Ausgabe 
13.3.1939
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 61 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Montag. lZ. März 1939

m

1

B

' H

Aus der Stadt Gießen.

Jischmahlzeiten helfen sparen.

Fcht, wo es zum Frühjahr geht, häufen sich für die tüchtige Hausfrau die Auf- und Ausgaben. Mancherlei ist zu bedenken, denn Hausputz, Schnei­derei und Einkäufe bringen manche große Ausgabe, die man gern am Wirtschaftsgeld einsparen möchte, ohne daß aber die Nahrhaftigkeit der Speisen oder ihrer Menge darunter zu leiden hätte. Hier meldet sich als Helfer das Fischgericht, das in seinem Ver­hältnis von Preis und Nährwert vielen anderen Eßwaren den Rang abläuft.

Wir könnten den Eiweißbedarf des Körpers allein mit Fischeiweiß bestreiten, wenn wir häufiger Fisch in jeder Gestalt zu uns nehmen würden. Und wir würden unserem Körper damit zugleich die wert­vollen Ergänzungsstoffe, wie Vitamine, Salze, Jod, Kalk und Phosphor zuführen, die wir zum Körper­aufbau, also in der Kinderkost, und zur Körper­erhaltung, also bei der Erwachsenen-Ernährung, brauchen. Aus dem gräten- und gänzlich abfall­freien Fischfilet lassen sich verschiedene Gerichte Her­stellen. Aber auch die ganzen Fische stehen zu einem Preise zur Verfügung, bei dem mancher Groschen an einer einzigen Mahlzeit erspart werden kann.

Ein Braten von Seelachs, Schellfisch, Kabeljau und dem fetten Rotbarsch kann gespickt oder ungespickt, vor allerp aber mit Gemüseumrahmung sowohl den Sonntagstisch zieren als auch eine nahr­hafte Wochentagskost abgeben. Ein Fifchfrikasfee ist pikant und billig und zudem außerordentlich schnell zubereitet. Auch die Zeitersparnis ist der Hausfrau in diesen Monaten des Großreinemachens wertvoll. Auf knapp 30 Pfennig für die Person stellt sich eine Mahlzeit, die aus gebackenem Fischfilet mit sauren Linsen und zum Nachtisch aus Backobst be­steht. Will man etwas mehr, etwa 40 Pfennige, anlegen, so kann es einen Fischauflauf mit der nahrhaften und sehr sättigenden Bechameltunke geben, dazu noch irgendeine Kohlbeilage und als Vorsuppe etwa Lauch- oder Gemüsesuppe. Das preiswerte Fischfleisch ermöglicht diese sparsame Wirtschaftsführung.

Mehr noch als der mittägliche Speifeplan macht der abendliche der Hausfrau Kopfzerbrechen. Auch hier zeigt sich der Fisch als geld- und zeitsparender Helfer. Mittägliche Fischreste werden noch warm von Haut und Gräten befreit und mit Kartoffeln, Makkaroni oder sonstigen passenden Beigaben, wie etwa Sauerkraut, Mohrrüben, Püree usw., in eine Auflaufform geschichtet. Je nach Geschmack und Vor­rat gibt man Reibkäse. Eimilch und Flöckchen dazu, dann braucht man das Ganze abends nur zum Ueberbacken kurze Zeit in den Ofen zu schieben.

Vornoiizen.

Tageskalender für Montag.

Gloria-Palast, Seltersweg:Gebrandmarkt". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Nacht der Ent­scheidung". Oberhessischer Kunstverein. 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.

WHW. Ortsführung Dießen-Nord.

Am Montag, 13., Dienstag, 14., und Mittwoch, 15. d.M., wird im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Nord die Pfundsammlung durchgeführt. Die Haus­frauen werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzu­legen. Gleichzeitig wird durch die NS.-Fräuenschaft die Eiersammlung durchgeführt. Auch hier werden die Hausfrauen gebeten, sich rege daran zu betei­ligen.

WH78., Ortsführung Dießen-Süd.

Am Montag, 13., Dienstag, 14., und Mittwoch, 15. März, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Süd die Pfundsammlung für den Monat März 1939 und eine Eiersammlung durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft der Ortsgruppe wird ge­beten, die Spenden bereitzuhalten.

Gießener Stadttheater.

10, Morgenveranstaltung: Zum Heldengedenktag.

Die zehnte Morgenveranstaltung, von der Leitung des Stadttheaters in Verbindung mit der NS.-Ge- meinschaftKraft durch Freude" ausgerichtet, war in ihrer Vortragsfolge ganz dem Ernst und der Würde des Heldengedenktages angemessen, die Bühne mit dunklem Grün und mit den Kriegsflaggen des Reiches geschmückt.

Die heroisch-feierliche Musik derCoriolan"-Ouver- türe von Beethoven, durch das Städtische Orchester unter der Stabführung von Heinz Markw ardt klang­schön vorgetragen, schuf zu Beginn eine weihevoll nachhallende Stimmung.

