Noch dem Umschwung der politischen Verhältnisse in Spanien nimmt man an, daß in Kürze die offizielle Anerkennung der Regierung General Francos durch die Schweiz erfolgen wird, im Zusammenhang mit einem gleichen Schritt anderer neutraler Staaten.
Alle rein tschechischen Geschäfte in Prag sollen, einem Beschluß der Nationalen Vereinigung des schechischen Nationalen Schutzverbandes zufolge, durch ein eine Abbildung des heiligen Wenzels tragendes Abzeichen kenntlich gemacht werden.
Der italienische Oberste V e r t e i d i g u n g s - r a t hat unter dem Vorsitz des Duce seine regelmäßige Jahrestagung abgeschlossen. Es wurden alle Fragen untersucht, die die militärischen Vorbereitungen der Nation betreffen. — In seinem Schluß
wort sprach Mussolini dem Generalkomnufsariat für die Rüstungsindustrie seine besondere Anerkennung aus. Die nächste Sitzung findet im Februar 1940 statt.
Der ungarische Innenminister hat das sozialdemokratische Parteiorgan ,,N e p - szava" auf acht Tage verboten wegen gehässiger Aeußerunqen, die geeignet schienen, die freundschaftlichen Beziehungen Ungarns zu Deutschland zu gefährden.
Die liberale „Sunday Chronicle" meldet, daß die britische Regierung sich mit dem Gedanken befasse, einen eigenen Sender für die Nachrichten in ausländischen Sprachen (?!) anzulegen. Man spreche davon, daß der Sender von D a v e n t r y von dem britischen Agitations- o u s s ch u ß , dessen Vorsitzender Sir Robert Dan- s j t t a r t ist, dafür auserse-hen sei.
Lugend baut Brücken.
Verständigung und Kameradschast über die Grenzen hinweg.
Don Dr. Hermann Oreyhaus.
Wenn man in diesen Wochen in der Wochenschau der Lichtbildtheater oder in den illustrierten Zeitungen Bilder aus einem Jugendlager in Saalfelden am Südhang des Steinernen Meeres im Salz- burgischen sah, dann konnte man sich wohl wundern, daß hier deustcl)e und französische Jugend beiderlei Geschlechts in fröhlichem Beisammensein eine Freizeit genoß, die in keiner Weise durch die Verschiedenheit von Sprache und Volk beeinträchtigt wurde. Wer glaubt, daß es sich hier um einen, vielleicht besonders gestellten Ausnahmefall handelt, befindet sich im Irrtum. Das Lager von Saalfelden ist nur eins von den vielen Jugendtreffen der verschiedensten Nationen, die schon seit einer ganzen Reihe von Jahren veranstaltet werden in der Absicht, daß durch die empfängliche Jugend aus Grund ihrer Erlebnisse allmählich ein besseres Verständnis und Verhältnis zwischen den Völkern angebahnt wird.
Solche Bestrebungen sind schon fast ein halbes Jahrhundert alt. Ihre früheste organisatorische Form fanden sie in einem internattonalen Schülerbriefwechsel, den der französische Lehrer Paul Mieille aus Draguignan 1897 ins Leben rief und zu einem planmäßigen System ausgestaltete, an dem sich französische, englische, deutsche und amerikanische Schüler in größer Zahl beteiligten. Sie schufen sich mehrere Zeitschriften zur Förderung ihrer Interessen und gaben seit 1901 ein in den drei Hauptsprachen erscheinendes Jahrbuch ,,Comrades all** heraus. Für Deuschland befand sich die Hauptstelle des „Internationalen Schülerbriefwechsels" in Leipzig. Schon 1905 ging man dazu über, die brieflich angeknüpften Beziehungen durch gegenseitige Besuche zu erweitern. So kam der erste Schüleraustausch, z. B. zwischen deutschen und französischen Schülern, zustande, allerdings
mit zunächst völlig privatem Charakter. Immerhin fingen auch bald die beiderseitigen Regierungsstellen an, dem Briefwechsel wie dem Austausch ihre Anteilnahme zu bezeugen. Doch ehe daraus eine geordnete Arbeit erwuchs, brach der Weltkrieg aus. Alle so zukunftsreich geknüpften Verbindungen rissen jäh ab. Es blieb nur das mustergebende Beispiel für Schülerbriefwechsel und Schüleraustausch.
