Ausgabe 
13.5.1939
 
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Das Anerbieten der englischen Garantie das Stich­wort gab, sich in keine ernsthaften Verhandlungen mit Deutschland einzulassen? Und hat nicht gerade diese für die wahren Grundlagen eines dauerhaften Friedens gänzlich verständnislose Politik Eng­lands die deutschfeindlichen Kreise in Polen zu einer an Großmannssucht und Kraftmeierei kaum noch zu überbietenden Hetze ermuntert? Auch Chamberlains neueste Auslassung, die zwar der Hoffnung Ausdruck gab, daß die deutsch-polnischen Meinungsverschiedenheiten auf friedlichem Wege bei­gelegt werden möchten, aber gleichzeitig durchblicken ließ, daß England in einem etwa ausbrechenden Konflikt zu seinen Zusicherungen stehen werde, kann und wird in Polen nur als Freibrief zur Fort­setzung dieser bramarbasierenden Abenteurerpolitik verstanden werden, die keinen Vernunftgründen zu­gänglich ist und keine Verantwortung für das euro­päische Gesamtschicksal kennt. Alle schönen Redens­arten und politischen Klügeleien können Chamber­lain und Daladier vor ihren eigenen Völkern und vor der Welt nicht von der Schuld freisprechen, daß sie drauf und dran sind, die Entscheidung über Krieg und Frieden in die Hand der Polen zu legen. In England sowohl wie in Frankreich werden schon kritische Stimmen laut, die auf die Gefährlichkeit dieses politischen Vabanquespiels Hinweisen, aber es ist höchst zweifelhaft, ob sie sich werden Gehör ver­schaffen können gegen die Meinungsmacher der Regierungen und gegen die offene Kriegshetze des Chors der Deutschenhasser, zu dem sich in Frankreich sowohl wie in England Linksoppositionelle und Rechtsradikale in trautem Verein zusammengefunden haben.

Der Spiritus rector dieser Einkreisungspolitik, die, wie es an dem Beispiel Polens deutlich wird, keine Skrupel kennt und anscheinend auch alle aus eige­nem Lebensinteresse bestimmten Hemmungen fallen läßt, ist in beiden Ländern die hohe Bürokratie der Außenäsnter. Namentlich in London sieht sie auf eine lange Tradition gegen Deutschland gerichteter Politik zurück. DerStändige Unterstaatssekretär im Fore-ign Office" verbürgt die Kontinuität der britischen Außenpolitik gegenüber dem durch die Schwankungen der Parteienherrschaft bedingten Wechsel des parlamentarischen Ministers. Wenn es auch nicht an Versuchen energischer Außenminister oder Ministerpräsidenten gefehlt hat, sich der Bevor­mundung des Ständigen Ünterstaatssekretärs zu ent­ziehen, so ist dieser doch, dank seiner überlegenen Sachkenntnis und seines persönlichen Verkehrs mit Englands diplomatischen Vertretern im Ausland, von ausschlaggebendem Einfluß auf die Gestaltung der außenpolitischen Linie Englands. Dr. K. R. Absha-gen, der als langsähriger Berichterstatter deutscher Blätter in London die Praxis des Foreign Office an der Quelle beobachten konnte, weist in einem gut unterrichtenden Aufsatz derBerliner Monatshefte" darauf hin, daß seit der Jahrhundert­wende alle bedeutenden Unterstaatssekretäre von Sir Charles Hardinge, Sir Arthur Nicolson, Sir Eyre Crowe, Sir WWam Tyrrell bis Sir Robert Vansit- tard den gleichem Kurs gesteuert haben, der alle anderen Erwägungen hinter der von ihnen gepre­digten Notwendigkeit zurückstellen ließ, alle Kräfte gegen dasgefährliche" Deutsche Reich zu mobili­sieren. Bei Dansittard und seinen Beamten ver­bindet sich mit der Verständnislosigkeit des Insu­laners gegenüber den geographischen und politischen Erfordernissen eines ohne natürliche Grenzen im Herzen Mitteleuropas lebenden Volkes die innere Ablehnung einer privilegierten Herrenschicht, die sich in Deutschland einer im Aufbau begriffenen, völlig neuen, instinktiv als für die eigene bevorrechtigte Stellung gefährlich empfundenen sozialen Ordnung. Als Neville Chamberlain 1937 Premierminister wurde und bei dem Versuch, eine der Bürokratie des Foreign Office unwillkommene außenpolitische Linie einzuschlagen, auf Widerstände stieß,beför­derte" er den Ständigen Unterstaatssekretär Sir Robert Vansittard auf den Posten einesersten diplomatischen Beraters" der Regierung und bediente sich Sir Horace Wilsons, eines wirtschafts­politischen Fachmannes ersten Ranges, auf dessen Unabhängigkeit und Urteilskraft er baute, zu seiner persönlichen Unterrichtung. Aber Vansittard hat auf dem ihm zugewiesenen Gebiet der politischen Pro­paganda seine alten Ziele nicht aus dem Auge gelassen, und der Verlauf der Dinge seit den Tagen von München hat seinem Kurs die Oberhand zurück- gegeben. Gegenüber dem Neuen, was unter deut­scher Führung in Europa um seine Verwirklichung ringt, weiß die von Vansittard inspirierte englische Diplomatie auch heute nichts anderes einzusetzen als die Methoden der Balance of Power und der Einkreisung, die unter seinen Vorgängern und Lehr­meistern Nicolson und (Ei)re Crowe zu der Kata­strophe des Weltkrieges führten. Das Rezept ist bis in slls Einzelheiten das gleiche geblieben. Während bei den Politikern wenigstens hier und da eine Ahnung aufdämmert, daß man versuchen müsse, die neuen politischen Kräfte zu verstehen, rechnet die Diplomatie des Foreign Office nach wie vor aus­schließlich mit Pakten und Koalitionen.

