Gaukulturwoche Kreis Wetterau
Die Feierstunde am Sonnlag, dem 7. TNai.
Die Gaukulturwoche im Kreis Wetterau wird am Sonntag, 7. Mai, vormittags 11 Uhr, mit einer Feierstunde im Stadttheater Gießen eröffnet werden. Kreisleiter Pg. Backhaus wird die Gau- kulturwoche mit einer richtungweisenden Ansprache eröffnen. Es spricht dann weiterhin noch Intendant Schultze-Griesheim. Die Feier wird um- rahmt von den Weisen unserer Wehrmachtskapelle Jnf.-Regt. 116 und dem Gesang der Werkscharen, die alte und neue Soldatenlieder singen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht die Uraufführung des Spiels „Der Prinz Eugen" von Eberhard Wolfgang Möller.
hierfür sind ab sofort auf der Verwaltungsstelle des Bannes und Untergaues einheitsweise abzuholen.
Jungbann 116.
Der Elternsprechabend des Lehrsähnleins am 13. April in der Aula des Gymnasiums findet nicht statt.
BDM.-Untergau 116 Gießen.
Am Freitag, 14.4., findet für alle Führerinnen des BDM.-Werkes „Glaube und Schönheit" (Gruppe la —4a/116) einschließlich Schaftsführerinnen um 20.15 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues eine Besprechung statt.
BDM.'7verk-Gruppe la /116.
Am Donnerstag, 13.4., treten folgende Mädel um 20.15 Uhr am Studentenheim an: Margot Küthe, Anneliese Georg, Liselotte Nikolaus, Margrit Vogt, Ria Nauheimer, Liefet Schmidt, Edith Schäfer, Hilde Raab, Irmtraud Schmidt und Gertrud Mühl. Gymnastikkittel sind mitzubringen. Ebenfalls treten die vier Ziehharmonikaspielerinnen vom letztenmal an.
VVTN.-Werkgruppe IVa, Derkschar.
Alle Mädel der Schar treten am Freitag, 14. April, an der Dienststelle, Seltersweg 52, an. Alle fertigen Arbeiten sind mitzubringen. Der Dienst beginnt um 20.15 Uhr. Die bestellten Holzteller können am Freitagabend, ab 20.15 Uhr, auf dem Untergau abgeholt werden.
ZM.-Untergau 116 Gießen.
Der Elternabend für den Standort Gießen ist am 16. 4., um 20 Uhr, im Studentenheim. Eintrittskarten sind für 0,25 RM. bei den JM.-Führerinnen zu bekommen. — Die Gießener FM.-Gruppen besuchen die Hauptprobe des JM.-Abends am Samstag um 16 Uhr. Die Antrittszeiten geben die JM.-Gruppen- führerinnen bekannt. — Die Mädel der Singschar (geleitet von Helga Neurnann-Spengel) treten um >;15 Uhr am Hochstätter-Heim, die Mädel zum Stegreifspiel um %15 Uhr am Moeser-Heim an.
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Am kommenden Sonntag, 20 Uhr, findet im Saale des Studentenheimes ein Jungmädelabend statt, der ganz im Zeichen des Frühlings und unter dem Wort „Nun will der Lenz uns grüßen" stehen wird. Die Jungmädel werden fingen, musizieren, Gedichte vortragen und außerdem ein Märchenspiel aufführen, das so gestaltet sein wird, daß es auch die Erwachsenen interessieren wird. Die Elternschaft ist zu diesem Abend herzlich eingeladen.
Zusammenschluß der Feuerwehren von Groß-Gießen.
Am kommenden Samstag findet auf dem Schiffenberg ein Appell der Feuerwehren von Gießen, Wieseck und Klein-Linden statt. Es ist dies der 'Auftakt zur Eingemeindung, dem die nunmehr zum Stadtkreis Gießen zusammengeschlossenen Wehren auf ihrem Gebiet sichtbaren Ausdruck geben. Wenn auch die einzelnen Wehren ihre seitherige Selbständigkeit noch beibehalten, so stehen sie nun doch alle unter der Führung von Brandingenieur Lenz, dem Leiter der Gießener Berufsfeuerwehr.
