Ausgabe 
12.9.1939
 
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m. 213 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefjen)Dienstag, 12. September 1939

Aus der Stad« Gießen. Neue Maßnahmen im bürgerlichen Recht

Nachbarschaftshilfe stärkt die innere Front

wentzung der Bezugsscheine und in zeitgemäßem Kochen, in Ersparnis von Material, das wir nur in beschränkten Mengen besitzen. Rezepte werden überall ausgegeben. Nähstuben helfen für das Deut­sche Rote Kreuz und die NSV. Kleidungsstücke ar­beiten. Durch die Rückwanderer, die den Gau Hessen- Nafsau berühren, wird hier jede Hand gebraucht. Selbstverständlich ist, daß die Nachbarin, deren Mann eingezogen wurde und die mit ihren Kindern allein geblieben ist, so manchen Rat braucht. Sie wird ausgesucht und wo es geht tatkräftig unterstützt.

Die NS.-Frauenschast = Deutsches Frauenwerk hat in diesem Kamps eine große Aufgabe zu leisten, die sie niemals ungelöst abgeben wird. Es sei ihr Dank an den Führer, helfen zu können. Die deutsche Frau stecht fest in der Front der Heimat und wird niemals versagen.

Jede deutsche Frau stellt ihre Arbeitskraft in die­ser Zeit zur Verfügung und reiht sich ein, wo sie kann, um mitzuhelfen an der Erhaltung ihres Vol­kes. Zum Dienst am Vaterland und zur Stärkung der inneren Front, die unseren tapferen Soldaten mit zum Sieg verhilft, weidet sich jede Frau bei der Dienststelle der NS.-Frauenschaft = Deutsches Frauen­werk ihrer zuständigen Ortsgruppe.

Ausbildung der Gesundheitsdienst- mädel für den Werklustschuh.

NSG. Die Gesundheitsdienstmädel, die als Mit­arbeiterinnen der Betriebsjugendwalterin in den Betrieben tätig sind, haben im Rahmen des Werk­luftschutzes neue Aufgaben erhalten. Die Mädel im Gau Hessen-Nassau, die bisher noch keine Schulung erhalten hatten, befinden sich zur Zeit bis auf wenige Ausnahmen in Ausbildung. Sie stellen zweifellos eine wertvolle Hilfe für den Ernstfall

1 dar.

rechtliche Ansprüche nur mit Genehmigung des Reichsministers der Justiz vor deutschen Gerichten geltend machen.

Die Zwangsvoll st reckung unterliegt bis auf weiteres erheblichen Einschränkungen. Sämt­liche Verfahren zum Zweck der Zwangsversteige­rung von Gegenständen des unbeweglichen Ver­mögens sind kraft Gesetzes einstweilen eingestellt. Ein bereits ergangener, noch nicht rechtkräftiger Zuschlagsbeschluß ist von Amts wegen aufzuheben. Die Versteigerung gepfändeter beweglicher Sachen ist unzulässig. Derkaufsverfahren sind kraft Gesetzes aufzuheben. Im übrigen kann das Vollftreckungs- gericht Maßnahmen der Zwangsvollstreckung jeder An ganz oder teilweise aufheben, untersagen oder einstweilen einstellen, wenn dies im Interesse des Schuldners dringend geboten ist und dem Gläubiger nach Lage der Verhältnisse zugemutet werden kann.

Die Eröffnung des Konkursverfahrens ist bis auf weiteres nur auf Antrag des Schuldners zulässig.

Die Verjährungsfristen sind bis auf wei­teres gehemmt; das gleiche gilt für Fristen, die für die Beschreitung des Rechsweges oder für ander­weitige Geltendmachung von Rechten im gericht­lichen Verfahren vorgeschrieben sind. Die besonde­ren Rechtsfolgen, die nach Gesetz oder Vertrag für den Fall der Nichterfüllung oder nicht rechtzeitigen Erfüllung vorgesehen sind, treten nicht ein, wenn der Schuldner durch die besonderen Verhältnisse der gegenwärtigen Lage gehindert wird, eine nach dem 25. August 1939 fällig gewordene Verbindlich­keit zu erfüllen.

