Ausgabe 
13.4.1939
 
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Gaukulturwoche Kreis Wetterau

Die Feierstunde am Sonnlag, dem 7. TNai.

Die Gaukulturwoche im Kreis Wetterau wird am Sonntag, 7. Mai, vormittags 11 Uhr, mit einer Feierstunde im Stadttheater Gießen eröffnet wer­den. Kreisleiter Pg. Backhaus wird die Gau- kulturwoche mit einer richtungweisenden Ansprache eröffnen. Es spricht dann weiterhin noch Intendant Schultze-Griesheim. Die Feier wird um- rahmt von den Weisen unserer Wehrmachtskapelle Jnf.-Regt. 116 und dem Gesang der Werkscharen, die alte und neue Soldatenlieder singen. Im Mit­telpunkt der Veranstaltung steht die Uraufführung des SpielsDer Prinz Eugen" von Eberhard Wolfgang Möller.

hierfür sind ab sofort auf der Verwaltungsstelle des Bannes und Untergaues einheitsweise abzuholen.

Jungbann 116.

Der Elternsprechabend des Lehrsähnleins am 13. April in der Aula des Gymnasiums findet nicht statt.

BDM.-Untergau 116 Gießen.

Am Freitag, 14.4., findet für alle Führerinnen des BDM.-WerkesGlaube und Schönheit" (Gruppe la4a/116) einschließlich Schaftsführerinnen um 20.15 Uhr auf der Dienststelle des Untergaues eine Besprechung statt.

BDM.'7verk-Gruppe la /116.

Am Donnerstag, 13.4., treten folgende Mädel um 20.15 Uhr am Studentenheim an: Margot Küthe, Anneliese Georg, Liselotte Nikolaus, Margrit Vogt, Ria Nauheimer, Liefet Schmidt, Edith Schäfer, Hilde Raab, Irmtraud Schmidt und Gertrud Mühl. Gym­nastikkittel sind mitzubringen. Ebenfalls treten die vier Ziehharmonikaspielerinnen vom letztenmal an.

VVTN.-Werkgruppe IVa, Derkschar.

Alle Mädel der Schar treten am Freitag, 14. April, an der Dienststelle, Seltersweg 52, an. Alle fertigen Arbeiten sind mitzubringen. Der Dienst beginnt um 20.15 Uhr. Die bestellten Holzteller können am Frei­tagabend, ab 20.15 Uhr, auf dem Untergau abgeholt werden.

ZM.-Untergau 116 Gießen.

Der Elternabend für den Standort Gießen ist am 16. 4., um 20 Uhr, im Studentenheim. Eintrittskarten sind für 0,25 RM. bei den JM.-Führerinnen zu be­kommen. Die Gießener FM.-Gruppen besuchen die Hauptprobe des JM.-Abends am Samstag um 16 Uhr. Die Antrittszeiten geben die JM.-Gruppen- führerinnen bekannt. Die Mädel der Singschar (geleitet von Helga Neurnann-Spengel) treten um >;15 Uhr am Hochstätter-Heim, die Mädel zum Steg­reifspiel um %15 Uhr am Moeser-Heim an.

*

Am kommenden Sonntag, 20 Uhr, findet im Saale des Studentenheimes ein Jungmädelabend statt, der ganz im Zeichen des Frühlings und unter dem WortNun will der Lenz uns grüßen" stehen wird. Die Jungmädel werden fingen, musizieren, Gedichte vortragen und außerdem ein Märchenspiel auffüh­ren, das so gestaltet sein wird, daß es auch die Erwachsenen interessieren wird. Die Elternschaft ist zu diesem Abend herzlich eingeladen.

Zusammenschluß der Feuerwehren von Groß-Gießen.

Am kommenden Samstag findet auf dem Schiffen­berg ein Appell der Feuerwehren von Gießen, Wieseck und Klein-Linden statt. Es ist dies der 'Auftakt zur Eingemeindung, dem die nunmehr zum Stadtkreis Gießen zusammengeschlossenen Wehren auf ihrem Gebiet sichtbaren Ausdruck geben. Wenn auch die einzelnen Wehren ihre seitherige Selb­ständigkeit noch beibehalten, so stehen sie nun doch alle unter der Führung von Brandingenieur Lenz, dem Leiter der Gießener Berufsfeuerwehr.

