Ausgabe 
13.5.1939
 
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189. Jahrgang

Samstag, 13./$onntag, 14. Mai 1939

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Siebener Anzeiger

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halb einer der realsten Hintergründe der Reise des englischen Königspaares nach Kanada und den USA.

Daß sich die Zukunftshoffnung gerade auf das Dominion Kanada konzentriert, ist aus verschie­denen Gründen verständlich. Nur rund 11 Millionen Einwohner leben hier auf einem Gebiete von über 9*/a Millionen Quadratkilometer, das also zirka 4 0 mal so groß ist, wie das europäische Mutterland. Wenn auch große Teile Kanadas nicht besiedlungsfähig sind, so bestehen doch noch ge­waltige Möglichkeiten für einen großzügigenUm­zug" Englands nach Kanada. Zur Zeit sind es jähr­lich nur 1 Million Engländer, die nach Kanada übersiedeln, man will jedoch aus den genannten Gründen diese Auswanderung erheblich forcieren. Insbesondere West-Kanada wird durch eine plan­mäßige Propaganda im britischen Mutterlande zur Auswanderung empfohlen.

Es sinL> aber nicht nur wirtschaftliche Gründe, die für die Verlegung des Regierungszentrüms des Empire gerade nach Kanada sprechen politi« ch e u n d militärische Erwägungen spie­len eine ebenso wichtige Rolle. Man spricht heute in nicht schlecht informierten Kreisen Londons und Paris ganz offen davon, daß bereits Anthony Eden von seinemAmerika-Trip" bindende Ver­sprechungen mitgebracht habe, deutlicher gesagt: eine Zusammenarbeit USA. Empire. Wenn vielleicht auch hier dieAera Roosevelt" als etwas dauerhaf­ter diskontiert wird als man es im Augenblick über­sehen kann, die derzeitige englische Außenpolitik rechnet mit dieser Linie.

Wenn die Machtzentren der beiden größten Flot­tenmächte auf dem amerikanischen Kontinent kon­zentriert wären, dann ergäben sich Zukunftsperspek­tiven, die das Herz jedes Empire-Politikers höher schlagen lassen müßten. Englands mächtigste Flot- ten-Basis wäre dann Vancouver an der West­küste Amerikas, zweifellos eine erhebliche Be-

Seit Mai 1938 haben die Japaner die der japa­nischen Insel Formosa vorgelagerte Hafenstagt Süd- chinas, Amoy, besetzt. Amoy, wo zahlreiche japa­nische Staatsbürger lebten, war bis dahin der

drohung für Japan in seiner angestrebten Vormacht­stellung im Fernen Osten und in der Südsee. Hong­kong und Singapore, heute höchst problematische Stützen englischer Weltherrschaft, würden bei einer Konzentrierung der Machtmittel des Empire nach Kanada viel realere Bedeutung gewinnen.Rule Britannia over the wawes!, dieses Wort, das be­reits seit der mißglückten englischen Flotten-Demon- stration im Mittelmeer bei Ausbruch des Abessinien- Krieges zu einer etwas leeren Phrase wurde, würde durch eine Kooperation der englischen und amerika­nischen Flotte im Rahmen einer Zusammenarbeit USA. Empire wieder eine weltpolitische Bedeu­tung gewinnen.

Das sind nur ein paar Gesichtspunkte jener eng­lischen Kreise, die immer stärker dieUebersiedlung" der Empire-Zentrale von London nach Ottawa pro­pagieren. Die City, die seltendaneben tippt", hat die ersten Schritte auf diesem Wege bereits unter­nommen. Die nächste Zukunft wird lehren, ob die Amerika-Fahrt des englischen Königspaares nur ein

E. P. Madrid, 12. Mai.

In Anwesenheit des Generals Franco und des Diplomatischtzn Korps fand am Freitag auf dem Madrider Flugplatz Barajas die größte bisher in Spanien stattgefundene Luftwaffenparade statt. Außer spanischen Fliegerverbänden nahmen auch deutsche und italienische Frei­willige an der Parade teil. Der Flugplatz war festlich ausgeschmückt; neben der spanischen Flagge sah man auch die Fahnen Deutschlands und Ita­liens, vor allem auf der Tribüne. Nachdem General Franco die Front der Fliegerstaffeln und der For­mationen abgeschritten hatte, begann der Vorbei­marsch. An der Spitze der Truppen marschierten deutsche und italienische Freiwillige, denen von den Zuschauern ostentative Freundschafts­kundgebungen dargebracht wurden.