NSG. In früheren Jahren war die Nachbar­schaftshilfe besonders auf dem Lande eine Selbst­verständlichkeit. Das ist sie dank der neuen Volksge­meinschaft im nationalsozialistischen Staat auch heute wieder geworden. Das Deutsche Fvauenwerk hat es sich schon seit zwei Jahren zur Aufgabe gemacht, diese Nachbarschaftshilfe planmäßig zu organisieren, um sie in beisonderen Fällen nutzbringend einsetzen zu können. .

In diesen Tagen treten nun an die Nachbar­schaftshilfe besonders große Aufgaben heran. Auf dem Lande sind die Kinder der Bäuerin zu betreuen, da die Mutter oft den Mann auf dem Felde mit­ersetzen muß und nach schwerer körperlicher Arbeit nicht mehr genug Zeit und Ruhe findet, sich der Pflege ihrer Kinder, der Ordnung in ihrem Haus­wesen, der Sauberhaltung von Kleidern und Wäsche usw. zu widmen. Es gibt unendlich viel Gelegen­heiten, bei denen die Nachbarin eingreifen muß.

Im Gau Hessen-Nassau läuft die Nachbarschafts­hilfe bereits reibungslos. Was in den vergangenen Jahren Selbstverständlichkeit wurde, wird in der augenblicklichen Zeit zu einer heiligen Verpflichtung. Fragt man die Ortsfrauenschaftsleiterin einer Land­ortsgruppe, so hört man von immer neuen Aus­gaben, die oft ganz unerwartet kommen. Eine tüch­tige Ortsfraueckschaftsleiterin läßt sich aber niemals verblüffen. Was auch kommen mag, sie hat viele ältere Mitarbeiterinnen, die jederzeit bereitstehen, zu helfen. Manche Frau, die bisher den Weg zur großen deutschen Frauenorganisation nicht finden konnte, stellt sich heute gern mit in die Front der opferbereiten Frauen.

Wieder anderer Art sind Die Anforderungen, die an die Nachbarschaftshilfe der Standortsgruppen ge­stellt werden. Fast in allen Kreisen wurden von der NS.-Frauenschaft Beratungsstellen eingerichtet rn denen die Hausfrauen beraten werden, in der An-

Die Justizpressestelle Frankfurt a. M. teilt fol­gendes mit:

Der Ministerrat für die Reichsverteidigung hat durch Verordnung vom 1. September 1939 ein- chneidende Maßnahmen auf dem Gebiete des bür­gerlichen Streitverfahrens, der Zwangsvollstreckung, des Konkurses und des bürgerlichen Rechtes ge­troffen.

JnbürgerlichenRechtsstreitigkeiten wird danach das Verfahren unterbrochen, wenn eine Partei durch die besonderen Verhältnisse, die ich aus der gegenwärtigen politischen Lage ergeben, betroffen ist. Die Unterbrechung tritt nicht ein, wenn der Betroffene durch einen Prozeßbevoll­mächtigten oder sonst einen berufenen Vertreter vertreten ist. Auf Antrag des Vertreters kann jedoch das Gericht das Verfahren aussetzen. Der Vor- itzende des Prozeßgerichts kann auf Antrag oder ;on Amts wegen einen Vertreter für den Rechts­treit bestellen, wenn dies zur Verhütung wesent­licher Nachteile erforderlich erscheint. Hinsichtlich der Behandlung der nicht unterbrochenen oder ausge- etzten bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten gilt folgen» res: In der Zeit bis zum 30. September 1939 bür­en Dersäumnisurteile und Urteile nach Lage der Akten nicht zum Nachteil der säumigen Partei, so­wie ferner kein Vollstreckungsbefehl erlassen wer­den. Das Gericht kann auch auf Antrag oder von Amts wegen das Ruhen des Verfahrens, oder dis Vertagung einer Verhandlung anordnen. An­gehörige der vom Reichsminister der Justiz zu be­stimmenden Staaten, die in diesen Staaten ihren Sitz haben, können bis auf weiteres vermögens-

Oie Fünfer-Zahl.

