Ausgabe 
14.12.1939
 
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Toten nicht vergeben, da er aus dem Leben ging, um ihr zu helfen?

Ein trauriges Lächeln spielte um ihren Mund. Helfen... Einen Tageskummer kann man ver­gessen ... auch einen Verdacht kann man abwen- den ... sich reinwaschen davon... Aber ein Ver­trauen, das verlorenging, findet man nicht wieder...

Da lag noch ein anderer Brief. Er war vor Tagen gekommen und war von Matthias Heitfeld. Man er­suchte sie um eine Unterredung.

Mußte sie dem alten Herrn gegenübertreten? Sie konnte jetzt beweisen, daß sie keine Rezepte entwen­det hatte, daß sie gar keine Möglichkeit dazu hatte. Das Telegramm, das dem Doktor den Verdacht gab, war ja eigentlich nur der Beweis, daß die Forde­rung des Joso Zaduk nicht erfüllt wurde.

Sie dachte an die Mahnung Jäckels. Aber nun war alles anders geworden. Run sagte ein Toter für sie die Wahrheit.

Sie legte beide Briefe zusammen. Ehe sie diese Belastung, diese Selbstbeschuldigung eines Toten weitergab, sollte sich die Erde über diesem Toten schließen. Heber diesem seltsamen und nun zerstörten Leben.

Das war sie Mainz schuldig

Es kam noch ein anderer Brief. Nicht an Frau Domkat, sondern an Doktor Heitfeld. Ein sehr eiliger Brief. Mit dem Luftpoststempel USA.

Matthias wurde erst aufmerksam, als ihm gegen­über am Schreibtisch sein Sohn mit einer raschen Bewegung aufstand, mit einem Gesicht, daß die Er­regung nicht verbergen konnte.

Was ist ...?" fragte Matthias Heitfeld.

Der Doktor reichte ihm den Brief:Lies ..."

Der Brief kam aus Neuyork, von Moravitzky. Es war ein sehr aufrichtiger ... ja, Matthias Heitfeld sagte später, daß es ein sehr sympathischer Brief wäre. Moravitzky hatte die ehrliche Absicht gehabt, sich in Neuyork als Vertreter der Parfümerie Heit­feld zu versuchen. Aber wenn man auf der Heber- fahrt mit einem namhaften französischen Regisseur zusammentrifft, den man überdies aus früherer Zusammenarbeit kennt, so wäre es Wahnsinn, das Angebot für Hollywood abzulehnen.

Matthias Heitfeld nickte ... das wäre natürlich Wahnsinn ...

Moravitzky löste also die Verbindung zur Par­fümerie Heitfeld. Er löste sie sehr korrekt, er schrieb, daß er den Betrag der erhaltenen Reifespesen dem Neuyorter Hause der Heitfelds überwiesen habe.

Dann aber wurde der Brief persönlicher. Er wandte sich an den Menschen Heitfeld, an den Mann.... ich will Ihnen das Geständnis ab= legen, mein sehr verehrter Herr Doktor Heitfeld, daß ich in manchen Zeiten meines Lebens ein leicht­fertiger Mensch gewesen bin. Diese Leichtfertigkeit hätte mich unter Hmständen sogar mit den Gerichten in Konflikt bringen können, sofern Joso Zaduk aus Belgrad, mit dem ich vor Jahren eine sehr un­angenehme Begegnung hatte, eine Anzeige gegen mich beabsichtigte. Ich habe mich solchen Möglich­keiten lieber entzogen.

Sie wissen, daß die Sekretärin Ihres Hauses, Frau Domkat, einmal meine Spiel Partnerin war. Dadurch kam auch sie in den Augen des Zaduk in den Schatten eines Verdachtes. Hnd ich möchte Ihnen nun die ausdrückliche Versicherung geben, daß nichts auf der Welt unberechtigter ist als nur auch die Spur eines solchen Verdachtes!

Ich hoffe, Luise Domkat für die Filmarbeit zu­rückzugewinnen. Bis dahin aber möchte ich für diese Frau dringend und herzlich Ihren persönlichen männlichen und ritterlichen Schutz erbitten! Ihr er­gebener Moravitzky."

