Glanzvoller Ausklang derReichslheaterfestwoche
Oer Führer in Wien. — Ehrungen für Richard Strauß.
tkmsche öffentliche Meinung unangenehm überrascht durch die Weigerung der Nordamerikaner, selbst für den an und für sich geringen Verbrauch eines Probier- Restaurants auf der Aus - ftellung in Neuyork argentinisches Kühl- fleisch in USA. einzuführen. Aus dieser Weigerung ging für die Argentinier zweifellos hervor, daß Nordamerika grundsätzlich und um jeden Preis der Einfuhr argentinischen Fleisches abgeneigt sein müsse, denn anders wäre ja eine derartige Haltung gar nicht zu verstehen.
Das gleiche gilt von der jüngsten argentinisch- nordamerikanischen Kontroverse, die bezeichnenderweise in dem Augenblick entstanden ist, als die Argentinier der nordamerikanischen Automobilindustrie in der Frage des Automobil-Importes die vorher erwähnten Konzessionen gemacht hatten. Diesmal handelt es sich um eine ausgeschriebene Lieferung von Büchsenfleisch für die nordamerikanische Flotte. Die ausgeschriebene Menge betrug 48 000 1b., der Wert der Lieferung schwankt, je nach den Angeboten, zwischen 7000 und 11 000 Dollar. Im Grunde handelt es sich also um einen geringfügigen Betrag. Die Argentinier hatten das b i l l i g st e Angebot aller am Wettbewerb Beteiligten gemacht, nämlich 15,7 cts., je 1b. Da aber die amerikanische Regierung von diesen 15,7 cts. auch noch die 6 cts. Zolleinnahmen, die sie als Regierung ja selber erhalten würde, in Abzug brin- gen mußte, stellte sich für sie das 1b. argentinischen Büchsenfleifches auf netto 9,7 cts. — gegenüber 23,6 cts, auf die sich das billigste nordamerikanische Angebot stellte. Dazu trat noch, daß sich Präsident Roosevelt selber für die Vergebung der Lieferung an Argentinien einsetzte, wobei er öffentlich erklärte, das argentinische Fleisch sei nicht nur viel billiger, sondern auch erheblich besser als das nordamerikanische — eine Feststellung, die wohl auch objektiv der Wahrheit entspricht. Dennoch erwiesen sich auch diesmal die Viehzüchter-Interessen in USA., vor allem im Senat, stärker als die wirtschaftliche und politische Vernunft. Die nordamerikanische Offerte erhielt den Zuschlag, und während Roosevelt meinte, das argentinische Fleisch sei dem nord- amerikanischen überlegen, vertrat die Mehrheit des Senates die Auffassung, in Argentinien herrsche ständig Maul, und Klauenseuche.
Diese neue Auseinandersetzung über das argentinische Fleisch in USA. hat in Argentinien einen denkbar schlechten Eindruck hinterlassen, und in den Zeitungen wird die Frage aufgeworfen, worin denn eigentlich die „Politik der guten Nach- b a r s ch a f t " gegenüber Argentinien bestehe, von der in Washington so oft die Rede sei und die stets versage, wenn man sie einmal brauche...
Amerikas „Humanität".
Burgos, 12. Juni. (DNB.) Die spanische Oef- fentlichkeit ist über die Haltung der Vereinigten Staaten empört, die die Rückreise der von den entmenschten roten Horden verschleppten spanischen Kinder verweigerten. Wäh- rend die spanischen Eltern sich vergebens um die Rückkehr ihrer Kinder bemühen, agitiert man in USA. dafür, daß die Kinder endgültig von Amerikanern adoptiert werden und damit jede Bindung zum Elternhaus verlieren. „Diario Vasco" schreibt dazu: Während Roosevelt seinen Botschafter nach Burgos sende, um dort amerikanische Interessen zu vertreten, scheint er ganz zu vergessen, daß auch SpanienJnteresseninAmerika habe.
Blutiges Wochenende in Jerusalem.
Juden schmuggeln Bomben in Briefkästen.
