Aus den Gießener Geri'chtssälen
müsse. _ t
Dem allen stellte der Vortragende den Kampf gegenüber, der von den nordischen Völkern (Däne- mark, Norwegen, Schweden und Island) seit der Zeit der Wikinger und von ihren Nachfolgern der Römischen Kirche und ihren Christianisierungs- Bestrebungen entgegengesetzt worden war. An Hand einer schier unübersehbaren Fülle geschichtlichen Materials gab der Redner viele Einzelheiten bekannt, die den Ablauf dieses Machtkampfes über Jahrhunderte hinweg erkennen ließen. Er gewährte damit einen tiefen Einblick in das Wesen und die Art der den Deutschen stammverwandten nordischen Völker, die mit zäher Liebe an ihrem angestammten Glauben festhielten und bis auf den heutigen Tag nicht vergessen haben, was ihren Vorfahren und Urahnen heilig war.
Für auswärtige Besucher besteht verbilligte Fahr- gelegenheit (Sonntagsrückfahrkarten) im Umkreis von 75 Kilometer um Gießen, und zwar: a) an den beiden Messesonntagen mit tarifmäßiger.Geltungsdauer, Samstag, 12 Uhr, bis Montag, 24 Uhr (Ende der Rückfahrt); b) am Mittwoch, 22. Marz, nut Geltungsdauer von Mittwoch, 0 Uhr, bis Donnerstag, 3 Uhr (Ende der Rückfahrt).
lässiger Körperverletzung bestraft werden sollte, eine milde Frecheitsstrafe.
Urteil: Der Angeklagte ist der fahrlässigen Körperverletzung in Tateinheit mit verkehrswidrigem Verhalten und der Führerflucht in Tateinheit mit unterlassener Hilfeleistung schuldig. (Vergehen nach §§ 230 Abs. 2, 330 StGB, und Uebertretung nach §§ 1 und 4 der Reichsstrahenverkehrsordnung) und wird zu einer Gesamtgefängnis st rafe von acht Monaten verurteilt.
Die Untersuchungshaft. wurde dem Angeklagten wegen seines hartnäckigen Leugnens nicht angerechnet.
K. M. in Schwarz war beschuldigt, am 18. Januar in Schwarz durch Fahrlässigkeit fremde Gebäude in Brand gesetzt und leicht feuerfangende Materialien an-einem Ort und in einem Behälter aufbewahrt zu haben, wo ihre Entzündung gefährlich werden konnte. Er hatte nämlich aus einem Benzin- faß, das in einem Holzschuppen lagerte, Benzin entnommen und dabei eine ungesicherte Stallampe zur Beleuchtung benutzt. Die Wand des Schuppens, eine Treppe sowie eine Garage wurden durch den Brand beschädigt. Größerer Schaden wurde nur durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr verhütet.
Der Angeklagte war geständig, bedauerte sein fahrlässiges Verhalten und bat um milde Bestrafung. Er wurde, entsprechend dem Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft, wegen fahrlässiger Brandstiftung sowie des Lagerns von feuergefährlichen Stoffen an einem gefährlichen Ort zu G e l d - strafen von 100 Mark, Hilfsweise 30 Tage Gefängnis, und 30 Mark, Hilfsweise 10 Tage Haft, verurteilt.
<A AS.-Gemeinschaft W „Kraft durch Freude".
befehl. — Dauer der Hebung bis gegen 15 Uhr. Fliegergefolgschaft 1/116 Gießen.
Der Baudienst für beide Baugruppen wird auf Donnerstag, 16.3.39, verlegt. 20.15 Uhr Liebigs- höhe.
Sonntag, 19.3., Flugdienst für diejenigen Jg., die an den beiden letzten Schulungstagen auf der Bielskuppe (Lauterbach) teilgenommen haben. Antreten um 7 Uhr an der Groß-Garage.
Die Frühjahrsmesse kommt!
Dom Samstag, 18., bis einschl. Sonntag, 26. März, findet in Gießen auf dem Oswaldsgarten wieder der Frühjahrsmarkt (Schaumesse) statt.
