Ausgabe 
12.9.1939
 
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Beiriebssicherung der Landwirtschaft Pflicht der Volksgemeinschaft.

NSG. Diele Bauern, Landwirte und Landarbei­ter sind zu den Fahnen gerufen worden und er- ftillen in vorderster Front ihre Pflicht. Die Pflicht der Zurückgebliebenen ist es, dafür zu sorgen, daß die Leistung der Betriebe nicht zurückgeht, weil weniger LÄeitskräfte oder Gespanne zur Ver­fügung stehen. Wenn der Bauer oder die Söhne eingezogen sind, hat die Nachbarschaft und darüber hinaus das ganze Dorf die Pflicht, in diesem Be­trieb zu helfen. Wie das Landesernährungsamt dazu mitteilt, wird dieser Einsatz von den Organen der bäuerlichen Selbstverwaltung, also den Orts­bau ernftihrern, in engster Zusammenarbeit mit den Hoheitsträgern der Partei und den Bürgermeistern bis ins einzelne geregelt. Es kann wohl vorkom­men, daß es in der Gespannstellung einmal nicht klappt, was dann hauptsächlich der Fall ist, wenn einfach zu wenig Pferde da find. Hier müssen die Ernährungsämter helfend eingreifen und versuchen.

vielleicht aus nahegelegenen Städten Gespanne her­anzubekommen.

Als nächste große Arbeit steht in der Landwirt­schaft die Hackfruchternte bevor. Dabei kann die Jugend aus Stadt und Land wertvolle Hilfe leisten. Sie wird es, wie bisher, auch hier nicht an gutem Willen und Einsatzbereitschaft fehlen lassen. Auch dieser Einsatz muß von den genannten Stellen zu­sammen mit Hitler-Jugend und BDM. genau ge­regelt werden, damit nicht nur auf der einen Seite Jungen und Mädel zur HUfe bereitstehen und auf ihre Einberufung warten und anderseits in den Dörfern Arbeitskräfte fehlen. Jeder Bedarf ist bei dem zuständigen Arbeitsamt zu melden. Ein etwaiger Ueberschuß ist ebenfalls dieser Stelle anzuzeigen, damit diese Kräfte anderswo eingesetzt werden kön­nen. Ziel all dieser Bemühungen ist es, der Land­wirtschaft die notwendigen Arbeitskräfte zu sichern, damit die Erzeugung auf der bisherigen Höhe ge­halten wird.

1900 gewinnt den Lokalkampf 3:0 (1:0).

Am Sonntag trafen sich die beiden Juaendmann- schaften zu einem Lokalderby auf dem Waldsport- platz. Gleich zu Beginn der ersten Halbzeit dräng­ten die 1900er nach vorn, ohne aber zu einem Tor­erfolg zu kommen. Dann kam der DsB.-R. einmal gut durch. Dieser Angriff scheiterte aber an der guten Hintermannschaft von 1900. Erst in der 25. Minute gelang es den Blauweißen zu einem Torerfolg zu kommen. Eine schöne Vorlage vom Rechtsaußen kam gut herein, und in einem Gedränge konnte der Halbrechte einschieben. Bis zur Halbzeit konnte 1900, trotz technischer Ueberlegenheit, zu keinem weiteren Erfolg kommen.

Der Anstoß zur zweiten Halbzeit wurde von der 1900er Läuferreihe abgefangen, und sofort kam der Ball zum Linksaußen. Der Ball kam gut an die Strafraumlinie, und ein Schuß vom Mittelstürmer ging an die Latte. 1900 vergab nun noch einige sichere Torgelegenheiten. Dann rollte Angriff auf Angriff auf das VfB.-Tor. Erst in der 65. Minute fiel durch den Rechtsaußen das zweite Tor. Die VfB.-R. waren durch diesen Treffer sehr geschwächt. In der 80. Minute fiel durch den Mittelstürmer das dritte Tor. An diesem Ergebnis änderte sich nichts mehr. 1900 konnte mit Stolz seinen Bannmeister­titel verteidigen.