Diele Tausende deutscher Familien haben in den letzten Tagen auf die vorgedruckte Feldposttarte ihres Soldaten gewartet, die ihnen die Feldpost­nummer und die Postsammelstelle mitteilen sollte. Diese erste Botschaft aus dem Felde traf bald früh, bald einige Tage später ein. Einige Familien hatten diese Anschrift bereits am 3. September, andere erst vier Tage später. Es tut nun nicht gut, die Freude über diese erste Nachricht allzu laut zu verkünden und gewissermaßen mit Trompetenton hinauszu­schmettern. Denn wer noch auf die Botschaft wartet, ist unwillkürlich betroffen, daß der Nachbar die Karte schon besitzt. Er wird sich zwar nichts an­merken lassen, aber das Spiel der Augen ist wie wir aus Erfahrung wissen doch recht eindeutig. Selbstverständlich ist es kein Geheimnis, eine solche Erstlingsbotschaft zu erhalten; nur der Schmetter­ton ist verpönt.

Und was von der Erstlingsbotschaft gilt, gilt von der Feldpost ganz allgemein. Der Name Feldpost sagt schon, daß es sich nicht um eine normale Post- zustellung handelt, und auch unsere Frauen werden volles Verständnis für die Eigenart dieses Betrie­bes haben, wenn sie wissen, daß die Feldpost von den Kommandos der einzelnen Verbände bei den Feldpostämtern abgeholt und angegliedert wird. Die Feldpost arbeitet also nur bis in die vordere Etappe, und auch das ist schon reichlich schwer in einem Feldzug, in dem die Schnelligkeit und Wen­digkeit der Truppenbewegung zu einem wesent­lichen Element des Operationsplans geworden ist. Alle möglichen Verkehrsmittel werden eingestellt, um die äußerste Beschleunigung bis zu dem vor­dersten Feldpostamt zu gewährleisten.

Dort aber übernimmt die Führung des einzelnen Verbandes die Abholung oder Anlieferung der Post. Wenn dieser einzelne Verband auf dem Marsch oder im Kampfe ist, so tritt selbstverständ­lich der Gedanke an die Feldpost zurück. So ist es denn auch schon in diesen ersten zehn Tagen häustg genug vorgekommen, daß ein regelrechter Feldpost­brief einlief, der auf einen anderen Brief Bezug nahm, der erst in ein oder zwei Tagen den Adres­saten erreichte. Aber jedermann kann die Gewißheit haben, daß die äußerste Beschleunigung angestrebt wivd, und er kann diese Gewißheit schon aus der technischen Einzelheit herauslesen, daß die Feldpost- mimmern fünfstellig sind. Denn dadurch soll er­reicht werden, daß'auch die kleinsten Truppenteile bei einer Verlegung zu einem anderen Heeresver- band unter derselben Feldpostnummer unter Ver­meidung einer neuen Anschrift erreichbar sind!

Dornotizen.

Tageskalender für Dienstag.

Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherbergungs- aewerbe, Kreisgruppe Gießen: 15 Uhr Saalbau, Liebigftraße, Kreisverfsmmlung. Gloria-Palast, Seltersweg:Der Vorhang fäll?'.

NGD., Ortsgruppe Mitte.

Am Mittwoch, 13. September, findet im Bereich der Ortsgruppe die Lebensmittelopferringsammlung statt. Die Hausftauen werden gebeten, nur Geld­beträge zu spenden.

NGL., Ortsgruppe Gießen-Güd.

Vom Dienstag, 12., bis Donnerstag, 14. Septem­ber, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Sud die Lebensmittel-Opferringsammlung für den Monat September 1939 durch die NS.-Frauenschaft statt. Die Einwohnerschaft der Ortsgruppe wird gebeten, für Lebensmittel einen entsprechenden Geldbetrag zur Verfügung zu stellen.

Ausbau der sozialen Betreuung durch die NSDAP.

