Mittwoch. U.Zuli 1939
Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Hr.160 Zweites Blatt
Aus der Wett des Films
könne sich nicht vorstellen, wie man daraus einen
er
Schicksal des jüngsten Jahrganges
Kadetten", ein neuer Karl-Ritter-Fitm der Ufa.
Schon bei seinem ersten Rundgang durch das
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konnte, sondern durch das ^eirgeicyeyen lies in me -Lag^euunyc,. y x, « .v , ( nb einmal politischen Wirren bineingerissen wurde. Wir ersah- erörtert wird, so ist 9 ® ^raacfreis w
ren, daß er die Befestigungsanlagen von Florenz unser Augenmerk auf d s g 3 ^ninbiäMidie entwarf. Und schließlich, nach den Werken in Pla- > richten. Denn cs geht hier um gru 1 tz )
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rung ist, daß diese nicht herrschen dürfen.
Scharf faßt Rudolf Ahlers, dessen Lustspiel „Peter spielt mit dem Feuer" auch verfilmt wurde, die Stellung der Dichter zum Film zusammen: „Der wertvolle Film künstlerischen Gehaltes fordert den Dichter als seinen unmittelbaren und allein verantwortlichen Schöpfer. Und der Dichter braucht den Regisseur, den Beherrscher der Technik, als seinen unentbehrlichen Helfer. Deshalb: Fordert vom Dichter den künstlerischen Film, fordert ihn in Idee und Gehalt von ihm als Schöpfer und Verantwortlichen ollem. Lehrt ihn die Gesetze des Films als Werkstoff achten und lieben. Sie sind es wert... Zum anderen: Erlöst den Film von der allein herrschenden Technik, die Gehalt und Idee unterordnet. Zum anderen, nicht zum letzten: Gebt dem Regisseur die schöpferische Freiheit der nur durch ihn möglichen Gestaltung im Dienst der schöpferischen Idee."
Siegmund Graff, der mit der „Endlosen Straße" zu den eindringlichsten Vermittlern des Kriegserlcbnisses gehört, betont, daß „nur schöpferische Menschen Ideen haben", und er wendet sich gegen jede Einseitigkeit der Techniker: „Der Film muß sich von dem Aberglauben frei machen, daß nur bestimmte Dinge bei seinem Publikum wirken. Wenn ich — beim Theater — an so einen Unsinn geglaubt hätte, würden meine sämtlichen Werke noch der „Endlosen Straße" durchgefallen sein. In Wahrheit ist es so, daß jedes Publikum der Welt sich von einem starken und in sich überzeugenden Werk gefangennehmen und begeistern läßt.
August H i n r i ch?, dem die erfolgreichen Volks- stücke' „Krach um Jolanthe" und „Wenn der Hahn kräht" zu danken sind, unterstreicht die Grundverschiedenheit von Film und Bühne und verlangt für den Film für ihn besonders geschaffene Dichtwerke: „Soll der deutsche Film ein künstlerisches Gesicht bekommen, darf er sich nicht in der Hauptsache aus die Verfilmung erfolgreicher Bühnenstücke und Romane beschränken, er braucht das nur f ü r ihn und seine reichen Möglichkeiten geschaffene Dichtwerk. Das haben wir bis heute nicht." Hinrichs verweist dabei auf das Beispiel des Rundfunks: „Was dem deutschen Rundfunk gelang, das vielumstrittene
und zur „Madonna Medici".
Immer wird uns durch ergänzende Aufnahmen aus Rom und Florenz, durch Stiche und Bilder der Auftraggeber Michelangelos, durch vergleichendes Zeigen'anderer Werke aus jener Zeit ein lebendiges Empfinden für die Atmosphäre der Renaissance geschaffen. Es wird auch erzählt, daß sich Michelangelo nicht ausschließlich der Kunst widmen konnte, sondern durch das Zeitgeschehen tief in die
abendfüllenden Film machen solle." Das auf sechzig Seiten mit sämtlichen Gestalten und Einzelheiten ausgeführte Treatment dieses Films, also der „erzählte Film", trat dann einen anderthalbjährigen Leidensweg zu vielen Filmgesellschaften an und wurde ursprünglich „wegen Mangel an Handlung gerade von derjenigen Gesellschaft abgelehnt, die später danach den Film schuf und damit einen gewiß nicht kleinen Erfolg errang."