Erfolgreicher Start

von 1900 s Handballjugend.

Spogg. 1900 1. 3gb. Io. Krofdorf 1. 3gb. 14:5 (6:2).

Mit Ersatz für den erkrankten Deibel treten die Blauweißen zu diesem Spiel an. Es dauert einige Zeit, bis sich beide Mannschaften gesunden haben. Doch als nach 10 Minuten Spieldauer 1900 durch

Engel den Führungstreffer erzielt, findet sich die Mannschaft zu schönen, zugigen Angriffen. Gleich nach dem ersten Treffer wirft Wolkewitz das zweite Tor. Nun findet sich auch Krofdorf. Doch ihre vor­erst einzelnen Angriffe scheitern an der Hinter­mannschaft der Blauweißen. Das dritte Tor fällt durch einen weiteren schönen Angriff, Engel wirft den Ball aus 25 Meter Entfernung unhaltbar ins Netz. Kurz darauf erhöht Korell auf 4:0. Nun ge­lingt auch Krofdorf ein schöner Durchbruch, und ein unhaltbares Tor ist der Erfolg. 1900 wirft durch Freitag und durch Wolkewitz bis zur Pause noch zwei Treffer, während Krofdorf nur noch einmal erfolgreich ist.

Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit überneh­men die Blauweißen das Spiel. Ihre technische Ueberlegenheit und ihre Fangsicherheit machen sich jetzt noch mehr bemerkbar. Krofdorf versucht diese Ueberlegenheit durch größeren Kampfgeist auszu­gleichen. Doch als durch Korell zwei Strafstöße ver­wandelt werden, sind ihre Siegesaussichten hin. 8:2 heißt es für 1900. Doch da drehen die Krof- dorfer noch einmal auf und erzielen zwei weitere Tore. Das neunte und das schönste Tor des Tages wirft Engel wiederum aus 25 Meter Entfernung. Die Hintermannschaft der Blauweißen ist stets auf der Wacht, und Krofdorf gelingt bis zum Schluß noch ein Treffer, während die Blauweißen noch zu fünf Toren gelangen, und zwar durch Engel (2), Freitag, Korell und Schneuker.

Beide Mannschaften lieferten sich ein anständiges Spiel, so daß der Schiedsrichter (Jughard, Mtv. Gießen) leichte Arbeit hatte. Nach den am Sonn­tag gezeigten Leistungen kann man der Mannschaft 1900s ein großes Plus einräumen, denn bei ihr klappte es vom Torwart bis zum Außenstürmer. Bei Krofdorf fehlte das nötige Zusammenspiel, doch sind bei dieser Mannschaft hervorragende Einzel­könner, vor allem Klee. Das Ergebnis entspricht dem Spielverlauf.

Die Krankenversicherung der Einberufenen.

In einem gemeinsamen Erlaß haben der Reichs­arbeitsminister, der Reichsfinanzminister und das Oberkommando der Wehrmacht bestimmt, daß Kran­kenkassenmitglieder, die zum Waffendienst einbe­rufen werden, weiterhin Mitglieder ihrer Kranken­kasse bleiben. Die Beitragspflicht ruht gänzlich. Da die Versicherten selbst in diesem Falle von der Wehr­macht freie Heilfürsorge erhalten, entfallen die Lei­stungen der Krankenhilfe an diese Versicherten. Die Familienangehörigen der Versicherten werden da­gegen von den Krankenkassen in vollem Umfange weiter betreut. Sie erhalten die gleichen Leistungen wie bisher, insbesondere also Familienkrankenpflege und Wochenhilfe.

Hausfrauenberatungsstellen der NS.-Frauenschast.