NSG. Im Zuge der neuen Ausgaben der NSDAP., die sich aus der gegenwärtigen Lage er­geben, sprach der Gauobmann der DAF., Willi Becker, zu den Kreisobmännern und Abteilungs­leitern der Gauwaltung. Den Ausbau der sozialen Betreuung und die Sicherung des sozialen Frie­dens stellte der Gauobmann als den Mittelpunkt der gegenwärtigen Arbeit dar. Als wesentlichen Faktor der Arbeit der DAF. bezeichnete er dis Fortführung der Freizeitgestaltung durch die NS.« GemeinschaftKraft durch Freude".

paß- und Sichtvermerkzwang.

Der Reichsführer ff und Chef der deutschen Polizei im Reichsministerium des Innern teilt amt­lich folgendes mit:

Im Reichsgesetzblatt erscheint heute eine Verord­nung des Reichsminisiers des Innern über den Paß- und Sichtvermerkszwang, sowie über den Ausweiszwang, die am 12. September 1939 in Kraft tritt.

Nach dieser Verordnung besteht für den Grenz- Übertritt nach wie vor allgemeiner Paßzwang. Der Paß bedarf, wenn der Paßinhaber das 6. Lebens­jahr vollendet hat, vor dem Grenzübertritt eines Sichtvermerkes der zuständigen deutschen Behörde. Zuständige Sichtvermerk-Behörden sind für alle Personen, die nicht im amtlichen oder parteiamt­lichen Auftrag ins Ausland reifen, die Kreispolizei­behörden, im Protektorat Böhmen und Mähren die Oberlandräte. Vor dem 12. September 1939 erteilte deutsche Sichtvermerke sind ungültig.

Die Verordnung schreibt weiter vor, daß sich alle über 15 Jahre alten deutschen Staatsangehörigen und Angehörige des Protektorats Böhmen und Mähren auf amtliches Erfordern jederzeit durch einen amtlichen Lichtbildausweis über ihre Person auszuweisen haben. Deutschen Staatsangehörigen, die einen gültigen amtlichen Lichtbildausweis noch nicht besitzen, wird empfohlen, bei ihrer Kreispoli­zeibehörde die Ausstellung einer Kennkarte zu be­antragen.

Ausländer bleiben wie bisher verpflichtet, sich beim Aufenthalt im Reichsgebiet jederzeit durch einen Paß über ihre Person auszuweisen.

HI. Bann und Untergau 116.

HJ.-Veranslallungsring.

Die Gefolgschafts- und Fähnleinführer, sowie die BDM.- und JM.-Gruppenführerinnen fassen die eingegangenen Beitrittserklärungen zum HJ.-Ver- anstaltungsring auf Listen zusammen und liefern diese bis zum 20. September ab.

Nur Verkauf von Neffbeftänden.

Keine Neuanfertigung unnötiger Textilwaren. 3

FWD. In diesen Tagen ging eine Mitteilung durch die Presse, daß die Bezugsscheinpflicht für Textilien in absehbarer Zeit eine gewisse Lockerung erfahren würde. Es wurden dabei einige Beispiele angeführt, wie Kaffeedecken, Gesellschaftskleidung, Teppiche ufro* Eine Verallgemeinerung dieser Beispiele wäre irre­führend. Es konnte bei der erwähnten Mitteilung selbstverständlich nur die Rede davon sein, daß die hier und da auch bei kleinen Geschäftsinhabern noch vorhandenen Restbestände ausverkauft werden dür­fen, damit sie nicht dem Verderb ausgesetzt werden und so zu einer schweren Schädigung von wirtschaft­lich Schwachen führen. Von einer Neuanfertigung dieser Textilwaren, die für den täglichen Bedarf in keiner Weise notwendig sind, kann selbstverständlich im Interesse der Versorgung der breiten Masse der Bevölkerung mit lebensnotwendiger Kleidung keine Rede sein.

Kleines Erlebnis mit Emil Jannings.

Mitunter ergeht es mir seltsam, wenn ich

ins

der

Ge­

wissen es ja: das Korn ist reif. Da hat der Bauer keine Zeit für Grappenkram, der alte nicht und der junge auch nicht.

