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Nr. 111 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)

(Z./U.Mai 1959

Aus der Stadt Gießen.

Unter dem blühenden Flieder.

Herrlich und sieghaft ist der Mai. Mit unver­änderter Zauberkraft packt er unser Herz, und seine Wunder locken uns täglich hinaus in Wald und Feld. Schön ist es jetzt überall. Wohin unser Blick fällt, überall sehen wir in dem Blütenmeer die weißen, roten, gelben und blauen Sterne leuchten. Der Wald breitet sein grünes Laubdach schützend über Tausende von Blumen, die Obstgärten grüßen und lassen uns auf eine gute zukünftige Ernte hosstn. Wiesen und Saatfelder sind wie ein glän­zender Teppich.

lieber dem Wald liegt ein Duft, der immer wieder entzückt. Unter hohen Buchenbäumen schrei­ten wir, dann wieder neben dunklen Tannen, Büsche und Farnkräuter säumen unseren Weg. Dann kommt eine Lichtung. Da steht das Försterhaus, rings umgeben von hohen Kiefern. Hier, mitten rm Wald, leuchtet uns wieder ein Blütenstrauß entgegen, im Garten des Försters.

Gerade hier in der grünen Umgebung wirken die bunten Blumen besonders schön. Die Garten­laube steht mitten unter Fliederbüschen, dahinter erhebt sich eine mächtige Linde. Wir können uns nicht sattsehen an der Pracht dieser Blütenbäume. Herrlich ist der Duft der Fliederbüsche. Aus den dunkelgrünen, herzförmigen Blättern heben sich die violetten Blüten in großen Sträußen heraus, nicht stolz und aufrecht, sondern bescheiden und wie von einer Last bedrückt nach unten. Ihr Duft lockt Tausende und Abertausende von Insekten an, und willig spenden die kleinen Blüten ihren Honig, der tief in einer Röhre steckt. Wir nehmen ein kleines Nägelchen", denn im Volksmund ist es der- gelchesbaum", und versuchen selber die süße Pflan­zenkost. Kein Wunder, daß immer mehr Hummeln und andere Insekten ansliegen.

Auf der gegenüberliegenden Seite des Gartens stehen noch zwei veredelte weiße Fliederbäumchen. Unberührt und wie frisch gefallener Schnee leuchten diese weißen Wunderblumen. Freilich duften sie nicht wie ihre violetten Kameraden. Aber sie sind einzig schön in ihrem schneeigen Kleid.

Wir beglückwünschen den Förster zu seinem schö­nen Garten und beneiden ihn, der da weit draußen im Walde wohnen kann, umgeben von blühenden Sträuchern und Bäumen. Alags auch oft einsam sein da draußen, aber solch schöne Mai tage mit ihrem Blühen bringen den Ausgleich. H.

Vornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Gaukulturwoche: 10 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr im Oberhessischen Museum (Altes Schloß) Sonder- ausstellungDas Haus- und Dorfbuch". Gloria- Palast (Seltersweg):Der Florentiner Hut". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Das Abenteuer geht weiter": Spätvorstellung 22.45 Uhr:Die Stunde der Versuchung". Reichskolonialbund: 20 Uhr, Cafe Leib, VortragDie deutsche Kvlonial- forderung und die Stellung des Auslandes". Modellschau von Eigenheimen von 11 bis 20 Uhr im Hotel Schütz.

Tageskalender für Sonntag.

Gaukulturwoche: Abschluß der Kulturwoche Feierstunde" auf Burg Münzenberg: Gloria-Palast (Seltersweg): 10 Uhr, Feierstunde mit Filmvorstel­lungFriesennot": Oberhessisches Museum (Altes Schloß): 10 bis 13 Uhr SonderausstellungDas Haus- und Dorfbuch". Stadttheater: 19.30 bis 22 UhrDer Alte geht um". Gloria-Palast (Sel­tersweg):Der Florentiner Hut". Lichtspielhaus (Bahnhofstraße):Das Abenteuer geht heiter". 11 Uhr: GroßstaffellaufRund um die Gießener Anlagen" mit Konzert der SA.-Kapelle vor dem Stadttheater. Kreisfachamt Kanusport: 15 Uhr Kreiskurzstreckenregatta; 20.30 Uhr Filmabend (Pulvermühle).

