M.188 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Montag, 14. August My
Unsere 116cr wieder daheim.
Nach mehrwöchiger Abwesenheit ist am gestrigen Sonntag unser Infanterie-Regiment 116 hierher zu- rückgekehrt. Das Regiment kam in mehreren Trans-, Porten am Nachmittag und bis zum späten Abend an. Beim Marsch vom Bahnhof bis zu den Kasernen schritt die Regimentsmusik den einzelnen Marsche kolonnen voran. Die Bevölkerung begrüßte die heim, kehrenden Soldaten mit gewohnter, stark interessierter Herzlichkeit. Insbesondere in den Nachmittags« stunden, als viele Spaziergänger unterwegs waren, fand sich naturgemäß eine große Menschenmenge an den Marschstraßen der Truppe durch die Stadt zur Begrüßung ein. Den Soldaten bereitete der herzliche Empfang offensichtlich Freude.
Militärkonzert bei der „Hassia".
Anläßlich des „Opfertages der deutschen Ruderer" veranstaltete der Gießener Ruderklub „Hassia" am gestrigen Sonntag ein Militärkonzert auf dem Platze am Bootshaus. Zahlreicher Besuch war erschienen, um dem Musikchor der Fliegerhorst-Kommandantur unter Leitung des Musikmeisters. Pfarre zu lauschen.
Ferner fanden auf der Lahn allerlei wassersportliche Darbietungen statt. Viel Interesse fanden die
Gesunde Zähne -gesunder Körper ! Chlorodont wirkt abends am besten
Aus der Stadt Gießen.
Knigge für Zische.
Dem Freiherrn von Knigge verdanken wir das schöne Buch „Umgang mit Menschen", das allerdings nicht, wie die meisten Menschen meinen, ein Ratgeber für den guten Ton in allen Lebenslagen ist, sondern allgemeine Ratschläge für die Behandlung des lieben Mitmenschen enthält. Auf die Behandlung des Menschen kommt es an, das ist die Quintessenz der Lebensphilosophie des guten Knigge.
Aber nicht nur Menschen wollen richtig behandelt sein, auch alle anderen Dinge. So zum Beispiel gleichfalls die Fische, die in unserer Ernährung eine immer größere Rolle spielen, seitdem wir ihren hohen gesundheitlichen Wert erkannt haben. Wenn nun manche Menschen immer noch keine Fische mögen, so liegt das in den allermeisten Fällen weniger an den Geschöpfen aus dem Reich Neptuns, als vielmehr an den Menschen selbst. Der Fisch ist sehr empfindlich gegen schlechte Behandlung und rächt sich dann auf seine Weise. Also ist es angebracht, einen Knigge für den Umgang mit Fischen zu schreiben. Das braucht kein umfangreicher Wälzer zu werden, sondern läßt sich mit einigen wenigen Sätzen tun.
Zunächst soll der Seefisch erst kurz vor dem Verbrauch (b. h. einige Stunden vorher) gekauft werden, damit die Kühllagerung, die der Fisch auf dem Wege vom Fischdamper bis zum Kleinhändler erfährt, so lange wie möglich fortgesetzt wird. Durch die richtige Behandlung läßt sich auch der arteigene Seegeruch der Fische mit Leichtigkeit zum Verschwinden bringen; um dies zu erreichen, soll der Fisch sofort nach dem Einkauf zu Hause aus dem Papier gewickelt und bis zum Fertigmachen kühl aufbewahrt werden, was im Eis- oder Kühlschrank oder dadurch geschieht, daß iman den Fisch in einen mit Essig getränkten Lappen iwickelt und an einen luftigen Platz in ein Tongefäß Hegt.
