Ausgabe 
14.4.1939
 
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Nr. 87 Erstes Via«

189. Jahrgang

Freitag, 14. April 1939

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Eichener Anzeiger

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Italien wird unbeirrt seinen Weg gehen!

Mussolini spricht vom Balkon des Palazzo Venezia nach der Sitzung desKaschistischen Großrats

Rom, 13. April. (DNB.) Der Große Rot des Faschismus ist Donnerstag nacht um 22 Uhr im Lalazzo Venezia zu einer außerordentlichen Sitzung nisarnmengetreten, um über den Antrag der oer- ilssunggebenden albanischen Nationalversammlung uf Personalunion Beschluß zu fassen. Schon lange ior Beginn der Sitzung hatte sich auf der Piazza Lenezia eine unübersehbare Menge eingefunden. Unbeschreibliche Jubelstürme brausten über den Platz, :11s Mussolini zusammen mit dem Parteisekre- är Starace um 22.30 Uhr auf dem Balkon er- chien. Als sich der orkonhafte Jubel endlich gelegt iiatte, verlas Starace folgenden durch Akklamation unstimmig angenommenen Beschluß des Gro- = e n Rates des Faschismus :

Der Große Rat des Faschismus begrüßt nach Kenntnisnahme des einstimmigen Beschlus­ses, mit dem die verfassunggebende al­banische Nationalversammlung be­schlossen hat, dem König von Italien und Kaiser von Aelhiopien die Krone von Albanien anzubieten, mit stürmischer Freude dieses ge­schichtliche Ereignis, durch das auf Grund der jahrhundertealten Freundschaftsbande das Volk und das Schicksal Albaniens in eine liefere und endgültige Gemeinschaft mit dem Volk und dem Schicksal Italiens verknüpft werden. Der Große Rat erklärt, daß das faschistische Italien mil seinen Männern und seinen Waffen in der Lage ist, dem alten und tapferen albanischen Volk die Ordnung, die Achtung des religiösen Glau­bens, den kulturellen Fortschritt und mif der Verteidigung der gemeinsamen Grenzen den Frieden zu garantieren. Der Große Rat des Faschismus spricht dem Duce als dem Begrün­der des Imperiums den Dank des italienischen Volkes aus."

Nach der Verlesung dieses Beschlusses, der mit stürmischem Beifall und mit rauschenden Huldigun­gen für den Duce und Hochrufen auf den König und Kaiser' bekräftigt wurde, hielt Mussolini folgende Ansprache:

Die geschichtlichen Ereignisse dieser Tage sind das Ergebnis unseres Willens, unse­res Glaubens und unserer Stärke. (To- sender Beifall.) Unsere Haltung gegenüber befreun­deten Völkern ist die des Freundes, gegenüber feind­lich eingestellten Völkern (Zwischenrufe: Frankreich!,

Rom, 13. April (Europapreß). Mit der künf­tigen Gestaltung des in Personalunion mit Italien verbundenen Albanien beschäftigen sich die römi­schen Blätter ausführlich.Albanien", so schreibt das halbamtlicheGiornale d'Jtalia",bleibt ein souveräner Staat, bleibt es auch entsprechend den von England in Aegypten und im Irak geschaffenen Präzedenzfällen bei der dauernden Anwesenheit italienischer Truppen. Es behält seine Flagge, den doppelköpfigen schwarzen Adler auf rotem Grund und eine eigene Regierung. Die Bürger beider Staa­ten genießen auf den beiderseitigen Gebieten Be­wegungsfreiheit. Albanien wird jedoch ein neues Regime erhalten, politisch, wirtschaftlich, kulturell und moralisa), und zwar ein autoritäres R e - gime mit dem Vorrang der ausführenden poli­tischen Gewalt mit einer einzigen Partei (bei eige­ner Volksvertretung) und einer Sammlung und vollendeten Disziplin der Wirtschaft, wobei die Wirt­schaften Italiens und Albaniens aufeinander ab- geftimmt werden."Es bleibt", so erklärt das Blatt

Frankreich!) werden wir eine klare, feste und entschlossene feindliche Haltung ein­nehmen. Die Welt wird gebeten, uns bei der Er­füllung unserer großen täglichen Mühen in Ruhe zu lassen. Die Welt muß auf jeden Fall wissen, daß wir morgen wie gestern und wie immer geraden Weges unbeirrt weiterschreiten wer­den."