An neuartigen Geschäften wird es auch diesmal nicht fehlen. Es sind zu erwarten: Achtbahn, Skooter, Seesturmbahn, Schiffschaukel, Schwanenflieger, Kinder • Sport - Karussell, Auto - Stellwand,
Machtkamps zwischen Volk und Kirche in der nordischen Geschichte.
um eine Lehensherrschaft von Roms Gnaden auszuüben. Durch ihn fei auf Kosten des freien Ger- manentums ein neues Herrschaftsprinzip Im ©inne der Kirche Roms errichtet worden. Aus Volkern
wurden „Provinzen"! -
Der Redner schilderte noch Karls des Großen geschichtliche Rolle, er umriß die Bedeutung Ludwigs des Frommen, Barbarossas und verfolgte in kurzen Zügen die Geschichte der Demütigungen vor den Päpsten. Seine Darlegungen über den Machtkampf zwischen Rom und Deutschland schloß der Redner mit den Erkenntnissen Bismarcks und mit der Mei- ( nung, die der Papst noch Wilhelm II. gegenüber äußern konnte, indem er sagte, daß Deutschland wieder das Schwert der Römischen Kirche werden
Die Sonntagsrückfahrkarten werden von allen Bahnhöfen der Strecken Friedberg—Niederwal^rn, Herborn—Niederwalgern, Herborn—Gießen, Weilburg-Gießen, Alsfeld—Gießen, Nidda-Gießen, Friedberg — Gießen, Friedberg — Hungen — Mücke, Friedberg—Nidda, Wetzlar—Lollar, Lollar—Grün-
Gestern abend sprach im großen Hörsaal der Universität auf Deranlasiung des Hessen-Kontors der Nordischen Gesellschaft der Vorkämpfer für nordische Wesensart und Kultur Prof. Dr. Kummer (Jena) über das Thema: „Der Machtkampf zwischen Volk, König und Kirche in der nordischen Geschichte des Mittelalters".
Der Redner sprach einleitend davon, daß uns dieses Thema nicht etwa ferneliege, denn der Kampf zwischen weltlicher und geisllicher Macht sei bis in die jüngere deutsche Geschichte offenbar. Allzulange habe der Kampf getobt, ob eine Krone von Papstes oder von Volkes Gnaden verliehen werde. Lange Zeit sei das Volk zwischen weltlicher und geisllicher Macht nicht nur Objekt, sondern auch handelnde Person und — späteres Opfer gewesen. Im Mittel- alter habe sich das Schauspiel oft wiederholt, daß sich Kaiser und Könige vor dem Papst neigen mußten, und gerade deutsche Kaiser und Könige seien es gewesen, die glaubten, nicht recht zu regieren, wenn sie es nicht in Uebereinsllmmung mit der Kirche des Papstes tatet?.
In kurzen Zügen schilderte dann der Redner bie Tragik der Goten, die auf ihrem Zug nach Süden dem Christentum zum Opfer fielen, er sprach von den Vandalen, einem edlen Volke, dessen Bild m der Geschichte bis auf den heuttgen Tagen falsch und verzerrt erscheine. In seinen weiteren Darlegungen fithrte der Redner seine Zuhörer zurück in eine Zeit, in der ein Chlodwig sich als erster christlich- katholischer Fürst fühlte, durch ihn die weltliche Macht zum Schwert für die geistliche Macht wurde und er sich damit des Königs-Herrschertums begab,
Wir verkaufen zu der von der Wehrmacht durchzuführenden Veranstaltung „Die a n d e r e S e i t e", Drama von R. C. Sherriff, am 16. März, abends 8 Uhr, im Stadttheater Eintrittskarten, und zwar cinheillich für alle Plätze zu 0,80 RM. 1855D
Vorverkauf: Seltersweg 60.
Hitler-Jugend Bann 116.
Stamm 1/116.
Am kommenden Sonntag Antreten der Gefolgschaften 1, 2 und 4, um 7.30 Uhr, Oswaldsgarten. Dazu eine Schar Motor-HI. mit Rädern. Für die Nachrichteneinyeit ergeht durch Gefolgschaft Sonder-
Große Strafkammer Gießen.
