Ausgabe 
14.6.1939
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 136 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger iSeneral-Anzeiger für Oberhessen)

Mittwoch, 14. Juni 1939

Aus der Stadt Gießen.

Fahrt in den Sommer.

Eine Autofahrt Hot gewöhnlich ihre Reize. Es ist eine freudig erregende Sache, am Steuer oder als Fahrgast daneben zu sitzen, das Brummen des Motors zu hören und das wechselnde Bild der Land­schaftserscheinungen durch die Scheibe zu sehen. Schöner aber ist auf jeden Fall eine sonntägliche Fahrt ins Grüne mit Hilfe der Motorenstärke, vor allem jetzt, wo der Sommer seine blauen Banner leuchten läßt. Nicht jeder besitzt allerdings ein Auto. Aber gibt es nicht Freunde oder Bekannte, die über ein Auto verfügen? Und kennt man nicht die famose Regelung der anteiligen Benzinkosten? Es läßt sich gar nicht sagen, wieviele mit Hilfe der anteiligen Benzinkosten zu einer sonntäglichen Autofahrt ge­langen. Und schließlich die Gemeinschaftsfahrten im Kraftomnibus!

Auf alle, die im allgemeinen vom Ausschlafen am Sonntag sehr viel halten, wirkt die Aussicht auf eine Fahrt mit dem Wagen geradezu elektrisierend. Kaum fällt der erste Dämmerschein ins Schlafzim­mer, kaum beginnt das Konzert der gefiederten Sänger, da aibts keinen Aufenthalt mehr in den Betten. Die Fährt in den Sommer lockt zu sehr, als daß man allzu lange beim Frühstück verweilen würde. Und zur verabredeten Zeit brummt der Mo­tor vor der Haustür. Dieser Genuß, in den Wagen steigen zu können, der einem gar nicht gehört, auf den man aber durch die anteiligen Benzinkosten ein gewisses zeitweiliges Benutzungsrecht erworben hat!

Durch die noch stillen Straßen der Stadt nimmt der Wagen seinen Weg. Es dauert nicht lange, und die Weite der Landschaft tut sich auf. Im ersten Sonnenlicht steigen jubelnd die Lerchen, durch die Wiesen windet sich glucksend der Bach, und der Motor donnert sein gleichmäßiges Lied dazu, daß der Fahrer vergnügt zu pfeifen beginnt. Bald ist der Waldrand erreicht, der eine Weile zur Seite bleibt und mit seinem geheimnisvollen Halbdunkel, durch das nur dann und wann die Sonnenstrahlen Irrlichtern, wie ein Märchenwald lockt. Dann kom­men wieder leuchtend bunte Wiesenstreifen, hinter denen das helle Grün der Kornfelder sichtbar wird. Es ist wirklich eine prächtige Fahrt in den Sommer.

Gegen Mittag verstummt das Brummen des Mo­tors 'irgendwo auf dem Parkplatz einer Gastwirt­schaft oder im kühlen Schatten eines Waldpfades. Und während die allgemeine Atzung erfolgt, wird die sonntäglich frohe Stimmung immer aufgeräum­ter. Mit gebräunten Gesichtern, mit lachenden Augen geht es am Nachmittag auf die Heimfahrt. Und mit einem bunten Strauß schöner Wiesenblumen kehrt man von der Fahrt in den Sommer zurück, beglückt von dem herrlichen Erleben. H. W. Sch.

Dornotizen.

Tageskalcnder für Mittwoch.

Gloria-Palast (Seltersweg):Mädchenjahre einer Königin". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Das blaue Licht".

7lS.-Lehrerbund,Kreiö Wetterau.

Fachschaft 2, Gießen.

Freitag, 16. Juni, 16.30 Uhr, im Sinasaal der Langernarckschule Kreisoersammlung der Fachschaft Höhere Schule. Vortrag von Herrn Professor Dr. B o eck :Das Lebensproblem und das organische Denken." Gäste willkommen!

Deutsches Land in Afrika."