Gießen-Wieseck.
Die Freiwillige Feuerwehr Wieseck hielt gestern abend einen weiteren Schulungsabend ab. Oberbrandmeister Schäfer begrüßte die Kameraden, Brandingenieur Lenz und Hauptbrandmeister Koch. Brandmeister Weller sprach über „Erste Hilfeleistung bei Unglücksfällen bei Brändey". Brandingenieur Lenz ergänzte diese Ausführungen
noch und teilte mit, daß im Laufe der Zeit noch weitere derartige Schulungen von Fachleuten gehalten würden. Weiter ging Brandingenieur Lenz auf den am kommenden Samstag stattfind enden Feuerwehrappell ein.
Dem Ehepaar Ludwig Deibel, das — wie mir bereits berichteten — am vergangenen Donnerstag seine goldene Hochzeit feiern konnte, wurde durch ein Glückwunschschreiben des Führers eine ganz besondere Ehrung zuteil.
(Siebener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 13. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Weißkraut, % kg 14 bis 15, Rotkraut 18, Karotten 15 bis 16, Spinat 30 bis 32, Unterkohlrabi 8 bis 10, Feldsalat, ’/io 15 bis 18, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 15 bis 16, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 40, Rhabarber 50, Kartoffeln, % kg 5 bis
7 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Saat- kartoffeln, frühe, kg 8 bis 10 Pf., späte 6 bis 8, Blumenkohl, bas Stück 30 bis 50, Salat, Freiland 15 bis 25, Treibhaus 40 bis 45, Salatgurken 70 bis 80, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 60, % kg 45, Radieschen, das Bündel 20 Pf.
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** Die Vorauszahlungen auf die Grund- und Gewerbesteuer 193 9 betrifft eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters, die allen Interessenten zur besonderen Beachtung empfohlen sei.
** Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der vor einigen Tagen in einem Hause in der Ebelstraße von einem Scheunenboden ab- gestiirzte und mit einem schweren Schädelbruch in die Chirurgische Klinik eingelieferte 28 Jahre alte Kaufmann Heinz Will ist heute früh in der Klinik an feinen schweren Verletzungen gestorben.
Ausstellung des VdK-Werkes im Obergau 13
Heffen-Aaffau.
NSG. Seit Eröffnung des BDM.-Werkes „Glaube und Schönheit" im Gau Hessen-Nassau im Mai v. I. hat eine rege Arbeit der Einheiten innerhalb unseres Obergaues eingesetzt. Auf der Grundlage jahrelanger BDM.-Erfahrungen aufbauend, konnten die BDM.- Werkarbeitsgemeinschaften alle Gebiete der Mädelerziehung in ihr Programm einbeziehen, den Anforderungen der 18 bis 21jährigen gemäß entwickeln und nach neuen Gesichtspunkten erweitern. Nun nach einem ersten Jahr begeisterten Einsatzes ist die Arbeit so weit vorangegangen, daß der BDM.-Ober- gau mit einer großen Arbeitsschau, die am Sonntag, 16. April, durch die Obergauführerin eröffnet wird, der Oeffentlichkeit eine Uebersicht über das bereits Geleistete bieten kann.
Als Leitgedanken dieser während der kommenden Woche in F r a n k f u r t a. M. gezeigten Ausstellung kann man „Erziehung zur modernen Lebensführung" nennen, denn der Rahmen „Glaube und Schönheit" birgt die Gesamtheit aller Fragen, mit denen sich die Mädelgeneration von heute auseinandersetzt: von Körperpflege und sportlicher Ertüchtigung über Ge- schmacksausrichtung und Wohnkultur zur vorbildlichen Führung eines Haushaltes, Beschäftigung mit Musik und Kulturarbeit, dem Volkstum und den bäuerlichen Kräften der Heimat, Auslandskunde und Polittk. Bild- und statistisches Material zeigen, wie
großzügig jedem Mädel ein Betätigungsfeld ganz nach persönlichem Geschmack, der Neigung und Begabung entsprechend, abgesteckt bleibt, wie weit die Möglichkeiten gegeben sind, Fähigkeiten zu entwickeln, oder zur beruflichen Anspannung in der Freizeitgestaltung einen Ausgleich zu finden. Mit modischen Kleinigkeiten, Stücken der Kleidung, Möbelentwürfen, Ausstattungs- und Einrichtungsgegenständen wird den praktischen Dingen die gebührende Stellung zugewiesen. Formempfinden, klare Schönheit, Sauberkeit in der Linie: der Gedanke des Nationalsozialismus soll sich auch in den kleinen Dingen des Daseins wiederspiegeln.