Der weitere Umgang mit Fischen ist durch das 'Drei-8-System gekennzeichnet. Diese drei gleichlauten- iben Buchstaben sind die Abkürzung für die Wörter Säubern", „Säuern" und „Salzen". Zwecks Säube- irung wird der Seefisch zunächst von der dunklen Wauchhaut und allen Blutteilen sowie von Kiemen mnd Augen befreit und tüchtig unter fließendem Wasser abgespült.x Mit Ausnahme von Rotbarsch wir der Seefisch nicht geschuppt, weil sich unter der Haut die besten Nährstoffe befinden. Bei dem küchen- fertigen Fischfilet, das besonders vorteilhaft und s,zeitsparend ist, genügt das Abspülen. Dann wird der Disch mit Wein^sig ober Zitronensaft gesäuert unb schließlich von allen Seiten gut eingesalzen. Diese Wirklich nicht schwierige Behanblung vergilt ber Fisch umit völliger Geruchlosigkeit, unb bas Fleisch wirb dadurch schneeweiß und fest. Wenn bann der See- ssisch nicht nur nach althergebrachter Weise in Ge- iwürzwasser gekocht oder wie üblich gebraten, sondern lim eigenen Saft gedünstet, auf Gemüse oder in Aunke gegart ober gegrillt wirb, bann wirb von ihm wuch der größte Feinschmecker befriedigt und vom »Umgang mit Fischen angenehm überrascht sein, denn fflufe Behandlung hat sich noch immer gelohnt.
Vornoiizen.
Tageskalender für Montag.
Gloria-Palast, Seltersweg: „Der Westwall"; „Ins lolaue Leben".
Bund Deutscher Mädel.
Mädel unb JHL-Unfergau 116.
Ulle Mädel- unb Iungmäbelgruppen schicken bis jum Dienstag, 15. August, ihren Gruppenstempel auf 'nen Untergau. Es ist gleich, ob ber Stempel noch alt hber bereits umgeänbert ist.
M.-Gruppe 4/116 Gießen-Nord.
Schar 1 und Schar 3 der Gruppe treten am Montag, 14. August, um 20.15 Uhr, zum Heimabend an der Schillerschule an. Schar 2 hat Diens- -ag, 15. August, am HI.-Heim, Walltorstraße, An- :retev. Es hat jedes Mädel pünktlich zu erscheinen.
Der Gauleiter im Egerländer Lager der HL.
. Eger, 1Z. August 1939. „Bauleiter,
1150 Führer des Jungvolks und der Hitlerjugend zur Besichtigung angetreten". Mit dieser Meldung empfing der Leiter des Egerländer HI.-Lagers den Gauleiter, der am Samstag dieses Lager der HI. des Gebietes Hessen-Nassau erstmals besichtigte, schnurgerade ausgerichtet, in vorbildlicher Haltung und mit leuchtenden Augen folgten die Hikler- jungen aus Darmstadt, Mainz, Offenbach und Büdingen dem Gauleiter, als er in Begleitung des Gebietsfuhrers die Front abschritt.
Hart am Rande der kerndeutschen Stadt Eger, inmitten herrlicher Wälder, ist das diesjährige Lager oes Gebietes Hessen-Nassau errichtet, in dem 6 000 HZ-Führer sportlich ertüchtigt und weltanschaulich geschult werden. Arbeitsgemeinschaften für Singen, sprechen, Erzählen und Laienspiel fördern die kul- tuerlle Ausrichtung. Das Lager wurde von den Lagerbelegschaften zu Fuß, mit dem Fahrrad und mit dem Zug erreicht. Durch das westliche Sudetenland, die Bayrische Ostmark und das Maintal wird die Heimfahrt vor sich gehen.
Die enge Verbindung, die im Lager sowohl als auch auf der Fahrt zwischen der Jugend des Gebietes Hessen-Nassau und der sudetendeutschen Jugend und Bevölkerung bestand, machte den Kampf und das Ringen unseres Volkes im Sude- tenland wieder lebendig. ' Es war ein glücklicher Gedanke der Gebietsführung, das diesjährige Führerlager bei der sudetendeutschen Stadt Eger aufzuschlagen, um einmal der Hitler-Jugend des Alt- reiches Gelegenheit zu geben, mit Feierstunden in ber alten Kaiserburg, luftigen Abenden im Lager, Aufmärschen und Kundgebungen auf dem Marktplatz von Eger der dortigen Bevölkerung den Dank für ihr tapferes Aushalten zum Ausdruck zu bringen und gleichzeitig der sudetenländischen Jugend ein Bild von den Leistungen und der Arbeit der Hitler- Jugend im Altreich zu vermitteln.