Darauf betrat der Kriegsdichter Thor Goote die Bühne zu einer Vorlesung aus eigenen Werken.' Goote, der durch seinen Munitionskolonnen-Roman Wir fahren den Tod" und durch einen Flieger-Roman bekannt geworden ist, las aus dem Manuskript zwei Abschnitte einer größeren Erzählung, die ebenfalls während des Krieges bei einer deutschen Jagdstaffel, an der Westfront spielt. Während in jenem früher! erschienen Buche die Gestalt des auf unglückliche und, traurige Weise ums Leben gekommenen Pour le merite= | Fliegers Hauptmann Berthold im Mittelpunkt der Ereignisse steht, ist hier die volkstümlicher und be- rühm^r gewordene Erscheinung des Hauptmanns Boelcke als des Führers der Jagdstaffel 2 die Zentral­figur der Schilderung, die in knappen, kurzen, manch­mal fast abgehackt klingenden Sätzen berichtet.

Der erste Teil gibt ein Gespräch zwischen Boelcke und Böhme, einem der Offiziere seiner Staffel, wieder, und in den sparsam hin und her gehenden, Sätzen ist etwas vom Geist und Lebensrhythmus der deutschen Feldfliegertruppe während des Krieges zu spüren. Der Glaube an die große Aufgabe, der uner­schütterliche Siegeswillen und die Sorge um die beste Nachfolge in der Führung der Staffel das sind die Gedanken, um die das einsame Gespräch der beiden unablässig kreist: schon hier taucht die unver­geßliche Gestalt Manfred von Richthofens auf, der wie kein anderer dazu ausersehen und berufen ist, nach Boelckes Ende die Staffel in dessen Sinne weiter-, zuführen.

. Der zweite Teil schildert das Ende Boelckes, des k Siegers in vierzig Luftgefechten. An einem stürmischen [ Tage steigt die Jagdstaffel zum Geschwaderflug über der Somme auf, es kommt zu einem kurzen Gefecht mit englischen Gegnern, das aber ergebnislos bleibt; während des Kampfes stoßen Boelckes und Böhmes Flugzeuge zusammen: Böhmes Apparat bleibt unbe-

Heldengedenkiag und Tag der Wehrfreiheit in Gießen

Eindrucksvolle militärische Feier auf dem Trieb. Kranzniederlegungen an den Ehrenmalen

Gießens Straßen prangen in reichem Flaggen­schmuck. Am gestrigen Sonntag galt er dem Helden­gedenktag und Tag der Wehrfreiheit. Heute, Mon­tag, ist er dem ersten Jahrestag der Heimkehr der Ostmark ins Reich gewidmet.

Am gestrigen Sonntag, 8 Uhr, zog vor dem 116er-Denkmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz ein Doppelposten der Wehrmacht als Ehrenwache auf, die bis 18 Uhr am Denkmal stand. Um 9 Uhr legten Kreisleiter Backhaus als Hoheitsträger der Partei im Kreis Wetterau und SA.-Standartcn- führer Lutter namens der SA.-Brigade 147 und der Standarte 116 an dem Denkmal Kränze zu Ehren der Gefallenen des Weltkrieges, der im Frei­heitskampf der Bewegung im Reich und der in der Ostmark und im Sudetenland ermordeten Kame­raden nieder. Die NS.-Kriegsopferverforgung brachte ebenfalls am 116er-Denkmal den gefallenen Kame­raden mit einem Kranz ihren kameradschaftlichen Gruß dar. Marine-SA. und Marine-Kameradschaft schmücktn das Ehrenmal am Skagerrak-Platz mit Kränzen, der Kreiskriegeroerband Gießen im NS.- Reichskriegerbund und die NSKOD. legten am Krie­gerdenkmal auf dem Marktplatz Kränze zu Ehren der Gefallenen von 1870/71 nieder. Am Ehrenmal auf dem Landgraf-Philipp-Platz wurden ferner noch Kränze des Volksbundes für Deutscher Kriegsgräber fürsorge, des Kameradschaftsbundes Deutscher Poli­zeibeamter und der eheamligen 116er niedergelegt. Der Gedenkstein im Heldenfriedhof (Friedhof am Rodtberg) wurde mit Kränzen der SA.-Standarte 116, der NSKOV-, des Volksbundes für Deutsche Kriegsgräberfürsorge und des NS.-Reichskrieger- bundes geschmückt.

Den Höhepunkt des Gedenkens bildete die mili­tärische Heldengedenkfeier aus dem Trieb zwischen der Volkshalle und der Bleidorn- Kaserne. Dort hatten die Truppen des Infanterie- Regiments 116, der III. Abteilung Artillerie-Regi­ment 9 und die II./Kampfgeschwader 155 in weitem, offenen Viereck Aufstellung genommen. Den Sol­daten gegenüber standen als Ehrengäste die Ehren­abteilungen der Partei und ihrer Gliederungen, die Abordnung des NS.-Reichskriegerbundes, ferner hatten sich hier viele Ehrengäste, Kriegsbeschädigte und Kriegerhinterbliebene, die Abteilung Wehrmacht der DAF-, die Bereitschaft Gießen der Sanitäts­kolonne vom Roten Kreuz und rundherum um die Aufstellung eine große Menschenmenge eingefunden.