Jerusalem, 11.Ium. (DNB.) Am Samstag explodierten im Abstand von fünf Minuten zwei Bomben in den bei der Hauptpost angebrachten B r i e f k ä st e n. Die Briefpost wurde na- türlich vernichtet. Außerdem wurden durch die Ex- plofion fünf Personen leichter verletzt.
Sonntagfrüh untersuchte der britische Bombenspezialist Clerk eine Bombe, die in einem Briefumschlag eingewickelt vorgefunden worden war. Die Bombe war nicht zeitgerecht explodiert, so daß sie von der britischen Kriminalpolizei beschlagnahmt werden konnte. Sie explodierte während der Untersuchung und riß dem Sachverständigen den Kopf ab. Acht weitere Personen, die bei der Untersuchung anwesend waren, wurden verletzt.
Da die Araber niemals Bomben benutzt haben, ist es offensichtlich, daß die Urheber der Bombenanschläge in den Reihe der Juden zu suchen sind. Das jüdische Viertel Meascharim wurde auch militärisch abgesperrt und wird gegenwärtig durchsucht, wobei die Aktion allerdings im Gegensatz zu den Methoden, die in den arabischen Dörfern angewendet werden, sehr rücksichtsvoll ist.
Das Militärgericht in, Jerusalem verurteilte am Samstag einen Araber zum Tode. In beiden Fällen wurden die üblichen „Begründungen" mitgeteilt.
In dem von Juden bewohnten Jerusalemer Vorort Sanhedria kam es am Sonntag zu schweren Kämpfen zwischen Arabern auf der einen und Juden, englischen Truppen und Polizisten auf der anderen Seite. Schon in den frühen Morgenstunden hatte sich ein regelrechtes Gefecht entwickelt, lieber den Ausgang des Kampfes ist amtlich noch nichts verlautet.
Gifimordanfchlag in Nanking
S ch a n g h a i, 12. Juni. (DNB.) Die meisten Mit- glieder der chinesischen Erneuerungs- regieruna in Nanking, ferner hohe japanische Offiziere und Diplomaten wurden von schweren Vergiftungserscheinungen befallen, nachdem sie bei einem Bankett des japanischen Generalkonsuls in Nanking auf das Wohl des japanischen Dizeaußenministers Schimizu getrunken hatten, der sich zur Zeit in Panking aufhält. Ein Chinese wurde als verdächtiger Giftmischer verhaftet. Umfangreiche weitere Untersuchungen sind eingeleitet.
Die ersten Krankheitserscheinungen zeigten sich erst, nachdem die Gläser geleert worden waren. Der behandelnde japanische Arzt erklärte inzwischen, daß alle Beteiligten bereits außerGefahr seien und daß nur unvorhergesehene Komplikationen ihren Zustand verschlimmern könnten.
Oer rumänische Außenminister in Ankara.
Ankara, 11. Juni. (DNB.) Der rumänische Außenminister G a f e n c u traf zu einem offiziellen, drei Tage währenden Besuch in Ankara em und wurde dort auf dem Bahnhof von Vertretern der Regierung und des Militärs feierlich begrüßt.
Wien, 10. Juni. (DNB.) Der Führer traf am Samstag zur 6. Reichstheaterfestwoche in Wien ein. um der Erstaufführung der Oper „F r i e d e n s t a g" zu Ehren des 75. Geburtstages von Richard Strauß in der Wiener Staatsoper beizuwohnen. Mit dem Führer nahmen u. a. an dem östlichen Ereignis teil: Die Reichsminister Dr. Goebbels, Dr. Seyß-Jnquart, Reichs- kommifsar Gauleiter B ü r ck e l, die Reichsleiter Reichs Pressechef Dr. Dietrich und Martin Bormann, SA.-Obergruppenführer Brückner, General der Flieger Löhr, Gauleiter Jury sowie die führenden Persönlichkeiten aus Staat und Partei in der Ostmark. Reichsminister Dr. Goebbels empfing den Führer am Eingang und geleitete ihn in die Ehrenloge. Beim Erscheinen des Führers erhob sich das bis auf den letzten Platz besetzte Haus und grüßte ihn mit erhobener Rechten. Die Auf- ührung gestaltete sich zu einem erlesenen künstlerischen Ereignis. Die besten Kräfte des Hauses und eine Anzahl hervorragender Gäste hatten sich vereinigt, um dos jüngste Werk des Meisters lebendig werden zu lassen. Die musikalische Leitung hatte Intendant Professor Clemens Krauß, der das weltberühmte Wiener Opernorchester zu einer Leitung seltenen Ranges emporführte. Der Spieleiter Rudolf Hartmann (München) gab ein chönes Beispiel neuer Opernregie. Ulrich Roller hatte in prächtigen Bühnenbildern einen würdigen Rohmen geschossen. Von den Darstellern seien die Gäste Viorica U r s u l e a c (München), Hans Hotter von der Staatsoper in Hamburg und von der Wiener Oper Herbert Alfen, Joseph Witt und Hermann Wiedemann genannt. Das Werk und die Aufführung wurden mit größtem Beifall ausgenommen.
