Hitler-Jugend Bann 416.
Aliegergefolgschaft 1/116 Gießen.
Am Sonntag, 16. Juli, findet Flugdienst im Fluggelände Aßlar statt. Folgende Jg. nehmen daran teil: Nonnenbroich, Schmidt K. und H., Engel, Bocher, Dinges, Buch, Reinhardt, Plantha, Theiß, Ruths; ferner 8 Jg. von Schar 3 Lollar. Abfahrt 7.30 Uhr Bahnhof mit LKW.
Der Baudienst in der nächsten Woche fällt sämtlich aus. Antreten der beiden Scharen ist am Freitag, 21. Juli, 20.15 Uhr am Heim.
Nochmals verweise ich auf die Abrechnungen der Kamf. bzw. deren Stellvertreter am Freitag, 14.7.
Handwerker-Wettkampf 1939
Von den im Kreisgebiet Wetterau beteiligten Handwerkern (Meister und Gesellen) haben folgende mit besonderer Auszeichnung am Handwerker-Wettkampf teilgenommen: Helmut Bendick, Kunstschmiedegeselle, Friedberg, Vorstatt z. Garten; Heinrich Dörr II., Maßschuhmachermeister, Reichelsheim, Neugasse; Albert Euler, Bäckermester, Gießen, Ludwigsplatz 3; Wilhelm Gümbel, Beschlag- fchmiedemeister, Gießen, Frankfurter Straße 94; Hildegard Grope, Putzmachermeisterin, Bad-Nauheim, Usinger Straße 26; Heinrich Kirchhof, Beschlagschmiedemeister, Gießen, Franks. Straße 94; Karl Theiß, Herrenschneidergeselle, Flensungen; Ludwig Völzing, Geschirrsattlermeister, Gießen^ Horst-Wessel-Wall; Heinrich Weimar, Bäckermeister, Gießen, Frankfurter Straße 41. Alle erhielten als Auszeichnung die Ehren-Urkunde für „Gute Leistung" vom Gauobmann der DAF.
Zur Heilkur nach Bad-Orb.
Das Sozialamt der Stadt Gießen schickt in diesem Sommer 100 Kinder, die nach den Feststellungen des städtischen Schularztes (Kreisgesundheitsamt) einer Heilkur bedürfen, nach Bad Orb. Am 24. Mai wurde der erste Transport mit 40 Kindern abgeschickt. Am heutigen Freitagvormittag, um 10.30 Uhr, geht der zweite Transport mit 30 Kindern ab, denen sich heute auch 10 Kinder aus dem Landkreis Gießen anschließen. Der dritte und letzte Transport mit 30 Kindern wird am 1. September nach Bad Orb abgeschickt. Die Kinder bleiben je sechs Wochen lang zur Heilkur in Bad Orb.
Glückliche Ferienwochen auf dem Land.
In diesen Tagen beginnen wieder die großen Ferien und damit auch die schöne Zeit der Kinderlandverschickung. Auf allen Bahnhöfen ist Hochbetrieb. In den Dienststellen der NS.-Volkswohl- fahrt ist man von morgens bis weit über den Feierabend hinaus mit der Anfertigung von Listen und der Ausstellung von Karten und Fahrtausweisen beschäftigt. Es ist dies die Zeit, in der Tausende und Abertausende von Jungen uni) Mädel aus den Steinmauern der Stadt herausgenommen werden, um ihnen einige unbeschwerte und glückliche Ferienwochen in der Schönheit deutscher Gaue zu bereiten.
Wir kennen alle diese strahlende Jugend, die das kleine Pappschild der Ferienkinder ausweist. In Schleswig-Holstein wie in Baden, im Ruhrgebiet und am Bodensee, überall treffen wir die kleinen Reisenden, denen mit einer solchen Ferienfahrt ein sehnlicher Wunsch in Erfüllung geht. Jeder, der es kann, unterstütze die Arbeit der NSV. und melde Freiplätze für die Kinderlandverschickung!
Gesundes Frühstück.