Als der Gauleiter zu der Lagergefolgschaft sprach, wies er zunächst auf diese Zusammenhänge hin. Er erinnerte die Jugend daran, wie einmal die Gegend, in der sie heute ihr Lager aufgeschlagen, Zeuge deutscher Zerrissenheit und deutschen Bruderkampfes war, wie dieses deutsche Egerland aber in den letzten Jahren und Jahrzehnten seine Treue zum Deutschen Reich unb brutschen Volk un-
ter Beweis stellte und heute innerhalb des Deutschen Reiches mit allen anderen Gauen wetteifert, Deutschland groß und stark zu machen. Mit ernsten und eindringlichen Worten mahnte der Gauleiter die Jugend seines Gaues an ihre Aufgabe und verpflichtete sie insbesondere dazu, unablässig dafür zu sorgen, daß die gesamte Jugend des Gaues sich im Jungvolk und in ber Hitler-Jugend zusammenfinde. Der Gauleiter erkannte lobend die mustergültige Disziplin des Lagers an. Als er bann in launigen Ausführungen bie Gesetze ber Disziplin erörterte, benen sich die Jugend des Führers in vorbildlicher Weise freiwillig unterzieht, brausten Beifall- unb Heiterkeitsstürme durch das Lager. In feinen weiteren Ausführungen behandelte der Gauleiter noch die Frage der Landflucht, foweit sie für diesen Zu- horerkreis Bedeutung und Interesse hat. Die Zustimmung, die der Gauleiter bei seinen jungen Gefolgsleuten hatte, war das Versprechen jedes Jungen, an der Stelle feine Pflicht zu tun, an bie ihn das Schicksal gestellt hat. Mit dem Wunsch für frohe Stunden im Lager unb glückliche Heimfahrt verabschiedete sich der Gauleiter. Es folgte eine eingehende Besichtigung des Lagers, das in feinem ganzen Aufbau alle Anerkennung verdient. Die Fürsorge für die Verpflegung und Unterbringung ist ebenso mustergültig, wie die ärztliche Betreuung.
Am selben Abend fand auf dem Marktplatz ber Stabt Eger eine Feierstunde des Bannes 117 (Mainz) statt. Ein Fackelspalier sperrte bie Spiel- manns-, Musik-- unb Fanfarenzüge, sowie eine 400 Köpfe zählende Sing- unb Spielschar der Mainzer Hitler-Jugend gegen die zu Tausenden anwesende Bevölkerung ab, die mit großer Anteilnahme und in schweigender Ergriffenheit die Lieder und Märsche der Hitler-Jugend anhörte. Die Führer der örtlichen Parteiorganisation begrüßten den Gauleiter, der außer mit seiner ständigen Begleitung mit Gaupropagandaleiter Stöhr, Gauschulungsleiter Ruder und Kreisleiter Fuchs aus Mainz erschienen war. Als ber Musikzug mit bem Egerländermarsch seine Darbietungen beschloß, dankten die Hörer mit langanhaltendem Beifall. Ein kameradschaftlicher Gedankenaustausch zwischen den Parteigenossen des Egerlandes und denen aus Hessen- Nassau beschloß den Besuch des Gauleiters in Eger.
Von der Egerfahrt zurückgekehrt.
Gestern um die Mittagsstunde kehrte nach vielen überaus erlebnisreichen Tagen die Gießener Fahrtengruppe der Hitler-Jugend und des Jungvolks von der Egerfahrt zurück. Noch war in allen Augen ein Abglanz ber Erlebnisse, unb es schien, als fei all den jungen Kameraden noch das herrliche Bild der Wartburg vor Seele und Augen, die sie zum Abschluß der großen Fahrt, von Saatfeld über Ilmenau, Crawinkel und Ohrdruf nach Eisenach kommend, kennenlernen und besichtigen konnten, bevor sie der Zug wieder in die Heimat brachte.