Reichsminister Dr. Goebbels hatte aus An- laß des 75. Geburtstag von Richard Strauß am Sonntag einen kleinen Freundeskreis des Meisters zu einem Frühstück geladen, an dem neben dem Jubilar und seiner Gattin u. a. Reichskommissar Gauleiter B ü r ck e l, Reichsminister Dr. Seyß- Jnquart, Bürgermeister Dr.-Jng. Neubacher, Generalmusikdirektor D r e w e s und Ministerialdirigent Dr. Schlösser teilnahmen. Dr. Goebbels übermittelte im Namen des Führers und des deutschen Volkes Richard Strauß die herzlichsten Glückwünsche. „Sie haben sich", so wandte er sich an den greisen Jubilar, „durch Ihre Sinfonien, Ihre Opern und insbesondere durch Ihre Lieder einen esten Platz in der deutschen und in der Weltmusikgeschichte erobert. Es ist vielleicht das höchste Glück, das ein Künstler zu seinen Lebzeiten überhaupt erfahren kann, von der Mitwelt nicht nur verstanden, sondern auch verehrt und geliebt zu werden.
Die Anwesenheit des Führers gab auch dem letzten Abend der glanzvoll verlaufenen Reichstheater-Festwoche seine Bedeutung. Der Führer beuchte im Burgtheater die Aufführung von Retro y s köstlicher Posse mit Gesang „Einen Jux will er sich machen". In der Wiedergabe des Burgtheaters, das seine besten Kräfte eingesetzt hatte, bewies das heitere Spiel auch nach 100 Jahren eine Ursprünglichkeit und Frische. Stürmischer Bei
fall rief mit dem Spielleiter Herbert W a n i e k die Hauptdarsteller, Hermann T hi mi g, Alma Seid- l e r, Ferdinand Meierhofer,' Richard E y b - ner, vor den Vorhang.
Erste deutsche Kulturwoche im Protektorat.
Im Clam-Gallas^Palais, einem der glänzendsten Barockbauten Prags, wurde von Reichsprotektor Freiherrn von Neurath die erste deutsche Kulturwoche im Protektorat feierlich eröffnet. Der Reichsprotektor würdigte die Bedeutung der Veranstaltungen, die in gedrängter Form eine Uebersicht über die deutschen Kulturleistungen bringen. Wenn jetzt in Prag, so führte er aus, deutsche Kultur gezeigt werde, so geschehe dies, um darzutun, daß die deutsche Kultur hier schon immer zuhause war. Darüber hinaus solle die Kulturwoche zeigen, wie das deutsche Kulturschaffen auch im neuen Reich gefördert und gepflegt wird. Reichsleiter Hoff bezeichnete die Kulturwoche als ein lebendiges Beispiel deutscher Kulturarbeit in Prag nach der befreienden Tat des Führers. Hierauf be- sichftgten der Reichsprotektor und die Ehrengäste im Clam^Gallas-Palais die Ausstellung historischer Dokumente aus Böhmen und Mähren. Im Festsaal des Deutschen Hauses hielt Unioersitatsprofessor Dr. Wilhelm W o st r y den Festvortrag, in dem er davon sprach, es seien immer glückliche Zeichen für die Länder Böhmen und Mähren und für ihre Bewohner gewesen, wenn der Strom der deutschen und der böhmischen Geschichte gleichgerichtet und völkerbefriedend dahinfloß.
