Liverpool 1771 zum Haupthafen für die Verschiffung farbiger Menschenmassen in alle Welt bestimmt wurde? Daß Liverpool damals 105. London 58, Bristol 25 Sklavenschiffe besaß? Daß damals unter englischer Flagge jährlich bis zu 30 000 Schwarze verschleppt wurden und daß auf diese Tatsache ein gutes Stück des heutigen englischen Reichtums zurückzuführen ist? Erinnern Sie sich des englischen Bombardements auf die Insel Sansibar aus dem Jahre 1896, in dem 20 000 Granaten auf eine völlig wehrlose Stadt geschossen wurden? Haben Sie eine Ahnung, wie die Eroberung des ehemaligen Königreiches Birma im Jahre 1896 vor sich ging? Wenn nein, dann hören Sie zu: Durch eine einseitige englische Erklärung wurde ganz Birma in das indo-britische Reich einbezogen; wer dagegen Widerstand leistete, wurde als Aufständischer behandelt und als Räuber erschossen. Kennen Sie das englische Blutbad von Amritsar aus dem Jahre 1919? Spitzen Sie Ihre Ohren! Am 11. April 1919 eröffneten englische Soldaten ein Schnellfeuer auf eine Versammlung von 5000 Menschen. In zehn Minuten gyh es 500 Tote, 1500 Schwerverwundete, und 261 Personen wurden zur Auspeitschung verurteilt. Haben Sie bei Ihren Studien auch die Niederschlagung des Aufstandes von Waziristan aus dem Jahre 1937 nicht übersehen, bei der 720 Aufständische getötet, fast gleich viel schwer verwundet und zehn Dörfer bombardiert wurden?
Und wissen Sie auch, wie angesehene Engländer über diese serenspendenden Methoden der britischen Kolonialgeschichte urteilen? Der englische Staatsmann William Ewart G l a d st o n e wird Ihnen kein Unbekannter sein. Er sagte am 8. April 1840 im Unterhaus über den Opiumkrieg: „Ich bin nicht zuständig zu beurteilen, wie lange dieser Krieg noch dauern kann ... Aber das kann ich sagen, daß ich keinen Krieg kenne und noch nie von einem solchen gelesen habe, der ungerechter in seinem Ursprung war und in seinem Verlauf mehr dazu angetan, dieses Land (England) m i t Schande zu bedecken." Der englische Historiker James Anthony F r o u d e ist genug berühmt, um auch Ihrem Forschertrieb nicht entgangen zu sein. Er schreibt in seinem Werke „Oceana" über die Eindrücke seiner Weltreise 1884/85: „Wir Engländer sind dreimal in Afghanistan eingefallen, haben den Bazar in Kabul niedergebrannt und viele Tausende Menschen getötet, um ihnen beizubrin- gen, uns zu Heben. Erst vor sieben Jahren hatten wir einen wohlerwogenen Plan ausaear- beitet, einen Aufstand in Turkestan zu entfesseln. Wir sind befriedigt mit der Auffassung, daß, wenn wir diese Dinge tun, es für das Wohl der Menschheit ist, aber wenn andere es tun, ist es gottlos und darf nicht erlaubt werden. Solch eine Ausrede wird kaum im Verkehr der Nationen untereinander als gültig angenommen werden."
Was sagen Sie dazu, Kapitän? Und wie beurteilen Sie den Ausspruch Ihres ehemaligen Ministers George Lansbury, der in feinem Buch „My England“ schreibt: „Keiner unserer Väter, die Indien eroberten, ging dorthin, um es blühend zu machen, sie alle gingen mit Raubabsichten, sei es mit Gewalt oder — bei den Zivilisierten — als Handelsleute, um einen sehr großen Verdienst zu machen." Sie fordern von uns, daß wir selb- ständig nachdenken. Hierüber lohnt es sich wirklich, selbständig nachzudenken! Und auch darüber, daß Edith Sitwell in ihrem Buch „Victoria of England“ schreibt: „Unglücklicherweise wuchs Seite an Seite mit der zunehmenden Aufklärung der regierenden Schichten eine Neigung, s i ch in die An- oelegenheiten aller Nationen zu mischen. — Natürlich zu ihrem Besten, und weil Britannien nun einmal vom Himmel für diese Arbeit ausersehen ist." Sie werden sagen: Das sind olle Kamellen. Lesen Sie den „Daily Expreß" vom 3. Februar 1939, in dem Lord Beaverbrook der englischen Regierung den Rat gibt, an dem Ausbau eines Kolonialreiches zu arbeiten, das England „Ehre mache, anstatt Schande über uns zu bringen."