NSG. In den Kreisgeschäftsstellen der NS- Frauenschaft = Deutsches Frauenwerk, in den Müt- terschulen und in den Geschäftsstellen der Orts- frauenfchaften im Gau Hessen-Nassau werden von jetzt ab Beratungsstunden durchgeführt, in denen Hausfrauen sich über alle Fragen der Haushalts­führung, die sich aus der gegenwärtigen Lage er­geben, Auskunft holen können. Auch über die Be- zugsscheinpflicht. Einmachen von Obst und Gemüse usw. wird Auskunft erteilt Tägliche Küchenzettel geben Anleitung, wie die Lebensmittel, die der Markt bietet, zu verwenden sind. Ein wichtiges Kapitel, über das die Hausfrau Bescheid wissen muß, ist die richtige Wäschebehandlung. Sparsame Verwendung von Waschmitteln, vor allem durch richtiges Einweichen, wird in den Beratungsstellen gezeigt. Alle fettfteien Einweichmittel sind ja be­kanntlich bezugsscheinfrei.

Jede Kreisgeschäftsstelle der NS.-Frauenschaft - Deutsches Frauenwerk, erteilt Auskunft, wo weitere Beratungsstunden stattfinden.

Jungmädel helfen älteren Frauen und kinderreichen Müttern.

NSG. Der Einsatz der Partei für das Wohl des Volkes ist in diesen Wochen, die von allen Volks­genossen Opfer verlangen, Überall sichtbar. Wo es gilt, Volksgenossen zu helfen, sind die Angehörigen der Bewegung zur Stelle. Unter chnen wollen auch nicht die JünMen, die Jungmädel des BDM., fehlen. Obwohl sie schon auf den verschiedensten Ge­bieten tätig sind, haben sie sich eine neue Aufgabe gestellt. In allen Orten des Gaues Hessen-Nassau, in der Großstadt wie im kleinsten Dorf auf dem Land, übernehmen die Jungmädel ab sofort Ve- forgungsgänge, Einkäufe usw. für körperbehinderte und ältere Volksgenossen, sowie für kinderreiche Mütter. Dieser Einsatz des BDM. erfolgt in Zu­sammenarbeit mit dem Amt für Dottswohlfahrt der NSDAP. Anforderungen von Mädel sind an die NSV. und an die örtlichen Jungmädelfuhrerinnen zu richten.

Errichtung von zusätzlichen Kinder­gärten im Gau Hessen-Nassau.

NSG. Durch die Einberufung von Schaffenden zum Militärdienst sind viele offene Arbeitsplätze vorhanden, die mit Frauen besetzt werden können. Zahlreiche Dolksgenossinnen haben sich bereits für diesen Dienst am Volk zur Verfügung gestellt. Schwie­rigkeiten sind insofern nur entstanden, als die für den Arbeitseinsatz bereiten Frauen oft keine Versor- gungsmöglichkeiten für ihre Kinder haben. Um Lie­fern Zustand abzuhelfen, beabsichtigt die NSDAP., durch chr Amt für Vol'kswohlfahrt in allen Stadt- und Landteilen zusätzliche Kindergarten einzurich­ten. Ein ausgedehntes Netz von solchen Kinder­gärten soll ermöglichen, daß jede zum Arbeitsein­satz bereite Frau und Mutter ihren Pflichten Nach­kommen kann. Die zusätzlichen Kindergärten wer­den sie ihrer Sorgen um ihre Kinder entheben. Das Vaterland braucht viele einsatzbereite Kräfte, auch unter den Frauen, weshalb es die Partei als eine ihrer wichtigsten Aufgaben ansicht, gerade auf die­sem Gebiet helfend einzugreifen.

Dos Etadttheater spielt!

Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: In Anbetracht der gegenwärtigen Lage ist der Be­ginn der Spielzeit 1939/40 auf Freitag, 29. Sep­tember, verschoben worden. Die Spielzeit beginnt mit HebbelsAgnes Dernauer". Es folgenBe-

Der Täter mitten unter uns

Roman von Kurt Riemann

Copyright by Verlag Dskar Meister, Weröau L Sa.

30 Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)

,Hast du meinen Paß?"

Herrje... ich habe sogar vier Stück bei mir. Komm, verbrenne die drei andern vorsichtshalber!"

Er küßt nochmals die Schwester, streicht ihr übers Haar und geht.