Nicht unerwähnt bleiben darf, daß gerade auf dem Lande „Glaube und Schönheit" eine prozentual überraschend hohe Anteilnahme fand. Jnkarnatskurse und hauswirtschaftliche Schulung, Gesundheitsdienstlehrgänge und Kurse an der Werkschule des Obergaues kamen den Bedürfnissen der Landmädel nach beruflicher und persönlicher Förderung weit entgegen. So wird in allen Abteilungen der Ausstellung die Arbeit des BDM.-Werkes auf dem Lande hervorragend herausgestellt werden.
Die Leistungsschau, die vom 16. bis 23. April in Frankfurt a. M. in den Räumen des Kunstvereins gezeigt wird, vermittelt das Ergebnis einer einjährigen Arbeit im Obergau Hessen-Nassau.
planmäßige pserdezuchtsiirunsereLandwirWast
Jahresversammlung der Pferdezüchtervereinigung Oberheffen.
Als die erste einer Reihe von Jahresversammlungen der Ober hessischen Züchtervereinigungen fand in Gießen am gestrigen Mittwoch im „Saalbau Liebigstraße" die Versammlung der Pferdezüchtervereinigung Ober Hessen statt.
Dir Vorsitzende, Bauer Rudolf Walther (Reichelsheim), streifte in seinen Begrüßungsworten die wichtigsten Fragen der oberhessischen Pferdezucht und gab feiner Freude über die Anteilnahme des Bezirksbauernführers Bürgermeister Metzger (Röthges), des Direktors der Veterinärmedizinischen Geburtshilfeklinik, Professor Dr. Küst, und des Reg.-Rats Weber vom Landratsamt Gießen Ausdruck.
Den Jahresbericht erstattete der Geschäftsführer der Vereinigung, Landwirtschaftsrat Dr. E. Wagner (Gießen), der ein sehr umfassendes Bild der organisatorischen und züchterischen Fragen gab. U. a. wurde in dem Bericht die Zunahme des Mitgliederstandes um 190 auf 1644 Züchter erwähnt. Die Zahl der eingetragenen Stuten ist um 212 auf 3002 Stück im abgelaufenen Jahr angewachsen, wobei Kaltblut und Warmblut im Deryältnis von 60 zu 40 o. H. stehen.
Der Kassenbericht, der Ausschluß über finanziell gesunde Verhältnisse gab, erwähnte u. a. auch die Ausgaben von fast 4500 Mark für Prämien bei den Schauen und von 1550 Mark zur Aufbesserung der Weiden Warthof bei Grünberg, Thiergarten bei Hungen und Wenings bei Gedern.
Von den organisatorischen Maßnahmen war die Verringerung des Beirates auf acht Mitglieder und die Ernennung von 66 Vertrauensleuten in Oberhessen, die die Aufgabe haben, ein Bindeglied zwischen den Züchtern und der Führung der Vereinigung zu sein, von Bedeutung. Ihnen wurde Dank
und Anerkennung in der Hoffnung auf weitere Betätigung in gleichem Sinne ausgesprochen.
Die Fohlenoerstei aerungen in Reichelsheim und Hungen, bei denen der Absatz größer war als bisher — nur beim Warmblut blieb ein Ueberstand — gaben ein erfreuliches Bild. 1938 wurden auch zum ersten Male Remvntemärkte für ältere und für jüngere Tiere, beide Male in Gießen ab gehalten, bei denen Oberhessen mit dem Ankauf von 27 Pferden verhältnismäßig günstiger abgeschnitten hat, als die anderen Gebiete Hessen-Nassaus. Die Zahl der Pferdeschauen blieb auf die drei in Friedberg, Büdingen und Alsfeld beschränkt, soll aber erhöht werden. Auf der Strecke Ober-Mörlen—Usingen wurde eine Dauerzugs-Leistungsprüfung abgenommen. Bei der Landespferdeschau in Frankfurt a. M. konnten sich große und kleine Sammlungen gegen schärfste Konkurrenz durchsetzen. Der Auftrieb von Fohlen auf den Weiden Warthof, Wenings und Thiergarten betrug 1936 insgesamt 108 Tiere, 1937 insgesamt 109 und 1938, allerdings zeitbedingt, 180 Tiere; für 1939 wird er, aus notwendigen Einschränkungen, wieder geringer fein.