Heitfeld reichte seinem Sohn den Bries zurück. Er sagte ttocken:Der Mann gefällt mir nicht ein­mal schlecht ..."

Waldemar Heitfeld befand sich in einer nervösen Zerrissenheit. Er sagte in peinigender Hngewißheit: Aber eine Aufklärung bringt auch dieser Bries nicht. Ich irrte mich nicht, Vater ... es hat jemand das Gcheimbuch Mindestens einen Tag lang ent­wendet."

Hnd das muß unbedingt Frau Domkat getan haben!" sagte der alte Herr ärgerlich.

Der Doktor beharrte aus seinem Verdacht. Es schien, als gäbe ihm nun der Bries Moravitzkys noch recht. Er sagte:Eben um Moravitzky von den Zaduks zu lösen, wird sie es getan haben. Ich kann es Mir nicht anders erklären."

Na...", Matthias Heitfeld erhob sich. Er öffnete die Tür zu dem Zimmer, in dem nun Luises Nach­folgerin saß.Meinen Wagen, bitte."

Wohin willst du, Vater?"

Zu Frau Domkat. Vielleicht ist sie aus Wien zurück. Hnd gib mir mal den Bries her. Den nehme ich mit."

Luise war in den Tagen, die sie noch in Berlin blieb, nicht untätig. Sie beschäftigte sich schon mit ihrer neuen Rolle und lernte eifrig. Aber sie konnte es nicht verhindern, daß ihre Gedanken immer wieder von dieser Arbeit absprangen, i

Luise gestand es sich nicht ein ... aber sie wartete. Sie legte manchmal das Drehbuch auf den Tisch zu« rück und setzte sich still in den Sessel am Fenster, saß stumm und bewegungslos und sah über die kahl gewordenen Baumkronen drüben, die sich knarrend im Winde bogen.

Der Brief des verstorbenen und nun zur letzten Ruhe gebetteten McnnH lag mit ein paar kühlen Begleitworten zum Absenden an Matthias HeitfeD bereit.

Dann aber, noch ehe Luise diesen Brief zur Post gab, empfing sie den Besuch ihres ehemaligen Chefs.

Sie erzitterte, als sie den Besucher erkannte. Der alte Herr kam selbst zu ihr. Das hatte sie nicht er* wartet... Ihr Herz schlug schwer.

Matthias Heitfeld hatte sich vorgenommen, diese Unterredung mit Luise Domkat völlig unsentimental zu führen und mit einer beharrlichen Entschloßen* heit der Richtung seiner Gedanken zu folgen. Er hatte in dieser verwickelten Sache seine sehr eigenen Gedanken.

Hnd so kam es, daß er durch den Brief des toten Mainz nicht einmal so sehr überrascht wurde. Er hatte die Liebe des verschlossenen Mannes, die dieser bei dem letzten Gespräch Heitfeld offenbart hatte, und den Selbstmord in Zusammenhang gebracht. Hnd als damals der Chemiker von einem Mangel an Beweisen sprach ... den Rat gab, die Unter­suchung einzustellen ... da war ein Verdacht in Heitfeld aufgestiegen.

Dieser Verdacht hatte also nicht getrogen.

Luise saß ganz still. Ihr Gesicht war verschlossen und verschwiegen. Aber ihr Herz war einsam und geängstigt.

Sie hielt die Hände im Schoß verschlungen und wartete, bis Heitfeld den Brief des Toten gelesen hatte.Mir scheint", sagte er,daß es auf beiden Seiten ... bei meinem Sohn und auch bei Ihnen - - - an dem rechten Vertrauen gefehlt hat."

Luise sah immer noch mit diesem rätselhaften Blick vor sich hin. Sie antwortete nicht.

Heitfeld sprach weiter:Wir müssen Sie um Ent­schuldigung bitten wegen eines Verdachtes, den nun der Tote einwandfrei widerlegt hat. Aber ich bitte Sie, jetzt nachzuholen, was Sie versäumt haben. Von dieser Versäumnis. kann ich Sie nicht frei* sprechen. Ich bitte Sie, mir die Wahrheit zu sagen über die Beziehungen, die Herrn von Moravitzky und auch Sie mit mit Joso Zaduk verbinden."

