Nr. 85 Zweiter Matt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwoch, l2. April 1939
Aus dem Reiche der Krau.
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PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS
PUR.
BLUSEN
Zeit in Bearbeitung ist, wird die ausgeschiedenen Führerinnen wirtschaftlich sicherstellen.
Inge kann also im Reichsarbeitsdienst viel erreichen. Als Arbeitsdienstführerin steht ihr ein Aufgabengebiet und eine Laufbahn offen, um die sie manche Frau früherer Generationen heiß beneidet haben würde. Wichtiger aber als diese äußerlichen Erfolge sind die inneren Werte, die Inge in diesem Beruf gewinnen kann. Führen bedeutet zugleich ständiges Arbeiten an sich selbst. Das wird auch Inge erleben, und wird spüren, wie reich sie durch diese Arbeit wird. So wird sie — ganz gleich, ob sie eines Tages als Gehilfin, Lagerführerin, Gruppenführerin/Lehrkraft oder in sonst einer Stellung ausscheidet — immer als ein tüchtiger Mensch aus dieser Arbeit gehen, als ein Mensch, der zugreifen und sich einsetzen gelernt hat, als ein innerlich froher und glücklicher Mensch. Das kann Inge auf jeden Fall im Reichsarbeitsdienst werden.
G. Schwerdtfeger-Zypries.
dere Fähigkeiten auf organisatorischem Gebiet hat, kann sie später als Sachbearbeiterin in einer Gruppe oder Bezirksleitung tätig sein. Bewährt sie sich als vorbildliche Führerin, dann kann sie auch nach einem Lehrgang in der Reichsschule als Gruppenführerin eingesetzt werden, Hier obliegt ihr die Betreuung und Ueberwachung von etwa 10 bis 15 Lagern, — eine umfassende Aufgabe. Bei besonderen pädagogischen Fähigkeiten könnte sie auch in einer der Reichsarbeitsdien st-Schulen eingesetzt werden, als Gehilfin, Lehrkraft oder gar S ch u l l e i t e r i n.
Für alle diese außerhalb des Lagers liegenden Aufgaben können sich auch ältere Führerinnen einsetzen und hier eine Lebensaufgabe finden. Sollte Inge also — was aber weder ihr Vater noch sie selber glauben — einmal nicht heiraten, dann vermag ihr allezeit der Arbeitsdienst eine ausfüllende und befriedigende Arbeit zu geben. Ein Fürsorge- und Versorgungsgesetz, das zur
ten Keulenärmeln hat ein ebenfalls fchräggefchmt- tenes Weften-Paffenteil und wird mit kleinen roten Kugelknöpfen geschloffen.
Der großgemusterte Faltenrock ist schräggeschnitten; um die Hüftpartie sind die Falten ab- gesteppL Der Stoffgürtel ist aufgearbeitet.
Weiße Pikeeaufschläge und ein weißer Pikeekragen sind mit einem schmalen roten Lackledergürtel und kleinen Perlmutterknöpfen der Ausputz der wieder schräg-grade verarbeiteten kurzärmeligen Bluse (unten) mit Faltentäschchen und kurzen Puffärmeln. H.
Vier Anregungen, wie man die flotten und praktischen Schottenmuster (auf waschbarem Wollflanell) für Kleider, Röcke, Blusen verarbeiten kann, gibt unsere heutige Skizze.
Der Rock des praktischen Kleides (links) ist mit schräggestelltem Muster glockig in vier Bahnen geschnitten, und zwar so, daß sich vorne eine Doppelfalte ergibt. Die langen, in ein Bündelchen gefaßten Aerm'el sind ebenfalls schräggeschnitten, während die Bluse (mit dem Sattel) gerade dem Rock angesetzt ist. Der Gürtel ist aus farblich passendem Leder, der Kragen aus weißem Pikee.