In der Zeit vom Donnerstag, 15. Juni, bis ein­schließlich Sonntag, 18. Juni, läuft im Gloria-Palast Gießen, Seltersweg, auf Veranlassung der Gau­filmstelle Hessen-Nassau der FilmDeutsches Land in Afrika". Es ist ein Expeditions-, Landschafts- und Kulturfilm von stärkster Anschaulichkeit, der durch die Aufnahmen von Karl M o h r i besonderen Werl bekommen hat. Deutsche Kolonisation in Deutsch- Ostafrika und in Deutsch-Südwest, Erfolge der deut­schen Arbeit, innere Beziehungen zu diesen Gebie­ten, in denen zahlreiche Siedlungen und wirtschaft-

Große Kundgebung der Partei in Gießen

Am gestrigen Dienstagabend traten die vier Orts­gruppen der NSDAP, in unserer Stadt mit einer großen Kundgebung wieder hervor, die außerordent­lich stark besucht war. Der Saal des Cafe Leib war überfüllt.

Nach dem Einbringen der Fahnen und dem Ein­marsch des Sturms 43/116 eröffnete Ortsgruppen­leiter Thomas (Gießen-Nord) die Kundgebung mit herzlichen Worten der Begrüßung. Gemeinsam wurden zwei Verse des LiedesSiehst du im Osten das Morgenrot" gesungen. Sodann sprach der Redner des Abends,

Obergebietsführer Kemper Karlsruhe.

Nach einleitenden kurzen Darlegungen über die Wandlungen, die unser Volk im Verlaufe der ver­gangenen sechs Jahre erlebte, wandte sich der Redner nachdrücklich gegen die Auffassung, daß ein Volk naturnotwendig vergreisen müsse. Der Kampf um die Erneuerung unseres Volkes fei, so führte er u. a. aus, nichts anderes, als der Kampf um die Ewigkeit unserer Nation. Das Leben unserer Nation habe neuen Sinn erhalten durch den Führer, und der Führer werde unsterblich fein, 'weil er ein Volkserzieher für kommende Jahrhunderte fei.

In feinen weiteren Darlegungen rief Obergebiets­führer Kemper die Jahre der Kampfzeit in die Erinnerung zurück, sprach aber auch davon, daß es für ein Volk, das leben wolle, immer zu kämpfen gelte. Deshalb habe das Volk zu einer Kampf­gemeinschaft werden müssen, wie sie der Führer schuf. Wenn auch der Führer in kaum 12 Monaten Großdeutschland habe schaffen können, so sei damit doch noch nicht der Kampf um Deutschlands Lebens­rechte abgeschlossen. Der Kampf um unser Lebens­recht müsse von jedem einzelnen unseres Volkes mit heißem Herzen mitgefochten werden.

In weiteren eindringlichen Worten stellte der Redner die geistige Haltung des Nationalsozialismus den entartenden Kräften des Liberalismus gegen­über und wies die großen Unterschiede auf, die zwischen dem GedankengangGemeinnutz geht vor Eigennutz" und dem Egoismus liberalistischer Prä­gung bestehen. Er betonte die Notwendigkeit, daß das deutsche Volk ein politisches Volk werden müsse, wenn es seine Stellung in Europa und in der Welt behaupten wolle. Die Zeiten, da um die Form des Abendmahles ein Krieg über 30 Jahre hinweg ent­brennen konnte, feien vorbei. Deutschland habe da­mals keine politische Tradition gehabt, sonst wäre es nicht möglich gewesen, diesen mörderischen Krieg

zu entfesseln. Adolf Hitler begründe jetzt diese poli­tische Tradition, und sie werde so verankert, daß sie nicht mehr aus dem deutschen Volke herauszu­reißen sein werde. Das Volk der schöpferischen Geister habe durch den Führer eine klare Ausrich­tung erfahren. Der Redner sprach weiter davon, daß es heute keine Mainlinie mehr zwischen Nord- und Süddeutschland gebe, und keine Grenzen inner­halb unseres Vaterlandes. Unter dem Führer sei Deutschland erwacht, es werde wach bleiben und hart werden. Das deutsche Volk dürfe niemals mehr ein Sklavenvolk werden. Ein freies Volk zu sein, mit der Waffe in der Hand, das müsse die Religion unseres Volkes werden.

