Nr. 188 Erstes Blatt
189. Jahrgang
Montag, 14. August 1939
Gießener Anzeiger
Graf Giono wieder in Mm
Zwei Besuche beim Führer auf dem Obersalcherg.
wenn sich die Kopfzahl der Mitglieder vermehrte, bauten sie zu den vorhandenen Häusern neue hinzu, und zwar aus Mitteln der Allgemeinheit. Dem Gemeinschaftsgefühl wurde äußerlich dadurch Rechnung getragen, daß die in einer Reihe aufgeführten Häuser aneinanderstießen und die Dachlinie fortgeführt wurde, so daß sie alle, gewissermaßen als eine große Familie, unter demselben Dach wohnten. In jeder derartigen Ortsgemeinschaft, die sie mit „Hof" bezeichneten, wählten sie drei der Aeltesten zu Vorstehern, deren einer der Kurator der Gemeinde war, ein anderer hatte die nötigen Sachen zu besorgen, der dritte teilte diese wieder aus, und wenn jemand etwas für sich, seine Frau oder seine Kinder benötigte, so brauchte er es nur dem Kurator anzumelden, und er erhielt cs aus den gemeinsamen Beständen. Wie streng diese Gütergemeinschaft als oberstes Gesetz galt, geht daraus hervor — so ist es wieder in Sobotischt zu le-sen —, daß 1529 ein gewisser Jakob Huntter, der die Gütergemeinschaft brach und vierzig Gulden entwendete, dem Ortsrat angezeigt und aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurde.
Auch heute findet alljährlich am Montag nach
dem Dreikönigstag die Wahl zum Ortsvorstand statt. Jeder, der einen Hausanteil besitzt, ist stimmberechtigt. In Sobotischt sind es 39. Die Wahl geht im „Hof"-Wirtshaus vor sich, und jeder Gast, auch Ortsfremde, erhält vom Wirt einen halben Liter Wein umsonst. Durch die Wahl werden die Flukar (Schließer), der Bürgermeister, zwei Wirtschafter, denen heute die Führung des Wirtshauses und insbesondere die Weineinkäufe obliegen, aber die auch Ordnungsgewalt haben und überhaupt für das Wohl der Brüder und Schwestern Sorge tragen müssen, und drei Beisitzer bestimmt. Das Bargeld wird vom Klukar (Schließer) verwaltet. Ueberschüsse werden, falls sie nicht für Neuanschaffungen aufgehen, wie bei einer Aktiengesellschaft in der Form von Dividenden an die einzelnen Mitglieder zu gleichen Teilen ausgeschüttet. Die Einkünfte ergeben sich hauptsächlich aus dem Mahllohn und den Wirtshauszechen. Der Wald, dos letzte Stück Grund und Boden im Gemeinschaftsbesitz, wird in jedem Herbst ausgelost, und die Männer der ganzen Gemeinde gehen dann mitsammen „aushacken", um die Holzvorräte für den Winter zu sichern. Für den Trunk während der Arbeit hat der Gemeindewirt ohne Entgelt aufzukommen.
Die eigenen Schulen und Lehrer wurden 1863, als die Habaner der politischen Obrigkeitsbehörde untergeordnet wurden, als sie die eigene Gerichtsbarkeit verloren und gemeinsames Gut, Aecker und Wiesen und Weingärten an die Mitglieder aufteilen mußten, in die öffentlichen überführt. Aber
noch jetzt erhalten Lehrer und Pfarrer durch die Habanermühle ein Fruchtdeputat.