Gießen-Wieseck.

Die Freiwillige Feuerwehr Wieseck hielt gestern abend einen weiteren Schulungsabend ab. Ober­brandmeister Schäfer begrüßte die Kameraden, Brandingenieur Lenz und Hauptbrandmeister Koch. Brandmeister Weller sprach überErste Hilfeleistung bei Unglücksfällen bei Brändey". Brandingenieur Lenz ergänzte diese Ausführungen

noch und teilte mit, daß im Laufe der Zeit noch weitere derartige Schulungen von Fachleuten ge­halten würden. Weiter ging Brandingenieur Lenz auf den am kommenden Samstag stattfind enden Feuerwehrappell ein.

Dem Ehepaar Ludwig Deibel, das wie mir bereits berichteten am vergangenen Donners­tag seine goldene Hochzeit feiern konnte, wurde durch ein Glückwunschschreiben des Füh­rers eine ganz besondere Ehrung zuteil.

(Siebener Wochenmarktpreise.

* Gießen, 13. April. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Weißkraut, % kg 14 bis 15, Rotkraut 18, Karotten 15 bis 16, Spinat 30 bis 32, Unterkohlrabi 8 bis 10, Feldsalat,/io 15 bis 18, Tomaten, % kg 45 bis 50, Zwiebeln 15 bis 16, Meerrettich 40 bis 80, Schwarz­wurzeln 40, Rhabarber 50, Kartoffeln, % kg 5 bis

7 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Saat- kartoffeln, frühe, kg 8 bis 10 Pf., späte 6 bis 8, Blumenkohl, bas Stück 30 bis 50, Salat, Freiland 15 bis 25, Treibhaus 40 bis 45, Salatgurken 70 bis 80, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 60, % kg 45, Radieschen, das Bündel 20 Pf.

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** Die Vorauszahlungen auf die Grund- und Gewerbesteuer 193 9 be­trifft eine Bekanntmachung des Oberbürgermeisters, die allen Interessenten zur besonderen Beachtung empfohlen sei.

** Seinen schweren Verletzungen erlegen. Der vor einigen Tagen in einem Hause in der Ebelstraße von einem Scheunenboden ab- gestiirzte und mit einem schweren Schädelbruch in die Chirurgische Klinik eingelieferte 28 Jahre alte Kaufmann Heinz Will ist heute früh in der Klinik an feinen schweren Verletzungen gestorben.

Ausstellung des VdK-Werkes im Obergau 13

Heffen-Aaffau.

NSG. Seit Eröffnung des BDM.-WerkesGlaube und Schönheit" im Gau Hessen-Nassau im Mai v. I. hat eine rege Arbeit der Einheiten innerhalb unseres Obergaues eingesetzt. Auf der Grundlage jahrelanger BDM.-Erfahrungen aufbauend, konnten die BDM.- Werkarbeitsgemeinschaften alle Gebiete der Mädel­erziehung in ihr Programm einbeziehen, den An­forderungen der 18 bis 21jährigen gemäß entwickeln und nach neuen Gesichtspunkten erweitern. Nun nach einem ersten Jahr begeisterten Einsatzes ist die Ar­beit so weit vorangegangen, daß der BDM.-Ober- gau mit einer großen Arbeitsschau, die am Sonntag, 16. April, durch die Obergauführerin er­öffnet wird, der Oeffentlichkeit eine Uebersicht über das bereits Geleistete bieten kann.

Als Leitgedanken dieser während der kommenden Woche in F r a n k f u r t a. M. gezeigten Ausstellung kann manErziehung zur modernen Lebensführung" nennen, denn der RahmenGlaube und Schönheit" birgt die Gesamtheit aller Fragen, mit denen sich die Mädelgeneration von heute auseinandersetzt: von Körperpflege und sportlicher Ertüchtigung über Ge- schmacksausrichtung und Wohnkultur zur vorbild­lichen Führung eines Haushaltes, Beschäftigung mit Musik und Kulturarbeit, dem Volkstum und den bäuerlichen Kräften der Heimat, Auslandskunde und Polittk. Bild- und statistisches Material zeigen, wie