Wollen wir auch im Berufsleben aus gesundheitlichen Gründen von dem Butterbrot zur Mittagszeit abkommen und statt dessen ein warmes Gericht in der Kantine verzehren, so wird doch an anderer Stelle das Frühstücksbrot bleiben. Besonders wichtig ist die Beschaffenheit des Frühstücks für unsere Schulkinder. Wenn die Kinder es in der Pause auspacken, kann man mancherlei Studien machen. Da gibt es allzu gut belegte, dafür um so
GROSSGARAGE
•faltet Weiten.
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
15. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Die beiden Frauen blieben sitzen. Frau Bessel- mann ergriff die Kanne.
Ob die beiden den ganzen Tag Kaffee getrunken haben? dachte Vallendar belustigt und folgte Frau Preetz auf den kleinen Flur, der zum Schlafzimmer und nach der Küche führte.
Der ganze Haushalt blitzte vor Sauberkeit. Drei Kinder dachte er, und ein viertes unterwegs und zwei Zimmer vermietet ... Und doch lacht die Frau, freut sich und ist voller Lebenskraft. Wie verschieden die Menschen sind!
Die kleine Schlafstube war mit den drei Kinderbetten fast völlig ausgefüllt. Ein Radioapparat spielte; er hing oben an der Wand.
„Bei Musik schlafen sie immer am schnellsten ein." Frau Preetz strich die Kissen zurecht.
Die Kinder saßen in ihren kleinen Betten. Der Onkel gefiel ihnen. „Erzähl mal was, Onkel!" schlug Lottchen vor, deren Einbildungkraft angeregt worden war, weil sie Vallendar auf der Leinwand auf einem Pferd hatte reiten sehen.
Vallendar verschluckte den Satz, den er hatte sprechen wollen.
In der Tür des kleinen Zimmers stand Charly. Sie war noch ift Mantel und Hut. Sie blickte ihn an und lächelte. „Lassen Sie sich nicht stören, Herr Vallendar!" Impulsiv streckte sie ihm die Hand entgegen.
Erstaunt blickte Frau Preetz von Einern zum anderen. „Sie kennen unser Fräulein?" -
„3a, von der Garage her."
„Ach so, von der Garage her."
Eine feine Blutwelle der Verlegenheit stieg in Charlys Gesicht. „Ja, flüchtig, von der Garage her ... Uebrigens: Ihr Mann kann heute nicht kommen, Frau Preetz. Ein Kollege hat sich krank gemeldet." Sie trat an die Betten und wünschte den Kindern Gute Nacht. Dabei mußte sie so dicht an Vallendar vorbei, daß sie ihn streifte.
Sein Herz war gesättigt von Glück über ihren Anblick; seine Augen strahlten. „Wenn ich das nächste Mal wiederkomme, erzähle ich euch ein Märchen!"
Ein Aufruhr entstand. „Ach, bitte gleich!"
„Schluß!-Jetzt wird geschlafen! Habt eure arme Mutter heute genug gepiesackt ..." Unwillkürlich verzog Frau Preetz das Gesicht. Da meldeten sich wieder die Schmerzen ... Aber ihre Stimme klang doch
Ausgleichszahlung bei jüdischem Grundstückskauf ist Teil des Verkaufspreises.
NSG. Bei Grundstückskäufen aus jüdischer Hand wird in vielen Fällen auf Grund der Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens vom 3. Dezember 1938 und den dazu ergangenen Durchführungsbestimmungen des Reichswirtschaftsministeriums eine Reichsabgabe erhoben, wenn der Kaufpreis unter dem mäßigen Verkehrswert des Grundstückes liegt. Bei dieser Reichsabgabe erhebt sich die Frage, ob diese als Teck des Verkaufspreises anzusehen ist, da hiervon die Berechnung der Wertzuwachs st euer abhängt. Die jüdischen Verkäufer versuchten immer, diese Ausgleichszahlung nicht als Teil des Verkaufspreises bzw* als Entgelt für das Grundstück anzusehen, sondern glaubten, annehmen zu müssen, daß diese Kosten als Veräußerungskosten anzusehen seien. Diese Auffassung ist zweifellos irrig. Die Ausgleichsabaabe ist nicht zu Veräußerungskosten zu rechnen. Sie hat ihre Ursache einzig und allein in der Person des Veräußerers und ist nur durch die Zugehörigkeit des Veräußerers zur jüdischen Rasse bedingt.