Die Bluse (oben) mit den langen, schräggestell-
nährung hat. Sie kämpft im wahrsten Sinne des Wortes Schulter an Schulter mit dem Mann an der Erfüllung dieser Aufgabe; denn in der Landwirtschaft arbeiten rund 4,6 Millionen Männer und ebenso viele Frauen. Trotz der starken Erwerbstätigkeit unserer Frauen in Industrie, Handwerk, Handel und Verkehr ist die weitaus größte Zahl von Frauen in der Landwirtschaft tätig. In erster Lime sind es mit helfende Familienangehörige, die hier tätig sind; von den rund 4,6 .Millionen tätigen Frauen sind rund 3,5 Millionen Frauen mithelfende Familienangehörige. Aus diesem Grunde find hier auch die meisten verheirateten Frauen als voll arbeitende Kräfte zu finden: während von den in der Landwirtschaft tätigen Frauen 56 o. H. verheiratet sind, sind in Handel und Verkehr nur 30 o. H., in Industrie und Handwerk nur 29,6 o. H. der berufstätigen Frauen verheiratet.
Auf jedem einzelnen ihrer Arbeitsgebiete muß die Landfrau Höchstleistungen erzielen — bei allergrößtem Mangel an Hilfskräften. So geht die Arbeit, die sie leisten muß, weit über -das natürliche Maß ihrer Kräfte hinaus. Und neben aller Arbeit hat sie für Mann und Kinder zu sorgen. Der Reichsbauernführer hat ihr auf dem letzten Reichsbauerntag in Goslar Dank gesagt: „Was unseren Bauernfrauen in den vergangenen Jahren an Arbeit und seelischer Belastung, an Mühe und Not haben durchhalten müssen, ist wahrhaftig das Hohelied eines wahren Heldentums. Ich spreche das hier in dieser klaren Formen so offen aus, weil dieses stille und so oft wenig beachtete Heldentum unserer Landfrauen es verdient, von dieser Stelle aus unsere volle Anerkennung und unseren Dank zu erfahren." Und unser aller Dank an die Landfrau kann und muß sich darin äußern, daß wir sinnv^oll und spar- s a m das verbrauchen, was Millionen Frauenhände draußen auf dem Lande schaffen, daß wir verständnisvoll den Maßnahmen gegenüberstehen, die unsere Mädel dem Lande zuführen, um dort mitzuschaffen an der Erfüllung der für unser gesamtes Volk lebensnotwendigen Aufgaben, die allein, ohne jegliche Hilfskraft, zu meistern der Bäuerin auf die Dauer unmöglich ist. R. S.
Dank an die Landsrau.
V. A. Die große Ausstellung des Reichsnährstandes „Grüne Woche 1939", zu der Hunderttaufende vom Lande und aus den Städten nach Berlin gekommen find, hat wieder einmal in starkem Maße die Gedanken auf die Leistungen der deutschen Landwirtschaft gelenkt. Seit Beginn der Erzeugungsschlacht hat das deutsche Landvolk in unermüdlicher Einsatzbereitschaft an der Erfüllung der ihm gestellten Aufgaben gearbeitet. Die Aufgaben sind durch die Forderungen des Dierjahres- planes nur immer noch gewachsen. Das deutsche Landvolk kann stolz auf die bisher vollbrachten Leistungen sein. Die Gesamtgetreideernte des Jahres 1938 ist die größte Getreideernte gewesen, die Deutschland je zu verzeichnen hatte. Die Kartoffelernten der drei letzten Jahre waren die größten, die Deutschland bisher aufzuweisen hat. Die Zuckerrübenernte hat sich seit 1932 fast verdoppelt. Die Fleischerzeugung im Jahre 1938 war um 500 000 Tonnen größer als die Jahresdurchschnittserzeugung von 1928 bis 1932. Die Buttererzeugung steht 1938 infolge der Maul- und Klauenseuche und des starken Melkermangels etwas hinter der Jahreserzeugung von 1937 zurück, hält aber den Stand von 1936, der bis dahin in Deutschland unerreicht war. Das Wort des Führers auf dem letzten Parteitag „Den Gedanken an eine Blockade Deutschlands kann man schon jetzt als gänzlich -unwirksame Waffe begraben!" wird der Landwirtschaft höchste Anerkennung sein und ihr beweisen, daß alle Anstrengungen, alle Sorge und Mühe nicht umsonst, sondern für Deutschland und die große Politik des Führers notwendig gewesen sind. Hinter diesem Wort steht die Tatsache, für die das gesamte deutsche Volk nicht dankbar genug sein kann. Wie dankenswert roirb jie auch gerade den Müttern erscheinen, die sich infolge der Blockade während des Weltkrieges für eine ausreichende Ernährung ihrer Kinder verzweifelt mühten.