Weimar-Zestspiele der deutschen Lugend
Mit einer festlichen Kundgebung wurden die Weimar-Festspiele der deutschen I u - gend 19 3 9 eröffnet. Etwa 1000 deutsche Jungen und Mädel aus allen Gauen des Reiches sind nach Weimar gekommen, um hier das Erlebnis klassischer Kultur in sich aufzunehmen. Es sind jetzt 30 Jahre her, seit sich zum ersten Male die Schulgruppen des deutschen Schillerbnndes in Weimar zu den Festspielen zusammenfanden. Staatsrat Dr. Ziegler, der Generalintendant des Deutschen Nationaltheaters, der die Festspiele eröffnete, würdigte dieses Jubiläum einer völkischen Kulturtat. Nachdem er die Grüße des Reichsjugendführers übermittelt hatte, gedachte Staatsrat Dr. Ziegler der Männer, die dieses Werk mit Idealismus durch die Jahrzehnte getragen haben, bis vor zwei Jahren die deutsche Jugend selbst zum verantwortlichen Mitträger heranreifte. Sein Gruß galt dem Schöpfer des Werkes Professor h. c. Adolf Bartels. 25 Jahre hat dann Professor Eduard Scheide ma n tel den deutschen Schillerbund durch gute und harte Jahre geführt. Der Redner führte Die Jugend sodann in den Sinn der Festspiele ein. Mit einer prachtvollen „Egmont"-Aufführung begannen die Festspiele, die in dieser Reihe noch Shakespeares „Was ihr wollt", Wagners „Meistersinger" und Schillers „Wilhelm Teil" bringen.
besonders stark inne, darüber hinaus aber — be» zogen auf die Bindung an den Mann — auch ein gewisser „Derähnlichungstrieb", wie das die Psychologen nennen. In der gleichen Richtung wirken ja auch Umgang und Erziehung, die bekanntlich Ge- icht und Haltung bis zu einem gewissen Grave zu veredeln mögen.
Aehnlichkeit und Krisenfestigkeit.
Sehr interessant sind nun wissenschaftliche Beobachtungen über den Verlauf der Ehen, bei denen der Aehnlichkeitsfaktor eine besonders deutliche Rolle spielt. Vor Krisen sind auch diese Ehen keineswegs völlig geschützt, aber es zeigte sich, daß ie selbst schwerste Konflikte vertragen, ohne daran zu zerbrechen. Normalerweise gleichen sich diese in olchen Ehen besonders leicht aus. Aeußerst lehrreich war der Einblick in das Verhalten einer Reihe von Ehepaaren, die eine Zeitlang in Scheidung gelebt hatten. In solchen Zeiten der schwersten Ehekrise gingen sie trotzdem keine neue Bindung ein, weder in einer neuen Ehe noch in einem längeren Zu« ammenleben mit einem anderen Partner, sondern ie fanden in allen beobachteten Fällen wieder z u - einander zurück, so daß ihre Scheidung nur als ein temperamentbedingtes „Zwischenspiel angesehen werden kann. Was aber ihre Wiedervereinigung vor allem verrät, das ist die Festigkeit der eelischen Bindung, die bei physiognomischer Aehn- ichkeit der Ehepartner besonders groß ist, wie eingehende Untersuchungen det Psychologen erwiesen haben.
Die neuen Erkenntnisse der Zusammenhänge zwischen Aehnlichkeit, Gattenwahl und Ehe werden vor allem dem Arzt und dem Eheberater dienen und ihm bei der Beurteilung junger Paare wie auch zur Hilfeleistung bei Ehekonflikten eine wertvolle Unterstützung gewähren können.
