Zuchthausstrafen für Oevifenfchädlmge
(Nachdruck verboten.)
14. Fortsetzung.
zählen.'
„Hast du mich auch wirklich lieb?" flüsterte das Mädchen einmal. „Mich, die Hilde Turach?"
Hans Doigt schlenderte seelenoergnügt durch die Auen am Fluß. Völlig ungefährdet — wenn übersehen wird, daß sein Herz in Flammen stand. Dicht neben ihm schritt Hilde Turach, und sein Arm lag um ihre Schultern. Es war kühl und schön und still. Die jungen Menschen hatten einander nicht nie! zu sagen. Hie und da blieben sie stehen und küßten sich. Entweder waren ihre Uhren auch stehen geblieben, oder sie fanden es nicht nötig, einen Blick darauf zu werfen.
das Ganze nicht sehr aufregend zu finden, schlenderte heim und nahm zuallererst ein Bad. Dann zog er sich um und stärkte sich mit einem ausgiebigen Frühstück. Unter vier Setzeiern und etlichen Schinkenbröten tat er es nicht.
Madeleine saß froh neben ihm. „Du bist zwar ein elender Halunke, un miserable... Gretelchen wird abgeschafft!"
Peter winkte ab.
„Das ist alles nicht wichtig, weder Gretelchen noch deine alberne Eifersucht. Was hast du im „Weißen Hahn" ausgeknobelt?"
„Warum interessiert dich das? Hat es mit dem Bankraub etwas zu tun?" Dann aber berichtete sie doch kurz von dem durchschnittlich aussehenden Herrn.
„Ich glaube nicht, daß die Sache mit mir in irgendeinem Zusammenhang steht", meinte Peter nachdenklich. „Aber daß sie Voigt umlegen wollen, scheint festzustehen... Und Doigt ist -ein guter Freund... Daß er sich sofort zu einer Kautionsstellung bereit erklärt hat, daß er nie an mir zweifelte — das werde ich ihm nicht vergessen..."
„Es sind wirklich reizende Leute", nickte Madeleine. „Heute abend sind wir bei ihnen zum Abendessen eingeladen. Man will deine Befreiung feiern."
„Feiern wir und trinken wir!" sagte Peter. „Wer weiß, wie lange es dauert?"
Madeleine erschrak. „Was heißt das? Wie meinst du das?"
„Ach Gott, du glaubst doch nicht etwa, daß die Leute jeden Verdacht gegen mich begraben haben? Sie haben mich nur auf freien Fuß gesetzt, damit ich ihnen in eine nette Falle stolpere... Aber da können sie lange warten. Erstens bin ich unschuldig, zweitens nicht im entferntesten so dumm, wie Herr Ruhle annimmt!"
Das Ehepaar Ilke war am Abend pünktlich zur Stelle. Auch Irmgard Turach... Aber wo steckte Hans? Wo blieb nur Hilde? Frau Doigt war schon sehr nervös. Das konnte dem Braten nicht gut tun, wenn er so lang im heißen Rohr stand. Durch die offenen Fenster klang deutlich das Murren der Köchin.
Peter und Madeleine hielten mühsam ein Gespräch in Gang, obwohl es Peter reichlich schwer fiel, vergnügt zu fein. Es wird doch Hans nichts zugeftoßen fein? fragte er sich immer wieder. Die Voigts waren in der letzten Zeit recht unangenehmen Zufällen ausgesetzt...
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Roman von Konrad Trani
Copyright by Carl Ouncker Verlag, Berlin W35
Der sachverständige Kriminalist, ein wohlwollender älterer Herr, dem niemand seinen Beruf angesehen hätte, war bereits eingetroffen. Langsam , kamen auch die ersehnten Berichte. Der Beamte ; stand stundenlang vor der erbrochenen Stahlkammer, - studierte ebenso lang Photographien von anderen aufgebrochenen Kassenschränken.
Die Berichte gaben zu denken, ohne daß jedoch ■ dabei etwas herausgekommen wäre.
Peter Ilke war identisch mit einem gewissen Pierre Elie, der feit feinem zehnten Lebensjahr in Paris gelebt hatte. Bis vor ein paar Jahren hatte er sich in verschiedenen Berufen betätigt, ohne je mit der Behörde in Konflikt zu kommen. Er war lange Zeit Vertreter einer schwedischen Stahlfirma gewesen. Nach einer Abwesenheit von etwa sechs Monaten, die er im Ausland verbracht hatte, war er vor etwa vier Jahren an die Riviera aezogen und hatte sich dort angekauft. „Nachteiliges hierorts nicht bekannt" ...