Ungeheurer Beifall unterstrich diese wenigen Worte Mussolinis.

an anderer Stelle,nur noch übrig, sich zu ver­gewissern, welchen Lauf die fortgesetzte Verständ- nislosigkeit und Feindseligkeit ge­wisser anderer Staaten Europas neh­men wird, welche doch keinerlei wichtige Lebens­interessen an dieser adriatischen und Balkanzone aufzuweisen haben. In Albanien liegt jedenfalls eine vollzogene Tatsache vor; darüber kann es keine Auseinandersetzung mehr ge­ben."

Tribuna" betont, Europa könne die Beschlüsse von Tirana und die darauf folgenden Maßnahmen der verfassungsmäßigen Organe des italienischen Staa­tes nur zur Kenntnis nehmen, Beschlüsse und Maßnahmen, die lediglich einen bereits be­stehenden Zustand politisch konsolidieren und juri­stisch festlegen. Albanien werde, wenn auch, was wahrscheinlich sei, feine Vertretung im Ausland durch Italien übernommen werde, seine eigene internationale Persönlichkeit behalten, während das Leben in Albanien in völlig autonomer Form organisiert werde.

Albanien bleibt ein souveräner Staat.

Oie künftige Geftaltung Albaniens.

England fühlt sich in der Rolle desWeltpolizisten".

Verständnislose Erklärung Chamberlains zur Neuordnung in Albanien. Einseitige britische Garantie für Griechenland und Rumänien.

London, 13. April (DNB.) Premierminister tihamberlain gab am Donnerstagnachmittag ! m Unterhaus die erwartete Erklärung über die Neuordnung in Albanien ab. Seine Äus­serungen, die eine einseitige Garantie ( roßbritanniens für Griechenland um b Rumänien umschlossen, zeigten wieder enmal deutlich, daß England in dem krassen Egois- itjus seines übersättigten und alternden Landes bs Bemühungen der jungen Völker in Europa um Scherung eines ausreichenden Lebensraumes ein- \ti) nicht verstehen will und nach wie vor die Ab- sihi hat, sich alsWeltpolizist" die Sorge um die l'rewigung eines durch die lebendige Geschichte

letzten Jahrzehnte längst überholten Status quo aicf) weiterhin anzumaßen.

Der Premierminister, dem offenbar das in der Eitrigen Sitzung der albanischen Nationalyersamm- Img ausgesprochene eindeutige Votum für eine eiZe Schicksalsgemeinschaft mit Italien ganz ent- (temgen ist, erklärte eingangs, daß die britische Ne-, jerung immer noch auf eine Mitteilung über die lebten Ereignisse von ihrem Gesandten in Durazzo mrte, da sich die inzwischen eingegangenen Be­lichte aus italienischer und albanischer Quellezum M widersprächen". Anschließend folgte die bei den Men englischer Staatsmänner anscheinend unver- midliche Zitierung der öffentlichen Meinung der Üfelt, die, wie Chamberlain behauptete,wieder einmal aufs tiefste durch diese neuerliche Schau- tdlung der Gewaltanwendung schockiert worden F.

Chamberlain wandte sich sodann der Frage zu, das italienische Vorgehen in Albanien i n 1-herein ft immung mit dem englisch- tnlienischen Abkommen vom April letzten )chres zu bringen sei, und scheute sich nicht, pha- liÄerhaft zu erklären, daß «Italiens VorgehenB e - ;cir g n i f f e verursache und die interna« iin n a I e Spannung verstärke".