In dieses Bild, das Abshagen von den treibenden Kräften der englischen Einkreisungspolitik entwirft, fügen sich die letzten Verhandlungen mit der Tür­kei und Sowjetrußland ohne weiteres ein. Aber dem englischen Selbstbewußtsein wird dabei einiges zugemutet. Denn roie man mit der Türkei wahr­scheinlich nur ins Geschäft kommt, wenn der fran­zösische Bundesgenosse in Syrien erhebliche Konzes­sionen macht durch völligen Verzicht auf den eben erst zur Republik Hatay umgewandelten Sandschak Alexandrette, so zeigt Moskau den Werbungen Lon­dons konstant die kalte Schulter, um für die Teil­nahme an der Einkreisung einen möglichst hohen Preis herauszupressen. Vielleicht hat es zum Sturz Litwinow-Finkelsteins beigetragen, daß Stalin von ihm allzuschnelle Nachgiebigkeit gegenüber den Wünschen der westlichen Demokratien befürchtete. Jedenfalls sind seitdem die Verhandlungen mit Eng­land anscheinend kaum vom Fleck gekommen und Potemkin, Litwinows bisheriger Stellvertreter und präsumptiver Nachfolger, hat keinerlei Eile gemeint, von seiner Reise durch die Hauptstädte des Süd- oftehs nach Moskau zurückzukehren. Vermutlich wird er versucht haben, die Befürchtungen zu zer­streuen, die sowohl Polen als auch Rumänien ge­genüber der Sowjetunion als Bundesgenossen und Garantiemacht hegten. Zwischen Rumänien und der Sowjetunion steht noch immer der Besitz Bessara­biens, der zwar durch die Botschsfterkonserenz 1920 den Rumänen zuerkannt worden ist, aber seitdem Gegenstand einer durch französische Vermittlung nur sehr oberflächlich verdeckten Spannung zwischen Bukarest und Moskau bildet. Das polnifch-rumä- niscke Militärbündnis war unter Pilsudski zur ge­genseitigen Sicherung vor einem neuen bolschewisti­schen Angriff geschlossen worden, der ja 1920 bis unter die Mauern Warschaus gelangt war. Inzwi­schen ist zwar Polen mit der Sowjetunion einen Nichtangriffspakt eingegangen, aber die Sorge war man in Warschau doch niemals ganz losgeworden, daß sich die Ereignisse von 1920 eines Tages wie­