Diesen offiziellen, mit Stempeln und unleserlichen Unterschriften versehenen Mitteilung lag ein Privat- schreiben eines Kollegen bei:
„Eher Monsieur", stand darin, „bei uns gilt der Grundsatz, daß nur das, was aktenmäßig festgelegt ist, wahr ist. Da ich meine Augen und Eindrücke nicht zu den Akten legen kann, gestatte ich mir. Ihnen völlig unverbindlich, aber aus fester lieber» zeugung, zu sagen, daß Pierre Elie recte Peter Ilke „une bete noire" ist. Er wurde in Lokalen und in Gesellschaft von Leuten gesehen, die dem Vertreter einer schwedischen Stahlfirma im allgemeinen versperrt und nicht gewogen sind. (Was nichts daran ändert, daß die in Frage stehende aus- ländische Firma über ihn die besten Auskünfte gibt.) Während seines Aufenthalts in England befand er sich in Gesellschaft eines Eonte di Pino, der ermordet wurde, ohne daß es gelungen wäre, den Fall aufzuklären. Elie war vorübergehend in Haft, wurde freigelassen, ohne daß die Anklage gegen ihn er- hoben worden wäre. Die Kollegen in England sind gründliche Leute, so daß der Schluß erlaubt ist: entweder Elie war unschuldig — oder er ist so schlau, daß sie ihm ebensowenig beikommen konnten wie wir. Vielleicht haben Sie mehr Glück!
Ergebenst
(Unterschrift unleserlich)."
Der Sachverständige und Ruhle brüteten lange über diesem Schreiben. „Ermordet hat er ihn nicht", sagte schließlich Ruhle im Brustton der Ueberzeu- gung, „Ilke rft kein Mörder!"
„Er kann ihn in einer Aufwallung mehr oder weniger berechtigten Grolles niedergemacht haben", meinte der Sachverständige. „Das kann einem sehr netten Menschen passieren .. .*
„Dann hätten sie ihn gefaßt!" wandte Ruhle ein. „Unvorbereitete Affekthandlungen bleiben nicht un«
unserer Zeit an vielen Orten auch diese Sitte wieder aufleben läßt.
Mit großer Innigkeit hat sich die christliche Mystik des Symbolcharakters der Rose bemächtigt. Die Jungfrau Maria wird als geheimnisvolle Rose gefeiert, als „Ros ohne 2)orny' oder auch als Rosenstock, aus der die Rosenblüte Jesus emporwächst, wie in dem alten weihnachtlichen Volkslied „Es ist ein Ros entsprungen". Stefan Lochner und Markin Schongauer haben die Madonna im Rosenhag gemalt, als liebliche deutsche Mutter mit dem Kind in der von schlichten Heckenröschen gebildeten Rosenlaube. Dor allem aber ist die Rose in die Architek- tur der Gotik eingegangen. Die Fensterrose der mittelalterlichen Dome, mit Blattwerk reich geziert, glühend in der Pracht des farbigen Glases, ist höchstes Kunstwerk und zugleich mystische Himmelsblume.
Das Verfahren gegen die Eheleute Otto B leben t o p f und Johanna Biedenkopf m Gießen wegen Vergehen gegen das Devisengesetz, Unterschlagung und Bettug wurde am gestrigen Montag vor der Großen Strafkammer Gießen zu Ende geführt, lieber den ersten Derhandlungstag hatten wir am vorigen Mittwoch, 7. Juni, bereits berichtet.
Der Verteidiger gab gestern zunächst namens der Angeklagten eine Erklärung dahingehend ab, daß der Angeklagte Otto Biedenkopf die ihm zur Last gelegten Betrugsfälle und die Unterschlagung und weiterhin zugebe, baß er an Juden verkauft habe, von denen er wußte, daß sie auswanbern wollten, die Angeklagte Johanna Biedenkopf von diesen Verkäufen auch Kenntnis gehabt habe.