Nach der Parade hielt der Oberbefehlshaber der spanischen Luftwaffe, General K i n d e l a n , eine Ansprache an die Soldaten. Dann betrat, stürmisch begrüßt, General Franco die Rednertribüne. Er hob in seiner immer wieder von Beifall unter­brochenen Ansprache den Opferwillen und die Ein­satzbereitschaft der Luftwaffe in dem jetzt beendeten Kriege hervor. Der Caudillo gedachte dabei auch des heldenhaften Einsatzes der befreun­deten Nationen. Um die Verteidigung Spa­niens in der Luft in jeder Hinsicht zu sichern, werde die Luftwaffe weiter ausgebaut werden; nur sie könne Spanien groß machen. Franco schloß seine Ansprache mit Hochrufen auf Spanien, Deutschland und Italien.

Anschließend zeichnete der Caudillo die deut­schen und italienischen Freiwilligen mit der Militärmedaille aus:Für Tapferkeit in­nerhalb der Luftwaffe im Kreuzzug gegen den Kom­munismus!" Während der Dekoration brach die

Houpteinfuhrort von Kriegsmaterial für die chine­sische Zentralregierung. Seine Besetzung war des­halb für Tschiangkaischek ein harter Schlag. Amoy hat rund 300 000 Einwohner und ist eine Freihafen­stadt, d. h. feit Mitte des 16. Jahrhunderts haben die Europäer borf besondere Rechte. Nach der Er-

Mailand, 13. Mai. (DRV. Funkspruch.) Gene- ralfeldmarschall Göring traf am späten Abend des Freitag auf dem Motorschiffhuascaran" in Livorno ein. Zu seiner Begrüßung waren der Präfekt, der Kommandant der Marine-Akademie und andere hohe Persönlichkeiten der Wehrmacht und der Verwaltung erschienen. Rach einer kurzen Rundfahrt durch die Stadt begab sich Göring ; u m Bahnhof. Auf dem Vorplatz hatten Lhrenabtei- lungen der faschistischen Partei Aufstellung genom­men, die ihm ebenso wie die zahlreich versammelte Menschenmenge mit begeisterten Jubelrufen emp­fing. Um 23 Uhr trat der Generalfeldmarschall mil einem Sonderzug in Richtung Bologna seine Rückreise nach Deutschland an.

Höflichkeitsbesuch oder eine entscheidende umstürzender Empire-Politik ist.

Göring auf der Rückreise nach Deutschland.

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riesige Zuschauermenge wiederum in stürmischen Beifall aus.

Das Programm der Siegesfeier

Madrid, 12. Mai (DNB.) Propagandachef Manuel Augusto gab jetzt die Einzelheiten der geplanten Siegesparade in Madrid be­kannt. In allen Madrider Kirchen wird ein Dank- gottesdienst abgehalten, in dem aller traditio­nellen Schutzheiligen Spaniens gedacht wird und die historischen Waffentaten der Armee Spaniens gefeiert werden. Die Einzug ft raße des Cau­dillo wird besonders festlich ausgestaltet. 10 000 Palmen, ein Geschenk Valencias, umsäumen den Weg. General Franco wird von Rittern des San- Fernando-Ordens, der höchsten Kriegsauszeichnung, begleitet werden. Als Herolde werden ihm Vertreter aller Waffengattungen voranziehen. Mehrere hun­dert Brieftauben steigen bei Beginn der Parade auf und überbringen die Nachricht in alle Teile des Landes. An der Parade werden rund 250 000 Mann teilnehmen. Die Luftwaffe wird in dieser Zeit einen Blumen regen über Madrid niedergehen lassen.

Die befreundeten Nationen werden be­sonders geehrt. Den Botschaftern dieser Länder wer­den Oelzweige als Symbol des ewigen Frie­dens zwischen Spanien und ihnen übergeben. Sie werden dann diese Zweige an den Gräbern Ge­fallener niederlegen, die durch ihr Blut die Ver­bundenheit dieser Völker besiegelt haben. Den Ab­schluß des Tages bildet ein großes Volks- f e ft. Auf den Straßen spielen Kapellen zum Tanz auf. Feuerwerk wird in allen spanischen Städten abgebrannt Anknüpfend an alte Traditionen werden Ritterturniere in den alten Trachten vor­geführt.