derholen könnten. Noch im September vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt der Tfchechenkrisis drohte Moskau den Polen mit Aufhebung des Nichtangriffspaktes, wenn 8ie polnischen Truppen nicht von der tschechischen Grenze zurückgezogen würden. Damals ließ Oberst Beck, gestützt auf das gute Verhältnis mit dem deutschen Nachbarn, die Bolschewisten recht unsanft abfahren, ohne daß Moskau auch nur das geringste unternahm, feiner Drohung die Tat folgen zu lassen, wie es ja auch die Vorsicht als den klügeren Teil der Tapferkeit wählte, als es darum ging, gegenüber der Tjchecho- Slowakei des Herrn Benesch seine Bündnisverpflich­tungen zu erfüllen^. Vielleicht regt diese Erinnerung in Warschau einmal zum Nachdenken über den Bündniswert der Sowjetunion an.

Diesen nicht zu übersehenden Löchern im Ein­kreisungsnetz der westlichen Demokratien stellt die Achse der autoritären Mächte den Entschluß ent­gegen, die enge Zusammenarbeit Deutschlands und Italiens durch den Abschluß eines politischen und militärischen Bündnisvertrages zu krönen. Er ist in vollem Gegensatz zu den Einkreisungs­politikern gegen niemanden gerichtet, sondern dient ausschließlich der Abwehr und der Sicherung eines gerechten und vernünftigen Friedens für Europa. Wenn es auch von der Einsicht der Meinungs-

Vertrauensvotum für Daladier.

Blum stellt den Kurswechsel der französischen Außenpolitik fest.

EF. Paris, 12. Mai.

Bei der Aussprache in der Kammer über die Regierungserklärung kamen am Freitagmargen be­sonders die Kritiken der Opposition gegen d i e jüngsten Steuerverordnungen, gegen die Rüstungstaxe und vor allem gegen die nach Ansicht der Opposition ungenügende Be­steuerung der Rüstungsgewinne der großen Betriebe zum Ausdruck. Für die Kommu­nisten sprachen die Abgeordneten Honel und Croi- zat. Der letztere forderte eine Mobilisierung des Kapitals und machte darauf aufmerksam, daß sich im Ausland noch achtzig Milliarden französisches Fluchtkapitol befinden. Die französischen Motarenfabriken hätten riesige Rü­stungsgewinne erzielt, während die Arbeiterklasse geknebelt würde. Finanzminister Paul R e y n a u d entgegnete, die Lage des französischen Schatzamtes sei durchaus günstig; der Goldzufluß nach Frank­reich halte unvermindert an. Der sozialistische Ab­geordnete Petrus Faure forderte die Bildung eines Rüstungsminifteriums sowie die Errichtung von Hochofenanlagen und Stahlwerken im In­nern Frankreichs, die an die Stelle der int Kriegsfall gefährdeten Anlagen im Osten treten könnten. Weiter forderte er die Anlage von Vor­ratslagern von hochwertigen Roh­stoffen. Daladier erwiderte, dies Problem fei aus- reichend geprüft worden und größtenteils gelöst. Er halte eine öffentliche Erklärung hierüber für unzweckmäßig. Die Zahl der gegenwärtig für die Rüstung arbeitenden französischen Betriebe betrage 6000 gegenüber 2500 bis 2800 vor einem Jahre.

Nachmittags kam es zu einem Rededuell zwischen dem Vorsitzenden der Sozialistischen Partei, Löon Blum, und dem Ministerpräsidenten Daladier. Leon Blum hielt eine lange Rede, um die Ableh­nung des radikalsozialistischen Dertrauensantrages für die Regierung durch die Sozialisten zu begrün­den. Blum vertrat die Auffassung, in der fran­zösischen Außenpolitik fei ein vollständiger Kurs­wechsel eingetreten, der es den Sozialisten zwar erlaube, dem außenpolitischen Teil der Regierungs­erklärung zuzustimmen. Dagegen würden die steuer- unb finanzpolitischen Maßnahmen nach wie vor von

Die Mei im Sanne der englischen vaklpolilik

abs. London, 12. Mai.