Hochschulnachrichten.

Es sind ernannt worden: zum Ministerialdirektor im Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung der Chef des Amtes für Wissenschaft Professor Dr. Mentzel; zum Ministerialdirigenten im Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung der Ministerialrat Dr. H i e ck e ; zum beamteten Lehrer und Professor bei der Staatlichen Hochschule für Kunsterziehung in Berlin-Schöneberg der nichtbeamtete künstlerische außerordenlliche Lehrer Walter KlinkerLin Berlin. >

lehrten und Forschers gestaltet hat.

In der Reichshauptstadt kennt man mich vom Theater her als einen Menschen von Fleisch und Blut, aber draußen im Reich haben mich die meisten Menschen nur im Film gesehen; und wenn ich nun einmal hinausfahre, bann kommt es nicht nur immer wieder vor, daß die Leute mich un­verwandt ansehen, sondern dann tritt vielleicht auch einer auf mich zu, ein wildfremder Mensch, legt mir behutsam scheu die Hand auf die Schulter, faßt mich am Arm, befühlt gar meine Muskeln. Jannings, ja, ja..."

Immer bin ich für ihn nur ein Schatten auf der Leinwand gewesen, und nun ist es so, als wollte er sich vergewissern, ob hinter diesem Schat­ten wirklich ein leibhaftiger Mensch stehe.

Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich bei dem Gedanken, daß diese Menschen alles von einem wissen; sie wissen, wie ich liebe und wie ich hasse, wie ich mich betrage, wenn ich glücklich bin, wie ich meine, wie ich schlafe. Ja, sie kennen mich ganz, und ich weiß nichts von ihnen. Ein Vertrauter bin ich ihnen, und ich kenne sie nicht. Aber bin ich ihnen noch Jannings? Bin ich ihnen nicht der Dorfrichter Adam, der Herrscher oder irgendeiner sonst? Ihr schlichtes Gefühl setzt mich den Rollen gleich, in denen sie mich gesehen haben. Bin ich ihnen also doch nur ein Schatten?"

Das hatte Jannings ganz unvermittelt gesagt, und der Ausdruck seiner Augen schien dabei ent­rückt. Es war wie ein Verwundern in ihnen und wie eine uneingeftanbene Bangigkeit. Und so un­vermittelt, wie Jannings diese Bemerkung begon- I nen hatte, brach er sie wieder ab, als ob er dem Gefühl der Gespaltenheit des Schauspielers in Wirklichkeit und schattenhaften Schein entfliehen wollte. Robert Biedeköpper.

Reich hinausfahre", erzählte Emil Jannings, der soeben in dem Tobis-FilmRobert Koch, der Be- kämpfer des Todes" den Mythos des deutschen Ge-

panq.

Was er denn hier will, fragt der Bauer. Ob er nicht arbeiten will für Lohn und gutes Esten c

Ja, das will er dann wohl tun.

Und Klaus arbeitet auf fremdem Acker und kommt mit der Sense, die nicht seine eigene sit, gut voran. Das macht, er hat feinen Zorn noch; Der muß heraus und fließt nun mit dem Schweiß Der Arbeit von feiner Stirn.

Wo er denn her ist, fragt ihn der Dauer beim Frühstück.

Aus Bredin. . , r ,

Ob sie denn da ihr Korn schon drinnen haben. Nein, das haben sie nicht.

Der Bauer schweigt und denkt sich was. Klaus geht wieder an die Arbeit. Es ist ein heißer Tag, Ein rechtes Erntewetter.

Klaus sinkt am Abend müde ms vorjährige Stroh. Aber er kann keine Auge zutun. Das ftorn denkt er das Korn. Und wenn nun bas Wet­ter umschlägt unb ein langer Regen kommt.Nein, er kann gar nicht schlafen. Er hat keinen Zorn mehr zu verschlafen. Heulen könnte er, und weiß nicht warum, will es auch nicht wissen.

Es ist doch besser, er geht in die Stadt. Da braucht er das gelbe Korn nicht mehr zu sehen, tanu es vergessen, es geht ihn ja nichts, mehr. an.

