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189. Jahrgang
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Angstpsychose als Kampsmittel.
Zu den Reden Chamberlains und Daladiers.
D.D. Berlin, 11. Mai.
Zwei Fragen zuvor: Glauben der englische Mi- msterpräsident und sein französischer Kollege, daß sie mit solchen Reden der Entspannung der politischen Atmosphäre und damit dem Frieden unb der Ordnung in Europa dienen? Und welche Wirkungen versprechen sich die verantwortlichen Leiter der britischen und französischen Politik, wenn sie das Wort Krieg bewußt in den Vordergrund rücken und nur hier und dort mit durchsichtigen Allgemeinheiten von der 91 otmentriß feit der Erhaltung des Friedens sprechen? Wir wollen das Ergebnis vorweg nehmen: Beide Reden stellen den gefährlichen Versuch dar, mit unerhörtem Stimmenaufwand und bombastischen Unterstellun- aen die eigene Katastropyenpolitik dieser Einkreisungsregisseure vor den Augen der Welt zu tarnen. Deutschland sieht sich jedenfalls nicht in der Lage, in den Ausführungen des englischen wie des französischen Ministerpräsidenten auch nur den Anschein eines Willens zu finden, die deutsche Bereitschaft, zu einer friedlichen Bereinigung der zur Lösung drängenden Probleme zu gelangen, mit einer allen Teilen gerecht werdenden positiven Einstellung zu beantworten. In London und Paris wurde am Donn er stagnachmittag erneut d i e Ang st Psychose als politisches Kampfmittel benutzt, und man kann sich deutscherseits des Verdachtes nicht erwehren, daß England und Frankreich noch Siedetemperaturen in gewissen Staaten erzeugen wollen und müssen, um di e Ein - kreisungsmaschine auf Höch st tour zu bringen und damit das Ziel langwöchiger diplomatischer Bemühungen zu erreichen.
Es würde grotesk sein, wenn es nicht so ernst wäre. In dem Augenblick, wo die Nichtangriffspakte zwischen dem Reich und Lettland und Estland vor der Unterzeichnung stehen und weitere Fühlungnahmen über den Abschluß von Nichtangriffspakten mit anderen Staaten gepflogen werden, versucht Herr Chamberlain, den kleineren und mittleren Mächten zu bedeuten, daß sie das Opfer einer kommenden deutschen Wochenendexpansion werden. Wenn er in solchen Fallen von der Selbstlosigkeit der britischen Ziele und davon spricht, daß Grvß- britannien sich nicht als aufdringlicher Geschäftemacher in die Belange anderer Völker einzumischen pflege, dann hat er uns als Lacher jedenfalls auf seiner Seite. Wenn er im gleichen Atemzuge indes betont, daß weiteren Verhandlungen mit Rußland und der Türkei das britische Bestreben zugrunde liege, di» Lage zu beruhigen, dann bedarf es deutscherseits der Feststellung, daß eine klar gegen Deutschland gerichtete politische Einkreisung und wirtschaftliche Boykottierung das genaue Gegenteil von Frieden ist.
Die Ehamberlainschen Randbemerkungen zur Frage D a nz i g werden allein auf der Tribüne der Kriegshetzer in Polen rasenden Beifall auslösen und politische Phantasten veranlassen, unter dem Schutz der neuerlich bekräftigten britischen Blankovollmacht sich Dummdreistigkeiten zu leisten, die eine Folge mißverstandenen Mutes und eines überspitzten Geltungsbedürfnisses sind. Will Chamberlain behaupten, daß er auch in Danzig und dem Korridor die britische Freiheit und den guten Namen Großbritanniens zu verteidigen hat? Wir wollen Herrn Chamberlain gern überlassen zu beurteilen, wo die moralische Rechtfertigung für eine britische Einmischung herzunehmen wäre, wenn die nach dem neuen britischen Wehrgesetz eingezogenen Engländer zur Verteidigung eines unüberlegten Anschlages gegen das deutsche Danzig in den Krieg geschickt werdem Danzig ist eine deutsche Stadt. Das sollte Herr Chamberlain nicht ver- gesien. Das Danziger Problem mit der Frage der Integrität bzw. Unabhängigkeit Polens verknüpfen zu wollen, ist ein sowohl politischer wie historischer Unsinn. Unter diesen Umständen können wir die anerkennenden Worte, die Chamberlain für das ibcutfd) « englische Flottenabkommen gefunden hat, lediglich als platonische Geste buchen. Daß Deutschland keine' Forderungen an -das Empire stellt, die einen Krieg überhaupt 'nur in den Bereich des Möglichen stellen könnten, chat der Führer zu wiederholten Malen versichert. 'Wir wollen noch einmal klarstellen, daß das Flot- :tenabfammen mit England, das einer Anerkennung »ber britischen Vormachtstellung zur See und damit -einer deutschen Vorleistung gleichkam, lediglich das fortgesetzte Bemühen Englands nach sich zog, Deutschland die beherrschende Position nn mittel- -europäischen Raum strittig zu machen.
Wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß »Frankreich im Schlepptau der britischen Politik siegelt, dann hat ihn die Rede des f r a n z o - ssischen Ministerpräsidenten vor der Kammer erbracht. Daladwr hat sich die gleiche Dialektik und die gleichen verleumderischen Unter- Stellungen seines Partners in London zu eigen gemacht, wenn er von dem Bruch von Dersprechun- «gen, der Unterwerfung von Völkern oder einer map ssven Mobilmachung in Deutschland sprüht. Die Rede Daladiers muß in Deutschland um so mehr Verwunderung Hervorrufen, als sie keinen Anhalts- Ipunkt für die Verständigungsbereitschaft auf französischer Seite entdecken läßt, mit der Deutschland fernem westlichen Nachbarn begegnet ist. Wenn Da- ladier erklärt, Frankreich habe es nicht notwenoig,
Zeugnisse zum Beweise dafür zu erbitten, daß es an keinerlei Angriffe denke, so müssen wir den französischen Ministerpräsidenten zur Ordnung rufen und ihm entgegnen, daß ein wirklicher Staatsmann nicht Aktionen zu diskreditieren versucht, die unbe- treitbar zur Beruhigung der Lage in Europa beigetragen haben.
Wir kennen die Vorliebe der Franzosen für humanitäre Phrasen, hinter denen sich eine grausame Machtpolitik geschickt verstecken läßt, und wundern uns deshalb nicht über die empathischen Sympathien, die Daladier jener fragwürdigen Roosevelt - Botschaft entgegenbringt. Von dieser Machtpolitik spricht nicht nur die Geschichte der Rheinlande Bände, sondern zeugen auch die Kolonisationsmethoden Frankreichs zu allen Zeiten und in allen Teilen der Welt. Ob die Türkei, die Daladier im Geiste in seine Arme schloß, gewillt ist, ein neuer Degen Frankreichs zu werden, bleibt ihrem Ermessen anheim gestellt. Wir allerdings
glauben, daß andere Staaten mit anderen Mitteln den Frieden im östlichen Mittelmeer durchaus zu sichern imstande sind. Das Reich muß sich aber ernsthaft die Frage vorlegen, ob die Beteuerung, daß Frankreich an keinerlei Angriffe denkt, dicht illusorisch werden kann, wenn England zur Verteidigung eindeutig nichtfranzösischer Interessen zu den Waffen greift und Frankreich in den Strudel der Katastrophe reißt. Nicht der Rechtfertigung willen, Heren Notwendigkeit sich Deutschland enthoben sieht, sondern um die Frage der Verantwortung und der Schuld im voraus nicht trüben zu lassen, wollen wir noch einmal feststellen, daß es nicht deutsches Verschulden ist, wenn heute das Wort „Krieg" im Westen in aller Munde ist. Dies sollten sich auch die Steuerzahler in Frankreich überlegen, deren wirtschaftliche Lasten durch wachsende Rüstungen Herr Daladier in seiner Kammerrede mit so viel tröstlichen Worten bedachte.
es England in den Sinn gekommen, Deutschland zu isolieren oder der natürlichen und legitimen Expansion seines Handels in Mittel- und Südosteuropa im Wege zu stehen, viel weniger noch irgendeine Kombination zu planen mit der Absicht, Krieg gegen Deutschland zu führen.
Chamberlain kam dann auf die Ausführungen des Führers in feiner Reichstagsrede über den deut s.ch-englischen Flottenvertrag zu sprechen, bestritt, daß die Grundlage des Vertrages durch England beseitigt wurde, und erklärte, er sei jetzt wie immer der Ansicht, daß das deutsch-englische Flottenabkommen als symbolisch für den Wunsch der beiden Völker angesehen werden könne, niemals gegeneinander zum Kriege zu schreiten. Chamberlain kam dann auf die Ausführungen des Führers zu sprechen, daß er hoffe, daß ein Rüstungswettlauf zwischen Deutschland und England vermieden werden könne, und daß er bereit sei, mit England in der Flottenfrage zu verhandeln. Die britische Regierung „werde diese Erklärung aufs sorgfältigste prüfen" und ihre Antwort bald der Reichsregierung zugehen lassen. .Lassen Sie mich erklären, daß wir weder auf dem Gebiete der Rüstungen, noch auf wirtschaftlichem Gebiete in einen hemmungslosen Wettlauf mit Deutschland einzutreten wünschen. Wir würden uns nicht weigern, in Besprechungen über die Methode für die «Steigerung unseres gegenseitigen Handels oder für die Verbesserung unserer wirtschaftlichen Bedingungen einzutreten — natürlich nur dann, wenn uns „unmißverständliche Beweise" für den Wunsch, das „so sehr erschütterte Vertrauen" wiederherzustellen, gegeben werden.
