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fettster durch eine Wende verkleinerte, konnte er in dem Prisma jede beliebige Farbe erzeugen. Schaute er nun durch fein Rohr, so sah er die Linse in einem prächtigen Blaugrün erstrahlen. Run drehte er an den Blenden der Farbfenster, bis das vom Prisma hereingeworfene Licht genau die gleiche Färbung wie das Meerwasser zeigte, die Scheibe also durchweg, auch an jener Aussparung, einheitlich gefärbt erschien. Dann konnte Dr. Kalle an den Blenden die Farbe in Zahlenwerten ablesen. Zusammen mit sorgfältigen Untersuchungen über die Bestandteile, die sich an der betreffenden Stelle im Meerwasser sanden, gab das exakte Tabellen, in welche die Farben des Meeres wissenschaftlich eingefangen wurden.
spiegelung des Meeres gestört zu werden, sah Dr. Kalle hier in das Meer hinein, und die Linsen erglühten in der Farbe, welche die Moleküle des Wassers vder die Schwebestoffe heraufschickten: Die in das Wasser eindringenden Sonnenstrahlen wurden doch von ihnen farbig reflektiert. An dieser „farbigen" Scheibe in dem Rohr war aber eine Stelle' ausgespart, und hier wurde seitlich durch ein Prisma das Tageslicht hereingeleitet, das vorher einen roten, einen grünen oder einen blauen Farbfilter passieren mußte. Ein rotierender Spiegel warf dies Licht auf das Prisma und mischte dabei die drei Grundfarben wieder so, daß das Licht rein weiß war, wenn alle drei Farbfenster gleich groß gehalten wurden. Je nachdem Dr. Kalle nach einer Skala das rote, das blaue ober das grüne Farb-
Das Wasser, das man zum erfrischenden Trunk aus einer Quelle geschöpft hat, zeigt keinerlei Färbung. Das kommt aber nur daher, weil die Wassermenge, durch die wir hindurchsel)en, nicht groß genug. die Wasserschicht also nicht dick genug ist. In einem Aquariurn-Behälter von genügendem Aus« maß sieht man bereits, daß das Wasser eine bläuliche Färbung hat. Tatsächlich ist das Wasser selbst blau wie Tinte. j£)ort, wo der Ozean keinerlei Beimengungen in seiner Flut hat, wie das vor allem im Sargassomeer der Fall ist, erscheint das Wasser daher wirklich wundervoll blau. Es ist eigenartig: Das Sargassomeer ist vor allem dadurch bekannt, daß dort ungeheure Mengen von gewaltigen Meeresalgen frei herumschwimmen. Man möchte daher annehmen, daß dort der Ozean gerade reich durchsetzt mit Nährstoffen ist. Das Gegenteil ist richtig! Es gibt kaum ein Meeresgebiet, das so vollständig frei von Nähr st offen und daher auch von Kleinlebewesen ist. Man hat dies Blau des vollkommen reinen Meerwassers daher mit Recht die „Wüstenfarbe" des Meeres genannt, ebenso wie das Gelb die unfruchtbare Wüste zu Lande kennzeichnet. Blau erscheint das reine Wasser übrigens aus dem gleichen Grunde, wie uns der Zigarettenqualm blau erscheint: Der Qualm besteht aus feinsten Aschepartikeln, die das Licht refleltie- ren. Weil aber diese Partikelchen kleiner als die Wellenlänge des Lichtes sind, so werfen sie bevorzugt das kurzwellige blaue Licht zurück. Aehnlich streuen auch die Moleküle des Wassers vor allem blaues Licht aus.
