die Spielhandlung nur belasten würde, bedurften die Vorarbeiten denoch um so größerer „wissenschaftlicher" Sorgsamkeit, je mehr man sich unbedingter Echtheit des „Milieus" versichern und den Stoff so auch vom Fachlichen her völlig beherrschen und künstlerisch frei gestalten will. Steinhoff widmet auch hier den Leitern der verschiedenen Berliner medizinischen Institute herzliche Worte des Dankes für all die Bereitwilligkeit, mit der sie die Vorstudien gleichsam an „Ort und Stelle" möglich machten. Von Jannings hören wir, daß er sich bereits seit einem Jahr eifrig mit dem Mikroskop beschäftigt, das wohl das wichtigste Arbeitsinstrument Kochs war.
„Professor Langer, der heute im Berliner Institut für Infektionskrankheiten Kochs einstige Stelle bekleidet, machte uns", so berichtet Stein- hoff, „an Hand großartiger und für den Laien erschütternder Experimente mit dem gegenwärtigen Stand der bakteriologischen Forschung bekannt. Um Bakterien kreiste zeitweise auch unser ganzes Gespräch; ja", Steinhoff lacht, als er sich erinnert, „zuweilen haben wir von diesen Bakterien, Mikroskopen, Pinzetten und Operationen sogar geträumt! So sehr haben wir uns in die Materie vertieft."
Der Widersacher: Werner Krauß.
Professor Rudolf Virchow, der in Kochs Leben — als die im Gegensatz zu dem vorerst ja noch unbekannten Landarzt herrschende Kavazität — eine bedeutende Rolle spielte, wird in diesem Film von Werner Krauß dargestellt.
„Auch darüber gab es für uns von Anfang an keinen Zweifel", erzählt der Regisseur, ,Haß auch für diese ebenso schwere wie ungewöhnliche Rolle Werner Krauß gewonnen merken mußte. Und es war bei unseren Besuchen in den medizinischen Instituten für mich als Regisseur besonders interessant, Janings und Krauß, also den Koch unk den Virchow des Films, im Gespräch mit Professor Rößler zu beobachten, der heute Virchows Stelle innehat."
Wir sind alle mit ganzem Herzen und mit all unserem künstlerischen Wollen dabei, einen Film von der Weltgeltung der deutschen medizinischen Forschung und Wissenschaft zu machen. Ich glaube, daß gerade Jannings im höchsten Sinn würdig ist, einen ihrer genialsten Männer darzustellen und so unserm Volk wie auch der Welt einen wahrhaften Schildträger deutscher Gesinnung und Geisteshaltung zu zeigen. Dem deutschen Arzt und Forscher aber soll «dieser Film ein stolzes, lebendiges Denkmal sein." Vring Wiemer.
Aus der Stadt Gießen.
Das Lied an die Freude.
„Hali, hallo, wir fahren, wir fahren in die Welt." So singt und klingt es auf allen Wegen und Straßen, denn die Jugend wandert, ist auf großer Fahrt in die wunderschöne, weite sommerliche Welt.
Wandern und Reisen! Es liegt in der Luft, es beherrscht die Stimmung von jung und alt. Selbst die Jüngsten sind davon ergriffen, die eben oder noch nicht Schulpflichtigen. „Morgen verreisen wir", verkündet triumphierend mein kleiner Nachbar über den Gartenzaun hinweg, „an die Ostsee, mit unserm Wagen." „Na, da freut ihr euch wohl", sage ich verständnisinnig, und er kann nur nicken, denn so viel Glück läßt sich nicht in Worten ausdrücken.
Etwas später steht dann das Auto im Garten, dicht neben dem Zaun. Und wer sitzt darin? Die beiden Kinder, Hans, der Siebenjährige, und sein kleines Schwesterchen. Ganz still sitzen sie, Hans natürlich hinter dem Steuer, Hildchen mit einem Taschentuch in der Hand, daneben. Und so genießen sie Vorfreude.
