Ausgabe 
12.5.1939
 
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Die große Flottenschau in Neapel.

R. G. Rom, 11. Mai.

Prinzregent Paul von Jugoslawien begab sich in Begleitung des Königs und Kaisers zur großen Flottenschau bei Neapel. Sie wurden dort im festlich geschmückten Bahnhof vom italienischen Kronprin­zen empfangen. Dann begab M der Prinzregent mit dem König und Kaiser durch ein Spalier von Truppen, hinter dem sich die begeisterte Bevölkerung in Massen eingefunden hatte, auf den Dampfer Triest". Dort wurden sie bereits von dem Duce, dem italienischen Außenminister Graf C i a n o und dem jugoslawischen Außenminister Cincar- Markowitsch erwartet. An den Flottenübungen nahmen dreizehn Kreuzer, mehrere Gruppen von Torpedobootszerstörern, Torpedo-, Untersee- und ^1^.8-Boote (Schnellboote) teil. Zunächst wurde ein Exerzieren in Höchstgeschwindigkeit mit schwierigen Hebungen vorgeführt. Es schlossen sich dann während einer Umfahrung der Insel Eapri

Norwegens

Oslo, 11. Mai (DNB.) Außenminister Koht warf m einem Dortrog überNorwegen und die außenpolitische Lage" die Frage auf, wie sich Nor­wegen und die übrigen kleinen Staaten zu den verschiedenen Allianzgruppen verhalten sollen. Diese Frage, sagte Koht, könne nur dahin beantwortet werden, daß das einzige Ziel ihrer Außen­politik die Aufrechterhaltung des Frie­dens sein müsse und daß im Falle eines Krieges Norwegen aus diesem herauszu­halten sei. Er wage mit Sicherheit zu sagen, daß keine fremde Macht irgendwelche Absichten gegen Norwegen hege. Er wisse auch nicht, was Norwegen direkt bedrohen könnte, solange überhaupt Friede in der Welt ist. Dor einigen Monaten habe er ein Gerücht zurückweisen müssen, daß Deutschland ein Ultimatum an Norwegen gerichtet habe. Dieses Gerücht sei ausbestreut worden, um das Volk gegen Deutschland auszuhetzen. Es könne aber nicht die Aufgabe Norwegens fein, sich zu einer solchen Hetzerei herzugeben.

Koht berührte.dann die von Deutschland an Nor­wegen gestellte Frage, ob es sich bedroht fühle und begründete seine negative Antwort. Es sei anderer­seits klar, daß Norwegen im Falle eines Krieges zwischen den es umgebenden Staaten sich sowohl von der einen als auch von der anderen Seite be­droht fühlen könne. Da entstehe wieder die Frage, ob Norwegen imstande fei, feine Neutralität auf»

Schießübungen in der Höhe der berühmten Faraglioni-Felsen an. Als Ziel diente das fern» gelenkte SchiffSan Marco . Die wichtigste Vor­führung bestand in einem Angriff von Flie­gern, an den sich ein U-Boots-Angriff anschloß. Sämtliche Vorführungen bewiesen den hohen Ausbildungsstand der italienischen Flotte und ihre technische Vollkommenheit. Zum Abschluß fand eine eindrucksvolle Flottenparade im Golf von Neapel statt.

Zu Ehren des jugoslawischen Prinzregentenpaares hat das italienische Herrscherpaar Donnerstag abend im Quirinal ein Galadiner gegeben, zu dem Prinz Philipp von Hessen, der jugoslawische Außen­minister Cincar-Markowitsch, die Botschafter Deutsch­lands, Spaniens, Englands, der Vereinigten Staa­ten und Frankreichs mit ihren Damen sowie einige hohe italienische Persönlichkeiten geladen waren.

Neutralität.

recht zu erhalten. Deswegen müsse Norwegen eine Politik absoluter Neutralität führen und sein Land verteidigen, solange das gegen eine Uebermacht nur möglich sei. Jedenfalls dürfe nicht der geringste Verdacht aufkommen, als ob Norwegen auch nur daran dächte, non dieser Neutralitätspolitik abzuweichen. Norwegen müsse dafür sorgen, daß es jedem der großen Mächteblocks in Europa frei und ungebunden gegenüber» stehe und sich auf keine Weise von dem einen oder dem anderen näher heranziehen lasse.