Die Oase an Freundlichkeit und'Reinlichkeit, die der Habaner Hof in dem slowakischen Sobotischt bildet, wird schon durch die sorgsame Gepflegtheit und bauliche Eigenart der Siedlung bestimmt. Mit einem Schritt ist man in einer anderen Welt. Insbesondere die zwei bis drei Stockwerke hohen Dächer mit ihrem „Oertele" und „Stüberle", in dem die Habaner, wenn sie es nicht als Schlafraum benützen, Getreide aufbewahren, find Spezialitäten, die Interesse erwecken. Trotzdem die Dächer aus Stroh verfertigt werden, sind sie unverbrennbar. Das Material wird mittels eines besonderen Verfahrens mit Lehm getränkt und mit einem gipsartigen Mörtel bespritzt. Im Sommer sind die Räume kühl und im Winter warm. Auch im Innern der Häuser herrscht peinliche Sauberkeit. Alles ist blitz- blank. In einer Küche der gestickte Spruch: „Das größte Glück für einen Mann ist eine Frau, die kochen kann!"
Heute durchweg Bauern, waren die Habaner einmal ganz ausgezeichnete Handwerker. Nur noch spärliche Zeugen davon befinden sich im Besitz einzelner Familien. Bei einem Besuch des Preßburger Nationalmuseums sieht man Habaner Keramiken, bunte, mit viel Geschick ausgeführte Töpferarbeiten. Die in den Siedlungen sind wohl den Weg alles Irdischen gegangen. Nur in Stupava soll noch gelegentlich eine Töpferscheibe sich drehen und ein Brennofen glühen ...
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haltlos und frei angenommene friedliche Regelung herbeiführen.
„Daily Telegraph" meldet aus Salzburg, daß zwischen Deutschland und Italien eine hundertprozentige Einigung erzielt sei. Italien sei mit den Salzburger Besprechungen völlig zufrieden. Es scheine, daß Italien nun die deutsche Forderung, daß Danzig zum Reich zurückkehren müsse, rückhaltlos unter st Ütze.
unbedingte Solidarität der beiden Achsenmächte unterstreicht, die, wie „Messaggero" betont, jede Probe siegreich bestehen werde. Es sei einfach absurd, auch nur an die Möglichkeit glauben zu wollen, daß zwischen Deutschland und Italien in bezug auf Fragen, bei denen es um das Schicksal der beiden Völker geht, auch nur die ae- ringste Meinungsverschiedenheit herrschen tonnte. In der Danziger ebenso wie injeder anderen Frage werden Deutschland und Italien bis ans Ende Seite an Seite marschieren. Danzig sei ja nur die Teilfrage des viel umfassenderen Problems der Gesamtrevision der Friedensverträge und der Verwirklichung einer höheren internationalen Gerechtigkeit, bei der den proletarischen Völkern der Platz an der Sonne und die Teilnahme an den Gütern der Welt gesichert werden soll.
Das Echo in Paris und London.
Paris, 14. August. (DNB. Funkspruch.) Zum Abschluß der Salzburger Besprechungen schreibt die Pariser Presse, daß der Nervenkrieg nunmehr in seine letzte Phase eintrete und die kommenden Tage d.e n Höhepunkt der Spannung bringen würden. Wenn in Paris auch über die Absichten in Berlin und Rom Unklarheit herrsche, so sei man nicht im Zweifel darüber, daß auf die eine oder andere Weise eine endgültige Lösung der noch offenstehenden Fragen herbeigeführt werde. „Journal" sagt, man trete unbestreitbar in eine kritische und entscheidende Periode des Ringens ein. „Figaro" verlangt eine Versteifung der französisch-englischen Haltung. Man verkenne nicht die Stärke der Achsenmächte. Man wisse, daß Frankreich im Kriegsfälle tödliche Schläge erhalten würde, aber man wisse auch, daß es diese Schläge zurückgeben wolle.
Die Londoner „Times" meldet aus Berlin, die Tatsache, daß beide Außenminister mit Hitler selbst konsultiert hätten, habe die Salzburger Besprechungen aus dem Rahmen gewöhnlicher diplomatischer Geschäfte herausgehoben. Die staatsmännische Kunst müsse eine durch alle internationalen Mächte rück-
Retchsaußenminister von Ribbentrop und Außenminister Graf Ciano bei chrer Fahrt durch Salzburg. — (Presse-Bild-Zentrale-M.)
Die Habaner.
Dreihundert Jahre deutscher Kultur in der Slowakei.
Don unserem e. sch-Sonderberlchterstatter.