Ist diese nicht vielleicht die schönste, ungetrübteste und reinste im vielfarbig grenzenlosen Reich der Freude? Doch nein, zum mindesten nicht bei Kindern. Sie genießen den Augenblick so wie er ist, sie kosten ihn aus, ohne die Belastungen eines Vorher oder Nachher, die den Erwachsenen glückliche Stunden der Erfüllung trüben können.
Daher ist es wohl auch falsch, von einer „Vorfreude" meiner Nachbarskinder zu sprechen, denn sie sind ja schon mitten drin in der Freude, sie er-
Oer schwierige Sah.
Don Christian Bock.
Hansgeorg kommt aus der Schule nach Hause. Feuert die Schultasche mit geübtem Schwung, wie jeden Mittag, in die Flurgarderobe, daß die Spazierstöcke und Regenschirme das Tanzen kriegen. Nach spätestens einer Minute sitzt Hansgeorg über der Suppe.
„Heute ha'ck fünf Fehler jemacht m ein’n Satz!" „Hansgeorg!"
Gr weiß, was dieser Ruf bedeutet: „Hansgeorg, berliner nicht so!" heißt das. Und Hansgeorg wiederholt im anständigsten, schiersten Deutsch:
,^)eute habe ich fünf Fehler gemacht in einem Satz."
„Du sagtest das", sagt Großmama, „in einem Ton, als wärest du noch stolz darauf."
«Ha'ck ja jarnich jesacht!"
„Hansgeorg!" Großmama trommelt auf dem Tisch.
„Aber, Großmama!", sagt Hansgeorg und ist nun ganz artig und hochdeutsch, ,chu hättest das auch nicht können."
„Was nicht?"
„Den Satz richtig schreiben."
„Ich nicht?"
„Nein, wenn du den Satz richtig schreibst, gebe ich dir ^lles, was in meiner Sparbüchse ist"
„Aber", sagt Hansgeorg, „für jeden Fehler und wenn du einen machst —
„Für jeden Fehler, den du machst, heißt das!" „Also, für jeden Fehler, den du machst, mußt du mir einen Fuffziger in die Sparbüchse tun."
Großmutter wollte eigentlich wieder den berlinischen „Fuffziger" verbessern, aber der Bengel berlinert, daß man's müde wird. Großmama sagt: „Gut, ich gebe dir für jeden Fehler fünfzig Pfennig."
Hansgeorg stürzt vom Tisch. Kommt mit Papier und Bleifeder wieder.
„Muß das denn gleich sein?"
„3a."
„ Wie hieß denn der Satz?"
„Ja, schreib!" Und Hansgeorg dikttert: „Gib mir bloß ein bißchen von dem Grießkloß und nicht —"
„Das habt ihr im Deutschunterricht —?"
„Ja, hat er dikttert, den Satz!"
„Also noch einmal." Großmama schreibt.
Hansgeorg diktiert: „Gib mir bloß ein bißchen von dem Grießkloß und nicht von dem brenzligen Meerretttch. — Hast du, Großmama?,"
Melodie" Freude.
„Großmama hat es: „Das soll daran schon groß sein?"
Hansgeorg nimmt Zettel und Bleisttft und fängt an, Kreuze an den Rand zu malen: „Ein Fehler, Großmama, zwei, drei Fchler — und noch einer — vier Fehler!"
Und unter das Ganze schreibt Hansgeorg:
4 minus.
Schülerin kann nur mit größter Anstrengung noch das Ziel der Klasse erreichen.
Hansgeorg.
„Wo habe ich Fehler gemacht?" sagt Großmama, „bitte, zeig sie mir!"
„Hier, sagt Hansgeorg, „Grieß schreibt man mit ß brenzlig' mit g und nicht mit ch, Meerretttch mit zwei r und mit ch am Ende — vier Fehler: zwei Mark."
„Hol den Duden her", sagt Großmama.
Hansgeorg holt den Duden.
Großmama blättert den Duden um und um, es hilft ihr nichts, vier Fehler hat sie gemacht.
Großmama nimmt stumm ihr Handtäschchen und legt zwei Mark auf den Tisch.
gesungen wird — es ist das Lied an die tr. v. M.
Landkreis Gießen in der Ausstellung „Wille und Tat"
Lochschulnachrichten.