Wenn nun die Frage eines Nichtangriffs­pa ktes mit einer der Großmächte aufgeworfen sei, so sei es klar, daß Norwegen mit großer Vor­sicht verfahren müsse. Es sei Präsident Roose­velt gewesen, der diese Frage jetzt zuerst aufwarf. Hitler habe geantwortet, Deutschland sei bereit, den Vorschlag in die Tat umzusetzen. Und nun schrieen mehrere, die der Botschaft Roosevelts am meisten zugejubelt hätten, plötzlich auf dos höchste erschreckt auf, wie gefährlich doch solch ein Angebot sei. Er denke, so sagte Koht, man könne in diesem Falle klaren Kopf behalten und ruhig überlegen, was für und was gegen den Vorschlag spricht. Alle diese Fragen würde Norwegen ruhig und gründlich prüfen und danach seinen Standpunkt einnehmen. Jedenfalls wünsche Norwegen seine Neutralität klar und rein zu erhalten.

Kilometer tiefen Sack des Adriatischen Meeres ver­kürzt wird. Aber am Eingang des östlichen Mittel­meerbeckens liegt das englische Malta, weiter im Osten Alexandrien, Port Said, Hai­fa und Cypern alles Stützpunkte der eng­lischen Flotte, wenn auch schon in einer Entfernung von 1600 bis 1800 Kilometer zu Sizilien. Aus dieser feestrategischen Lage ergeben sich Hauptstütz- punkte der italienischen Kriegsflotte in Spezia nördlich von Korsika (zur Deckung des Golfs von Genua), in Neapel und (für die Abwehr nach dem Osten und Sicherung des Verbindungsweges nach Tripolis und zum Suezkanal) in Tarent. Wir nennen noch den Jnselstützpunkt Pantel» leria zwischen Sizilien und Tunis.

Es ergeben sich aber auch wesentliche Folgerun­gen für den ganzen Aufbau der Flotte. Schon aus Ersparnisgründen wurde zunächst Wert darauf gelegt, eine sehr starke Zahl von U-Booten, schnellen Torpedobooten, Beobachtungsschiffen, Tor­pedoboot-Zerstörern, leichten und schweren Kreuzern zu bauen. Schnelligkeit und großer Fahrbereich schließen sich naturgemäß aus, weil der gesteigerte Brennstoffverbrauch für erhöhte Schnelligkeit den Fahrbereich verkürzt. Der italienischen Flotte sind aber ausgezeichnete schiffsbautechnische sowohl wie maschinelle Konstruktionen gelungen, die diese Gegensätzlichkeit herabdrücken. 1937 war die Moder­nisierung von vier Schlachtschiffen vollendet, von denen uvei aus dem Jahre 1911 und zwei aus dem Jahr 1913 stammen. Die Engländer haben bekannt- lich ähnliche Umbauten vollzogen. Ganz wichtig ist aber, daß ein neues 35 000-Tonnen-Schlachtschiff, derLittorio", noch in diesem Mai und derVit- torio Veneto" im Juli schon in Dienst gestellt wer­den, während zwei gleichartige Großkampfschiffe im Bau sind. Neben einem Panzerkreuzer und einem Flugzeugträger besitzt Italien dann noch 7 schwere Kreuzer von je 10 000 Tonnen und 15 leichte Kreu­zer. Italien ist eifrig bemüht, feinen Eigenbedarf an Treibstoffen im eigenen Bereich zu decken. In Albanien sind Petroleumfelder erschlossen, in Istrien und Sardinien Braunkohlenbergwerke niederge­bracht und in Genua und Venedig neue Kokereien errichtet worden. Der Nachwuchs an Offizieren und Mannschaften ist befriedigend, was besonders wich­tig ist, weil die sehr zahlreichen U- und Torpedo­boote, sowie Torpedo-Zerstörer zu einem starken Bedarf an Offizieren in jungen und mittleren Jah­ren führen.

Ein neuesAiemals".

Das italienische Echo der Ministerreden.