(Schluß folgt!)

wurde, was der Führer versprach, so werde auch in (tiefem Falle nach außen hin das Wort des Führers unbedingt Wahrheit und Eng­land durch unfern Sieg in die Knie gezwungen werden. Unser Volk könne auch hier wieder mit vollem Vertrauen seinem Führer folgen, und darum laute die selbstverständliche Parole für jeden Deut­schen: Führer befiehl, wir folgen!

Schließlich beschäftigte sich der Gauleiter noch mit einigen wichtigen Punkten der Heimat­front. Er konnte dabei mit gutem Recht auf die Tatsache Hinweisen, daß hinsichtlich unserer Le­bensmittelversorgung in vollkommen hin­reichender Weise alles geschehen ist, um von jedem Volksgenossen zu jeder Zeit das Gespenst der Not fernzuhalten, das üble Hamsterertum der Weltkriegszeit jetzt ausgeschaltet ist, Vertrauen und Kameradschaft aller Volksgenossen in dieser Krieaszeit besondere Verpflichtungen geworden sind, ebenso wie das selbstverständliche Gebot der diszipli­nierten Haltung jedes Volksgenossen im Hinblick auf die Notwendigkeiten der Volksgemeinschaft.' Weiter konnte der Gauleiter betonen, daß das Kriegsgewinnlertum der Weltkriegsjahre, das unserem Volke und seiner Haltung damals so schwer geschadet hat, diesmal keine Wieder­holung findet, da nach dieser Richtung hin durch die gesetzlichen Maßnahmen alle Vorsorge getroffen ist. Ebenso konnte er die erfreuliche Tatsache unter­streichen, daß in diesem Kriege für die Fami­lien der zum Wehrdienst einberufenen Männer weit besser gesorgt ist als in der Zeit des Weltkrieges, und daß jetzt besonders darauf geachtet wird, daß jede Familie unserer Soldaten ihren ge­wohnten und berechtigten Lebensstandard gewährleistet sieht. Wie in diesen Teilabschnit­ten' unserer inneren Front, so gelte überhaupt über­all bei uns der Grundsatz der Volksgemein­schaft der Tat.

Zum Abschluß feiner oft von starken Beifalls­kundgebungen unterbrochenen Rede wies der Gau­leiter noch einmal in prägnanter Zusammenfassung auf Englands Heuchelei, Brutalität, Skrupellosig­keit und Raubpolittk feit Jahrhunderten gegenüber asten Völkern hin, belegte seine Anklagen mit vielen überzeugenden Beispielen, kennzeichnete die viel­fachen Verbrechen des englischen Geheimdienstes, der auch vor Mordtaten nicht zurückschreckte, erin­nerte an den jüngsten englischen Mordplan gegen unseren Führer in München, ab-er auch an das | große englische Verbrechen der Blockade im Welt­krieg und jetzt wieder gegen die deutschen Frauen, Kinder und Greise, und zog aus dieser überzeugen­den Anklage und Beweisführung den Schluß für alle Deutschen, daß wir uns in unverbrüch­licher Festigkeit und mit der ganzen geballten Kraft unseres Volkes die­sem Raubst aat England entgegen ft ei­len uyd feine Anschläge gegen die Exzistenz und das Recht des deutschen Volkes völlig zunichte machen werden unter der Parole für alle Deutschen: M i t unferm Führer vorwärts zum Sieg Deutschlands!

Stürmischer langanhaltender Beifall der großen Versammlung dankte dem Gauleiter, dem Kreis­leiter Backhaus als Sprecher aller Gießener Volksgenossen auch für alle Zukunft feste und treue GefolAchaft für unfern Führer versichern konnte. Dann fand die denkwürdige Kundgebung in ge­wohnter Weise ihren Abschluß. B.

