Ausgabe 
13.6.1939
 
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Lange.

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Dienstag, IZ.ZunUYZY

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

Nr. 155 Zweites Blatt

Tenor erzählte mir,

ltion herc etwa die kennen -

Ein

wie Sie wollen

Deutschlandsender in einem Hörspiel ein Liebespaar zu sprechen hatten.Macht es Euch nicht sehr glück­lich, daß Ihr Eurer Liebe, Eurem Glück auch vor dem Mikrophon Ausdruck geben dürft?" hieß es da. Ich habe Euch sehr beneidet!"

Dabei waren wir damals noch gar nicht verhei­ratet!" lachte der junge Darsteller, als er mir den Brief zeigte. Wir haben dann aber so oft über diese seltsame Zuschrift miteinander gesprochen, bis wir plötzlich erkannten: Der Absender hat ja Recht! Wir müßten ja eigentlich längst miteinander ver­heiratet sein. Ra, und am Hochzeitstage haben wir gemeinsam unserm unbekannten Ehestifter einen Dankesbrief geschrieben, in dem wir ihn allerdings auch aufklärten darüber, daß durchaus nicht olle Bühnenehepaare verheiratet find und alle Bühnen­liebespaare sich auch wirklich lieben!"

Und zum Schluß noch ein Brief, der zwar nicht an eine Stimme geschrieben wurde, der aber doch in diese kleine Aufzählung hinein gehört: Nach der Erstsendung eines volkstümlichen Lustspiels erhielt der Dichter eine lange Epistel, in der es hieß:

Ich weiß schon, daß Sie sich meinen Nachbarn TY für Ihren Meckerfritzen zum Vorbild genommen haben. Aber Sie haben ihn ganz verquer gesehen. Der Mann ist ganz und gar nicht gutmütig, der hat keinen süßen Kern unter der rauhen Schale, der ist einfach ein unverbesserlicher Stänker!" Und dann folgte sechs Seiten lang die ganze Geschichte eines feindnachbarlichen Kleinkrieges, in der es von zer­brochenen Zäunen, geklautem Flieder, ehrenrührigen Redewendungen und Gerichtsterminen nur so wim­melte.Das müssen Sie mal schreiben!" forderte der Absender kategorisch.Denn Herr, das ist Leben!"

Lichtspielhaus:Das blaue Licht".

Dieser Film ist schon vor einer Reihe von Jahren entstanden:eine Berglegende, erzählt und gestaltet von Leni R i e f e n st a h l", begleitet von der Musik Giuseppe B e c c e s , der auch zu zahlreichen Berg­filmen Trenkers die Vertonung lieferte. Wenn man sich an die beiden großen Olympia-Filme als an Leni Riefenstahls letzte Schöpfung erinnert, wird manDas blaue Licht" als den Anfang einer Ent­wicklung begreifen, die zu verfolgen nicht uninter­essant scheint. In dieserBerglegende", die eine Reihe sehr malerischer Landschaftsaufnahmen aus dem Tessin und aus den Dolomiten enthält, ist der an sich folgerichtige Versuch unternommen worden, mit einem Mindestmaß an Text und gesprochenem Wort auszukommen. Der Beschauer wird an Hand einer knappen Inhaltsangabe im Programmheft die Probe aufs Exempel machen können, wie weit das gelungen ist. Im Mittelpunkt steht die Gestalt einer halbwilden jungen Italienerin, der das blaue Licht in den Bergen (das von einem schwer zugänglichen Kristallfeld im Felsen ausstrahlt) zum Verhängnis wird: sie wird von abergläubischen Bergbauern, die das blaue Leuchten in den Vollmondnächten ängstigt, als Hexe verfolgt und kann auch von einem jungen deutschen Maler, der das Wunder entdeckt, nicht vor dem tödlichen Absturz bewahrt werden. Leni Rie­fe n st a h l spielt selbst die fast stumme Rolle eines von der Natur verzauberten einfältigen Hirtenmäte chens in der romantischen Segantini-Landschaft. Mathias W i e m a n , gütig und schlicht, ist dec Maler Vigo. (Degeto.)