großzügig jedem Mädel ein Betätigungsfeld ganz nach persönlichem Geschmack, der Neigung und Be­gabung entsprechend, abgesteckt bleibt, wie weit die Möglichkeiten gegeben sind, Fähigkeiten zu ent­wickeln, oder zur beruflichen Anspannung in der Freizeitgestaltung einen Ausgleich zu finden. Mit modischen Kleinigkeiten, Stücken der Kleidung, Mö­belentwürfen, Ausstattungs- und Einrichtungsgegen­ständen wird den praktischen Dingen die gebührende Stellung zugewiesen. Formempfinden, klare Schön­heit, Sauberkeit in der Linie: der Gedanke des Nationalsozialismus soll sich auch in den kleinen Dingen des Daseins wiederspiegeln.

Nicht unerwähnt bleiben darf, daß gerade auf dem LandeGlaube und Schönheit" eine prozentual überraschend hohe Anteilnahme fand. Jnkarnatskurse und hauswirtschaftliche Schulung, Gesundheitsdienst­lehrgänge und Kurse an der Werkschule des Ober­gaues kamen den Bedürfnissen der Landmädel nach beruflicher und persönlicher Förderung weit ent­gegen. So wird in allen Abteilungen der Ausstellung die Arbeit des BDM.-Werkes auf dem Lande hervor­ragend herausgestellt werden.

Die Leistungsschau, die vom 16. bis 23. April in Frankfurt a. M. in den Räumen des Kunstvereins gezeigt wird, vermittelt das Ergebnis einer ein­jährigen Arbeit im Obergau Hessen-Nassau.

planmäßige pserdezuchtsiirunsereLandwirWast

Jahresversammlung der Pferdezüchtervereinigung Oberheffen.

Als die erste einer Reihe von Jahresver­sammlungen der Ober hessischen Züch­tervereinigungen fand in Gießen am gestri­gen Mittwoch imSaalbau Liebigstraße" die Ver­sammlung der Pferdezüchtervereinigung Ober Hessen statt.

Dir Vorsitzende, Bauer Rudolf Walther (Rei­chelsheim), streifte in seinen Begrüßungsworten die wichtigsten Fragen der oberhessischen Pferdezucht und gab feiner Freude über die Anteilnahme des Bezirksbauernführers Bürgermeister Metzger (Röthges), des Direktors der Veterinärmedizinischen Geburtshilfeklinik, Professor Dr. Küst, und des Reg.-Rats Weber vom Landratsamt Gießen Aus­druck.

Den Jahresbericht erstattete der Geschäfts­führer der Vereinigung, Landwirtschaftsrat Dr. E. Wagner (Gießen), der ein sehr umfassendes Bild der organisatorischen und züchterischen Fragen gab. U. a. wurde in dem Bericht die Zunahme des Mit­gliederstandes um 190 auf 1644 Züchter erwähnt. Die Zahl der eingetragenen Stuten ist um 212 auf 3002 Stück im abgelaufenen Jahr angewachsen, wo­bei Kaltblut und Warmblut im Deryältnis von 60 zu 40 o. H. stehen.

Der Kassenbericht, der Ausschluß über finanziell gesunde Verhältnisse gab, erwähnte u. a. auch die Ausgaben von fast 4500 Mark für Prämien bei den Schauen und von 1550 Mark zur Aufbesserung der Weiden Warthof bei Grünberg, Thiergarten bei Hungen und Wenings bei Gedern.

Von den organisatorischen Maßnahmen war die Verringerung des Beirates auf acht Mitglieder und die Ernennung von 66 Vertrauensleuten in Ober­hessen, die die Aufgabe haben, ein Bindeglied zwi­schen den Züchtern und der Führung der Vereini­gung zu sein, von Bedeutung. Ihnen wurde Dank

und Anerkennung in der Hoffnung auf weitere Be­tätigung in gleichem Sinne ausgesprochen.