Von ganz vereinzelten Stimmen abgesehen, wollen die deutschen Dichter nicht abseits stehen, sondern sind zur freudigen Mitarbeit bereit, wenn man ihnen ihr Recht gibt und sie nicht bei der Durchführung ihrer Ideen hintansetzt. Und im Hinblick auf das Ganze, auf die geistige Entwicklung des deutschen Volkes, braucht der weithinwirkende Film den Dichter.
herausgriffen, auch für diesen Film aus dem Leben Robert Kochs die an wissenschaftlichen Ergebnissen wie persönlichen Ereignissen wohl reichsten Jahre herausgenommen: vom Kreisphysikus in Wollstein, wo er sich zunächst mit der Erforschung des Milzbrand- und später dann des Tuberkelbazillus beschäftigte, bis zu feinem endlichen Sieg über die Tuberkulose, der der deutschen medizinischen Wissenschaft „nebenbei" auch noch eine von Koch erfundene und erstmals umfassend entwickelte Technik der Mikro-Photographie geschenkt hat. Die Welt der Bakterien, jener Kampf gegen die unsichtbaren Dinge, gegen die furchtbare Existenz eines bis dahin unnahbaren Krankheitserregers, das wird neben dem heldenhaften Ringen eines Arztes um Erkenntnis und wissenschaftlichen Erfolg also her dramaturgische Schwerpunkt und der optische Sinn dieses Werkes sein."
Mit großen Erwartungeü sieht man dem großen Robert-Koch-Film der Tobis entgegen, zu dessen Gestaltung sich^ Emil Jan- n i n g 5 und Regisseur Hans Steinhofs, die schon mit dem Film „Der alte und der junge König" ein erfolgreiches Gemeinschaftswerk schufen, wieder vereinigt haben. Wir hatten Gelegenheit, uns in einer Unterredung über die künstlerischen Absichten, die in dem Film verwirklicht werden sollen, unterichten zu lassen.
Vor allem Echtheit des Milieus.
Wenn I a n n i N g s und S t e i n h o f f in ihrem neuen Film selbstverständlich auch alles vermeiden werden, was als rein wissenschaftliches Material
zu bringen, das sollte dem Film mit seinen viel verlockenderen künstlerischen Möglichkeiten erst recht gelingen. Aber der Rundfunk suchte die Dichter und hat sich außerordentliche Mühe gegeben, sie für die neue Aufgabe zu gewinnen."
Kilian Kolk, der mit „Urlaub auf Ehrenwort" den Stoff zu einer Spitzenleistung des Films geliefert hat, schreibt: „Die Leute vom Film wissen recht gut, daß die Kraft jedes Filmwerks entschieden wird von der Idee, die ihm zu Grunde liegt." Aber er schildert seine eigene Erfahrung: „Man kann einer Idee jedoch leider nur sehr selten im voraus ansehen, ob ein erfolgreicher Film aus ihr wachsen wird. Die Erzählung und das Hörspiel „Urlaub auf Ehrenwort" wurden 1935 von einem der besten deutschen Filmregisseure mit dem Hinweis abgelehnt;
dankenswerter Bereitwilligkeit zur Verfügung gestellt war, betonte Emil Tannin g s den Aerzten, Professoren und Journalisten gegenüber:
„Wir wollen keinen biographischen Film machen. Wir wollen das Heldenleben eines großen Arztes lebendig zeigen, den im Kampf gegen di e Tuberkulose der Tod jeden Tag selbst treffen konnte." •
Damit maig bereits das Ausmaß einer Gestalt gekennzeichnet sein, die in ihrer ganzen Weite und schöpferischen Macht durch den kommenden Robert- Koch-Film einem ganzen Volke nahegebracht und vertraut gemacht werden soll, das diesen Menschen zu seinen größten Söhnen zählen darf. Jannings
Wertung des Films als Kulturerscheinung und damit des deutschen Films als eines wesentlichen Bezirks unseres geistigen und künstlerischen Lebens und unserer nationalen Geltung in der Welt.