Mailand, 12. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die italienische Presse bezeichnet die Rede Daladiers als widerspruchsvoll, da sie auf der einen Seite den Friedenswillen Frankreichs betone, aber gleichzeitig auch die übliche Unversöhnlichkeit erkennen lasse. Daladier, so schreibtCorriere della Sera", habe nur seine bereits in früheren Reden geäußerte Halsstarrigkeit bekräftigt, indem er die von der französischen und englischen Diplomatie eingeleitete Aktion, dem Dynamismus der totalitären Staaten einen Block feindlicher Kräfte entgegenzusetzen, ge­rühmt habe.Stampa" erklärt, Daladier habe ein neuesNiemals" ausgesprochen. Die unver­söhnliche Rede habe bestätigt, daß Frankreich ent­schlossen sei, keinerlei Initiative zu er» Ön, um zu einer Entspannung zu gelangen.

der britische Premierminister habe unter Friedenserklärungen das Schwert geschwungen. Die Rede habe weniger den Zuhörerinnen als den Staatskanzleien klar machen wollen, daß England von den gegebenen Garantien nicht abgehen könne und sich bis Mr letzten Konsequenz bereit halten müsse.

Sie Siegesparade in Madrid.

Madrid, 11. Mai. (Europapreß.) Die Vorbe­reitungen zu der am 19. und 20. Mai in der spani­schen Hauptstadt stattfindenden großen Siegesfeier sind in vollem Gange. Im Mittelpunkt der Feier steht die Parade vor General Franco, die von etwa 250 000 Kriegsteilnehmern aller For­mationen der Wehrmacht ausgeführt werden wird. Feierliches Glockengeläut wird den Einzug des Ge­neralissimus verkünden, und Tausende von Brief­tauben werden in ganz Spanien die Botschaft des Sieges verbreiten. Nach der Parade wird den an den Feierlichkeiten teilnehmenden ausländischen Gästen und Diplomaten ein Empfang gegeben. Außer in Madrid finden in ganz Spanien an den beiden Tagen große Siegesfeiern statt, die mit Galavvrstellungen in den Theatern, Volksfesten und Freudenfeiern abschließen werden. Am Freitag hält

der Caudillo seinen ersten öffentlichen Einzug in die Hauptstadt, um an der Parade der Luftwaffe teilzunehmen. Bei der Siegesparade am 19. Mai soll dem Generalissimus der höchste spanische Kriegs- orben, das Lorbeerkreuz von San Fernando, ver­liehen werden. Alle spanischen Städte haben einen dahingehenden Antrag gestellt.

Englands Paktverhandlungen mit der Türkei.

London, 12. Mai (Europapreß). Eine Reihe von Morgenblättern bestätigen die Mitteilung, daß Chamberlain noch im Laufe des Tages eine Er­klärung im Unterhaus über denAbschluß eines englisch en-türkischen Paktes abgeben wird. Einschränkend wird dabei vermerkt,'wenn nicht unvorhergesehene Umstände einträten". So­bald der Abschluß Tatsache geworden sei, würden General st abs-Besprechungen ausgenom­men werden.Daily Herold" behauptet, die Türkei werde versuchen, zwischen Bulgarien und Rumänien eine Annäherung herbeizuführen.

Englischer Exportkredit an Rumänien.

London, 11. Mai. (Europapreß.) Die englische Regierung hat Rumänien einen Exportkredit von fünf Millionen Pfund gewährt im Rahmen des Wirtschaftsabkommens, das, wie der englische Han­delsminister am Donnerstagnachmittag im Unter­haus bekanntgab, jetzt abgeschlossen worden ist. Der Bukarester Regierung soll es frei stehen, über die Verwendung des Fünf-Millionen-Pfund-Kredits in England frei zu verfügen. Durch das Abkommen ver­pflichtet sich im übrigen die englische Regierung, 200 000 Tonnen rumänischen Weizens der nächsten Ernte (falls dieses Kontingent verfügbar fein sollte) zu Weltmarktpreisen, die bekanntlich sehr verschieden sein können, zu kaufen.

Ausweisung eines deutschen Schriftleiters aus Kairo.

B - r l i n , 11. M-i. (DNB.) Der deutsche Schrift, leitet Dr. Schmitz ist auf Anordnung der ägyp- tischen Regierung aus Kairo ausgewiesen worden. Grund seiner Ausweisung war die Ver­öffentlichung einer Reihe von Artikeln, die der englischen Politik in den arabischen Ländern unbequem waren.