Dieser Erklärung, die ganz der seit Versailles üblichen Taktik entspricht, fügte der britische Ministerpräsident eine neue haltlose Verdächtigung des Reiches hinzu, indem er erklärte, daß England nicht bereit fei, ruhig zuzusehen, wie die Unabhängigkeit
Mischen Ministerpräsidenten angesprochen werden, daß Frankreich „es nicht nötig hat, um sich herum Zeugnisse zu erbitten, um den Beweis für keinerlei Angriffsabfichten zu erbringen" (!!). Der eigenartigen Andeutung, daß „Frankreich schon vor langer Zeit nach dem edlen Wort der Männer der französischen Revolution der Welt den Frieden erklärt habe, folgte die Betonung der Solidarität zwischen Großbritannien und Frankreich, die enger und vertrauensvoller denn je sei, sowie ein „brüderlicher Gruß" an Roosevelt, dessen „Botschaft die tiefe Sympathie aller Franzosen" gefunden habe. Gewiß habe Frankreich, so erklärte Daladier bann, stets seine Anhänglichkeit an die Doktrin bekräftigt, die durch ein allgemeines Abkommen alle Mächte vereinen solle, die ihre Sicherheit garantieren wollten. Aber die Erfahrung feit dem Ende des Weltkrieges habe die großen Schwierigkeiten ausgezeigt, die der Abschluß dieses allgemeinen Abkommens aufwerfe. Je jnehr Nationen es zu vereinigen suche, desto mehr' verliere es an Genauigkeit und Kraft. Daher haben wir, so erklärte Daladier, genaue, einfache und klare Verpflichtungen mit den Nationen abgeschlossen, die sich zu uns gesellen wollen für die gemeinsame Verteidigung ihrer und unserer lebenswichtigen Interessen. In anderen Gegenden Europas haben wir gewissen Staaten im Vnver- nehmen mit Großbritannien eine spontane und einseitige Garantie gewährt. Weitere Verhandlungen werden fortgesetzt.
Nach der Reise des Obersten Beck nach London und den Verpflichtungen der gegenseitigen Garaw tie, die von Großbritannien und Polen abgeschlossen wurden, habe Frankreich im Einvernehmen mit Polen die notwendigen Maßnahmen zur sofortigen und direkten Anwendung des Bündnisvertrages ergriffen. Seine Erklärung an die Presse vom 13. April erhalte ihren ganzen Sinn in diesem Augenblick, wo Polen „über die Verteidigung seiner lebenswichtigen Interessen wacht" (!?). Nach einem Hinweis auf die Verhandlungen mit der Türkei zum Abschluß eines Garantieabkommens fuhr Daladier u. a. fort: Schließlich erachten wir es als wesentlich wünschenswert, daß die Sowjetunion sich an diesem „gemeinsamen Werk des gegenseitigen Beistandes" beteiligt Wenn noch einige Meinungsoer-
Italiens Kriegsflotte.
Ein Blick auf dos bekannte Kartenbild Italiens im Mittelmeer macht sofort die feestrategische Lage des-Landes klar. Wir gehen aus von dem nur etwa 180 Kilometer breiten Durchgang zwischen dem östlichen und dem westlichen Mittelmeerbecken. Westlich von dieser engsten Stelle zwischen Sizilien und Afrika bilden die französischen Seefestungen von Toulon im Norden und Bizerta in Tunis eine Linie, die parallel zur italienischen Westgrenze verläuft: ihr ist vorgelagert das französische Korsika, während umgekehrt die italienischen Inseln Sardinien und Sizilien den Golf von Neapel decken. Im Osten ist die Lage wesentlich vereinfacht seit der Verbindung Albaniens mit Italien durch Personalunion, wodurch die 100 Kilometer breite Meerenge von Otranto gesperrt und die Verteidigungslinie um den 800
London, 11. Mai. (DNB.) Ministerpräsident Chamberlain sprach auf einer Versammlung konservativer Frauen in der Albert-Hall in London. Chamberlain verteidigte die Einkreisungspolitik, deren Folgen er seinen Parteianhängern verständlich zu machen suchte, und betonte, England sei bereit, auf andere zu hören, werde sich aber nicht diktieren lassen. Im übrigen verlasse es sich auf seine Stärke. Chamberlain erklärte, er vertraue darauf, daß das Land sich hinter alle Maßnahmen stellen werde, die die R-gierung für notwendig halte, um eventuell andere, die versuchen sollten, an Stelle der Methoden der Diskussion die Methoden der Gewalt zu setzen, abzuschrecken. „Es ist niemals ein Teil unserer Politik gewesen, uns als aufdringliche Geschäftemacher in die Belange anderer Völker einzumischen." (?).
