Toten nicht vergeben, da er aus dem Leben ging, um ihr zu helfen?
Ein trauriges Lächeln spielte um ihren Mund. Helfen... Einen Tageskummer kann man vergessen ... auch einen Verdacht kann man abwen- den ... sich reinwaschen davon... Aber ein Vertrauen, das verlorenging, findet man nicht wieder...
Da lag noch ein anderer Brief. Er war vor Tagen gekommen und war von Matthias Heitfeld. Man ersuchte sie um eine Unterredung.
Mußte sie dem alten Herrn gegenübertreten? Sie konnte jetzt beweisen, daß sie keine Rezepte entwendet hatte, daß sie gar keine Möglichkeit dazu hatte. Das Telegramm, das dem Doktor den Verdacht gab, war ja eigentlich nur der Beweis, daß die Forderung des Joso Zaduk nicht erfüllt wurde.
Sie dachte an die Mahnung Jäckels. Aber nun war alles anders geworden. Run sagte ein Toter für sie die Wahrheit.
Sie legte beide Briefe zusammen. Ehe sie diese Belastung, diese Selbstbeschuldigung eines Toten weitergab, sollte sich die Erde über diesem Toten schließen. Heber diesem seltsamen und nun zerstörten Leben.
Das war sie Mainz schuldig
Es kam noch ein anderer Brief. Nicht an Frau Domkat, sondern an Doktor Heitfeld. Ein sehr eiliger Brief. Mit dem Luftpoststempel USA.
Matthias wurde erst aufmerksam, als ihm gegenüber am Schreibtisch sein Sohn mit einer raschen Bewegung aufstand, mit einem Gesicht, daß die Erregung nicht verbergen konnte.
„Was ist ...?" fragte Matthias Heitfeld.
Der Doktor reichte ihm den Brief: „Lies ..."
Der Brief kam aus Neuyork, von Moravitzky. Es war ein sehr aufrichtiger ... ja, Matthias Heitfeld sagte später, daß es ein sehr sympathischer Brief wäre. Moravitzky hatte die ehrliche Absicht gehabt, sich in Neuyork als Vertreter der Parfümerie Heitfeld zu versuchen. Aber wenn man auf der Heber- fahrt mit einem namhaften französischen Regisseur zusammentrifft, den man überdies aus früherer Zusammenarbeit kennt, so wäre es Wahnsinn, das Angebot für Hollywood abzulehnen.
Matthias Heitfeld nickte ... das wäre natürlich Wahnsinn ...
Moravitzky löste also die Verbindung zur Parfümerie Heitfeld. Er löste sie sehr korrekt, er schrieb, daß er den Betrag der erhaltenen Reifespesen dem Neuyorter Hause der Heitfelds überwiesen habe.
Dann aber wurde der Brief persönlicher. Er wandte sich an den Menschen Heitfeld, an den Mann. „... ich will Ihnen das Geständnis ab= legen, mein sehr verehrter Herr Doktor Heitfeld, daß ich in manchen Zeiten meines Lebens ein leichtfertiger Mensch gewesen bin. Diese Leichtfertigkeit hätte mich unter Hmständen sogar mit den Gerichten in Konflikt bringen können, sofern Joso Zaduk aus Belgrad, mit dem ich vor Jahren eine sehr unangenehme Begegnung hatte, eine Anzeige gegen mich beabsichtigte. Ich habe mich solchen Möglichkeiten lieber entzogen.
Sie wissen, daß die Sekretärin Ihres Hauses, Frau Domkat, einmal meine Spiel Partnerin war. Dadurch kam auch sie in den Augen des Zaduk in den Schatten eines Verdachtes. Hnd ich möchte Ihnen nun die ausdrückliche Versicherung geben, daß nichts auf der Welt unberechtigter ist als nur auch die Spur eines solchen Verdachtes!
Ich hoffe, Luise Domkat für die Filmarbeit zurückzugewinnen. Bis dahin aber möchte ich für diese Frau dringend und herzlich Ihren persönlichen männlichen und ritterlichen Schutz erbitten! Ihr ergebener Moravitzky."