Vor einem nur mäßig besetzten Unterhaus gab Ministerpräsident Chamberlain kurz vor Ende der Freitagssitzung die erwartete Erklärung über den Stand der englisch-türkischen Ver­handlungen ab, die das Ziel haben, zu einem gegenseitigen H i l f e l e i st u n g s a b k o m - men zu gelangen. Chamberlain stellte fest, die Verhandlungen seien noch nicht zu einem defini­tiven Abschluß gelangt. Daher feien beide Länder übereingekommen, eine vorläufige verpflich­tende Erklärung abzugeben, in der sich Eng­land und die Türkei bereit erklären,im Falle eines zum Kriege führenden Angriffs im Mittel­meergebiet einander gegenseitig jede nur mög­liche Hilfe zukommen zu lassen.

Hierzu führte Chamberlqin aus:Diese Erklä­rung sowie das vorgesehene Abkommen richten sich gegen kein bestimmtes Land, sondern sind lediglich öazu bestimmt, England und der Türkes die gegenseitige Hilfe zu sichern im Falle, daß eine Notwendigkeit hierfür eintritt." Der Ministerpräsi­dent verwies weiter darauf, daß gewisse Fragen, z. B. die genaue Definierung der verschiedenen Vor­aussetzungen, unter denen diese Verpflichtungen in Kraft treten sollten, weiterer Erörterun­gen bedürften, bevor man zur Unterzeichnung' des Abkommens gelangen könne. Beide Regierungen hätten die Notwendigkeit weiterer Beratungen über die Sicherung auf der übrigen Balkanhalbinsel, und zwar innerhalb kürzester Frist, erkannt. Diese Jn- terimserklärung schließe für keinen der beiden Ver­tragspartner Abkommen mit dritten Ländern aus, vorausgesetzt, daß diese dem Frieden dienten.

Auf eine Frage des Vorsitzenden der Labour Party, Attlee, ob nunmehr General stabsbe- sprechungen zwischen den beiden Ländern ein- geleitet würden, antwortete der Ministerpräsident, vor der Fertigstellung des Abkommens ergebe sich hierfür keine Notwendigkeit. Weitere Fragen von oppositionellen Abgeordneten, die Klarheit über ein­zelne Punkte der Erklärung erhalten wollten, wies Chamberlain zurück. So lehnte er es u. a. ab, zu definieren, was in der Erklärung der Ausdruck das Mittelmeergebiet" zu bedeuten habe.

Dazu schreibt der Deutsche Dienst u. a.: Man sollte es in London schon aus Gründen des guten Geschmacks unterlassen, von der Stabilisierung der Verhältnisse in Europa, der Freiheit der Meere oder dem Schutz der Ordnung zu sprechen, wenn man Maßnahmen ergreift, die letzten Endes zum Kollektivkriege führen müssen, und alles andere, nur nicht den Frieden sichern. England bietet an allen Ecken und Kanten der Welt das Geschenk des britischen Schutzes gegen kriegerische Verwicklungen an, und wer sich sträubt, an seine Gefährdung zu glauben, dem macht man Angst und ft e d t i h m Geld in die Tasche. Diese Mittel, mit denen man andere Völker geneigt

macher in Paris und London zu viel verlangt wäre, den wahren Charakter des Mailänder Paktes zu begreifen, fo ist doch die Feststellung des deutsch­feindlichen, den Herren (Eben und Churchill nahe­stehendenDaily Telegraph" bemerkenswert, daß dieser Pakt jede Illusion zerstöre, die man sich über einen Zerfall der Achsenmächte gemacht habe. Die letzten Tage haben erneut das Gegenteil bewiesen. Sie zeigten nicht nur die italienische Wehrmacht in allen ihren Teilen auf der Höhe ihrer Ausbil­dung und Schlagkraft als wertvollen Bundesgenos­sen der Wehrmacht des Großdeutschen Reiches, sondern auch die wachsende Erkenntnis von der Bedeutung der Achse als Fundament einer neuen und besseren europäischen Friedens'ordnung. Der Staatsbesuch des jugoslawischen Prinzregenten­paares in Rom hat die Freundschaft der mächtig aufftreberrben Balkannation mit den Achsenmächten erhärtet, Spaniens Abschiedsbrief an die Genfer Liga hat auch in diesem Punkt die Parallele zu den andern Mitgliedern des Antikominternpaktes her- gestellt. Die kollektive Sicherheit, die man unter dem neuen Schlagwort von der Antiaggressionsfront zu tarnen sucht, wird auch in diesem Gewände kaum mehr Glück haben. Der Glaube an ein neues Europa wird diese rückständigen Konzeptionen eng­stirniger Politiker überwinden. Fr. W. L.