Und diese englische Kolonialpraxis möchten Sie gern an Deutschland — zum wievielten Male versuchen Sie das — auch einmal ausprobieren, nicht wahr? Erst die Völker innerlich zersetzen und sturmreif machen und sie dann brutalniederschlagen! Das ist die klassische englische Methode. Aber bei uns nicht! Wir haben das einmal 1918/19 erlebt. Das war für uns die schrecklichste Lehre in unserer Geschichte. Das passiert dem deutschen Volke deshalb auch kein zweites Mal!
Sie sagen voller Stolz, Sie sind „als Kandidat für das Parlament ernannt" und erwarten wohl, daß das erstaunte deutsche Leserpublikum dies mit scheuer Bewunderung zur Kenntnis nimmt. Da lachen aber bei uns sogar die Hühner! Herr Parlaments-Kandidat! Das Personal Ihres Nachrichtendienstes „arbeitet fünf Tage in der Woche und bekommt einen Monat bezahlte Ferien". Sieh da,das also gibt es in England! Und Sie fügen bescheiden hinzu: „Die Uebung, in den Büros nur fünf Tage in der Woche zu arbeiten, verbreitet sich in Großbritannien immer mehr." Kunststück, nachdem die Engländer so viele Völker haben, die für sie arbeiten! Wenn Ihr Experiment der nochmaligen Niederwerfung des deutschen Volkes gelänge, brauchen die Engländer wahrscheinlich überhaupt nicht mehr zu arbeiten. Das täten dann ihrer Meinung nach jene Deutschen für sie, die heute nur erst ihre „lieben Leser" sind. Ferner hat sich Ihre vorbildliche soziale Haltung unseres Wissens in den englischen Elendsgebieten noch nicht hinreichend herumgesprochen. Dort arbeiten die Arbeiter vielfach noch weniger, nämlich gar nicht, weil sie seit Jahren arbeitslos sind. Aber sie leben auch dementsprechend. Vielleicht vergessen Sie, feiner Herr, nicht, dem „lieben deutschen Leser" das nächste Mal auch darüber etwas zu erzählen.
Sie wollen uns „völlig unabhängige Informationen" geben. Die Frage lautet nur: wovon unabhängig? Wahrscheinlich von der Wahrheit, von der die englischen Informationen sich in letzter Zeit immer mehr emanzipiert haben! Ihr Nachrichtendienst ist eine „privat geleitete öffentliche Einrichtung. Hahahaha! Das ist'aus- gezeichnet gesagt, Ihr Auftraggeber, Lord Halifax, kann an dieser Ihrer Schülerarbeit seine Helle Freude haben. Und dann legen Sie dem lieben deutschen Leser die etwas skurrile Frage vor: „Warum schreibe ich Ihnen?" Jetzt fangen'Sie bezahlter Herr Propagandamacher, nur noch mit der Menschlichkeit und der Verständigung an! Und rich- tig: „Ich schreibe deshalb, weil ich den Frieden will". Da haben mir es! Das ist wohl dieselbe Friedensrnission, die England in Versailles veranlaßte, ein wehrloses Volk abzuwürgen, es 14 Jahre lang zu unterdrücken, auszurauben und auszuplündern. Aus diesem Geiste hat man uns außer der Kriegs- auch die Handelsflotte ge-
Bauernkinder gehören aufs Land.
Nach dem Schwert wird auch der Pflug wieder zu seinem liecht kommen.
