Das Geheimnis -es Schmerzes.
Warum haben wir Schmerzen? — Warnsignale unseres Körpers. Neue Feststellungen der Wiffenschast.
Schmerzen: wer von uns kennt und fürchtet sie nicht? Unter Schmerzen beginnt und endet unser Leben, Schmerzen begleiten fast jede Krankheit, und schon die kleinste Wunde „tut weh". Ist das nun eine Grausamkeit der Natur — oder hat der Schmerz einen Sinn, ist er vielleicht sogar notwendig? Der nachstehende Artikel gibt auf Grund der neuesten Forschungsergebnisse auf diese Fragen Antwort.
Der Schmerz ist keineswegs nur eine Angelegenheit des Körpers, sondern er betrifft weitgehend auch seelische Bezirke — wir brauchen nur an die eng mit dem Begriff des Schmerzes verbundenen Worte .Kummer" und „Sorge" zu denken. Der Schmerz als solcher ist in seiner letzten Ausprägllng ein seelisches Erlebnis, das sich einer rein naturwissenschaftlichen Deutung fast völlig entzieht. Wir wissen, wie eine Schmerzempfindung an irgendeiner Stelle des Körpers entsteht, wie sie durch die Nervenbahnen weiter und schließlich zu bestimmten Zentren des Gehirns geleitet wird — was aber die Schmerzempfindung selbst ist, das wissen wir zum mindesten nur sehr ungenau. Vor allem läßi sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen, wo eigentlich die Schmerzerregung — etwa infolge einer Wunde — zur Schmerzempfindung umgeformt wird. Diese' „Endstation" des Schmerzsystems scheint in einer bestimmten Zentralwindung des Gehirns und noch an einer anderen Stelle, int sogenannten Schläfen- lappen, lokalisiert zu sein — diese Angelegenheit ist, wie gesagt, für die Wiffenschast vorläufig noch ziemlich geheimnisvoll. Fest steht jedenfalls, daß der Begriff „Schmerz" ungemein vieldeutig ist und die verschiedensten Arten und Ausprägungen umfaßt. Der enge Zusammenhang der Schmerzempfindung mit seelischen Dingen geht übrigens auch daraus hervor, daß bei bestimmten Zuständen starker seelischer Aufregung ausgesprochene Schmerzempfindungen von an sich völlig normalen körperlichen Vorgängen ausgelöst werden können.
Warum haben wir Schmerzen?
Diese verschiedenen Arten des Schmerzes sind nun nichts anderes als sehr genau funktionierende
„Warnsignale" des Körpers, die mit Hilfe der Schmerzempfindung jede Störung in dem vielfältigen Getriebe des Organismus anzeigen. Das aber schafft häufig erst die Voraussetzung der ärztlichen Diagnose und der Krankheitsbehandlung überhaupt. Um' diese Warnsignale wirklich zuverlässig zu gestalten, hat der Körper der höheren Lebewesen und vor allem des Menschen geradezu ein eigenes „Schmerzsystem" geschaffen. Die moderne Medizin kennt zahlreiche ganz verschiedene Formen und Ausprägungen des Schmerzes: die Haut beispielsweise reagiert auf einen Stich mit einer völlig anderen Schmerzempfindung, als sie etwa entsteht, wenn der Magen durch eine Stoffwechselstörung gereizt ist. Jedes Organ reagiert in erster Linie auf solche Störungen schmerzhaft, die besonders gefährlich oder häufig sind. So reagiert die Oberfläche unseres Körpers außerordentlich stark auf Derbrennungs-, Schnitt- oder Schlagverletzungen, der Darm dagegen kann sogar durchgeschnitten werden, ohne daß eine Schmerzempfindung entsteht, denn ein derartiger Vorgang ist unter „normalen" Verhältnissen unmöglich und daher im „Schmerzsystem" unseres Körpers nicht vorgesehen. Um so stärker aber funktioniert diese „Warnanlage", wenn etwa eine Stoffwechselstörung den Darm in seiner Arbeit beeinträchtigt. Die hierbei auftretenden Krämpfe haben ja die meisten von uns bei irgendwelcher „Darmoerstimmung" schon aus eigener, recht unangenehmer Erfahrung kennen gelernt.
Es gibt also zahllose verschiedene Formen des Schmerzes: eine „Wunde tut weh", aber ebenso kann uns die wechselnde Durchblutung eines inneren Organs oder eine Magenstörung Schmerzen verursachen. Alle diese an sich ja äußerst unangenehmen. unter Umständen sogar sehr gefährlichen — besonders starke Schmerzen können züm Tode führen — Empfindungen sind aber eine unbedingt notwendige Schutzmaßnahme des Körpers. Denn wie sollte sonst, um bei dem erwähnten Beispiel der Darmstörung zu bleiben, unser „Ich", also das Bewußtsein, feststellen, daß da irgend etwas nicht stimmt und entsprechende Maßnahmen nötig sind, wenn nicht Magen oder Darm mit Hilfe der schmerzhaften „Warnsignale" auf die Störung aufmerksam machten?
Oer überwundene Schmerz.