Der O. B. in Merkenfritz war beschuldigt, im Herbst 1937 in Merkenfritz durch zwei selbständige Handlungen mit einer Person unter 14 Jahren unzüchtige Handlungen vorgenommen bzw. diese Person zur Verübung oder Duldung unzüchtiger Handlungen verleitet zu haben (Verbrechen nach § 176 Abs. 1 Z.3 StGB.). Die Oeffentlichkeit war wäh- rend der Verhandlung ausgeschlossen.
Nach Wiederherstellung der Oeffenllichkeit erging folgendes Urteil: Der Angeklagte ist schuldig und wird zu einer Gesamtgefängnisstrafe von zehn Monaten verurtellt. Die Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet.
Vezittsschöffengenchl Gießen.
Der A. K. in Frienberg wurde beschuldigt, am N. Dezember 1938 durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung eines Mannes aus Nieder-Mörlen verursacht zu haben und als Führer eines Kraftfahrzeuges sich der Feststellung seiner Person und des Fahrzeugs durch die Flucht entzogen, zugleich den verletzten Mann in hilfloser Lage verlassen zu haben.
Der Angeklagte bestritt den Zusammenstoß nicht, will aber nichts davon gemerkt haben, lediglich einen Schlag habe er gehört, den er für einen Steinaufschlag hielt. Durch die Beweisaufnahme wurhe er überführt.
Der Vertreter der Anklage beantragte eine Ge- famtgefängnisftrafe von neun Monaten. Der Verteidiger beantragte wegen des Vergehens der Führerflucht Freisprechung und, falls er wegen fahr-
Oie Leistungen der Altersversorgung der Handwerker.
NSG. Durch das Gesetz über die Altersversorgung für das deutsche Handwerk vom 21. Dezember des Vorjahres wird der Lebensabend der selbständigen Handwerker sicheraestellt. Nach dem Gesetz werben die Handwerksmeister der Angestelltenversicherung angeschlvssen, soweit nicht eine Versicherungsfteiheit in Frage kommt.
Es ist für die Versicherungspflichtigen von großem Interesse, welche Leistungen sie vom Versicherung-- träger zu erwarten haben. Das Sozialamt der Deutschen Arbeitsftont teüt dazu folgendes mit: Die Höhe der Leistungen ergibt sich cm3 der Höhe und Dauer der eingezahlten Beträge. Die Beitragshöhe richtet sich für die Handwerker nicht wie sonst nach der Höhe des versicherungspflichtigen Einkommens, sondern erfaßt das gesamte Jahreseinkommen. Die Rente besteht aus dem Grundbetrag, der in allen Beitrags- klassen 360 RM. beträgt und allen Rentnern gleichmäßig gewährt wird. Dazu kommen die Steigerungsbeträge, die sich nach der Höhe der eingezahllen Beiträge richten. Der Wert des SteigerungSbetrageS beläuft sich bei der Invalidenversicherung auf 20 bis 22 v. H. und bei der Angestelltenversicherung auf 12 bis 15 v. H. für jeden eingezahlten Beitragswert. Außer dem Grundbetrag und den Steigerungsbeträgen werden noch Kinderzuschüsse gewahrt.
Im Falle des TodeS des Versicherten werden der Witwe fünf Zehntel und jeder Waise vier'Zehntel der Rente des Versicherten gewährt. Die Gesamthinterbliebenenrenten dürfen die Renten deS Versicherten ohne Kinderzuschlag nicht übersteigen.
Das Buchdruckergewerbe braucht Lehrlinge.
NSG. Es hat sich herauSgestellt, daß die Mel- düngen von Schülern zum Erlernen des Buchdrucker- Handwerks nicht befriedigen. Im Einverständnis zwischen Arbeitsfront und Wirtschaftsgruppe kann die Lehrlingsskala, die die zulässige Einstellung regelt, erhöht werden, well das graphische Gewerbe einen ausreichenden Nachwuchs haben muß. Die einstige Arbeitslosigkeit im graphischen Gewerbe ist längst überwunden und schon heute fehlt eS allenthalben an guten Fachkräften.