Die Pimpfe und Junggenoffen befcmben sich in denkbar bester Verfassung. Quicklebendig sprangen sie aus den letzten Wagen des Personenzugs, ber um 12.04 Uhr in Gießen von Fulda her eintraf, warfen ihr umfangreiches Gepäck über und sprangen zum Packwagen, um die Räder zu holen und das Gepäck aufzuschnallen. Nachdem dies geschehen war, traten sie auf dem Bahnhofsvorplatz in Reih und Glied an, fuhren geschlossen zum Platz vor dem ßiebigbau unb traten dort in langen Reihen an. Oberfähnleinführer Moos meldete nach einer schmetternden Jungoolksanfare dem Bannführer Taesler die zurückgekehrte, Fahrtengruppe.
Bannführer Taesler hielt eine kurze Ansprache.. Er erinnerte an das Erlebnis ber Landschaft im Frankenland, im Sudetenland und im Thüringerwald, er sprach davon, daß dieses Erlebnis bewahrt werden müsse, daß aber auch die anderen Kameraden daran teichaben sollen, indem in Heimabenden ausführlich berichtet werde. Den Kameraden sei es vergönnt gewesen, mit den Sudetendeutschen zu sprechen und von ihnen unmittelbar zu hören, wie sie um ihre Freiheit zu kämpfen hatten. Als schönstes Erlebnis solle aber jeder stets vor Augen haben, daß es ihm vergönnt gewesen sei, dem Führer gegenüberzustehen. Abschließend gab Bannführer Taesler der Hoffnung Ausdruck, daß die Schar derer, die im nächsten Jahre auf große Fahrt gehen könne, noch großer sei, als in diesem Jahre.
Nach diesem abschließenden Appell schwangen sich Hitlerjungen und Pimpfe wieder auf die Räder, um sich nun auf kürzestem Wege nach Hause zu begeben. Viele wurden von Eltern und Geschwistern abgeholt.
Am kommenden Mittwochabend findet als Abschluß des Fahrtenerlebnisses noch ein Kakao-Abend im Heim in der Wilsonstraße statt.
Wettrudern, die mit großem Eifer ausgetragen wurden. Zum Fischestechen hatten sich die Paddler versammelt; cs war ein lustiges Treiben zweier Jungen, bie gegenseitig versuchten, sich aus bem sBoot zu stoßen. Auch das Wettrudern im Bottich rief große Freude hervor.
Während auf ber Lahn die Boote schwammen, bot bas Musikkorps ber Flieger ausgezeichnete Unterhaltungsmusik, für bie es immer mieber mit lebhaftem Beifall belohnt wurde. Zur Freude der Nu- derer spielte es auch den alten Ruderermarsch.
Die Veranstaltung nahm in allen Teilen einen schonen Verlauf. Dem Verein und allen Mitwirken-- ben gebührt volle Anerkennung.
Gießen-Klein-Linden.
Am heutigen Montag, 14. August, wird der Arbeiter Valentin Lippert, Lützellindener Straße 26, in bester Frische 7 2 Jahre alt. Der alte Herr geht noch täglich feinen Arbeiten nach. Dem Jubilar, einem langjährigen treuen Bezieher des Gießener Anzeigers, gilt auch unser herzlicher Glückwunsch zum Geburtstag.
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** Auszeichnung für verdiente Poli - zeibeamte. In Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste hat der Führer den Polizeihaupt- wachtmeistern Ludwig H a u b a ch , Wilhelm Klapp und Josef Wieder bei der Polizeibirektion Gießen die 1. Stufe der Polizeidienstauszeichnung für 25- jährige treue Dienstleistung verliehen.