Nach dem Weltkriege bezogen sich darauf die menschenfreundlichen Bestrebungen zur Gesundhaltung der deutschen Jugend, die von den germanischen Nachbarn und den Quäkern in Amerika und England ausgingen. Besonders nach Schweden und Holland erfolgten Verschickungen deutscher Jungen und Mädchen in erster Linie aus Ernährungsgründen. Als sich jedoch im Reiche die Verhältnisse allmählich besserten, lag der Gedanke nahe, die ideellen Gründe des- gegenseitigen Kennenlernens und Verstehens, die ursprünglich dem Briefwechsel wie dem Austausch zugrunde' lagen, wieder zur Geltung zu verhelfen. Die ersten Versuche mit deutschen und schwedischen Kindern, die einmal vier Wochen bei den Eltern der einen Seite und anschließend ebenso lange bei denen der anderen sich aufhielten, glückten über Erwarten. Die Leitung des Unternehmens blieb rein privat, erfreute sich aber in beiden Länder weitgehender staatlicher Unterstützung und Förderung. Dieser deutsch-schwedische Austausch ist bis heute vorbildlich geblieben. Er steht hinsichtlich der Teilnehmerzahl an der Spitze. Obwohl er ein ausgesprochener Einzelaustausch ist, brachte er es im. Jahre 1937 bereits auf 750 deutsch- schwedische Ausauschpaare. Die übrigen nordischen Länder wie Norwegen, Dänemark und Finnland haben sich dem schwedischen Beispiel sehr bald angeschlossen. jedoch dessen Spitzenleistungen bei weitem
nicht erreicht. Immerhin kann sich Finneland trotz der großen Entfernung mit je 280 deutschen wie finnischen Mädeln und Jungen im Austausch wohl sehen lassen.
Nach diesen Erfolgen in den nordischen Staaten bildete sich 1928 in der Reichshauptstadt Berlin eine „Auslandsstelle der Städttschen Schulen Berlins", die sich den Austausch in der Form von Gruppen auf beiden Seiten zum Ziele setzte. Der Austausch erfolgte hauptsächlich im Sommer, nachdem im Winter eine sprachliche und sachliche Vorbereitung in sogenannten Foyers unter Leitung fachmännisch vor- gebildeter Lehrer vorangegangen war. Die Gruppe reifte dann in das betreffende Ausland, verbrachte hier etwa 3 bis 4 Wochen gemeinsam mit einer entsprechenden Gruppe ausländischer Jugendlicher in einem Lager und begab sich mit dieser in ein ähnliches Lager in Deutschland. Hier trat zu dem ideellen Zweck der gegenseitigen Verständigung noch der praktische zur Förderung der Sprachkenntnisse wie der jeweiligen Landeskunde. Während die Teilnehmer des nordischen Austausches bei dem Besuch der jeweiligen Familien nicht notwendig die Landeshauptstädte besuchen mußten, war das bei dem Gruppenaustausch mit gemeinsamem Lager eine Selbstverständlichkeit. In einem Zeitraum von zehn Jahren (1928 bis 1938) haben sich an den Berliner Austauschgelegenheiten 6283 Schüler und Schülerinnen beteiligt.
