Ausgabe 
12.9.1939
 
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nicht wenmger als 76 Millionen Dollar verteilt worden! Auch die damalige britische Regie­rung war eine Gesellschaft zur Verbreitung von Greuellügen. Roch am 4. Mai 1917 erklärte Lord Cecil, der spätere sanfte Völkerbundsapostel, die Nachricht, daß die deutsche Regierung Fett aus Soldatenleichen ziehe, sei nicht unglaubwür­dig, er habe als Minister die Verbreitung dieser Nachricht durch die üblichen Kanäle zugelassen. So vergiftete das amtliche England die öffentliche Mei­nung der von ihm abhängigen Völker!

Militärische Kritiker wie chilaire Belloc ver­kündeten (The Jssue, S. 3739), die Vernichtung der deutschen Macht sei die Vorbedingung für die Rettung der Zivilisation (wie England sie versteht), weitere Vorbedingungen seien die Absetzung der chohenzollern, die Ueberwindung des natürlich preußischen Militarismus, und dann der Gewalt­friede. Denn ein Sieg Englandswird uns zu Her­ren der Loge machen mit der Macht, zu diktieren, wie die neuen Grenzen kaufen sollen, wie die Zu­

gänge zu den Märkten des Ostens offen gehalten, besetzt und garantiert werden sollen. Wenn diese Ausgabe unsere Kräfte übersteigt, dann hat die Zivilisation eine Niederlage erlitten und es ist aus damit." BritischeGelehrte" bewiesen der Welt, daß Deutschland die Schlinge gelegt hat, um England zu fangen!" Deshalb müsse, wie Bottomley jeden Tag imJohn Bull", der 1200 000 Auslage hatte, schrieb, jeder Deutschewie Ungeziefer aus­gerottet werden". Sir Arthur Conan Doyle, der Verfasser der Sherlok-Holmes-Geschichten, aber schrieb am 26. Dezember 1917 in derTimes" von ,ch e r Bestialität der deutschen Nation".

Heute wie in den Jahren des Weltkrieges werden dieselben Lügen, dieselben Metho­den dieserRetter der Zivilisation" gegen uns an­gewendet, heute wird abermals das Vorhandensein einer Kluft zwischen dem deutschen Volke und seiner Führung behauptet. Aber in Wahrheit ist das deut­sche Volk schon 1918 ein Opfer der Lüge vonder Vorherrschaft in Europa" gewesen, die die Mantel­

note der Alliierten vom 16. Juni 1919 alsdas größte Verbrechen gegen die Menschheit und gegen die Freiheit der Völker" bezeichnete, daseine sich für zivilisiert ausgebende Nation jemals mit Be­wußtsein begangen hat". Die ganze deutsche Na­tion wurde so verfemt, und als der Kaiser längst nach Holland gegangen, als uns der Diktatfriede auferlegt war und deutsche Frauen, Kinder und Greise unter der Hungerblockade massenhaft starben, schrieb Churchill, jetzt wieder Erster Lord der Admiralität, im Juli 1920 in denEoening News", die britische A u s h u n g e r u n g s w a f f e schlüge mitten im Frieden Deutschlands Frauen, Kinder und Greise, aber nur, damit Deutsch­land endgültig kapituliere. Heute hat England wieder die Lügenschleusen geöffnet wie 1914. Wir aber haben sie nicht verges­sen, und wir werden dieses perfide Kampfmittel zuschanden schlagen. Darauf können sich die Lügner an der Themse verlassen. E.S.

Honen junger Leute. In einem neuen gro­ßen Kriege würde Frankreich mit dem Verlust weiterer Millionen junger Menschen die äußersten Kräfte seiner Lebensfähigkeit erschöpfen. Auch wenn es mit den Waffen siegen würde, würde es sich selbst erledigen. Die farbigen Trup- pen können wohl als Kanonenfutter dienen, aber weder den Sieg entscheiden noch eine Niederlage verhindern.