Aufatmend lehnt Lizzy an der Tür. Vier Schritte bis zum Fenster... da... jetzt steigt er in die Taxe... fort! Gott sei Dank!

Der einzige Mensch, den sie noch auf Erden liebt, ist in Sicherheit.

Die andern?

Zwei scharfe Falten graben sich um ihren Mund Sie hat kein Interesse daran, auch nur einen zu schonen. Und ehe einer von ihnen Holgersons An­denken beschmutzte, ehe er hinging und der ahnungs­losen Familie erzählte, wer Asbjörn Holgerson wirklich war... Abenteuerer, Frauenjäger, Schul­denmacher, Spieler, Spekulant... nein, lieber soll­ten sie alle fallen... auch sie selbst, wenn es denn sein mußte. Sie alle wiegen den Einen, Einzigen nicht auf, den bedenkenlosen Abenteurer des Le­bens, den großen törichten Jungen Asbjörn Hol­gerson, den sie eine ganze lange Woche hindurch lieben durfte wie eine Frau ihren Mann...

26.

Werden Sie schweigen, Mr.Pembroke?

Die Zelle des Untersuchungsgefängnisses "rft fein Luxusappartement. Sie hat neben mancher Unter» schiedlichkeit vor allem den Nachteil, daß man sie nicht verlassen kann, wie man es will.

Und besonders dieser Umstand beginnt Joachim Hellmers auf die Nerven zu fallen.,

Luxus? Behaglichkeit? Er hat sie selten genossen und kaum begehrt. Er vermißt sie auch jetzt nicht.

zauberndes Fräulein", Operette von Ralf Benatzky, Die Freier", Lustspiel von Eichendorfs, undLa Traviata", Oper von Verdi. Seitens des Theaters werden alle Anstrengungen gemacht, die Auffüh­rungen auch unter den veränderten Umständen in vorbMlicher Weife herauszubringen und den Theaterbesuchern einen Spielplan zu bieten, der allen künstlerischen Anforderungen genügt. Alle Volksgenossen werden gebeten, durch zahlreichen Be­such dem Theater in seinen kulturellen und vater- landifchen Aufgaben zu helfen.

Giessener Wochen Marktpreise.

* Gießen, 12. Sept. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, kg 6 bis 7, Weißkraut 5, Rotkraut 7 bis 8, gelbe Rüden 7 bis 8, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 9, Bohnen, grün 13 bis 20, gelb 13 bis 18, Erbsen 20, Feldsalat, 1/io 10 bis 15, Tomaten, Vi kg 10 bis 13, Zwiebeln 8 bis

Aber da ist das Werk... und das Werk lauft ohne ihn!

Der Gedanke beginnt ihn zu quälen, ihn zu peinigen.

Wollte er nicht erst vor wenigen Tagen frei­willig gehen? Wollte er nicht alles hinwerfen und von vorn anfangen?

Ach, wie lange scheint ihm das schon zurückzu­liegen.

Die Zeit beginnt stille zu stehen, wenn man im­mer denselben Gedanken denkt: Was tun sie wohl jetzt? Wird Morell die neuen Maschinen regel­mäßig überprüfen? Wird ihm der erste Assistent nicht die Versuchsreihe in Unordnung bringen?

Man hat ja nur flüchtige Aufzeichnungen in Stichworten dagelassen. Vielleicht vermag er sich darin nicht zurechtzufinden?

Und dann die Pläne! Wo befinden sich feine Pläne? Der Polizeimensch, der ihn da aus dem Garten der Villa weg verhaftete, behauptete allen Ernstes, er habe sie selbst beiseite geschafft.

Lächerlicher Unsinn.

Aber wo sind sie...?

Wenn man nur Gewißheit hätte? Wenn dieser quälende Verdacht nicht im Herzen fressen würde, dieser Verdacht, der sich immer mehr zur Wahr­scheinlichkeit verdichtet, zu einer gräßlichen, ab­scheulichen Wahrscheinlichkeit, die er nicht wahr haben will, die nicht wahr sein darf! Nicht um seinetwillen! Aber um des einzigen Mannes willen, dem er etwas auf dieser Welt zu danken hat...