Es ist daher keinesfalls anzunehmen, und auch gar kein Grund dafür vorhanden, etwa dem jüdischen Verkäufer die Möglichkeit zu geben, sich vor der Wertzuwachssteuer bzw. des auf die Reichsabgabe entfallenden Teiles zu drücken. Dies ist auch schon mit Rücksicht auf eine spätere Veräußerung durch
den arischen Verkäufer nicht tragbar. Wenn nämlich die Ausgleichsabgabe nicht als Teil des Kaufpreises anzusehen wäre, müßte der jetzige arische Erwerber, wenn er das Grundstück später weiter veräußert, ungerechtfertigte Wertzuwachssteuer entrichten, die sich darauf bezieht, daß er einmal ein Grundstück von einem Juden erworben hat, und dieser Jude steuerlich günstig gestellt worden wäre dadurch, daß eine Reichsabgabe zur Erhebung gelangt ist.
Eine ähnliche Frage erhebt sich hinsichtlich der Berechnung der Gründer w e rbssteuer bei Erwerb eines Grundstücks aus jüdischer Hand unter Erhebung einer Reichsabgabe. Hier entsteht für den Grundstückserwerber die Frage, ob die Grunderwerbssteuer auch für diese Ausgleichs- zahlung zu entrichten ist. Diese Frage ist unter allen Umständen zubejahen, da nach dem Grunderwerbssteuergesetz diese Steuer von dem gesamten Veräußerungspreis zu bezahlen ist. Da, wie oben ausgeführt, die Reichsabgabe ein Teil des Kaufpreises ist und diese Reichsabgabe von dem Erwerber auch als Teil des Kaufpreises angesehen wird, muß die Grunderwerbssteuerpflicht auch für diesen Teil des Kaufpreises anerkannt werden. Der Erwerber wird also immer die Grunderwerbssteuer auch für die ihm auferlegte Reichsabgabe zu entrichten haben.
Marktumschau für Die Hausfrau.
Ratschläge zur Pilzernte.
Jetzt kommt die Zeit der reichen Pilz ernte, wo Wiesen und Koppeln weiß von Champignons leuchten und der Wald Steinpilze, Pifferlinge und viele andere Pilzarten liefert. Vielseitig sind die Derwendungsmöglichke-iten, vielfach auch die Möglichkeiten einwandfreier Haltbarmachung. Wer nicht Raubbau treiben will, muß schon sorgfältig ernten. Hier heißt es, überall Pilze stehen lassen für die Vermehrung, und Pilze nicht herausreißen, da man damit die Ansätze der kommenden Pilze mit heraus- reißt. Zur Ernte sollen alle Pilze abgeschnitten werden. Entfernt man hierdurch sofort die anhängende Erde, so spart man das Mehrfache an Zeit beim Zurechtmachen ein.
Es empfiehlt sich auch, beim Ernten gleich ein Sortieren der Pilze vorzunehmen, man kann es aber auch beim Putzen nachholen. Bei den Champignons wird man die besten, d. h. die noch fest geschloffenen, einwecken oder auch ein Teil als Essigpilze fertigmachen. Man kann sie hernach sehr gut zu einer Tunke oder zu einem Ragout brauchen, da sie einen besonders feinen Geschmack geben. Zum Einwecken werden die Pilze sorgfältig gewaschen, im eigenen Saft kurz durchgedünstet, oder auch in Wasser ab- aekocht und 60 Minuten bei 90 Grad eingekocht. (Das Wasse^ wird hernach zur Suppe verwendet.)
Bei der Zubereitung der Essigpilze werden Champignons nach dem Putzen und Waschen abgetrocknet, Weinessig wird mit einigen weißen Pfefferkörnern, Lorbeerblatt und einigen Stengeln Estragon ausgekocht, die Pilze werden in dem gewürzten Weinessig kurz ausgekocht und in ein Glas gefüllt. Nach
dem der Efiig noch eine Viertelstunde gekocht hat, wird er kalt übergegossen und das Glas zugebunden. Nach etwa 14 Tagen wird der Essig erneut aufgekocht.