Zuvor sieht und hört man einen bildmäßig und musikalisch ungewöhnlich reizenden Film von Müt­tern und Kindern und Wiegenliedern in aller Welt. Die neue Tobis-Wochenschau bringt u. a. einen Be­richt vom jugoslawischen Staatsbesuch in Berlin.

Hans Thyriot.

In derSchatzkammer" eines berühmten Berliner Sängers einer kostbaren Vitrine, die zahllose Andenken an Erfolge und Gastspielreisen birgt sah ich einmal ein winziges Buch im Format einer halben Streichholzschachtel. Es war verschlossen mit einem ebenso winzigen, zierlichen Schloß, dessen Schlüssel der Hausherr an der Uhrkette trug, und seine zahlreichen, hauchdünnen Seiten waren bedeckt mit mir unbekannten, fast mikroskopisch winzigen Schrift­zeichen.

Dieses Buch!" sagte der Hausherr,enthält den ganzen Koran von der ersten bis zur letzten Sure. Es ist mit der Hand geschrieben: die Lebensarbeit eines arabischen Einsiedlers und Schriftgelehrten. Eine Spielerei vielleicht nur, vielleicht aber auch die Erfüllung eines Gelübdes ich weiß es nicht. Jedenfalls stellen das haben mir Sachverständige wiederholt erklärt diese Millionen kleinster ara­bischer Schriftzeichen wirklich die Lebensarbeit eines Mannes dar!"

Und wie ist diese bezaubernde Kostbarkeit in Ihren Besitz gekommen?" fragte ich ihn.

Der Sänger sah einen Augenblick still vor sich hin.In die Einsamkeit dieses Mannes, da hinten irgendwo im Unendlichen fast, kam eines Tages ein Radiogerät. Das erste, was die tönende Welle ihm zutrug, war zufällig meine Stimme. Ich weiß nicht, ob ich 'besonders gut gesungen habe an jenem Tage oder ob es nur das überwältigende Erlebnis eines modernen Wunders war. Der Mann hatte jedenfalls den Wunsch, das Kostbarste, was er befaß, demjenigen zu schenken, der.ihm das Wunder ver­mittelt hatte. So kam", der Sänger nahm das kleine Buch auf feine Hand,diese Seltsamkeit in 'meinen Besitz. Ich habe viele kostbare Andenken", sagte er bann, während er das Büchlein wieder fortschloß, in den langen Jahren meiner Bühnentätigkeit sam­meln können. Sie werden verstehen, daß dies Ge­schenk eines Unbekannten für mich das Wertvollste ist..."

Dieses Erlebnis, das im harten Rhythmus der Großstadt wie ein anmutiges Märchen schien, war für mich die Veranlassung, einmal nachzuforschen, wie die Briefe oder die Geschenke aussehen, die be­geisterte Rundfunkhörer an ihre Lieblinge senden. Während der Theaterbesucher vom Schauspieler auch optisch einen Eindruck hat, ein Bild bekommt von seinem Gesicht, seiner Figur, kennt der Radiohörer vom Sprecher oder Sänger fast immer nur einen ganz kleinen Teil seines Seins die Stimme. Und ob es nicht schwer ist, an eine Stimme zu schreiben, schwerer jedenfalls als einen Menschen, den man wenn auch nur in Maske und selten schon ge­

worden.. Die Briefe aber, die über die Reichssender oder direkt aus Hörerkreisen an deutsche Sprecher und Sänger gesandt wurden, mögen viele, viele

Nacht in Venedig" in der Staatsope^ und eine starke Aufführung von Goethes F a u st durch das Deutsche Theater in Berlin in der Inszenierung von Heinz Hilpert. Nach dem großen Fest des Theaters beginnt nun wieder die Tagesarbeit der einzelnen Bühnen, sofern man am Theater von Tagesarbeit sprechen kann. Denn das ist das Ewige, Unvergängliche am Theater, daß der Zuschauer jede Aufführung als Fest empfindet. Wer dieses Festliche fühlt, der wird nie von ihm los­kommen: wer es nicht fühlt, dem bleibt eine dec schönsten Empfindungen versagt, die gerade wir Deutschen im Leben einzusetzen haben.