Ein Vertreter der Zeißwerke in Jena sagte als Zeuge über die Auswirkungen der Emigrantenschiebungen aus. Er machte u. a. die bemerkenswerte Mitteilung, daß die illegale Ausfuhr von Photo- apparaten und Feldstechern auf dem Wege der Schiebungen, wie sie im vorliegenden Falle von den Angeklagten begünstigt tourben, sich zeitweise so erheblich ausgedehnt habe, daß dadurch der legale Außenhandel der deutschen optischen Industrie großtt Verluste erlitt, besonders im Handel mit Amerika, und infolgedessen dem Reich ein erheblicher Ausfall an Devisen entstand. Hierauf wurde die Beweisaufnahme geschlossen. ..
Der Vertreter der Staatsanwaltschaft begründete in ausführlicher Weise die Anklage. Er stellte fest, daß es sich hier um eine Dermögensverschiebung von mindestens 50 000,— RM. handle, und er beantragte gegen Otto Biedenkopf eine Gesamtgefängnisstrafe von drei Jahren, eine Geldstrafe von 50 000,— RM. und eine Ersatz einziehung von 50 000,— RM., gegen Johanna Biedenkopf eine Gesamtgefängnisstrafe von 2 Jahren, eine Geldstrafe von 25 000,— RM. und Berufsverbot bezüglich des Verkaufs von Photoartikeln und Feldstechern. Don Zuchthausstrafen könne abgesehen werden, weil anfänglich eine gewisse Unklarheit über die Devisenvorschriften bestanden habe. Der Anklagevertreter schilderte bann, wie die Juden, nachdem die Devisenvorschriften immer schärfer wurden, zum Ankauf von hochwertigen Gegenständen, insbesondere aus der optischen Industrie, übergingen, weil sie auf diese Weise ihr Vermögen fast lOOprozentig ins Ausland verschieben konnten. Der Verkauf der Apparate sei nicht strafbar, wohl aber die Beihilfe zur Dermögensverschiebung. Die Angeklagten hätten genau gewußt, weshalb die auswandernden Juden diese hochwertigen Gegenstände kauften. Aus eigensüchtigen Motiven hätten sie das Geschäft mit Juden immer mehr an sich gerissen. Scham- und hem-
Der geheimnisvoll symbolische Charakter der Rose bewirkte, daß sie häufig als Wappen, als Sippen- und Geschlechterzeichen gewählt wurde und uns darum noch heute in zahlreichen Orts-, Dor- und Familiennamen entgegentritt. Don kämpfenden Parteien wurde die Rose als Sinnbild erkoren, wie in den berühmten Kriegen der weißen und der roten Rose der Häuser Port und Lancashire in England. Auch als Zauber und Heilmittel wurde die Rose viel gebraucht. Einige der kostbarsten Geheimmittel des Barock bestanden im wesentlichen aus Rosen, so zum Beispiel der „Goldene Syrup des Herzogs von Mantua" und das „Königliche Geheimnis", das die Königin Elisabeth von England Kaiser Rudolf II. schenkte. C. K.
Tageskalender für Dienstag.
Großkundgebung der NSDAP.: 20.30 Uhr Eaf6 Leib Versammlung der vier Gießener Ortsgruppen.
Dann gingen sie weiter, und der Fluß rauschte seine Zustimmung.
„Ah..." Ein schriller Schrei zerriß den Frieden.
Die jungen Leute blieben wie versteinert stehen. Was ging da vor? Da schluchzte eine Frau..« In langen Sprüngen eilten sie auf die Richtung zu, aus der sie die Stimme hörten.
„Vorsicht, Hilde!" warnte Hans. „Wir wissen nicht, was vorgeht..." Er packte sie fest am Arm. War das nicht eine Männerstimme gewesen? „Verdammtes Weibsbild!" hatte er verstanden. Sie schlichen weiter, duckten sich unter Weidensträuchern. Der Flußpfad machte eine Biegung. Hilde Turach warf sich flach zu Boden.
Fünfzig Schritte vor ihnen stand eine weinende Frau in einem weißen Kleid. Und ein Mann, ein junger Mensch mit dunklem, wirren Haar hielt sie an den Schultern gepackt und schüttelte sie, daß Hilde meinte, sie müsse das Klappern der Zähne hören...
„Was fällt dir ein, du Luder? Lügen! Mich anlügen? Ich weiß, was du gesagt hast!" Der junge Mann gab ihr einen Stoß, daß sie taumelte.