In den kunstgeschichtlichen Betrachtungen über das gotische Zeitalter begegnet man mitunter der durchaus richtigen- Erkenntnis, daß die gewaltigen Werke der mittelalterlichen Baukunst, allen voran das unbegreifliche Wunder der himmelan ragenden Dome, nur möglich waren aus dem zähen Ringen mit dem spröden Stoffe. Die künstlerische Leidenschaft jener Baumeister, geboren aus der Inbrunst einer alle Schranken brechenden Gottessehnsucht, zwang trotz unzureichender technischer Mittel den schweren, dumpfen Stein, in immer feineren Gebilden, unter genauester Beobachtung aller physikalischen und mathematischen Gesetze, emporzusteigen zu jenen jubelnden Symphonien.
Ohne Zweifel: aus der Spannung zwischen geistiger Idee und der zunächst alles andere als gefügigen Materie, in der die Idee Gestalt werden sollte, fanden die großen Meister jener Jahrhunderte die notwendigen technischen Mittel, um in rückhaltloser Hingabe an das Werk jene 'zeitlosen Bauten zu schaffen, vor denen wir, wo immer mir ihnen begegnen, nur in Ehrfurcht schweigen. Doch nicht der negative Grund: die Unzulänglichkeit der technischen Methoden, sondern jener andere, positive: die Gewalt der religiösen Idee, die mit der künstlerischen sich verband und den Willen zur absoluten Ueberwindung aller Widerstände schuf, war der entscheidende Faktor, der Wunderwerke wie das Straßburger Münster Meister Erwins erstehen ließ. Daß selbst höchste Steigerung technischer Mittel nicht zu einem rein zivilisatorischen Materialismus führt, sondern immer nur auf die befruchtende Idee harrt, die den Dingen wieder die ewige Seele einhaucht und die Technik wieder zum willigen und willkommenen Diener großer Synkbole macht, beweisen unwiderleglich die Bauten des Dritten Reiches.
Kehren wir zurück zum Film. Auch für ihn find, wie für die Architektur, die Gesetze der Harmonie der Formen und Linien, vom starren Gebilde übertragen auf die flutende Bewegung, oberstes Gebot, i Es gibt keine Kunst, deren Elemente ihm fremd ; sind, die er nicht benötigt und auf seine eigene Art i umgestaltet. Der beschwingte Rhythmus des Tanzes, • hie vorwärtsstrebende Dramatik des Theaters, der [ geschliffene Dialog, die befeuernde Musik — das । und manches andere find feine künstleriichen Ele- , mente, wie die Verfeinerung aller Instrumente,
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der Aufnahmeapparaturen, der Zeitlupe, der Ueber- zeitlupe, des Zeitraffers, der Farbaufnahme und vieles andere feine hochwillkommenen technischen Mittel sind.
Der Film ist wie kein anderes Kunstwerk G e - meinscha f tsw er k. Das bedeutet nicht, daß er — wie es praktisch 'auch heute vielfach noch der Fall ist — notwendigerweise ein mehr oder weniger zufälliges Gebilde - einer Vielzahl von Autoren ist. Der Ruf nach dem Dichter, der in den Filmblättern immer wieder ertönt, ist ein ernstes Verlangen. Theaterdichter, die Filme schufen (wie etwa Curt Götz), Romanschriftsteller, die ihre Romane selbst für den Film umgestalteten, haben bewiesen, daß der um seines gewaltigen technischen Apparates willen so oft als unkünstlerisch verschriene Film außerordentlicher künstlerischer Vertiefung fähig ist. Die Verfeinerung technischer Methoden braucht nicht zu einer beguemen geistig- künstlerischen Verflachung zu führen. Gerade ste setzt vielmehr immer neue Aufgaben.