Es sind zahlreiche Fälle bekannt, in denen Menschen unter besonderen Umständen sogar sehr schwere Verwundungen „schmerzlos" ertrugen: sie hatten tatsächlich keine Schmerzempfindung, trotzdem die Wunde an sich sehr starke Schmerzen verursachen müßte. So kennt die Chirurgie den sogenannten „ W u n d st u p o r das ist eine ungemein wohltätige Einrichtung der Natur, die in vielen Fällen dafür sorgt, daß Verwundete wenigstens eine Zeit- lang gerade bei schweren und schwersten Wunden fast keine Schmerzempfindung haben. Aus dem Weltkrieg ist ferner eine ganze Reihe von Fällen bekannt, bei denen Soldaten sich innerlich so vollständig auf ihre militärische Aufgabe konzentriert hatten, daß sie schwere Verwundungen zunächst überhaupt nicht bemerkten. Berühmt ist der Fall eines Reiteroffiziers, der bei einem Angriff am rechten Unterschenkel schwer getroffen wurde. Der Offizier kam von dem Angriff zurück und meldete das Ergebnis seinem Vorgesetzten — und erst dieser machte ihn darauf aufmerksam, daß er schwer verwundet sei! So stark also kann eine heroische Haltung vom Menschen Besitz ergreifen, daß der Schmerz zunächst einfach ousgeschaltet ist — ein weiterer Beweis für die große Rolle seelischer'Faktoren bei der Schmerzempfindung.
Der Schmerz ist also eine Lebensnotwendigkeit, er ist eines der wichtigsten Mittel, mit denen die Natur arbeitet, um das Leben ihrer Geschöpfe zu schützen. Aber die Natur ist auch hart und grausam in ihren Maßnahmen — und jeder weiß, welche furchtbaren Qualen der Schmerz Hervorrufen kann. Daß es der Medizin gelungen ist, durch ine verschiedenen Formen und Arten der Schmer zbekämpfung praktisch fast jeden Schmerz nicht nur zu lindern, sondern notfalls durch allgemeine oder örtliche Narkose völlig aufzuheben, ist ^zweifellos nicht nur die größte Leistung der gesamten Medizin, sondern es ist die gewaltigste und schönste Tat, die von der Menschheit bisher überhaupt vollbracht wurde.
Die Staff des Willens.
Die medizinischen Methoden der Schmerzbekämpfung beginnen eigentlich erst mit dem Mittelalter, wenn auch schon vor rund 3000 Jahren von den Indern die betäubenden Dämpfe bestimmter Kräuter zur Schmerzbekämpfung verwendet wurden. Dieses Wissen ist aber im Laufe der Zeit wieder vollkommen verloren gegangen, und erst im späten Mittelalter wurden erneut ähnliche Methoden der Schmerzbekämpfung eingeführt, die allerdings nach
heutigen Begriffen recht unzureichend waren. Unt die Mitte des vorigen Jahrhunderts kam dann end» lich die A l l g e m e i n n ar k o f e und später die örtliche Betäubung auf, deren weitere Ent« Wicklung schließlich zu den heutigen Gipfelleistungen der Narkosetechnik geführt hat.
Wir müssen uns also darüber klar sein, daß der Schmerz eine harte, aber notwendige Begleit- erscheinung des ganzen Lebens ist. Er ist ein deut- liches Merkmal " für die „Zweiseitigkeit" unseres Daseins, für die doppelte Bindung unseres Jchs an Geist und Körper. Niemals ist der Schmerz Selbstzweck, sondern stets dient er, wie alles in der Natur, auch in seinen scheinbar grausamsten Auswirkungen nur dem höheren Zweck einer Warnung vor sönst vielleicht unerkannten Gefahren — und damit der Erhalt-ung des Lebens. Alles Große wird unter Schmerzen geboren, aber die heroische Ueberroinbung des Schmerzes bedeutet einen Triumph des Willens und der Seele über den leidenden Körper. So kann uns, richtig betrachtet, auch der Schmerz dazu führen, den Sinn des Lebens zu erkennen und ihn zu erfüllen.
Dr. H. W.
Wetterbericht
Die ungewöhnliche Erwärmung am Dienstag über Frankreich, die dort die Temperaturen vielfach über 25 Grad im Schatten ansteigen ließ, hat einen Vorstoß kälterer Meeresluft aus Südwesten und Westen begünstigt. Er macht sich im Westen des Reiches in der Höhe bemerkbar und kann dabei zum Aufkommen gewittriger Bewölkung und vereinzelt auch schon zu leichten Schauern Anlaß geben. Eine nachhaltige Wetterverschlechterung ist mit dieser Entwicklung jedoch nicht verbunden. Doch wird sich das ungestörte Schönwetter nicht wiederherstellen.
Vorhersage für Donnerstag: Wolkig bis heiter und höchstens vereinzelt kürzere Re^en- fälle, doch im wesentlichen freundliches Wetter. Winde aus Süden, recht miß).
Vorhersage für Freitag: Unbeständig« Feit voraussichtlich zunehmend, doch noch verhält- nismößig freundlich.
Lufttemperaturen am 11. April: mittags 18 Grad Celsius, abends 10,6 Grad: am 12. April: morgens 4,9 Grad. Maximum 18,8 Grad, Minimum heute nacht 3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. April: abends 13,2 Grad: am 12. April: morgens 10 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 12 Stunden.
In Ausübung ihres Dienstes starben den Fhegertod
Oberleutnant Rolf Dickore
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