Was das Vorgehen Deutschlands angehe, so sei England nicht notwendigerweise davon berührt worden, solange dieses Vorgehen sich in den Grenzen gehalten habe, die Deutschland selbst gezogen habe, und solange es nur auf die Förderung der Interessen von Deutschen „ohne Bedrohung der Unabhängigkeit nichtdeutscher Länder" abgestellt gewesen fei. Wie Chamberlain diese Andeutung verstanden wissen wollte, erklärt seine Behauptung, daß, als Böhmen und Mähren in das Reich einbezogen worden seien, jeder Nachbar Deutschlands seine Sicherheit für bedroht gehalten habe. Diese natürliche und unerläßliche Neuordnung zur Befriedung Mitteleuropas verdächtigte der britische Ministerpräsident als den ersten Schritt einer Politik, die vielleicht die Verschlingung eines Staates nach dem anderen mit dem Endziel der Weltbe- berrschung im Auge habe. „Es mag sein", so versuchte Chamberlain dann diese unerhörte Verdächtigung abzuschwächen, „daß die deutschen Führer keine derartige Absicht haben. Wenn das der Fall ist, dann erkläre ich, daß Deutschland von der britischen Politik nichts zu befürchten hat." Niemals, so versuchte er seinen Zuhörern weiszumachen, sei
Daladier zeigt kein Verständnis.
E. F. Paris, 11. Mai.
Die Frühjahrssesfion des französischen Parlaments wurde am Donnerstag eröffnet. Die Kammer zeigte das bei solchen Anlässen übliche Bild. Der Kammerpräsident Herriot eröffnete die Sitzung kurz nach 15.30 Uhr und erteilte sofort dem Ministerpräsidenten D a l a d i e r das Wort. Dieser verlas eine Botschaft des wiedergewählten Staatspräsidenten L e - b r u n. Die Rechte und die Mitte horten die Botschaft stehend an und gaben an verschiedenen Stellen ihrer Zustimmung durch Beifall Ausdruck, während die Linke auf ihren Plätzen sitzen geblieben war und sich in Schweigen hüllte. Später bestieg der Ministerpräsident erneut die Tribüne, um die Regierungserklärung abzugeben. Die Erklärung war im Ministerrat vom Donnerstag einstimmig gebilligt worden. Daladier wurde während der Verlesung der Regierungserklärung an vielen Stellen von den Abgeordneten mit lebhaftem Beifall unterbrochen. Der Beifall nahm zum «Schluß besonders starke Ausmaße an.
Nach dem Bericht des Deutschen Nachrichtenbüros war die Erklärung Daladiers ganz darauf abge- stellt, dem französischen Volk die Notverordnungen und die ungeheuren Aufrüstungs- lasten schmackhaft zu machen. Gleichzeitig versuchte Daladier, die von der Presse nervös gemachte fran» zosische Oeffentlichkeit durch starke Worte zu beruhigen. Die Rede, bei der Daladier immer wieder realpolitisches Denken vermissen ließ, begann mit einem Gruß an „jene jungen Leute, die zu Lande, zu Wasser und in der Luft Frankreich und sein Imperium gegen alle Drohungen (!) schützen", sowie an die ganze Nation, die seit mehreren Wochen „die Last einer Probe trägt, durch die man ihren moralischen Widerstand schwächen mochte ..." (?!) Der Ministerpräsident meinte dann, wie verschieden und verwickelt auch die internationalen Probleme fein mögen, so stelle sich Europa in Wirklichkeit nur ein einziges Problem: „das der Beherrschung oder der Zusammenarbeit". Daladier hielt es in diesem Zusammenhang für nötig, wiederum an angebliche „verletzte Verpflichtungen" und „zerrissene Verträge" zu erinnern sowie an „Forderungen wirtschaftlicher Art, die als Vorwand für politische Forderungen dienen" (?).