Wiewohl wir nun um einen sehr wesentlichen „Glückskoeffizienten" der Ehe wissen, um die Aehn- lichkeitsfaktoren und das Wunder der Angleichung, so ändert dieses Wissen doch wenig ober nichts an dem dunkel waltenden Gesetz schicksalhafter Liebeswahl. Unbeirrbar folgen ihm die Menschen, allen Regeln, Ratschlägen, Einsichten und wis- enschafllichen Erkenntnissen zum Trotz, im Kommen und Gehen der Generationen. Unbekümmert um den Glücksumstand ursprünglicher oder möglicher physiognomischer Aehnlichkeit vertrauen sich diesem Gesetz die Liebenden allezeit aru Darum ist auch die Aehnlichkeit zwischen den Partnern eine Gabe des Schicksals, die sich nur selten jemand aus einer verstandesmäßigen Ueberlegung heraus verschaffen kann — die Stimme der Liebe ist stärker als alle Ueberlegung. Darum ist es gut, daß die Natur hier ganz „von selbst" so oft dafür sorgt, daß sich einander innerlich oder auch äußerlich ähnelnde Menschen in Liebe finden. Wo aber diese Aehnlichkeit zunächst fehlt, da sorgt ein weises Naturgesetz dafür, daß sie sich wenigstens in gewissen Grenzen im Laufe der Ehe einstellt und damit die Dauer einer solchen Bindung verbürgt.
Ehinesische Truppen in Schantung eingekreist.
S ch a n g h a i, 11. Juni. (Europapreß.) lieber die kriegerischen Operationen in der Schantung- Provinz verlautete am Sonntag aus japanischer Quelle, daß die Japaner nach Einnahme von Jshui und Schuhsien durch eine Zusammenziehung ihrer Front die Truppen des chinesischen Generals Pu-- huehchung im südlichen Schantung umzingelt hätten. Das Einkreisungsgebiet erftrecke sich über zwölf Kilometer in nordsüdlicher und über 28 Kilometer in ostwestlicher Richtung.
Aus aller Wett.
Verein deutscher Wirtfchaftswissenfchaster.
Aus Anlaß der ersten Jahrestagung der Wissen- fchaftlichen Akademie des RSD.-Dozentenbundes wurde auf Anregung und mit Unterstützung des Reichsdozentenführers Professor Dr. Schultze der Verein deutscher Wirtschaftswissenschaftler gegründet. Der Verein, die organisatorische Form für den umfassenden Zusammenschluß der deutschen Wirtschaftswissenschaftler u-nter eigener Verwaltung, hat seinen Sitz in München. Prä- fident ist Professor Dr. Bechtel (München, früher in Gießen), Vizepräsident Professor Dr. Geld- mach er (Köln). Dem Präsidenten steht ein Senat zur Sette.
Reichssender Böhmen.
Der Reichsminister für Volksaufklärung und Pro- paganda hat den bisherigen Abteilungsleiter am Deutschlandsender Hans Günter Marek zum kommissarischen Intendanten des Rundfunksenders Prag II — Melnik, der künftig den Namen Reichs- fender Böhmen tragen wird, berufen.
Deutsche Reisende besuchen Spanien.
In Santander traf dieser Tage der deutsche Dampfer „Steuben" mit 4 0 0 deutschen Reisenden an Bord ein, die nach Besichtigung der Stadt nach Burgos weiterfuhren, um von hier aus eine längere Besuchsreife in Spanien durchzuführen.
Luftpost Südamerika—Deutschland in zwei Tagen.
Die am Freitag mit der Lufthansa aus Südamerika abgegangene Luftpost traf Sonntag nacht um 0.47 Uhr in Frankfurt a. M. ein.
Mordversuch im Auto.
Der Gerhard Jung aus Kirchen a. d. Sieg verübte auf der Straße zwischen Kirchen und Siegen in einem fahrenden Personenkraftwagen mit der Pistole einen Mordanschlag auf seinen Onkel, der von diesem abgewehrt werden konnte. Der Täter ist unter Zurücklassung der Waffe m Richtung Siegen geflüchtet.
An einem läge zwei Kinder verloren.