Hans richtete sich auf, um zu Hilfe zu eilen. Hilde klammerte sich an seinen Arm fest. „Pst! Warte! Das rft ja Gretelchen, Jlkes Sekretärin..." Hans duckte sich in den Schatten der Weide.
„Kennst du ihn?" fragte er flüsternd die Freundin.
„Nein ... Das ist kein Neukirchner."
„Damit kommst du bei mir nicht weiter, du... du elendiges Weibsstück!" fluchte der Mann. Gretelchen hielt abwehrend die Hände vors Gesicht und schluchzte laut.
„Wir müssen hin... mir müssen ihr helfen", flüsterte Hans unruhig.
„Ach wozu?" sagte Hilde roh. „Er hat keine Waffe in der Hand — und bevor er sie erwürgt, sind wir längst zur Stelle... Höchstens langt er ihr eine Ohrfeige. Madeleine würde sie ihr gönnen!"
Das Schluchzen des Mädchens klang immer herzerweichender. Der Mann stieß sie ^grob vor sich her... Wollte er sie in den Fluß werfen? Keine gute Idee, dachte Hans, der ist viel zu seicht, um auch nur ein vierjähriges Kind zu ertränken ...
Hans und Hilde schlichen vorsichtig hinter ihnen drein. Nein, jetzt bogen sie in den Pfad ein, der zur Stadt führte. Was er zu Gretelchen sagte, konnten sie nicht mehr verstehen. Sie sahen nur, daß sie einige Male eifrig nickte. Sie kamen an eine Weggabelung. Der Mann gab dem Mädchen — gleichsam zum Abschied — einen Stoß, daß es wankte, dann schlug er selber den Weg zum Bahnhof ein.
Gretelchen sah ihm nach. Dann zupfte sie ihr weißes Kleid zurecht, ordnete das wirre Haar und ging langsam der Stadt zu.
Hans und Hilde waren stehen geblieben. Sie wollten von Gretelchen nicht gesehen werden — von jemand anderem übrigens auch nicht.
„Was hat das wohl zu bedeuten?" fragte Hilde.
„Offenbar ist der Mann mit ihrem Mangel an Wahrheitsliebe nicht einverstanden ... Peter schwört, daß sie bei der Polizei schamlos gelogen hat... Jedenfalls müssen wir ihm die Geschichte rasch er»
mungslos und nur aus purer Gewinnsucht hatten die Angeklagten gehandelt. Die angeklagte Ehefrau habe nicht etwa mechanisch die Buchführung und den Schriftwechsel erledigt, sie sei vielmehr genau orientiert gewesen, und es sprächen sogar Umstände dafür, daß sie bei der ganzen Sache die treibende Kraft gewesen sei. . ,, .
Der Verteidiger bestritt die Mittäterschaft der angeklagten Eheftau bei der Unterschlagung und beantragte Freisprechung mangels Beweises. Wegen der der angeklaaten' Ehefrau zur Last gelegten Beihilfe zum Devisenvergehen beantragte er ebenfalls Freisprechung, und zwar aus gesetzlichen Gründen. Hinsichtlich des angeklagten Ehemannes wurde von dem Verteidiger beantragt, auf eine wesentlich geringere Strafe zu erkennen, die Untersuchungshaft voll anzurechnen und den Haftbefehl aufzuheben.
Nach mehrstündiger Beratung des Gerichtshofes wurde in vorgerückter Abendstunde das Urteil verkündet. Darin heißt es: Der Angeklagte Otto Biedenkopf und dessen Ehefrau Johanna Biedenkopf sind schuldig der gemeinschaftlichen Beihilfe zum Versuch eines Vergehens gegen das Devisenbewirtschaftungsgesetz vom 4. Februar 1935 in 12 Fällen, der Ehemann Biedenkopf außerdem einer Unterschlagung nach § 246 StGB, in 2 Fällen und eines Betrugs nach § 263 StGB. Es werden verurteill: der Ehemann Biedenkopf zu einer Gesamtzucht haus strafe von zwei Jahren 6 Monaten, abzüglich 2 Monate der Untersuchungshaft, die Ehefrau zu einer Gesamtzuchthaus strafe von zwei Jahren. Gegen die Angeklagten werden ferner Geldstrafen im Gesamtbetrag von je 29 OOO RM. erkannt. Im übrigen werden die Angeklagten freigesprochen. Außerdem wird auf die Dauer von 5 Jahren den Eheleuten Biedenkopf jeder Verkauf von Photoapparaten und Feldstechern untersagt.