Deutlich und verpflichtend zugleich muß es ober auch heute jeder Frau in der Stadt werden, welchen ausschlaggebenden Anteil die Frau auf 'dem Lande an der Sicherstellung unserer Er-
Znge im Reichsarbeitsdienst. ;
Was kann das Mädel werden?
Wenn in diesen Wochen, in denen die Berufs- 1 wähl das Hauptgesprächsthema so vieler Familien j ist, die Tochter den bestimmten Wunsch äußert, Ar- ; beitsdienstführerin zu werden, dann wer- - den sich viele Eltern nur schwer ein Bild machen \ können von den Aufgaben, die ihre Tochter erwar- ' ten. Kennt doch die Elterngeneration den Arbeits- l dienst nur aus Erzählungen und Berichten. Auch । über die Berufsaussichten und über die Laufbahn, . etwas, was begreiflicherweise in erster Linie die ■ Väter interessiert, wissen sie nur Unbestimmtes. ’ Dann müssen die Töchter haarklein erzählen, was • die Berufsberaterin auf dem Arbeitsamt gesagt hat, und schließlich sitzen Eltern und Töchter über dem Merkblatt, das die Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes über die Führerinnenausbildung herausgegeben hat. Dieses Merkblatt enthält die allgemeinen Richtlinien, außerdem Sonderbestimmungen für ältere Führeranwärterinnen, und gibt den Ausbildungsgang an, der sich - aber im einzelnen nach Alter und" Vorbildung der Führeranwärterin richtet; denn weil der Reichsarbeitsdienst auf jeden Fall eine Normierung der Ausbildung verhindern will, schreibt er für den Ausbildungsgang k e i n ftarres Schema vor. Die Eignung ist in jedem Falle entscheidend für den späteren Einsatz, — das wird in dem Merkblatt mehrfach mit Nachdruck betont.
„Ja, aber was kann denn nun meine Tochter im Reichsarbeitsdienst werden?", — das will der Vater wissen. Die Antwort kann nur die praktische Erprobung geben. Einige Beispiele aber sollen im folgenden den Vätern berichten, was die Töchter werden können, — persönliche Eignung, nationalsozialistische Gesinnung und vorbildliche charakterliche Haltung vorausgesetzt.
Nehmen wir an, da ist Inge, eine neunzehnjährige Abiturientin. In diesen Tagen hat sie ihre Einberufung, als Arbeitsmaid in ein Lager im Erzgebirge bekommen; denn schon lange vor Weihnachten holte sie sich die Anmeldeformulare auf dem Polizeirevier und meldete sich bei ihrer zuständigen Bezirksleitung an. Inge will sich während ihrer halbjährigen Dienstzeit als Führeranwärter in bewerben. Auf dem Dienstweg natürlich; denn selbstverständlich ist das Urteil der Lagerführe- rin und der Gruppenführerin, die häufig das Lager besucht, von Bedeutung für die Bewertung. Ein zweites halbes Jahr dient Inge nun in einem anderen Lager als Kameradschaftsälteste und hat hier schon etwas Verantwortung und auch Gelegenheit, die Kameradinnen anzuleiten und mit zu betreuen. Inge kommt von einer Mädchen-Oberschule (früher Frauen-Oberschule); deshalb wird sie im Anschluß an ihre Kameradschaftsältestenzeit schon zu einem Lehrgang einer Lagerschule des Reichsarbeitsdienstes einberufen. Käme sie vom wissenschaftlichen Abiturium, dann müßte sie sich jetzt erst für ein Jahr beurlauben lassen, um eine haus - oder landwirtschaftliche Ausbildung nachzuholen, etwa durch den Besuch einer staatlich anerkannten Frauenschule, einer BDM.-Haushaltungsschule usw. Während des fünfmonatigen Lehrgangs in der Lagerschule lernt Inge alles kennen, was zum praktischen Rüstzeug einer Lagergehilfin gehört: den Küchenzettel für 40 ewighungrige Arbeitsmaiden, das System der Lager-Buchführung, die Bewirtschaftung des Lagers unter Berücksichtigung der hauswirtfchaftlich-volks- wirtfchaftlichen Forderungen unserer Zeit, u. a. m.; und systematisch wird im politischen Unterricht, in der Leibes- und Musikerziehung gearbeitet, damit auch hier Vie künftige Lagergehilfin der Lagerführe- rin eine Hilfe sein kann.