Als offener Hohn muß der Ausspruch des ftaw
eines Landes nach dem anderen zerstört werde. Auf dieser Grundlage versuchte Chamberlain dann die einzelnen Etappen der britischen Einkreisungspolitik zu erklären. Chamberlain kam dann auf Danzig zu sprechen und erklärte: Nach Ansicht vieler ist der Gefahrenpunkt in Europa heutzutage Danzig. Es gibt Zusicherungen an Polen, die klar und präzise sind, obwohl wir uns freuen würden, es zu sehen, daß die Meinungsverschiedenheiten zwischen Polen und Deutschland freundschaftlich und durch Erörterungen beigelegt würden, obwohl wir glauben» daß sie auf diese Weise geregelt werden konnten und sollten. Wenn ein Versuch gemacht werden würde, die Lage in der Weise zu ändern, daß die polnische Unabhängigkeit bedroht würde, dann würde das unoermeidlicherweise einen allgemeinen Konflikt beginnen lassen, in den dieses Land verwickelt sein würde.
Zum «Schluß verteidigte Chamberlain die Weh r« pflichtvorlage. Er beklagte sich u. a. darüber, daß der Vorsitzende der französischen Marxisten, Blum, ihm gestern erklärt habe, daß nach seiner Ansicht und nach der Ansicht seiner sozialdemokratischen Freunde der Eindruck entstehe, daß England und Frankreich es nicht ernst meinten und daß man sich nicht darauf verlassen könne, daß sie auch ihr Versprechen ausführten. Chamberlain beklagte sich weiter über die Haltung der ßabour« Partei, die die Durchführung einer Maßnahme zu verhindern suche, in der jeder im Aus lande den Beweis für Englands ernste Absichten erblicke. Oerbing5 lasteten die neuen Ausgaben ungeheuer auf dem Budget, er sehe auch in der Zukunft keine Aussichten auf eine Herabsetzung der «Steuern. Chamberlain schloß mit der Erklärung, daß die Macht, das Vertrauen wieder herzustellen, nicht allein in Englands Händen liege, und mit der Versicherung, daß er keine Anstrengung scheuen werde, das Vertrauen wieder herzustellen.
schiedenheiten über die Modalitäten dieses Abkommens bestehen, so hat sich das Einvernehmen über den Grund der Dinge von Beginn der Verhandlungen an gezeigt: die Notwendigkeit, durch eine gemeinsame Aktion die „höheren Interessen des Friedens" zu sichern (!).
Der Ministerpräsident wandte sich dann dem Hauptzweck feiner Rede zu, nämlich der französischen Bevölkerung einzuhämmern, daß die Notverordnungen mit ihren ungeheuren Lasten für d i e Aufrüstung unabwendbar seien. Eine wachsame und feste Außenpolitik erfordere die Anstrengung der Nation. Der Frieden werde erhalten oder erobert durch die tägliche hartnäckige Arbeit, durch den hartnäckigen Willen eines ganzen Volkes, das zu Opfern entfch soffen fei. Die Landesverteidigung erfordere zunächst militärische Maßnahmen, die getroffen worden seien. Sie erfordere aber auch finanzielle, wirtschaftliche und soziale Maßnahmen. „Allein für das Jahr 1939 müssen wir über 50 Milliarden der Sicherung des Vaterlandes widmen. Es war also unentbehrlich, daß von den französischen Bürgern schwere Opfer gefordert wurder^
Die Aussprache, die sich an die Rede Daladiers in der Kammer anschloß, verlief sehr unintereffant. Nur die Kommunisten, die ihren Außen- Politiker Päri vorgeschickt hatten, brachten ihre bekannten Argumente gegen die Außenpolitik der Regierung vor, die das Haus jedoch nicht im gering» ften zu interessieren vermochten. Sie bestanden in der Wiederholung der bekannten Beschwörung, man müsse auf den Geist der Münchener Politik verzichten und dürfe nicht mehr nach Berchtesgaden oder sonstwohin fahren, um die europäische Landkarte zu ändern. Die Radikalsozialiften, die Partei Daladiers, hatten einen zweitklassigen Redner namens Landry vorgeschickt, der die einstimmige Billigung der Regierungserklärung verlangte. Schließlich sprach noch ein sozialistischer Abgeordneter Philip, der die lebhafte Unzufriedenheit der Opposition mit der Steuer» und Sozialpolitik der Regierung zum Ausdruck brachte. Die Aussprache wurde auf Freitag vormittag vertagt. Man glaubt, daß dabei die Gegensätze zwischen der Regierungsmehrheit und der. Opposition heftig aufeinander- prallen werden.
Chamberlain verteidigt die Einkreisungspolitik.


