Arabien und
Wir haben vor einiger Zeit (Nr. 37 vom 13. 2. 1939) gelegentlich der Entsendung des ersten diplomatischen Vertreters des Großdeutschen Reiches am Hofe Ibn Sauds nach Dschidda einen Bericht über „Saudisch Arabien und die Mächte" gebracht, und es dürfte im Anschluß daran angebracht erscheinen, etwas Näheres über den Werdegang Ibn Sauds, des „Napoleon Arabiens", wie er genannt wird, und über seinen Aufstieg zu erfahren.
Während vor dem Kriege Arabien für Europa nur einen geographischen Begriff darstellte (es ist vier- bis fünfmal so groß wie Deutschland, besitzt aber nur etwa vier bis fünf Millionen Einwohner), sind uns Land und Leute im Kriege etwas nähergerückt, und neuerdings ist die arabische Frage durch das Problem „Palästina" wiederum im Blickpunkt der Weltpolitik.
Nach Ausbruch des Weltkrieges hatten wir gehofft, daß es uns gelingen könnte, den „heiligen Krieg" zu entfesseln, d. h. den Islam gegen unsere Feinde, namentlich die Engländer, zu mobilisieren und diese dadurch an ihrem Lebensnerv, dem Zugang zu Indien, zu treffen. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt und konnte sich auch nicht erfüllen, da uns alle Vorbedingungen, einen solchen Krieg zu entfesseln, fehlten. Im Gegenteil, dem bekannten Engländer Lawrence ist es durch Geld und Versprechungen, aber auch durch seine Kenntnisse von Land und Leuten und ihrer Sprache, durch seine organisatorischen und militärischen Fähigkeiten sowie durch seine Persönlichkeit gelungen, die in viele Stämme zersplitterten Araber wenigstens zum Teil zu einigen und auf der Seite der Engländer gegen die Türken und Deutschen ins Feld zu führen. Und die Engländer hätten ohne die im Guerillakrieg unübertrefflichen Araber Palästina nicht gewinnen können, eine Tatsache, die der englische General A l l e n b y selbst zugegeben hat.
Andererseits hätten aber bie Araber nie die Waffen ergriffen, wenn sie hätten ahnen können, daß die Engländer die ihnen gemachten Versprechungen auf die Errichtung eines unabhängigen arabischen Staates mit der Hauptstadt Damaskus niemals einlösen würden. Die englische Politik hat hier einen Treubruch begangen, an dessen Folgen sie zweifellos noch lange zu leiden haben wird. Die an sich schon mißtrauischen Araber haben das Vertrauen in die Vertragstreue der europäischen Westmächte vollkommen verloren.
Arabien war vor dem Kriege stets ein Land der Stammesfehden. Der türkische Sultan, der die nominelle Oberherrschaft über Arabien ausübte, konnte Liese nur aufrechterhalten, indem er dafür sorgte, daß diese Fehden nie dazu führten, daß e i n Stamm das Gewicht über die anderen gewann und etwa zu einer Alleinherrschaft gelangte. Auch die Vorfahren Ibn Sauds gehörten zu einer Familie, die in diesen Stammesfehden eine führende Rolle spielte. Sie hatte sich schon zu Anfang des 19. Jahrhunderts Mekka und Medina unterworfen. Ibn Sauds Vater, Abdurrahman, der in Riad seinen Sitz hatte, war ein Mann voll Ehrgeiz, der seinem im Jahre 1880 in Riad geborenen Sohn Ibn Saud schon frühzeitig kriegerischen Geist und den Stolz auf die Taten seiner Ahnen einimpfte. Ibn Sauds ungeheure Körperkraft und Gewandtheit, seine große Klugheit und die Fähigkeit, Menschen zu führen, sind das Erbgut seiner Eltern.