Die großen Hüte der Champignons und auch die anderen Pilze eignen sich besonders gut zum Trocknen. In kurzer Zeit kann man große Mengen mit einer Stopfnadel auf einen dicken Daumwollfaden oder dünnen Bindfaden auffädeln und so trocknen. Stengel oder kleinere Stücke packt man auf Trocken- gestelle. Die getrockneten Pilze können nachher pulverisiert und zu Suppen oder Tunken als Geschmackszugabe verwendet werden. Sie können aber auch durch Aufquellen wieder wie frische Pilze für andere Gerichte brauchbar gemacht werden. Don sorgsam gewaschenen Champignons können die Abfälle, die selbstverständlich nicht madig sein dürfen, zu Extrakt ausgenutzt werden. Lamellen, Stielenden, überreife Pilze, Bruchstücke, das alles zusammen wird mit Wasser bedeckt eine gute Stunde ausgekocht und durch ein Tuch gegeben. Hierbei muß man darauf achten, daß der letzte Rest, der sandige Beimengungen haben könnte, zurückbleibt. Der so gewonnene Saft wird mit kleiner Salzbeigabe im offenen Topf bis zum gewünschten Grade eingedickt und dann in Weckgläser gefüllt, um im Winter zu Pilzsuppen verwendet zu werden. Wie stark man eindicken will, hängt lediglich von der Menge der Weckgläser ab, die für Pilzbrühe zur Verfügung stehen. Alle sehr reifen Pilze wird man möglichst frisch verbrauchen.
schwerer bekömmliche Brotschnitten, nährwertärmere weiche Brötchen, aber auch derbes gesundes Schwarzbrot und Obst. Am häufigsten wird gegen den Grundsatz gesündigt, den Kindern nicht zuviel mitzugeben. Das überreich bemessene Frühstück bewirkt nur, daß die Kinder vertrocknete Brote nach Hause bringen, die dann am Ende sogar in den Abfalleimer kommen, wenn sie von den Kindern nicht schon vorher weggeworfen werden. Daß dies dem
fröhlich: „Bitte, Herr Vallendar, gehen Sie doch voran! Ich muß Ruhe schaffen!"
Er ging hinter Charly her durch den langgestreckten Flur, der ins Wohnzimmer führte. Er wollte sich an Vorsätze, Pflichten, an den Doktor erinnern, aber er konnte nichts anderes denken als Charly! Charly! Was würde sie heute abend beginnen? Ob sie sich mit Römer traf? Und schon wieder regte sich fein schlechtes Gewissen...
Die beiden Frauen saßen wie Wachtposten auf dem Sofa, gewillt, bis zum äußersten auszuharren. Als Charly und Vallendar eintraten, lag um ihre Lippen ein vieldeutiges Lächeln.
„Ja, dann will ich also gehen ..." Werner fühlte sich der Lage nicht gewachsen. Die beiden Frauen machten ihn nervös.
Frau Preetz kam herein. „Du lieber Gott, Fräulein Charly, ich-habe ganz vergessen, Ihr Abendbrot einzukaufen! Ich bin gar nicht mehr heruntergekommen."
„Macht nichts, Frau Preetz! Ich hatte sowieso die Absicht, auszugehen. Ich wollte mich nur umziehen'." Sie reichte Vallendar die Hand. ,Lluf Wiedersehen!"
„Auf Wiedersehen!" erwiderte er, und es fiel ihm nichts ein, das einen Vorwand zum Bleiben geboten hätte. Er nickte den beiden Frauen zu und gab Mutter Preetz die Hand. Charly war hinter der Portiere in ihrem Zimmer verschwunden.
Als er die Treppe hinunterging, pfiff er leise vor sich hin. Er war vergnügt und verstimmt zugleich.
Vor seinem Wagen blieb er stehen. Dann sah er nach ihrem Fenster hinauf. Konnte man sich jetzt in den Wagen setzen und einfach fortfahren? Nein — das konnte man nicht!
Ich wollte, ich hätte sie nie getroffen! dachte er. Jetzt stand er auf dieser stillen Straße, durch die nur selten ein Auto fuhr, und kam sich vor wie ein Tor. Er, Werner Vallendar! Das ihm so etwas geschehen konnte —! Bist du denn ganz verrückt geworden? fragte er sich. Brause los! Fahr nach dem Kurfürstendamm! Fahr hinein ins Leben und schau es dir an! Dort steht dein Name! Riesengroß!