Der Krie-gsstil Italiens liegt in schnellen Opera­tionen, im Offensivkrieg, was der Lebens­kraft eines Volkes mit einer Reserve von zwölf Millionen junger Leute entspricht. Frankreich geht in den Konflikt wie einer, der seiner eigenen Verurteilung entgegenschreitet. Es spielt dies­mal keine entscheidende Rolle, sondern es ist ein durch ferne Entscheidungen verpflichteter Mitspieler. Die freiwillige und entscheidende Rolle spielt da­gegen England, das sich zum Kriege entschlos­sen hat, um Deutschland Halt zu gebieten. Groß­britannien hat es auf die Niederlage des Dritten Reiches und auf ein neues, härteres Ver­sailles abgesehen, alles Ziele, die weit und äußerst mühsam erscheinen, da man ein großes geschlossenes Reich von 90 Millionen gewaltig ge­rüsteten Weißen nicht niederwerfen kann. Groß- deutschland, so sagt die Veröffentlichung weiter, habe mehr Divisionen unter den Waffen als Frankreich und England. Die deutsche Luftwaffe sei so stark wie die Englands und Frankreichs zusam­mengenommen. Die britische Flotte könne gegen Deutschland die Blockade verhängen, aber im Gegensatz zu 1914 habe das Reich jetzt seine Tore zur Versorgung durch Rußland offen. Außerdem müsse sich die englische Flotte gegen die deutsche Luftblockade weh­ren. Die Vereinigten Staaten könnten Flugzeuge für die Westmächte bauen' die Flieger öfter ließen sich nicht mit der Maschine fabrizieren. Es sei offen­kundig, daß Deutschland im B esitz überwie­gender kontinentaler Kräfte sei. Auf den Schlachtfeldern Polens werde es die Waffen weiterer Divisionen gewinnen, die zum größten Teil von England und Frankreich stammen.

Jenseits von Deutschland liegt im Hintergrunds Rußland. Auch dieses ist ein Hauptakteur beim Reifen der Ereignisse. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es auch bei den Entscheidungen eine Hauptrolle spielen wird. Es genügt, daran zu erinnern, daß Rußland weite Gebiete an Polen und Rumänien verloren hat, außerdem muß man sich vor Augen halten, daß England und Frankreich im Icchre 1914 Rußland die Erwerbung von Konstantinopel garantiert hatten. Auch das italienische Volk hat seine Lebensproblerne und wird ein Wort mitzureden haben. Inzwischen wartet Italien in geschlossener bewun» derungswerter Disziplin die Befehle des Duce ab. England bricht die Handels­

verträge mit Moskau.

Moskau, 10. Sept. (DNB.) Die amtliche Sow­jetagentur veröffentlicht eine Erklärung, die ein­leitend bemerkt, daß in letzter Zeit eine u n freundliche Haltung Englands auf dem Gebiet der Handelsbeziehungen festzuftellen fei. Seit Ende August habe eine ganze Reihe von englischen Firmen sich Akte der Unfreund, lichteit gegenüber Sowjetrußland zuschulden kom­men lassen. Es werden dann englische Firmen auf- gezählt, die ihren Lieferungsverpflichtungen gegen- über Sowjetrußland nicht nachgekommen sind, bzw. die mit ihnen abgeMossenen Verträge einseitig g e b ro che n haben. Diese Firmen lehnen es ab, die Waren zu liefern, über die bereits die Londoner Handelsvertretung der Sowjetunion Abschlüsse ge­tätigt hatte, so in Kautschuk und Drehbänken. In allen Fällen erkläre jetzt England, daß es die Waren s e l b st d r i n g e n d benötige. Der Sow­jetbotschafter in London hat scharfen Protest gegen diese grobe Verletzung der Derträge eingelegt. Leider ist dieser aber, so heißt es in der Erklärung, erfolglos geblieben. Die Taß schließt die Erklä­rung mit der Feststellung, daß diese Tatsache die sowjetrussisch-englischen Handelsbeziehungen i n d e r Wurzel zerstörte.

Rußlands Reservisten an die Westgrenze.

Moskau, 11. September. (DNB.) Die Einbe­rufung der Reservisten verschiedener Jahresklassen zur Roten Armee nahm in den Militärbezirken von Moskau, Kalinin, Leningrad, Drei, sowie in Weiß­rußland und in der ganzen Ukraine ihren Fort­gang. Eingezogene Reservisten werden eiligst nach der West grenze befördert. Vom frühen Mor­gen an sah man die einberufenen Männer mit chren charakteristischen Wäsche- flrtb Proviantbündeln zu den Sammelpunkten ziehen. Die Zahl ist so groß und das Tempo der Einberufenen so rasch, daß die Kasernen zur Unterbringung nicht mehr ausreichen, so daß zahlreiche Schulen als Sammelpunkte ein- gerichtet wurden. Die Reservisten haben außer ihren Mikitärpässen, Proviant auf zwei bis drei Tage, Leibwäsche und dergl. mitzuibringen. Die Behörden und Betriebe sind angewiesen, allen Gestellungs­pflichtigen die Löhnung für 14 Tage im voraus auszubezahlen. In Moskau sind außerdem zahl- reiche Kraftfahrzeuge von den Militärbehörden requiriert worden.