Der Buchdruckerberuf bietet für tüchtige Menschen Möglichkeiten des Aufstiegs in allen Sparten. Die Eltern sollten ihre Jungen, die gesund sind, gute Schulzeugnisse aufweisen und Fähigkellen zum künstlerischen und schöpferischen Gestellten haben, benr graphischen Beruf zuführen. Nach abgelegter Eignungsprüfung durchlaufen die Schüler vor Beginn der praktischen Lehre, gleichzeitig als vierwöchentliche Probezeit, einen Grundlehrgang. Dieser Grundlehrgang ist im Einverständnis mit der zuständigen Wirtschaftsgruppe von der Fachabteilung „Druck und Papier" in der Deutschen Arbeitsfront geschaffen worden. Er wird außer in Frankfurt am Main, in Darmstadt, Mainz und Gießen durchgeführt. In der Angelegenheit der Grundlehre wenden sich die Betriebe bzw. Meister, die Lehrlinge einstellen, direkt an die Fachabtellung „Druck und Papier", Frankfurt am Main, Haus der Arbeit, Bürgerstraße 69/77.
Anmeldungen der Jungen für Einstellung in die Lehre müssen über die zuständigen ArbellSämter erfolgen. '
Frauenhilfsdienst ist Ehrendienst der Mädel.
NSG. Der Frauen- __
Hilfsdienst wurde von der Reichsfrauenfüh- rerin eingeführt in der Erkenntnis, daß noch immer viele weibliche Kräfte I 3 V \
brachliegen, die zur | Hilfeleistung vor al- len Dingen in pflege- rischen Berufen ein- gesetzt werden könn- ten. Gerade die Schwester im Kran- kenhaus, in der Wohlfahrtspflege und im Kindergarten ist oft überlastet und dankbar für eine junge, gesunde Hilfskraft. Jedes Mädel zwischen 18 und 30 Jahren kann sich zum Frauenhllfsdienst melden. Nach zweijähriger Hllfs- dienstzeit erwirbt sich das Mädel im Falle der Verheiratung den Anspruch von RM. 1000,— Ehestandsdarlehen. Es soll nicht etwa so sein, daß Mädel aus anderen wichtigen Berufen, besonders aus der Hauswirtschaft, ausscheiden und sich dem Frauenhllfsdienst zur Verfügung stellen. Vielmehr werden im Frauenhilfsdienst nur solche Mädel ausgenommen, die bisher keinen Beruf ausübten. Arbeitskleidung erhält das Mädel während der Ausbildungszeit gestellt, ebenso ein Heines Taschengeld.
Im Gau Hessen-Nassau sind berells in einer Anzahl von Krankenhäusern, Kindergärten und Wohlfahrts- • einrichtungen Mädel untergebracht, die trotz strenger Arbell stolz sind, Hilfsdienstmädel sein zu können. Sie tragen das Zeichen des Frauenhilfsdienstes voll Stolz, denn der Frauenhllfsdienst ist ein Ehrendienst, den das Mädel leistet.
Oie Iugendgruppen des Deutschen Hrauenwerks.
Gfs. Der BDM. „Glaube und Schönhell" gibt seine Mädchen mit dem 21. Lebensjahr an die Ju- gendgruppen des Deutschen Frauenwerkes ab. Hier geht für sie die Kameradschaft und fröhliche Gemeinschaft weller. Und auch wenn die Mädels zu Frauen und Müttern geworden sind, werden sie immer weiter in den Jugendgruppen bleiben. Es ist so viel, was chnen da geboten wird. An zwei Abenden des Monats kommen sie zusammen, um zu basteln, zu nähen, in Aussprachen sich innerlich zu bereichern. Sie treiben gemeinsam Sport, sie wandern zusammen, sie singen und niemals wird bei ihnen das Gefühl der Einsamkeit auflommen. Auch stehen ihnen bann all die vielseitigen Kurse und Ausbildungsmöglichkeiten des Deutschen Frauenwerkes zur Verfügung. Welch junges Mädel möchte sich nicht einmal im Hilfsdienst des Deutschen Frauenwerkes betätigen, denn niemand kann doch heute im Aufbaustaate Adolf Hitlers untätig beiseite stehen? Reicher Gewinn ist es auch für junge Mütter, wenn sie an den Gemeinschaftsabenden Anweisung zum Basteln für ihre Kleinsten zu Hause bekommen, oder wenn sie lernen, Säuglingswäsche sachgemäß selbst anzufertigen. Aber nicht nur den BDM.-Mädchen stehen die Jugendgruppen des t Deutschen Frauenwerkes offen, sondern allen Frauen und Mädchen von 21 bis 30 Jahren. Ihr jungen Frauen und Mädchen steht nicht abseits, kommt in die Jugendgruppen des Deutschen Frauenwerkes!