Aber es stimmte nicht. Es war ein Zwiespalt in seinem Herzen. Wo war sein stürmisches Temperament, wo die Hochstimmung des gestrigen Abends geblieben? Er versuchte, sich künstlich in sie hineinzusteigern; aber es wurde ein kläglicher Mißerfolg.
Ich hätte sie doch noch einmal warnen sollen! dachte er. Der Kriminalbeamte hat nichts davon gesagt, daß ich schweigen müsse. Römer nimmt die Sache zu leicht. Wenn ihr nun etwas zustößt —? Man kann es ja nicht wissen ... Er brannte innerlich. Ich kann sie nicht allein lassen! Auf keinen Fall! Dann begleite ich sie wenigstens dorthin, wo sie sich verabredet hat!
Er ging auf und ab. Trat an den Kühler und hob die Haube hoch. Prüfte die Zündkerzen. Natürlich war alles in bester Ordnung. Ich könnte ja mal die Schraube nachfehen! Wo ist denn der Schraubenschlüssel?.
Gebot einer sparsamen und achtsamen Verwendung unseres Hauptnahrungsmittels entspräche, kann keiner behaupten. Man gebe den Kindern nicht mehr Brot mit, als sie sicher essen, wickle es so ein, daß es frisch bleibt, und erziehe sie vor allem dazu, kein Brot, auch nicht das kleinste Stückchen wegzuwerfen. Von Bedeutung für die Ernährung ist ferner, daß das Schulfrühstück nahrhaftes Schwarzbrot und außerdem etwas rohes Obst, Tomate oder rohe
Da trat Charly aus dem Haus. Als sie ihn vor dem Wagen stehen sah, stutzte sie. „Ist was in Unordnung, Herr Vallendar? Will er nicht anspringen?"
Ihre belanglosen Worte erfüllten ihn mit Entzücken. In ihren Augen glomm ein Licht, das ihn an ihre erste Begegnung erinnerte. Halt Abstand, junger Mann! hieß es. Und: Oh, ich weiß, du bist Vallendar! Aber es macht auf mich keinen Eindruck. Ich durchschau dich!
Nun schlug sie ihren Mantelkragen hoch. „Ich will mein Auto aus der Garage holen ..." Ihr Blick streifte bewundernd seinen Wagen. „Oh, ein Achtzylinder? Alle Achtung — eine herrliche Maschine!"
Er klappte die Haube zu. Verliebt starrte er ihr ins Gesicht, und plötzlich waren alle Hemmungen verflogen; sein Temperament überschäumte alles. „Hätten Sie nicht Lust, meinen Wagen zu fahren? Allerdings müssen Sie mich mitnehmen!"
Sie standen sich gegenüber. Der langgestreckte Kühler trennte sie. Sie war schlank und rank wie eine Gerte gewachsen und nicht klein, aber er überragte sie doch um Kopfeslänge.
Sein Mund war schön geschwungen, verriet Stärke und Lebenskraft. Ein Mund, der gut küssen konnte ... Charly formte nicht anders? Sie muhte ihn ansehen — es senkte sich etwas über sie herab, es kam wie vom Himmel und war nicht zu beschreiben. Sie konnte nicht nein sagen. In seinen Augen lag die Verheißung vieler heimlicher Wünsche und zugleich ihre Erfüllung ... Sie gab sich einen Ruck und wandte den Kopf trotzig ab. Aber der Kontakt war hergestellt — ein Kontakt, der nicht abreißen sollte.
Ganz unvermittelt lackten sie beide auf. Es war ein kurzes, heißes und doch verlegenes Lachen.
Wie er sie erkannt hatte. Ja, es war so: Ihre Hände verlangten nach dem Steuer. Ihr Fuß zuckte, als stehe er auf dem Gaspedal des Achtzylinders und könne mit leichtem Druck alle feine Kräfte entfalten. „Wieviel läuft er?"
„Er ist mit 150 gestoppt. Aber ich habe ihn noch nicht so hoch auf Touren gebracht. Er hat erst 3000 Kilometer hinter sich."