Chamberlain hob dann hervor, daß die britische ftgjierung in Rom völlige Aufklärung p erlangt habe, die gegebenen Aufklärungen hät- \n jedoch bei der britischen Regierungt i e f e 3 o e i f e I hervorgerufen" und würden die r tische öffentliche Meinung nicht b e f r i e d i - icin. Die britische Regierung halte es daher für > Pflicht,keine Zweifel über ihre Haltung aufkommen zu lassen". Die britische tegierung fei daher zu der Schlußfolgerung ge- lommen, daß, falls eine Aktion ergriffen wird, die iit Unabhängigkeit Griechenlands tie r Rumäniens bedroht und die von der cr?chischen und rumänischen Regierung für so Amswichtig gehalten wird, daß mit ipren otreit« heften . Widerstand le i ft e n , sich die britische te^ierung verpflichtet fühle, der griechischen oder ntnänifdjen Regierung mit allen ihr zur Verfügung ; ».enden Mitteln z u H i l f e z u e i l e n. Chamder- lii teilte zu dieser nach dem Muster der Garantie

für Polen gehaltenen Erklärung mit, daß er sie den betreffenden Regierungen sowie auch anderen Regierungen, insbesondere der türkischen, die enge Beziehungen zu der griechischen Regierung unterhalte, übermittelte.

Nach dieser neuen einseitigen Garantieerklärung an Länder, die sich nach den Erklärungen ihrer verantwortlichen Staatsmänner in keiner Weise be­droht fühlen, erklärte Chamberlain, er sei nicht der Ansicht, daß Großbritannien nunmehr -er­klären solle, daß das englifch-italienische Abkommen beendet sei. Als der Premier dann die Frage der italienischen Freiwil­ligen in Spanien streifte, wurde er durch Rufe der Opposition unterbrochen:Wie steht es mit S o w j et r u ß l a n d?" undBehandeln Sie Sowjetrußland!" Auf diese Forderung der Oppo­sition bereitwillig eingehend, erklärte Chamberlain, wenn er Sowjetrußl'and nicht erwähnt habe, so heiße das nicht, daß Großbritannien nicht i n

enger Fühlung mit dem Vertreter b i e f e s Landes stehe. (!)

Im Schlußteil feiner Rede kam Chamberlain nochmals auf das englisch-italienische Abkommen zurück und verlangte dabei in anmaßender Weise von der italienischen Regierungpraktische Beweife" für den Wunsch auf die Erfüllung des Abkommens. Deutlich trat dann die Mißstim­mung Englands über die ohne seinenSegen" er­folgte Neuordnung an der Adria zutage, als Cham­berlain über denunerträglichen Zustand der Dinge" jammerte, weml die Welt ständig eine Reihe wie­derkehrender Alarme durchleben müsse. (Ausschließ­lich England ist es, das sich in seiner anmaßenden Rolle alsWeltpolizist" immer wiederalarmiert" fühlt.) Der britische Premierminister gab schließlich zu verstehen, daß England entschlossen sei, feine Rolle (einesWeltpolizisten") weiter zu spielen, indem es sich an die Seite derjenigen 'stelle, die von einerAggression" bedroht seien.

Die Opposition ruft nach der Sowjetunion.

Die einseitigen Ausführungen Chamberlains, denen zufolge England auch weiterhin die Ein­kreisungspolitik fortsetzen und die Rolle «als Welt­polizist' weiter spielen wolle, genügten der kriegs­lüsternen englischen Opposition noch immer nicht, ihre Redner griffen Chamberlain an, als ob er zugunsten des Friedens und nicht zugunsten einer gefährlichen Entwicklung in Europa gesprochen hätte. Als erster Redner trat A11lee auf. Er erklärte unter stürmischem Beifall seiner Anhänger, daß er von der Rede des Ministerpräsidentenent­täuscht" sei, es sei bedauerlich, daß Chamberlain seine katastrophale Politik fortsetzen wolle. Chamber­lain griff hier ein und stellte fest, daß er nicht erklärt habe, er halte es für richtig, die bisherige Politik fortzusetzen. A t t l e e meinte weiter, er be­grüße die Zusagen, die Polen, Griechenland und Rumänien gegeben wurden. Es sei aber notwendig, außerdem noch zur Politik der kollektiven Sicherheit zurückzukehren. Daher müsse man Einigkeit zw^ischen England, Frank­reich und der Sowjetunion schaffen. Wenn aber die Regierung nicht für die neue Grundlage der Politik zu Haden sei, dann soll sie einer an­deren Platz machen. (Stürmischer Beifall bei der Opposition.)