I Kapriolen, Menschenaffen^Schou, Kasperle-The<ller und andere, außerdem Derkaufsstände aller Art mit neuen Spezialitäten. Jung und all wird, wie immer, mit Spannung und Interesse dex kommenden Messeveranstaltung entgegensehen können.
nes fremdes Mädchen
Georg herum, eine
20 Fortsetzung.
(Nachdruck verboten.)
Homnn von Walther Sloepffer.
tiopütigfjf by dar! Vuncker UerIag,BerllnV^S5
Fall ist leider absolut hoffnungslos. Es ist mir ganz neu, daß Scheuer! einen solchen Wunsch äußert."
„Sie halten Dr. Holls Anwesenheit nicht für nötig?"
„Vom medizinischen Standpunkt aus halte ich sie für überflüssig. Er kann nichts anderes tun als wir", erklärte der Arzt.
„Danke! Das genügt mir. Grüßen Sie den Geheimrat von mir "
„Wird besorgt!" erklärte Dr. Kistenmacher und hängte ein. Plötzlich schlug er sich an die Stirn. Ach, darum kam mir diese Stimme gleich so bekannt vor! dachte er. „Bobs" ist die junge Hegemann! Junge, Junge, wer hätte das geahnt? Na, dem Holl kann man ja gratulieren, der setzt sich schön ins Nest, mit der einzigen Tochter unseres Alten.
Triumphierend kam Maxie zu Holl zurück:
„Lobe mich, Schorschi! Ich habe soeben mit Kistenmacher verhandelt. Er sagt, du brauchst nicht nach München, deine Anwesenheit wäre überflüssig."
„Die Ansicht des Kollegen in Ehren. Ich will nicht bestreiten, daß sie von seinem Standpunkt aus richtig ist. Aber hier- dreht es sich doch noch um etwas anderes, von dem Kistenmacher nicht unterrichtet ist. Ich bilde mir natürlich nicht ein, daß ich mehr verstehe als zwei so erfahrene Aerzte, und daß ich den Scheuert gesund machen kann. Aber begreife doch: der Wunsch des Kranken ist für mich eine Gewissensfrage. Scheuert, den ich nebenbei nur oberflächlich kenne, glaubt eben, ich allein könnte ihm helfen. Da darf ich mich doch nicht versagen. Sieh mal, Bobs, in unferm Beruf gibt es Unwägbarkeiten, die man einem Außenstehenden nur schwer verständlich machen Fann."
„Und ich finde, du übertreibst deine Berufsauffassung ein bißchen", sagte Maxie unwillig. „Das sind ja nette Aussichten für später."
„Maxie!"
„So ist es doch! Wenn deine Anwesenheit diesen Scheuert zu retten vermöchte, gut, würde ich sagen, fahre hin in Gottes Namen. Aber so. Was kannst du viel anderes tun als deine Kollegen? Der Mann ist in besten Händen. Gesund machen kann ihn keiner, auch du nicht."
„Wir reden aneinander vorbei. Das mit dem Gattersee ist mir auch nicht einerlei", klagte er.
„Dann bleib!"
„Ich kann nicht. Meine Pflicht kommt vor dem Vergnügen."
„Pflicht, Vergnügen! Du haft mich nicht genug lieb, das ist es! Es ist nur Eigensinn von dir", sagte sie zornig. „Wer hat dir diese plötzliche Abreise eigentlich eingeblafen? Kistenmacher weiß von nichts. Ist deine Quelle überhaupt zuverlässig?"