Langsam war sie ganz dicht an den Wagen herangetreten, . besah das Armaturenbrett mit den vielen Knöpfen. „Wieviel Gänge?" Sie vermied es, feinem Blick zu begegnen.
„Vier. Kinderleicht zu schalten. Durch Synchroni- satton."
„Ich habe nur drei Gänge."
„Also 'ran ans Steuer, wenn Sie Mut haben!" „Nun, meinen Mut werden Sie doch wohl nicht bezweifeln?"
Wie seine Stimme zugleich lockte und reizte: „Immer erst beweisen!"
Kurz entschlossen öffnete fiejben Schlag und stieg ein, legte Die Hände aufs Steuer. Wie sich das Lederpolster weich an den Körper schmiegte! Wie,
Mohrrübe enthält, was nicht zuletzt zur Kräftigung der Zähne beiträgt.
Hüttenberger Tracht als Vorbild für ein Volkstumskleid.
An der Reichstagung der NSG. „Kraft durch Freude", die am 23. und 24. Juli in Hamburg stattfindet, wird auch in diesem Jahre wieder eine hessische Volkstumsgruppe teilnehmen und in der Hanseatenhalle bei der Aufführung eines Dolks- fpiels mitwirken. An der Fahrt sind in diesem Jahre zwölf Paare beteiligt, die meist aus Ober- Rosbach stammen, aber auch aus Leihgestern und Kirch-Göns find einige Burschen und Mädel dabei.
Die Hüttenberger (Mädchen) treten habet In neuen Dolkstumskleid er n auf, die von den Trachtenkundigen der Reichsdienftstelle „Volkstum und Brauchtum" in Berlin nach der alten Tracht neu gestaltet worden sind. Der Stoff für dieses neue Volkstumskleid wurde leichter und hellfarbiger gewählt, die Sttckerei wurde ganz im Stile der alten Tracht übernommen, die Machart ist der Tracht angeglichen. Für die Schaffung des neuen Volkstumskleides wurde hellgrauer Stoff verwandt; die Bänder werden in traditioneller Weise getragen,' Tücher und Schürze sind aus lila Taft gefertigt. Vollständig in Fortfall kam das eng« geschnürte Mieder, der Wulst der Röcke, in Fortfall kamen ferner die Haube und die bisher charakteristische Haarfrisur, der sog. „Schnaz". Im Zusammenhang mit diesem neuen Dolkstumskleid wird ausdrücklich betont, daß es keinen Anspruch darauf erhebt, „Tracht" zu sein, vielmehr soll es ein Kleid sein, das auf Grund feiner Form und Gestalt, wie auch entsprechend der wirtschaft« lichen Kraft der Bevölkerung, wieder Eingang finden fall in der hiesigen Landschaft. Es soll dahin kommen, daß das neue Volkstumskleid fo in Gebrauch und zu Ehren kommt, wie zum Beispiel das „Dirndl".
Die oberhessische Volkstumsgruppe wird sich unter der Leitung von Georg Heß (Leihgestern) zum ersten Male in diesem neuen Dolkstumskleid in Hamburg vorstellen.
** Verhängnisvoller Unfall. Am gestrigen Donnerstag gegen 19 Uhr ereignete sich auf dem Parkplatz Oswaldsgarten ein schwerer Unfall. Ein etwa 35 Jahre alter Kraftfahrer aus Sinzig am Rhein war damit befchäfttgt, an feinem Fernlastzug die Bremsen des Motorwagens zu überprüfen. Zu diesem Zwecke lag der Mann unter dem Wagen. Um besser kontrol- lieren zu können, bat er seine ihn begleitende Frau, auf den Anlasser zu treten. Unglücklicherweise war aber ein Gang eingeschaltet, so daß sich der Lastzug sofort in Bewegung setzte. Der bedauernswerte Mann wurde von den Hinterrädern (Zwillingsräder) des Motorwagens und dem einen Vorderrad des Anhängers an den Oberschenkeln überfahren. Glücklicherweise war der Lastzug nicht beloben. Der Verunglückte wurde von der Bereitschaft Gießen des Deutschen Roten Kreuzes in die Chirurgische Klinik übergeführt, wo er mit einem Oberschenkelbruch des rechten Deines barnieberiiegt Die polizeiliche Untersuchung würbe sofort eingeleitet.