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Diese Ausweisung liegt auf der gleichen Linie wie die schon vor einigen Tagen von der briti­schen Regierung vorgenommene Ausweisung deutscher Staatsangehöriger aus England. Deutschland hat als Gegenmaßnahme gegen die unverständliche Haltung Englands seinerseits einige britische Staatsangehörige aus­gewiesen, die das deutsche Gastrecht verletzt haben.

Noch vier!lSA.«Atlan<ik-Kreuzer nach dem Pazifik beordert.

Neuyork, 11. Mai. (Europapreß.) Die vier modernen amerikanischen 10 OOO-Tonnen-Kreuzer Brooklyn",Savannah",Philadelphia" undHo­nolulu", die dem neu gebildeten Atlantik-Ge­schwader angehören und nach der kürzlichen Um­gruppierung der amerikanischen Flotte an der Ost­küste bleiben sollten, erhielten vom Marinedeparte­ment Marschbefehl nach dem Stillen Ozean. Sie werden noch in dieser Woche aus Neuyork aus­laufen. Das amerikanische Atlantik-Geschwader be­steht bann nur noch aus drei veralteten Schlacht­schiffen, sieben modernen Zerstörern und verschie­denen kleineren Einheiten.

Wie sieht es in derWittschast aus?

Der Chef des Wehrwirtschaftsstabes im Ober­kommando der Wehrmacht. Generalmajor Tho» m a 5, veröffentlicht in einer Sondernummer der ZeitschriftDie Wehrmacht" einen Aufsatz über die fünf großen Aufgaben, die die Wehrwirt­schaft zu lösen hat und die ein staatliches Auf­gabengebiet größten Ausmaßes darstellen, das nicht nur die Wirtschaft, sondern das ganze Volk berührt. Die Wehrwirtschaft hat fünf große Bedingungen zu erfüllen: 1. Die Organisierung und Erziehung der Wirtschaft im wehrhaften Sinne; 2. die Vorbe­reitung der Wirtschaft im Frieden auf ihre Auf» gaben im Kriege; 3. die Durchführung der Kriegs­wirtschaft im Ernstfälle; 4. die Vorbereitung und Durchführung des Wirtschaftskrieges und 5. die [Überführung der Kriegswirtschaft in die Friedens- wirtschaft nach Beendigung des Krieges. Der wehr- wirtschafUiche Weg in Deutschland und Italien wird sehr wesentlich bestimmt durch das Bemühen, die Eigenversorgung zu steigern. Die erste Ausgabe ist, wie Generalmajor Thomas ausführte, die Siche- rung der Ernährung von Volk und Wehrmacht im Kriege, die Sicherung der Einfuhr der fehlenden Nahrungsmittel und die Bildung nationaler Re­servebestände. Ferner wird im Laufe des 5ßier» jahresplanes an der Sicherung der Rohstoffbasis gearbeitet und die Eigendeckuna durch synthetische Erzeugung wichtiger Rohstoffe wie Textilien, Gummi, Benzin usw. gefördert. Schließlich liegt in diesem Aufgabenbereich auch die «Schaffung neuer Jndustriekapazitäten und eine Gesamtmenschenpla­nung, endlich die Lösung des Transportproblems im Kriege, die Vorbereitung der Kriegsfinanzierung sowie die Vorbereitung der Preis-, Lohn- und Ge­winnfragen. Alle diese Ausgaben werden, so schreibt der Verfasser,mit der gleichen Tatkraft und Schnelligkeit ihre Erfüllung finden, wenn es glückt, in den großen Staatsvorhaben die erforderliche Konzentration aller Maßnahmen im Sinne der Stärkung unserer wehrwirtschaftlichen Rüstungstiefe durchzufuhren."