Die Schlacht am Han-Fluß.

Japan beseht die Internationale Niederlassung aus der Insel Amoy.

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Parade -er Luftwaffe vor General Franco

Oer Staatschef zeichnet deutsche und italienische Freiwillige aus.

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Ist das Empire europamüde?

Von unserem J. 6h B.-Korrespondenten.

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London, im Mai. 1

Als König Georg VI. und Königin Elisabeth sich < von Portsmouth auf derEmpreß of Australia ; nach Amerika einfchifften, haben sie damit eine , Reise angetreten, die einen Rekord inFlüsterkam- < binationen" und Umdispositionen in letzter Minute ' darstellt. Man stellt fest, daß zum ersten Mal ein < König von England die USA. besucht, vergißt aber ' hinzuzufügen, daß Georg VI. das Weiße Haus nicht , in feiner Eigenschaft als König von England, son­dern als König von Kanada betreten wird. ! Diese Tatsache ist an sich ziemlich gleichgültig, denn derNebenberuf" Georg VI. als König von Eng- land und Kaiser von Indien ist in der augenblick­lichen politischen Situation für Washington sicherlich schwerwiegender. Hätte König Georg bie USA. als König von England" besuchen wollen, so wäre es nach dem geltenden Zeremoniell notwendig gewesen, daß ihn der britische Außenminister, Lord Halifax, begleitet Abgesehen davon, daß Lord Halifax augenblicklichunabkömmlich" in Whitehall ist, hat die kanadische Regierung es verlangt, daßihr" König Georg von 'seinem Kronlande Kanada aus den Besuch in den Vereinigten Staaten auch als König von Kanada" abstattet, d. h. also, daßKö­nig Georg von Kanada" ein kanadischer M i n i st e r nach Washington begleiten wird.

Diese Etikette-Sorgen, die in London, Ottawa und Washington dem englischen Königsbesuch voraus- gegangen waren, wären nicht mehr als eine amü­sante Begleiterscheinung, wenn sie nicht ein sinn­fälliger Ausdruck für Kombinationen wären, die auf den ersten Blick vielleicht als eine kühne Utopie er­scheinen, jedoch in Wirklichkeit einen sehr seriösen Hintergrund haben: wird in absehbarer Zukunft die Regierungszentrale des britischen Weltreiches nicht mehr in Europa, in London, lie­gen sondern in Ottawa, der Hauptstadt Ka­nadas? Es lohnt, diese kühne Zukunftsperspektioe näher durchzudenken, denn so phantastisch sie auch kontinentalen Lesern erscheinen mag sie ist nicht die Ausgeburt eines Jules-Dernes-Reporters, sie wird seit vielen Monaten bereits ernsthaft dis­kutiert in den Kreisen, die auf die Politik des Em­pire, insbesondere wirtschaftlich, einen entscheiden­den Einfluß haben, sie fand kürzlich auch in etwas feuilletonistischer Form ihren Niederschlag in einem durchaus ernst zu nehmenden englischen Blatt. Mit der vorsichtigen Note, die diesem Blatte zu eigen ist, nahm man absichtlich dieser Idee die in Wirk­lichkeit brennend aktuelle Note und malte stattdessen ein Zukunftsbild: man könne sich vorstellen, daß dann, wenn einmal die heute 13jährige Thron­folgerin Elizabeth alsQueen Elizabeth II." regiere, sie nicht mehr Hof halten werde im Buckingham- Palace in London, sondern in einem viel prächtige­ren Palaste in Ottawa, daß dann in Kanada die Regierungszentrckle des britischenCommonwealth of Nations liegen werde, nicht mehr in England nicht mehr in Europa! London würde dann herabsinken zu einer für den europäischen Handel wichtigen Hauptstadt eines der verschiedenen Do- monions... .