Und von neuem versinkt Dr. Hellmers in Grü­belei.

Der Wärter bringt das Mittagessen. Er setzt es wortlos auf den Tisch. Bohnensuppe. Das Fleisch schwimmt in geschnittenen Stücken darin, ein Messer vertraut man ihm nicht an.

Du lieber Gott, er hat nicht die Absicht, sich mit einem Messer etwas zuleide zu tun. Lustlos beginnt er sein Mahl zu löffeln.

Er hat gerade den letzten Bissen im Munde, da rasselt der Schlüsselbund schon an der Tür: der Wärter. Aber hinter ihm zeigt sich ein sehr schlan­ker junger Mann.

Den kenne ich doch! denkt Hellmers, das ist doch Allan Pembroke! Haben Sie eine Stunde Zeit für mich?"

14, Kürbis 8, Pilze 40, Kartoffeln, % kg 5 Rpf., 5 kg 40 Rpf., 50 kg 3,25 bis 3,45 RM., Falläpfel, % kg 5 bis 8 Rpf., Preiselbeeren 40, Aepsel 15 bis 30, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 10 bis 15, Mira­bellen 12 bis 20, Blumenkohl 10 bis 40, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 bis 20, Radieschen, das Bün­del 8 bis 10 Rpf.

** Morgen Schulbeginn. Am morgigen Mittwoch wird in allen Gießener Schulen der Un­terricht wieder ausgenommen. Die zuständigen Schul­behörden geben darüber heute Näheres bekannt. Hinsichtlich der Berufsschulen liegt bis jetzt noch keine Mitteilung vor.

** Die Ausgabe von Leo ensmittel- ausweiskarten und Spinnstoff- und Schuhbezugsscheinen findet von morgen ab m den Bezirksgeschäftsstellen des Ernährungsamtes statt.

Lächelnd streckt ihm der Besucher die Hand zum Gruß.

Ob ich Zeit habe? Die Frage rft nicht ohne Witz. Bitte, treten Sie ein, Mister Pembroke! Ich kann Ihnen zwar kaum irgendwelche Bequemlich­keit anbieten, Liegesofa, Klubsessel sind im Augen­blick nicht vorhanden. Also bitte!"

Aufgeräumt deutet Hellmers auf das harte Feld­bett. Er ist im tiefften Herzen froh, diesen Mann zu begrüßen, überhaupt wieder einmal mit einem Menschen zu sprechen.

Was verschafft mir das Vergnügen?"

.Zunächst, verehrter Herr Doktor, freue ich mich ganz offen, daß Sie so ruhig und vernünftig sind. Ich habe schon gefürchtet. Sie trösten zu müssen."

Warum? Mir fehlt hier nichts. Ich kann lesen, rauchen, schreiben... höchstens die persönliche Be­wegungsfreiheit entbehre ich. Na, das enffpricht den Umständen. Wird auch wieder anders werden!"

Um ihnen das zu sagen, bin ich im wesentlichen hier!" beginnt Pembroke.Ich habe keinen Augen­blick daran geglaubt, daß Sie, hm, als Mörder überhaupt in Frage kämen. Aber Sie werden ver­stehen, daß die Polizei nach den äußeren Tatbe­ständen trotz mancher Unwahrscheinlichkeit zunächst nicht anders vorgehen konnte."

Durchaus zugegeben. Ich habe auch niemand einen Vorwurf gemacht. Es würde mich nur freuen, wenn man sich ein wenig beeilen würde, den rech­ten Verbrecher zu fassen!"

Es wird nicht mehr lange dauern!"

Herrlich! Darf ich fragen, wer es ist?"

Pembroke zuckt die Achseln.Fragen dürfen Sie schon ... aber ich werde nicht antworten. Solange ich ihn nicht gefangen habe, verrate ich auch kein Sterbenswörtchen. Ja, ich muß Sie sogar bitten, noch einige Tage hier auszuhalten. Einmal, die Polizei kann Sie noch nicht freilassen, weil noch keine sachlichen Gegenbeweise Ihre völlige Unschuld darlegen. Zum andern, ich will Sie auch noch hier­behalten, denn das Gefängnis ist zur Zeit der einzige Ort, an dem Sie sich wirklich in Sicherheit befinden."