Wochen nach seinem Auftrete

aus Südamerika eine kleine Aufmerksamkeit gesandt

tion heraus die Welt betrachtet. Wer würde nicht " ? ewige Wahrheit Nestroyscher Weisheit er­kennender Fortschritt hat das ane für sich, daß er größer ausschaut, als er de facto is" wenn er schimpfend vor seinem defekten Kraftwagen auf der Landstraße steht oder sonstwo an einer neuen technischen Errungenschaft verzweifelt.

Dieser lebensweise Witz würde an sich noch keinen Dichter machen, aber Nestroy ist auch Dichter, und ein großer Dichter. Seine Figuren sind manchmal gerateju mit shakespearischer Kraft gesehen. Wie herrlich ist etwa in der genannten Posse der Typ des Kommis in der Figur des Weinberl gezeichnet.

oder wie wunderbar hat Nestroy in dem Hausknecht Melchior gezeigt, daß auch in der Einfalt eine ge­wisse Größe stecken kann. Es ist fast shakespearisch, wenn sich dieser Melchior im dritten Akt, als ftemde Menschen in ein nachtdunkles Zimmer dringen, zu­nächst nicht wissend, ob es sich um Geister oder um Einbrecher handelt, hinter einer Gardine versteckt und sich dann zu der Erkenntnis durchringt:Sie reden vom Geld, es sind also Menschen!" _>

Diese Beispiele sind nur wahllos herausgegriften, denn sie jagen sich förmlich in den Nestroyschen Possen, Witz folgt auf Witz, und man vergißt, daß all diese Worte ja schon vor hundert Jahren ge­schrieben worden sind. Diese Typen Nestroys, wenn sie auch ein entzückendes Wienerisch reden, wachsen weit über den Lokalgeist hinaus und sind im all­gemein Menschlichen verankert. Freilich, vollendet kann dieser Nestroy nur von Wiener Schauspielern gezeigt werden. Wien bringt seit den Tagen, da N e st r o y selbst und sein großer Freund Scholz in seinen Possen gespielt haben, immer wieder Schauspieler heraus, die die Aufführungen seiner Werke genußreich machen. So war denn auch in der Burgtheateraufführung vonEinen Jux will er sich machen" eine Schar Künstler am Werk, die besten Neftroy-Stil haben. Der Führer schien von dem Gebotenen sehr befriedigt, er blieb die ganze Vorstellung und beteiligte sich schließlich lange an dem starken Beifall.

Zu verzeichnen bleibt von den großen Ereignissen der Reichstheaterfestwoche noch eine schöne Auffüh­rung von Johann Strauß' OperetteEine

Von den Leiden der christlichen Seefahrt.