„Ein paar gebrochene Rippen haben sich hinein- gespießt. Er liegt jetzt immer so da, sieht an die Decke und bekommt Morphium. Die Aerzte und Schwestern geben sich alle Mühe mit ihm — er liegt sogar ganz allein in einem schönen hellen Zimmer, es ist eine wahre Wohltat, so ein Krankenhaus — aber wenn die anderen draußen sind und ich so an seinem Bett sitze, habe ich das Gefühl: es fehlt chm etwas. Er macht dann so Bettelaugen, so traurige, reden kann er nicht viel, und dreht mir den Kopf zu ... ich weiß schon, wo ihm der Schul) drückt: er möchte dich als Arzt. Einmal hat er das auch ausgesprochen. „Wenn halt der Doktor Holl da wäre, der würde mir gewiß helfen." Es ist ja Unsinn, natürlich, aber er bildet sich Das halt so ein. Schau, und deswegen bin ich gekommen. Es hat mich niemanb hergeschickt, aber ich habe mir gedacht: der Scheuer! ist em ganz armer Teufe! mit seinem Elendsgesicht, mit seinen Schmerzen und mit so gar keiner Aussicht, und du mußt diesen seinen letzten Wunsch dem Georg ausrichten, sonst hast du kerne Ruhe mehr und mußt dir Vorwürfe machen dein Leben lang. Und da bin ich eben gekommen. Er treibt es ja so nicht mehr lange." Sie schnupfte tief auf, die Anna, und rührte in ihrer Tasse.
„Na, laßt aut fein, heule nicht mehr. Wir fahren nachher, und Du kannst dich hinten auf mein Motorrad setzen", tröstete Holl und legte seine Finger auf ihren Dünnen Arm. „Ich muß hier nur noch etwas ordnen, aber das dauert nicht lange. Warte hier auf mich. Wenn du noch einen Zwetschgenkuchen magst oder Kaffee, bestelle ihn." Er stand auf und nickte ihr zu. Es war ganz selbstverständlich, daß man einem todkranken Menschen den letzten Wunsch erfüllen mußte.
Holl verließ das Lokal und begab sich zur „Neuen Post". Es war später Nachmittag. Der See wurde dunkler und warf spielerisch kleine Wellen aus sich heraus, die an den Strandkieseln zerflatterten. Im Hotelgarten beugten sich einige frühe Abendgäste über die Karte; sie hatten zu entscheiden, ob he ein Rahmschnitzel oder Burgunderbraten wollten. Eine Kellnerin unterrichtete Holl, die Herrschaften Hegemann wären soeben heruntergekommen. Er bat, Fräulein Maxie auszurichten, daß er auf sie an
„Eine Verwandte von Scheuer! ist eigens her- gefahren, eine gewiße Anna Schwiebus.
„Sofo...", murmelte Maxie und starrte erbittert ins Wasser. Schwiebus? Das war doch die mit dem leichtfertigen Papier und den schnäbelnden Tauben? Der Name war unangenehm und brannte. Ein Eiei- ' m geisterte zwischen ihr und Sache, die ganz und gar nicht erledigt war; sie kam eigens nach Seesham und verdarb ihr den morgigen Tag. Maxie war viel zu ftolx, um sich näher nach oiefer Person zu erkundigen. Als sie endlich mit Ueberlegungen zu Ende kam, hatte sie ihr hochmütigstes Gesicht.
„Tja. dann wirft du ja wohl fahren müssen. Aber Gatterfee fällt deshalb nicht- ins Waffer. Ich nehme Tinser mit. Ich habe den armen Burfchen in der letzten Zeit schmählich vernachlässigt. Er wird sich
der Badeanstalt warte, er habe ihr Wichtiges mit» zuteilen. Dann schlenderte er weiter.
Es dauerte nicht lange, da erschien Maxie. „Wo brennt es, Georg? Guten Abend!" begrüßte sie ihn fröhlich und hübsch. Sie trug statt Strandhose und Pullover jetzt ein kupferfarbenes langes Abendkleid, aus dem die untergehende Sonne weichen Glanz lockte. Sie betrachtete mit komischem Entsetzen die umdüsterte Miene ihres Freundes.
,^)ör mal, Bobs, unser Ausflug morgen fällt leider ins Wasser", begann Holl betrübt.