Die Fohlenoerstei aerungen in Reichelsheim und Hungen, bei denen der Absatz größer war als bis­her nur beim Warmblut blieb ein Ueberstand gaben ein erfreuliches Bild. 1938 wurden auch zum ersten Male Remvntemärkte für ältere und für jüngere Tiere, beide Male in Gießen ab gehalten, bei denen Oberhessen mit dem Ankauf von 27 Pferden verhältnismäßig günstiger abgeschnitten hat, als die anderen Gebiete Hessen-Nassaus. Die Zahl der Pferdeschauen blieb auf die drei in Friedberg, Bü­dingen und Alsfeld beschränkt, soll aber erhöht werden. Auf der Strecke Ober-MörlenUsingen wurde eine Dauerzugs-Leistungsprüfung abgenom­men. Bei der Landespferdeschau in Frankfurt a. M. konnten sich große und kleine Sammlungen gegen schärfste Konkurrenz durchsetzen. Der Auftrieb von Fohlen auf den Weiden Warthof, Wenings und Thiergarten betrug 1936 insgesamt 108 Tiere, 1937 insgesamt 109 und 1938, allerdings zeitbedingt, 180 Tiere; für 1939 wird er, aus notwendigen Einschrän­kungen, wieder geringer fein.

Für die gute Zusammenarbeit mit dem Landes­gestüt wurde Landstallmeister Dr. Dencker beson­dere Anerkennung und der Dank für die tatkräftige Unterstützung ausgesprochen. Im Bereich der Ver­einigung bestehen 45 Hengststattoneu, die mit 28 Kaltblut- und mit 17 Warmblut-Hengsten besetzt sind.

Abschließend wurde in dem Jahresbericht auf die Schauen hinaewiesen, bei denen das Material für die Reichsnährstandsschau in Wien gesichtet werden wird, und auf den Ausbau der Zuchttier Vermitte­lung beim Tierzuchtamt Oberhessen in Gießen.

In einem interessanten und mit Lichtbildern un­terstützten Vortrag über das Thema:Typ- und

Blutliniensragen in der hessen-nassauischen Pferde, zücht" gab Landstallmeister, Landwirtschastsrat Dr. Dender (Frankfurt o. M.) praktische Winke für eine systematische und rasche Vorwärtstrelbung der Pferdezucht. Er führte dabei einleitend aus, daß nach der eingehenden Behandlung der grundsätzlichen Fragen der Aufzucht nun die Typenreinheit, die einen der wichtigsten Bestandteile des Zuchtzieles jeder Landesbauernschaft darstelle, strengstens ge­fördert werden muß. Typ und Rassereinheit sind ausschlaggebend für den Wert des Zuchtzieles, Typ- untreue Tiere müssen langsam, aber stetig durch typreine Pferde ersetzt werden, damit die gesamte Zucht vor den nicht zu vermeidbaren Rückschlägen, die bei der Vererbung typuntreuer Tiere eintreten, bewahrt bleibt. Die Tatsache, daß von den 1936 ge­deckten Tieren nur 25 v. H. in der Organisation er« faßt sind und insgesamt 50 v. H. der Pferde typ- und schlagrein sind, während die anderen 50 v. H. der vorhandenen Pferde Bastarde sind, beweist die Notwendigkeit dieser Forderung. Für jedes Pferd, außer für das Gebrauchspferd,' ist die Ahnentafel erforderlich, damit man die Blutlinien des Tieres übersehen kann. Der Vor tränende schilderte dann die für den Bereich der Lpndesbauemschaft Hessen-Nas­sau an gestre bten Typen und die Zuchtziele für Kalt­blut und Warmblut und ergänzte feine Ausführun- gen durch einige Abbildungen. Anschließend erläu­terte er die Blutlinien der die Zucht bestimmenden Hengste und führte abschließend aus, daß nur durch systematisches Handeln die Pferdezucht hinsichtlich bodenständiger, leistungsfähiger Typen vorwärts­getrieben werden kann.

Nach Dankesworten an den Vortragenden und einer kurzen Aussprache wurde die Tagung geschlos­sen.

Aus der engeren Heimat.

Laubacher Ausschuß-Gesellschast.