Im August 1471 segelte der Danziger Ratsmann Bernt Pawest auf dem in der hanseatischen Welt allgemein bekanntenPeter von Danzig" mit 350 Nkann und wertvoller Ladung nach Holland ab. Als er im Hafen von Berschuck gelandet war, wurde er durch schlechtes Wetter gezwungen, bis zum Februar des nächsten Jahres dort liegen zu bleiben. Er klagt den Danzigern sein Leid am 24. November 1471:Noch immer liege ich in Berschuck in großer Furcht vor Sturm und Ungewitter; das Schiff hat vier Anker ausgeworfen; jetzt erst find mit großem Ungelte Ballast und Ladung ausgeschifft: ftit meinem Hiersein sind noch nicht zwei schöne Tage hinter einander gewesen, sondern immer Sturm, Regen, Schnee, Frost. Entferne ich mich aus dem Schiffe, so ist dort Hader und Keifen ... darum bin ich der Meinung, sobald wie möglich in See zu gehen, schon darum, damit die teure Vitalie (Lebens­mittel) nicht so jämmerlich und nutzlos verzehrt werde ..." Im Dezember schreibt er:Noch immer weht der Wind von West und Nordwest und hält uns hier im Hafen in steter Sorge. Unter unfern 350 Brotessern sind etliche quade (böse) Buben, die mir große Not machen, dazu fehlt mir alle Beihilfe, und von Euch habe ich noch keinen Brief bekom­men ..." Sein Schiff, dasgroße Krawel", wird auf Land gezogen, wobei sich viele Schäden zeigen, und Bernt Pawest hebt zu klagen an:Mich grauet vor den Kosten, die die Ausbesserung des guten Schiffs erfordert: bis jetzt waren Kalfaterer, Zimmerleute, Schutemans, im ganzen an 100 Per­sonen bei demselben beschäftigt, und noch jetzt haben zehn Zimmerleute Arbeit vollauf. Dazu der Brauer, der Bäcker, der Schmidt und das große Wochengeld! Ich fürchte, man wird kaum glauben, was das kostet! Der Brügger Kaufmann, dem ich meine Not klage, meint, das müsse gar nicht befremden, der ,^)ohn" fei ein gut gebautes und vollständig ein­gerichtetes Schiff gewesen, und dennoch habe seine Ausrüstung zum Orloge (Kriegsschiff) über 700 Pfund gekostet. Wisset ferner, daß hier kein Schiffs­volk zu bekommen ist. Der Kaufmann hat hier 800 Mann für Hamburg angeworben, und die Lübecker geben ihren Ruters (Söldner) Sold; daher sind die Wenigen, die hier sind, schwer zu bekommen. Die Schiffsleute, die ich jetzt habe, sind junges Volk, das keinen Nutzen bringt. Schreibt mir, wie ich mich verhalten und ob ich ihnen Sold geben soll n.

Zeitnaher Film.

Das Maiheft der ZeitschriftDer deutsche Film" beschäftigt sich mit der FrageWunscl)- traum oder Wirklichkeit im Film?" Professor Carl Froelich, der Träger des Nationalen Filmprei­ses 1939, nimmt mit folgenden Sätzen dazu Stel­lung:Zeitnahe was die Forderung bedeutet und vor allem, was sie nicht bedeutet, ist schon oft erläutert worden. Es braucht nicht unter allen Um­ständen die .Gegenwart' zu sein, die gezeigt wird. Es soll auch nicht die Forderung des Tages sein, der wir nachgestalten. Das Schicksal, das da oben aus der Leinwand an uns vorüberzieht, soll und muß so stark sein, daß es uns einfach zwingt, uns mit den Handelnden eins zu fühlen ihr Erleben zu dem unseren zu machen. Ob diese Kraft aber von dem Geschehen auf uns übergeht, hängt von der künstlerischen Begabung des Autors, des Regis­seurs ab. Die Art des Stoffes an sich spielt hierbei die geringste Rolle. Der Stoff ist nur die Möglich­keit, das Wesen durch die Form zu verwirklichen. Was ist ein Stoff? Das, was einer daraus macht.

Aniwort auf die Stimme aus dem Aether. I

Was Hörer an :Runbfunffunfl(er schreiben.

Hochschulnachrichten.

Es wurde übertragen: dem Dozenten Dr.-Ing. habil. Wilhelm Bader in Berlin unter Er­nennung zum ordentlichen Professor an der Tech­nischen Hochschule Stuttgart der Lehrstuhl für Theoretische Elektrotechnik: dem ao. Professor Dr. Erwin Ko schmied er unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Universität Mün­chen der Lehrstuhl für slawische und baltische Philologie.

bekommen, ohne daß der Absender jemals seinen Namen genannt habe.Ich weiß nicht, ob es ein Mann ist oder eine Frau", erzählte er lächelnd, aber ich weiß, daß diese Regelmäßigkeit eines gar nicht verdienten Dankes mich immer wieder rührt und erschüttert."