Und was wollte man auf die Dauer mit den schönsten technischen Erfindungen anfangen, wenn nicht die künstlerische Idee sich ihrer bemächtigte und sie auf diese Weise zum Werkzeug des Geistes macht! Mit dieser Erkenntnis aber haben wir die Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Technik im Film und nach dem absoluten filmischen Kunstwerk bereits in positivem Sinne zugunsten all jener unbeirrbaren Anhänger des Films gelöst, die schon in der Zeit, da er noch als verkanntes Zigeunerkind über die Rummelplätze Europas und Amerikas zog, in ihm ein Kunstwerk eigener Prägung sahen.
Seine besonderen technischen Eigenheiten, wie etwa die überdimensionale Größe des Filmbildes mit feiner unerbittlichen Deutlichkeit auch der kleinsten Dinge oder die zeitliche Auseinanderreißuny der einzelnen Aufnahmen, find nicht, wie das vorschnelle Urteil hieß und auch heute noch mancherorts heißt, Grenzen oder gar das absolute Aufhoren künstlerischer Wirkung, sondern sie stellen lediglich die künstlerische Ausgabe anders als etwa das Theater oder die Malerei. Filme wie „Pour le Merite", „Heimat", „Der Herrscher", „Napoleon ist an allem schuld", verschiedene unserer Lustspiel- filme der letzten Jahre, aber auch manches ame- rikanische Werk wie „Bengali", selbst jenes überragende Werk der Frühzeit „Der müde Tod" sind gute und unwiderlegliche Zeugen für den kunst- , lerischen Film. Sie besitzen das, was jedes Kunst- werk besitzen muß: Schönheit der Idee und Schön- , heil der Gestalt. Max Ingolf.
Michelangelos Werk im Film.
Ein kommender Kulturfilm.
Der Kultursilmer Eurt Oertel hat sich daran gemacht, Michelangelo Buonarroti in seinem Werk durch den Film wieder auferstehen zu lassen. Die Filmkamera hat ganz andere Möglichkeiten als der einzelne Besucher, der zu Michelangelos Werken in Florenz und Rom pilgert. Keiner hat sich jemals so genau in den Museen, Kapellen und Domen Umsehen können, wie es Oertels Kamera möglich war. Diese Kamera durste auf Gerüsten und Leitern die Gesichter der Plastiken und Gemälde aus allernächster Nähe sorglich studieren, Belcuchtungs- effekte ausprobieren und in aller Ruhe das Werk des großen Mannes studieren. Ein einzelner Besucher vermag das sonst nicht, und darum wind dieses Filmwerk, das Curt Oertel zusammen mit feinem Assistenten Karl Escher und seinem Kameramann H. Ringger im Auftrag der Pandora für den Deutschen Tobis-Degeto-Filmverleih schuf, ein besonders eigenartiges und schönes Geschenk für alle bedeuten.
Oertel ging davon aus, daß man den großen Gestalter nur durch feine eigenen Gedanken und Werke für uns sichtbar machest dürfte. So zeigt er einleitend Heimat und Landschaft, der Michelangelo entsprossen ist, und roanbett dann mit feiner Kamera in der Reihenfolge, wie sie entstanden, durch die Werke des Künstlers. Da sehen wir greifbar nahe von allen Seiten das „Kentaurenrelief", den heiteren „Bacchus", die „Pieta" des Petersdomes, das Gemälde der „Madonna Doni" und den „Giganten der Freiheit". Wir wandern mit der Kamera zum Marmor-Transport in Carrara, sehen, wie auch heute noch die gebleichten Blöcke entstehen, aus denen Michelangelo einst seine Gesichter und Gestalten formte. Dann weiter zu dem nie vollendeten „Grabmal Julius' II.", in die „Kapelle Medici"
Braucht der Film den Dichter?
Antworten ans eine Umfrage.