Das Gericht folgte bei der Urteilsbegründung im wesentlichen den Ausführungen des Anklagevertreters unb hob noch weiter hervor, daß die Angeklagten im vollen Bewußtsein der Strafbarkeit gehandelt hätten. Bei der Häufigkeit der Fälle komme Fahrlässigkeit nicht in Frage. Strafmildernde Umstände wurden den Angeklagten nicht zugebilligt. Dagegen kam sttaferschwerend in Betracht, daß die Angeklagten der Volksgemeinschaft schweren Schaden zufügten, die' Lieferfirmen täuschten, auch die Zollfahndungsstelle hinters Licht zu führen suchten, ohne Rücksicht auf ihre Volksgenossen handelten, skrupellos nur ihrer Gewinnsucht nachgingen und in krasser Weise gegen den Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" handelten. Gegen die angeklagte Ehefrau wurde noch im Gerichtssaal Haftbefehl erlassen.
Aus der Stadt Gießen.
Tage der Uofen.
Die Tage der Rosen, von denen der Dichter sagt, daß es „die blühende, goldene Zeit" sei, sind wieder da. So sehr die Beliebtheit der Blumen schon unter irgendeinem Zeichen der Mode gewechselt hat, einmal die Tulpe oder die Hyazinthe, ein andermal die Lilie, dann wieder die Dahlie den ersten Platz in der allgemeinen Gunst eingenommen haben, so hat doch nichts und niemand die Rose jemals aus ihrer Stellung als „Königin" der Blumen verdrängen können, die sie zu allen Zeiten und bei allen Döl- fern besessen hat. Immer war die Rose mehr als eine Blume unter anderen, mehr als auch nur die schönste von allen; immer war sie zugleich Snmbol, das mit dem menschlichen Leben tief verflochten war. Bei Ausgrabungen alter Kulturstätten, die lange vor unserer Zeitrechnung bewohnt gewesen sind, hat man Münzen gefunden, denen das Bild von Rosen aufgeprägt ist. Äm alten Indien genoß sie kultische Verehrung, im Zendavesta der Perser ist sie heiliges Symbol. Bei den Griechen war sie mit dem Kult der Aphrodite verknüpft, ein Sinnbild von Liebe, Schönheit und Jugend, anderseits aber auch ein Symbol von Tod und Vergänglichkeit.
Als Gartenblume kam die Rose über Griechenland und Italien etwa im 7. Jahrhundert n. Ehr. zu uns und ist dokumentarisch aus der Zeit Karls des Großen belegt, der ihre Zucht empfahl. Seit undenklichen Zeiten vorher aber wuchs die wilde, fünfblätterige Rose, das Heckenröschen, schön an den Rändern und an lichten Stellen der germanischen Wälder. Heilige Kultstätten oder Thingplatze wuiben mit Rosen em gehegt, deren spitze Stacheln einen abwehrenden Wall gegen jeden unwillkommenen Fremdling bildeten. Hagrose, Heckenrose, heißt die schlichte Wildrose ja noch heute. Ein Rosen- Hain als Stätte der heimlichen Liebe begegnet uns schon in der Edda: „Rosenhain heißt / wie wir beide wissen / ein heimlicher Hag. / Nach Nächten noch neuen / will in Liebe dem Nordling sich Gerda gesellen". Kriemhild besaß einen Rosengarten, der eine Meile lang und eine halbe Meile breit war unb den zwölf Helden bewachten, unter ihnen auch Siegfried. Geheimnisvollen Charakter hat der Rosengarten des Zwergkönigs ßaurin, der in seiner Tarnkappe verborgen, mystisch unsichtbar gegen Dietrich von Bern rang und von ihm überwunden wurde. Das Wesen des Geheimnisses, das unsere Vorfahren in der Rose erblickten, spiegelt sich auch im Märchen von Dornröschen und seinem tausendjährigen Zauberschlaf, aus dem erst der liebende königliche Jüngling es erlösen kann.