,Lch bin begeistert von der hohen, fast klassisch zu nennenden Sprachkultur, die Sie und Ihre Kol­legen in diesem Hörspiel offenbarten!" heißt es in dem Brief eines französischen Regisseurs an einen deutschen Schauspieler, in dem zugleich der Wunsch ausgesprochen wird, einmal eine Möglichkeit zur Zusammenarbeit mit den deutschen Künstlern zu inten. Aber:

Ich fürchte, chör ami, der Graben, den die Politiker aufgeworfen haben, ist schon zu tief..."

Einen reizenden Brief voll ahnungsloser Naivität erhielten zwei junge Schauspieler, die einmal im

____ Film kann realistisch sein, kann den Alltag gufzeigen mit all seinen Mühen und seiner Plage, er kann ein Problem behandeln und auch tendenziös sein aber alles muß überstrahlt sein von der Kunst. Das Geschehen in der Filmhandlung muß erheben über Werktagsplage und graue Nüchtern­heit. Der Beschauer soll beseligt, beglückt, begnadet

2"___"... hinausgehen aus dem Theater.

Man kann den realistischen Alltag aufzeigen aber künstlerisch! Ohne die Feinheiten, ohne das ge­wisse Etwas, das eine Filmschöpfung erst zu einem Kunstwerk macht läßt jedes Geschehen den Be­schauer kalt und unerfüllt. Die kleinen zarten Schlag­lichter die eben Kunst sind hellen das düstere Milieu auf und geben dem tragischsten Ablauf erst Schönheit, Harmonie und versönlichen Ausklang.

schafter, Lügner, die wider die Ehre ehrbarer Leute reden und ihnen an ihrem Gute schaden wollen, sollen vom Hofe ausgeschlossen sein. Ebenso ist der des Hofes unwürdig, ter ohne Ehe mit einer Frau zujammenwohnt oder ein öffentliches Verhältnis hat ... Ferner sollen die Aldermänner nicht länger als bis zwölf Uhr abends auf dem Hof fitzen. Nie­mand soll auf dem Hof noch in-den Kellern Würfel spielen bei einer Strafe von vier guten Mark, und wenn ein Aldermann es gestattet, so verfällt er der gleichen Strafe ..."

Die Schatzgräber.

3n der Woche vor Sankt Pauli Bekehrung", meldet Caspar Weinreich in seiner Danziger Chr^ nik,begannen etliche in ter Marienburg nach einem Schatze zu graben, und zwar nach Angabe eines hergelaufenen Kreuzherrn (Ordensritters) und eines andern Mannes, der des Schatzgrabens kun­dig war. Sie gruben wohl auf acht oder neun Hochmeister, die dort begraben wurden, und in ihren Gräbern suchten sie den Schatz, aber sie fan­den nichts mehr, nur, daß sie dietoten Leichname beraubten, was eine Schande war."

Der städtische Maurermeister.

Im Jahre 1425 wurde Klaus Sweder zum Stadt- Maurermeister bestellt und erhielt darüber folgende Urkunde:Wir Bürgermeister und Ratsmannen be­kennen, daß wir Klaus Sweder zum Maurermeister an Unser-Frauen-Kirche und unserer Stadt ange­nommen und uns mit ihm in folgender Weise völlig geeinigt haben: zum ersten soll man Meister Klaus, wenn er die Arbeit beginnt, alle Jahre dreißig gute Mark geben, die Hälfte zu Ostern, die Hälfte zu Michaelis, wenn er an der Kirche arbeitet, soll er alle Woche eine gute Mark erhalten, wenn er aber zwei, drei oder mehr Männer des Winters bestellt, die Steine zurechthauen oder anderes tun, was man für die Kirche braucht, so soll Meister Klaus keinen Wochenlohn erhallen, aber bei allen anderen Arbeiten soll man ihn entlohnen. Auch soll er ein Haus haben, darin er frei wohnen kann, solange er im Dienst der Kirche steht. Geschähe es, daß an der Kirche keine Arbeit ist, Meister Klaus wußte aber außerhalb der Stadt eine Arbeit, die er machen könnte, so soll er dies mit Wissen des Rats tun und während der Zeit kein Geld von der Kirche erhal­ten. Item, wenn er für die Stadt Arbeit leistet, so soll ihn der Rat entlohnen nach dem Tausend, wie es von altersher Brauch ist."