In seinen weiteren Ausführungen behandelte der Redner die Außenpolitik und die Vorgänge im Ausland im Verlaufe des letzten Jahrzehnts. Er sprach von den gegenwärtigen Bemühungen der eng­lischen Politik um Deutschlands Einkreisung, charak­terisierte die reale Tatsache der Achse BerlinRom, erinnerte an die politische Konstellation in Europa zu der Zeit, da es um Abessinien ging, kennzeich­nete die politische Atmosphäre zur Zeit eines Schuschnigg, eines Benesch und eines Nearin und sprach von den Fehlspekulationen dieser fragwür­digen Politiker auf die Hilfe der westlichen Demo­kratien. Mit Interesse hörte man die Darlegungen über die deutsche Politik gegenüber den englischen Einkreisungsbestrebungen, vom Westwall, den der Redner aus eigener Anschauung schildern konnte, und von dem er sagte, daß demgegenüber der Li­mes, die Chinesische Mauer und die Maginotlinie Kinderspiele seien.

Abschließend sprach Obergebietsführer Kemper in mahnenden Worten von der notwendigen unab­lässigen Pflichterfüllung jedes einzelnen unseres Volkes, von der Pfichterfüllung, dem Geist der Zwie­tracht entgegenzutreten, wo immer er sich noch zeige; er forderte aber auch auf, den Geist der Ver­geßlichkeit in geschichtlichen Dingen zu bannen, nie träge zu sein und die Treue gegenüber dem Führer, die Glaubenskraft, Kampf- und Opferbereitschaft im­mer neu zu beweisen. Mit der Deutung der Haken­kreuzfahne, wie sie der Führer nach seiner Freilas­sung von Landsberg gegeben hatte, und mit dem Aufruf, daß des Führers Kampf einzig einem Reich der Größe, Kraft und Herrlichkeit, einem Deutsch­landhoch in Ehren" gewidmet sei, schloß Oberge­bietsführer Kemper seine häufig von lebhaftem Beifall unterbrochenen Ausführungen.

Mit dem Gedenken des Führers und dem Gesang der Lieder der Nation fand die Kundgebung ihren Abschluß. Den musikalischen Teil der Kundgebung bestritt das Mufikkorps des Fliegerhorstes Gießen.

liche Ergebnisse von deutscher Tüchtigkeit und Ar­beitsleistungen zeugen, sind die Themen, die in die­sem Film behandelt werden. Don Ost-Afrika führt der Reiseweg die Expedition zu den Sambesi-Was­serfällen, durch Steppe und Busch, durch Regenzeit und versumpfte Landstriche im Betschuanaland, wo sie mit den Buschmännern Freundschaft schloß und ihre Lebens- und Kulturformen kennenlernte. Dann führte der Weg nach Südwest. Zahlreiche Aufnah­men beweisen, wie in erster Linie der deutsche Sied­ler die wirtschaftliche Blüte des Landes herbeige­führt hat, und deutsches koloniales Können zeigen die vielen Aufnahmen. Wie sich das deutsche Fami­lienleben, das Schulwesen gestaltet, wie die Jugend unter afrikanischer Sonne heranwächst, wie das, was die Väter schufen, von den Nachkommen er­halten wird in jungem kolonialem Kampfgeist, das alles spricht überzeugend stark aus dem einzigarti­gen Film.

Keine Steuergutscheine

unter Gteuergutscheinpflichtigen.

Der Reichsfinanzminister hat weitere Ausfüh- rungsanorhnungen für das Steuergutscheinverfahren getroffen. Es kommt vor, daß ein Steuergutschein- pflichtiger Lieferungen oder sonstige Leistungen ge­

werblicher Unternehmer an einen anderen Steuer­gutscheinpflichtigen zu bezahlen hat, z. B. eine Kasse des Reichs an einen städtischen Versorgungsbetrieb. Es kommt auch vor, daß Gläubiger und Schuldner die gleiche Rechtspersönlichkeit sind. In diesen Fällen, in denen bei einer Lieferung oder Leistung beide Parteien steuergutscheinpflichtig sind, ist das Steuer­gutscheinverfahren nicht anzuwenden, fondern die Bezahlung in voller Höhe in Geld zu leisten.