Aus den Ergebnissen der Volkszählung ergibt sich, daß in dem gleichen Zeitraum von 51 Jahren, in dem die Gesamtbevölkerung des Reiches um 25,4 Millionen gewachsen ist, der Anteil der mit der Land- und Forstwirtschaft verbundenen Bevölkerung unaufhaltsam um 2,3 Millionen z u - rückgegangen ist. Nur noch 21 Prozent gegenüber 40 im Jahre 1882 waren 1933 von der Bevölkerung mit der Land- und Forstwirtschaft verbunden. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß diese stattspolitisch höchst bedenkliche Entwicklung sich auch in den letzten sechs Jahren fortgesetzt hat. Staats- sekretär Syrup sagt dazu im „Odal": Das Hauptgewicht der landwirtschaftlichen Arbeit liege auf der bäuerlichen Familie, denn nur etwa 28 Prozent aller landwirtschaftlichen Arbeitskräfte entfallen auf die familienfremden Arbeiter und Angestellten. Wichtiger als die Erhaltung familien- jremder Arbeitskräfte sei deshalb der Grundsatz, daß möglichst viele Bauernkinder als wertvolle Träger deutschen Bauernblutes dem Lande erhalten bleiben müssen, soweit die Landwirtschaft sie benötigt. Aus dieser Erkenntnis erklärt es sich auch, daß Generalfeldmarschall Goring in der Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs die Grundlage gegeben habe, auch d i e Familienangehörigen, die in den Betrieben regelmäßig mithelfen, stärker zu binden. Diese Maßnahme im Interesse der Landwirtschaft bedeute einen starken Appell an die staatspolitische Einsicht aller Beteiligten, die Abwanderung vom Lande auf ein gesundes Maß zurückzuführen.
Der Staatssekretär sagt dann, es ist unmöglich, der fatalistischen Vorstellung zu verfallen, daß die Landflucht eine unabwendbare Tatsache sei. Eine
derartige Lethargie erinnert allzusehr an die Zeiten der Massenarbeitslosigkeit vor der Machtübernahme. Ein Staat und Volk, die unter Zusammenfassung aller Kräfte sieben Millionen Arbeitslose wieder m Arbeit und Brot gebracht haben, werden auch den landwirtschaftlichen Arbeitseinsatz meistern, bei dem es um unser Brot und damit um unsere Freiheit geht. Gewiß haben die großen staatspolitischen Aufgaben der letzten Jahre diese Notwendigkeit in den Hintergrund geschoben. Wenn aber die Rüstung unseres Volkes vollendet ist, wenn das scharfe Schwert geschmiedet ift, dann wird und muß auch der Pflug zu seinem Recht kommen.
Verbesserte Wasserversorgung für Neubauernhöfe.
Der Reichsernährungsminister weist darauf hin, daß auf Neubauernhöfen sich das Fehlen von Druckwasserleitungen und Zapfstellen in den Gebäuden nachteilig bemerkbar mache. Bei dem großen Wasserverbrauch einer Bauernwirtschaft sei eine gute Wasserversorgung von entscheidender Bedeutung, ebenso aus feuerschutztechnischen und gesundheitlichen Gründen. Die Brunnenwasserversoraung soll künftig durch den Einbau von Druckkesseln so gestaltet werden, daß eine Wasserentnahme im Gebäude möglich ist. Der zentralen Wasserversorgung ist der Vorzug zu geben. Zur Finanzierung stehen künftig auch Mittel aus dem Reichslandeskulturfonds zur Verfügung. Reichsbeihilfen bis zu 50 v. H. der Kosten sind auch dann zu bewilligen, wenn die übrigen Kosten aus anderen öffentlichen Fonds gedeckt werden.
Aus dem Reich.
Realsteuer
und Bürgersteuer-Giop.