Als Symbol der Verschwiegenheit und des Geheimnisses taucht die Rose auch in der alten deutschen Gerichtsbarkeit auf. Unter der Rosenlaube und dem Rotdom sprachen in Oldenburg die Schöffen Recht, unter dem Sinnbild der Rose tagte der Bremer Rat. „Sub rosa", „Unter der Rose" sprechen heißt soviel wie unter dem Siegel unverbrüchlichen Geheimnisses reden. So war auch die Rose' das Sinnbild des mittelalterlichen deutschen Geheimgerichts, der heiligen Feme. Ebenso sehr aber war der Rosenhag, die Rosenlaube, überhaupt die Rose das Symbol heimlicher Minne, die erblühende Rose galt (Hs Bild der aufblühenden Jungfrau, das Pflücken oder Brechen der Rose bedeutete die (Eroberung der Geliebten, wie es uns in Goethes schönem Lied „Sah ein Knab ein Röslein stehn" entgegentritt, das auf ein altes Volkslied zurückgeht. Das Mittelalter feierte die Zeit der Rosen- blute mit Rosenfesten, bei denen die schönste uNd tugendhafteste Jungfrau zur Rosenkönigin gewählt wurde. Es ist ein schöner Gedanke, daß man mit so vielem anderem halb vergessenem Brauchtum in
Peter brach weder in einen Freudentaumel aus, als man ihm die Freiheit mtebergab, noch stieß er uAuuajen einmal, „iwiaj, uie wilde Drohungen gegen die Behörde aus. Er schien! Hans küßte sie. „Nur dich!"
Es spricht der Obergebietsführer der HI. Pg. Fried« heim Kemper. — Gloria-Palast, Selterswegk ,Mädchenjahre einer Königin . — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das blaue Licht".
Hitler-Zugend Sann 116.
(Bef. 2/116.
Zu der heute abend stattfindenden Kundgebung im Cafe Leib tritt die Gef. 2/116 als Ehrenformation um 19.40 Uhr am Heim an. Vorschriftsmäßige Sommeruniform!
Verleihung
von Treudienst-Ehrenzeichen.
In Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste hat der Führer den nachgenannten Beamten das Treudienst-Ehrenzeichen 2. Stufe (silbernes Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige treue Dienstleistung) verliehen: den Ordinarii Vrofessor Dr. Rudolf o o n I a s ch k e , Professor Dr. Georg Haas, Pro- fessor Dr. Robert Reuigen und Professor Dr. Alfred Brüggemann, sämtlich in Gießen.
Oie Amtsbezeichnung
der beamteten Tierärzte in Hessen.
Wie der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — bekanntgibt, führen die beamteten Tierärzte im hessischen Landesdienst von jetzt ab die Amtsbezeichnung „Regierungsoberveterinärrat" bzw. „Regierungsveterinärrat". Der tterärztliche Referent der Landesregierung erhält die Amtsbezeichnung „Oberregierungs- und Deterinärrat".
HI.-Kleidung zu schade für die Motten.
Die Reichsjugendführung wendet sich mit einem Appell an die Oeffentlichkeit, besonders an die Eltern, die Parole „Kampf dem Verderb" auch bet den Uniformen der HI. anzuwenden. Solche Uniformen enthielten wertvolle Rohstoffe und seien keine Andenken. Es dürften keinerlei Dienstanzüge unbenutzt bei Jungen und Mädeln ober Führern und Fuhrerinnen liegen bleiben. Man müsse dafür sorgen, daß Kleidungsstücke, aus denen die Träger herausgewachsen sind, sofort an die Kameraden und Kameradinnen verschenkt oder verkauft ober aber der NSV. zur Verfügung gestellt, und aufgetragene Bekleidungsstücke, mit denen auch beim besten Wil» len nichts mehr anzufangen ist, dem Altmaterial» handel zugeführt werden.
Sommerliche Theaterarbeit von Kd!?.
NSG. Auch in diesem Sommer ist die Theaterarbeit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in besonderem Maße auf Freilichtspiele ausgerichtet. In Gelnhausen und auf der Steckeiburg werden die Schauspiele „Um die Krone der Welt", „Und so zerbrach das Reich" und „Laßt Hutten nicht verderben" von Erich Bauer aufgeführt, die ihrer Handlung nach aus der Geschichte des Spielortes genommen sind. Die Rhein-Mainische Landesbühne spielt in zehn Orten unseres Gaues die Komödie „Die Weiber von Weinsberg" von Gert von Klaß und das Schauspiel „Der Prinz von Homburg" von Heinrich von Kleist. Außerdem sind in Offenbach Aufführungen des Hanauer Stadttheaters und in anderen Kreisen Freilichtspiele von Laienspielgruppen vorgesehen.
