weite Gemeinbe aus, wie es ihm angeheißen ist worben. Nicht nur bie Leute ber Sippe hat er zu laben, er muß auch in bie Häuser aller Freunde treten, so entfernt sie auch wohnen mögen, sie gelten jetzt als Nachbarn.
Eine Hochzeit — wir finb noch in älterer Zeit, nicht in ber trübseligeren Gegenwart, wo man Schönes achtlos bahingab — ist ein Fest von ein paar hunbert Leuten, ja, einem halben taufenb, von ben letzten Höfen stiegen sie hernieber, unb sie tarnen aus entlegenen Dörfern. Gäste, bie ihre Teilnahme an bem Mahl mit ein paar Gulden erkaufen. Ehre genug ist ihnen allein schon die Ladung. So eine Hochzeit kann ein gutes Geschäft für das Brautpaar sein, wenn die Gäste nicht einer wüsten Völlerei ergeben sind, aber es ist dafür gesorgt, daß sie immer wieder von ber Tafel aufstehen müssen, den Ehrentanz kann ber Braut niemanb verweigern, den Hut des Brautführers soll man sich dabei aufsetzen, und auf einmal ist die Braut geraubt, es muß sich der Bräutigam mühen, sie wieder zu erlangen, muß die falsche Braut abweisen, die da erschienen ist. Dann
poltern um Mitternacht die Maschkerer herein, und zuletzt tanzen die Leute der Braut das Kranzei ab.
Man muß einen langen Atem haben, will man alle Gebräuche um die Hochzeit hersagen, beinahe so lang, wie ihn der Hochzcitlader braucht, wenn er bas Mahl anEünbigt. Da spricht er Im hintersten Gebirg von ben künftigen Genüssen, auf bie sich bie geladenen Gäste frühzeitig freuen sollen.
Ehe sich aber bie Tafel unter Schüsseln unb Tellern, unter Gläsern unb Krügen zu biegen anhub, haben bie Brautleute vielleicht schon in ber Kirche Wein getrunken, haben ben Brotlaib angeschnitten unb nachher Brot gegessen, es geschehen wohl auch änbere natürliche unb seltsame Dinge; bas Brautgut brachte man am Vortag zum Hause bes Paares, bemalte Truhen unb Schränke unb stellte obenauf bie Wiege, bie Hochzeitknechte tanzten vor bem Kirchentor, unb bie Kranzeijungfern hatten unterein- anber ein heimliches Getufchel.
Es begibt sich heute noch manches um fo eine Hochzeit, was morgen wahrscheinlich vergessen unb vertan fein wirb, unb vor jeder alten Zeit steht immer noch eine ältere, in ber ein später abgestorbener Brauch noch lebenbig war. So kamen ber- einstens im vorarlbergischen Walb Brautpaar unb Hochzeitschar auf Pferben zur Kirche geritten, so hob im Allgäu ber Bursch bas auserwählte Mäbchen am Sonntag nach Heiligenbreikönig zu sich a>ss bas Roß unb brachte es zum Wirtshaus, unb ein wunber- bares Sinnbilb schufen Bräutigam unb Braut im Pbbstal; bort trugen sie Sichel unb Spinnrocken vor ben Altar.
Muß einem ba nicht bas Herz wehtun, wenn man von einer unwieberbringlichen Sitte vernimmt, bie so schon war, als habe sie ein Dichter erfunben, unb war boch ersonnen unb geübt von einfachem Volk. Noch ruht unser Auge manchmal auf einem Hausober Ehefegen, einem Hochzeitsbrief hinter Glas. In einem Gewinbe von Rosen, Nelken unb Vergißmeinnicht brennen zwei Herzen, große altväterische Buchstaben verschnörkeln eine selige Erinnerung, unb es verwunbert uns etwas, wie bie länblichen Menschen auch einen Heiratsbrief heißen können bas graue Spinnweb.
Es ist eine gemessene Orbnung, in ber sich eine Hochzeit vollzieht, überall in ben Bergen beinahe auf biefelbe Weife. Nur bas Gerank wechselt nach ber Gegenb, nach dem weiten ober engen Himmel über bem Dorf, nach ber Brauchtreue ber Menschen. Von all ben sonberbaren Beigaben bünkt mich bas Hochzeitslaufen im Salzburger Vorlanb am seltsamsten.
Da ziehen die Hochzeitsgäste aus der Kirche hin zur Laufstätte, bie, im Sommer eine abgemähte
Wiese, im Winter aber die Landstraße ist. Die barfüßigen Laufbuben haben in der Sonnenglut und im bittersten Frost nichts anderes am Leib als Hemd und Unterhose. Und von ihren schwarzen Zipfelmützen hängen die rotweißen Bänder . Nach einem Umtrunk wirft ein Laufbub das Glas in bie Luft, bas ist bas Zeichen zum Ablauf; er geht hin zu einem Strowisch. Der Sieger empfing bereinft vom Bräutigam einen Kronentaler, von ber Braut einen (Bulben. Bei. einer grünen Hochzeit finb die Laufbuben jung, bei einer golbenen Hochzeit laufen alte Männer. Es wird erzählt, baß bei einer golbenen Hochzeit im Talgau im Herbst bes Jahres 1906 fünfzehn Greise gelaufen finb, sie trugen zusammen über taufenb Jahre auf den Schultern; so war ein Läufer durchschnittlich siebzig Jahre alt. Und doch liefen die besten die dreihundert Meter in hundert-, sechzig Sekunden. Ich bestaune aber, obwohl man auch vor ihr den Hut ziehen muß, nicht so sehr diü späte Kraft des Leibes wie die Gewalt des Brauches, dem auch die alten Männer noch verfallen find, daß sie der Beschwernis nicht achten und auch nicht der Gefahr.
Es duftet leise nach Rosmarin, Bräutigam unb Braut trugen ein Sträußlein davon an ihrer Brüsk Und jetzt lasset zu guter Letzt noch die Hoch» zeitsgäste heimblasen, wie es geschehen muß nach Gebühr.
Sochschulnachrichten.
Die Entpflichtung des o. Professors Dr. Eugen Fischer an der Universität Berlin wurde um ein Jahr bis Ende September 1940 hinausgeschoben. Professor Fischer, der im Juni d. I. sein 65. Lebensjahr vollendet, wurde 1918 Ordinarius der Anatomie. 1927 übernahm er die Leitung des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Erblichkeitslehre und Eugenik in Berlin-Dahlem und zugleich den Lehrstuhl der Anthropologie an der Universität Berlin.
Die Entpflichtung des o. Professors für Vergleichende Sprachwissenschaften an der Universität Berlin Dr. Eduard Schwyzer wegen Erreichens der Altersgrenze ist durch Beschluß der Reichsregierung um ein Jahr hinausgeschoben worden. Prof. Schwyzer, ein gebürtiger Züricher, ist seit 1932 an der Berliner Universität als Ordinarius tätig.
Professor Dr. Heinrich Sommerfeld, Ordinarius für Betriebswirtschaftslehre an ber Universität Heidelberg, ist als Nachfolger von Professor Obst an bie Universität Breslau berufen I worden.
vScl fc. die Seife, deten Schaum die ’Xaul Wjünqt
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