Der Oppositionsliberale Sinclair äußerte sich zum Teil noch schärfer. Er verlangte die sofortige Schaffung eines Munitionsministe­riums. Im übrigen liege der Schlüssel zur Lage in der engsten Zusammenarbeit zwischen England, Frankreich und der Sowjetunion. Im übrigen müsse die Regierung umgebildet werden, weil das allein das britische Volk wieder ermutigen würde. Auch Churchill stimmte in den Ruf nach der Sowjetunion ein. Im übrigen versuchte er, sich Chamberlain zu nähern, von dem er betonte, daß

die Motive seiner Politikgerade und gut" seien. Im Mittelmeer müsse man jedoch ständig Wache halten. Jetzt handele es sich darum, auch den Balkan im Kielwasser der englischen Politik unter einen Hut zu bringen. Er wies noch auf die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Großbritannien und auf die Schaffung eines Munitionsministeriums hin. Diese Maßnahmen schulde die Regierung der Nation. Er erntete den Beifall eines großen Teiles des Hauses. Der frühere Außenminister Eden er­klärte, es fei bedauerlich, daß in der Aussprache heute weniger Einigkeit zu verzeichnen gewesen sei als bei der letzten Aussprache über bi-e Außen­politik. Er bestritt in seinen weiteren Ausführungen mit scheinheiligen Phrasen die gefährlichen Ziele der Einkreisungspolitik, die er bis zum Ende durch­geführt wissen wollte.

Nachdem Sir John Sinwn im Namen der Regie­rung die Aussprache abgeschlossen hatte, vertagte sich um Mitternacht das Unterhaus auf Dienstag nächster Woche. In der Aussprache befaßten sich vor allem Labour-Adgeordnete mit der briti­schen Außenpolitik. Dabei erklärte offensichtlich mit bestimmter Anspielung der Abgeordnete McGovern u. a., man sei in England wun­derbar großzügig mit dem Leben junger Leute. Alte Männer könnten ja auch großzügig sein in ihren Beschlüssen, die englische Jugend auf ein blutiges Gemetzel auf den Schlachtfeldern Europas vorzu­bereiten,. um dadurch einen mystischen Frei­heitsbegriff der Demokratie zu beschützen; denn, so fragte der Abgeordnete, für welcheDemokratie" solle man eigentlich kämpfen. In feinen weiteren Ausführungen zeigte sich McGovern dann wenig respektvoll gegen Polen, Griechenland und das Staatsoberhaupt Rumäniens, was den Sprecher des

Der falsche Friedensengel.

Von unserer Berliner Schristleitung.

Ev. Berlin, 14. Aprile

England hat es nunmehr selbst bestätigt, daß es seine von rein imperialistischen Zwecken diktierte Einkreisungspolitik mit allen Mitteln weiterzutrei­ben gedenkt. Denn neben der Erklärung Chamber­lains, daß man den Versuch einer Aenderung des Status quo im Mittelmeer mit Gewaltanwendung beantworten wolle, spielt selbst jetzt, trotz der de­monstrativen Vertrauenskundgebung Griechenlands für Italien immer noch die englische Garantie die Hauptrolle, die Griechenland geradezu aufgedrängt werden soll. Genau wie bei seiner Buschklepperpoli­tik im Weltkriege gegenüber Griechenland wünscht England allein darüber zu bestimmen, ob Griechen­land sich bedroht zu fühlen hat oder nicht. Nach jener stark unterstrichenen griechischen Vertrauens­kundgebung für Italien ist der ganze Aufbau der englisch-franzöfisch-sowjetrussischen Hetzkampagne im östlichen Mittelmeer eigentlich restlos zusammenge- brochen. Die englische Regierung sucht nun, nach- dem sie durch die moralische Ohrfeige aus Griechen­land vor ihrem eigenen Lande stark kompromittiert ist, irgendeine Möglichkeit, um die fortgesetzten Mißerfolge ihrer irregeleiteten Außenpolitik durch eine Aktion großen Stils vergessen zu machen. Eng­land und die Welt soll den Eindruck erhalten, als ob die englische Regierung jetzt mit einem Macht­wort im Mittelmeer Ordnung schaffen werde.

Es ist auch diesmal die übliche Mechode, die Chamberlain stets angewendet hat. Nachdem die englische Presse auf höhere Weisung um Italiens notwendigen und wohlerwogenen Schritt in Alba­nien Alarm geschlagen und ein hysterisches Kriegs­geschrei überAngriffe" undVergewaltigung des Schwächeren" erhoben hat, stellt sich heute Cham­berlain hin und gibt sich als Friedensengel aus.