Und dann steht Inge — also nach 1U- Jahren — zum ersten Mal vor den Arbeitsmaiden eines Lagers. Wenn sie auch vorläufig noch Gehilfin ist, so ist sie doch schon Führerin, äußerlich kennllich durch die braunsilberne Schnur am Kragen der Ar- beitsdiensttracht. Von den ersten Versuchen unter Hilfestellung der Lagerführerin bis zur selbständigen verantworllichen Arbeit liegt für Inge ein Weg, auf dem die Meilensteine Erfahrung heißen, ein Weg aber, der auf jeden Fall befriedigend und schön ist. Vielleicht schon nach einem Jahr, vielleicht aber auch schon früher, bekommt Inge bann die Einberufung in eine B e z i r k s s ch ul e. Hier werden die gesammelten Erfahrungen ausgewertet und in ernster dreimonatiger Arbeit bereiten sich die bisherigen Lagergehilfinnen auf die selbständige Arbeit der Lagerführerin vor. Die praktische Ausbildung, die sie alle schon mitbringen, wird ergänzt durch methodischen Unterricht. Pädagogik und politischer Unterricht vermitteln den künftigen Lagerfuhrermnen die wesentlichsten Grundlagen für ihre spatere Arbeit. Inge bewährt sich auch in dieser Zeit, und so wird ihr nach Ablauf des Jahrganges ein Lager an- vertraut. f ,
Nun liegt eine unendlich schone, oft aber auch schwere Aufgabe vor ihr: die Erziehung von 40 Zungen Arbeitsmaiden. Aber Inge hat ja alles gelernt, was zu dieser Aufgabe gehört, sie kann etwas, und weil sie innerlich geeignet ist für diese erzieherische Arbeit, gelingt es ihr, ihre Aufgaben zu erfüllen. Tiefe Befriedigung und glückliches Erfulltsem sprechen aus den Briefen, die den Eltern von der viel- feiiigen Arbeit berichten, die mit der Leitung des Frühsports beginnt und mit dem letzten Rundgang durch die Schlafzimmer der Mädel endet. Die Eltern sind froh, daß ihr Kind glücklich ist.
Uebrigens — dem Vater hat die ganze Ausbildung innerhalb des Reichsarbeitsdienstes k e i n e Kosten gemacht. Bekam Inge schon als Arbeits- maid freie Unterkunft, Verpflegung und Dienstkleidung und daneben RM. 0,20 Taschengeld am Tag, so verdoppelte sich das Taschengeld als Kameradschaftsälteste und wurde auch wahrend ber Mus, bildungszeit auf der Lagerschule weitergezahlt, Als Gehilfin bekam Inge dann ein monatliches Gehalt beginnend mit RM. 40,-. Als Lagerfuhrerin bekommt sie ein Gehalt von RM. 80,-— bis 120-, wohnt im Lager, wird dort verpflegt und hat Anspruch auf freie Dienstkleidung.