** Wieder in Verwahrung gebracht. Am Freitag berichteten wir von dem Entweichen eines 56 Jahre alten Mannes aus der hiesigen Landes-Heil- und Pflegeanstalt. Der Mann war dort im Laufe ber letzten Tage heimlich verschwunden. Durch unsere Notiz wurden Einwohner von Holzheim auf einen fremden Mann aufmerksam, der gerade in dieser Zeit dort zugewandert und bei einer Familie als Erntehelfer tätig war. Die sofort benachrichtigte Gendarmerie besah sich den Fremdling und konnte feststellen, daß es sich um den gesuchten Ausreißer handelte. Der Flüchtling wurde alsbald wieder nach Gießen in die Heil- und Pflege- anstalt zurückgebracht.
Gießener Giadiiheaier.
Berliner Ensemble-Gastspiel „Reisebegleiterin gesucht..."
Am Samstagabend gastierte im Stadttheater ein Berliner Ensemble unter der hier schon bekannten Direktion von Carl Heinz Klubertanz mit einem •reiaftigen Lustspiel „Reisebegleiterin gesucht ..." Angebote unter F 5000 postlagernd)' von Heinz li 11 m m e r.
©in hochsommerliches Stück. Es handelt von einem •genannten modernen Menschen, einem junggeselligen 3enCaS^*re^°-r namen5 Frank, der jedes Frühjahr :;ier Wochen in den sonnigen Süden reift unb sich 1:0311 eine Begleiterin chartert, bie jung unb hübsch
m muß unb für bie vier Wochen die runde Summe von 5000 Mark erhält... Das Angebot auf bie dies- h-zügliche Anzeige ist natürlich gewaltig.
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!An feine Privatsekretärin, Thea, hat der moderne, 01 schaftstuchtige und unromantische Mann dabei nie Obacht. Sie hebt ihn, aber er ahnt es nicht. Das dimmt erst ans Licht, als ein Freund des Direktors, Liamill, ihr einen infolgedessen ergebnislosen Antrag macht. Camill ist dennoch selbstlos genug, den b "den auf die Sprunge zu helfen, indem er Frank b-,3U bringt, Fräulein Thea als Reisebegleiterin zu engagieren, die sogar auf das Angebot eingeht ...
Aber diesmal kommt Frank nicht auf feine Kosten;
I tuea kuriert ihn gründlich, indem sie ihn mit seinen Mfen schlägt, ihm seine Spesen vorrechnet und ifin greulich ernüchtert. Zuletzt ist er eifersüchtig, nHtig verliebt, und das happy end ist fertig.
Ss war schon im ersten Akt vorauszusehen, und ; Itm atmet im stillen auf, wenn die drei Akte unter d^ch und Fach sind; es ist einem nicht immer ganz vlhl dabei. Die Beziehungen zwischen Mann und Jnu werden hier in einer Art erörtert, bie mehr ll einmal hart an, der Grenze des guten Ge- : ltmacks vorbeigeht; die Verquickung von Liebe und ) schäft wird gelegentlich in einer Tonart ironisiert, • vu'che die ohnehin unmißverständliche Situation ; tHt scharmanter macht.
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■Inter ber scharf pointierenden Regie von Klu- kürtanz wurde mit gastspielmäßiger Geläufigkeit ’ n't munterer Laune gespielt. Im Mittelpunkt stand Jhria Paudler; wir sahen sie zuerst vor etlichen ■anren im Berliner Staatstheater, zuletzt in dem film „Ein Mädchen geht an Land"; hier in diesem I Qcltfpielftücf hat sie nicht nur rollenmäßig die jeltral= und Schlüsselstellung auf bem Schachbrett
der Figuren, sondern auch bas große Verdienst, mit einem feinen, unaufdringlichen, elegant gesetzten Dialogpart eine weibliche Ueberlegenheit auszuspielen, bie bas Abenteuer stellenweise in eine anmutigere Atmosphäre hob; ihre blonde, gepflegte Schlankheit wurde durch einen beachtlichen Toilet- tenwechsel erfreulich und reizvoll unterstrichen.