In einem weiteren Erlaß klärt der Reichsfinanz­minister die Ermittlung des frühesten Einlösungs­monats der Steuergutscheine. Danach ist bei allen Steuergutscheinen I, die im Mai ausgegeben wur­den, als Monat, von dem ab sie einlösbar sind, der Dezember 1939 einzusetzen, bei den im Juni aus- gegebenen Steuergutscheinen der Januar 1940. Bei den Steuergutscheinen II, die im Mai ausgegeben wurden, ist der Juni 1942 einzutragen, bei den im Juni ausgegebenen der Juli 1942. Es ist unzuläs­sig, auf ausgefertigten Steuergutscheinen Berichti­gungen vorzunehmen. Wenn unrichtige Monate ein­getragen sind, erfolgt vielmehr Zurücknahme der Steuergutscheine und Uebergabe neuer Steuergut- scheine mit der richtigen Monatsbezeichnung. Ist für einen Auftrag ein Rechnungsbetrag zu bezahlen, der kleiner ist als 500 RM., so sind keine Steuergut­scheine in Zahlung zu geben. Sind mehrere Zahlun-

Leckerbissen in Hawai.

In einem der vornehmsten Londoner Hotels weilt gegenwärtig der Küchenchef des weltberühmten HotelsRoyal Hawaiian" in Honolulu, der in Belgien geborene Edgard Kina, dessen Lauf­bahn aus einer Londoner Hotelküche bis zu unseren Antipoden führte; dort hat er die Aufgabe, für die reichsten und anspruchsvollsten Weltreisenden abwechslungsreiche Menüs vorzubereiten. Er findet diesen Beruf höchst reizvoll.Die meisten meiner Menüs", erzählte er,enthalten natürlich alle die Gerichte, die man auch in europäischen Luxushotels sindet. Aber darüber hinaus gibt es auch meine Hawaischen Spezialitäten. Würde es Ihnen Spaß machen, gestoßenen Tintenfisch. der

endete O'Flanaghan mit einem sanften Stoß, der seinen Leidensgenossen einen Schritt vorwärts und mit beiden Händen auf den Sand dicht vor dem Rachen des größten Krokodils warf. MacJntofh richtete sich sofort wieder auf. Er drängte stürmisch von dem regungslosen Ungeheuer weg und klam­merte sich an O'Flanaghan, der am Mangroven­busch hing. Sie fielen beide wie reife, schwere Früchte vom brechenden Geäst ins mißfarbene Wasser und schlürften, heftig miteinander ringend, so viel davon, daß jeder andere Sumpf außer dem des Pittsburger Reptllienhaüses trockengelegt wor­den märe. Schließlich richteten sie sich übersättigt und schweratmend auf und drückten sich, soweit es ging, ins Buschwerk. Die Schritte vieler Menschen näherten sich und die schnarrende Stimme des Reisebegleiters sagte:

Wir kommen jetzt zu der wohlgelungenen Nach­bildung eines afrikanischen Urwaldsumpses. Die Krokodile unten auf dem Ufersand gehören zu den Opfern einer Seuche, die vor einiger Zeit unter den Tierbeständen des Zoos wütete; sie sind sämt­lich ausgestopft..."

Eine ganze Weile, nachdem der letzte der Reise­gesellschaft bie Brücke passiert hatte, kroch O'Flana­ghan aus dem Gebüsch. Indem er mühelos seinen gußeisernen Stiftzahn mit nichtrostender Neusilber­auflage aus dem Kiefer zog, sagte er vorwurfs­voll:

Es ist unchristlich, feinem Mitmenschen mit der geballten Faust ins Gesicht zu hauen, Mac!"

Ich konnte die Faust nicht öffnen", rechtfertigte sich der andere und spie eine zierliche Kaulquappe aus.Ich hatte den Dollar drin."

Da sank O'Flanaghan, mit dem harten Geschick versöhnt, an die Heldenbrust seines Freundes.

©er Dollar und die Krokodile.

Eine unheimliche Geschichte

von Georg Mühlen-Schulte.