Diese vorsichtige Fassung des englischen Blattes wird der realen Aktualität dieses Problemes nicht annähernd gerecht. Eine deutlichere Sprache spricht die Tatsache, daß die wichtigsten Zweige der eng­lischen Industrie, insbesondere die Flugzeug- fabrifation, feit dem vorigen Jahre an der Verlegung ihrer Fabriken nach Ka­nada arbeiten. Die ersten Schritte für eine völlige Verlegung des britischen Wirtschafts- und Regie- rungszenttums in das Gebiet des größten Dominion sind bereits unternommen. Die City hat sich ange­schlossen, die großen Londoner Banken haben in der letzten Zeit ihreFilialen" in Kanada in einem solchen Stile ausgebaut, daß die Umstellung von der Filiale auf die Zentrale organisatorisch nur eine Formsache sein würde.

Das Empire kann nicht in Europa ver­teidigt werden!, diese Erkenntnis liegt der Forderung, die Regierungszentrale des britischen Weltteiches nach Kanada zu verlegen, zu Grunde. Wer einmal einen Blick auf die Arbeitsmethoden des Londoner Foreign Office werfen durfte, weiß, daß heute bereits das britische Außenministerium viel stärker von den Problemen inUeber- see" als in Europa okkupiert ist. Die September­krise dss vorigen Jahres hat den letzten Zweiflern die Augen geöffnet. Die Landkarte beweist, welches Mißverhältnis zwischen der Größe und der stra­tegisch exponierten Lage der brittschen Inseln einer­seits und den ungeheuren Gebieten der Dominions, Kolonien und Mandate anderseits besteht. In der Versorgungs- und Derteidigungsfrage konnte im Kriegsfälle das gesamte britische Empire tödlich ge­troffen werden, solange sich seine Zentrale in dem exponierten London befindet.Weve got to be piepared! (Wir sind bereit!"), leuchtet es be­schwörend in diesen Tagen von den Plakaten auf Londons imposantem Derkehrszentrum Picccadilly Cirkus aber die Laufgräben im Hyde-Park, die man im letzten September in nervöser Hast aus­warf, um damit die Bevölkerung einer 8V- Millw- nenstadt gegen stündlich erwartete Luftangriffe zu fchützen, sprechen eine weniger zuversichtliche Sprache. Solange sich das Nervenzentrum des Empire auf den Inseln Großbritanniens befindet, die sich weder selbst ernähren, noch in einem Zu­kunftskriege ausreichend verteidigen können, befin­det sich das Weltreich in tödlicher Gefahr. Das Em­pire isteuropamüde" diese nüchterne Lehre aus den Ereignissen t>er vergangenen Monate ist des­

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oberung Amoys durch die Briten im Opiumkrieg 1841 war die Internationale Niederlassung Amoys, K u l a n g f u, dem chinesischen Macht- und Rechts­bereich entzogen, genau so wie die internationalen Niederlassungen in Schanghai und in anderen Städ­ten. . Dieser Umstand wurde natürlich auch in Ku­la ngfu von den chinesischen Terroristen zu anti- japanischen Aktionen ausgenutzt. Alle Beschwerden der Japaner hatten keinen (Erfolg, bis jetzt ein Attentat das Faß zum Ueberlaufen brachte. Der Vorsitzende der Handelskammer in Amoy, Hung- lihsun, wurde von chinesischen Terroristen n i e = dergeschofsen, und zwar in Kulapgsu, das daraufhin von der japanischen Marine besetzt worden ist. Damit hat Japan einen Schlag gegen die Terroristen und gegen die demokratischen Kräfte geführt, die dem Treiben Vorschub leisteten.

Fast gleichzeitig kam die Nachricht, daß a m Hanfluß neun chinesische Divisionen, etwa 150000 Mann, eingekreist und aufgerie­ben worden seien. Hier hatte Tschiangkaischek seine Gegenoftensive zwischen der PekingHankau-Bahn und dem Hanfluß begonnen, die fast gleichzeitig mit dem Angriff bei Kanton und südlich des Jangtse

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Für und wider eine neue Ordnung.