Sprachlos starrt Hellmers fein Gegenüber an.

Was ist denn das? Was soll denn das heißen? Warum soll er denn gerade hier allein sicher sein? Wer will denn etwas von ihm?

Landkreis Gießen.

£ Oppenrod, 12. Sept. Unser Mitbürger Gastwirt Heinrich Weller wird am 14. Septem­ber 82 Jahre alt. Der alte Herr ist körperlich und geistig noch sehr rüstig und hat noch immer seinen goldenen Humor. Die Gastwirtschaft, die er seit 1887 innehat, ist bereits seit 1813 in Familien­besitz. DerGießener Anzeiger" wird bereits über 5 Jahrzehnte von ihm bezogen. Dem Jubilar zum Geburtstag auch unsere besten Glückwünsche.

Wirtschaft.

Oie neue Regelung des Mehlbezuges.

FWD. Von zuständiger Stelle wird zur Klarstel­lung etwa bestehender Zweifel darauf hingewiesen, daß die Bezugsscheinpflicht für Mehl sich vorläufig nur auf die Belieferung der versorgungsberechtigten Verbraucher erftredt. Die Belieferung der Einzel­handelsgeschäfte darf daher ebenso wie die Liefe­rung an Mehlgroßverteiler bis auf weiteres ohne Abgabe der vorerst nur zu Konttollzwecken beftimm- ten Kartenabschnitte und ohne Bezugsschein in der bisher üblichen Form vorgenommen werden.

Rhein-Mainische Börse.

Aktien nachgebend.

Frankfurt a. M., 11. Sept. Zum Wochen­anfang entwickelte sich an der Börse nur sehr kleines Geschäft. Am Aktienmarkt ließen die Kurse unter dem Druck der starken Gefchäftsstille überwiegend leicht nach, da den kleinen Abgaben kaum Aufnahmeneigung und nur mäßiges Kauf- intereffe gegenüberstanden. Zwar war die Entwick­lung nicht ganz einheitlich, vorwiegend ergaben sich aber durchschnittliche Rückgänge von 0,50 bis 1 v. H. Etwas mehr rückläufig waren Lcchmeyer auf 108 (110), Heidelberger Zement auf 135,50 (137,50), Scheide anstatt auf 220 (221,50) und noch Pause Eonti-Gummi auf 209,50 (216) sowie Adlerwerke auf 90 (91,50). Von den führenden Papieren brät« kelten JG.-Farben auf 159,25 (159,90), Verein. Stahl auf 96,75 (97) und Klöckner auf 116,25 (117) ab, während Siemens auf 196 (195,50), ferner DDM. auf 178 (177,50) und Licht & Kraft auf 133,25 (133) befestigt waren.

Der R e n t e n m a r f t lag still und nach wie vor ziemlich gut behauptet. Die üblichen leichten Schwankungen zeigten Industrie-Obligationen und Liqutdcttionspfandbriefe. Pfandbriefe, Stadtanleihen und Staatspapiere wiesen durchweg die letzten Kurse auf, einzelne LänderaNlethen bröckelten etwas ab. Im Freiverkehr erholten sich Kummunal-Um- schuldung auf 93 (92,75).

Der Verlauf war fast völlig geschäftslos und überwiegend weiter schwächer. Mangels Umsätze hörte man aber nur niedrigere Kurse von etwa 0,25 bis 0,75 v. H. Schwach waren Westdeutsche Kaufhof, die von anfangs 81,40 auf 79,50 Brief, und Rheinstahl, die von 129 auf 128,50 Brief nach­gaben. Bei den später notierten Papieren gingen die Abweichungen bis 1 v. H., es überwogen Rück­gänge. JG.-Farben schwankten bei 159,25 bis 159 bis 159,25.