Schweizer Zunge
aus dem v-Zug gestürzi.
LPD. Darmstadt, 13. Juli. In der Nähe bes Bahnhofs Darmstabt-Arheilgen würbe von Eise?- bohnern beim Rangieren die Leiche eines 14jährigen Jungen neben den Eisenbahnschienen aufgefunden. Wie die Nachforschungen ergaben, handelt es sich um einen Jungen aus der Schweiz, der sich auf einer Ferienfahrt nach Pommern befand. Nach dem Befund ist der Junge anscheinend aus dem v-Zug gefallen, ohne daß dies von den Mitreisenden bemerkt wurde. Die Leiche zeigte nur eine Kopfverletzung, die bei dem Sturz entstand und den Tod herbeigeführt hat.
weit der langgestreckte Kühler da vorn au fragte! Es mußte sein, als ob man eine O-Zug-Lokomotive führte ... Und schon tippte ihr Fuß auf das Gaspedal.
Vallendar war hineingesprungen und hatte den Schlag geschlossen. Nun schaltete er die Zündung ein. „Hier ist der Anlasser. Winker hier. Erster Gang links rückwärts, zweiter nach vorn, dritter rechts rückwärts und vierter wieder nach vorn. Steht übrigens auf dem Knopf der Schaltung."
Etwas zaghaft zog sie den Anlasser heraus. Sofort sprang die Maschine an; sie brummte wie e|n .Tier, als warne sie.
„Ist sofort angesprungen!" stellte Charly fest.
Er rückte ein wenig näher. „Der Wagen hat es in sich. Vorhin hatte er gebockt. Wie märe es, wenn wir losführen?"
Ihre schlanke, feste Hand lag schon auf dem Schalthebel. Mühelos ging der Gang hinein. Ich werde es ihm schon zeigen! dachte sie, und ihre Brauen hoben sich. Sie sah sehr energisch und entschlossen aus. Kupplung hoch! Ach, sie war ihren kleinen, alten Wagen gewöhnt. Der Achtzylinder machte einen Satz vorwärts. Sie konnte gerade noch an einem Wagen oorbeibiegen, der am Kantstein parkte.
Er lachte ein bißchen und freute sich. Ihr von Willen beseeltes Gesicht entzückte ihn. „Wir könnten ja nun mal in den Zweiten gehen?" meinte er fachlich.
Wieder trat sie auf die Kupplung und schaltete. Aha, jetzt hatte sie den Bogen 'raus! Dieser Aristokrat wollte ein bißchen sanfter behandelt werden als ihr Wagen. Sie ging in den dritten Gang... Charly fuhr. Es war ein gewagtes Spiel. Sie kümmerte sich nicht darum, wohin es ging; sie fuhr einfach los. In ihrem Blut fang der Rhythmus des Motors. Sie spürte seine hundert Pferdekräfte. Welch eine Lust, diesen Wagen zu fahren! Das war keine Maschine mehr, bas war ein beseeltes Wesen, bas sich rounberte, baß man es nicht vor- roärtsftürmen ließ.
Ein kaum merkbarer Hauch von Parfüm umwehte Vallenbar. Er atmete tief, sprach kein Wort, sah ihr zu. Es war schön, neben ihr zu sitzen.
Jetzt fuhren sie durch die Joochimsthaler Sttaße. Sie waren mitten in dem Gewühl der abendlichen Stunde, da die Theater begannen.
Manchmal hob er die Hand, als wolle er helfen, bas Steuer zu brehen, wenn sie zum Beispiel wie eben ganz scharf zwischen einer Elektrischen und einem bicken Bus sich durchdrängte. Aber dann traf ihn ein blitzender, empörter Blick aus goldbraunen Augen; und da ließ er die Hand finken.
Rotes Licht glühte... Sie bremste. Ecke Kur- fürftenbamm und Joochimsthaler S'-oße.
Leicht stteß er sie an. „Dort brühen!“ lachte er leise und war ausgelassen wie ein Schuljunge.
(Fortsetzung folgt.)