Oer Abschluß her Hochschulwoche in Gießen.

Mit einigen weiteren Besichtigungsmöglichkeiten und mit mehreren Vorträgen fand dieHochschul - woche der Ludwigs-Universität Gie­ßen am gestrigen Freitag ihren Abschluß. Wie­derum, wie bei den vorhergehenden Veranstaltungen, waren auch am gestrigen Schlußtage in den Nach­mittags- und in den Abendstunden zahlreiche Volks­genossen der Einladung zu den Besichtigungen und Vorträgen gefolgt.

vrof. Dr. Mer

konnte im Hörsaal des Botanischen Instituts eine stattliche Zahl von Hörern begrüßen. Neben zahl­reichen Erwachsenen hatten sich zwei Oberklassen der Oberrealschule Grünberg eingefunden.

Anschließend an einleitende Worte über die An­lage und die besonderen Schätze des Gießener Bo­tanischen Gartens und die Aufgaben des Instituts als Lehr- und Forfchungsftätte wurden die Besucher unter Führung des Direktors, der Assistenten und Doktoranden durch den Garten, die Gewächshäuser und die einzelnen Abteilungen des Instituts geführt. Besondere Beachtung fanden neben anderen Pflan­zengruppen und Besonderheiten des Gartens die panaschierten Gewächse, die in Gießen in einem Formenreichtum kultiviert werden, wie kaum in einem anderen botanischen Garten.

Zu einem kurzen Vortrag mit z. T. hervorragen­den farbigen Lichtbildern über panaschierte Ge-

Während zweier Stunden berichtete der Direktor des Instituts für Erb- und Rassenpflege der Uni­versität Gießen und Gauamtsleiter des Rassenpoli­tischen Amtes der NSDAP.

Professor Dr. Kranz

einer stattlichen Zahl von Hörern vielerlei Inter­essantes über den Aufbau und die Arbeit sowie die bisherigen Erfolge dieses bedeutsamen Instituts. Er gedachte dabei zunächst in pietätvoller Erinnerung des unvergeßlichen Gießener Vorkämpfers des Füh­rers, Professor Philalethes Kuhn, mit dem zusam­men Professor Kranz die Grundlagen für dieses Institut unter vielfachen Schwierigkeiten geschaffen hat. Dann skizzierte er den schweren Weg, den die beiden Männer in der Kampfzeit für die von ihnen vertretene Sache der erbbiologischen Bestandsauf­nahmen im Rahmen dieses Instituts gehen mußten und der auch nach der Machtübernahme noch mit vielerlei Schwierigkeiten verbunden war. Das größte Hemmnis bestand darin, daß für biefe Arbeiten keinerlei Grundlagen vorhanden waren und die ganzen Forschungen erst von Grund auf in die Wege geleitet werden mußten. Der bisherige Erfolg dieser Arbeit ist aber geeignet, das Wirken dieses Instituts in desto hellerem Lichte erscheinen zu lassen.

Das Institut für Erb- und Rassenpflege hat heute schon ein Erbarchiv geschafen, in dem die Angaben über rund 16 000 hessischen Sippen in genauer Ord­nung verzeichnet sind. Sämtliche Sippentafeln der hessischen Aerzte, Zahnärzte, Apotheker, Lehrer usw. sind hier in großen Regalen und in einer Menge von Kastenschranken vereinigt. Fortlaufend erhält das Institut für seine bedeutsamen Forschungs­arbeiten alle Sippentafeln aus den hessischen Heil- und Pflegeanstalten, Kliniken usw., so daß auf diese Weise ein außerordentlich wertvolles Material für die erbbiologische Bestandsaufnahme unseres Volkes, zunächst vor allem in unserer engeren Heimat, zu­sammengetragen wird. Der Zweck dieser Arbeit be­steht darin, in wissenschaftlicher Hinsicht alle erfor­derlichen Grundlagen für den unter völkischen Ge­sichtspunkten durchzuführenden Neuaufbau unseres