Sie müssen wissen, daß man in das Reptikien- haus des Pittsburger Zoos über einen Mangroven- Sumpf gelangt, in dem die größten Krokodile der Welt beheimatet find. Sie liegen auf dem feuchten Ufersand, sechs Meter und darüber lang, jeder Zoll eine besondere Abscheulichkeit, mit verschlafenen Lidern und halb aufgesperrten Rachen, als rech­neten stc fest darauf, daß gebratene Tauben des Weges daherkommen könnten ober ein irregeleitetes Spanferkel ober ein Negerkinb, bas bie Warnungen feiner Mama in ben Wind schlägt und tief im Schlund der Ungeheuer Gänseblümchen pflücken zu können wähnt. Sie rühren kein Glied, diese Kra- kodile.

lieber den Mangraoensumpf wölbt sich ein Bam- bussteg, auf dem MacJntofh und O'Flanaghan standen. Sie gchörten einer Reisegesellschaft an und sollten den Weg durch das Reptilienhaus eigenttich in Begleitung eines Führers machen. Da sie aber hörten, daß man die Führung extra bezahlen müßte, und da dies im Widerspruch zu ihren Grundsätzen stand, so hatten sie sich von der Gesellschaft, die noch m den Schankräumen des Zoos weilte, getrennt und waren auf eigene Faust losmarschiert.

Wir haben auf diese Weise einen Dollar ge­spart", bemerkte MacJntosh mit einem Blick auf die gemeinsame Reisekasse.Wir könnten, wenn wir wollten, nachher am Büfett zwei der vorzüglichen BrLsrail-Combinations-Sandwiches dafür essen."

Eine Brasrail-Combinations-Sapdwich enthält eine vollkommene Rester-Enzyklvpädie einschließlich aller Saucen und Gemüsearten der Woche, und zwar in solcher Menge, daß einem beim Hinein- beißen das Gemisch in die Manschette hinein» und beim Achselausschnitt herausläuft.

Es wäre ein Unfug, wenn wir Brasrail-Com- binations-Sandwiches essen würden", erroiberte O Flanaghan auf bie Anregung seines Gefährten. Cook hat unsere gesantte Verpflegung übernom­men. Es besteht kein Anlaß, ihn in irgendwelcher Weise zu entlasten."

MacJntosh hatte inzwischen der Gelbtasche einen Dollar entnommen unb ließ ihn spielerisch auf dem Hanbteller herumtanzen. Dabei geschah das Schreck­liche: Der Dollar entwischte ihm und fiel van der Bambusbrücke in den Krvkvdilsumpf.

Eine Weile verharren MacJntosh unb O'Flana­ghan regungslos. Sie lehnten sich über die Bam»

busbrüftung, hielten den Atem an unb richteten ben Blick fest auf den Dollar, der unmittelbar vor dem Rachen des größten Krokodiles im Sande lag. Das Entsetzen schlug eiserne Krallen um ihre Her­zen, wie es zuweilen in Romanen von Bedeutung heißt. Außerdem würgte es in ihren Kehlen, was keineswegs von dem fetten Gespräch über Brasrail- Combinations-Sandwiches herrührte, sondern mit der geballten Dramatik des Augenblicks zusammen- hing.

MacJntofh aber war ein Mann der guten Ideen. Scheu sah er sich nach allen Seiten um, riß mit kräftigem Ruck eine der dünneren Bambus- stangen des Geländers los, befestigte an das eine Ende feinen Kaugummi und versuchte nun, an die fiebrige Spitze bas verlorene Geldstück zu leimen. Still unb regungslos sähen ihm die Krokodile zu.

Sie bewahrten ihre stoische Haltung sogar noch bann, als oben das Bambusaelänber unter bem Druck der darüber geneigten Körper zerbrach unb O'Flanaghan, gefolgt von MacJntosh, in den Sumps stürzte. Sie lagen starr unb still, die Kro­kodile. Möglicherweise schwebte ein Lächeln um ihre Züge, lieber Tier-Physiognomien läßt sich nichts Iuveriässiges sagen. Man kann nur allgemein ver­muten, daß es bei der Summe all des Komischen, bas bie Menschheit anstellt, ben Tieren schwerfallen muß, ihren Ernst zu bewahren.

Sehen wir uns MacJntosh unb O'Flanaghan an! Ober, wenn ein guter Rat gefällig ist sehen wir sie uns lieber nicht an. Man soll seine Aus- merksamkett den schönen Bildern des Lebens zu- roenben unb nicht solchen, wie dem von zwei Män­nern, die bis an die Knie im Sumpf stecken unb am übrigen Körper so aussehen, als hätten sie eine schwere Beschießung mit Brasrail-Combinations- Sanbwiches ausgehalten.