Von einem traurigen Geschick wurde eine Familie in dem Westerwaldort Kölbingen betroffen. Während die Mutter mit Wäschebügeln beschäftigt war, stieg ihr kleines Kind auf einen Stuhl und ergriff die Essiessenzflasche. Es trank daraus und erlitt schwere innerliche Verbrennungen. Obwohl man sofort für Hilfe sorgte, war das Kind nicht mehr zu retten. Die Aufregung löste bei der Frau eine vorzeitige Entbindung aus. Auch das Neugeborene konnte nicht am Leben erhallen werden.
Briesträgermord in Polen.
Der 24jährige polnische Briefträger Stanislaus I a r e ck i wurde auf einem Waldwege am Bahnhof Mentfchikal meuchlings mit einer Schrotbüchse niedergeschossen und bann durch Kolbenschläge getö - t e t. Die polnische Polizei nimmt an, daß es sich um einen Racheakt handelt, da der Mann nicht beraubt worden ist.
Verheerende Aeversbrünste in Polen.
Zu großen Schadenfeuern kam es in verschiedenen Gebieten Polens. In dem Dorf Wolkabei
Werden Ehegatten einander ähnlich?
Das Wunder des »Zueinanderpassens^. — Oie Wissenschaft löst ein altes Geheimnis. - Gegensätze, die sich anziehen und angleichen.
Don Dr. <5. Keßler.
Seit Jahrhunderten bemühen sich die Menschen, Regeln zu linden, deren Befolgung des Glücks einer Ehe sozusagen von vornherein garantieren soll. Keine menschliche Gemeinschaftsform wurzelt so stark im Glücksgesüyl und Glücksverlangen wie die Bindung von Mann und Frau in der Ehe. Aber erfahrungsgemäß ist es in manchen Fällen außerordentlich schwer vorauszusagen, ob zwei Menschen zueinander passen, und ob die Ehe gut ober schlecht werben wirb. Gefühlsmäßig wissen wir um bie verborgene Kraft des Zusammen- klingens, wenn wir den Grund einer glücklichen Ehe im „Zueinanderpassen" ihrer Partner erblicken und dort, wo wir diese Kraft nicht erfühlen, im Bilde alter Bauernweisheit vom „ungleichen Gespann" sprechen. Nicht selten überrascht nun an den „zueinander passenden" Eheleuten eine von vornherein vorhandene äußerliche Aehnlichkeit. In anderen Fällen wiederum kann man beobachten, daß sich die Ehegatten im Laufe der Zeit immer ähnlicher werden. Diese merkwürdige Tatsache hat jetzt die Wissenschaft dazu veranlaßt, das Problem näher zu untersuchen, und hierbei haben sich praktisch sehr bedeutsame Feststellungen ergeben, über die dieser Artikel berichtet.
Die Wissenschaftler, gründlich, wie sie sind, haben in sehr ausgedehnten Untersuchungen sämlliche ihnen irgend erreichbare Ehepartner geprüft, bei denen entweder eine von vornherein vorhandene oder erworbene Aehnlichkeit miteinander festzustellen war. Das erste Ergebnis dieser Prüfung bestand in der Feststellung, daß derartige Ehen in der weit überwiegenden Mehrzahl der Fälle als besonders gut und harmonisch anzusprechen waren. Das soll nun keineswegs heißen, daß Heiratslustige ängstlich darauf bedacht fein müßten, eine Garantie ihres künftigen Glückes in einer äußerlichen Aehnlichkeit des oder der Auserwählten zu erblicken. Ganz im Gegenteil pflegt sich erfahrungsgemäß wenigstens bei Ehen, die verhältnismäßig früh geschloffen werden, recht häufig dis alte Regel zu bestätigen, daß Gegensätze einan- der anziehen. Hier kann, meist wenigstens, zunächst von Aehnlichkeit keine Rede sein, wir werden aber später sehen, daß sie sich trotzdem im Laufe der Ehe einstellen kann.
Oie erworbene Aehnlichkeit.