Die beiden Regierungschefs Englands und Frank­reichs haben sich am gleichen Tage in einer Weise zur internationalen Lage geäußert, die trotz aller phrasenhaften Bemäntelungsversuche doch nur er­neut bestätigt, daß die Außenpolitik beider Mächte nach wie vor und mit unvermindertem Nachdruck auf ein einziges Ziel gerichtet ist, die Einkreisung Deutschlands. Dieser Eindruck konnte dadurch nicht abgeschwächt werden, daß sowohl Chamberlain wie Daladier es auch jetzt wieder so hinzustellen ver­suchten, als ob ihre hartnäckige Mitgliederwerbung für die von ihnen aufgezogeneAntiaggresfionsfront" ausschließlich der Aufrechterhaltung des Friedens und dem Schutz der Unabhängigkeit der kleineren Staaten diene. Wie sehr hier Theorie und Praxis auseinanderfallen, 'dafür ist ja das von beiden als Beispiel akuter Friedensbedrohung angeführte Danzig der beste Beweis. Denn der Wunsch der rein deutschen Stadt Danzig, einen ihr gegen ihren Willen vor zwanzig Jahren aufoktroyierten Zwitter­zustand beendet zu sehen und wieder mit dem Reich vereinigt zu werden, hat nicht das geringste zu tun mit der Unabhängigkeit Polens, dessen wirtschaft­liche Interessen in Danzig und dejjen Lebensbe­dürfnis nach einem Zugang zum Meer von Deutsch­land jederzeit anerkannt worden sind und in der vom Führer vorgeschlagenen Regelung in groß­zügigster Weise berücksichtigt werden sollten. Und wenn in diesem Zusammenhang in Paris und Lon­don laut über eine Bedrohung des Friedens lamen­tiert wird, so bedauern wir nur das schlechte Ge­dächtnis der Herren oder bewundern ihr Geschick, Ursache und Wirkung miteinander zu vertauschen. Denn was hat denn erst dem polnischen Chauvinis­mus in Warschau Oberwasser verschafft und die pol­nische Regierung veranlaßt, Verhandlungen mit Deutschland auszuweichen, die im Sinne des poli­tischen Testaments des Marschalls Pilsudski auf der Gundlage des deutsch-polnischen Pakts vom Jahre 1934 eine dauernde Verständigung und Befriedung zwischen beiden Volkern bezweckten?

Chamberlain hat den englischen Frauen, vor denen er am Donnerstag sprach, erklärt:Es ist niemals ein Teil unserer Politik gewesen, uns als aufdringliche Geschäftemacher in die Belange an­derer Völker einzumischen." Aber war es nicht gerade Englands Einmischung, die den Polen durch

bei Nantschang losbrach. Diese Offensiven sind ge­scheitert, so daß die Japaner freie Hand hatten, um gegen die chinesischen Truppen im Han-Abschnitt vorzugehen, die im gebirgigen Gelände im Norden der Provinz Hupei an der Grenze der Provinz Szetschuan standen. Die rückwärtigen Verbindun­gen der Chinesen nach Norden und Westen wurden

durch japanische Truppen abgeschnitten, und nach­dem die japanische Umgehung vollendet war, be­gann der Angriff geaen die zwischen der Bahn und dem Hanfluß eingeschlossenen chinesischen Divisio­nen, die durchweg ans geschulten Trappen bestan­den. Die Vernichtung dieser Divisionen ist ein wei­terer harter Schlag für Tschangkaischek, der nun­mehr über größere Truppenmassen nur südlich des Jangtse verfügt, wenn man von den chinesischen Freischärlern öbsieht, gegen die Japan seit Anfang Januar mit schärferen Mitteln vorgeht. Durch den Verlust der Schlacht am Hanfluß ist die Frühjahrs­offensive Tschiangkaischeks wohl endgülttg gescheittrt.

Aehnliche Schritte in Schanghai möglich."

Schanghai, 12f Mai. (DNB. Ostasiendienft.) Im Zusammenhang mit der Besetzung der Inter­nationalen Niederlassung Kulangsu bei Amoy durch japanische Truppen erklärte der Sprecher der japa­nischen Marine am Freitag, ein ernster Zwi­schenfall in Schanghai könne Japan viel­leicht veranlassen, gegen die dortige Niederlassung und die französische Konzession ähnliche Schritte wie in Kulangsu zu ergreifen, falls deren Verwaltungen außerstande sein sollten, antijapa- nische Terrorakte mit eigenen Machtmitteln zu unter­drücken. Auf die Frage, ob die Besetzung von Ku­langsu nur vorübergehend sei, antwortete der Sprecher, daß darüber noch keine e n b g ü l - tige Entjcheidung vorliege. Eine Zurück­ziehung der japanischen Truppen sei jedenfalls nicht eher möglich, bis die Verwaltung der Internatio­nalen Niederlassung zufriedenstellende Maßnahmen getroffen habe.

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