Die Tatsache, daß in Deutschland jährlich 430 Millionen Besucher in 6700 Filmtheatern gezählt wer- ; den, während nur etwa 30 Millionen Besucher auf 300 Theater- und Opernhäuser entfallen, zeigt, welche große Breitenwirkung der Film gegenüber dem Theater hat. Es kann daher nicht nebensächlich sein, wie die geistig-seelische Kost beschissen ist, die so viele Volksgenossen (in den meisten Fällen als einzige) erhalten. Wollte. der Film nur Unterhaltung bieten, so würde eine starke Einflußmöglichkeit nicht ausgenutzt, sollte er nur der Belehrung und Erziehung dienen, so würde das Kino auf die Dauer sicher feine Anziehungskraft verlieren. Die Zukunft des deutschen Films erscheint daher als eine Frage der Kunst, die Unterhaltung, Belehrung und Erziehung zugleich in sich schließt, und aus dieser Anschauung heraus hat der Herausgeber von „Wester- manns'Monatsheften" eine Umfrage an eine Anzahl deutscher Dichter gerichtet, wie sie zu der Frage stehen, ob der Film den Dichter braucht. Die sehr bemerkenswerten Antworten werden im Aprilhest der Monatsschrift mitgeteilt.
Die Meinungen gehen weit auseinander, aber em Grundzug ist unverkennbar: Es drängt die Dichter fast alle zum Film, und sie sehen die unvergleichliche Wirkungsmöglichkeit darin. Aber die Mehrzahl ist von dem heutigen Filmwesen enttäuscht, zum Teil aus Grund persönlicher bitterer Erfahrungen. Daß her Film den Dichter im tiefsten Grunde brauche, diese Frage wird stark bejaht, die Wichtigkeit der wirtschaftlichen und technischen - Fragen wird auch anerkannt, aber die immer wiederkehrende Forde-
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Wir haben, wie wir schon in dem Film „Der alte und der junge König" einen so bedeutsamen
Hörspiel durch Heranziehung einer großen Anzahl! Berliner Robert-Koch-Jnstitut für Jnsektionskrank- unferer besten Dichter auf eine sehr achtbare Höhe > Heiken, das zu Quellenstudien für diesen Hilm in
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3n der Hauptrolle: Bakterien.
Emil IanningS und Hans Steinhoff erzählen vom Robert-Koch-Iilm.
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beschäftigt sich so sehr mit der Atmosphäre dieses Stoffes, daß cr seit langem völlig im Bann seiner neuen Aufgabe steht.
Wie es zu diesem Thema kam.
„Dor etwa drei Jahren schrieb ich", so erzählt uns Hans Steinhoss von der Planung des Werkes, „in einer Berliner Tageszeitung zum erstenmal über den Gedanken eines Films um den Arzt und Forscher Robert Koch, wodurch ich mit dem Koch-Biographen Dr. med. Hellmuth U n - gcr und mit Professor Koeller, dem letzten Assistenten des großen Forschers, in Verbindung am. Das Thema war ja ausgesprochen groß und orderte ob feiner ungewöhnlichen stofflichen Vorlage förmlich zu filmischer Gestaltung heraus. Der Gedanke, wurde schließlich auch begeistert aufgenommen.
Ich wußte von Anfang an, daß die Verwirklichung dieses Films mit der Darstellung der Gestalt Robert Kochs stehen oder fallen würde. Wie bei kaum einem anderen Stoff konnte hier nur ein Mann in Frage kommen, dessen Persönlichkeit beim Publikum höchstes Ansehen aenoß, der so kraft seines unantastbaren künstlerischen Rufs die blut- lebendige Echtheit der darzustellenden Figur auch vom ersten Augenblick an über jeden Zweifel erhob. Wer würde wohl die herrliche Gestalt Robert Kochs erschöpfender in sich verarbeiten und sie lebendiger nachempfinden können als der Schauspieler Emil Jannings, der sich in so vielen Stoffen des deutschen Films wirklich als unser größter Menschendarsteller ausgewiesen hat! Natürlich nahm gerade dieser Vorschlag von mir Jannings' ganze Aufmerksamkeit gefangen, und in aufrichtiger künstlerischer Begeisterung entschloß er sich schon bald, gemeinsam mit mir die Arbeit aufzunehmen."