Sein Zvjähriges Doktorjubiläum beging der emeritierte ord. Professor an der Universität Prag Dr. Earl Gori. Er wirkt seit 1892 dort mit Ausnahme der Jahre 1908 bis 1918, in denen er Direktor der Zoologrschen Statton in Trieft und Leiter der Staat- lichen Malaria-Untersuchunasanstalt war.
Der ehemalige a. o. Professor der Kunstgeschichte an der Universität Berlin Dr. Oskar Fische! ist im Aller von 68 Jahren gestorben.
Der ehern, o. Professor für physikalische Chemie an der Technischen Hochschule München Dr. Hans Hofer ist im Atter von 76 Jahren gcstorb-n.
Zum Kustos der Universität Heidelberg ernannt wurde der Geologe Professor Dr. Norbert Til- manu*
leben bereits, intensiv, während sie im hallenden Auto sitzen. Trotzdem steht eine Erwartung deutlich auf ihren Gesichtern geschrieben.
Und schon naht die Erfüllung. Der Vater kommt auf dem Gartenweg daher, schraubt einen Schlauch an die Wasserleitung und — beginnt den Wagen abzuspritzen. Sprühend und funkelnd im Sonnenschein zischt der Strahl auf den geschlossenen Wagen, und drinnen sitzen die Kinder und genießen, genießen jubelnd das kösttiche Erlebnis. Wenn die strömenden Tropfen aber gar zu heftig über die vordere Scheibe rieseln, wischt Hildchen ehrbar, emsig und hausmütterlich mit Dem Taschentuch von innen das Glas ab. Höchstwahrscheinlich glaubt sie, damit zu helfen, es tut eben jeder so gut er kann.
Das Auto ist abgespritzt und mit dem Leder trocken gerieben. Blitzeblank spiegelnd steht es da und wird nun in die Garage gefahren, mitsamt den Kindern, natürlich. •
„Morgen verreisen wir", höre ich später Hildchen unermüdlich und laut vor sich hinsmgen. Und plötzlich erkenne ich das Lied, obwohl es „nach eigener
Seit ich diese Geschichte hörte, gehe ich bei meinen Freunde herum und fasse sie bei ihrer orhograpischen Eitelkeit und sage also, wenn ich einen treffe, so obenhin: „Sag mal, du kannst doch richtig Deutsch — schreib mal den folgenden Satz —", und ich gebe ihm ein Stück Papier und einen Bleisttft auch.
Die Guten machen runde Augen und ein dummes Gesicht, aber man muß nur energisch diktieren: „Gib mir bloß ein bißchen von dem Grießkloß — jaaa, schreib doch! — von dem Grießkloß und nicht von dem brenzligen Meerrettich — hast du?"
Und ehe ich noch gelesen, was nun auf dem Papier sicht, sage ich: „Wetten, daß du Fehler gemacht hast?" y
„Fehler? Glaub' ich nicht!"
„Gut. Gibst du mir für jeden Fchler, den du gemacht hast, einen Fuffziger?"
"Tu ich, aber du gibst mir eine Mark, wenn alles richtig ist?"
„Abgemacht!"
Und vor seinen aufgerissenen Augen male ich dicke Kreuze an den Rand: Ein Fehler, zwei Fehler und noch einer, drei im ganzen, macht eins fünfzig!"
3ch habe allerlei Freunde, und das Geschäft blüht, aber was tut man nicht, und immerhin, man lebt. Wenn mich jetzt die Leute fragen: „Wie geht's?" bann Jage ich hintergründig undeutlich, wie man auf diese Frage zu antworten pflegt: „Lala, es geht halt." -
Dornotizen.
Tageskalender für Mittwoch.
17 Uhr: Platzkonzert des Musikkorps der Luftwaffe in „Steins Garten". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Silvesternacht am Alexanderplatz".
Heimatfest auf dem Schiffenberg.