Schon frühzeitig hat der junge Ibn Saud das wechselnde Glück in den Kämpfen der sich gegenseitig bekämpfenden Stämme kennenlernen müssen. Als Ibn Saud zehn Jahre alt war, eroberte der Stamm der Raschiden die Stadt Riad, und die Familie Abdurrahmäns mußte fliehen. Die weiblichen Mitglieder dieses Stammes fanden Zuflucht auf den Bahrein-Inseln im Persischen Golf, während Abdur- rahmän und sein Sohn Ibn Saud nach der Oase D s ch a b r<i n flohen, wo der Stamm der Murrahs unmittelbar am Rande der todbringenden Sandwüste ein elendes Leben führte. Hier hat der junge Ibn Saud das unendlich harte und entbehrungsreiche Leben der Wüste kennengelernt, aber auch wertvolle Erfahrungen in den blitzartigen Ueberfällen des Wüstenkrieges sammeln können, die ihm in seinem späteren Leben von größtem Nutzen sein sollten, war doch gerade der Murr ah-Stamm wegen
Mozart und Bruckner.
Zum IV. Orchesterkonzert des Konzertvereins.
Das kommende Symphonie-Konzert stellt zwei Musiker der Ostmark gegenüber, der eine ein Oberösterreicher, der andere ein Salzburger, die beide in der Zentrale Wien zur höchsten Fülle und Vollendung ihres Schaffens gelangen, ohne dabei von der ursprünglichen Kraft ihres Volkstums einzubüßen. Mozart, als Kind seiner Zeit, im Rahmen der gesellschaftlichen Ordnung, gibt den Reflex seiner Umwelt mit eigenen persönlichen Zügen wieder, Bruckner, ganz auf sich gestellt, eng abgeschlossen, läßt nur durch seine Werke in sein Inneres blicken.
Mozarts Haffner-Symphonie (Köchel Nr. 385) in D-dur fällt in die erste Zeit seiner Wirksamkeit in Wien. Die geistigen Beziehungen dieser Symphonie weisen noch nach Salzburg auf das dortige Bürgermeister-Haus zurück. Dem entspricht auch das Stolze, Repräsentative des Kopfchemas mit seinen steilen Oktaven. Dieser leitende Grundgedanke steht so im Vordergrund, daß ein Seitenthema in ausgeprägter Selbständigkeit sich nicht entwickeln kann, sondern mit dem Hauptgedanken verknüpft sich bildet. Das leitende Grundmotiv wird in der instrumentalen Farbe ebenso widergespiegelt, wie im Lichte einer mit kontrapunktischen Künsten bindenden Satztechnik. Die intensive Verarbeitung des Hauptgedankens als alleiniger schematischer Grundlage erübrigt eine längere Auseinandersetzung in der Durchführung. Diese ist darum verhältnismäßig kurz gehalten, und vor der Reprise wendet ein kurzes Gegenmotiv im dissonierenden Lichte des kleinen Nonenakkordes die Stimmung ins Wehmütige. Die Reprise zeigt in vielen Einzelheiten, daß es sich nicht nur um eine einfache Wiederholung der aufgestellten Themen im Sinne der traditionellen symphonischen Form handelt, sondern sie ist durch mannigfache Züge innerlich bereichert und erscheint gerade durch die vorausgegangene thematische Auseinandersetzung jetzt erst zu ihrem vollen Wesen aufgeblüht.
Das Andante in bewegt-beschaulicher Art ist ungemein reizvoll durch die zierlich geführten Streicher und durch die besondere Erweiterung der Schlußtakte. — Das Menuett erklingt in unmittelbarer Frische; das Trio gewinnt durch seine volksliedhafte Terzengebundenheit. — Das Finale entwickelt sich mit seinem serenadenhaften Hauptthema aus einem kurzen Vorsatz der Stteicher. Im weiteren Verlauf des 'Satzes folgt Mozart dem von Haydn geübten
Ibn Gand. -
seiner räuberischen Ueberfälle der gefürchtetste Stamm Arabiens.