Triumph des aliwienerischen Humors

Oer heitere Ausklang der Neichstheaterfestwoche.

Don unserem Sonderberichterstatter Or. Gerhard Aichinger.

Wien, 12. Juni. I

Das große Theaterfest in Wien ist zu Ende. Es erhielt, wie schon berichtet, besondere Weihe dadurch, daß der Führer zu den letzten beiden Vorstel­lungen der Reichstheaterfestwoche nach Wien ge­kommen ist. Sein erster Besuch galt der Oper Friedenstag" von Richard Strauß, die als Ehrung zum 75. Geburtstag des Meisters m ter Wiener Staatsoper in Szene ging. Das jüngste Werk des Komponisten, das ja schon in vielen Städten des Reiches gespielt worden ist, wurde hier zum ersten Male aufgeführt. Es war eine Vorstellung, wie sie sich der Meister nicht besser hätte wünschen können. Ein eindrucksvolles Bühnen­bild, prächtig singende Chöre, an denen außer dem Staatsopernchor die bekanntesten Wiener Sänger­vereine mitwirkten, das unter der Stabführung von Clemens Krauß herrlich spielende Orchester, das die hymnischen Melodienbögen in aller Pracht auf» klingen ließ, ausgezeichnete Einzeldarsteller, ror allem der Hamburger Bariton Hans Hotter, ter sich schon in HändelsJulius Cäsar" in das Herz der Wiener gesungen hat, all das vereinigte sich zu schönstem Gelingen.

sehen hat?

Ja, vielleicht ist es schwerer. Aber vielleicht auch leichter!" versuchte einer unserer besten Charakter­darsteller meine Frage zu beantworten. Es war ein kleiner, schmaler Mann mit der etwas lässigen Hal­tung und der saloppen Kleidung des Kopfarbeiters. Er zögerte nachdenklich ein wenig. Dann reichte er mir einen Brief. Ich las: »Ich stelle Sie mir groß vor, braungebrannt und sehr elegant!' Die Schrift einer zierlichen Mädchenhand. Der Schauspieler lächelte, cis er meinen fragenden Blick sah:

.^Jawohl! Dieser Brief war an mich gerichtet. Ich habe sehr vorsichtig geantwortet. Es war mir un­angenehm, so falsch gesehen zu werden. Und zugleich glaubte ich, eine Illusion nicht zerstören zu dürfen, die vielleicht einem jungen Menschen Freude be­reitete. Das war nicht ganz emsach, sage ich Ihnen!

Darf ich wissen", forschte ich neugierig,wie die er Briefwechsel später geendet hat?"

In diesem Augenblick ging die Türe auf, eine sehr junge, hübsche Frau mit strahlenden Augen trat em.

Darf ich vorstellen", lächelte der berühmte Schau­spieler,hier ist die Absenderin jenes Briefes. Die schöne Illusion hat sie zwar verloren aber dasur ist sie meine Frau geworden!" .

150 000 Briefe in nur fünf Jahren haben Hörer aus aller Welt an die Leitung des deutschen Kurz­wellensenders geschrieben, fast ebensooiele sind vom Sender an die mitwirkenden Künstler weitergeleitet

Es hat die Wiener besonders gefreut, daß der Führer den guten Geist des Wiener Humors, der das Herz, das Lächeln und den Esprit der Stadt verkörpert, daß er durch einen Besuch des Lust­spielsEinen Jux will er sich machen Johann Nestroy geehrt hat. Das Spiel war te- reits am Freitag im Burgtheater zur Erst­aufführung gekommen, und der Führer hat es eigens für Sonntag noch einmal anfetzen lassen, während in der Staätsoper eine ausgezeichnete Auf­führung von T a n n h ä u f e r " den festlichen Aus­klang bildete. Die von Herbert Waniek besorgte Neuinszenierung der Nestroy-Posse war denn auch wirklich ausgezeichnet und ganz dazu angetan, bie unvergänglicye Bedeutung dieses deutschen Aristo- phanes auch demjenigen Ju erschließen, dem Wiener Wesen an sich fremd ist. Was ist denn dieser Nestroy- Geist? Vor allem: tiefe Lebensweisheit, die zumeist in die eigenartig zugespitzte Wortformulierung der Anti­these gesetzt wird oder aus einer gelassenen Resigna-