Auf den Moskauer Bahnhöfen herrscht ein ungewöhnlich lebhaftes Treiben. Von allen Sei­ten strömen die Gruppen der Reservisten herbei, deren Abtransport an die West grenze bereits in vollem Gange ist. Der zivile Paffa- gieroerkehr in Richtung auf Minsk, Kiew und Odessa ist gesperrt; Fahrkarten werden überhaupt nur bei Vorweisung des Militärpasses ausgestellt. Die einberufenen Reservisten stehen meist im Alter von 25 bis 32 Jahren. Von den älteren Jcchr- gängen haben in erster Linie Reserveoffiziere, Tech­niker und sonstige Spezialisten Gestellungsbefehle erhalten. Man beobachtet ferner, daß ein großer Teil der zu den zahlreichen Moskauer Kriegsschulen und Akademien kommandierten jüngeren Of­fiziere gleichfalls an die West grenze aft- transportiert wird.

Kleine politische Nachrichten.

Der italienische Außenminister G r a f C i a n o hat am Montagabend den englischen Botschafter Percy Lorraine im Palazzo Chigi empfangen, wo er eine dreiviertelstündige Unterredung mit ihm hatte.

Die in zahlreichen amerikanischen Zeitungen ver­öffentlichte Tendenzmeldung, daß der in Amerika sehr bekannte Philharmonie-Dirigent S t o k o w s k i in der Nähe von Paris in einem Flüchttingszug (?) von deutschen Flugzeugen bombar­diert worden sei, mußte heute von Stokowsti selbst dementiert werden. Skokowski befindet sich in Wirklichkeit in Hollywood.

Auch Churchills neuester Lügentrick verfängt nicht.

Das Oberkommando der Kriegsmarine stellt Märchen der Havas-Agentur über dieAthenia" richtig

malhäfen zurückgekehrt. Sie befanden sich auch bei Ausbruch des Konfliktes in hei­matlichen Gewässern. Der Versuch, die Ver-

Berlin, 11. Sept. (DNB.) Die französische Nachrichtenagentur H a v a s hat die Versen­kung derAthenia" in dem Bestreben auf­gegriffen, den Untergang dieses Schiffes als eine Tat deutscher U-Boote hinzustellen. Die Agentur behauptet, daß der deutsche Admiralstab die U-Boote angewiesen habe, bereits zu Be­ginn der Krise in See zu stechen. Dies beweise die Versenkung derAthenia" bei den Hebriden am zweiten Tag der Feindseligkeiten in einer Gegend, wo kein deutsches U-Boot, das am Tage der Eröffnung des Krieges von feinem Stütz­punkt ausgelaufen wäre, sich infolge der Entfer­nung hätte befinden können. Die Agentur will ihre These mit der Behauptung begründen, daß schon seit dem 15. August die Anwesenheit der beiden deutschen U-BooteU 26" undU 27" unter dem Befehl von Kapitän v. Frieduberg in Island gemeldet worden sei, und daß es sehr warscheinlich sei, daß eines dieser U-Boote die Athenia" ohne Warnung versenkt habe.

Hierzu teilt das Oberkommando der Kriegsmarine mit: Die deutschen ll-Boote U 26 undU 27 haben in der Zeit vom 21. bis 24. Juli dem isländischen Hafen Reykjavik einen inoffiziellen Besuch a b g e st a t t e t. Die beiden deutschen U-Boote sind danach in ihre Heimathafen zurückge- kehrt.U 27 lief am 2 9. Iuli wieder in Wilhelmshaven ein,U26 am 30. Juli in Kiel. Beide U-Boote sind demnach langst vor Ausbruch des Konflikts in ihre hei-

senkung derAthenia mit der Fahrt der beiden deutschen U-Boote nach Reykjavik in ursächlichen Zusammenhang zu bringen, kann daher nur als eine neue bösartige Unterstellung angesichts des Zusammenbruchs aller Bemühungen gewertet wer­den, die Versenkung derAthenia deutschen Kriegsschiffen zur Last zu legen.