Die Heimatvereinigung Schiffenberg veranstaltet am Sonntag, 16. Juli, aus Anlaß des 10jährigen Bestehens der Heimatvereinigung auf dem Schiffenberg ein Heimatfest, verbunden mit Jubiläumskonzert, ausgeführt vom Musikkorps der Fliegerhorstkommandantur unter Leitung von Musikmeister Pfarre. Außerdem sind Gesangsvorträge des Gesangvereins „Eintracht" Watzenborn-Steinberg, sowie Kinderaufführungen vorgesehen. Am gleichen Tage findet auch die Hauptversammlung der Heimatvereinigung im Saale des Schiffenbergs statt.
Hoffnung oufkeimen wie Erwartungen in Nichts zerrinnen sah, sie stand nun in der Sonne allzu menschlichen Vergnügens.
Wie hypnotisiert starrte Mark aus den weißen Hosenblitz. Das dunkle Rauschen des Beifalls wanderte neben dem Beifahrer her. Schon aus der Ferne kündigte sich fein Nahen an: „Die Hofe! Die Hofe!" ging es von Mund zu Mund.
Doch Tantalus auf seiner Fahrt blieb ahnungslos. Und dies war eigentlich die entzückendste Pointe im Kreisel der vorwärts knatternden Maschinen: daß der gute Junge lächelte, zuversichtlich und unbekümmert, daß die sich auflösende Hose für ihn überhaupt nicht da zu fein schien — andernfalls es beide, ihn und feinen Kameraden, hätte Kopf und Kragen kosten können.
Es wurde der Wohlanständigkeit kein Anlaß zur Entrüstung gegeben, tapfer hielten der junge, strahlende Beifahrer und seine Hose bis zum Schluß durch. Obwohl er „nur" mit dem 4. Preise abkam, umbraufte ihn der Beifallsjubel wie keinen der anderen Sieger, deren Anzug intakt geblieben war. Ja, man forderte für den ahnungslosen Märtyrer eine Ehrenrunde, die er wie ein Triumphator hinnahm.
Dies war Marks erstes, großes Motorrad-Rennen. Zwar war er hingerissen von der glänzenden sportlichen Leistung, von dem unglaublichen Tempo, dem ganzen wunderbaren „Betrieb". Mehr noch aber lebte feine Kinderseele in dem unschuldigen Lächeln, das diesmal den atemlosen Renntag verzaubert hatte. Als ihm Vater den Gutenachtkuß gab und ihn erwartungsvoll fragte; welches Rennen ober welcher Fahrer denn wohl den tiefsten Eindruck auf ihn gemacht hätte, sagte er glücklich und erschöpft: „Die Hose, Papi, die Hose...!"
Wie bereits wiederholt berichtet, findet in Wiesbaden vom 25. August bis 10. September die Ausstellung „W i II e und Ta t" unter Mitwirkung der (Bauleitung, der Wirtschaftskammer Hessen, der Landesdienststelle Hessen, Hessen-Nassau, des Deutschen (Bemeinbetages und des Landesfremdenverkehrsverbandes Rhein-Main statt. Die Ausstellung wird von dem Institut für deutsche Kultur und Wirtschaftspropaganda veranstaltet. In der Ausstellung soll das Wesen der nationalsozialistischen Gemeinde im Zusammenklang mit den übrigen Faktoren, die die Struktur unseres Gaues und der Bezirke der engeren Heimat bestimmen, aufgezeigt werden. An der Ausstellung beteiligen sich Städte, Kreise, Industrie, Handwerk, Fremdenverkehrsverband usw.
Zwecks Vorbereitung der Ausstellung des Landkreises Gießen in einem eigenen Ausstellungsstand hatte Landrat Dr. Lotz am gestrigen Dienstagnachmittag einen Kreis von Männern zu einer Besprechung gebeten, die im Sitzungssaale des Landratsamtes stattfand. Die Kreisleitung war dabei durch Kreisgeschäftsführer Wagner vertreten, ferner waren der Leiter der Kreisabteilung Gießen des Deutschen Gemeindetages, Bürgermeister Michel (Großen-Linden), die Bürgermeister der Städte des Kreises, Vertreter der Industrie und des Handwerks, des Gewerbeaufsichtsamts, des Staatlichen Hochbauamtes, der Naturschutzbehörde, der Museums- und Heimatpflege usw. zugegen. Alle nahmen mit regstem Interesse an der etwa zwei- stündigen Aussprache über die bestmögliche Gestaltung des Ausstellungsstandes des Landkreises Gießen teil.