Alle Versuche Abdurrahmäns, mit Hilfe der Murrahs Riad wiederzugewinnen und an dem Stamm der Raschiden Rache zu nehmen, schlugen fehl. Die wachsende Macht der Raschiden war dem Sultan in Konstantinopel nicht angenehm. Er bot deshalb Abdurrahman türkische Truppen zur Rückeroberung Riads an, die aber Abdurrahman ablehnte, da er in diesem Falle die türkische Oberherrschaft hätte anerkennen müssen. Dieser Gedanke war dem freiheitsliebenden Abdurrahman uner- ttäglich.
Da ergab sich eine neue Lage, als Deutschland den Bau der Bagdadbahn plante, die man nach den ursprünglichen Plänen bis nach Kuweit am Persischen Golf auszudehnen beabsichtigte. Damals fiel die Bemerkung des Kaisers: „Ich bin der Freund von 300 Millionen Mohammedanern." Da trat England auf den Plan, dem dieser wirtschaftliche Drang Deutschlands nach Osten, Richtung Indien, nicht paßte. Damals saß in Kuweit Fürst Mohammed, der aus diesem Zwiespalt Nutzen zog. Sein Oberherr, der türkische Sultan, stand zwar unter deutschem Einfluß, das hinderte ihn aber nicht, sich neben der türkischen Unterstützung auch englischem Gelde zugänglich zu zeigen. Der türkische Sultan veranlaßte Mohammed von Kuweit, den bei dem Murrahstamm befindlichen Abdurrahmän mit türkischem Geld zu unterstützen, um diesem die Möglichkeit zu geben, gegen den immer mächttger werdenden Stamm der Raschiden zu Felde zu ziehen. Diese Unterstützung ermöglichte es Abdurrahman, mit den Seinen in Kuweit wieder zusammenzukommen.
Hier nun tat sich dem jungen Ibn Saud eine ganz neue, bisher unbekannte Welt auf. Er sah den lebhaften Hasenoerkehr, sein Blick weitete sich, er lernte das friedliche, aber auch mit allen Ausschweifungen erfüllte Leben des internationalen Verkehrs kennen. Damit er in dem Sumpf der Hafenstadt seine Berufung zu großen Taten nicht einbüße, wurde der 15jährige Ibn Saud verheiratet. Er lernte in Kuweit auch den jüngeren Bruder Mohammeds, Mubar- r e k, kennen, der ihn mit den politischen Intrigen vertraut machte. Hier erwarb er sich auch seine für später so wertvollen Menschenkenntnisse, die ihm sein lückenhaftes Buchwissen ersetzten. Ibn Saud war 17 Jahre alt, als sein Freund Mubärrek seinen älteren Bruder Mohammed ermordete, um sich selbst zum Herrn von Kuweit zu machen. Da etwa zur gleichen Zeit der Gegenpartner der Familie Sauds, Raschid, in Hail starb und dessen Nachfolger sich durch seine Gewaltherrschaft sehr unbeliebt machte, war der Augenblick gekommen, wo die Familie Abdurrahmäns auf Wiederervberung Riads rechnen konnte.