der Opposition aufs schärfste abgelehnt. Leon Blum brachte seine Befriedigung über die bisherigen Er­gebnisse der auf die kollektive Sicherheit gerichteten französischen Außenpolitik, soweit Polen, Rumänien und Griechenland in Betracht kommen, zum Ausdruck. Er sprach die Hoffnung aus, daß außer der Türkei auch Sowjetrußland bald in dieses System ein­gegliedert werden möchten. Sowohl gegenüber Italien als auch gegenüber Spanien forderte Blum einePolitik der Festigkeit".

Ministerpräsident Daladier wandte sich a e g e n die Auffassung, daß in der französischen Außenpolitik eine Aenderung eingetreten sei. Die Aenderung, die zu verzeichnen sei, beziehe sich auf die Haltung der anderen mit Frankreich be­freundeten Nationen. Was die Tschecho- Slo­wakei betreffe, so müsse er wiederholen, daß kein französischer Regierungschef angesichts der da­maligen politischen und militärischen Lage den Wahnsinn eines Krieges hätte auf sich nehmen können. (Starker Beifall.) Der Widerstand, der sich bei der Opposition jetzt gegen die dem Lande auferlegten Opfer zur Durchführung der Auf­rüstung bemerkbar mache, sei kein würdiges Schau­spiel. Mit Worten und Tagesordnungen könne man die fünfzig Milliarden für die französische Auf­rüstung nicht herbeischaffen. Man müsse auch berück­sichtigen, welche Opfer in anderen Ländern, vor allem in England, für die Aufrüstung gebracht würden. Ein wesentliches Anziehen der Steuer­schrauben zu Lasten der Unternehmer würde mit der Aufrechterhaltung des freien Charakters der französischen Wirtschaft nicht mehr zu vereinbaren sein.

Die Erklärung Daladiers fand lebhaften Beifall, in den zum Schluß auch vereinzelte Sozialisten ein­stimmten. Die von dem radikalsozialistischen Frak­tionsvorsitzenden Chichery eingebrachte Ver­trauenstagesordnung für die Regierung wurde mit der erwarteten Mehrheit von 375 gegen 230 Stimmen angenommen. Die 160 Sozialisten und 70 Kommunisten haben geschlossen gegen Dala­dier gestimmt.

zu machen versucht, sich entweder für nackte Inter­essen britischer Strategie herzugeben, oder sich im Kampf gegen die autoritäre Staatenwelt anzuschlie­ßen, kennen wir nicht erst seit heute. Man erzeugt Unruhe, Unsicherheit und Angstpsychosen, um da­hinter politische Geschäfte tätjgen zu können. Wenn man es eilig hat, nimmt man sich nicht einmal Zeit, einen richtigen Vertrag abzuschließen, sondern gibt mit der Miene eines Biedermannes überstürzte pro­visorische Erklärungen ab, die der Welt den Ein­druck vermitteln' müssen, daß der Ausbruch des Krieges nur noch eine Frage von Tagen ist. Was erhoffen sich die verantwortlichen Leiter der tür­kischen Politik, wenn sie sich von der sicheren Grund­lage der Neutralität entfernen, um sich auf die Seite Englands schlagen. Glauben sie die politischen Kon­zeptionen Kemal Atatürks vorteilhaft eingetauscht zu haben, wenn sie jetzt die Türkei zum Degen und Vasallen Englands machen? England und die Türkei mögen wissen, daß Deutschland und Italien nicht nur zwei unzertrennliche Kampf­gefährten, sondern auch ein unü-berwind- liches Bollwerk sind und daß es weder jetzt noch in Zukunft irgend eine Mächtekombination geben wird, die die Politik der Achse zu beeinträch­tigen in der Lage märe.