Landrat Dr. Lo tz leitete die Aussprache mit einer Darlegung der großen Gesichtspunkte ein, unter die die Ausstellung gestellt ist, und die auch richtunggebend für die Gestaltung der einzelnen Stände find. Dabei hob er u. a. hervor, daß oer Kreis Gießen, der durchweg wieder finanziell gesunde Gemeinden besitzt, in dieser großen Schau mancherlei zeigen kann, das die Aufbauarbeit in unserer engeren Heimat unter Beweis stellt. Wenn auch nicht alle Einzelheiten, die mehr oder weniger für viele andere Gemeinwesen in der aleichen Weise bestehen und die von dem starken Aufbauwillen Zeugnis geben, für die Ausstellungszwecke technisch verwertbar sind, so läßt sich aber doch aus vem Landkreis Gießen reichhaltiges Material zu einer wirkungsvollen Gestaltung des Ausstellungsraumes zusarn- menfassen. Dabei ist festzuhalten, daß die Industrie und das Handwerk auf der Ausstellung in eigenen Schauen als Gemeinschaftsleistungen vertreten sind.
In der Aussprache wurden mancherlei Vorschläge und Anregungen unterbreitet und nach allen Richtungen hin eingehend geprüft, llebereinftimmung herrschte von Anfang an dahingehend, daß in dem Ausstellungsstand die typischsten und schönsten Merkmale des Landkreises Gießen gezeigt werden sollen.
Dem Landkreis Gießen steht eine Ausstellungsfläche von 50 Quadratmeter zur Verfügung. Darauf ist der Stand aufzubauen, der aus drei Seiten Wand- fläche besteht und die Vorderseite frei xeigt, um hier Tische usw. zum Aufbau von Material unterzubringen und den Besuchern einen bequemen Zugang zu ermöglichen.
Das Ergebnis der Besprechungen ist dahin zusammenzufassen: Der Landkreis Gießen wird in dem Ausstellungsstand in regionaler Auf gliede- rung derart gezeiat, daß die Laubacher Ecke mit ihren charakteristischen Eigenarten (Wald, Wild, Erholungslandschaft) in Erscheinung tritt, das G i e- ßener Becken mit seiner Giaenart zur (Bettung kommt, die Rabenau ihre besonderen Merkmale (Steinindustrie) zeigt, der H ü t t e n b e r g mit seinen dörflichen Schönheiten (Fachwerkbauten und Trachten) gut wirken kann und die W e 11 e r a u ihr Eha- rafteriftitum (Landwirtschaft) zeigt. Auf dieser Grundlage wird, etwa in der Form eines großen Wandgemäldes, eine Karte des Kreises Gießen, von Künstlerhand an gefertigt, die größte Fläche des Ausstellungsstandes einnehmen. Auf dieser Karte werden die wichtigsten Orte des Kreises durch charakteristische Bilder und mit ihren Verbindungen gekennzeichnet dergestalt erscheinen, daß ein vortrefflich und straff zusammengefaßtes Gesamtbild des Kreises dem Beschauer die Uebersicht leicht möglich macht. In Verbindung mit dieser eigenartigen, jedenfalls aber sehr anschaulichen Übersichtskarte sollen die charakteristischsten Merkmale des Landkreises Gießen in Gestatt von Gegenständen mannigfachster Art vorgeftihrt werden. Erwähnt seien hier u. a. Bilder von der Gauschule der NSDAP., vom Gemeinschaftshaus Watzenborn-Steinberg, Heimat- und Kriegschroniken, wie sie beispielsweise Langsdorf, Heuchelheim und Nonnenroth besitzen, historisch wertvolle und für das Kreisgebiet charak- teristische Gegenstände aus den Museen, Bilder bzw. Modelle von der Reichsautobahn und vielerlei anderes. Daß auch die eindrucksvollen Zeugen des Aufbaues auch aus dem Bereich der Jugendarbeit nicht fehlen werden, ist selbstverständlich.