Inges Vater weiß inzwischen auch schon, daß die Laufbahn seiner Tochter nicht mit der Arbeit als Lagerführerin abgeschlossen zu fern braucht. Der Reichsarbeitsdienst hat eine große Anzahl von Stellen in den Schulen, Gruppen und Bezirksleitungen, für die er tüchtige und bewährte Führerinnen braucht. Wenn es sich herausstellt, daß Inge beson-
Allerlei Gutes.
Don Frida Aisch.
Das erste, was uns die freundlichen Tage beschert haben, ist frischer Kerbel. Es reicht gerade für eine gute Suppe. Ein Eßlöffel Rindsfett wird heiß gemacht, 2 bis 3 Eßlöffel Mehl darin gelb geschwitzt, dann ein Liter Wasser aufgefüllt und die Suppe glatt gekocht. Einige aufgelöste Brühwürfel geben die Würze und zum Schluß eine Hand voll feingewiegter Kerhel, der durchziehen muß, aber nicht mehr kochen darf. Ueppige Leute rühren noch ein Eigelb an. 5 Brötchen vom Tag vorher werden gewürfelt und geröstet und die heiße Suppe darüber angerichtet. So bildet sie ein volles Mittagessen.
Mayonnaise und Salate können wir schon mit feingewiegtem Schnittlauch, Schafsgarbe und Löwenzahn mischen, die an geschützten Plätzchen gerade hoch genug gewachsen sind. Diese kleinen Kräutchen begrüßen mir dies Jahr besonders freudig, weil im Winter die meiste Petersilie erfroren ist und es noch dauert, bis die neue Saat so weit ist. Zitronenmelisse und Pimpernell finden wir auch schon.
Einen Lammbraten können wir frühlingsmäßig Herrichten, wenn wir ihn mit den verschiedensten grünen Salaten reichen: Sonnenwirbelchen, Endivien, Löwenzahn, Kresse, Chikoree, auch der erste frische deutsche Kopfsalat ist da. Die Salate machen wir nur mit Essig und wenig Oel an und schmücken sie mit Zitronenscheiben und Tomaten. Dafür machen wir die Bratentunke mit Sahne fertig, die wieder in bescheidenen Grenzen zu haben ist. Es sei daran erinnert, daß Lammbraten besonders saftig bleibt, wenn er schnell in etwa einer halben Stunde fertig gebraten wird.
Kalbszunge mit Traubenmost. Nachdem die Kalbszungen mit Suppengrün weichgekocht und abgezogen sind, werden sie in Scheiben geschnitten, in Ci und Weißbrot gewälzt und schnell gebraten. Mit der Zungenbrühe kocht man eine Handvoll kleiner Zwiebelchen. Die Zungenscheiben werden herausgenommen, der Bratensatz mit der Brühe und den Zwiebeln abgekocht. Ein Glas roter Traubenmost, mit einer Prise Mehl verrührt, wird leicht darin aufgekocht. Zunge und Tunke ziehn noch an heißer Stelle gut durch. Im Reisrand, mit Petersilie bestreut, anrichten. Dazu Zitronenscheiben zum Würzen nach Wunsch. Wers liebt, reicht Tunke und Zunge besonders, dann darf das Fleisch nicht mehr in der Tunke ziehn. >
Abwechslung bringt ein Wi ld s ch w e i n b rat e n. Das gewählte Stück Rücken oder Keule soll nur für zwei Mahlzeiten reichen, denn man ißt es sich leicht über. Nach tüchtigem Klopfen kommt es einige Tage in Buttermilch oder leichte Essigbeize mit etwas Pfeffer, Salz, Wacholderbeeren und Zwiebeln. Dor dem Braten wird alles Fett entfernt. Mit Wasser und Rotwein oder rotem Traubensaft aufsetzen, das nötige Bratfett zugeben. Nach einer Stunde einen Teelöffel Rosmgrin, einige Wacholderbeeren und Zwiebelscheiben mitbraten. Fleißig begießen. Die Tunke fertigmachen mit brauner Mehlschwitze und etwas Johannisbeergelee. Kurz vorher eine Brotrinde mitkochen und alles durchschlagen. In kleinen Schälchen um den fertigen Braten abwechselnd weißen und roten Krautsalat, Johannisbeergelee und eingekochte rote Rüben stellen.