Heitfeld reichte seinem Sohn den Bries zurück. Er sagte ttocken: „Der Mann gefällt mir nicht einmal schlecht ..."
Waldemar Heitfeld befand sich in einer nervösen Zerrissenheit. Er sagte in peinigender Hngewißheit: „Aber eine Aufklärung bringt auch dieser Bries nicht. Ich irrte mich nicht, Vater ... es hat jemand das Gcheimbuch Mindestens einen Tag lang entwendet."
„Hnd das muß unbedingt Frau Domkat getan haben!" sagte der alte Herr ärgerlich.
Der Doktor beharrte aus seinem Verdacht. Es schien, als gäbe ihm nun der Bries Moravitzkys noch recht. Er sagte: „Eben um Moravitzky von den Zaduks zu lösen, wird sie es getan haben. Ich kann es Mir nicht anders erklären."
„Na...", Matthias Heitfeld erhob sich. Er öffnete die Tür zu dem Zimmer, in dem nun Luises Nachfolgerin saß. „Meinen Wagen, bitte."
„Wohin willst du, Vater?"
„Zu Frau Domkat. Vielleicht ist sie aus Wien zurück. Hnd gib mir mal den Bries her. Den nehme ich mit."
Luise war in den Tagen, die sie noch in Berlin blieb, nicht untätig. Sie beschäftigte sich schon mit ihrer neuen Rolle und lernte eifrig. Aber sie konnte es nicht verhindern, daß ihre Gedanken immer wieder von dieser Arbeit absprangen, i
Luise gestand es sich nicht ein ... aber sie wartete. Sie legte manchmal das Drehbuch auf den Tisch zu« rück und setzte sich still in den Sessel am Fenster, saß stumm und bewegungslos und sah über die kahl gewordenen Baumkronen drüben, die sich knarrend im Winde bogen.
Der Brief des verstorbenen und nun zur letzten Ruhe gebetteten McnnH lag mit ein paar kühlen Begleitworten zum Absenden an Matthias HeitfeD bereit.
Dann aber, noch ehe Luise diesen Brief zur Post gab, empfing sie den Besuch ihres ehemaligen Chefs.
Sie erzitterte, als sie den Besucher erkannte. Der alte Herr kam selbst zu ihr. Das hatte sie nicht er* wartet... Ihr Herz schlug schwer.
Matthias Heitfeld hatte sich vorgenommen, diese Unterredung mit Luise Domkat völlig unsentimental zu führen und mit einer beharrlichen Entschloßen* heit der Richtung seiner Gedanken zu folgen. Er hatte in dieser verwickelten Sache seine sehr eigenen Gedanken.
Hnd so kam es, daß er durch den Brief des toten Mainz nicht einmal so sehr überrascht wurde. Er hatte die Liebe des verschlossenen Mannes, die dieser bei dem letzten Gespräch Heitfeld offenbart hatte, und den Selbstmord in Zusammenhang gebracht. Hnd als damals der Chemiker von einem Mangel an Beweisen sprach ... den Rat gab, die Untersuchung einzustellen ... da war ein Verdacht in Heitfeld aufgestiegen.
Dieser Verdacht hatte also nicht getrogen.
Luise saß ganz still. Ihr Gesicht war verschlossen und verschwiegen. Aber ihr Herz war einsam und geängstigt.
Sie hielt die Hände im Schoß verschlungen und wartete, bis Heitfeld den Brief des Toten gelesen hatte. „Mir scheint", sagte er, „daß es auf beiden Seiten ... bei meinem Sohn und auch bei Ihnen - - - an dem rechten Vertrauen gefehlt hat."
Luise sah immer noch mit diesem rätselhaften Blick vor sich hin. Sie antwortete nicht.
Heitfeld sprach weiter: „Wir müssen Sie um Entschuldigung bitten wegen eines Verdachtes, den nun der Tote einwandfrei widerlegt hat. Aber ich bitte Sie, jetzt nachzuholen, was Sie versäumt haben. Von dieser Versäumnis. kann ich Sie nicht frei* sprechen. Ich bitte Sie, mir die Wahrheit zu sagen über die Beziehungen, die Herrn von Moravitzky und auch Sie mit mit Joso Zaduk verbinden."