Hierzu schreibt derD e u t s ch e D i e n st": Bisher hat nur ein Torpedo des Herrn Churchills sein Ziel nicht verfehlt: der Torpedo, der die Versen­kung derAthenia" zur Folge hatte. Der Torpedo aber, den Herr Churchill in dem skrupel­losen Bestreben, das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg gegen Deutschland zu hetzen, gegen das Reich abschoß, in­dem er versuchte, unter den niederträchtigsten Argu­mentierungen Deutschland die ruchlose Versenkung derAthenia" zu unterschieben und sich selbst ein Alibi zu verschaffen, hat wie ein Bumerang auf den Ersten Lord der britischen Admiralität zurück- geschlagen. Alle Methoden, die der Kriegstrei­ber Churchill in Szene setzte, um sein frevelhaftes Spiel Mm Ziele zu führen, haben rechtzeitig von Deutschland eine Richtigstellung und Zu­rechtweisung erfahren, an deren Stichhaltig­keit die Welt nicht zu zweifeln vermag.

Angesichts des Zusammenbruchs seines ver­brecherischen Unterfangens hat Herr Churchill nun

geglaubt, eine wahrhaft verzweifelle (Situation durch ein glänzendes Manöver retten zu können. Er hat sich die Koordinierung des französischen und englischen Nachrichtendienstes zunutze gemacht und die französische Havasagentur beauf­tragt, eine Meldung in die Welt zu setzen, die an Hand klar beweisbarer Tatsachen unverzüglich vom Oberkommando der Kriegsmarine mit aller Deutlichkeit widerlegt werden konnte. Wer lügt, muß zu der Lüge stehen. Diesmal aber hat es nicht geklappt. Der Meister der Lüge hat kläg­lich versagt wenn man nicht glauben soll, daß der britische Geheimdienst ungleich schlechter ist als sein Ruf. Denn wer mit falschen Daten operiert, nimmt sich selbst den Wind aus den Segeln. Arn 15. August, d. h. an dem Tage, an dem Havas zu­folge die Anwesenheit der beiden deutschen U-Boote in Island gemellter worden sei, hatten,,!) 26" undLI 27" bereits drei Wochen Reykjavik ver­lassen. Durch das Dementi des Oberkommandos der Kriegsmarine bricht diese jüngste Lüge des amt­lichen Englands in sich zusammen. Wir wollen nicht verfehlen festzuftellen, daß es schlecht um die Sache stehen muß, die Herr Churchill mit so viel Eifer und Nachdruck startete, wenn London überstürzt angefertigte, geradezu hilflos wirkende Greuelmel- bungen herausgibt, die in allen Einzelheiten ebenso schnell wie klar zu widerlegen sind. Es bleibt schon 'Dabei, was die nicht zu überhörende Stimme des Popolo d'Jtalia" sagte:Die ,Athenia' würde noch heute auf dem Wasser schwimmen, wenn nicht amerikanische Passagiere an Bord gewesen wären."

Oer Bromberger Blutsonniag fällt auf Englands Gchuldkonto.

Hätte England uns nicht aufgeputscht"- so sagen heute auch einsichtige polen.

12. September. (DNB.-Funkspruch.) Diese Zei­len schreibe ich nachts 1 Uhr. Vor einer Woche wurde Brom berg eingenommen. Noch immer fallen einzelne Schüsse der blutdürstigen verhetzten Und fanatifierten polnischen Insurgenten. Sie versuchen noch einige deutsche Wachtposten aus dem Dunkel niederzuknallen. Es mag in den letzten Taaen viel über die bestialischen Bluttaten der Polen in Bromdera berichtet worden sein. Aber immer mehr stellt sich heraus, daß diese Berichte nur Teilcrusschnitte waren. Nur allmählich gewinnt man einen grauenerregenden Uefterblick. Erst recht dann, wenn man mit einftezieht, was sich am Rande der leidbetroffenen Städte und in den nahen Dör­fern abgespielt hat.