wüchse fanden sich die Hörer wieder im Hörsaal zu­lammen, und nach kurzen Erläuterungen über die in dem Institut betriebenen Zellensticknen begann im großen Mikroskopiersaal eine Demonstration mikroskopischer Präparate, die einen Einblick in die wunderbare Welt der formen- und farbenreichen Blaualgen, Kieselalgen, Flagellaten Iochalgen und Grünalgen vermittelte.

Die Betrachtung dieser Präparate, sowie ein Be­such inKlein Neapel", dem Kulturraum des In­stituts, in dem neben Algen unserer einheimischen Süßwässer solche aus Neapel, Rovigno und Helgo­land kultiviert werden, machte mit den Objekten vertraut, an denen vornehmlich Zellenstudien be­trieben werden, Einen Einblick in die Unterrichts­weise des Instituts gab eine Reihe von aufgestellten Versuchen über Ernährung, Kohlenstoff-Assimilation und Wachstum der Pflanzen u. a. m. Demselben Zweck dienten einige Gruppen von Modellen und Herbar-Präparaten.' Eine Gruppe zeigte farbige Blütenmodelle von Vertretern der verschiedensten Pflanzenfamilien, während eine andere, die beson­dere Beachtung bei den Besuchern fand, Modelle unserer wichtigsten giftigen und eßbaren Pilze nebeneinander vereinte.

Anschauliche Tafeln, eine Sammlung dünner Holz­schnitte und mikroskopische Präparate gaben ein Bild von dem Wachstum der Bäume und dem Bau des Holzes unserer wichtigsten einheimischen Laub- und Nadelhölzer.

Volkes zu schaffen, den Erbwert der Sippen und der einzelnen Menschen festzustellen und zugleich eine sorgfältige Ehelenkung und Eheberatung der einzelnen Menschen zwecks Hebung der Sippen durchzuführen.

Bei dieser Arbeit muß natürlich von vornherein das volle Vertrauen der Männer und Frauen vor­handen sein, die das Institut aufsuchen und sich dort Rat und Belehrung holen. Auf der anderen Seite sind zum gedeihlichen Nutzen der Arbeit größter ärztlicher Takt, höchstes Verantwortungsbewußtsein der Aerzte und umfassendste Kenntnis auf allen Gebieten, vor allem natürlich hinsichtlich der Erb- und Rassengesichtspunkte erforderlich. Unter diesen maßgeblichen Faktoren werden die Untersuchungen und durch Frage und Antworten die ergänzenden Feststellungen für das Sippenarchiv, für die Ehe­beratung und die Ehelenkung vorgenommen, wobei eine nicht geringe Rolle die Tatsache spielt, daß der Grundsatz der. Freiwilligkeit bei allen Personen, die dieses Institut aufsuchen, stets vorherrschend ist. Die bisherigen Erfolge der Arbeit haben bargetan, daß die in dem Institut angewandten Methoden und Wege richtig sind und sehr brauchbares Material im Dienste unserer Volksgemeinschaft ergeben.

Im Anschluß an diesen informatorischen lieber» blick gab Professor Dr. Kranz seinen Besuchern auf einem Rund gang durch das Institut Gelegen­heit^. Einblick in die vielseitigen und bedeutungs­vollen Arbeiten, sowie in die Einrichtungen zu neh­men, die hier für den großen Zweck geleistet wer­den bzw. geschaffen sind. Dieser Besuch brachte den Gästen einen besonders schätzenswerten Gewinn.

Professor Dr. Äiehm

bot seinen Besuchern in der Augenkliniken einem Vortrag überDie modernen Untersu­chungsmöglichkeiten des Augenarztes" einen interessanten Einblick.