(Schluß folgt!)
wurde, was der Führer versprach, so werde auch in (tiefem Falle nach außen hin das Wort des Führers unbedingt Wahrheit und England durch unfern Sieg in die Knie gezwungen werden. Unser Volk könne auch hier wieder mit vollem Vertrauen seinem Führer folgen, und darum laute die selbstverständliche Parole für jeden Deutschen: Führer befiehl, wir folgen!
Schließlich beschäftigte sich der Gauleiter noch mit einigen wichtigen Punkten der Heimatfront. Er konnte dabei mit gutem Recht auf die Tatsache Hinweisen, daß hinsichtlich unserer Lebensmittelversorgung in vollkommen hinreichender Weise alles geschehen ist, um von jedem Volksgenossen zu jeder Zeit das Gespenst der Not fernzuhalten, das üble Hamsterertum der Weltkriegszeit jetzt ausgeschaltet ist, Vertrauen und Kameradschaft aller Volksgenossen in dieser Krieaszeit besondere Verpflichtungen geworden sind, ebenso wie das selbstverständliche Gebot der disziplinierten Haltung jedes Volksgenossen im Hinblick auf die Notwendigkeiten der Volksgemeinschaft.' Weiter konnte der Gauleiter betonen, daß das Kriegsgewinnlertum der Weltkriegsjahre, das unserem Volke und seiner Haltung damals so schwer geschadet hat, diesmal keine Wiederholung findet, da nach dieser Richtung hin durch die gesetzlichen Maßnahmen alle Vorsorge getroffen ist. Ebenso konnte er die erfreuliche Tatsache unterstreichen, daß in diesem Kriege für die Familien der zum Wehrdienst einberufenen Männer weit besser gesorgt ist als in der Zeit des Weltkrieges, und daß jetzt besonders darauf geachtet wird, daß jede Familie unserer Soldaten ihren gewohnten und berechtigten Lebensstandard gewährleistet sieht. Wie in diesen Teilabschnitten' unserer inneren Front, so gelte überhaupt überall bei uns der Grundsatz der Volksgemeinschaft der Tat.
Zum Abschluß feiner oft von starken Beifallskundgebungen unterbrochenen Rede wies der Gauleiter noch einmal in prägnanter Zusammenfassung auf Englands Heuchelei, Brutalität, Skrupellosigkeit und Raubpolittk feit Jahrhunderten gegenüber asten Völkern hin, belegte seine Anklagen mit vielen überzeugenden Beispielen, kennzeichnete die vielfachen Verbrechen des englischen Geheimdienstes, der auch vor Mordtaten nicht zurückschreckte, erinnerte an den jüngsten englischen Mordplan gegen unseren Führer in München, ab-er auch an das | große englische Verbrechen der Blockade im Weltkrieg und jetzt wieder gegen die deutschen Frauen, Kinder und Greise, und zog aus dieser überzeugenden Anklage und Beweisführung den Schluß für alle Deutschen, daß wir uns in unverbrüchlicher Festigkeit und mit der ganzen geballten Kraft unseres Volkes diesem Raubst aat England entgegen ft eilen uyd feine Anschläge gegen die Exzistenz und das Recht des deutschen Volkes völlig zunichte machen werden unter der Parole für alle Deutschen: M i t unferm Führer vorwärts zum Sieg Deutschlands!
Stürmischer langanhaltender Beifall der großen Versammlung dankte dem Gauleiter, dem Kreisleiter Backhaus als Sprecher aller Gießener Volksgenossen auch für alle Zukunft feste und treue GefolAchaft für unfern Führer versichern konnte. Dann fand die denkwürdige Kundgebung in gewohnter Weise ihren Abschluß. B.
Uraufführung im Stadttheater «Niesten
Aus dem Dramaturgischen Büro des Stadttheaters Gießen wird uns geschrieben:
Als dritte Hraufführung der Spielzett bereitet das Stadttheater Gießen das Schauspiel „Csongor und Tünde" von Mihäly Vörösmarty (1830) vor. Das auf Anregung des Intendanten Hermann Schultze-Griesheim von Dr. F. Klein-Krautheim aus dem Hngarifchen übertragene Werk ist eine der bedeutendsten Dichtungen der ungarischen Romantik.