Uraufführung im Stadttheater «Niesten

Aus dem Dramaturgischen Büro des Stadt­theaters Gießen wird uns geschrieben:

Als dritte Hraufführung der Spielzett bereitet das Stadttheater Gießen das SchauspielCsongor und Tünde" von Mihäly Vörösmarty (1830) vor. Das auf Anregung des Intendanten Hermann Schultze-Griesheim von Dr. F. Klein-Krautheim aus dem Hngarifchen übertragene Werk ist eine der bedeutendsten Dichtungen der ungarischen Ro­mantik.

Keine Zinkgefäße für Lebensmittel.

Trotz wiederholter Warnung vor der Benutzung verzinkter eiserner Gefäße zur Aufbewahrung oder Zubereitung von Lebensmitteln find immer wieder Dergiftungsfälle vorgekommen, die durch den Ge­nuß zinkhaltiger Lebensmittel entstanden sind. Die Vergiftung ist meist daraus zurückzuführen, daß

Zinkblecheimer oder Zinkwannen, die für die Ver­wendung als Lebensmittelbehälter gar nicht be­stimmt find, mangels anderer Gefäße bei der Zu­bereitung von Speisen verwendet werden. Solche Zinkgefäße dürfen zwar zur Beförderung von Was­ser, aber keinesfalls zur Beförderung oder Aufbe­wahrung von säurehaltigen oder leicht säuernden Lebensmitteln wie Sauerkohl, Kartoffelsalat, Fleisch­salat, Milch, Fleisch, Marmelade, Obstsäften, Wein, Brotteig usw. verwendet werden, da diese Lebens­mittel durch Berührung mit Zink in kürzester Zeit gesundheitsschädlich werden und Massenvergistungen Hervorrufen können. Eine solche Verwendung ist nach dem Lebensmittelgesetz verboten und ftrafbar.

Siebener wochenmarktpreije

* Gießen, 14. Dez. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, aus­ländische Kühlhauseier, Klasse B 10%, Wirsing, % kg 7 bis 10, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 9 bis 12, Unter* kohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 18, Rosenkohl 32 bis 35, Feldsalat, 1/io 10 bis 12, Zwiebeln, % kg 10 bis 12, Meerrettich 40 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Aepsel 10 bis 25, Birnen 20, Salat, das Stück 10, Endivien 5 bis 12, Oberkohlrabi 6 bis 12, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15, Ra­dieschen, das Bündel 10 Rpf.

Rundfunkprogramm

Freitag, 15. Dezember.

6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengym­nastik. 6.30: Frühkonzert. Die Unterhaltungskapelle des Reichssenders Hamburg. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gymnastik. 8.20: Sendepause. 9.10: Mutter turnt und spielt mit dem Kind:Unser Kreisel tanzt so schön". 9.30: Schulfunk (Oberstufe). Sendereihe: Wirtschaft und Politik"Englands Rohstoffkrieg". Hörfolge. 10: Frohe Weisen. 10.50: Sportberichte. 11: Kammermusik. Jungmädel blättern im Lieder­buch. 11.50: Stadt und Land Hand in Hand. 12: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Das große Orchester des Reichs­senders Hamburg. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch... 15.45: Vom Rhein zur Saar. Gedichte und Erzählungen aus der saarpfäl­zischen Heimat. 16: Konzert. 17: Nachrichten. 17.10: Musikalische Kurzweil. 17.45: Klingende Liebes­gaben. Eine fröhliche Sendung des Reichssenders Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-GemeinschostKraft durch Freude". 19.10: Nach des Tages Arbeit. Dazwischen: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Hebertragung vom Deutschlandsender. 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.

Aus der engeren Heimat.

Lob der Arbeit!

* Lang-Göns, 12. Dez. Die Arbeit der Dreschmaschine dürfte nun überall abgeschlossen sein. In diesem Jahre nahm sie, nicht zuletzt verur­sacht durch die gute Ernte, verhältnismäßig lange Zeit in Anspruch. Viele Hände mußten sich regen, um die Arbeit zu bewältigen, und an manchem Tag wurde bis in den späten Abend hineingeschafft" Alle Beteiligten standen dabei in einer unverbrüch­lichen Arbeitsgemeinschaft. Das nachfolgende, von einem Dreschmaschinenarbeiter verfaßte Gedicht, das uns aus Lang-Göns zuging, schildert die Arbeit an der Dreschmaschine und drückt auch den Geist aus, der alle jene beseelte, die im Bannkreis der Dresch­maschine ihre Pflicht für die Volksgemeinschaft er­füllten.