In der nun ausbrechenden Fehde stellten sich die Türken wieder auf die Seite der Raschiden, um ein Gegengewicht gegen den englandfreundlichen Mubärrek und die Familie Ibn Sauds auszuüben. In diesem Kampf unterlag die Familie Ibn Sauds, und wieder einmal war für sie die Hoffnung auf eine Wiedereroberung Riads geschwunden. Aber Ibn Saud gab die Hoffnung nicht auf. Er nahm von. jetzt ab die Angelegenheiten seiner Familie nicht mehr als herumstteifender Räuber, sondern als selbstbewußter Politiker in die Hand. Er schuf sich eine kleine, zuverlässige, ihm treu ergebene Truppe, wobei ihn sein Neffe Dschiwali tatkräftig unterstützte. Ibn Saud hatte bei den Murrahs gelernt, wie man den Krieg in der Wüste zu führen hatte, wie man Ueberfälle auch gegen zahlenmäßig überlegene Feinde zu organisieren hatte. „Der Krieg in der Wüste ist der tollkühne Krieg der Besitzlosen gegen alle, die etwas mehr haben." Eines Nachts schlich er sich mit sechs Mann seiner Truppe an die Mauern Riads, fällte ein Palme, lehnte diese gegen die Windrichtung an die Stadtmauer, und im Nu waren sie in der Stadt. Seine eigentliche Truppe hatte er vor der Stadt auf die Lauer gelegt. Gegen Morgen ritt nun bet’ Herr von Riad, Adschlän, aus dem Fort in die Stadt, und hier begann nun der Kampf auf Leben und Tod. In wenigen Minuten war der 19jährige Ibn Saud Herr der Stadt. Der Vater Ibn Sauds, der heimlich nach Riad zu-
Brauch, schon nach wenigen Takten die Wiederholung der Themen zu bringen. Es handelt sich aber hier nur um eine Scheinreprise, der dann die eigentliche ausgeprägte Wiederkehr der Themen folgt. Das Streichereingangsthema mündet dann in einen glanzvoll ausgeführten Schluß. Mozart füllt somit in dieser Symphonie aus der damaligen Gesellschaftsmusik heraus gebildete Formen mit neuem eigenen persönlichen Gut. —
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Es ist eigenartig, daß sich gerade das Schaffen der beiden Wiener Symphoniker am nächsten berührt, denen Zeit ihres Lebens für die Aufführung ihrer Werke die größten Widerstände entgegenstanden. Schubert und Bruckner; bei beiden ein Ausschalten von außermusikalischen Anregungen, ein Erwachsen des Werkes aus der völligen Hingabe an das innere musikalische Erlebnis mit seinen zeugenden Kräften.
Wir wissen durch Bruckners Schüler Friedrich Klose, daß Bruckner am Klavier die Grundausgangsstellung für seine Werke gewann; gewissermaßen aus einem rauschartigen Durchleben des Musikalisch-Klanglichen. Diese Entstehungsart entbehrt zunächst des sttaffen architektonisch-konstrulk- tiven Zuges, wie er uns mit letzter Konsequenz in gebannter Geistigkeit bei Beethoven entgegentritt. Hler bei Bruckner scheint es, als schaffe sich die klangliche Materie von selber die Form. Von hier aus verstehen wir auch den Zug der Brucknerschen Symphonie zum Monumentalen. An Stelle scharf profilierter Themen tritt bei Bruckner die Themengruppe, meist für sich abgeschlossen durch trennende Einschnitte (Generalpausen). Das Inhaltliche bei Bruckner ist ohne seine klangliche Einkleidung schlechthin undenkbar; erst durch sie gewinnen seine Themen den ihnen zustehenden eigenen Charakter. Mug das Wagnersche Orchestervorbild ihn auch beeinflußt haben, so wirkt sich doch die Erfahrung des genialen Orgel-Improvisators Bruckner hier ebenso aus wie die Beziehung zur Volksmusik, die gerade in den Musikchören seiner Heimat saftige Klangwirkungen bevorzugt.
Die fünfte Symphonie in B-dur ist ber Höhepunkt der ersten Entwicklungsreihe der Brucknerschen Symphonien. Von Wagners Vorbild und Anklängen hat er sich hier gelöst; Einflüsse von seiner Messenmusik her sind geschwunden. Das Sich-Ergehen im klanglichen Erleben findet jetzt feine Straffung; ja, die Einheitlichkeit des Ganzen ist so konsequent durchgeführt, daß man fast alle Themen dieser Symphonie in ihrer inneren organischen Verwandtschaft erkennen und voneinander ableiten kann. Zum andern hat Bruckner hier das
rückgekehrt mar, übergab die Herrschaft seinem Sohne und um gürtete ihn mit dem Prunkschwert seiner Ahnen.