Das Aufblühen des Schüleraustausches nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus im Reich führte dazu, daß 1934 die deutsche Pädagogische Auslandsstelle d?s Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Berlin mit der lieber» wachung und Betreuung aller Austauschunternch- men beauftragt wurde. Diese hat in hervorragender Werse die ihr' übertragenen Aufgaben gelöst und in besonderem Maße die Austauschmöglichkeiten zwischen den deutschen Provinzen und dem Ausland gefördert. Im Anschluß an das deutsche Auslands- inftitut in Stuttgart hat sich in dieser Stadt geradezu ein Mittelpunkt zur Pflege der Beziehungen zwischen nichtgroßstädtisch beeinflußten Reichsteilen und dem Ausland gebildet, der hauptsächlich hinsichtlich Frankreichs, wo 1937 die Weltausstellung besonders lockte, und Englands recht schöne Erfolge zu verzeichnen hatte. Im ganzen hat die Auslandsstelle 1937 Austauschfahrten nach 25 europäischen und überseeischen Ländern unternommen. Daran beteiligten sich 6250 Schüler unter der Führung von 371 Lehrern in 206 Gruppen. Der Pädagogischen Auslandsstelle sind auch die Austauschgelegenheiten unterstellt, die neuerdings die Hitler-Jugend mit Jugendlichen aus dem Ausland unterhält. Hierbei wird die sprachlich-kulturelle Seite, wie das anfangs genannte Lager in Saalfelden dartut, z. T. durch Pflege des Sports, in diesem Falle des Schilaufs, ersetzt.
Man sieht die Möglichkeiten, einander näher zu kommen und sich gegenseitig zu verstehen, sind sehr mannigfaltig. Da aber alle unter dem bewußten Willen nach Betätigung von Kameradschaft stehen, so ergeben sich Zucht und Unterordnung von selbst, während das Gefühl des Zwanges überhaupt nicht aufkommt. Zuletzt aber adelt sich die
Kameradschaft durch die Verpflichtung zur Gegenseitigkeit, und hierbei steht die Ehre des jeweiligen Landes ständig auf dem Spiel. In Voraussetzung solcher geistigen Einstellung auch im deutschen Volk hot es die Hamburg-Amerika-Linie schon seit Jahren unternommen, gewissermaßen einseitige Fahrten deutscher Jugendlicher nach den Bereinigten Staaten durchzuführen. Sie gehen in der Haupstäche nach Neuyark, Washington, Atlantic City sowie für eine Woche in ein Jugendlager im Gebirge. Innerhalb von fünf Wochen bringen sie eine Fülle großartiger Eindrücke: zweimal eine Ozeanfahrt auf einem modernen Dampfer, dann die amerikanische Zivilisation mit all ihren Gegensätzen in den Großstädten wic auf dem Lande, wie endlich auch am Badestrand. Diese Fahrt, die ja im wesentlichen im Entgegennehmen vielseitigster Eindrücke besteht, eignet sich vorzüglich als Abschluß von den Austauschreisen, die Einblicke in die europäische Kultur vermitteln. Der vor dem Eintritt ins Leben stehende junge Mensch erkennt durch die Gegenüberstellung der alten und neuen Welt das Doppelgesicht der Zukunft, mit der er sich auseinandersetzen muß. Dies geschieht 3mar nur ahnenderweise, aber es geschieht. Und damit ist wenigstens ein fester Ausgangspunkt gewonnen.
Wetterbericht
Durch die Entwicklung eines kräftigen Hochdruckgebietes über dem Ostatlantik hat am Sonntag unter auffrischenden Nordwestwinden die Zufuhr kühlerer Luftmassen eingesetzt. In den Höhen der Mittelgebirge ist wieder leichter Frost eingetreten Vorübergehend ist mit der Zufuhr der aus nörb^ liehen Breiten stammenden Luftmassen Aufheiterung verbunden, doch wird sich Beständigkeit für länger noch nicht einstellen.
Wettervoraussage für Dienstage Wechselnd bewölkt und im allgemeinen trockey. Ta- gestemperaturen bei plus 5 Grad, westliche Winde.
Wettervoraussage für Mi11w och : Zeitweise aufgeheitert, mit Temperaturen über 0 Grad. Noch nicht beständig.
Lufttemperaturen am 12. Februar: mittags 10,6 Grad Celsius, abends 6,8 Grad: am 13. Februar: morgens 3,2 Grad. Maximum 11,3 Grad, Minimum heute nacht 2,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. Februar: abends 6,0 Grad: am 13. Februar: morgens 4,7 Grad. — Niederschläge 0,1 mm. — Sonnenscheindauer 1,9 Stunden.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Stellvertreter des Hauptschriftleiters: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange: für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. 1.39: 10 896. Druck und Verlag: Brühlsche Universitätsdruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 4 vom 1. September 1937 gültig.
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