Die ganze jüngste Entwicklung beweist erneut, daß England Panik und Kriegsstimmung braucht, um schließlich in der Rolle als Friedensstifter auszu­treten. Wie anders kann man das üble Zusammen­spiel zwischen der englischen Presse und der emv fischen Politik verstehen, das darauf hinausläusk, den kleinen Staaten schwere Gefahren an den Hori­zont zu malen und sich ihnen als Retter und Beschützer anzubieten? So, wenn England sich er­dreistet, seinen zweifelhaften Schutz der griechischen Regierung anzubieten, die soeben durch ihren herz- lich gehaltenen Notenaustausch mit der italienischen Regierung bewiesen hat, daß sie sich nicht bedroht fühlt. Das gleiche gilt für das englische Anerbieten an Rumänien, das mit dem Deutschen Reich soeben die weitgehendsten auf gleichberechtigter Partner­schaft beruhenden wirtschaftlichen Abmachungen ge­troffen hat. Auch die Türkei und Jugoslawien, die in freundschaftlichen Beziehungen zu den Achsen­mächten stehen, haben nicht den leäfeften Wunsch geäußert, Garantien von England zu erhalten. Diese englischen Gepflogenheiten sind also in Wirklichkeit nichts anderes als eine Bevormundung der kleinen Staaten! In Wirklichkeit hat weder die englische Regierung noch die öffentliche Meinung in England irgendeine ernste Sorge für die Sicherheit der Bdl- Eanftaaten oder für andere Staaten in Osteuropa, sondern dieses ganze politische Spiel dient nur dazu, um Englands sehr egoistische Interessen im öst­lichen Mittelmeer und im Nahen Orient zu schützen. Allein die machtpolitischen Verhältnisse im Mittel­meer und in Europa überhaupt sind heute nicht mehr so beschaffen, daß eine Drohung aus London genügt, um die organische und naturgegebene Ent­wicklung aufzuhalten. Das gleiche gilt übrigens für Frankreich, dessen Ministerpräsident sich durch eine gleichlautende Erklärung nun vollständig in das Schlepptau der britischen Politik begeben zu haben scheint.

Hauses zum Eingreifen veranlaßte. Trotz gelegen!» licher Ausfälle gegen Deutschland erwies sich McGovern schließlich doch als weißer Rabe, als er erklärte, er wolle nicht, daß Englands Jugend für dieherrschende Klasse" in den Kampf ziehe. Wenn jemand die Küsten Englands verlasse, um in den Kampf zu ziehen, bann tue er das nicht, um für England. Schottland ober Wales zu kämpfen, sondern er ziehe in den Kampf für dasRecht", Indien, Afrika und Neufundland und andere Welt­reiche auszuplündern. Er verwies darauf, daß Eng­land Deutschland gegenüber nicht die gezeigte Hal» tung hoher Moral einnehmen könne, denn Groß­britannien habe Gebiete in feinem Empire, die jedem die Schamröte ins Gesicht treiben.

Halifox vor dem Oberhaus.

Im Oberhaus gab Lord Halifax eine Erklärung ab, in der er sich die gleichen kurzsichtigen und ein­ander widersprechenden Argumente zu eigen machte, mit denen Chamberlain zu gleicher Zeit vor dem Unterhaus die Stellung der englischen Regierung zu den jüngsten politischen Ereignissen zu erklären versuchte. Lord Halifax berichtete über seine Unter­redung mit dem italienischen Geschäftsträger in Lon­don, Crolla, in deren Verlauf Crolla Lord Hali­fax mit unmißverständlicher Deutlichkeit zu verstehen gab, daß jede britische BesetzungKorsus eine überausgefährlicheReaktion aus- lösen würde, worauf Halifax Crolla mitteilte, daß die britische Regierung in keiner Weise die Absicht habe, Korfu zu besetzen. In einer weiteren Unterredung habe der italienische Geschäftsträger dann daraus hingewiesen, daß Korfu ein vita­ler strategischer Punkt für Italien fei, und die italienische Regierung keinem anderen als