Mit diesem Augenblick beginnt für Ibn Saud die Zeit seines Aufstiegs. Gegenangriffe der Raschiden wurden abgeschlagen. Ibn Sauds Angriffe waren unwiderstehlich, er war der gegebene Führer seiner Schar, die zwar von Patriotismus und nationaler Begeisterung, wie wir sie kennen, nichts wußte, die aber dem tatkräftigen und todesmutigen Führer, der ihre Herzen zu gewinnen und ihre Taschen zu füllen verstand, mit Begeisterung folgte. Jrn Jahre 1903 unterwarf er sich den südlichen Teil vorn Nedsch, er erobert»»Anaisa, schlug den ihm entgegen* tretenden Obaid mit feinem.eigenen Schwert nieder, und in kurzer Zeit war ganz Arabien erfüllt von den Heldentaten Ibn Sauds.
Das paßte natürlich dem Sultan in Konstantinopel nicht. Von Bagdad aus wurde ein türkisches Heer gegen den „aufständischen" Ibn Saud eingesetzt. Die türkischen Soldaten waren aber an den von Ibn Saud beliebten Kleinkrieg nicht gewöhnt und mit ihren schweren Uniformen für den Krieg in der glühenden Sonnenhitze der arabischen Wüste ungeignet. Ibn Saud schnitt den Türken die Wasser- zufuhr ab, zwang sie zum Rückzug, und nur wenige von ihnen sollen Bagdad wieder erreicht haben. Es kam hinzu, daß die jungtürkische Bewegung die Macht des Sultans erschütterte — Arabien war fürdie Türken verlorengegangen.
Neue Kämpfe loderten in Arabien auf. Die Todfeinde Ibn Sauds, die Raschiden, wurden endgültig geschlagen, Mubärrek von Kuweit hetzte verschiedene Stämme gegen Ibn Saud auf, und auch der Scherif von Mekka, Hussein Ibn Ali, geriet mit Ibn Saud in Streit. Zwischen zwei Feuer genommen, schloß Ibn Saud mit Hussein Frieden, um sich gegen die anderen Stämme wenden zu können, die er auch restlos niederschlug. So dehnte er sein Reich bis an den Persischen Golf aus und gelangte so zu einem Zugang zum Meere.
Und nun reifte in ihm der Gedanke, den seit dem Propheten kein Araber mehr gedacht hatte, Arabien zu einigen, die feindlichen Stämme miteinander zu versöhnen und sie auf einer über den Stammesbanöen stehenden religiösen und wirtschaftlichen Grundlage zu organisieren. Er wollte, daß diese Organisation streng im Zeichen der waha- bitischen Ritus vor sich gehe und, um die Schrift- gelehrten für diesen Gedanken zu gewinnen, nahm er aus einer Schriftgelehrtenfamilie eine Frau, die ihm seinen Sohn Faifal gebar.
Die Wahabiten wollen den Islam von allen in späterer Zeit eingedrungenen Verderbtheiten reinigen. In erster Linie bekämpfen sie die abgöttische Verehrung des Propheten, den Glauben an die Fürbitte bei Gott und die Verehrung der Heiligen, ihrer Gräber und ihrer Reliquien. Die Lebensweise der patriarchalischen Zeit soll wieder hergestellt und der Krieg gegen die Ungläubigen seine hervorragende Stelle in der Betätigung des Islam wiedererhalten, der Luxus in der Lebensführung beseitigt werden. Ibn Saud wollte ferner die herumschweifenden, besitzlosen und räuberischen Beduinen an Seßhaftigkeit und Ackerbau gewöhnen, und man kann feststellen, daß gerade diese für den Gedanken gewonnenen Elemente seine treuesten Anhänger geworden sind.