Wir sprachen davon, daß die Gestalt Robert Kochs rein äußerlich keine im üblichen Sinn dramatische Erscheinung fei, und fragen Steinhofs, wo er als Regisseur also das dramaturgische Schwer- gewicht sehe.
„Ein biographischer Film", sagt Steinhofs, „würde gerade im Fall Koch nicht viel mehr als ein zwar überaus interessanter, aber kalter Kulturfilm fein können. Wir aber wollen den Menschen Koch, die in all ihren Charakterzügen so ausgesprochen deutsche Forscherpersönlichkeit dar- stellen mit ihrem heroischen Kampf gegen eine der furchtbarsten Infektionskrankheiten — und dann auch gegen eine Umwelt, die das Genie Koch noch nicht begriff oder ihm auch aus nicht eben uneigennützigen Erwägungen keine Anerkennung
Die Frage nach dem Verhältnis von Kunst Technik hat in dem modernsten Bezirk künstlerischen Schaffens, der Filmproduktion, naturgemäß von jeher die verschiedensten Meinungen auf den Plan gerufen. Ist doch gerade der Film ein Schulbeispiel dafür, wie die geistige Durchdringung einer technischen Erfindung zu einer souveränen Beherrschung aller methodischen Hilfsmittel führt, wie der Sieg der Idee über die Materie auch dort festgestellt werden muß, wo die Gestaltung einen technischen Apparat ohnegleichen verlangt.
Aus der Tatsache, daß der Film, der einst als technisches Kuriosum aus die Welt kam, heute in her gesamten Kulturwelt eine gewaltige Industrie darstellt die am Arbcitsleben und am Handel der Völker 'entscheidenden Anteil hat, wird auch heute noch vielfach ein Ueberwiegen der technischen Seite des Films gefolgert und ihm im Höchstfälle der Charakter eines gehobenen Kunstgewerbes zuge- fprochen Auf der anderen Seite stehen jene fanatischen Apologeten der Filmkunst, die von Anbeginn an in ihm ein vielseitiges Wundcrinstrument erblickten geschaffen, alle erdenkbaren optischen Erscheinungen unserer Erdenwelt — al,o auch die nach einer künstlerischen Idee geformten! - als Bewegungsvorgänge unter den verschiedensten Perspektiven festzuhalten. .
Da auch in der Gegenwart diefe Frage nach dem kiinsst-rijchen Charakter des Fstmwrrks ni(f)t verstummt ist. sondern in der Fachpresse mic m den Tageszeitungen von Zeit zu Zeit immer meder
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stik, Malerei und Dichtung, werden wir mit dem wirksamsten Teil seines Schaffens bekannt gemacht, mit seinen architektonischen Werken: Freiaufnahmen zeigen den Palazzo Farnese, die Bibliotheca Lau- renziana in Florenz und das gewaltige Schlußwerk Michelangelos, die Kuppel von Sankt Peter in Rom.
Die musikalische Gestaltung des Werkes steht hinter der optischen nicht zurück: Werke von Beethoven wurden ausgewählt und den Bildern unterlegt. So entstand ein in sich geschlossenes Kunstwerk, das auf der Biennale in Venedig die höchste Auszeichnung erhielt und das demnächst im Spielplan unserer deutschen Lichtspieltheater erscheinen wird. fb.
Technik und Kunst.
Das Lchttlbeispicl des Films.
Eine packende Szene mit Carsta Löck aus dem neuen Ufa-Film "Kadetten", der unter der
Spielleitung von Professor Karl Ritter gedreht wurde. Der Film schildert das Schicksal des jüngsten Glie urm tier juiuge jwmy euren
Jahrgangs der Kadettenanstalt in Berlin, der während des Siebenjährigen Krieges von den Ruffen Abschnitt aus den Entwicklungsjahren Friedrichs II. aefangengenommen und nach Rußland verschleppt wurde. Die Hauptrolle in diesem Film spielt ----------------------
y Mathias W i e m a n. — (Scherl-Bilderdienst-M.)