Der Reichsinnenminister hat zugleich im Namen des Reichssinanzministers einen Realsteuererlaß an die Länder gerichtet. Darin wird betont, daß die Notwendigkeit der Erhaltung eines stetigen Lohn -und Preisstandes zur Zeit Steuererhöhungen bei den Realsteuern nur in u n - abweis bar notwendigen Fällen vertretbar erscheinen lasse. Es sei daher erforderlich, sie auch weiterhin einer besonderen Genehmigung zu unterwerfen. Ferner erscheine es ange- zeigt, auch die Erhöhung der Bürgerst e u e r h e b e s ä tz e in gewissem Umfange g e - nehmigungsp süchtig zu machen, während andererseits die Genehmigungspflicht für eine Senkung dieser Hebesätze mit dem Erlaß dieser Ausführungsanweisung fortfällt. In Gemeinden, die erhöhte Schlüsselzuweisungen erhalten, bzw. bei denen die Rechnungsergebnisse entsprechende Schlüsse ermöglichen, werde eine Senkung der Hebesähe für die Realsteuern und die Bürgersteuer in Betracht kommen. In einzelnen Gemeinden gälten noch Hebesätze, die erheblich über das auf d i e Dauer vertretbare Maß hinausgingen. Solche Hebesätze würden zu senken sein. Der Erlaß enthält Höch stsätze, bei deren Ueberschreitung die Hebesätze zu ermäßigen sind. Sie sind nach der Gemeindegröße gestaffelt und liegen bei der landwirtschaftlichen Grundsteuer zwischen HO und 120, bei der Grundsteuer zwischen 180 und 250 und bei der Gewerbesteuer, je nach der Erhebungsart, zwischen 200 und 300 v. H. Voraussetzung einer Senkung ist in jedem Fall, daß der Haushaltsausgleich der Gemeinde nachhaltig gesichert bleibt und sprunghafte Belastungsverschiebungen zwischen den verschiedenen Steuerarten vermieden werden. Die Hebesätze für die Bürger st euer sind, soweit sie 700 v. H. überschreiten, möglichst auf diesen Hebesatz herabzusetzen. Im übrigen kommt eine Erhöhung der Hebesätze für die Realsteuern nur dann in Frage, wenn der Haushaltsausgleich durch Ersparnisse bei den Ausgaben nicht erzielt werden kann. Die Erhöhung ist aber auch dann nur im Rahmen der Höchstsätze zulässig. Die Erhöhung bedarf der Genehmigung der Aufsichtsbehörden.
Der Schulgeldzuschlag für auswärtige Schüler.
An dem Schulgeldzuschlag für auswärtige Schüler wird häufig Kritik geübt. Wie im „Gemeindetag" ausgeführt wird, hat er feinen Grund in der Schullastenregelung, wonach die Städte die Kosten der Schulunterhaltung für die höheren Schulen in der Regel allein tragen müssen. Nur etwa ein Drittel des Aufwandes wird durch Schulgeldeinnahmen gedeckt. Die übrigen Lasten müssen die Einwohner der Gemeinde mit ihrer Steuerkraft aufbringen. Die auswärtigen Erziehungsberechtigten tragen an dieser Last nicht mit. Die Städte mit höheren Schulen bringen also für die auswärtigen Schüler schon ein großes Opfer, beträgt doch der Zuschußbedarf je Schüler 400 Mark jährlich. Deshalb ist
der Schulgeldaufschlag für auswärtige Schüler an sich nicht unbillig. Dennoch ist der Zuschlag unerwünscht und unbeliebt. Er kann vermieden werden, wenn es im Einzelfall gelingt, die Unterhül- tung einer Schule auf breitere Grundlage zu stellen. Seit langem ist vom Deutschen Gemeindetag darauf hingewiesen worden, daß den Städten die Schullast erleichtert werden kann, wenn sich die Kreiskommunalverbände zu Kostenbeiträgen bereitfinben. Eine durchgreifende Losung kann jedoch erst von einer gesetzlichen Neuregelung der Unterhaltung der höheren Schulen erwartet werden.
Oie Mehreinkommensteuer der nichtveranlagten Arbeitnehmer. Reine Arbeitnehmer, die im Zweitjahr ein steuerpflichtiges Einkommen von nicht mehr als 8000 Mark haben, werden nicht zur Einkommensteuer veranlagt. Sie sind aber mehreinkommensteuerpflichtig, wenn ein entsprechendes Mehreinkommen vorliegt. Um die nichtveranlagten Arbeitnehmer nicht schlechter als die veranlagten Steuerpflichtigen zu stellen, sind vom Bruttolohn im Erstjahr und im Zweitjahr je 200 Mark Werbungskosten und 200 Mark Sonderausgaben abzusetzen. Sind auf der Steuerkarte yähere steuerfreie Beträge vermerkt, so sind diese Beträge abzusetzen. — Gegen den Medi-einkommen- steuerve scheid steht dem Steuerpflichtigen Einspruch zu. Der Einspruch kann nicht darauf gestützt werden, daß das dem Einkommensteuerberechnungsbogen oder Körperfchaftssteuerberech- nungsbogen entnommene Einkommen unrichtig festgesetzt worden sei, dies hätte schon im Ein- kommen- und Körperschaftssteuerverfahren geltend gemacht werden müssen. Anders ist es dagegen, wenn eine Veranlagung zur Einkommensteuer nicht ftattgefunben hat.