Berchtesgaden, 13. August. (D31B.) Der Führer empfing am Samstag im Berghof auf dem Obersalzberg den zur Besprechung mit dem Reichsminister des Auswärtigen von Ribbentrop in Salzburg weilenden italienischen Außenminister Graf L i a n o und gab zu Ehren des italienischen Ministers ein Frühstück, an dem die Herren der italienischen Delegation sowie Botschafter Atto- l i c o und Botschaftsrat IN a g i st r a t i, ferner von deutscher Seile Reichsaußenminister von Ribbentrop, Reichspressechef Dr. Dietrich, Reichsleiter Bormann, Botschafter von Macken- s e n, Unterstaatssekretär Gaus teilnahmen. Am Rachmittag hatte der Führer in Gegenwart des Reichsministers der Auswärtigen von Ribbentrop eine längereAusfprache mit dem italienischen Außenminister. 3m Anschluß daran folgte Graf Liano einer Einladung des Führers zum Tee in das beim Obersalzberg gelegene Kehl st einhaus.
Am Sonntag hat noch einmal ein Besuch der beiden Außenminister auf dem Berghof stattgesunden. Mittags gab Reichsauhenminister v. Ribbentrop dem italienischen Außenminister und seinen Mitarbeitern ein Frühstück im Hotel „Oesterreichischer Hof" in Salzburg und geleitete ihn dann auf den Flughafen, von dem die Maschine um 14.15 Uhr zum Rückflug nach Rom startete, wo Außenminister Gras Liano um 17 Uhr eintraf. Zu seinem Empfang hatten sich Parteisekretär Minister Starace, die Unterstaatssekretäre für Auswärtiges und Luftfahrt, der Lhef der Faschistischen Miliz, Mitglieder der deutschen Botschaft und des italienischen Außen- amtes eingefunden.
Aom unterstreicht die Solidarität der Achse.
Rom, 18. Aug. (DNB.) Die Besprechungen in Salzburg und Berchtesgaden stehen im Mittelpunkt der italienischen Presse, die mit allem Nachdruck die
Oie Flucht
aus hem Sandschak
Frankreichs Verrat an den Armeniern.
Rom, 13.Aug. (Europapreß.) „Voce d'Jtalia* berichtet aus Aleppo über die dramatischen Umstände des Auszuges der Armenier aus dem von den Franzosen der Türkei ausgelieferten Sandschak von Alexandrette. Nun vollziehe sich, schreibt das Blatt, der letzte Akt der Tragödie dieses Volkes. Wie in Zilizien, das die Franzosen seinerzeit heimlich verlassen und wo sie die Armenier den Massakern der Türken ausgeliefert hätten, sei auch im Sandschak der gleiche Verrat an diesem Volke begangen worden. In drei Richtungen erfolge der Auszug bzw. die Flucht der Armenier: auf dem Landwege nach Aleppo und in der Richtung des Dschebel Akra sowie zur See nach Tartous. Die Besorgnisse unter den Minderheiten des Sandschaks seien im Wachsen begriffen, da mancherlei Erscheinungen den Zweifel als berechtigt erscheinen ließen, ob die türkischen Behörden das den Minderheiten gemachte Zugeständnis halten würden, ihrem Auszug aus dem Sandschak innerhalb eines Zeitraumes von sechs Monaten keine Schwierigkeiten zu bereiten.
Oer neue französische Znformationsminister.
Paris, 1L Aug. (Europapreß.) Der zum Minister der Jnforrnativnen ernannte französische Diplomat und Schriftsteller Jean Giraudoux hat seinen Posten angetreten. Giraudoux hatte, wie der „Excelsior" berichtet, seit seiner Ernennung lange Verhandlungen mit Daladier und Bonnet, aber auch mit den anderen zur Zeit in Paris wei-
Oie Schweiz gegenunerwünschteGaraniien Bundesrat Motta fordert uneingeschränkte und allseitige Neutralität.