Merraschlmg in Paris.

Paris, 13. Mai. (Europapreß.) Die ftanzösische Presse zeigt sich am Samstagmorgen über den Ab­schluß des englisch-türkischen Vertrages peinlich be­rührt. Der Grund ist darin zu suchen, weil von der französischen Presse seit Wochen angekündigt wurde, daß Frankreich zu dem englisch-türkischen Ver­trag als Unterzeichner-Macht hinzugezogen oder daß wenigstens zur gleichen Zeit ein fran­zösisch-türkischer Vertrag Zustandekommen würde. Das ist nicht der Fall gewesen, obwohl die französische Regierung zur Beschleunigung der Ver­handlungen den ehemaligen französischen General­stabschef General Weygand nach Ankara ge­schickt hatte. DasJournal" schreibt, es sei zunächst nur deshalb ein türkisch-englischer Vertrag abge­schlossen worden, weil im Gegensatz zu den fran­zösischen die englischen Interessen mehr im öst­lichen Mittelmeer lägen und dort den türki­schen begegneten. Ein türkisch-französischer Vertrag werde folgen, sobald die bestehenden Schwierigkeiten in der syrischen Frage ausgeräumt seien, deren Natur allerdings sehr delikat sei.

Das türkisch-englische Abkommen

im Parlament von Ankara verkündet.

Istanbul, 12. Mai. (DNB.) Heute wurde im Parlament von Ankara im Rahmen einer Erklärung über die türkische Außenpolitik von Außenminister Saracoglu der Abschluß des türkisch-englischen Hilfeleistungsabkommens verkündet. Danach sichern

sich die Türkei und England automatisch gegenseitige Hilfeleistung zu, wenn durch einen Angriff im Mit» telmeer ein Krieg ausbrechen sollte. Die Istanbuler Zeitungen verbreiten diese Erklärungen in Extra­ausgaben.

Oer deutsche Kredit an die Türkei.

Ist anbul, 12. Mai. (DNB.) In der Großen Na- tionalversammlung in Ankara wurde der vom Deut­schen Reich an die Türkei gewährte 15 0-Mil- lionen-Kredit einstimmig angenom. men. Die türkischen Bestellungen im Rahmen dieses Kredites müssen bis zum 31. De­zember 1941 in Deutschland unterge­bracht sein. 20 v. H. der Summe für Bestellungen in Deutschland dürfen in der Türkei selbst für die dort im Zusammenhang mit den Bestel­lungen notwendigen Aufwendungen, Arbeitslöhne usw., ausgegeben werden. Der Handelsminifter er­klärte, daß der Transport der in Deutschland von der Türkei gekckuften Waren auf deutschen Schiffen nach der Türkei erfolgen müsse. Falls sich aber Schiffe unter türkischer Flagge in deutschen Häfen befinden sollten, so könne der Transport auch auf diesen Schiffen oorgenommen werden.

Der jugoslawische Staatsbesuch in Rom.

Rom, 12. Mai (EP.) Prinzregent Paul von Jugoslawien und seine Gemahlin begaben sich am Freitag in den Vatikan, wo sie von Pius XII. in Audienz empfangen wur­den und dem Kardinalstaatssekretär sowie der jugo­slawischen Gesandtschaft beim Vatikan einen Besuch abstatteten. Der Prinzregent hat am Nachmittag zusammen mit König Viktor Emanuel und dem italienischen Kronprinzen im Marmorstadion des Forum Mussolini sportlich-militärischen Vorführungen der Jugend des Likto- re n b ü n d l s beigewohnt. Der Prinzregent und Prinzessin Olga haben am Freitagabend zu Ehren des italienischen Herrscherpaares in der jugoslawi­schen Gesandtschaft ein Essen gegeben, zu dem auch der Duce und die italienische Regierung sowie das diplomattsche Korps geladen waren. Auf dem Wege von Kgl. Schloß zum Palazzo Borghese, dem Sitz der jugoslawischen Gesandtschaft, wurden dem italienischen Herrscherpaar und dem Prinzregenten herzliche Kundgebungen zuteil. Am Samstagvor­mittag wird das Prinzregentenppar die italienische Hauptstadt wieder verlassen und als Gäste des italienischen Kronprinzenpaares in Florenz Auf­enthalt nehmen, wo nach festlichen Veranstaltungen am Abend im Stadttheater eine Galavorstellung ftattfinben wird. . Gegen Mitternacht wird das Prinzregentenpaar die Rückreise nach Belgrad an­treten.