An der Spitze aller Ehrengäste waren Kreisleiter Backhaus als Hoheitsträger und viele führende Männer der Partei und ihrer Gliederungen, Gene­

ralmajor a. D. Mohr und eine Anzahl weiterer Offiziere der alten Armee, Oberbürgermeister Rit­ter als Vertreter der Garnisonstadt Gießen, Land­rat Dr. Lotz als Vertreter des Landkreises Gießen, der Rektor der Universität Professor Dr. ©eifer erschienen. Ferner hatten sich u. a. viele Offiziere des Beurlaubtenstandes und eine große Zahl wei­terer Ehrengäste eingefunden.

Um 10 Uhr traf der Standortälteste, Generalleut­nant von Apell, auf dem Paradeplatz ein. Ihm wurde die Paradeaufstellung von dem Kommandeur des Jnf.-Regts.116, Oberst Herr le in, gemeldet. Dann schritt Generalleutnant von Apell in Be-

kameraden der alten und der neuen Wehrmacht!

Deutsche Männer und deutsche Frauen! Deutsche Jugend!

Nun laßt die Glocken von Turm zu Turm Durchs Land frohlocken im Jubelsturm!

Des Flammenstoßes Geleucht facht an, ' Der Herr hat Großes an uns getan! Ehre sei Gott in der Höhe!"

So können auch wir jubelnd singen, wenn wir auf die gewaltigen weltgeschichtlichen Ereignisse des vergangenen Jahres z'urückschauen. Was unsere Väter, was wir selbst in unseren kühnsten Träumen kam zu hoffen wagten, ging in Erfüllung. Zurück- Sewann der Führer dem Reich die deutsche ft m ci r t und das deutsche Sudetenland. Zehn Millionen deutscher Menschen kehrten heim ins Vaterland.

Großdeutschland ist erstanden!

Drum kann der heutige Heldengedenktag kein Tag der Trauer sein. Und des zum Zeichen wehen heute auf Befehl des Führers überall die Fahnen des Dritten Reiches nicht mehr auf Halb­mast, wie früher am Heldengedenktage, wehen heute von allen militärischen Gebäuden neben der neuen Reichskriegsflagge auch unsere alten ruhmreichen schwarz-weiß-roten Fahnen als Symbol der Ver­einigung stolzer, verpflichtender Vergangenheit mit glückhafter Zukunft.

Wenn unsere Augen heute über die deutschen Lande gleiten, so sehen sie in allen Standorten das deutsche Volk geschart um seine Wehr­macht, die nach dem Wunsch und Willen^des Führers als Hüterin des Erbes der ruhmreichen

gleitung des Kommodore des Kampfgeschwaders 155, Generalmajer Süßmann, des Kreisleiters Back­haus als Hoheitsträger und des Generalmajors a. D. Mohr als Vertreter der alten Armee unter den Klängen des Präsentiermarsches die Front der Truppen ab. Anschließend begrüßte Generalleutnant von Apell die Abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen, die Formation der alten Soldaten und die übrigen Ehrengäste.

Hierauf nahm die Feier mit dem Spiel desDeut­schen Volksgebets" von Dürcke durch das Musikkorps des Jnf.-Regts. 116 feinen Anfang. Nach dem Mustk- stück sprach der Standortälteste

mi von Apell:

alten Armee und Marine Trägerin der Gedenk­feiern an diesem Staatsfeiertage' ist. Und wo keine Truppen liegen, leitet die Partei diese Heldenge­denkfeiern. Kein Dorf, so klein es auch sei, gibt es in deutschen Landen und wo immer Deutsche in der Fremde wohnen, in denen heute nicht in Dankbar­keit und Treue aller derer gedacht wird, die im Weltkriege getreu dem Fahneneide Leben oder Ge­sundheit für unseres geliebten Vaterlandes Ehre und Freiheit opferten.

Welch eine Wendung durch Gottes Fügung" kann man auch hier sagen! Denn noch vor wenigen Jah­ren waren es recht bescheidene Teile des deutschen

A wirkt schmerzstillend- I

jpM VIerfrischend-belebend

Amol Kaimelllergeist ab 80 Pf. in allen Apotheken u. Drogerien

Volkes, die dem Rufe des Volksbundes für Kriegs­gräberfürsorge zur Ehrung unserer gefallenen Hel­den folgten, weil damals alles, was mit Krieg und beldischem Denken und Tun zusammenhängt, in Acht und Bann getan war.

heute hat dank jenem denkwürdigen 30. Ja­nuar 1933,,der alles Faule, Morsche und Un- deutsche umbrach, das deutsche Volk wieder zu sich selbst zurückgefunden, heute gelten all die Tugenden wieder, die Deutschland einst groß gemacht haben, heute ist wieder aus dem in Parteien zerrissenen, sich in Vruderhaß zerflei­schenden Volk ein einiges, in gleichem Schritt und Tritt marschierendes Volk geworden, ein

inks: Augenblicksbild von der militärischen Feier auf dem Trieb. Rechts: Der Vorbeimarsch. (Aufnahmen s2s: Neuner, Gieß. Anz.>