$ Saubach, 11. April. Heute nachmittag ver­sammelten sich im Saale desSchützenhofes" die Mitglieder der Ausschuß-Gesellschaft, um die ersten Vorbereitungen für das vom 11. bis 13. Juni stattfindende Laubacher Ausschuß« f e ft, das auf fein 399jähriges Bestehen zurück- blicken kann, zu treffen. Der letztjährige Hauptmann Hermann Hertel gab zunächst einen Bericht über das vergangene Ausschußfest und die Tätigkeit des Vorstandes. Die vorgelegte Jahvesrechnung schloß mit einer Einnahme von 1360 Mark und einer Ausgabe von 1001 Mark ab. Der Mitgliedsbeitrag für 1939 und 1940 wurde auf je 1 Mark festgesetzt. (5ine Reihe neuer Mitglieder wurde ausgenommen. Zum diesjährigen Hauptmann wurde der Weberei- besitzer Carl Rühl gewählt. Zum Vorstand §e« hören außerdem 13 Hauptführer, die neuerdings mindestens 5 Jahre der Ausschuß-Gesellschast als Mitglied angehört haben müssen. Der seitherige Hauptmann schloß sodann, nachdem er allen seinen Mitarbeitern Dank für die zum Gelingen des vor­jährigen Ausschußfestes geleistete Unterstützung aus­gesprochen hatte, die angeregt verlaufene Versamm­lung mit dem Sieg-Heil auf den Führer. Anschlie­ßend wurden der seitherige und der neugewählte Hauptmann unter Vorantritt der Kapelle des hie­sigen Musikvereins in ihre Wohnungen gebracht.

Landkreis Gießen.

* Heuchelheim, 13. April. Die Kriegermutter Marie Hofmann in Heuchelheim, Ludwig- strahe 4, begeht am heutigen Tage ihren 8 0. G e - burtstag. Im Weltkriege verlor sie zwei Söhne. Der Reichskriegsopferführer, SA. - Gruppenführer O b e r 1 i nd o b e r , hat für die hochbetagte Mutter eine Ehrengabe zur Verfügung gestellt. Wir wün­schen der Kriegermutter von Herzen gute Gesund­heit und noch einen sonnigen Lebensabend.

* Großen-Linden, 12. April. Am ersten Ostertag veranstaltete der hiesige Gesangver­einHarmonie" unter Leitung seines bewähr­ten Dirigenten, Musiklehrer, Ehrenchormeister Wil' Helm Schöttler (Gießen) einen'wohlgelungenen Konzertabend. Der starke Besuch stellte abermals unter Beweis, daß sich derartige Veranstaltungen mehr und mehr steigender Anteilnahme der Be­völkerung erfreuen. Im ersten Teil hörte man Chöre von K. Trunk, dem Wiener Wilhelm Gerike, sowie das Frühlingslied von Rudolf Tschirch. Treff­sicherheit, Tonreinheit und ausgezeichneter Chor­klang liehen erkennen, daß der Verein über eine sehr gut disziplinierte Sängerschar verfügt. Der zweite Teil war dem Gedenken Friedrich Silchers anläßlich seines 150. Geburtstages in bi-fem Jahr gewidmet. Neun der schönsten Volkslieder dieses großen Lyrikers fesselten die Zuhörer durch natür­liche Gestaltung und klassischen Vertragsstil. Die hervorragende Stabführung des Dirigenten stellte unter Beweis, mit welchem Feingefühl er es ver-

(Sprung über die albanische Grenze.

Reisebericht von Charlotte Kühl von Kolckstein.

Mr sitzen am Schwarzen Drin, dicht an der albanischen Grenze. Die hohen Berge sind noch schneebedeckt und funkeln unter einem südlich-blauen Himmel. Was wissen wir harmlosen Reisenden von den Rivalitäten der Völker um dieses zauberhaft schönen Berglandes, dessen Bewohner bis heute nur die eine Sorge zu kennen scheinen: ihre vielen vielen Zwiebel- und Knoblauchbeete in Ordnung zu bringen!

Aber gestern, als wir dem Kommandanten der kleinen Kgl. jugoslawischen Marinestation am Ochridasee unseren Besuch abstatteten, merkten wir, daß ,, d i ck e Luft" war. Man empfing uns zwar mit der bei den Balkanvölkern sprichwörtlichen auf­merksamen G a st f r e u n dis ch a f t, zuerst mit dem üblichen Slivovitz, dem scharfen Pflaumenschnaps, imSalon", ging dann mit uns an eine feierlich gedeckte Tafel, bei der zwei Matrosen sogar in weißen Handschuhen bedienten, aber schon bei dem Hauptgang, Brathähnchen, entschuldigte sich der Kommandant, und als er bei der Nußtorte wieder erschien, zeigte sich eine tiefe Falte zwischen seinen blonden Brauen. Er hätte übrigens auch aus Kiel stammen können ober aus Wilhelmshaven, so deutsch sah er aus. Ganz im Gegensatz zu seinen jüngeren Kameraden, vier netten, jungen, pechrabenschwarzen Leutnants.