Deutscher Fischer von polnischen Sren,beamten ei.tioff en

Landsberg (Warthe), 12. Mai. (DNB.) Am Mittwoch, 10. Mai, wurde der 29jährige Volksdeut­sche Fischer Koschitzki aus Ziegelscheune beim Ueberqueren der Odra auf der deutschen Hälfte des Flusses in seinem Kahn von» polnischen Grenzbeamten erschossen. Koschitzki, dem die Fischerei in diesem Gebiet der Obra-gehört, war im Besitz eines Dauerausweises. Er war also berechtigt, die deutsche und die polnische Seite der Obra, deren Mitt« die Grenze bildet, zu befahren.

Die Ansiedlung von Juden in Brilisch-Suoyana.

London, 12. Mai. (Europapreß.) Zu einer vor zwei Tagen veröffentlichten Empfehlung des britischen Flüchtlingsausschusses über die Möglichkeiten zur Ansiedlung jüdischer Emigran­ten in Britisch-Guayana (auf dem süd- amerikanischen Kontinent) äußerte sich Minister­präsident Chamberlain im Unterhaus in sehr positiver Weise. Er sagte, die englische Regierung sei bereit, alle nur möglichen Erleichterungen für diesen Siedlungsplan zu gewähren. Chamberlain stellte in Aussicht, daß mit der Ansiedlung von jüdi­schen Emigranten im Herbst dieses Jahres begonnen werden könne. Wenn dieser erste Sied­lungsversuch erfolgreich sei, würde die Ansiedlung in Britisch-Guayana in großem Umfang weiter durchgeführt werden. Allerdings könne die Ansied­lung nur im Innern Guayanas vorgenom­men werden, da der Küsten st reifen bereits z u dicht besiedelt sei und die Regierung von Britisch-Guayana die Rechte der dort lebenden Ein­wohner wahren möchte. Die Siedlung werde auto­nome Rechte erhalten und in der Regierung von Britisch-Guayana einen Vertreter haben.

Oie Fahrt der «Empreß of Australia".

London, 12. Mai. (Europapreß.) Die Fahrt des englischen Königspaares nach Kanada an Bord derEmpreß of Australia" wird durch Nebel aufgehalten. Am Freitagnachmittag mußte der Dampfer, der sich zur Zeit i n d e r G c - fahrenzone der (Eisberge befindet, bei­drehen. Der Dampfer befindet sich im Augenblick 350 Seemeilen südöstlich von Kap Race (Neufund­land). In den letzten zwanzig Stunden konnte das Schift nur zwei Seemeilen zurücklegen.

Oer Sieg der Lewis-Sewerkschaften in USA

Washington, 13. Mai. (DNB.-Funkspruch) Zur Beendigung des Streiks in der Kohlenindustrie schreibt dieWashington Daily News", daß der Gewerkschaftsdiktator Lewis einen gewaltigen Sieg errungen habe, da sich Roosevelt völ» lig auf feine Seite stellte. Der Präsident und feine Arbeitsministerin PerkIns, die schon in mehreren Fällen ihre Hand schützend über kommu­nistische Hetzer hielt, taten alles, um die Gruben­besitzer in den Augen der Nation in Unrecht zu setzen, obwohl viele Gruben völlig stilliegen. Die Erklärung Roosevelts, daß die von Lewis geleiteten Gewerkschaften, die erheblich unter kommunisttschem Einfluß stehen, allein berechtigt sind, Arbeitsver­träge abzuschließen, wendet sich auch gegen das Ge- werkschaftssystem, das von Green geführt wird und das der internationalen Hetze wenig zugänglich ist. Offenbar kam es Roosevelt auf die parteipolitische Unterstützung der Lewis-Gewerkschaften für seine Wiederwahl an.