Für die gute Zusammenarbeit mit dem Landesgestüt wurde Landstallmeister Dr. Dencker besondere Anerkennung und der Dank für die tatkräftige Unterstützung ausgesprochen. Im Bereich der Vereinigung bestehen 45 Hengststattoneu, die mit 28 Kaltblut- und mit 17 Warmblut-Hengsten besetzt sind.
Abschließend wurde in dem Jahresbericht auf die Schauen hinaewiesen, bei denen das Material für die Reichsnährstandsschau in Wien gesichtet werden wird, und auf den Ausbau der Zuchttier Vermittelung beim Tierzuchtamt Oberhessen in Gießen.
In einem interessanten und mit Lichtbildern unterstützten Vortrag über das Thema: „Typ- und
Blutliniensragen in der hessen-nassauischen Pferde, zücht" gab Landstallmeister, Landwirtschastsrat Dr. Dender (Frankfurt o. M.) praktische Winke für eine systematische und rasche Vorwärtstrelbung der Pferdezucht. Er führte dabei einleitend aus, daß nach der eingehenden Behandlung der grundsätzlichen Fragen der Aufzucht nun die Typenreinheit, die einen der wichtigsten Bestandteile des Zuchtzieles jeder Landesbauernschaft darstelle, strengstens gefördert werden muß. Typ und Rassereinheit sind ausschlaggebend für den Wert des Zuchtzieles, Typ- untreue Tiere müssen langsam, aber stetig durch typreine Pferde ersetzt werden, damit die gesamte Zucht vor den nicht zu vermeidbaren Rückschlägen, die bei der Vererbung typuntreuer Tiere eintreten, bewahrt bleibt. Die Tatsache, daß von den 1936 gedeckten Tieren nur 25 v. H. in der Organisation er« faßt sind und insgesamt 50 v. H. der Pferde typ- und schlagrein sind, während die anderen 50 v. H. der vorhandenen Pferde Bastarde sind, beweist die Notwendigkeit dieser Forderung. Für jedes Pferd, außer für das Gebrauchspferd,' ist die Ahnentafel erforderlich, damit man die Blutlinien des Tieres übersehen kann. Der Vor tränende schilderte dann die für den Bereich der Lpndesbauemschaft Hessen-Nassau an gestre bten Typen und die Zuchtziele für Kaltblut und Warmblut und ergänzte feine Ausführun- gen durch einige Abbildungen. Anschließend erläuterte er die Blutlinien der die Zucht bestimmenden Hengste und führte abschließend aus, daß nur durch systematisches Handeln die Pferdezucht hinsichtlich bodenständiger, leistungsfähiger Typen vorwärtsgetrieben werden kann.
Nach Dankesworten an den Vortragenden und einer kurzen Aussprache wurde die Tagung geschlossen.
Aus der engeren Heimat.
Laubacher Ausschuß-Gesellschast.