Kinderermäßigung für Mädchen im Pflichtjahr.
Der Reichsfinanzminister hat eine Regelung der Kinderermäßigung für Mädchen getroffen, die das Pflichtjahr ableisten. Das Pflichtjahr biene neben anderen Zwecken auch dazu, den Mädchen eine ge-
aufgetlärt. Aber vielleicht ist er ein Geldschrankknacker?" fügte er in hoffnungsvollem Ton hinzu.
„Dann mußte er dümmer sein, als ich glaube", agte der Sachverständige. „Warum macht er sich in Neukirchen dadurch bemerkbar, daß er einen priminenten Bürger der Stadt vom Tode errettet — und ausgerechnet durch eine seltsame Geschicklichkeit im De ff ne n von Stahlkammern? Wozu lie- ert er eine Stahlkammer? Der Junge, der das gemacht hat, bricht jedes andere auch auf ..."
Der würdige Herr drehte nachdenklich seine Zigarre zwischen den Fingern. „Sie sind ein bißchen im Brackwasser, Herr Kollege. Sie wissen nicht, daß wir in den letzten Monaten ettiche, vorläufig unaufgeklärte Kasseneinbrüche in den verschiedensten Provinzstädten bearbeiten. Und ich lege meine Hand dafür ins Feuer, baß die Unionbank von eben diesem Kunden heimgesucht wurde. Für die früheren Fälle hat Ilke ein eisensestes Alibi. Er kann nicht das Karnickel gewesen sein!"
„Wer ist es dann also?" erkundigte sich Ruhle etwas gereizt. „Ich hielt es für eine sehr gute Idee, allerdings für keine neue, präparierte Kassenschränke zu liefern, um sie dann mühelos erbrechen zu können. In Amerika haben ein paar unternehmende Gauner alte Kassen frisch lackiert an begüterte Leute verschleißt — es war ein blendendes Geschäft, auch ohne den Knalleffekt — und haben sie dann in aller Seelenruhe au&geräumt."
„Eine kurzsichtige Spekulation", lehnte der Sachverständige ab. „llebrigens können Sie mir glauben, daß es eine Höllenarbeit war, die Unionbank um vierhunderttausend Mark zu erleichtern. Und ausgezeichnetes Werkzeug muß dem Täter zur Der- fügung gestanden haben! Ich kenne mir drei Berus smäßige, denen ich diese Bohrer und diese Ge- schicklichkeit.zutrauen würde ..."
Rühles Blick war ein riesiges Fragezeichen.
„Der eine heißt der »schiefe Hans'. Der sitzt. Der zweite ist vor etwa einem halben Jahr bestimmt nach Südamerika verschwunden ... Zwei Geheime haben gut darauf geachtet, daß er wirklich das Schiff nicht wieder verließ. Und hereinkommen wird er uns nicht mehr! Den dritten suchen wir. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir ihn haben und um Auskunft ersuchen können."
„Was sollen wir tun?" seufzte Ruhle. „Lange können mir Ilke nicht mehr hier festhalten!"
"Ach würde mir von ihm erklären lassen, wieso er dazu kommt, zwei Namen zu führen. Und bann würbe ich bas schwarze Schaf in Neukirchen weiben lassen. In Freiheit können Verdächtige viel leichter überführt werben als in ber Kerkerzelle..."
Peter war gerne zu jeder Auskunft bereit. Sein Vater, ein gebürtiger Elsässer, war nach Paris gezogen und hatte sich dort naturalisieren lassen unb 1 den Namen Ilke in Clie geändert. Er, Peter, hätte , erst anläßlich seiner lleberfieblung erfahren, daß er ' Zwar französischer Staatsbürger geworden sei, aber von ber Namensänberung seines Vaters nicht be- ' rührt würbe. Worauf er auf Grunb feiner urfprüng- , lichen Papiere wieder den Namen Ilke geführt : hätte.