Wir müssen also zwei Möglichkeiten unterscheiden: die ursprüngliche und die erworbene Aehnlichkeit. Eheleute mll ursprünglichem Aehnlichkeitsfaktor weisen entweder bereits bei der Eheschließung eine deutliche physiognomische Aehnlichkeit auf, ober aber es ähnelt einer der Partner einer anderen Person der gegenseitigen Familie. Häufig zeigt die Braut $ine auffallende Aehnlichkeit mit der Mutter oder Schwester des Bräutigams, seltener der Bräutigam mit dem Vater oder Bruder der Braut. Das zeigt sich nun durchaus nicht immer in der Schädel-, Gesichts- oder Körperbildung; oft genug
trifft die Aehnlichkeit in erster Linie auf Gebärden, Blicke, Bewegungen, Stimme und Haltung zu. Eheleute mit im Laufe der Jahre erworbenem Aehnlichkeitsfaktor gleichen sich nach länger bestehender Ehe auffallend an. Das gilt vor allem für die Haltung des Körpers, das Spiel der Gebärden, die Art des Umgangs mit anderen Menschen, sehr oft auch für die Stimme, Ton und Rhythmus des Lachens ufw., braucht sich also durchaus nicht auf eine rein physiognomische Aehnlichkeit zu beziehen. Die Angleichung vollzieht sich — wenn sie überhaupt möglich ist — schon in den ersten Jahren der Ehe, um dann später immer deutlicher sichtbar zu werden.
Ob nun die Aehnlichkeit eine ursprüngliche ober erworbene ist, bie Tatsache ber Angleichung ist in beiben Fällen zweifellos für bas Glück der Ehe sehr bebeutfam. Die Wissenschaft sieht in ihr einen sehr wesentlichen Faktor für bas bauernbe Glück einer Ehe. Wie also auch immer bie jugenbliche Liebeswahl ausfallen mag, ob sie Gegensätze vereint, ober einanber ähnliche Typen — Tatsache ist es {ebenfalls, daß sich durch die Angleichung ber beiben Ehepartner in vielen Fällen bes Wunber bes „allmählichen Anähnelns" und bamit bie Wanb- lung zum Partnerideal des älteren Menschen vollzieht.
Oie Tiefe der Instinkte.
Welches sind nun, so lautet unsere nächste Frage an die Wissenschaft, die eigentlichen Ursachen dieser Angleichung? Die Gelehrten können uns hierauf noch keine völlig eindeutige Antwort geben, denn dieses Problem führt in bie noch ungeklärten Tiefen körperlich unb seelisch verankerter Instinkte unb Kräfte. Bestünben bie Ursachen nur in ber gleichen Ernährung, in ber gleichen Umgebung, in ber gleichen Lebensweise usw., bann müßten sich Ehepaare noch viel, viel häufiger ähnlich werben, als dies in Wirklichkeit ber Fall ist. Es ist vielmehr anzunehmen, baß bie spätere Aehnlichkeit schon erblich be- bingt war — unb, wenn auch unbewußt eine ber wichtigsten Grunblagen für bie Instinktiv richtige Gattenwahl barstellt. Neben bieser erbbiologisch feft» stehenben Ursache kommt zweifellos bie starke physiognomische unb seelische Formbarkeit ber Frau ber inneren Angleichung entgegen. Die Wissenschaft hat einbeutig nachgewiesen, baß bas Formverän- berungsvermögen ber Frau weit stärker als bas bes Mannes ist, bem bie Forschung eine gewisse physiognomische Starre unb Beständigkeit aller übrigen Körperformen attestiert. Außerdem ist die Ehe für die Frau, allein schon durch die Bestimmung zur Mutterschaft, von noch einschneidenderer Bedeutung als für den Mann. Zumeist jünger und an sich formbarer, paßt sich die Frau dem geliebten Partner mehr ober minber bewußt an, unb auf biefe Weise kann auch eine gewisse physiognomische Aehnlichkeit entstehen. „Der Gatte zieht sein Weib", um mit G o e t h e zu sprechen, „unwibersteh- lich in seines Kreises abgeschlossene Bahn". — Von ben Menschen längst erfühlt unb von der modernen Psychologie bestätigt, wohnt dem Seelentum der Frau bie Fähigkeit zur Anpassung unb Einfühlung