$ Saubach, 11. April. Heute nachmittag versammelten sich im Saale des „Schützenhofes" die Mitglieder der Ausschuß-Gesellschaft, um die ersten Vorbereitungen für das vom 11. bis 13. Juni stattfindende Laubacher Ausschuß« f e ft, das auf fein 399jähriges Bestehen zurück- blicken kann, zu treffen. Der letztjährige Hauptmann Hermann Hertel gab zunächst einen Bericht über das vergangene Ausschußfest und die Tätigkeit des Vorstandes. Die vorgelegte Jahvesrechnung schloß mit einer Einnahme von 1360 Mark und einer Ausgabe von 1001 Mark ab. Der Mitgliedsbeitrag für 1939 und 1940 wurde auf je 1 Mark festgesetzt. (5ine Reihe neuer Mitglieder wurde ausgenommen. Zum diesjährigen Hauptmann wurde der Weberei- besitzer Carl Rühl gewählt. Zum Vorstand §e« hören außerdem 13 Hauptführer, die neuerdings mindestens 5 Jahre der Ausschuß-Gesellschast als Mitglied angehört haben müssen. Der seitherige Hauptmann schloß sodann, nachdem er allen seinen Mitarbeitern Dank für die zum Gelingen des vorjährigen Ausschußfestes geleistete Unterstützung ausgesprochen hatte, die angeregt verlaufene Versammlung mit dem Sieg-Heil auf den Führer. Anschließend wurden der seitherige und der neugewählte Hauptmann unter Vorantritt der Kapelle des hiesigen Musikvereins in ihre Wohnungen gebracht.
Landkreis Gießen.
* Heuchelheim, 13. April. Die Kriegermutter Marie Hofmann in Heuchelheim, Ludwig- strahe 4, begeht am heutigen Tage ihren 8 0. G e - burtstag. Im Weltkriege verlor sie zwei Söhne. Der Reichskriegsopferführer, SA. - Gruppenführer O b e r 1 i nd o b e r , hat für die hochbetagte Mutter eine Ehrengabe zur Verfügung gestellt. Wir wünschen der Kriegermutter von Herzen gute Gesundheit und noch einen sonnigen Lebensabend.
* Großen-Linden, 12. April. Am ersten Ostertag veranstaltete der hiesige Gesangverein „Harmonie" unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Musiklehrer, Ehrenchormeister Wil' Helm Schöttler (Gießen) einen'wohlgelungenen Konzertabend. Der starke Besuch stellte abermals unter Beweis, daß sich derartige Veranstaltungen mehr und mehr steigender Anteilnahme der Bevölkerung erfreuen. Im ersten Teil hörte man Chöre von K. Trunk, dem Wiener Wilhelm Gerike, sowie das Frühlingslied von Rudolf Tschirch. Treffsicherheit, Tonreinheit und ausgezeichneter Chorklang liehen erkennen, daß der Verein über eine sehr gut disziplinierte Sängerschar verfügt. Der zweite Teil war dem Gedenken Friedrich Silchers anläßlich seines 150. Geburtstages in bi-fem Jahr gewidmet. Neun der schönsten Volkslieder dieses großen Lyrikers fesselten die Zuhörer durch natürliche Gestaltung und klassischen Vertragsstil. Die hervorragende Stabführung des Dirigenten stellte unter Beweis, mit welchem Feingefühl er es ver-
(Sprung über die albanische Grenze.
Reisebericht von Charlotte Kühl von Kolckstein.
Mr sitzen am Schwarzen Drin, dicht an der albanischen Grenze. Die hohen Berge sind noch schneebedeckt und funkeln unter einem südlich-blauen Himmel. Was wissen wir harmlosen Reisenden von den Rivalitäten der Völker um dieses zauberhaft schönen Berglandes, dessen Bewohner bis heute nur die eine Sorge zu kennen scheinen: ihre vielen vielen Zwiebel- und Knoblauchbeete in Ordnung zu bringen!
Aber gestern, als wir dem Kommandanten der kleinen Kgl. jugoslawischen Marinestation am Ochridasee unseren Besuch abstatteten, merkten wir, daß ,, d i ck e Luft" war. Man empfing uns zwar mit der bei den Balkanvölkern sprichwörtlichen aufmerksamen G a st f r e u n dis ch a f t, zuerst mit dem üblichen Slivovitz, dem scharfen Pflaumenschnaps, im „Salon", ging dann mit uns an eine feierlich gedeckte Tafel, bei der zwei Matrosen sogar in weißen Handschuhen bedienten, aber schon bei dem Hauptgang, Brathähnchen, entschuldigte sich der Kommandant, und als er bei der Nußtorte wieder erschien, zeigte sich eine tiefe Falte zwischen seinen blonden Brauen. Er hätte übrigens auch aus Kiel stammen können ober aus Wilhelmshaven, so deutsch sah er aus. Ganz im Gegensatz zu seinen jüngeren Kameraden, vier netten, jungen, pechrabenschwarzen Leutnants.