Niemals darf man als Regisseur von dem Stand­punkt ausgehen, das Publikum belehren zu wollen in einer Weise, daß der erhobene Zeigefinger wie ein drohendes Etwas über dem Ganzen schwebt. Jeder Hinweis, jede Aufklärung muß in angeneh­mer, unmerklich richtunggebender Form gereicht werden. So ist es auch bei politischen Filmen, die selbstverständlich ob gegenwartsnah oder ver­gangenheitserinnernd anschaulich und bahnwei­fend sein sollen. Erleuchtet und aufgelockert durch das, was man Kunst nennt, werden sie immer ihre große Anziehungskraft auf das gesamte Publikum haben. Ich selbst liebe die Filme, die von Romantik umsponnen sind, die Wunschträume erschließen, die den Beschauer ausruhen lassen, ihm Entspannung bringen und ihn über den Alltag hinaus träumen lassen."

Zwischen Krahnior und Ariushof.

Aus Danzigs deutscher Vergangenheit.

Vorn 13. bis 18. Juni findet in Danzig eine Gaukulturwoche statt.

Hering gut und fett.

Da die Danziger Bürger Seefahrer, Kaufleute und Fischer waren, hatten die Heringsfänge in ter Ostsee eine große Bedeutung für das wirtschaftliche Wohlergehen der Stadt. So ist folgende Notiz des Chronisten zu verstehen:Im Herbst 1425 fuhren nach alter Gewohnheit die Kaufleute und Fischer aus den Städten nach Schonen in Dänemark auf ben Heringsfang. Sie wendeten ihren gewohnten Fleiß auf den Fang, aber wie und warum es auch war, es war kein Hering im Sunde, die Fischer konnten die ganze Zeit, wo sie da waren, nichts fangen Dieser unüberwindliche Schaden des Kauf­manns und der ganzen Welt, die Derbiesterung des Herings aus dem Sunde dauerte lange Jahre, und die Heringe kamen nicht wieder, sondern ihre Schwärme teilten sich in der See, ein Teil kam nach Flandern, ein Teil nach Helgoland, roo er ge­fangen wurde, aber er hatte nirgends die Gute, die der Schonensche ju haben pflegte." Immerhin sind dann noch in manchen Jahren die Fänge über Er­warten gut, so Sommer 1492:In diesem Sommer wurde der Hering bei Zeiten vor Sankt Johannis gefangen, er war fett und gut, aber es waren wenig Kaufleute aus den Städten da ... Darum verloren auch viele Fischer den Hering, an der einen Bordseite zogen sie ihn herauf, an der an­dern warfen sie ihn wieder ab, denn sie konnten ihn nicht verkaufen ..."

Vom Danziger Artushof.

Die Artushöfe der preußischen Städte waren ge­schloffene Vereinigungen zur Pflege der Gesellig­keit in einem bestimmten Kreise: daher bestimmt die Artushof-Ordnung vom Jahre 1421: Jeder Gast, der den Hof besuchen will, soll mit feinem Wirt oder einem andern bekannten Mann, der auch auf den Hof geht, zu den Aldermännern kommen und sich einschreiben lassen, sein Wirt wird dazuge­schrieben, auf daß man einen jeden zu finden witze; und ter, der den Gast auf den Hof bringt, sott dem Hof füt das Geld gut stehen. Alle Zänker, Auskund.

Millionen sein.

Es gibt unter diesen Briefen mAnche überschwäng­liche Danksagung, aber auch manch rührenden Be­weis einer stillen, fast scheuen Verehrung. Ein , daß er regelmäßig einige Auftreten im Kurzwellensender