Die Entwicklung der optischen Industrie in den letzten Jahren hat die Untersuchungsmittel des Augenarztes nicht nur wesentlich vermehrt, sondern auch aufs Aeußerste verfeinert. Die Gießener

Augenklinik befindet sich in der glücklichen Sage, alle diese modernen Untersuchungsapparate zu be­sitzen. Für die Aufstellung und damit für die best­mögliche Ausnutzbarkeit dieser Apparatur kommt der Klinik die Tatsache zustatten, daß das Kliniks­gebäude im Jahre 1907 von vornherein in der großzügigsten Weife angelegt und erbaut worden war. Diese für Jahrzehnte vorausschauende Pla- nung in der Baulichkeit hat sich heute als die wich- tigfte und wirksamste Vorbedingung für die Weiter­entwicklung der Augenklinik in technischer Hinsicht erwiesen, ohne daß die Räumlichkeiten für die Pa­tienten beschnitten zu werden brauchten. Heute darf die Gießener Augenklinik für sich in Anspruch neh­men, sowohl mit Hinblick auf die räumliche Unter­bringung der kranken Volksgenossen, als auch mit Hinblick auf den verfügbaren Platz für Unter­suchung, Forschung und Lehrbetrieb vorbildlich zu sein. ,

In der Poliklinik sind die erwähnten modernen optischen Apparate in drei großen und hellen Un- tersuchungsräumen aufgestellt. Die Einrichtungen inb so geordnet, daß alle Handreichungen des unter« uchenden Arztes auf ein Minimum beschränkt sind, o daß er sein Augenmerk umsomehr auf den Pa­tienten richten kann. Besonderes Interesse erregen hier die großen Apparate, die es gestatten, den Augenhintergrund unter starker Vergrößerung zu betrachten und die dabei gleichzeitig räumliches Sehen ermöglichen. Zur Festlegung krankhafter Be­funde ist eine neuzeitliche Einrichtung zur Photo­graphie des Auges geschaffen worden. Entsprechende Bilder können zu Lehrzwecken jederzeit ini Hörsaal der Klinik projiziert werden. Sehr eindrucksvoll wirken hier die farbigen Aufnahmen des Auges. Sehr interessant ist auch die in der Augenklinik geübte Methode der Haftglasoerordnung.

Bei der Führung durch die Klinik wurden den Besuchern die Untersuchungsapparate im Betrieb vorgeführt. Ein Apparat gestattet die Betrachtung des Augenhintergrundes gleichzeitig für heun Be­obachter. Die Untersuchung der vorderen Augen­abschnitte wird am Hornhautmikroskop bzw. an der Spaltlampe^ vorgeführt, die Messung der Hornhaut­wölbung am sogenannten Ophthalmometer. Im Operationssaal der Klinik wurden die zwei großen Magneten vorgeführt, die zur Entfernung der Eisen­splitter aus dem Augapfel dienen. Eine Neuein­richtung bedeuten die für die Patienten geschaffenen Liegebalkons, auf denen Kranke mit tuberkulösen Augenleiden unter naturgemäßer Behandlung ge­heilt werden. Bei der Führung wurden auch neu­zeitliche Behandlungsmethoden gestreift, so vor allen Dingen die Art und Weise der operativen Behand­lung der Netzhautablösung, die Wiederherstellung verstopfter Tränenwege, die unterschiedliche und je dem vorliegenden Fall ange paßte Behandlung des Schielens, die operative Richtigstellung falschstehen­der Lider (Plastiken), die Behandlung der Schwach­sichtigkeit durch Sehübungen, die Behandlung des grauen, grünen und schwarzen Stares, die An­passung von Glasaugen usw.

Professor Dr. Eger

sprach im Vorlesungsgebäude der Universität über Das Recht im täglichen Lebe n".