Draußen auf dem See patrouillierte ein flinkes, kleines, kriegsmäßig ausgerüstetes Fahrzeug. Wir mochten nicht neugierig fragen, welche Bezeichnung es führte und welcher Klaffe es angehörte, aber wir sahen deutlich Kanonenläufe, und auf der Befestigungsanlage der Station standen dauernd Posten an Fernrohren. Der mit den gemeinsamen Bekannten in Ochrid vereinbarte gefelHge Abend fiel aus, es war höch ste Alarmbereitschaft, und nur ein Matrose, keiner der Offiziere, fuhr uns überstürzt schnell über den See zurück. Die albanischen Berge türmten sich wie drohendes Bollwerk auf, wie möchte es jetzt jenseits aussehen!
In Struga, am nördlichsten Zipfel des Ochrida- fees, dem der Drin entspringt, Grenzort und berühmt wegen seiner staatlichen Aalfischerei, berüchtigt wegen seiner Malariaherde, sehen wir bei kurzer Rast, daß man gestikulierend in Gruppen beisammensteht. Fast nur Männer. Die mohammedanischen Frauen haben von ihnen wahrscheinlich Ausgehverbot erhalten — und die christlichen? Du lieber Himmel! Sie putzen die Beete in ihren Gärten, sie schleppen in blankgescheuerten Zinnkübeln Wasser vom Brunnen ins Haus oder sitzen teilnahmslos mit Wocken und Kunkel vor der Haustür und spinnen. Vor der kleinen Kafana an der Drin- Brücke ist dauernd Kommen und Gehen. Man rät uns ab, über die albanische Grenze weiterzureisen. Das Radio hätte tolle Berichte gegeben. Zwei Autobesitzer, die einzigen des Ortes, weichen nicht von unserer Seite. Längst hat irgend jemand es ihnen berichtet, baß „europäische" Reisende im „Serbischen König" säßen, und nun fiebern sie vor Ungeduld, den Auftrag für sich einzuheimsen, uns über d i e Grenze zu fahren. Die Verständigung ist schwer. Der eine zeigt an der Fingerzahl, daß er fünf Stunden brauche bis nach Peschkopija, der andere erklärt ihn für verrückt. Unter- oder überschätzt? Wir überlassen die Entscheidung, wer uns fahren soll, einem kurzen Ringkampf, aus dem einer strahlend als Sieger hervorgeht, kaufen schnell herrlich weißes, lockeres Weizenbrot, zwei Hände voll gebleichter Zwiebelstengel, „bosnischer Spargel" genannt, eirj Ende steinharter, flachgepreßter Knoblauchwurst und gelangen mühselig durch das Spalier der halben Einwohnerschaft Strugas zu unserem Mietsauto.
Aha! Wir haben Reisegefährten bekommen! Neben dem Fahrer quetschen sich zwei Albaner eng aneinander, kenntlich an ihren weißen, runden Filzkappen, grinsen uns freundlich an, als unser Blick auf ihre Dolche fällt, die sie in ihren roten, ge
wirkten, faltenreichen Gürteln so aufbewahrt haben, daß das Heft heraussieht.
Hinter uns breitet sich in bläulichem Glanz der See. Ganz in der Ferne schimmert, von der Süd- fonne bestrahlt, Kloster Evett Naum, und seitlich lagern wuchtig die braunroten Mauern der alten Türkenfeste auf den Höhen von Ochrid.
Gemüsekulturen und Weingärten wechseln, bis wir uns den Bergen nähern. Kleine buschige Eichen klettern die Hänge hinauf. Ihr vorjähriges Laub ist rostbraun wie die Erde, der sie entwachsen. Wo Sonne hinkommt, blühen in dichten Büscheln großblumige gelbe Primeln. Hin und wieder begegnen wir Menschen, Zigeunern oder Bauernfamilien. Die Frauen sitzen auf mageren, struppigen Pferdchen in langen, weißen, hemdartigen Gewändern mit rotgestickten Aermeln und, der Aprilkühle wegen, mit einem bunten Tuch um die Schultern. Die Männer treiben andere Pferde voraus, die rechts und links mit riesigen Holzbündeln bepackt sind. Nirgends hier siedelt noch ein Mensch.