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Deutschland ist gern bereit, dem Welthandel wie­der aufzuhelfen, unsere Außenhandelsproxis beweist es seit Jahren. Zwar ist unsere Einfuhr im ersten Vierteljahr 1939 im Wert um 6,8 o. H. ge­ringer gewesen als in der entsprechenden Vorjahrs» zeit, der Menge nach war sie jedoch sogar leicht gestiegen. Das Gleiche gilt für die Ausfuh r. In beiden Fällen machte sich die Tatsache geltend, daß ohne unsere Schuld die Weltmarktpreise um 10 v. H. gefallen waren. Die Dierteljahrsbilanz un» seres Außenhandels ist auch insofern aufschlußreich, als sie zeigt, daß der wertmäßige Rückgang des Außenhandels sich im wesentlichen auf die über­seeischen Erdteile erstreckte, während z. B. der deutsche Handel mit Südosteuropa beson­ders in der Ausfuhr beträchtlich größer war als im Vorjahr. Erheblich zurückgegangen sind die Umsätze mit Westeuropa: so fiel unsere Ausfuhr nach Frankreich um ein Drittel, nach England um ein Viertel. Wir sehen hier deutlich die verderblichen Einflüsse derdemokratischen" Einkreisungspolitik auf den Welthandel. Anderseits dient die Achsen­politik dem zwischenstaatlichen Handel und damit dem Weltfrieden. Nach den Untersuchungen eines italienischen Professors hat Italien 1881 von Deutschland 6, von Frankreich 32 v. H. seines Ein­fuhrbedarfs bezogen. Jetzt hat sich dieses Verhältnis genau umgekehrt; 1938 lieferte Frankreich nur noch 3,55 v. H. der italienischen Gesamteinfuhr, Deutschland dagegen 40 v. H. Besonders stark aber belebt unsere Kaufkraft den Süd osten. Wie sehr die alte Handelsstraße dorthin unter dem Einstich nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik ihre Bedeu­tung wiedergewonnen hat, beweist uns das Erstar­ken der Breslauer Messe im Gegensatz zu dem Mißerfolg der polnischen Messe in Posen, wo die politische Verhetzung das Geschäft völlig gelähmt hatte.

«Schon im Monat März sah es für die Finanz- lagePolens sehr trübe aus. Die polnische Land- wirtschaftsbank veröffentlichte anfangs Mai dar­über einen bisher in Deutschland nicht beachteten Bericht, in dem es u. a. heißt:Unter dem Druck der politischen Ereignisse, die eine starke Spannung in den internationalen Beziehungen herb ei führten, machte sich Mitte März ein starker Abfluß von den polnischen Banken bemerkbar. Am meisten davon wurden die Sparinstitute betrof­fen. Die größeren Auszahlungen der Institute haben die finanziellen Reserven der Banken sehr verkleinert. Die Banken waren gezwungen, die Ak» tiven flüssig zu machen, und zwar durch größere

Frühling in -er Reichshauptstadt.

Von unserer Äerliner Schristleiiung.

Berlin, 11. Mai 1939.

Wie Berlin in vielen Dingen nur allzuoft verkannt wird, so auch im Hinblick auf seinen Kinder­reichtum, mit dem es angeblich nicht gut bestellt sein soll. Das Gegenteil beweist die Tatsache, daß nicht weniger als 22 000 Berliner Mütter, die über 70 Jahre alt sind, mit dem Mutter-Ehrenkreuz für Kinderreichtum aeschmückt werden. Auch die Gebur­tenziffern des heuigen Berlins geben Aufschluß über den Kinderreichtum der Reichshauptstadt. So waren von 56 000 Kindern, die 1938 geboren wur­den, 28 000 erste Kinder, 16 000 zweite Kinder, 6300 dritte Kinder, 2600 vierte Kinder, 1200 fünfte Kin­der und in mehr als 200 Fällen war das neuge- borene Kind das neunte oder zehnte Kind! Allein Berlin ehrt feine Mütter nicht nur mit festlichem Gepränge, sondern es behütet auch ihren Kinder­reichtum, indem es besonders den werktätigen Müttern die Sorge um ihre Kinderschar abnimmt. So betreut die NS.-Dolkswohlfahrt im Gau Ber - lin in 70 Kindertagesstätten rund 2250 Kinder? Bereits früh morgens um 6 Uhr öffnen sich diese Kindertagesstätten, in denen sich die Kinder dann bis 5 Uhr nachmittags tummeln können, ange­leitet und geführt von erfahrenen und liebevollen Kindergärtnerinnen und Hortnerinnen, die selbst­verständlich auch für das leibliche Wohl der Kinder sorgen. Da die Wände der anheimelnden Räume in fast allen Berliner Kindertagesstätten mit deutschen Märchenbildern geschmückt sind, so erleben diese Ber­liner Kinder, die früher auf den gefahrvollen Stra­ßen und in den engen, grauen Höfen sich selbst über­lassen waren, ein zweifaches Märchenland Und uns will scheinen, daß diese Tat echter Volksgemeinschaft die allerschönste Art ist, wie Berlin seine Mütter ehrt und feiert.