Mitten in der Nacht steht er auf, schnürt sein Bün­del wieder zurecht und tritt in den Mondschein hinaus. Will er denn feinen Lohn fahren lassen? __ WM er wohl. Der bessere Lohn kommt nach.

Der junge Mensch holt gewaltig aus. Aber jetzt muß er es doch wohl merken, daß er nicht der Stadt zuschreitet, sondern in Richtung auf Bredin. Was hat er denn dort noch zu suchen? Er fragt ich selbst, und zur Antwort lacht in ihm ein schöner Aedanke und ruft ihn auf, sich zu sputen.

Aber der Weg nach Hause ist so weit, mie fein Zorn wild war. Und so wach sein Herz auch ist, seine Knochen sind müde.

Er ist wohl schon eine Stunde unterwegs, da kommt er an die Molkerei von Groß-Breese und hört schon von weitem das Geklapper der Kannen und laute Rebe. Er tritt in 'den Lichtkreis der Männer, die ihn erstaunt mustern.

Der ist doch aus Bredin, meine ich", sagt einer. Und Klaus Martin spricht:Ein wenig kennst du mich doch, das ist gut; denn ich möchte, daß du mich mitnimmst. Zwischen deinen Kannen wird wohl ein Maß für mich sein, dann bin ich in der Frühe des Dages zu Hause. Ich bin Klaus Martin vom Oster­hof."

Die Männer stimmen zu.Und läufst hier m Nacht herum. Was treibt dich denn her?"

Klaus Martin überlegt nicht lange.Ich bin in der Stadt gewesen; aber da finde ich keinen, Der uns das Korn mähen hilft."

Sie mögen ihn für einfältig halten, es ist ihm .einerlei. Er setzt sich dann wirklich zwischen Die Kannen, legt bald seinen Kopf auf bas Sünbcl, unb ob es auch schüttert und schaukelt und stoßt, Klaus Martin kann schlafen.

Sie Sonne kriecht eben über den Busch, da hält der Wagen.

He du!

fiat er es denn wirklich geschasst? Was träumte ihm denn, daß er jetzt ja fröhlich ist? Mit, dem Fährlohn spart er nicht, ist er dach wieder der junge Bauer oom Osterhof. Da soll man nicht hmter ihm Herreben.

Das Dorf liegt noch im Schlaf. Der Osterhof schläft gewiß auch. Aber Klaus überzeugt sich mchr davon; er geht gleich den Feldweg hinaus bis an die Koppel, von wo bas angeschnittene reife Korn nach ihm gerufen hat.

Seine Sense finbet er im Busch, wo er sie nach bem Anschnitt neulich verwahrt hat. Er zieht sie heraus, löst ben Streich - unb nie klang ihm ein Glockenläuten freubiger als nun, ba er seine Sense abstreicht: Schäng päng, schang pang.

Drei Stunben später quietscht eine Karre durch ben Weg. Der Alte, ber sie schiebt, hebt den Kopf, als er an die Koppel kommt. Aber gesagt haben sie beide nicht viel. Was sollen sie auch jagen?. Sie

Das Korn ist reif.

Von Wilhelm Gerd Kunde.

Da geht einer durch die sonnige Morgenfrühe und ist so zornig und freudverlassen, daß er die Lerchen nicht fingen hört, die über dem gelben Kornfeld tanzen. Sein Schnürbündel trägt er am Meinen über der Schulter und haut seinen Knoten- stock durch die Luft.

Klaus Martin hat im Streit seinen Vater ver­lassen und den Hof dazu. Der Hof ist ihm vergällt, sagt er. Und in der Stadt mag es wohl Arbeit für ihn geben, sonst geht er eben zur See.