Auf Grund der hier in großen Umrissen skizzierten Planung des Ausstellungsstandes wird nunmehr an die Einzelarbeit der Gestattung heranaegangen werden. Dazu haben sich dem Landrat schätzenswerte Kräfte als Mitarbeiter zur Verfügung gestellt. Man darf die Gewißheit haben, daß es oen vereinten Bemühungen gelingen wird, einen Ausstellungsstand zu schaffen, an dem sich die Besucher der Schau erfreuen können und der damit auch eine gute Werbung für den Landkreis Gießen darstellt. Besonders reizvoll zu werden verspricht noch eine eigenartige Verwendung der Hüttenberger Tracht im Rahmen des Ausstellungsstandes, die den Besuchern als nette Ueberrafchung erst auf der Ausstellung zur Kenntnis kommen soll.
Sensation in der 8-Knrve.
Von Werner Schumann.
Dor der Fibel stand bei Mark die Technik, Lesen und Schreiben interessierten ihn weniger als die Konstruktion der Krafträder. In Vier- und Zweitaktmotoren kannte er sich aus, und wie andere Buben mit ihrem Wipproller so war er mit Kupplung, Vergaser und Zündhebel vertraut. Sonntags pflegten die Gltern altmodisch eine Partie Schach zu spielen. Gr aber lag dann lang auf dem Boden und arrangierte mit allen Schikanen ein Motorradrennen, was die Besucher gewöhnlich zu dem Ausruf veranlaßte: „Kinder, aus dem wird mal was! Der muß unbedingt zu einem ,richtigen^ Rennen mit!"
Also rang sich Vater zwei Tribünenplätze ab, hoch über der 8-Kuroe, am Brennpunkt der gefährlichsten und interessantesten Rennstrecke. Mark hatte feine Schiefertafel mit den unbeholfen gekratzten Ziffern in die Ecke gepfeffert und fieberte vor Glück. Sogar seine Spargroschen hatte er zusammengekratzt und dafür wochenlang sich aller Schleckereien enthatten, damit Vater noch ein Programm erstehen und seinen Sprößling auf dem laufenden halten konnte. Und dann wurde eines Morgens der Junaentraum donnernde Wirklichkeit, Motorenlärm erfüllte dröhnend den Stadtwald, und wie Wesen aus einer anderen Wett jagten die Sturzhelme mit ihren Maschinen heran, von Mark mit Kennerblick ins Auge gefaßt. Kein Kasperletheater hätte ihn mehr begeistern können.
Plötzlich schien es, als hielte die freudig angeregte Menge den Atem an. Auf dem ernsten Antlitz des Rennens zeigte sich unversehens ein Lächeln. Einem Beifahrer nämlich, der sich in der Kurve beängsti- gend weit herausaelehnt hatte, war die Hose geplatzt. Auch Mark hatte es sofort bemerkt und seinen Vater kichernd angestoßen, obwohl das Hemd unterhalb des Hosenbundes anfänglich nur als schmaler, weißer Streifen aufblitzte. Doch es genügte, daß es blitzte. Welch pikante Nuance in einem Rennen, wo man erbittert um jeden Meter kämpfte! Die Anspannung der Sinne begann sich ein wenig zu lösen. Und es dünkte manchen der jüngeren Tribünengäste nun nicht mehr so entscheidend, auf welchen Platz dieser oder jener Name kommen, sondern ob der Hosenboden seinen Schelmenstreich im weiteren 23erlauf des Rennens wohl noch auf die Spitze treiben würde. Nach jeder Runde klaffte der ominöse Spalt bedenklicher. Und jene verteufelte 8-Kurve, bei der es oft um Tod und Leben ging, die im Laufe der Jahre so manchen phantastischen Sturz, so manche
Oberst a. O. Naumann 90 Jahre alt.