Neuregelung
des Familienunterstühungsrechtes.
Berlin, 13. Juli. (DNB.) Die Derorbnung zur Ergänzung und Durchführung des Familienunterstützungsgesetzes und der Ausführungserlaß dazu bezwecken die soziale Verbesserung des Familien- unterstützunasrechts. Nunmehr sind auch die elternlosen Geschwister des Einberufenen unter gewissen Voraussetzungen unter st ützungsberechtigt. An Stelle der richtsatzmäßigen Unterstützung und der Zusatzunterstützung ist ein einheitlicher, den örtlichen Verhältnissen angepaßter Unterstützungssatz eingeführt, der das eindreiviertelfache der bisherigen FU.-Richtsätze abzüglich des bisher im einfachen Richtsatz enthaltenen Ansatzes für Miete umfaßt Die Mietbeihilfe ist neben dem neuen llnterstützungssatz zu gewähren. Im gesamten Großdeutschen Reich gilt jetzt im wesentlichen gleiches Recht, das sich auch erstreckt auf die Luftschutzdienftpflichtigen, Not- dienstpflichtigen, Personen, die zu Führern der Wehrmannschaften ausgebildet werden, Angehörige der technischen Wehrwirtschaftseinheiten sowie Teilnehmer an Lehrgängen des NSKK., NSFK. _unb des Deutschen Roten Kreuzes.
nommen, unsere Kolonien geraubt und uns obendrein gequält und gebemütigt, wo man nur konnte.
Warum haben Sie, feiner Gentleman, fn biefer langen Zeit nicht ein einziges Mal für ben Frieben und für die Verständigung gesprochen und geschrieben? Warum haben Sie die Blitze Ihres Zornes nicht auf Ihre eigenen englischen Staatsmänner geschleudert, als sie Deutschland und damit letzten Endes ganz Europa in seine schwerste Katastrophe hineinstürzten? Da dienten Sie in der Königlich Britischen Marine oder saßen im Königlichen Institut für Auswärtige Angelegenheiten. Da haben Sie m i t g e m a d) t, wahrscheinlich, weil es eine feine Sache war, weil es Ihnen gefiel, und weil Sie es damals auch für richtig hielten, dem „lieben deutschen Leser" von heute das Brot vom Munde wegzu stehlen, unser Volk in Inflation und Wirtschaftskrise hineinzustürzen, ihm scheinheilig mit ohgen Phrasen ein Lebensrecht nach dem anderen zu nehmen. Oder haben Sie damals zur Moralisierung ihrer Brutalitäten auch schon von Humanität und Zivilisation gefaselt?
Sie schreiben, Sie wüßten, „wie der Krieg aussicht". Das weiß b er Führer sicher noch viel besser als Sie, benn er hat ja nicht ben Krieg gegen Frauen unb Kinder geführt, fonbern lag als Solbat fast vier Jahre lang Engländern gegenüber. Deshalb hat er dafür gesorgt, baß
Sie unb die englischen ©entfernens uns nicht mehr überfallen können. Sie sind „ein Mann in den mittleren Jahren, 46 Jahre alt, mit drei Kindern, und wollen den Frieden, wenn Sie ihn unter ehrenvollen Bedingungen haben können." Wer hat Ihnen einen nicht ehrenvollen Frieden denn überhaupt zugömutet? Stammt Versailles von uns oder von Ihnen! Oder ist etwa das Versailler Diktat ein ehrenvoller Friede gewesen? Nein: England hat uns bis zum heutigen Tage den ehrenvollen Frieden vorenthalten. Sie haben uns zum Ueberfluß entgegen den feierlichen Versicherungen unsere Kolonien weggenommen. Sie wollen sie als Mandate verwalten. Sie nutzen Ihnen gar nichts. Ihr Land ist — wie viele Engländer zugeben — selbst unfähig, sie nützlich zu machen. Sie haben weder die Menschen, ja vielleicht überhaupt gar nicht die Lust dazu. Trotzdem geben Sie sie Deutschland nicht zurück. Warum nicht? Weil Sie Deutschland aus lauter Machthunger nicht nur jene für England geforderten „ehrenvollen Friedensbedingungen" vorenthalten wollen, sondern weil Sie unser Volk zu Grunde richten möchten. Unb babei fragen Sie sich noch, ob wir Frieden haben werben, und antworten bann, Sie zweifelten sehr baran unb wollen uns auseinanber» setzen, warum Sie daran zweifeln?