Keine Zinkgefäße für Lebensmittel.
Trotz wiederholter Warnung vor der Benutzung verzinkter eiserner Gefäße zur Aufbewahrung oder Zubereitung von Lebensmitteln find immer wieder Dergiftungsfälle vorgekommen, die durch den Genuß zinkhaltiger Lebensmittel entstanden sind. Die Vergiftung ist meist daraus zurückzuführen, daß
Zinkblecheimer oder Zinkwannen, die für die Verwendung als Lebensmittelbehälter gar nicht bestimmt find, mangels anderer Gefäße bei der Zubereitung von Speisen verwendet werden. Solche Zinkgefäße dürfen zwar zur Beförderung von Wasser, aber keinesfalls zur Beförderung oder Aufbewahrung von säurehaltigen oder leicht säuernden Lebensmitteln wie Sauerkohl, Kartoffelsalat, Fleischsalat, Milch, Fleisch, Marmelade, Obstsäften, Wein, Brotteig usw. verwendet werden, da diese Lebensmittel durch Berührung mit Zink in kürzester Zeit gesundheitsschädlich werden und Massenvergistungen Hervorrufen können. Eine solche Verwendung ist nach dem Lebensmittelgesetz verboten und ftrafbar.
Siebener wochenmarktpreije
* Gießen, 14. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, Vi kg 1,60 RM., Matte 25 Rpf., Käse, das Stück 5 bis 10, ausländische Kühlhauseier, Klasse B 10%, Wirsing, % kg 7 bis 10, Weißkraut 6 bis 7, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 7 bis 10, rote Rüben 9 bis 12, Unter* kohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 18, Rosenkohl 32 bis 35, Feldsalat, 1/io 10 bis 12, Zwiebeln, % kg 10 bis 12, Meerrettich 40 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Aepsel 10 bis 25, Birnen 20, Salat, das Stück 10, Endivien 5 bis 12, Oberkohlrabi 6 bis 12, Lauch 5 bis 15, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 15, Radieschen, das Bündel 10 Rpf.
Rundfunkprogramm
Freitag, 15. Dezember.
6 Uhr: Landvolk, merk' auf! 6.10: Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. Die Unterhaltungskapelle des Reichssenders Hamburg. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8: Gymnastik. 8.20: Sendepause. 9.10: Mutter turnt und spielt mit dem Kind: „Unser Kreisel tanzt so schön". 9.30: Schulfunk (Oberstufe). Sendereihe: „Wirtschaft und Politik" „Englands Rohstoffkrieg". Hörfolge. 10: Frohe Weisen. 10.50: Sportberichte. 11: Kammermusik. Jungmädel blättern im Liederbuch. 11.50: Stadt und Land — Hand in Hand. 12: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 13: Mittagskonzert. Das große Orchester des Reichssenders Hamburg. 14: Nachrichten. 14.15: Das Stündchen nach Tisch... 15.45: Vom Rhein zur Saar. Gedichte und Erzählungen aus der saarpfälzischen Heimat. 16: Konzert. 17: Nachrichten. 17.10: Musikalische Kurzweil. 17.45: Klingende Liebesgaben. Eine fröhliche Sendung des Reichssenders Frankfurt für die Kameraden am Westwall. In Verbindung mit der NS.-Gemeinschost „Kraft durch Freude". 19.10: Nach des Tages Arbeit. Dazwischen: Berichte. 20: Nachrichten. 20.15: Hebertragung vom Deutschlandsender. 22 bis 22.15: Nachrichten. 24 bis 0.15: Nachrichten.
Aus der engeren Heimat.
Lob der Arbeit!