Unser Fahrer hat ein tolles Tempo aufgedreht. Der Weg ist steinig und führt in wilden Kehren zur Höhe. Kurz vor der Grenze werden wir an der jugoslawischen Gendarmerie-Station angehalten, wird der Wagen durchsucht, ein Verhör mit den Albanern angestellt. Wir weisen allesamt unsere Papiere vor-und dürfen passieren.
Ist das alles? Wahrhafttg? Keiner von uns hat gemerkt, daß, wann und wo wir recht eigentlich die Landesgrenze überfahren haben. Dort, wo die Wasserscheide sich befand? In jenem kleinen Dorf, wo alles auf dem Platz vor einer halbzerfallenen Moschee zusammenstand und wir des fürchterlichen Holzpflasters wegen uns fast das Rückgrat verstaucht hätten? Auf einmal sind wir mitten in einem größeren Ort. „Peschkopija?" fragen wir den Fahrer, der uns den Schlag öffnet und wortlos unser Gepäck auslädt. Er nickt mit dem Kopf! Aber Kopfnicken bedeutet auf dem Balkan doch „nein"! Na schön, wir sind zunächst eben mal irgendwo, zahlen und werden auffallend schnell allein gelassen, d. h. schon haben sich ein paar zerlumpte Jungens über unsere Koffer gemacht, deuten auf ein Gebäude, das einige Aehnlichkeit mit einem
Gasthof hat, legen den Kopf in die Handfläche und deuten damit die Geste des Schlafens an, und wir folgen ihnen willenlos.
Heute sind wir nicht wie sonst überall in Süd« serbien Mittelpunkt des öffentlichen Jnteresfes. Niemand bestaunt oder verfolgt uns, das sonst sicher ländlich stille Städtchen befindet sich in ungeheurer Aufregung. Jeder Stuhl vor dec Kafana ist besetzt. Alles redet durcheinander, geftifu« liert. Reitende Bauern kommen an, den Regenschirm quer über den Sattel geschnallt. Viele tragen Gummigaloschen, waten höchst ungeschickt in ihnen herum. Plötzlich dröhnt Motorengeräusch, schwillt an, alles stürzt auf den freien Platz, reckt die Hälse, legt die Hand schützend vor die Augen. Ein ita« lienisches Luftgeschwader braust heran, ausgerichtet in Staffeln, neun, achtzehn, noch einmal neun, wieder, unzählbar! Noch nie hat man in diesem entlegenen Grenzort etwas Derartiges gesehen! Wie weit ist Tirana, das Meer, die große Welt und der mächttge Nachbar Italien! Dies dort oben sind seine Boten. Mit Höllengedröhn kommen sie dahergebraust! Frauen kreischen auf, bekreuzigen sich, stürzen in die Häuser, Männer laufen zusammen, heben die Arme, winken, starren und staunen, laufen die Gasse hinunter, wo der Ausblick nach Westen, in der Richtung zur Adria hin, freier sich öffnet. Aber schon ist das großartig' machtvolle Schauspiel zu Ende!
Niemand kümmert sich um uns. Als wir uns zur Post durchgefragt haben, um diesen Bericht fort« zuschicken, erfahren wir, daß wir gar nicht in Pesch« kopija sind, fondern in Trebitsche. ,Zawohl, Ire» bitsche, roenn’s beliebt", sagt ein Beamter, der etwas Deutsch kann. Ja, ja, Mißverständnisse sind auf unserer Reise an der Tagesordnung, aber wahrscheinlich Haden unsere beiden albanischen Reise« gefährten unbedingt nach Trebitsche gewollt, und da hat man uns freundlicherweise gleich mit ausgeladen. Weiterkommen werden wir bei der jetzigen Lage in diesem Lande ohne Eisenbahnen ja doch nicht so schnell. Also ist es schließlich gleich' gültig, wo mir unsere Beobachtungen von Land und Leuten fortsetzen.