All diese Vorgänge und Wandlungen blieben der breiteren Öffentlichkeit Europas unbekannt, was kümmerten uns die Stammesfehden in Arabien, die geistigen Wandlungen, die sich dort vollzogen? Konnten wir ahnen, daß sich dort Dinge vorbereiteten, mit denen auch wir Europäer uns einmal sehr ernstlich zu befassen haben würden? Da brach der Weltkrieg aus. Die Türken gewannen die Raschiden für sich gegen den noch schwankenden Ibn Saud. Die Engländer schickten den Hauptmann Shakespeare zu ihm, um ihn zu gewinnen. Hussein von Mekka sah die Zeit gekommen, sich än Ibn Saud- zu rächen, was gingen die Araber die europäischen Händel an? Ibn Saud wurde im Kampf gegen die Raschiden geschlagen, Hauptmann Shakespeare fiel in einem Gefecht. Der Stammes* krieg stand wieder einmal in vollster Blüte. Ja, auch Ibn Saud wurde in einem Gefecht schwer verwundet, seine tapfersten Freunde verloren die Hoffnung. Aber Ibn Saud glaubt an feine Mission.
Während es im Jahre 1916 dem Engländer Lawrence gelang, den Scherif von Mekka Hus- sein für den Krieg gegen die Türken und Deutschen
Werk mit feinen vier Sätzen in innerlichste Beziehungen der einzelnen Teile zu einander gestellt und in dem Finale eine abschließende Schau des gesamten thematischen Materials dieser Symphonie gegeben.
Die Zeit der Arbeit an diesem Werk erstreckt sich auf fast drei Jahre (14.2.75 bis 4.1.78); dabei wurden die einzelnen Sätze immer enger aufeinander abgestimmt. Man hat der Fünften die verschiedensten Beinamen zuerteilt. Bruckner pflegte sie als die phantastische" zu bezeichnen. Von anderer Seite her hat man sie wohl auch die „Tragische", „Persönlichste", „Katholische" genannt. Mag jedes dieser Attribute eine Wesensseite, einen Blickpunkt für das Werk darstellen, so lassen sie in ihrer Gesamtheit die Vielseitigkeit des Inhaltes erkennen.
Bruckner selbst sah in seiner Fünften Symphonie fein „kontrapunktisches Meisterwerk". In der Tat dürfte sich -in der gesamten Literatur fein symphonisches Werk finden, das sowohl in der Gewinnung von neuen thematischen Mitteln durch Verkleinerung, Vergrößerung, durch Umkehrung und sequenzenartige Ausweitung des Themas wie in der Verknüpfung und Kombination des Materials bis zum vierfachen Kontrapunkt ihm gleich stände. Fuge und Doppelfuge bzw. Choralfuge werden hier im Finale organische Glieder der symphonischen Form, stets von höchster satztechnischer Meisterschaft ebenso wie von inhaltlich bedingter Notwendigkeit zeugend.
Als einziger von Bruckners Symphonien geht der „Fünften" eine Adagio-Einleitung voraus. Heber schattenhaften Pizzicato-Bässen bricht nach grübelnden' Ansätzen ein fanfarenartiger Unisono - Aufschwung heraus, beantwortet durch eine Choralankündigung der Bläser. Die sich steigernde lieber» leitung zum Allegro hin zehrt von dem Baß des Choraleinwurfs, und ein rüstig kämpferisches Thema eröffnet seine Welt. Die Wendung zum Inneren hin erschließt sich mit der zweiten Themengruppe, die in verschiedenen Stadien aufblüht und in einer dritten Gruppe ihre Ergänzung findet. Adagio-Einhalte (Einleitung!) lassen die Durchführung aus Feierlichkeit sich zur Aktivität entfalten. Bei der Reprise klingt ein Choralgedanke hinein; das Eingangsmotiv des machtvollen Hauptthemas, metallisch verklärt durch die Trompeten, schließt den Satz sieghaft.