* Lang-Göns, 12. Dez. Die Arbeit der Dreschmaschine dürfte nun überall abgeschlossen sein. In diesem Jahre nahm sie, nicht zuletzt verursacht durch die gute Ernte, verhältnismäßig lange Zeit in Anspruch. Viele Hände mußten sich regen, um die Arbeit zu bewältigen, und an manchem Tag wurde bis in den späten Abend hinein „geschafft" Alle Beteiligten standen dabei in einer unverbrüchlichen Arbeitsgemeinschaft. Das nachfolgende, von einem Dreschmaschinenarbeiter verfaßte Gedicht, das uns aus Lang-Göns zuging, schildert die Arbeit an der Dreschmaschine und drückt auch den Geist aus, der alle jene beseelte, die im Bannkreis der Dreschmaschine ihre Pflicht für die Volksgemeinschaft erfüllten.
Das Dreschen in Lang-Gons.
Lang-Göns, ein Dorf der Wetterau: Die Bauern dort find gut und schlau. Viel Frucht auf ihrem weiten Feld soll bringen manchen Batzen Geld. Doch erst muß sie gedroschen sein, sie brächte sonst recht wenig ein.
Es muß dazu die Dreschmaschin' in manche dunkle Schauer hin.
Die Dreschmaschin' kommt aus Dors-Güll und drischt an Frucht die Hüll' und Füll'. Doch ist sie mal verstopft, verflucht! — So ist zu naß die ganze Frucht.
Und hängt das Stroh zu fest zusammen, so ist hierfür der Schnauzbart zu verdammen. Denn dem ist's eine Freud' und ganz egal: schwitzt auch der Pressemann viel hundertmal. Und wenn die Press' nicht richtig bindet, der Fehler leicht und schnell sich findet.
Meist ist schuld die alte Schnur: Besteht sie doch aus Knoten nur. Denn, glaubt es mir, wenn man sie ehrt, die Dreschmaschin' ist Goldes wert.
Es rührt und plagt sich mancher Mann und schafft und wirkt, was er nur kann. Der eine trägt und schleppt die Säck', der andere schwitzt und schluckt den Dreck.
So hat ein jeder seine Plag': Hinauf, hinab den ganzen Tag. Und doch ist jeder oftmals froh um Sack, im Stock und auch im Stroh. Der Kommandant heißt Otto May, und er ist überall dabei.
Er sorgt für Ordnung und Verzehr, drum fei ihm heute Lob und Ehr'. Jetzt viele Grüß' auch euch, ihr Leutt, das Dreschen war mir eine Freud'.
Der Pressemann.
Derkebrswerbung in Lich.
}) Lich, 13. Dez. Nach längerer Pause hielt der hiesige Verkehrs- und Verschönerungsverein wieder eine Sitzung ab. Der Vorsitzende, Lehrer Hi Id, gab einen Bericht über die Tätigkeit des Vereins im letzten halben Jahr. Aus einem Schreiben an den Fremdenverkehrsverband erfuhr man, daß der vergangene Sommer unserer Stadt den bisher stärksten Fremdenverkehr brachte. Trotz Kriegszeit will man auch in diesem Winter die alljährlich stattfindende Hauptversammlung abhalten. Bei dieser Gelegenheit sollen den Mitgliedern an Hand eines Farbfilmes Aufnahmen vom diesjährigen Blumenschmuckwettbewerb gezeigt werden. Preise können infolge der Zettverhältnisse nicht verteilt werden. Was die Ausgestaltung des Breuer- beraes anbelangt, so muß dieses Vorhaben ebenfalls verschoben werden, doch wurde angeregt, wenigstens den Zuganasweg von der Kirchhof gaste her mit Birken zu bepflanzen. Nach Beratung einiger interner Fragen wurde die Sitzung in der üblichen Weise geschlossen.
Auch in diesem Jahr hat es sich die Stadtverwaltung nicht nehmen lassen, einen großen Tannenbaum auf dem Adlerplatz aufzustellen. Wenn er auch nicht im Lichterglanz erstrahlen kann, so kündet er doch inmitten der Häuser von der bevorstehenden Weihnachtszeit.
Bürgermeistertagung in Alsfeld.
△ Alsfeld, 10. Dez. Auf Veranlassung von Landrat Dr. S ch ö n h a l s fand im „Deutschen Haus" eine Dienstversammlung der Bürgermeister des Kreises Alsfeld statt, zu der auch Kreisleiter Zürtz erschienen war.