Der ätteste noch lebende Offizier unseres alten Infanterie-Regiments 116 der feit Jahren im Ruhe- stand in Gießen wohnende Oberst Naumann, wird am morgigen Donnerstag, 13. Juli, 90 Jahre alt. Der im Krieg und Frieden hochverdiente Offizier genießt nicht nur im Kreise der alten 116er, sondern darüber hinaus auch in weiten Bevölkerungskreisen unserer Stadt große Wertschätzung. Als Soldat von echtem Schrot und Korn hat er, trotz seines hohen Atters, bisher fast immer an den großen militärischen Feiern unserer (Barnifon, z. B. bei Führers Geburtstag und bei Vereidigungen, als Zuschauer teilgenommen und sich an unserer neuen Wehrmacht erfreut. In unserer Beilage ,H e i m a t im Bild" am morgigen Donnerstag wird das Leben und Wirken des Jubilars in einem Aufsatz von Generalmajor a. D. Rudolf Mohr geschildert und dabei auch ein Schlachtengemälde des Malers Röchling wiedergegeben, das rechts im 23ordergrund stehend Otto Nauman als Fähnrich im Jnf.-Rgt. 116 in der Schlacht bei Gravelotte-St.-Privat bei der Erstürmung der Ferme Ehampenois zeigt. Dem alten Hern bringen auch wir unsere herzlichen Glückwünsche zu seinem 90. Geburtstage dar.
Arbeitsdienst besucht Gießen.
Unsere Stadt erhält am kommenden Samstag Be- such vom Reichsarbeitsdienst. 160 Mann von der Truppführerschule des Reichsarbeitsdienstes in Hei- ligenftabt auf dem Eichsfeld kommen nach Gießen, um unsere Stadt zu besichtigen. Den Besuchern sollen auf einer Führung die Sehenswürdigkeiten unserer Stadt, u. a. auch das Liebig-Museum, gezeigt werden.
Arbeit für da« Gießener Sportstadion in Angriff genommen.
In den Wiesen am Amtsgericht herrscht seit einiger Zeit eine eifrige Bautätigkeit, die den ersten praktischen Vorbereitungen für die künftige große Gießener Sportstätte gitt. Gegenwärtig sind otra« ßenbauarbeiten im Gange, durch die die Wolfstraße über den Teich hinaus, verlängert und als ,Wng- straße" ausgebaut wird, die etwa einen Kilometer lang und 32 Meter breit werden wird. Die Kanalschächte für diesen Straßenzug sind bereits gebaut und ragen über das Gelände hinaus, lieber die ganze Straßenbreite wird gegenwärtig der Rasen abgehoben und die Muttererde in 25 Zentimeter Höhe abgetragen.
In den letzten Tagen wurden verschiedentlich Bohrungen unternommen, mit deren Hilfe die Untergrundverhältnisse festgestellt wurden. Dabei traf man auf ßettelager, aber auch auf tiefschwarzen Torf. Da das Erdreich zum Teil sehr fest ist, muß ein Teil des Geländes mit dem Pflug auf- gerissen werden. Die Arbeiten lassen schon jetzt erkennen, daß es sich um eine großzügige Daumaß- nähme handelt.
Bau des TNittelmarkles begonnen.
Auf dem Platz an der Rodheimer Straße, der bisher den Pferdemärkten diente, haben die Bauarbeiter Einzug gehalten. Der Bau des Mittelmarktes hat begonnen. Die einzelnen Ställe, wie auch das Verwaltungsgebäude sind nach ihrer Lage bereits abgesteckt. Die Ausschachtungsarbeiten für die Grundmauern der Gebäude wurden in Angriff genommen.
Oie Stadt Gießen bei der Ausstellung »Wille und Tat-. Bei der in Wiesbaden stattfindenden Ausstellung „Wille und Tat" ist, ebenso wie der Landkreis Gießen, auch die Stadt Gießen vertreten. Durch das Städtische Verkehrsamt wurde wertvolles Bildmaterial zusammengetragen, das einerseits die ayf« baufreudige Stadt (Biegen, anderseits aber auch die Schönheiten unserer Stadt zeigt. So wird vor allem in charakteristischen Bildern bargetan, wie die Stadt in den vergangenen Jahren gewachsen ist, es werden die neuen Wohngebiete Ostmarkviertel, Schwarzlachgebiet, Fröbetstraße, Aulweg usw. gezeigt. In intereffanten Gegenüberstellungen wird auch die Altstadtsanierung und die Umgestal-
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