Draußen auf dem See patrouillierte ein flinkes, kleines, kriegsmäßig ausgerüstetes Fahrzeug. Wir mochten nicht neugierig fragen, welche Bezeichnung es führte und welcher Klaffe es angehörte, aber wir sahen deutlich Kanonenläufe, und auf der Befestigungsanlage der Station standen dauernd Posten an Fernrohren. Der mit den gemeinsamen Bekannten in Ochrid vereinbarte gefelHge Abend fiel aus, es war höch ste Alarmbereitschaft, und nur ein Matrose, keiner der Offiziere, fuhr uns überstürzt schnell über den See zurück. Die alba­nischen Berge türmten sich wie drohendes Bollwerk auf, wie möchte es jetzt jenseits aussehen!

In Struga, am nördlichsten Zipfel des Ochrida- fees, dem der Drin entspringt, Grenzort und be­rühmt wegen seiner staatlichen Aalfischerei, berüch­tigt wegen seiner Malariaherde, sehen wir bei kurzer Rast, daß man gestikulierend in Gruppen beisammensteht. Fast nur Männer. Die moham­medanischen Frauen haben von ihnen wahrscheinlich Ausgehverbot erhalten und die christlichen? Du lieber Himmel! Sie putzen die Beete in ihren Gär­ten, sie schleppen in blankgescheuerten Zinnkübeln Wasser vom Brunnen ins Haus oder sitzen teil­nahmslos mit Wocken und Kunkel vor der Haustür und spinnen. Vor der kleinen Kafana an der Drin- Brücke ist dauernd Kommen und Gehen. Man rät uns ab, über die albanische Grenze weiterzureisen. Das Radio hätte tolle Berichte gegeben. Zwei Auto­besitzer, die einzigen des Ortes, weichen nicht von unserer Seite. Längst hat irgend jemand es ihnen berichtet, baßeuropäische" Reisende imSerbischen König" säßen, und nun fiebern sie vor Ungeduld, den Auftrag für sich einzuheimsen, uns über d i e Grenze zu fahren. Die Verständigung ist schwer. Der eine zeigt an der Fingerzahl, daß er fünf Stunden brauche bis nach Peschkopija, der andere erklärt ihn für verrückt. Unter- oder überschätzt? Wir überlassen die Entscheidung, wer uns fahren soll, einem kurzen Ringkampf, aus dem einer strah­lend als Sieger hervorgeht, kaufen schnell herrlich weißes, lockeres Weizenbrot, zwei Hände voll ge­bleichter Zwiebelstengel,bosnischer Spar­gel" genannt, eirj Ende steinharter, flachgepreßter Knoblauchwurst und gelangen mühselig durch das Spalier der halben Einwohnerschaft Strugas zu unserem Mietsauto.

Aha! Wir haben Reisegefährten bekommen! Neben dem Fahrer quetschen sich zwei Albaner eng aneinander, kenntlich an ihren weißen, runden Filz­kappen, grinsen uns freundlich an, als unser Blick auf ihre Dolche fällt, die sie in ihren roten, ge­

wirkten, faltenreichen Gürteln so aufbewahrt haben, daß das Heft heraussieht.

Hinter uns breitet sich in bläulichem Glanz der See. Ganz in der Ferne schimmert, von der Süd- fonne bestrahlt, Kloster Evett Naum, und seitlich lagern wuchtig die braunroten Mauern der alten Türkenfeste auf den Höhen von Ochrid.

Gemüsekulturen und Weingärten wechseln, bis wir uns den Bergen nähern. Kleine buschige Eichen klettern die Hänge hinauf. Ihr vorjähriges Laub ist rostbraun wie die Erde, der sie entwachsen. Wo Sonne hinkommt, blühen in dichten Büscheln groß­blumige gelbe Primeln. Hin und wieder begegnen wir Menschen, Zigeunern oder Bauernfamilien. Die Frauen sitzen auf mageren, struppigen Pferdchen in langen, weißen, hemdartigen Gewändern mit rot­gestickten Aermeln und, der Aprilkühle wegen, mit einem bunten Tuch um die Schultern. Die Männer treiben andere Pferde voraus, die rechts und links mit riesigen Holzbündeln bepackt sind. Nirgends hier siedelt noch ein Mensch.