Deck' ben Rückzug; ich ziehe mich inzwischen am Mangrovenbusch in bie Höhe unb hole Hilfe heran!" zischte O'Flanaghan seinem Gefährten zu.

Er nieste dem andern gleichzeitig eine gute Sup­penkelle voll Morast ins Gesicht, was für jeden Mann von Ehrgefühl allein Grund genug gewesen wäre, den Vorschlag abzulehnen.

Laß mich Hilfe holen!" antwortete MacJntosh unb suchte hinter ben Rücken des anderen zu ge­langen.Ich komme besser am Busch hoch; ich bin leichter als du."

Deshalb sollst du gerade hierbleiben", fauchte O'Flanaghan.Du bist mager wie ein Brieföffner, unb Krokodile fressen keine Schreibutensilien. Sei vernünftig, Mac dir kann nichts passieren!"

Diesen Wortwechsel, dem die Krokodile ohne das geringste Zeichen tätiger Anteilnahme lauschten, be-

gen an den gleichen Unternehmer zu leisten, so sind für die Frage, ob Steuergutscheine in Zahlung zu geben sind, die an dem gleichen Tage zu zahlenden! Rechnungsbeträge zusammenzurechnen.

Prüfung maßgebend für Lehrzeitverkürzung.

Der Reichswirtschaftsminister hat in einem Erlaß klargestellt, daß eine Lehrzeitverkürzung für die vor dem 22. Oktober 1938 begründeten Lehroerhält« nisse nur bann in Frage kommt, wenn die bettest senden Lehrlinge die Prüfung vorzeitig bestehen. Die Anordnung über die vorzeitige Zulassung zur Prüfung bezieht sich auf alle Lehrlinge, deren Lehr­vertrag noch rechtswirksam auf mehr als dreijährige Dauer lautet. Nur wenn das Ziel der Ausbildung eines Lehrlings vor Ablauf der vertragsmäßigen Lehrzeit erreicht ist, endet bas Ausbilbungsverhält- nis vor Ablauf der Lehrzeit. Die Abkürzung der Vertragsbauer fetzt eine objektive Feststellung dar­über voraus, daß bas Lehrziel erreicht ist. Eine solche Feststellung erfolgt in aller Regel burch die gesetzlichen Lehrabschlußprüfungen. Unterzieht sich daher der Lehrling der Lehrabschlußprüfung nicht, so endet seine Lehrzeit erst mit Ablauf der im Ver­trage vereinbarten Zeit, da ein früherer Ablauf in diesem Falle gesetzlich nicht zu begründen ist.

Arbeitsbuch

und ausländische Saisonarbeiter.

Zur Klärung der Lage hinsichtlich der Arbeits­buchvorschriften für ausländische Saisonarbeiter Hot der Reichsarbettsminister bem Reichsnährstanb einen Bescheib erteilt. Die auslänbischen Saisonarbeiter, bie nach Ablauf der Saisonbeschäftigung das Reichs«

45<$ und 9

Segen fcäqe Verdauung = _ harten Stuhl f

gebiet wieder zu verlassen pflegen, bedürfen danach keines Arbeitsbuchs. Unter Saisonarbeitern im Sinne dieser Bestimmung sind alle ausländischen Arbeitskräfte zu verstehen, deren Arbeitsoertrag für eine bestimmte Zeit abgeschlossen ist, also nach Ablauf dieser Zeit ohne Kündigung endet. Wird die Be- schäfttgung durch nachträgliche Vereinbarung um eine bestimmte Zeitspanne verlängert, so bleibt bie ausländische Arbeitskraft Saisonarbeiter. Wird da­gegen nachträglich ein Arbeitsoertrag auf unbe­stimmte Zeit geschlossen, dessen Beendigung eine Kündigung voraussetzt, so verliert damit der aus­ländische Arbeiter seinen Charakter als Saison­arbeiter. Danach sind auch die ausländischen land­wirtschaftlichen Gefindekräfte als Saisonarbeiter im Sinne der Verordnung über das Arbeitsbuch anzu-- sehen, wenn ihr Arbeitsoertrag für eine bestimmte Zeit geschlossen ist.