Aber Klaus kommt nicht bis in die Stadt und zur See fährt er auch Nicht. Er wandert und laßt die Dörfer hinter sich. Sein Zorn flattert rote eine düstere Fahne feinen Schritten voran. Zwei Tage lang sieht er an seinen Wegen das reife Korn. Hier und dort klappern Maschinen mit Hott und Hua. Daheim wird noch mit der Senfe gemäht, denn er. Und weiß, wo er seine eigene Senfe im Busch ver­steckt hat. Ja, wird denn überhaupt gemäht daheim? Soll der Alte zufchen, wo er einen Knecht be­kommt! Ihn gcht das nichts mehr an Und die Senfe mag im Busch rosten wie sie will.

Aber Das Korn, Klaus? Das Korn? Mag es denn verfaulen, wenn keiner da ist, es zu schneiden.

In einer Scheune fand Klaus ein Obdach für Die Nacht. Und am Morgen weckt ihn das Sensen­streichen wie Glockenläuten: Schäng pang schang

Deutschlands Kampf.

Im Gloria-Palast läuft der erste Film« streifen von der Front. Mit erschütternder dokumentarischer Treue zeigt er ben unmittelbaren Anlaß dieses Kampfes, den man Deutschland auf- gezwungen hat, den furchtbaren Terror, den sich überall in den Grenzgebieten die Polen gegenüber ben Volksbeutschen haben zu Schulben kommen lassen, unb die frivolen Grenzverletzungen, die sich die Polen in blindem Vertrauen auf ihren briti­schen Verbündeten erlaubt haben, bis bas Maß voll war unb deutsche Truppen zur Rettung deutscher Volksgenossen und zur Wahrung deutschen Rechts und deutscher Ehre zum Gegenschlag antraten. In ergreifenden Szenen erleben wir ben jubelnden Auf­schrei einer von ihren Peinigern befreiten Bevölke­rung, ben Vormarsch aller Waffengattungen, ben keine feinblichen Wegsperren unb Brückensprengun­gen aufhalten können und schließlich besonders ein­drucksvoll die Beschießung der von den Polen als Stützpunkt ihrer Macht im Danziger Hafen stark ausgebauten unb zäh verteibigten Westerplatte.

*

Als Spielfilm läuftSchuß im Rampen« licht" nach einem Theaterstück von Paul van der Hurck. Der Spielleiter Georg Jacoby hat alle Auswirkungsmöglichkeiten ber eigenartig prickelnben Mischung von Bühne und Verbrechen für ben Film erkannt und ausgeschäpft. Schauspielerrivalitäten, Liebe und Eifersucht wirbeln ein ganzes Ensemble toll burcheinanber. Mit brutalem Zynismus wechselt ber Theaterdirektor, bem Rudolf Fernau eine eisige, herzlose und gefühlsrohe Maske gibt, mit feinem erotischem Interesse auch die Protektion sei­ner Künstlerinnen. In einer oberflächlichen unb ver­schlagenen Diva, beren Rolle Hübe Sessak mit bohler Koketterie angelegt hat, finbet er seinen Gegenpart, besten Doppelspiel ihn zu wahnsinniger Eifersucht aufpeitscht. Die Diva wird mitten in einer großen Szene erschossen. Die Suche nach bem, Täter begegnet ben größten Schwierigkeiten, es sind zu viele, die sie haßten. Die aus der Liebe des Direk­tors und aus ihrer Rolle oerbrängte Rivalin, dis Anneliese Uhlig in vornehmer Verhaltenheit spielt, gerät in nicht unbegründeten Verdacht, aber auch ber von ber Diva mißhandelte Regisseur (Karl Kuhlmann), der frühere Liebhaber der Diva, ein verkommener Musiker (Alexander Engel) und ihr jetziger Liebhaber, ein Tenor (Rolf M o e b i u s) und eine rührende Kleine, die ihn anbetet (Elfte Mayernhofer) kommen als Täter in Frage. Der Kriminalkommissar (Gustav Knuth) hat Mühe, die Fäden zu entwirren. Mit wachsender Spannung folgt man ben Verhören, die immer wieder wechselnde Aspekte zulassen. Schließlich tut sich die Tragödie einer sich selbst opfernden Siebe auf, die über Schuld und Sühne ben Schleie? ewigen Geheimnisses zieht» fr, W. Lang^ >