Das Dreschen in Lang-Gons.

Lang-Göns, ein Dorf der Wetterau: Die Bauern dort find gut und schlau. Viel Frucht auf ihrem weiten Feld soll bringen manchen Batzen Geld. Doch erst muß sie gedroschen sein, sie brächte sonst recht wenig ein.

Es muß dazu die Dreschmaschin' in manche dunkle Schauer hin.

Die Dreschmaschin' kommt aus Dors-Güll und drischt an Frucht die Hüll' und Füll'. Doch ist sie mal verstopft, verflucht! So ist zu naß die ganze Frucht.

Und hängt das Stroh zu fest zusammen, so ist hierfür der Schnauzbart zu verdammen. Denn dem ist's eine Freud' und ganz egal: schwitzt auch der Pressemann viel hundertmal. Und wenn die Press' nicht richtig bindet, der Fehler leicht und schnell sich findet.

Meist ist schuld die alte Schnur: Besteht sie doch aus Knoten nur. Denn, glaubt es mir, wenn man sie ehrt, die Dreschmaschin' ist Goldes wert.

Es rührt und plagt sich mancher Mann und schafft und wirkt, was er nur kann. Der eine trägt und schleppt die Säck', der andere schwitzt und schluckt den Dreck.

So hat ein jeder seine Plag': Hinauf, hinab den ganzen Tag. Und doch ist jeder oftmals froh um Sack, im Stock und auch im Stroh. Der Kommandant heißt Otto May, und er ist überall dabei.

Er sorgt für Ordnung und Verzehr, drum fei ihm heute Lob und Ehr'. Jetzt viele Grüß' auch euch, ihr Leutt, das Dreschen war mir eine Freud'.

Der Pressemann.

Derkebrswerbung in Lich.

}) Lich, 13. Dez. Nach längerer Pause hielt der hiesige Verkehrs- und Verschönerungs­verein wieder eine Sitzung ab. Der Vorsitzende, Lehrer Hi Id, gab einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im letzten halben Jahr. Aus einem Schreiben an den Fremdenverkehrsverband erfuhr man, daß der vergangene Sommer unserer Stadt den bisher stärksten Fremdenverkehr brachte. Trotz Kriegszeit will man auch in diesem Winter die all­jährlich stattfindende Hauptversammlung abhalten. Bei dieser Gelegenheit sollen den Mitgliedern an Hand eines Farbfilmes Aufnahmen vom diesjähri­gen Blumenschmuckwettbewerb gezeigt werden. Preise können infolge der Zettverhältnisse nicht ver­teilt werden. Was die Ausgestaltung des Breuer- beraes anbelangt, so muß dieses Vorhaben ebenfalls verschoben werden, doch wurde angeregt, wenigstens den Zuganasweg von der Kirchhof gaste her mit Birken zu bepflanzen. Nach Beratung einiger in­terner Fragen wurde die Sitzung in der üblichen Weise geschlossen.

Auch in diesem Jahr hat es sich die Stadtver­waltung nicht nehmen lassen, einen großen Tannen­baum auf dem Adlerplatz aufzustellen. Wenn er auch nicht im Lichterglanz erstrahlen kann, so kündet er doch inmitten der Häuser von der bevorstehenden Weihnachtszeit.

Bürgermeistertagung in Alsfeld.

Alsfeld, 10. Dez. Auf Veranlassung von Landrat Dr. S ch ö n h a l s fand imDeutschen Haus" eine Dienstversammlung der Bürgermeister des Kreises Alsfeld statt, zu der auch Kreisleiter Zürtz erschienen war.