Kleine Hohlpa st eten sind auch lohnend, einige Tage auf Vorrat zu machen. Wir können mürbteig, Blätterteig, auch solchen mit Weißkäse dazu nehmen, wenn die Formen klein find. Am einfachsten macht man kleine runde Tortenböden, die einen drei Zentimeter hohen Rand erhalten. Innen werden die Förmchen voll roher, gelber Erbsen geschüttet und so gebacken. Kalt leert man sie aus und füllt sie bei Bedarf mit süßem Creme, eingekochten Früchten oder mit irgendeinem Würzfleisch.
Die' große Hohlpa stete macht etwas mehr Arbeit, wirkt aber sehr stattlich. Wenn sie gut werden fall, müssen wir einen Blätterteig Herstellen. Aus 250 Gramm Mehl, einigen Löffeln kaltem Wasser und einem Teelöffel Essig machen wir einen festen Teig und rollen eine Platte. Dahinein wickeln wir 250 Gramm eiskalte Butter oder „Ziehbutter", rollen den Teig aus, falten ihn wieder buchförmig, rollen wieder aus und wiederholen dies viermal. Dann steht der Teig 24 Stunden kalt. Er wird in drei Teile geteilt. Der eine Teil wird als Boden ausgerollt und auf ein gefettetes Backblech gefetzt. Eine runde Plaste wird mit einem Teller daraus geschnitten, so groß, wie der Boden der Pastete werden soll. Um den Rand des Bodens legen wir einen fingerbreiten runden Streifen Teig als Halt. Jetzt formen wir aus weißen Papierstreisen eine feste Kugel, die wir in eingefettetes Papier einhüllen und mitten auf den Teigboden legen. Damit die Kugel nicht aus« einanderfällt, wird sie etwas mit Kordel bewickelt. Diese Kugel beziehen wir mit dem andern, ausgerollten Teig. Die Teighülle muß fest am Boden an« schließen. Später wird der Kopf der Kugel als Deckel abgeschnitten. Damit dies gut geht, fetzen wir an der Stelle, wo wir durchschneiden wollen, zwei Teigrollen übereinander auf. Schneiden wir dann da durch, hat Form und Deckel Halt. Die ganze Kugel wird mit Eigelb angepinfelt. Als Verzierung kleben wir kleine ausgestochene Teigformen, wie Herze, Monde, Ringe auf und mad-en längliche Streifen gedreht oder geflochten in der Runde oder in der Höhe an. Jetzt steht die Hohlpastete noch einige Stunden ganz kalt und wird dann abgebatfen. Dann wird vorsichtig der Deckel abgeschnitten zwischen den beiden oberen Streifen. Nun zieht man langsam, um nichts zu zerstören, die Papierstreifen und den Bindfaden heraus. Dann füllt man ein sschon vorher bereitstehendes, beliebiges Frikassee oder Würzfleisch, das nicht zu dünn fein darf, hinein und reicht die Pastete warm. Bei der Füllung muß man darauf achten, daß es auch hübsch aussieht, wenn sie angeschnitten ist.
Unsere O d st s a l a t e richten wir zur Abwechslung in Apfelsinenschalen an. Wir stellen sie her aus allem, was uns gerade greifbar ist. Sehr schön sind sie auch in Melonenschalen gereicht. Wir mischen Aepfel, Bananen, Nüsse, Rosinen -und ähnliches, übergießen sie mit Danillentunke und stecken in jede Schale ein grünendes Birkenzweiglein, einige Veilchen ober Himmelsfchlüssel. Dieser Salat darf erst kurz vor Tisch hergestellt werden, sonst verliert er die Farbe. Kleines Gebäck dazu hebt ihn sehr.
Als schnellen Nachtisch reichen wir Sand« kuchenreste mit Weinschaumtunke, die wir auch von Süßmost Herstellen können.