Genau wie in vielen Teilen des Reiches, so sträubt sich d e r Frühling auch in Berlin, seinen Einzug zu halten. Bleibt also den Berlinern nichts anderes übrig, als sich einen künstlichen Frühling zu machen. Das gelang dann auch in Hoppe- garten, auf der großen Rennbahn Berlins, ganz vorzüglich. Gab es doch dort nicht nur ein Mar­

geriten-, ein Maiglöckchen-, ein Anemonen-, ein Schlüsselblumen-, ein Vergißmeinnicht- und ein Narzissenrennen, sondern sogar ein Frühlingsren­nen und vor allem: den Modepreis! Dieses Rennen wurde gleich zweimal gelaufen. Einmal mit Pferden, unter denen der aussichtsreiche Derby- Anwärter Oktaoianus den Sieg daoontrug; ein Zweites Mal mit entzückenden Dorführ­damen, die die neue Frühlingsmode prei­send zur Schau trugen. Und da erfuhr man, daß Schwarz und Weiß der letzte Modeschrei ist, daß aber auch Dunkelviolett bis Hortensienblau viel An­klang findet und auch fliederfarbene Handschuhe be­gehrt sind. Ferner, daß bas Schneiderkleid und der enge Rock noch immer mit dem weiten Schwingrock im Streit liegen, in welchem Streit der Plissee-Rock zu einem Kompromiß führen möchte. Die Locken werden nach wie vor im Nacken getragen. Der Schleier aber noch mehr als bisher feines Berufes beraubt, das Gesicht zuverschleiern", indem er über dem Hut wahre Triumphe feiert, um dann unter dem Kinn zusammengeknüpft zu werden. Und die Hüte? Auch sie zeigten wahre Frühlingswunder an Blumen und Buntheit und--Größe! Un­

möglich zu sagen, wer in diesem Rennen um den Modepreis den Sieg daoontrug. Es ist aber anzu­nehmen, daß dieser künstliche Frühling, der den Berlinern in Hoppegarten lachte, den echten Früh­ling so herausfordern wird, daß auch er endlich in Berlin--Mode wird.

©in Besuch in Öen Filmateliers von S a b eis berg-Ufastadt ist immer von hohem

Diesmal aber stellten sich uns nicht berühmte Filmkunstler in ihren neuen Rollen vor, sondern es war Deutschland, dessen Aufitieg wir in mehreren Ufa-Kulturfilmen bewundern konnten Eine Fülle lebendiger und zeitnaher Bildstreifen zog an uns vorüber. Mit klopfendem Herzen wohnten wir tm FilmMinen in Sperrlücke X" dem Angriff auf ein feindliches U-Boot bei Der FarbfilmB a u e r n j u g e n d auf Burg Neu­haus" gab uns Einblick in den Sportbetrieb des

Reichsnährstandes. Der FilmEger, eine alte deutsche Stadt", belebt von den Wallenstein- Festspielen, zeigte uns die Herrlichkeit wiedergewon­nenen urdeutschen Landes. Der KulturfilmWachs" führte uns sogar in das Atelier von Professor Thorack, dem großen Bildhauer, dessen Plastiken auch die Neue Reichskanzlei in Berlin schmücken. Was aber vor allem begeisterte, das waren die Szenen aus dem großen Kulturfilm, den die Ufa in Verbindung mit dem Oberkommando der Wehr­macht über die große Parade herstellt, die zum 50. Geburtstag des Führers stattfand. Fesselnd die Vorbereitungen der Truppenteile in ihren Stand­orten, anschaulich der Anmarsch zu Fuß, zu Pferd, motorisiert und mit der Eisenbahn, bewundernswert die minutenpünktliche Organisation und endlich über» wältigend und hinreißend der Vorbeimarsch der Truppen vor ihrem Obersten Befehlshaber. Was man schon oft beim Anblick der Ufa-Kulturfilme empfand, bei diesem Paradefilm in des Wortes doppelter Bedeutung kam es vollends zum Bewußt­sein: hier werden Leitartikel,--gedreht!