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Ludwig Anberfen spielte den Generaldirektor: mit entwaffnender Nüchternheit, Selbstverständlichkeit und Trockenheit als einen mit Scheckbuch und Kontrakt bewaffneten Casanova dieser Zeit. C. H. Klubertanz, in einer gefühlsmäßig heftig belasteten Position zwilchen den beiden „Vertragspartnern", gab mit geoämpftem Humor und glaubhafter Empfindung den Freund Camill. —
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Das Haus war für hochsommerliche Verhältnisse gut besucht und spendete sehr freundlichen Beifall.
Hans Thyriot.
Wenn Männer kochen...
Von Etta Nohlfs.
Der Unterschied ist der:
Man kann einem Menschen eine, Sache so erklären, daß er kaum das Ende des Vortrages abwarten kann, um sich selbst in Tätigkeit zu setzen.
Oder man kann sie so erklären (das ist die übliche Art), daß er ein Studium von einigen Jahren vor sich sieht.
Sicherlich haben Sie, genau wie ich, obwohl Sie vielleicht keine Hausfrau sind, schon oft gekocht; besonders ein Lieblingsgericht, sagen wir: Schinken- makkaroni. Eines Tages kommt Ihnen der Gedanke, im Kochbuch nachzulesen, wie das Kochbuch Schinkenmakkaroni kocht. Da merken Sie erst, daß Sie Schinkenmakkaroni gar nicht kochen können, und wie Sie verängstigt weiterblättern, sehen Sie, daß das Kochen eine Kunst ist, die sich ganz gewiß nicht im Dorübergehen lernen läßt. —
Legen Sie das Kochbuch aus der Hand, denn es jft ein strenges Kochbuch, geeignet für eine Schülerin, die ein Examen machen muß und die weiß, daß auch die einfachste Speise theoretischer Durchdringung nicht en traten kann.
Die meisten Kochbücher sind von Frauen geschrieben, und Frauen sind in der Regel ernsthafter als Männer. Außerdem ist es feit Jahrtausenden ihr Los zu kochen. (Obwohl es sogar Wissenschaftler gibt, die behaupten, daß die Frauen zum Kochen keineswegs von Natur aus prädestiniert feien. Große Köche, die es zu historischem Ruhm bringen,
und Köche im Märchen sind denn auch viel häufiger als Köchinnen.) Kurzum, es ist seit Jahrtausenden ihr Los, zu kochen, es ist Jahrhunderte ihr Los gewesen, nichts zu tun als zu kochen, weshalb es denn kein Wunder ist, daß die Frauen diese Tätigkeit ernst nehmen; und daß sie einen eigenen Stil der Mitteilung von Kochrezepten erfunden haben, der es an sich hat, auf andere Fraüen mit unsicheren Kenntnissen einschüchternd zu wirken. Wenn auch der ganz große Kochbuchstil endgültig in die Archive eingegangen ist, der solche Sätze formte wie den: man nehme einen guten Nudelteig ...
Jede Frau, die mit anderen Frauen Kochrezepte ausgetauscht hat, weiß, daß es ein unvergleichlich größeres Vergnügen ist, mit Männern vom Kochen zu sprechen. Denn wenn Männer kochen, kochen sie aus Passion und weil sie entdeckt haben, daß es zum Kochen wirklich „etwas" braucht (eine Hand, eine .Nase, ein Gefühl), das der künstlerischen Begabung verwandt ist.
Und da also das Kochen für Männer gewissermaßen eine sonntägliche Beschäftigung ist (denn was man gern tut, ist immer sonntäglich), haben auch sie für ihre Mitteilungen einen Stil herausgebildet, einen gewissen heiteren Kochbuchstil. Schon Herr von Rumohr, Brillat-Savarin und Balzac haben auf eine teils ironische, teils liebenswürdige Art der Mitteilung gehalten; und die Kochbücher des Herrn von Pomiane etwa sind so ergötzlich und reizvoll zu lesen, daß der sie meiden sollte, der gar keine Möglichkeit hat — wenn auch nur gelegentlich — selbst zu kochen: er könnte melancholisch werden.