Sie brauchen uns gar nicht mitzuteilen, was Sie
in Großbritannien denken, das wissen wir längst, unb auch nicht hinzuzufügen, Sie wollten damit nicht sagen, baß Sie unbebingt recht haben müßten. Denn in diesem Lanbe weiß jeder, daß Sie unrecht haben. Entzückend Ihr Nachsatz: „Es möge sein, daß Sie Unrecht hätten, aber es sei wirklich wichtig, daß wir Deutschen wissen sollten, was Sie als Engländer für wahr halten. Ad;, Sie liebe Plaudertasche, Sie! Mit Speck fängt man Mäuse. Diese Methode kennen wir. Die objektiven Herren Engländer; ich weiß nicht, ob wir recht haben, ich weiß nur, daß ich nichts weiß! Das kleidet Sie gut. Der Durchschnittseng- länber ist, wie Sie uns mitteilen, „|o entrüstet über die nach seiner Ansicht schandbare Art, in der die deutsche Regierung das Abkommen von München verletzte, daß er immer mehr zu der Ueberzeugung kommt, daß Ihre Führer — wenigstens Ribbentrop, Goebbels und Himmler — ganz unmögliche Menschen sind, mit denen man nie irgendwelche Abkommen treffen kann, die gehalten werden." Dann müßten diese Herren eigentlich zu Engländern honoris causa ernannt werden; benn das, was Sie ihnen zu. Unrecht vorwerfen, ist ja doch feit einigen Jahrhunderten das wesentlichste Merkmal der englischen Politik gewesen. Vielleicht haben Sie bei Ihren Studien im englischen Institut für auswärtige Angelegenheiten auch das Buch von John Bigelow, Major aus der U8A.-Army, über englisch - amerikanische Verträge gelesen, der bei seinen Untersuchungen zu dem Ergebnis kommt, daß von 30 Verträgen und Vereinbarungen zwischen USA. und England in der Zeit von 1783 bis 1913 a ch t von England gebrochen und davon wieder fünf von USA. nach dem englischen Vorgang gebrochen wurden. Bigelow zieht daraus die Lehre: „Die englische Diplomatie versteht es immer, den Wortlaut von Verträgen so zu formulieren, daß, wenn es der britischen Regierung einmal nützlich erscheint, sie zum Schaden der anderen Partei ihre eigene willkürliche Auffassung geltend machen kann." Daß das sehr deutlich ist, werden Sie nicht bestreiten. Woher nehmen Sie dann aber die moralische Berechtigung, Deutschland etwas, was Sie nicht beweisen können, weil es, wie Ihr ganzer Brief, erlogen ist, zum Vorwurf zu machen, was in der englischen Politik seitJahr- l)unberten gang unb gäbe ift?
Sie nehmen an, daß es schrecklich für uns klinge, aber Sie müssen es uns sagen, „daß Hitlers Wort heute in England recht geringen Kurswert hat". Das klingt für uns gar nicht schrecklich. Schrecklich würde es nur sein, wenn es umgekehrt wäre. Denn: Hitlers Wort gilt in Deutschland. Vielleicht hängt sogar das eine mit dem anderen zusammen. Der Führer hat die deutsche Nation groß unb stark gemacht. Er wirb deshalb von Engländern Ihres Schlages aus v o l le m und tiefen Herzen gehaßt. Darauf sind mir nur stolz. Dieser Haß ist nicht nur für den Führer selbst außerordentlich ehrenvoll. Er ft ä r F t unsere Liebe z u ihm. Denn Sie, Herr Propagandakandidat, können natürlich doch nur jene Deutschen lieben, die an unserem Volk Verräter sind.