Das Adagio gibt einen Einblick in die Seelenlage Bruckners zur Entftehungszeit der Symphonie; es ist bezeichnend, daß er mit diesem Satz die Arbeit an dem Werk zuerst begann. Wehleidige Klage (Oboe) über einführendem Pizzioato-Unisono der Streicher und ein zweites inbrünstiges glaubens* inniges Thema werden die Ausgangspunkte dieses
zu gewinnen, führte Ibn Saud unbekümmert um diese Kämpfe einen unbarmherzigen Krieg gegen den Stam der Adschman im Osten Arabiens, die er vollständig besiegte. Wieder wurde er unumschränkter Herrscher vom Nedsch. Hussein, der von den Engländern Subftbien erhielt und zum König von Arabien ausgerufen wurde, leistete den Engländern Gefolgschaft im Kampfe gegen die Türken und die Deutschen, und zwar solange, bis Geld und Versprechungen versiegten. Ibn Saud war zwar auch Bundesgenosse der Engländer, er wollte sich aber nicht aktiv an den Kämpfen beteiligen, einmal ans Feindschaft gegen Hussein und dann aus — Miß-» trauen gegen die Engländer. Er konnte und wollte warten, bis die Zeit für ihn reif war, denn er besaß nicht nur Tollkühnheit und Tapferkeit, sondern auch Geduld und politisches Fingerspitzengefühl. Daß seine Anhänger für die weitreichenden Pläne Ibn Sauds kein Verständnis hatten, brachte Ibn Saud manchmal in schwierige Lagen, denen er aber immer wieder Herr wurde. Er erklärte seinen Leuten, daß er erst die Raschiden völlig niederwerfen müsse, worauf dann der Scherif Hussein und die Adschman von selbst zusammenbrechen würden ...
Inzwischen waren die Engländer unter Allenby und Oberst Lawrence in Damaskus eingerückt. Der Traum Husseins auf ein unabhängiges Arabien mit der Hauptstadt Damaskus war ausgeträumt. Lawrence verschwand aus Damaskus, die den Arabern gemachten Zusagen wurden nicht erfüllt. Scherif Hussein, von Größenwahn und Prunksucht erfüllt, war nicht in der Lage, die Einheit der Araber zu erzielen, dies konnte nur ein religiöser, kriegerischer, tatkräftiger und zielbewußter Führer, und das war Ibn Saud. Hussein mußte mit seiner Familie aus Mekka fliehen und Ibn Sand konnte, nachdem er noch die übrigen Stämme Arabiens besiegt hatte, im Jahre 1925 im Pilgerkleid in Mekka seinen Einzug halten. Er stand als Herr der heiligen Stätte der internationalen Welt des Islam gegenüber. Er war nicht mehr der Häuptling eines Wüstenstammes, sondern der Wächter und Hüter der heiligen Stadt Mekka. Er ließ sich zum König von Arabien aus- rufen und wollte Führer seines'Volkes, .ohne Luxus und Pomp, und kein Tyrann, wie sein Vorgänger sein. Er mußte schon aus wirtschaftlichen Gründen ZU den Staaten, aus denen jährlich Tausende und aber Tausende nach Mekka pilgerten, gute Beziehungen aufnehmen, namentlich zu England, das ja mehrere Hundert Millionen Anhänger des Islam beherrscht, er mußte einige Errungenschaften der europäischen Kultur einführen, um den Bedürfnissen ■ber Pilger zu entsprechen unb' wirksam regieren zu können. Die gegen diese Erneuerungen äuftre- tenden Bestrebungen im eigenen Lande mußte er mit Geschützen, Tanks, Flugzeugen, Autos, Maschinengewehren und Rundfunk bekämpfen und es gelang ihm in wenigen Jahren das Räubertum zu vernichten und Ruhe und Ordnung zu erzielen. Er regiert mit eiserner Faust, aber auch mit Gerechtigkeit, und so ist es ihm gelungen, einen neuen arabischen Staat und ein neues Staatsleben aufzubauen, mit dem auch die europäischen Staaten zu rechnen sich gewöhnen müssen. Wenn die Engländer heute auf einen verstärkten Widerstand der Araber stoßen, so steht hinter dieser Bewegung der Einiger der arabischen Welt, Ibn Saud, dessen Macht und Einfluß in der Welt des Islams noch im Steigen begriffen ist. L. G.