Landrat Dr. S ch ö n h a l s wies in feiner Er­öffnungsansprache darauf hin, daß seither Bespre­chungen mit Bürgermeistern im kleineren Kreise für verschiedene Orte stattgefunden hätten, aber beson­dere Umstände die Einberufung einer Vollversamm­lung der Bürgermeister notwendig gemacht hätten. Er gab bann zunächst einen Heberblick über die all­gemeine kommunalpolitische Lage, insbesondere über die durch die Kriegsbeiträge der Gemeinden geschaf­fene Lage. Der Landrat behandelte in seinen wei­teren Ausführungen eine Reihe von wichtigen Ein­zelfragen. Ferner wurde u. a. die Neuregelung der Polizeistunde behandelt, wobei Landrat Dr. Schön­hals darauf hinwies, daß diese von dem Reichsstatt- halter in Hessen einheitlich auf 12 Uhr festgesetzt sei und daß eine Verlängerung nur in dringenden Ausnahmefällen genehmigt werden könne. Ferner wurde die Betreuung der Bevölkerung im Behörden­verkehr besprochen, wobei insbesondere die Einträge auf Familienunterhalt einer näheren Erörterung unterzogen wurden.

Regierungsrat Beringer gab einen Heberblick

über die neuen Bestimmungen zur Einführung der Kleiderkarte. Inspektor Langstroff erläuterte die Maßnahmen,- die die Bürgermeister bei der Aus­gabe der Kleiderkarten zu beachten haben.

Kreisbauernführer Geiß sprach über das Ver­bot der Herstellung von Landbutter, über verschie- 1 bene Fragen zur Berufskleidung unb über den Ein­satz von Kriegsgefangenen.

Alsdann ergriff Kreisleiter Zürtz bas Wort. Er wies bei seiner Betrachtung über bie gegenwärtige politische Lage darauf hin, es handele sich in bleiern Kriege um bie große Entscheidung, ob weiterhin internationale Kräfte über bas Schicksal ber Völker entscheiden sollen, ober nicht. Das Ziel ber beutschen Kriegsführung fei die Vernichtung dieser Kräfte. Auch bie Arbeit hinter ber Front fei bafür außer- orbentlich wichtig. Der Kreisleiter roanbte sich bann einer Reihe von Einzelfragen zu, mit denen bie Bürgermeister sich besonders zu befassen haben. Er gab dabei allgemeine Richtlinien. Zum Schlüsse fei* | ner Ausführungen gab er eine Ueberfidjt über bie gegenwärtige allgemeine Kriegslage.

| Anschließend gaben die Sachbearbeiter bes Land- ratsamtes eine Reihe von bienstlichen Mitteilungen aus den verschiedenen Arbeitsgebieten.

Bürgermeister Dr. V ö l s i n g als Obmann ber Kreisaoteilung Alsfeld des Deutschen (Semeinbetags gab verschiedene Mitteilungen bekannt.

Landrat Dr. S ch ö n h a 1 s schloß die Dienstver­sammlung mit der Aufforderung an die Bürger­meister zu restlosem Einsatz für die Kriegsarbeit, unb mit dem Treuegelöbnis an den Führer.

Landkreis Giesten

5 Steinb a ch, 14. Dez. Am heutigen Tage tarnt Frau Katharina Elisabethe Balser, geb. Roth, Ehefrau des Johannes Balser I., ihren 8 2. G e - b urtstag bei leidlicher Gesundheit feiern. Schon vor acht Jahren konnten die Hochbetagten ihre goldene Hochzeit begehen. Unfere Glückwünsche zum Geburtstag.

Schweinemarkt in Nibba.

* Nidda, 13. Dez. Heute wurde hier im Zu­sammenhang mit dem Nibdauer Weihnachtsmarkt ein Schweinemarkt abgehalten. Der Handel verlief sehr flott. Bereits nach einer Stunde war der Markt geräumt. Für Ferkel im Alter von 5 bis 8 Wochen wurden 13 bis 15 RM., für 8 bis 10 Wochen alte Tiere 15 bis 18 RM., für 10 bis 12 Wochen alte Ferkel 18 bis 25 RM., für Läufer­schweine 25 bis 30 RM. pro Stück bezahlt.