Jeder Volksgenosse kommt im Leben des Alltags bei jedem Kauf-, Miet-, Leihoertrag usw. mit Rechts­fragen in Berührung. Allerdings werden ihm diese oft gar nicht als solche zum Bewußtsein kommen. Insbesondere denkt er nicht an ihre Regelung durch Gesetz. Maßgebende Richtschnur ist für ihn vielmehr bei seinem Handeln und bei der Beurteilung des

Wenn Augen versagen Magnus-Brillen tragen!

Aus dem jnflitot für Erb- und Raffenpflege.

Zwischenspiel im Mai.

Von Joachim Lange.

Draußen ist Mai.

Ich sitze am Fenster. Die Fensterflügel sind weit geöffnet. Blauer Maihimmel. Strahlende Maisonne.

Drüben, auf der anderen Seite der Straße, tritt Nachbar Pellken aus seinem Haus. Herr Pellken hat eine schlohweiss Löwenmähne, einen gewaltigen Katerschnurrbart und das Biedermannsgesicht eines Teddybären. H^rr Pellken ist die Gutmütigkeit selbst.

Herr Pellken trägt in der einen Hand eine Blech­büchse, in der anderen einen Pinsel. Aha, Herr Pellken will seinen Zaun streichen. Das ist wirklich nötig, der Zaun hat sehr gelitten unter Herbstregen und Winterstürmen, und Zäunestreichen ist so eine rechte Maibeschäftigung. Alles neu macht der Mm, denke ich unbewußt bei mir, macht die Zaune grün ^Herr^Pellken geht mite behutsamer Bedächtigkeit daran, die leuchtende grüne Far^ aufzutragen. Nach fünf Minuten ist die erste Latte gestrichen Herr Pellken fängt die zweite Lotte an da kommt Frau Zierke, die Botenfrau vom^benachbarten Gut vorbei. Es kommen nicht viel Leute durch unfere Straße. Frau Zierke bleibt stehen, blickt auf Herrn Pellkens Malerei, stemmt ihren Knotenstock auf das Pflaster und sagt einen kurzen Satz, Zer ren: pell­ken mit sichtlicher Zufriedenheit erfüllt, denn er lächelt zustimmend. Auch ich habe den Satz gehört und denke bei mir: Tatsächlich, so ist tas bie Zierten hat den Nagel mal wieder auf den Stopf ^Frau"Zierte geht weiter, nach einer Weile schlurft der alte Postmeister i. R. Montag auf seinem täg­lichen Nachmittagsspaziergang vorbei bleibt eben, falls einen Augenblick stehen und hüstelt Herrn Pellken denselben kurzen Satz zuwie Frau Herr Pellken schmunzelt freundlich, ich läge mir. merkwürdig, daß der Herr Postmeister dieselbe Fest, stellung macht wie eben Frau Zierte!

Nebenan tritt der lunge Schmied Reckllng aus seiner Werkstatt und nimmt mit nachbarlichem In­teresse Herrn Pellkens Maiarbeit zur Kenntnis. Derselbe Satz. Herr Pellkenlacht begeistert, ich sage zu mir selber: Na ja, nun konnte das «der bald aufhören! Ein radelnder Junge ruft Herrn stellten den Satz im Vorbeifahren zu.

ihm über die Maßen er reut nach, ich runzele oie Stirn? Die kleine Lore von schräg gegenüber ftellt sich vor den Zaun hin und singt ben. Satz s g . nicht ganz richtig, aber man nierkt doch, p Noten sein sollen. Herrn Pellkens Schultern jchut-

tern vor Bewegung, ich beruhige mich selber: dem Kinde kann man das nicht Übelnehmen. Der Wagen von der Aktien-Brauerei rasselt vorbei, der Kutscher brüllt Herrn Pellkeck vom Bock aus den Satz zu. Herrn Pellten Katerschnurrbart wandert auf und nieder vor maßlosem Gelächter, ich zwinkere nervös mit den Augen. Die Frau vom Doktor marschiert schön und strahlend vorüber, wieder der Satz. Herrn Pellkens Lache dröhnt häuserweit, ich halte mir solange die Hände vor die Ohren.