Weil man sich so viel Grausamkeit nicht vor­stellen konnte, war man versucht, insbesondere Uebertreibung anzunehmen, so daß ich mich ent­schloß, selbst eingie der unzähligen Blutstätten aufzusuchen und Augenzeugen zu hören. Was ich nun in diesen Tagen gesehen habe, läßt sich un­möglich mit der Feder wiedergeben. Ich habe das grauenvollste Bildmaterial meiner ge­samten bisherigen Berufstätigkeit vor mir liegen. Es ist aber so schrecklich und erscheint so unwahr­scheinlich, daß es sich kaum veröffentlichen läßt.

Als vor einigen Tagen ausländische Pressevertreter Bromberg aufsuchten, um die furchtbar verstümmelten Leichen der haufenweise .ermordeten Deutschen mit eigenen Augen zu sehen, waren viele Hinrichtungsplätze und Massengräber um und bei Bromberg noch gar nicht b e - ka.nnt. Noch heute werden täglich neue Haufen ermordeter Deutscher gefunden, teils vergraben an den Rändern der Stadt oder noch auf einem Haufen liegend in den Wäldern. Nie werde ich es vergessen, als ich mehrere deutsche Frauen antraf, die unter einem Müllhau -- fen verscharrt vor der Stadt ihre Männer gefunden hatten und diese in ihrem Schmerz mit den Händen ausgruben. Es waren neun Handwerksmeister, denen man die Augen ausgestochen, die man teils entmannt und dann erschlagen hatte. In den nahen Dörfern Lan­genau und O 11 e r a u e wurden beim Abzug der polnischen Truppen alle deutschen Gehöfte und Fabriken ausgeplündert und nie­der geb rannt. Alles, was nicht geflüchtet war, wurde gemartert, erstochen, totgeschlagen oder nie­dergeschossen.

Aufmerksam geworden durch das schmerzerfüllte Schluchzen einer Frau auf einem deutschen Hof, sah ich einen jungen Bauern und zwei 18jährige Mäd­chen liegen, denen man die Finger abgeschnitten hatte, um die Ringe zu bekommen. Als sie vor Schmerz schrien, wurde ihnen mit einer Axt der Kopf gespalten. Im gleichen Dorf ist eine neun­köpfige Familie von der Großmutter bis zum 6jährigen Kind bestialisch hingemor­det worden. Die Nachbarn, zwei 75 Jahre alte Bauern wurden eifchossen und einem von ihnen der Bauch aufgeschlitzt. Die grausamsten Mordtaten sind vermutlich von Zuchthäuslern und Strafgefangenen verübt, die man kurz vor Ankunft der deutschen Truppen bewaffnet und auf die Deutschen losgelassen hatte. Sie haben die Deutschen geschunden und geschlachtet wie wilde Tiere.

Es wird keinem Journalisten möglich sein, ein

einigermaßen klares Bild zu geben, was er in diesen Tagen Schreckliches gesehen hat. Eine meiner schrecklichsten Erinnerungen ist ein Deutscher, der in seiner Küche auf dem Tische lag, den Schädel gespalten, die Brust aufgeschlitzt, in einer Wasch­schüssel daneben die herausgerissene Lunge und das Herz. Das können nur Wahnsinnige, Sadisten und Untermenschen vollbringen. Ich könnte die Reihe dieser furchtbaren Schilderungen beliebig fortsetzen, aber der Schauder übermannt einen. Von den vielen vermißten deutschen Männern, Frauen und Kindern, die in die Tausende gehen, kommen leider bisher nur wenige zurück. Täglich werden neue Stätten des Grauens entdeckt. Kurz bevor ich diese Zeilen schrieb, wurden in einem naheliegenden Wald 28 deutsche Männer verstümmelt und erschossen aufgefunden. Noch im­mer irren Angehörige der Vermißten suchend um­her in der Hoffnung, einen ihrer Lieben doch noch zu finden. Ein jammervolles herzzerreißendes Bild.

Und noch immer ist keine endgültige Ruhe in dieses schwergeprüfte Land eingekehrt, weil die von der polnischen Obrigkeit bis aufs äußerste verhetzten Menschen alles was deutsch ist als Freiwild erklärt und auf dieses Jagd gemacht hatten. Uebereinstim- mend siird die Deutschen der Ansicht, daß von ihnen keiner am Leben geblieben märe, wenn die deutschen Truppen auch nur zwei Tage später gekommen wären. Das Schlimmste spielte sich beim Abzug der polnischen Truppen ab in Gegenwart von Offizieren. Aber auch nach unserem Ein­zug noch mordeten polnische Soldaten, die sich Zivil­kleidung besorgt hatten. Damit haben sie Die solda­tische Ehre jenes polnischen Armeeteiles befleckt, der im Bromberger Gebiet eingesetzt war, wie auch der anständige Teil der Polen selbst noch betonte.