Sillencin&rccbcr dinafest gemacht.

Auf frischer Tat ertappt unb niedergeschossen.

LPD. Frankfurt a. M., 11. Dez. Am Sams­tagabend überraschte ein Wohnungsinhaber in ber Eschenheimer Anlage einen Einbrecher, ber sich auf dem Balkon des Hauses zu schaffen machte. Der beherzte Wohnungsinhaber griff sofort zur Pistole und gab auf den Eindringling mehrere Schüsse ab, die diesen erheblich verletzten, so daß er durch die Rettungswache in das Städtische Kranken­haus gebracht werden mußte. Nach den Ermittlun­gen der Kriminalpolizei handelt es sich bei dem Einbrecher um den 24 Jahre alten Helmut Witte, ber am Sonntagmorgen auf Anordnung ber Staats­anwaltschaft in das Gefängnislazarett Preunges­heim gebracht wurde. Witte ist ein gefährlicher Villeneinbrecher, der steckbrieflich gesucht wird und an mehreren Orten des Ruhrgebietes Einbruch s- diebstähle unter dem Schutz der Verdunkelung ver­übt hat. Aus den Papieren, die er bei sich hatte, ging hervor, daß er sich seit mehreren Tagen in Frankfurt aufhielt und Sachen, die aus Einbrüchen stammen dürften, versetzt hat. Es besteht ber Ver­dacht, daß Witte auch noch einen weiteren Einbruch in- Frankfurt verübt hat.

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TB. B. in L. Die Rechtsberatungsstelle der Deut­schen Arbeitsfront kann Ihnen Auskunft geben und möglicherweise veranlassen, daß zwischen Firma unb Gemeinde ein Weg gefunden wird, der den Abzug unter bestimmten Voraussetzungen verhindert.

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27 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Luise hatte in der Abendzeitung die Notiz vom Tode bes Chemikers gelesen. Welche unheilvolle Tat! War ein Mensch berechtigt, biesen Weg zu gehen ...? Sie selbst hatte dem Toten eine bittere Enttäuschung bereitet. Aber sie wies den Gedanken von sich, irgendwelche Zusammenhänge zu sehen.

Dann kam der Bries.

Die letzten Worte des Toten brachten für Luise Domkat eine Heberraschung, die sie erschütterte und zugleich erlöste.

Der Brief war nur kurz. Die Frau starrte auf die Worte. Ihre Augen flogen über die Zeilen ... mein Gott, was schrieb er da ...

Ein Mensch stellte fest, daß sein Leben nur noch ein Leben der Einsamkeit und der Erinnerung und der Schatten sein könnte. Es lohnte sich nicht, dieses Leben. Mainz schrieb weiter ein Geständnis: ... ich besitze das Rezept von »Inkognitos Ich besitze andere wertvolle Geheimrezepte der Firma Heitfeld. Ich beging den Verrat, dessen man jetzt Sie verdächtigt. Ich gebe bie Rezepte hiermit in Ihre Hände zurück. Sie können sich nun recht- fertigen!

Weshalb ich es tat, werden Sie wissen. Ich sprach mit Ihnen von meinen Plänen, deren Erfüllung aber nur Sinn bekommen hätte, wenn ich auch Sie gewonnen hätte. Sie aber sagten, baß Sie mich nicht lieben. So hatte das Leben keinen Wert mehr für mich. Ich will mich nun selbst daraus entlassen..."

Luise ließ den Brief sinken.

Sie sah zum Fenster hin und sah draußen den tröstlichen silberklaren Himmel. Im Raum war schon das Zwielicht des späten Nachmittags. Sie sah sich im Zimmer um, bas ihr vertrauter geworden war als jedes andere auf der wechselnden Fahrt ihres Lebens. Es sollte auch nicht ber Vergangenheit an­gehören. Sie wollte immer wieder hierher zurück­kommen. In diese stillen Räume hoch über den Menschen und ihrem lauten Treiben...

Ihre Hand schob den Brief fort. Mußte sie dem