Sieben- oder achtmal während einer Viertel­stunde habe ich jetzt diesen Satz gehört. Kein Vor­übergehender, der ihn nicht gesprochen hätte. Eine richtige Feststellung, aber es ist anstrengend, sie immer wieder hören zu müssen.

Ich öffne meine Geldtasche, suche ein besonders schönes, glänzendes Markstück, eine funkelnaaelneue Mark heraus, lege sie vor mich hin und schwöre mir zu, diese Mark demjenigen zu geben, er sei, wer er wolle, der diesen Satz nicht sprechen würde.

Ich warte. Es kommen nicht viel Leute durch unsere Straße. Aber da hinten, aus der Gegend vom Alten Krug, nähert sich der dicke Bratkopf, Er schwankt ein wenig, der dicke Bratkopf, nun, das kommt sicher von der Dicke. Jetzt ist er drüben bei Herrn Pellken. Er bleibt einen Augenblick stehen, sagtHäh?" und schwankt weiter, seiner Woh­nung zu.

Er hat den Satz nicht gejagt!

Hallo, Herr Bratkopf", rufe ich,ich habe was für Sie!" v

?" macht der dicke Bratkopf und kommt an mein Fenster. , ,

Herr Bratkopf", sage ich feierlich,ich habe eben eine Wette abgeschlossen. Worum es aeht, braucht sie nicht weiter zu interessieren, Iebenfalls haben Sie die Wette gewonnen, und hier ist der fällige Betrag."

Damit reichte ich ihm die Mark. .

,Häh?" machte der dicke Bratkopf und nimmt das Geldstück an sich. Ich merke, daß er ziemlich betrunken ist, sicher von der Mailuft. Allem An­schein nach hat er überhaupt nicht begriffen, datz da drüben ein Zaun gestrichen und daß ihm hier eine Mark verehrt wird.

Endlich versteht er. Ein leuchtendes Grürsen zieht seine Backen in die Breite. Er betrachtet Mrt- lich die funkelnde Mark, nickt mir freundlich zu und sagt:Alles neu macht der Mai!" .

Herr", schreie ich,geben Sie nur die Mark ttirütf! Sie haben die Wette verloren." -

Doch der dicke Bratkopf schwankt eilig fort zurück in Richtung Alter Krug.Alles neu macht 'der Mai", grohlt er durch die Straße.

Herr Pellken hat verständnislos das kleine Ge­spräch zwischen dem dicken Bratkopf und mir mit- angehört.

Toller Bursche, dieser Bratkopf", rufe ich Herrn Pellken zu,aber ausgezeichnetes Wetter zum Zäunestreichen heute!" Und mit vollkommen irrem Lächeln:Jo, ja: alles neu macht der Mai!"

Herr Pellken lacht über diese neuartige Fest­stellung in einer Weise, daß ich befürchte, er be­kommt einen Schlaganfall.

Ja, ja", sagt er, nachdem er sich endlich beruhigt hat,das hort man immer wieder gerne, was? Alles neu macht der Mai, das ist doch wirklich so! Alle Menschen sagen das wieder, jung und alt, arm und reich. Und nun sagt es sogar der dicke Bratkopf, dieses olle Sumpfhuhn. Horen sie nur, wie er singt!"

Die abgehärteten Japaner.

In einem Bericht über feine ärztlichen Eindrücke und Beobachtungen während eines militärärzllichen Studienkommandos in Japan, den Oberfeldarzt Dr. H. K r i tz l e r - K o f ch in derDeutschen Medizi­nischen Wochenschrift" veröffenllicht, werden auch über die Abhärtung der Japaner gegen Kälte sehr bemerkenswerte Mitteilungen gemacht. Die Soldaten führen längere Märsche aus, bei denen sie bis zur Mitte des Oberschenkels im Wasser gehen, ohne daß sie einen Schaden davontragen. Gelenkrheumatismus scheint im Lande ziemlich selten zu sein, im Jahre 1934 zählte man 577 Todesfälle, das sind 9 Todes­fälle auf eine Million der Bevölkerung.