Zürich, 13. Aug. (Europapreß.) Aus Anlaß des Tages der Auslands - Schweizer hielt auf der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich Bundesrat Motta eine Rede. „Wir alle wollen", so sagte er, „daß nie die beiden fast greifbaren Wahrheiten vergessen werden, daß nämlich die Schweiz die Gunst ihres Glückes und Wohlergehens zwei politischen Einrichtungen verdankt. Die erste dieser Einrichtungen ist die einzigartige Stabiltät der Regierungsgewalt, während die zweite die uneingeschränkte, wiedererlangte und allseitig anerkannte Neutralität darftellt. Mit dem ganzen Scharfblick eines Patrioten und mit der Sorge eines Mannes, der jedes Wort abwägen muß, wende ich mich gegen den Gedanken, von neuem eine unterschiedliche Neutralität einzuführen. Untere Neutralität muß uneingeschränkt bleiben. Wir haben uns zu ihrer Verteidigung an niemanden gebunden. Die Schweiz kann ihr Vertrauen in erster Linie auf ihre Waffen setzen. Das Vertrauen gründet sich auch auf die neuerlichen Versprechungen, die der Schweiz gegeben worden sind. Sollten wir eines Tages gezwungen sein", so schloß der Bundesrat, „die Hilfe jener anzufordern, die uns gegenüber Beistandspflichten haben, so ist es klar, daß es an uns wäre, dies zu begehren: wir werden nie eine automatische Bei* st a n d s l e i st u 'n g zulassen."
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3n der Westslowakei, an der slowakisch- mährischen Grenze, befindet sich das kleine Dorf Sobotischt, in dem noch heute Nachkommen der deutschen Anabaptisten, allgemein unter dem Namen Habaner bekannt, leben. Es ist besonders merkwürdig, daß die Schicksalsgemeinschaft die Habaner derart zu vereinigen vermochte, daß sie durch drei Jahrhunderte nicht nur ihre Sprache und Kullur fast unberührt aufrechterhielten, sondern auch heute noch gemeinschaftlich wirtschaften und alle Erträgnisse ihrer anstrengenden Arbeit untereinander gleich aufteilen. Sobotischt (Slowakei), Mitte Juli 1939. Durch kleine Dörfer, über gute und schlechte braßen, auf denen man den landesüblichen Baumwagen mit dem schweren Pferdegespann und ^Ibarbeitern in der bunten Nationaltracht begegnet, !cht die einsame Fahrt immer wieder an slowa- ! üchen' Siedlungen vorbei, bis man auf einmal, riitten in einer kleinen Ortschaft, auf ein Viertel sößt, das durch seine Reinlichkeit und Sauberkeit ! sonders absticht. Das ist der „Habaner- ■ of" von Sobotischt, die fast dreihundert !nhre alte Siedlung deutscher Auswanderer, die sich »er eine neue Heimat schufen. Viele Schranken chd im Laufe der Zeit gefallen, aber es ist noch firner genug geblieben, was Erstaunen erweckt, ingezwängt in den Alltag, haben sie am Deut- jhen als Umgangssprache festgehalten, Hielten sie ihren eigenen Gemeindevorsteher und ire eigene Dorfordnung, gemeinsame Waldungen nd eine Mühle, deren Erträgnisse der Gesamtheit io gute kommen.