Der Freiverkehr war geschäftslos. Tages­geld unv. 2,25 v. H.

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 11. September. Infolge des fortschreitenden Drusches bleiben die Anlieferungen an Brotgetreide gut. Für Weizen bekunden die Mühlen weiterhin Aufnahmeneigung, während der Roggenabsatz infolge der reichlichen Versorgung der Betriebe schwieriger ist. Braugerste hat normales Geschäft. Futtergerste ist gefragt, hat aber nur klei­nes Angebot. Auch Hafer verzeichnet nur kleine Anfuhren, da der Drusch zumeist erst beginnt. Der Mehlmarkt liegt etwas ruhiger. Die Futtermittel­versorgung ist weiter günstig. Oelkuchen bleiben be­gehrt, Muhlennachprodukte frnb noch sehr reichlich vorhanden. Stroh findet nur wenig Nachfrage, da­gegen ist Heu sehr gesucht. Alle Notierungen blieben unverändert.

Frankfurter Schlachtviehmarkt.

Frankfurt a. M., 12. Sept. (Dorbericht.) Ilm 10 Uhr war folgende Marktlage: Sorauf trieb: 420 Kälber, 30 Hümmel und Schafe, 662 Schweine. Es kosteten: Kälber 30 bis 65 RM., Hümmel 40 bis 50, Schafe 25 bis 42, Schweine 52 bis 61 RM. Marktverlauf: Kälber und Schweine zugeteilt, Schafe und Härnmel flott.

Ich kann Ihnen nicht sagen, wer Sie bedroht!" fährt Pembroke fort, als hätte er dem andern die Gedanken von der Stirn gelesen.Aber ich bin fest überzeugt, daß es Ihnen eines Tages genau so gehen würde wie dem unglücklichen Holgerson. Und dafür ... sind Sie uns zu schade!"

Das begreife, wer will!" springt Joachim auf. ,Hch habe keinem Menschen was zuleide getan ..

... aber Sie sind eben da, heißen Hellmers und halten die Fäden des Betriebes in der Hand. Das genügt bei weitem!"

Und geschickt lenkt Pembroke ab:Doch kommen wir zu der Frage, die mich am meisten interessiert, zu einer Frage, die vielleicht, ja, ich glaube fast, sicherlich den Schlüssel zu all den geheimen Vor­gängen bildet. Wo vermuten Sie die Pläne? Ihre Pläne, Dr. Hellmers?"

Das fragen Sie mich?"

Fa, Sie allein können nämlich beurteilen, wer sich dafür interessieren könnte. Von dem Zeitungs­märchen, das ich eigens erfunden habe, wollen wir bitte schweigen. Sie selbst stehen natürlich außer jedem Verdacht!"

Sie haben das erfunden? Ja, zum Teufel, das ist doch wirklich ein starkes Stück!"

Ein leider notwendiger Schachzug. Gedulden Sie sich noch einige Tage, dann werden Sie alles be­greifen, vielleicht werden Sie uns dann auch ver­zeihen!" sagt Pembroke und legt ihm begütigend bie Hand auf den Arm.Und nun kramen Sie einmal in Ihrem Gedächtnis! Wer könnte für diesen Diebstahl in Frage kommen? Bedenken Sie ... es steht mehr als nur etwa das Interesse einer Firma auf dem Spiel!

.Wer Ihre Pläne anderen zugänglich macht, stiehlt uns Millionen von Lizenzgebühren."

Schweigend geht Hellmers auf und ab. Der Ver­dacht! Der widerliche Verdacht! ...

Es ist ja kaum eine andere Erklärung möglich. Nur einer kann sie haben, einer, der sie ihm da­mals abkaufen, abzwingen wollte, ah ... aber den kann er doch nicht verraten! ...

Nehmen Sie keine Rücksicht, Doktor!" mahnt Pembroke eindringlich.Hier können Sie es nicht mehr verantworten, irgend jemand zu decken! Selbst ... den eigenen Vater nicht!"

(Fortsetzung folgt.)