Sie fügen hinzu, es bestehe „nidjt die gerinafte Aussicht dafür, daß Großbritannien irgend- welche Konzessionen an Deutschland mache, bevor das Vertrauen an Deutschlands W o r t wiederhergestellt sei". Sie verkennen in gründlichster Weise die Situation! Niemand bittet (Sie um Konzessionen! Niemand erwartet solche! Wir fordern von Ihnen feine Gnade, sondern unser Recht! Wir stehen nicht als Bettler oder bittende Habenichtse vor Ihren kapitalistischen Demokratien. Verweigert man uns unser Recht, so werden mir uns dieses Recht f e l b ft z u sichern wissen, nur soll man sich dann nicht scheinheilig barüber beklagen, daß Europa von einer Krise in die andere stürzte. Die Schuld daran tragen Ihre Auftraggeber, Herr Propagandakandi- bat. Sie wollen plötzlich um die „Freiheit" der Tschechen besorgt sein. Sie meinen also Krokodilstränen um Volker, denen nichts geschieht und die sie nichts angehen. Sie bleiben aber hart unb ungerührt angesichts des nationalen Leides anderer Völker, die von England selbst gequält und blutig unterdrückt werden, wie z.B. jetzt in Palästina die unglücklichen Araber. Was würden Sie wohl erst sagen, wenn mir im Protektorat ähnlich mie Sie in Palästina verfahren wollten? Wir tun es nicht, denn mir sind Deutsche und keine En-gländer.
In vielen Punkten, so sagen Sie, ist Ihnen „die Politik Deutschlands unverständli ch". Deshalb, werter Herr, sind Sie ja auch erst Kandidat, also Anfänger. Man kann in Ihrem A17er anscheinend eben noch nicht alles begreifen! Ilm so verständlicher ist die Politik des Führers dafür dem deutschen Volk, und es wirkt deshalb beinahe belustigend, wenn Sie die Frage aufwerfen, ob es uns unbekannt fei, daß „bis zum Raub der Tscheche! die ganze Frage unserer Kolonialem- spräche in Großbritannien ernsthaft erörtert wurde?" Und ob uns das bekannt ist, sogar hinreichend bekannt. Diese ernsthaften Erörterungen kennen wir auch an anderen Beispielen. Sie haben ebenso ernsthaft unsere Abrüstungs- forberungen erörtert, bis Deutschland sich endlich gezwungen sah, s e l b st a u f z u r ü st e n. Sie haben wohl auch ernsthaft die Vergrößerung der deutschen Wehrmacht erörtert, so lange, bis Deutsch- land genötigt war, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen. Sie haben ernsthast die Militarisierung des Rheinlandes erörtert, bis die deutschen Truppen über die Rhein« brücken marschierten und eine fertige Tatsache schufen. Sie haben ernsthaft das Oesterreichproblem erörtert, bis der Führer in Wien seine großdeutsche Mission kraft seines geschichtlichen ' Auftrages vollzog. Sie haben ernsthaft die sudetendeutsche Frage erörtert, bis Sie vor ein fait accomph gestellt waren.
Machen Sie sich doch nicht dümmer, als Sie sind, halten Sie jedenfalls sonst aber das deutsche Volk nicht für dümmer, als Sie es selbst zu sein scheinen. Und nun plötzlich verwahren Sie fid) dagegen, wenn mir England zum Vorwurf machen, daß es den Versuch unternimmt, Deutschland einzukreisen. Das sagen wir nicht nur, das sehen und erleben wir. Werfen Sie also nicht scheinheilig die Frage auf, warum England wohl wünschen sollte, uns einzukreisen; denn die Antwort liegt allzu nahe: Um uns z u erledigen! Weil mir mit unseren Forderungen nach unserem Lebensrecht England lästig sind! Weil Sie im Verlauf Ihrer ganzen Geschichte mit einem ohnmächtigen und wehrlosen Deutschland rechnen konnten und das heute nicht mehr der Fall ift! Weil Sie uns also bas Leben nicht gönnen, weil wir in Ihren Augen Habenichtse sind und Habenichtse bleiben sollen! Daß ein wohlhabendes Deutschland ein Aktivposten für den Welthandel sei, ift eine ganz neue englische Theorie, die mir aus Ihrem Munde zum ersten Male vernehmen. Dor dem Weltkrieg