. Wer sind eigentlich diese Habaner? Aus hand- r|[d)riebenen Chroniken und Geschichtsbüchern, die einer schweren Holztruhe aufbewahrt werden, er- Ält man die Antwort. Andere Dokumente, die äusserlicher Auskunft geben könnten, sind teils ver- strvunden, teils befinden sie sich im Domkapitel- atchio in Preßburg und im Staatsarchiv in Budapest, jedenfalls blicken die Habaner auf eine reich braegte Vergangenheit zurück. So verschieden wie it Name gedeutet wird — am wahrscheinlichsten flngt es noch, wenn ihn die Forschung als eine Lrrballhomung von „Haushaber", Leute, die durch eben kaiserlichen Erlaß ein Recht auf ein „Haus wen", erklärt —, so umstritten ist auch ihre Her- kmft. Die Vorfahren der Habaner waren Anhänger d.» anabaptistischen Glaubens, der unter Balthasar ht.bmayr im Jahre 1523 in den habsburgischen Indern, in Tirol und Dorderösterreich Eingang seid. Die Wiege dieser Sekte religiöser Neuerer sbmd an der Limmat in der Schweiz, und ein -chwager des Wiener Humanisten Vadianus, der ii Wien und Paris gebildete Züricher Patrizier kinrad Grebl, weiter Felix Manz und der Mönch iw Chur, „Blaurock" genannt, waren die Begrün- b'. Durch Zwingli vertrieben, wanderten dies« „Wiedertäufer" nach verschiedenen Richtungen aus. „Kaurocf" wandte sich nach Tirol, wo er bei den 2-uern großen Anhang fand. Andere Teile kamen isth Deutschland, nach Hannover — daher auch eise andere Deutung des Namens, Habaner gleich „.‘rannoDeraner" — und nach dieser Zwischenstation liH Mähren. Unter Ferdinand I. mußten sie jedoch rinder ihr Bündel schnüren und in die damals Ungarischen Komitate Neutra und Tyrnau ziehen. 8: der Berencser Herrschaft des Grafen Franz !Uary, und zwar in den Orten Sobotischt, Broczko, spAer auch in St. Johann, Großschützen, St. Geor- le,,;, Dejthe, Stupava, Vittenz und Kosolna, fanden sei neue Heimstätten.
,'Oie Zeiten der Prüfung aber waren noch lange richt vorbei. Die durch den Fleiß ihrer Mitglieder Dralls begüterten Habaner - Gemeinden bildeten, rann auch von den Marschrouten ganz abseits sirend, für raubende und brandschatzende Kriegs- wopen stets Anziehungspunkte. So heißt es in der Gonik von Sobotischt: „Anno 1626 kam Wollenste mit 50 000 Mann zu dem Flusse des Waags, es wurden von feinen Soldaten die meisten ir-rer Häuser ausgeplündert." Weit härter trafen fr!die nicht auf ihre Güter, dagegen aber auf f r Seelen abzielenden Verfolgungen ihrer Lehre. Ed:nn Ferdinand ließ vier Habaner ins Gefängnis per.ren und einen von ihnen zur Warnung ent- hnoten. Den andern wurde angedroht, wenn sie hi überträten, würden sie gehängt werden. Die ßnuersionsbestrebungen hatten erst unter Maria Hl-esia vollen Erfolg. Auch darüber gibt es einen exjütternben Bericht in der Chronik. Es wird er- wie die vier Aeltesten des Dorfes Sobotischt $-n Primas nach Preßburg berufen wurden, wie ttr ihnen einen kirchlichen Prunk vorwies, sie I eu- Messe beizuwohnen zwang, um sie umzustim- htr sie an Leib und Seele bedrohte: wie man fa »als sie fest blieben und, nach Hause zurück- Qicgrt, wieder an ihrem Glauben und ihrer Lehre gurrten, durch Reiter einholen ließ, sie abermals pängte und, als sie noch immer nicht abschworen, Mißlich doch in den Kerker warf. Dies zur @e- fqictte.
ksel interessanter sind die Sitten der Habaner, h! auch heute noch nicht ganz verwischt sind, die ^'vrfälschte Kultur und das gediegene Kunsthand- > pr1 das sich hier in der Stille und Abgeschlossen- • W ;u einer beachtenswerten Höhe entwickelte. Was i Ü labaner am augenfälligsten von anderen deut- Ip Grenzlandsiedlern unterscheidet ist, daß bis c®! üen heutigen Tag die Grundsätze der Güter- ßien mschaft bestehen. Zu allen Zeiten wohnten und orr rieten sie in brüderlichen Gemeinschaften, und
General-Anzeiger für Oberhessen
Prüft und Verlag: vrühlsche Univerfitätrdruckerei «.Lange in Gießen. Schristleitung und Geschäftrftelle: Schulftratze 7