Veränderungen an Kraftfahrzeugen melden.

Wer ein Kraftfahrzeug besitzt, kann damit machen, was er will! Halt, das sttmmt nicht! Wir sind heute mit Recht der Meinung, daß der Eigentümer eines Gegenstandes ihn wohl nach Gutdünken be­nutzen, auch verändern oder verbessern kann, jedoch immer nur so, daß der Allgemeinheit kein Schaden daraus erwächst.

Mit Veränderungen und Verbesserungen an Kraft­fahrzeugen hat es noch eine eigene Bewandtnis. Aus wehr- und wirtschaftspolitischen Gründen ist bereits vor längerer Zeit eine Anordnung ergangen, wonach jeder Eigentümer eines Kraftfahrzeuges ver­antwortlich dafür ist, daß alle Angaben im Kraft­fahrzeugbrief und in der Zulassung immer ben Tatsachen entsprechen. Das heißt mit anderen Worten, daß alle Aenderungen in der technischen Beschaffenheit des Fahrzeuges, wie beispielsweise

mit einer Cremesauße aus Kokosmilch serviert wird, zu versuchen? Sie schaudern? Das tun viele Leute, wenn sie davon hören, aber wenn sie das Gericht essen, so erklären sie alle, daß es das köstlichste wäre, was sie jemals genossen hätten..." Kina hat aber auch noch andere Spezialitäten. Zum Frühstück erhalten seine Gäste ihre Fruchtsäfte, Orangen, Ana­nas und Papaya, bie einer Melone ähnlich ist, in Bechern, die aus ausgehöhlten Eisblöcken gemacht sind. Er hat dabei eine besondere Art, bie Ananas in bleistiftähnliche Stäbe zu zerschneiden.Jedes Glas Eistee wird mit einem Ananasstab serviert. Versuchen Sie es nur einmal!" erklärt er, stolz auf seine Kunst. Unter-ben Hotelgästen in Honolulu befand sich, wie Kina weitererzählt, eines Tages auch Shirley Ternple, unb es gelang ihm, die be» sonbere Gunst bes kindlichen Filmstars zu erringen. Das war ihm aber nicht möglich durch die exotischen Speisen, die er bereiten kann, sondern weil er sie in feinen Küchen völlig ungehindert spielen ließ. Shirleys Essen ist immer höchst einfach", meinte er,immer Lammkoteletten, Gemüse und Früchte. Ich habe oft versucht, sie einige von meinen hawa- ischen Gerichten kosten zu lassen, aber ihre Eltern wachen streng über ihre Speisezettel unb ließen es nicht zu." B.

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. Karl ßubloff, ber frühere Drbi- narius für Orthopäbische Chirurgie an ber Universi­tät Frankfurt, beging seinen 75. Geburts - t a g. ßubloff habilitierte sich 1900 in Königsberg, ftebelfe 1902 nach Breslau über unb wurde dort 1913 zum Honorarprofessor ernannt. Einen Ruf nach Berlin lehnte er ab, nahm aber 1914 einen Rus nach Frankfurt an. 1919 erfolgte dort seine Ernennung ;um Ordinarius. Don 1914 bis 1918 war er Präsi­dent ber Deutschen Orthopäbischen Gesellschaft. Pro­fessor ßubloff übt noch heute als orthopädischer Chir­urg Praxis aus unb ist Mitherausgeber ber Deut­schen Zeitschrift für Orthopäbische Chirurgie sowie Fachbeirat ber Klinischen Wochenschrift.

Geh. Rat Professor Dr. Hermann Thier sch, Orbinarius für Archäologie an der Universität Göt­tingen, ist im Alter von 65 Jahren ^eft er­ben. Der Gelehrte stammte aus München, wo er 1874 geboren würbe, unb wo er sich 1903 auch ha­bilitierte. 1905 folgte er einem Ruf als außerordent- licher Professor nach Freiburg, wo er 1909 zum ordentlichen Professor ernannt wurde. Seit 1918 lehrte Geheimrat Thiersch in Göttingen. Er war Mitglied mehrerer wissenschaftlicher Gesellschaft«^