Tausende würden heute noch leben, wenn nicht eine planmäßige Hetze den Haß der Polen

Die Franzosen erschöpfen die Lebensfähigfeil ihres Volkes.

Relazioni Jnternationali" zur Lage.

Mailand, 9. September. (DNB.) Das Institut für das Studium der internationalen Politik betont in dem Leitauffatz des neuesten Heftes derRelazioni Jnternationali" noch einmal, daß der letzte Versuch M u f f o I i n \ s zur Rettung des euro­päischen Friedens die Zustimmung Deutsch­lands und auch Frankreichs echalten hatte. Freitag, 1. September, hatte der französische Mini­sterrat in später Stunde tatsächlich den Plan des Duce für eine internationale Kon­ferenz angenommen. Unmittelbar darauf verbreitete die offiziöse französische Agentur Havas eine Verlautbarung, in der darauf hin­gewiesen wurde, daß Paris den Vorschlag Mussolinis angenommen hatte. Aber am folgenden Tage verbot die französische Zensur, wie es scheint infolge eines bri-

auf den Siedepunkt gebracht hätte. Ich habe mich selbst mit den angesehensten Polen der Stadt unter­halten, die wörtlich zugaben, daß ihre Landsleute die Deutschen bestialisch geschändet und rücksichtslos gemordet haben. Sie selbst sind erschrocken über die Auswirkungen der Hetze. Wie konnte es nur zu einer so schrecklich sich auswirkenden Verhetzung kommen? Das habe ich Polen aller Berufe gefragt, bei denen die vielen viehischen Mordtaten ebenfalls Entsetzen und tiefste Empörung hervorgerufen haben. Ich erhielt in Gefangenenlagern von Offizieren und Soldaten, aber auch von vielen Zivilpersonen stets die gleiche Antwort.

Hätte England uns nicht so aufgeputscht. uns so sichergemacht, uns zum Kriege angestachelt. wäre bestimmt ein friedlicher Weg ge­sunden worden, hier spricht man übereinstimmend von der Blutschuld Englands. Es ist erwiesen, daß in Bromberg Agenten des englischen Geheimdienstes die Be- waffnung der polnischen Banden organi­sierten und die Grausamkeiten planmäßig vor­bereiteten nach dem bekannten Wüster in den orientalischen Ländern. Die Engländer haben diesmal die Polen benutzt, um für sich die Ka­stanien aus dem Feuer holen zu lassen. Jetzt sind sie gewissenlos genug, die polnische Zivil­bevölkerung über ihre Sender zu völkerrechts­widrigen Handlungen aufzufordern. Die neue Blutschuld Englands schreit zum Himmel. Run beginnt es auch in den Köpfen der Polen zu dämmern, denn sie haben einsehen müssen, daß an der Lügenhehe kein Wort wahr ist.

tischen Schrittes, die weitere Veröftent- ttchung der Verlautbarung. Daladier hatte für die italienische Initiative Worte der Sympathie geäu­ßert. Was war also geschehen? Dffenftmbig hat d i e 3um Kriege treibende britische Minderheit, die schon seit einiger Zeit den Entschluß zum Kriege gegen Deutschland gefaßt hatte, die Partie gewonnen.

Frankreich fühlte instinktiv, daß das wahre historische Interesse des Staates und des Volkes darin lag, sich nicht in Abenteuer zu st ü r z e n. Die Zustimmung zum Plan Mussolinis wäre auch in Anbetracht der gegenüber Polen ein» gegangenen gefahrvollen Verpflichtungen durchaus berechtigt gewesen, da Frankreich an den Entschei­dungen der Konferenz seinen Anteil gehabt hätte. Frankreichs Haltung hätte mit seiner bevölkerungs­politischen Lage in Einklang gestanden, denn bas französische Volk ist in feinen Kräften sehr ge­schwächt worden. In den Kriegen der Revolution und des Ersten Kaiserreiches büßte es insge­samt drei Millionen Menschenleben ein. 3m Weltkrieg verlor es an zwei Mil-

England fabolierte den Medensplan Mussolinis.

Das französischeKabmett hatte dem italienischen Konferenzvorschlag zugestimmt.