Landrat Dr. S ch ö n h a l s wies in feiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß seither Besprechungen mit Bürgermeistern im kleineren Kreise für verschiedene Orte stattgefunden hätten, aber besondere Umstände die Einberufung einer Vollversammlung der Bürgermeister notwendig gemacht hätten. Er gab bann zunächst einen Heberblick über die allgemeine kommunalpolitische Lage, insbesondere über die durch die Kriegsbeiträge der Gemeinden geschaffene Lage. Der Landrat behandelte in seinen weiteren Ausführungen eine Reihe von wichtigen Einzelfragen. Ferner wurde u. a. die Neuregelung der Polizeistunde behandelt, wobei Landrat Dr. Schönhals darauf hinwies, daß diese von dem Reichsstatt- halter in Hessen einheitlich auf 12 Uhr festgesetzt sei und daß eine Verlängerung nur in dringenden Ausnahmefällen genehmigt werden könne. Ferner wurde die Betreuung der Bevölkerung im Behördenverkehr besprochen, wobei insbesondere die Einträge auf Familienunterhalt einer näheren Erörterung unterzogen wurden.
Regierungsrat Beringer gab einen Heberblick
über die neuen Bestimmungen zur Einführung der Kleiderkarte. Inspektor Langstroff erläuterte die Maßnahmen,- die die Bürgermeister bei der Ausgabe der Kleiderkarten zu beachten haben.
Kreisbauernführer Geiß sprach über das Verbot der Herstellung von Landbutter, über verschie- 1 bene Fragen zur Berufskleidung unb über den Einsatz von Kriegsgefangenen.
Alsdann ergriff Kreisleiter Zürtz bas Wort. Er wies bei seiner Betrachtung über bie gegenwärtige politische Lage darauf hin, es handele sich in bleiern Kriege um bie große Entscheidung, ob weiterhin internationale Kräfte über bas Schicksal ber Völker entscheiden sollen, ober nicht. Das Ziel ber beutschen Kriegsführung fei die Vernichtung dieser Kräfte. Auch bie Arbeit hinter ber Front fei bafür außer- orbentlich wichtig. Der Kreisleiter roanbte sich bann einer Reihe von Einzelfragen zu, mit denen bie Bürgermeister sich besonders zu befassen haben. Er gab dabei allgemeine Richtlinien. Zum Schlüsse fei* | ner Ausführungen gab er eine Ueberfidjt über bie gegenwärtige allgemeine Kriegslage.
| Anschließend gaben die Sachbearbeiter bes Land- ratsamtes eine Reihe von bienstlichen Mitteilungen aus den verschiedenen Arbeitsgebieten.
Bürgermeister Dr. V ö l s i n g als Obmann ber Kreisaoteilung Alsfeld des Deutschen (Semeinbetags gab verschiedene Mitteilungen bekannt.
Landrat Dr. S ch ö n h a 1 s schloß die Dienstversammlung mit der Aufforderung an die Bürgermeister zu restlosem Einsatz für die Kriegsarbeit, unb mit dem Treuegelöbnis an den Führer.
Landkreis Giesten
5 Steinb a ch, 14. Dez. Am heutigen Tage tarnt Frau Katharina Elisabethe Balser, geb. Roth, Ehefrau des Johannes Balser I., ihren 8 2. G e - b urtstag bei leidlicher Gesundheit feiern. Schon vor acht Jahren konnten die Hochbetagten ihre goldene Hochzeit begehen. Unfere Glückwünsche zum Geburtstag.
Schweinemarkt in Nibba.
* Nidda, 13. Dez. Heute wurde hier im Zusammenhang mit dem Nibdauer Weihnachtsmarkt ein Schweinemarkt abgehalten. Der Handel verlief sehr flott. Bereits nach einer Stunde war der Markt geräumt. Für Ferkel im Alter von 5 bis 8 Wochen wurden 13 bis 15 RM., für 8 bis 10 Wochen alte Tiere 15 bis 18 RM., für 10 bis 12 Wochen alte Ferkel 18 bis 25 RM., für Läuferschweine 25 bis 30 RM. pro Stück bezahlt.
Sillencin&rccbcr dinafest gemacht.
Auf frischer Tat ertappt unb niedergeschossen.