Dr. Scheels Italienreise beendet.
Rom, 11. April. (DNB.) Der Besuch Roms bildete den Abschluß der Jtalienreise des Reichsstudentenführers Dr. Scheel. Am Montag fand ein E m p f a n g bei Minister Alfieri statt. Der Minister lud zwei deutsche Studentenführer als seine persönlichen Gäste zu einem längeren Aufenthalt nach Italien ein. Nach der Besichtigung des Forum Mussolini empfing Minister Bo'ttai den Reichsstudentenführer. Am Nachmittag gab Dr. Scheel in der Villa Massimo, der Zweigstelle Rom des Deut» schen-Akabemischen Austauschbundes, einen Empfang. Unter den Gästen waren der deutsche Botschafter von Mackensen und der deutsche Botschafter beim Heiligen Stuhl, von Bergen, neben ho- f)en faschistischen Persönlichkeiten anwesend. Eine Audienz beim Außenminister Graf Ciano stellte den Abschluß der Reise dar. Der Minister erklärte, „Nur die enge Zusammenarbeit gewährleistet den weiteren Fortschritt und den Aufstieg der Länder."
reichen Seelengemäldes. — Das gleiche Streich er- Pizzicato-Unisono wie im Adagio führt auch das Scherzo ein wie ein überlegenes Lächeln des Ueberwundenhabenden. Von besonderem Interesse ist hier ein ländlerhaftes Thema im vierfachen Kontrapunkt, das durch seine innere Struktur unerschöpfliche Möglichkeiten der Kombination gewährt.
Das Finale wird zur geistigen Zusammenfassung des Ganzen. In das Zitat der Einleitungstakte der Symphonie geistert in der Trompete ein Öktavschlag hinein, die Keimzelle des werdenden Finalthemas. In seinem weiteren Wachsen stellt dieses sich dem Hauptthema des ersten Satzes gegenüber, ebenso der Adagio-Klage; dann aber, innerlich erstarkt, spinnt es sich mit feinen energischen Oktavschritten zur Fuge aus. Nach einer an ausdrucksvollen Feinheiten reichen gesanglichen Gruppe recken sich in gigantischer Monumentalität die Hnisono-Oktavschläge der Bläser gegenüber der Streicher-Unisono-Figu- ration auf. Verheißende Gewißheit erwächst in einem Choral der Bläser, dessen vier Zeilen in den Streichern und im Holz ihr Eck)o finden. Die Choralmelodie wird dann Thema einer in Engführungen gipfelnden Fugendurchführung; darauf vereinen sich .Choralthema und Finalthema in einer Doppelfuge. Später mischt sich das Kopfthema des ersten Satzes in die Auseinandersetzung. Zum Schluß wird das vom vollen Blechkörper geführte Choralthema beherrschender Leitgedanke, und in den pompösen Schluß schmettern die drei Trompeten mit dem Ein- gangsmotiv des ersten Allegros hinein.
Dr. Hermann Hering.
Hochschulnachrichten.
Der nb. ao. Professor Dr. med. Friedrich Mauz von der Universität Marburg wurde beauftragt, vom 1. April 1939 ab an der Universität Köni g s- b e r g die durch Ausscheiden von Professor B o - st r o e m frei gewordene Professur für Psychiatrie und Neurologie vertretungsweise zu übernehmen. Mauz habilitierte sich 1928 in Marburg, wo er Oberarzt an der Psychiatrischen und Nerven-Klinik und 1934 zum ao. Professor ernannt wurde.
Dem Professor Dr. med. Werner Bachmann an der Universität Kiel wurde ein planmäßiges Ordinariat in der Medizinischen Fakultät verliehen. Sein Lehrauftrag für Hygiene bleibt unverändert.
Professor Lic. Hans Wilhelm Schmidt, Ordinarius für neutestamentliche und systematische Theologie an der Universität Bonn (Evang.-Tbeol.), wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Wien berufen.