„Weshalb?" forschte sie rasch und erschrocken.
„Ich muß heute noch dringend nach München." Und er berichtete, daß im Krankenhaus ein Arbeiter namens Scheuert läge, den er unbedingt besuchen müsse. „Dem armen Kerl geht es miserabel, sonst würde ich sagen, ich fahre erst übermorgen."
„Das ist eine böse Neuigkeit", murmelte Maxie enttäuscht. „Man braucht sich nur auf etwas zu freuen! Ich habe alles so herrlich gedeichselt, mit dem Wagen, mit Paps, mit der Ausrede, ja sogar mit dem Wetter — und nun kommst du mit deinem Patienten daher. Läßt sich das denn gar nicht ändern?"
„Leider läßt sich das nicht ändern, Bopsi. Für mich ist es ja auch ein großes Opfer, glaub mir. Tagelang habe ich geträumt von diesem Gattersee, und wie fein alles wird, aber so ist halt nun mal mein Beruf", sagte Holl traurig.
„Warte mal hier, nur ein paar Minuten, ja? Mir ist etwas eingefallen. Ich will rasch telephonieren", meinte Maxie und ließ Holl stehen. Sie eilte ins Hotel und verlangte das Werkkrankenhaus. Der Geheimrat war leider schon weggegangen, und statt seiner erschien Dr. Kistenmacher am Apparat.
„Hier Maxie Hegemann! Guten Abend, lieber Doktor! Sie wissen doch, daß Ihr Kollege Holl mit uns in Seesham ift Wir planten für morgen einen größeren Ausflug. Nun erzählt uns Herr Doktor Holl etwas von einem verunglückten Arbeiter Scheuer! und behauptet, er müsse seinetwegen noch heute ins Krankenhaus. Der Scheuer! wünsche, von ihm behandelt zu werden."
„Darauf kann ich nur antworten: mir ist hiervon nicht das geringste bekannt", erwiderte Kistenmacher gedehnt.
„Ist der Mann sehr schleckst daran?"
„Allerdings."
galten Sie Dr. Holls Anwesenhett für erforber- , lich?"
i „Eigentlich nicht. Gnädiges Fräulein dürfen über- . zeugt sein, daß von unserer Seite alles geschieht, um i dein Patienten feine Lage zu erleichtern. Aber der
freuen."
„Das wirft du nicht tun, Maxie!" sagte Holl scharf und packte sie beim Arm.
Sie schüttelte seine Hand ab und höhnte: „Noch tue ich, was ich will. Du machst es ja ebenso. Dir sind ja auch andere Leute wichtiger als ich."
„Herrgott, das ist doch etwas ganz anderes!" rief Holl unterdrückt und wütend. „Mit dir kann man aus der Haut fahren. Dir gehören ein paar hinten drouf!"
„Du bist ungezogen. Es ist nur gut, daß du dich vorher entpuppst. Tinser würde so etwas nie zu einer Dame sagen."
„Na schön, dann laß dir von deinem Tinser den Hof machen", sagte Holl bissig und riß ein paar Blätter von einem Strauch.
Maxie schritt ohne Gruß und Abschied davon.
Na dann eben nicht, liebe Tante! dachte Holl in- artmmig und brummte: ,Zn der habe ich mich ja sauber geirrt. Für keine fünf Pfennige Verständnis." Er schritt noch dem Paula-Häuschen, vor dem der fleißige Käptn noch immer teerte.
„Rechnung bezahlen. Ich fahre weg. So, die Gie- seke ist nicht da? Dann gebe ich hall Ihnen das Geld", begann Holl .
„Können Sie. Haben Sie das Fräulein Anna getroffen?"
,La, ist die Autohalle offen? Ich möchte zu nw« nem Rad."
„Fährt das Fräulein Schwiebus mit Ihnen heim?"
„Ja", erwiderte Holl einsilbig unb entsann sich' daß er ja auch noch packen müffe. Sodann begab er sich nach der Garage, um das Motorrad ins Freie zu schieben. In dieser Minute fuhr Herr Itnfer mit einem unbetonten Herrn langsam an Holl vorüber. Evrtschung folgt)