Wo aber sich allerlei Nährstoffe in der See
finden und wo besonders auch Kleinlebewesen, die selbst wieder Nahrung für die Fische sind, ihren Lebensunterhalt finden, da verändern die Schwebestoffe die Farbe des Meeres: Das Plankton z. B. scheidet Stoffwechselprodukte aus, die sich nur sehr langsam zersetzen und daher im Wasser gelöst bleiben. Sie sind selbst gelblich und ähneln in ihrem Aufbau dem Humusboden. Da dieses Gelb zusammen mit der blauen Eigenfarbe des Wassers wirkt, ergibt das ganze eine blau- grüne Farbe. In der Nordsee aber, wo diese Nährstoffe und Planktonausscheidungen noch wesentlich häufiger als im hohen Ozean vorkommen, wird das Wasser schließlich rein grün. In der Küstennähe kommen dann verschiedene Mineralien dazu und der aufgeschwemmte Sand. Das ergibt eine Farbmischung, die wenig schön wirkt und sich immer mehr dem Gelb grün nähert. — Die Ostsee hat ihre ganze seltsame Färbung Finnland zu verdanken. Dort werden nämlich außerordentlich! große Humusmengen in den Bottnischen Meerbusen geschwemmt. Sie färben den großen „Binnensee" Nordeuropas immer stärker gelblich, je weiter man nach Osten kommt. Der Bottnische Meerbusen selbst ähnelt in seiner Farbe der wegen ihres Gelb berühmten Elbe, deren Wasser man an seiner Farbe noch weit hinaus in der Nordsee erkennen kann.
Doch der Wissenschaftler verläßt sich nicht auf fein vergleichendes Auge allein und seine Erinnerung, um die Meeresfarben gegeneinander abzuwägen. So hat Dr. Kalle sich selbst ein Meßgerät für die Wasserfarben konstruiert. — Als der „Meteor", das bekannte deutsche Vermessungsschiff, im vorigen Jahr wieder zwischen Mittelamerika und Europa Forschungsfahrten anstellte, trug es an der Bordwand außen ein seltsames etwa 4 Zentimeter dickes Rohr, dessen Ende etwa einen Meter tief ins Wasser reichte. In diesem Rohr waren Linsen angebracht. Ohne von der Oberflächen
Das Geheimnis der „blauen""
Aka. Sinkt an der See die Sonne nach einem heißen Sommertag in die Flut, dann glühen die Wellen in wunderbarem Farbenspiel. Doch kaum ist der rote Ball verschwunden, so rollen die Wogen eisengrau, fast schwarz zum Strand: Die Farben waren nicht ihr Eigen, sondern von der Sonne geborgt. — Aber hat denn das Meer selbst keine Farbe, mit der es das Bild der Erde bereichert? Leuchtet es nur blau, wenn es das Licht eines strahlend blauen Himmels zurückwerfen kann, und spiegelt es nur schmutzig tiefhängende Wolken?
Die Frage nach der wirklichen Farbe des Meeres ist bereits in der Mitte des vorigen Jahrhunderts aufgeworfen rSdrden, und selbst Männer wie Bunsen haben sich um eine Antwort bemüht, ohne eine befriedigende Lösung dieses Problems zu finden. In den letzten Jahren wurden nun namentlich von deutscher Seite eingehende Untersuchungen der Farbe des Meeres gewidmet. Dr. Kalle von der Deutschen Seewarte in Hamburg hat auf Fahrten in die Ostsee und Nordsee und durch den ganzen Atlantik zwischen dem Nordmeer und der Sargassb- see vor Florida die Flut auf ihre Farben untersucht, wobei selbstverständlich immer die Spiegelung des Himmels oder Sonnenlichtes ausgeschaltet wurde. Da lassen sich ganz deutliche Unterschiede zwischen dem Wasser des Sargassomeeres, dem gewöhnlichen Atlantikwasser, dem Küstenwasser z. B. in der Nordsee, und schließlich dem ganz eigenartigen Ostsee-Wasser nachweisen. Von Blau bis Gelbbraun sind die verschiedensten Tönungen vorhanden. Jedenfalls ist- das Wasser nicht farblos.
Oie Sorben der Ozeane. — Finnland macht die Ostsee gelb.
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