Schon die Kleidung bedingt eine dauernde Ab­härtung der unteren Gliedmaßen gegen Abkühlung, weil der Japaner nur einen kurzen Tuchstrumpf, der knapp über die Knöchel reicht, und eine kleine Bade­hose trägt. Der Kimono deckt die nackten unteren Gliedmaßen nur als Umhang, ist also ein schlechter Kälteschutz. Im allgemeinen sah man nur bei den Arbeitern und Bauern (Hose, Jacke ohne Kimono) Beinkleider in unserem Sinne und bei den kimono­tragenden Klassen nur bei älteren Männern unter dem Kimono wollene oder baumwollene europäische Unterhosen. Dagegen trägt der Japaner auch im Sommer im allgemeinen ein wollenes Unterjäckchen, meist sogar mit langen Aermeln. Auch bei den Hucke­packkindern läßt man in der warmen Jahreszeit meist die Beine nackt rechts und links aus dem Tragtuch herunterhängen.

Dabei ist es im Winter in Japan, besonders im nördlichen Teil, empfindlich kalt, und der im all­

gemeinen vorherrschende Holzhausbau mit den Pa­pierwänden ist alles andere als der wärmegewohnte Schutz eines europäischen Hauses. Der landesübliche Holzkohlenherd (hibashi) genügt jedenfalls unseren Ansprüchen als Zimmerwärmequelle durchaus nicht. Der Japaner pflegt sich in dem überall vorhandenen heißen Bade (furo), vor dessen Benutzung er sich außerhalb des Bades gründlichst abseift und reinigt, anzuwärmen, was ein paar Stunden vorhält, den dieser Bäder Ungewohnte aber sehr schlapp macht. Die Badetemperaturen gehen bis zu 45 Grad Cel­sius, ja 50 Grad Celsius. Das Badewasser wird übrigens aus Sparsamkeitsgründen nur wöchentlich erneuert, in den Familien benutzt es hintereinander zuerst der Gast, dann der Hausherr, der älteste Sohn, die Hausfrau, die übrigen Kinder, schließlich die Hausangestellten, welcher Sitte sich auch euro­päische Dienstboten fügen müssen.

Wie abgehärtet der Japaner ist, zeigt auch, daß die zahlreichen, von allen Bevölkerungsschichten be­suchten Schihotels in den Bergen, abgesehen von den ganz mondänen internationalen, keine Heizung be­sitzen. Holz ist in Japan das wichtigste Bau- und Konstruktionsmaterial, so daß auch die Badewannen und Badegruben gewöhnlich aus Holz hergestellt sind. Eine Eisenplatte unter den Böden dieser Wan­nen trennt den einfachen, unter ihnen befindlichen Heizofen und verhütet das Anbrennen des Wannen- holzes. B.

Zeitschriften.

Das Mai-Heft derneuen l i n i e ", Verlag Otto Beyer, Leipzig, das als umfangreiche Reise­nummer herauskvmmt, stellt die Reichsautobahn mit dem riesigen neuen Land, das sie uns erschließt, in den Vordergrund und verbindet damit ein Preis­ausschreiben, das alle Reiselustigen locken wird. Neben einer Fülle von neuartigen praktischen Reise- Vorschlägen stehen witzige Randbemerkungen zu dem, was bei der ganzen Reiserei herauskommt: der Flut der Reisebücher. Die Kunstveröffentlichung dieses Heftes ist diesmal der deutschen Weltstadt des Mittelalters gewidmet: Prag, mit feinen Kunst­werken edelster gotischer Eleganz, die in zum Teil farbigen Tafeln gezeigt werden. Neue Sommer­häuser und Terrassen und eine interessante Zusam­menstellung der Berufswünsche verschiedener Abi­turientenjahrgänge runden das schone Heft ab. In der Modebeilage sieht man die neuesten sommer­lichen Kleider, Mäntel uhi> Hüte sowie eine Fülle von modischem Beiwerk.