Leitartikel von einer aufklärenden Eindringlichkeit, deren sich keine Feder rühmen kann. Und es ist wohl das schönste Lob, das man dem kulturellen Schaffen der Ufa zollen kann, daß diese .Leitartikel" uns tief ergreifen, weil sie in der Tat ein Spiegel deutschen Aufstiegs sind und somit auch dazu bei­tragen, Berlin und seine Arbeit, seine Leistungen und seine Bedeutung' aller Welt sichtbar zu machen.

Gtudentenfirhrer-Tagung Hessen-Aaffau.

NSG. Der Gaustudentenführer Hessen-Nassau, Kugelmann, hat die Studentenführer der Hoch- und Fachschulen und die studentischen Landdienstreferen» ten zu einer Tagung nach Frankfurt a. M. einbe­rufen. Dort wird der Gaustudentenführer Schlesien, Hauptmann, über Fragen des studentischen L a n d- diensteinsatzes sprechen. Bekanntlich wird der studentische Landdienst des Gaues Hessen-Nassau ausschließlich im Grenzgau Schlesien durch» geführt. Als wesentlicher Punkt der Tagung wurde noch die Vorbereitung der Studenten­tage im Gau Hessen-Nassau, besonders in Frank­furt a. M., Darmstadt und Gießen, herausge- tzellt. Die Leiter der Studentenw erke "im

©au Hessen-Nassau, die seit einiger Zeit dem ©au» studentenführer unterstellt sind, werden über ihre Aufgabengebiete sprechen.

Oie Gaukulturwoche.

Prof. Dr. Raabe über deutsche Musikkultur.

NSG. Am Donnerstag fand in Wiesbaden im Rahmen der Gaukulturwoche eine festliche Tagung der Reichsmusikkammer statt, auf der der Präsident Professor Dr. Dr. Raabe sprach. Er gina von dem großen Endziel des Führers aus, das in der Wiederaufrichtung des deutschen Menschen bestehe. Dabei habe auch die deutsche Kunst ihren Beitrag zu leisten. Im einzelnen beschäftigte sich dann der Präsident mit den bisherigen Maßnah» men auf dem Gebiete des Musikwesens, wobei er besonders auf die Frage der Kunstbetrachtung und die Ausschaltung der jüdischen Musik einging. Für die Zukunft unseres Musiklebens sei die Nachwuchs» frage von entscheidender Bedeutung. Es komme dar­auf an, wie sich die Jugend zur Musik einstelle und welche Musik sie liebe. Don ausschlaggebender Be­deutung sei dabei die Hausmusik, die leider sehr unter dem Mißbrauch des Rundfunks und der Schallplatte gelitten habe. Grundlage aller Musik­kultur sei die häusliche Musikkultur, d. h. das eigene Musizieren. Auch das gesellige Leben, vor allem der Tanz, sei noch stark erneuerungsbedürftig. Pro­fessor Raabe ging dann auch auf die Unter» stützung des Berufsmusikers durch die Reichsmusik­kammer ein. Professor Raabe kündigte eine Neu­ordnung der Ausbildung an, um die Qualität der Orchestermusik auf ihrer Höhe zu halten. Seine Rede gipfelte in der Aufforderung an die Eltern­schaft, die Kinder Mm Selbstmusizieren anzuhal­ten und so an der Erhaltung und Ausbreitung der deutschen Musikkultur wesentlich beizutragen.

Programm für Freitag.

Wiesbaden: Großes Festkonzert. Werke von Carl Mario von Weber, Werner Trenkner unö Johannes Brahms. Ausgeführt vom Städtischen Kurorchester Wiesbaden und dem Orchester des Deutschen Theaters Wiesbaden unter der Leitung des Präsidenten der Reichsmusikkammer Professor Dr. Dr. Raabe.