Unser Fahrer hat ein tolles Tempo aufgedreht. Der Weg ist steinig und führt in wilden Kehren zur Höhe. Kurz vor der Grenze werden wir an der jugoslawischen Gendarmerie-Station angehalten, wird der Wagen durchsucht, ein Verhör mit den Albanern angestellt. Wir weisen allesamt unsere Papiere vor-und dürfen passieren.

Ist das alles? Wahrhafttg? Keiner von uns hat gemerkt, daß, wann und wo wir recht eigentlich die Landesgrenze überfahren haben. Dort, wo die Wasserscheide sich befand? In jenem kleinen Dorf, wo alles auf dem Platz vor einer halbzerfallenen Moschee zusammenstand und wir des fürchterlichen Holzpflasters wegen uns fast das Rückgrat verstaucht hätten? Auf einmal sind wir mitten in einem größeren Ort.Peschkopija?" fragen wir den Fahrer, der uns den Schlag öffnet und wortlos unser Gepäck auslädt. Er nickt mit dem Kopf! Aber Kopfnicken bedeutet auf dem Balkan dochnein"! Na schön, wir sind zunächst eben mal irgendwo, zahlen und werden auffallend schnell allein gelassen, d. h. schon haben sich ein paar zer­lumpte Jungens über unsere Koffer gemacht, deuten auf ein Gebäude, das einige Aehnlichkeit mit einem

Gasthof hat, legen den Kopf in die Handfläche und deuten damit die Geste des Schlafens an, und wir folgen ihnen willenlos.

Heute sind wir nicht wie sonst überall in Süd« serbien Mittelpunkt des öffentlichen Jnteresfes. Nie­mand bestaunt oder verfolgt uns, das sonst sicher ländlich stille Städtchen befindet sich in unge­heurer Aufregung. Jeder Stuhl vor dec Kafana ist besetzt. Alles redet durcheinander, geftifu« liert. Reitende Bauern kommen an, den Regenschirm quer über den Sattel geschnallt. Viele tragen Gummigaloschen, waten höchst ungeschickt in ihnen herum. Plötzlich dröhnt Motorengeräusch, schwillt an, alles stürzt auf den freien Platz, reckt die Hälse, legt die Hand schützend vor die Augen. Ein ita« lienisches Luftgeschwader braust heran, ausgerichtet in Staffeln, neun, achtzehn, noch ein­mal neun, wieder, unzählbar! Noch nie hat man in diesem entlegenen Grenzort etwas Derartiges gesehen! Wie weit ist Tirana, das Meer, die große Welt und der mächttge Nachbar Italien! Dies dort oben sind seine Boten. Mit Höllengedröhn kommen sie dahergebraust! Frauen kreischen auf, bekreuzigen sich, stürzen in die Häuser, Männer laufen zusammen, heben die Arme, winken, starren und staunen, laufen die Gasse hinunter, wo der Ausblick nach Westen, in der Richtung zur Adria hin, freier sich öffnet. Aber schon ist das großartig' machtvolle Schauspiel zu Ende!

Niemand kümmert sich um uns. Als wir uns zur Post durchgefragt haben, um diesen Bericht fort« zuschicken, erfahren wir, daß wir gar nicht in Pesch« kopija sind, fondern in Trebitsche. ,Zawohl, Ire» bitsche, roenns beliebt", sagt ein Beamter, der etwas Deutsch kann. Ja, ja, Mißverständnisse sind auf unserer Reise an der Tagesordnung, aber wahr­scheinlich Haden unsere beiden albanischen Reise« gefährten unbedingt nach Trebitsche gewollt, und da hat man uns freundlicherweise gleich mit aus­geladen. Weiterkommen werden wir bei der jetzigen Lage in diesem Lande ohne Eisenbahnen ja doch nicht so schnell. Also ist es schließlich gleich' gültig, wo mir unsere Beobachtungen von Land und Leuten fortsetzen.