Man muß der Gerechtigkeit wegen anmerken, daß nur wenige Männer wahrhaft vielseitige Köche sind. Die meisten verstehen sich auf eine kleine Folge von Gerichten, mit denen sie paradieren, die sie dann aber auch wirklich bereiten können. Und das nur zum Teil deswegen, weil kochende Männer die Zutaten weniger als Frauen nach ihrem ökonomischen Wert den Speisen zubemessen, als weil sie, nach Männerart, das, was sie tun, ganz tun. Männer, die kochen, sind ungeteilt ihren inneren Visionen von den Düften und Schmücken der Speise hinge- geben. Darum erregt dann auch das fertige Gericht jene sanften Ekstasen der Geschmacksnerven, an denen kundige Esser den genialen Koch erkennen. (Freilich mutet ihnen auch niemand zu, zwischen dem Kochen etwa die Familienstrümpse oder Aergeres zu waschen.)
Diese Amateurköche brauchen die Gäste wie der Schauspieler Kritiker. Meist sind sie reizende Gastgeber, und, wenn man es nicht unterläßt, den Spruch der Kennerschaft auszusprechen, angenehmere Gastgeber als viele Frauen. Ihnen fehlt meist völlig, was die Frauen als Gastgeber (und
zumal die älteren) den Gästen so leicht problematisch macht: der gastronomische Minderwertigkeitskomplex, der die damit Geplagte zwingt, die geheimen Mängel und das Beinahdanebengelungensein der Speisen zu offenbaren und die also herausgeforderten Protestrufe der Gäste glücklich-unglücklich abzuwehren. Solche Schwierigkeiten kennen kochende Männer nicht, auch entschuldigen sie sich Nicht wegen etwaiger Unvollkommenheiten ihrer Wohnung. Sie sind ganz sicher in ihrem selbsterwählten Bereich, und solchen Männern sollte man, wenn man bei Ihnen zu Gast ist, auch keine Hilfe anbieten. Sie stiften zwar in der Regel ein ärgerliches Chaos auf ihrem Küchentisch, indes ist dies Chaos meist nur optischer Natur; ein organisches Chaos gewissermaßen, das von ihnen besser übersehen wird als die mechanische Ordnung, die eine weibliche Hand sogleich gern Herstellen würde. Auch sollte man das Dasein eines kochenden und gastgebenden Mannes nicht durch allzu staunende Bewunderung auf seinen Seltenheitswert immer wieder aufmerksam machen. Es mag ohnehin nicht leicht sein, in einer Welt voller Köchinnen und Hausfrauen seine Sicherheit gegen das skeptische Lächeln der wahrhaft Berufenen aufrechtzuerhalten.
Zeitschriften.
— „Aus der Natur" („Der Naturforscher"), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — Zwei Aufsätze bekannter Forscher im August-Heft rühren an Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung, die wichtige Grundlagen für weltanschauliche Betrachtungen bieten. Professor Dr. med. I. H. Schultz berichtet über die merkwürdigen Beziehungen zwischen Kreislauf und Seelenleben; Professor Dr. Julius Andree gibt an 5>nb von Zeichnungen eine klare Uebersicht über die eiszeitlichen Kulturen und Menschen in ihren Beziehungen zueinander und geht dabei unserer Herkunft nach. — Auch im August wird noch gereift und gewandert: Anregungen zur Naturbeobachtung geben die mit Bildern aus gestatteten Aufsätze von Peter Kuhlemann „Im Watt", von Dr. H. Splitter „Die Verwertung der Kreide von Rügen" und von Erna Mohr „Allerlei Fragen bei der Beobachtung von Spitzmäusen". Energischer als je gilt es, den Kampf gegen Schädlinge aufzunehmen und durchzuführen: Professor Dr. K. Th. Andersen widmet dem gestreiften Blattrandkäfer, einem „Schädling unferer Hülfenfrüchte", und Dr. von Frankenberg der Lebensgeschichte der Schmeißfliege bebilderte Aufsätze. Die kleinen Beiträge aus allen naturwissenschaftlichen Gebieten, die kurzgefaßten Forschungsergebnisse, die Bücherschau und die Preisfrage beschließen das Heft.