LPD. Frankfurt a. M., 11. Dez. Am Samstagabend überraschte ein Wohnungsinhaber in ber Eschenheimer Anlage einen Einbrecher, ber sich auf dem Balkon des Hauses zu schaffen machte. Der beherzte Wohnungsinhaber griff sofort zur Pistole und gab auf den Eindringling mehrere Schüsse ab, die diesen erheblich verletzten, so daß er durch die Rettungswache in das Städtische Krankenhaus gebracht werden mußte. Nach den Ermittlungen der Kriminalpolizei handelt es sich bei dem Einbrecher um den 24 Jahre alten Helmut Witte, ber am Sonntagmorgen auf Anordnung ber Staatsanwaltschaft in das Gefängnislazarett Preungesheim gebracht wurde. Witte ist ein gefährlicher Villeneinbrecher, der steckbrieflich gesucht wird und an mehreren Orten des Ruhrgebietes Einbruch s- diebstähle unter dem Schutz der Verdunkelung verübt hat. Aus den Papieren, die er bei sich hatte, ging hervor, daß er sich seit mehreren Tagen in Frankfurt aufhielt und Sachen, die aus Einbrüchen stammen dürften, versetzt hat. Es besteht ber Verdacht, daß Witte auch noch einen weiteren Einbruch in- Frankfurt verübt hat.
Briefkasten der Nedakiion
TB. B. in L. Die Rechtsberatungsstelle der Deutschen Arbeitsfront kann Ihnen Auskunft geben und möglicherweise veranlassen, daß zwischen Firma unb Gemeinde ein Weg gefunden wird, der den Abzug unter bestimmten Voraussetzungen verhindert.
Gegen Zahnsteinärisaiz
die große Tube die kleine Tube
storkwirksam, zohnfleischkräfti- gend, mikrofein, mild aromatisch, - und preiswert!
CARL DUNCKER VERLAG• BERLIN
27 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Luise hatte in der Abendzeitung die Notiz vom Tode bes Chemikers gelesen. Welche unheilvolle Tat! War ein Mensch berechtigt, biesen Weg zu gehen ...? Sie selbst hatte dem Toten eine bittere Enttäuschung bereitet. Aber sie wies den Gedanken von sich, irgendwelche Zusammenhänge zu sehen.
Dann kam der Bries.
Die letzten Worte des Toten brachten für Luise Domkat eine Heberraschung, die sie erschütterte und zugleich erlöste.
Der Brief war nur kurz. Die Frau starrte auf die Worte. Ihre Augen flogen über die Zeilen ... mein Gott, was schrieb er da ...
Ein Mensch stellte fest, daß sein Leben nur noch ein Leben der Einsamkeit und der Erinnerung und der Schatten sein könnte. Es lohnte sich nicht, dieses Leben. Mainz schrieb weiter ein Geständnis: „... ich besitze das Rezept von »Inkognitos Ich besitze andere wertvolle Geheimrezepte der Firma Heitfeld. Ich beging den Verrat, dessen man jetzt Sie verdächtigt. Ich gebe bie Rezepte hiermit in Ihre Hände zurück. Sie können sich nun recht- fertigen!
Weshalb ich es tat, werden Sie wissen. Ich sprach mit Ihnen von meinen Plänen, deren Erfüllung aber nur Sinn bekommen hätte, wenn ich auch Sie gewonnen hätte. Sie aber sagten, baß Sie mich nicht lieben. So hatte das Leben keinen Wert mehr für mich. Ich will mich nun selbst daraus entlassen..."
Luise ließ den Brief sinken.
Sie sah zum Fenster hin und sah draußen den tröstlichen silberklaren Himmel. Im Raum war schon das Zwielicht des späten Nachmittags. Sie sah sich im Zimmer um, bas ihr vertrauter geworden war als jedes andere auf der wechselnden Fahrt ihres Lebens. Es sollte auch nicht ber Vergangenheit angehören. Sie wollte immer wieder hierher zurückkommen. In diese stillen Räume hoch über den Menschen und ihrem lauten Treiben...
Ihre Hand schob den Brief fort. Mußte sie dem


