tragsstelle jetzigen Bezirks-Ausgleichsstelle in Berlin. Als Mitarbeiter des Ministericärats von Zen- aen hatte er besonders Gelegenheit, sich für die Belange der Wirtschaftsbetriebe des Gießener Bezirks einzusetzen, so daß er dadurch engste Fühlung mit unserem Wirtschaftsbezirk erhielt. Diesen Aufgaben widmete er vom Februar 1934 bis zum vO. Juli 1936 seine Arbeitskraft.
Ab 1. August 1936 war er als Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Gießen und der Dezirksstelle Wetzlar der Industrie- und Handelskammer Frankfurt a. M. sowie als Geschäftsführer der Industrie-Abteilung der Wirtschaftskammer Hessen, Zweigstelle Wetzlar, mit dem Sitz in Gießen tätig. Hier hat er sich wiederum unter Einsetzung seiner ganzen Kraft in den Dienst der ihm übertragenen Aufgaben gestellt, bis nunmehr ein unerwartet schneller Tod seinem Schaffen ein Ende bereitete.
Gastwirte-Znnung feiert 55. Stiftungsfest
Nach fünfjähriger Pause hat es die Gastwirte- Jnnung wieder einmal unternommen, ihre Mitglieder zu einer festlichen Veranstaltung zu vereinigen. So beging man am gestrigen Mittwochabend das 55. Stiftungsfest in kameradschaftlicher Gemeinschaft. Die Räume des Gesellschaftsvereins waren von einer festlich gestimmten Teilnehmerschar erfüllt. Die Gastwirte-Jnnung hatte es sich angelegen sein lassen, ein ansprechendes Programm für den Abend zusammenzustellen und zur Mitwirkung auch Künstler unseres Stadttheaters zu verpflichten. Der Vorsitzende Leopold Herr hieß die Kameraden, wie auch die zahlreichen Gäste herzlich willkommen und erinnerte an die Stiftungsfeste der Innung in früheren Jahren, deren sich die älteren Mitglieder gerne erinnern. Er betonte, daß das Stiftungsfest ein Abend engster Gemeinschaft sein und neue Kraft geben soll für die Arbeit im Alltag. Er wünschte allen Teilnehmern des Abends einige vergnügte Stunden.
Der unterhaltende Teil brachte eine Fülle von ansprechenden Darbietungen. Mitglieder des Stadttheater-Orchesters brachten in starker Besetzung unter der Stabführung von Kapellmeister K e r z i s n i k beste Musik aus deutschen Operetten zu Gehör und erfreuten besonders mit einigen Walzermelodien von Strauß und Lanner. Ein weiteres Verdienst um den Erfolg des Abends und um die ausgezeichnete Stimmung aller Festgäste erwarben sich Frl. Eva Eckert und Herr Ernst August Waltz vom Gießener Stadttheater, die sowohl allein, als auch im Duett auftraten und mit ihrer Gesangskunst begeisterten. Man hörte von Frl. Eckert eingängige Schlager aus Tonfilmen, von Herrn Waltz in brillanter Wiedergabe Operettenmelodien. Herr Haars, ebenfalls vom Stadttheater, sorgte für Humor. Er führte mit erstaunlicher Gewandtheit kleine Theaterstücke auf, in denen er vor sparsam ausgestatteter Bühne sämtliche und bis zu vier Rollen allein spielte. Schließlich wurde die Vortragsfolge noch durch zwei Tanzdarbietungen bereichert. Frl. Keil und Frl. Sommerlad versetzten die Zuschauer zunächst in die Biedermeierzeit zurück und tanzten nach der Einstudierung von Herrn Th. B ä u l k e eine Gavotte; dann traten sie noch zu einer Groteske an, die wiederholt werden mußte. Der Vorsitzende zeichnete die Mitwirkenden des Abends mit Blumensträußen aus. Die übrigen Stunden des Abends waren dem Tanze gewidmet. Eine Verlosung mit prächtigen Gewinnen fand starken Zuspruch. In schönstem kameradschaftlichem Geiste verlief der Abend.
Mann in die Lahn gesprungen.
Am gestrigen Mittwoch gegen 17 Uhr schwang sich auf der Lahnbrücke im Zuge der Rodheimer Straße ein Mann plötzlich über das Brückengeländer und sprang in die gegenwärtig Hochwasser führende Lahn hinab. Von dem stark strömenden Wasser wurde der Mann schnell abgetrieben, und in der Nähe der Müllerschen Badeanstalt ging er bereits unter, ehe es möglich war, Hilfe zu leisten. Später wurde die Mütze des Mannes in der Nähe des Wehrs beim Elektrizitätswerk aufgefunden, Bei dem Ertrunkenen handelt es sich um den 28 Jahre alten Hans N i e r st h e i m e r, der in Gießen tätig war. Die Leiche wurde noch nicht geländet.
Gießener lvochenmarktpreise.
* Gießen, 12. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark,
NW MUWbM
Nomair von Hubert Rausse.
Copyright by Albert Langen/Georg Müller, München.
29. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
So war in Wirklichkeit zwischen Jte und Elisabeth die Aussprache verlaufen bis zu dem Schluß, in dem Wahrheit und Wirklichkeit sich trafen.
„Und was hat sie dann gesagt?"
Jago hatte ein leichtes Zittern in seiner Stimme, und sein Herz schlug heftig vor lauter Glück. Er sah in Jtes schwarze Augen hinein wie in sein Schicksal. Wie gut du es hast, Elisabech! — dachte Jte und las die Treue in Jagos Blick. Ein Schatten von Neid flog über ihre Seele.
Und dann sagte sie, Auge in Auge, was die Wahrheit war:
„Dann hat sie den Kopf auf chren Arm gelegt und hat geweint und hat unter Schluchzen gestanden: „Ja, Jte, ich hab ihn lieb!"
So — da saß nun der Jago mitten in einem kleinen Berliner Cafe, oder war es gar eine Kon- ditorei, und hatte eine Träne im Auge und ein Glück im Herzen, daß es ihn schier vom Stuhl in die Lüfte heben wollte.
„Fräulein!" trompetete er. .Haben Sie einen spanischen Wein?"
Es gab einen. •
Sie tranken zwei goldgelbe, herbduftende Tarra- gonas. Dann hatte sich Jago soweit wieder gefaßt, daß er aus seiner Wolkenseligkeit zu den Fragen des Lebens wieder zurückkehrte.
„Und die Argesilla?" fragte er.
,Ha, und du?" sagte Jte.
Er schüttelte den Kopf. „Und Elisabeth?'
„Ist voller Eifersucht!" sagte Jte.
Jago lachte und sagte:
„Großarttg! Es gibt ein spanisches Sprichwort: In der Eifersuppe kochen die Liebeseier am schnell- sten!"
„Nun wirst du schon wieder übermütig", sagte Jte. „Für dich ist das Leben wie eine gutgepflasterte Straße. Und du fährst in einem erst- «affigen Wagen in richtigem Tempo darüber hin. Was soll denn nun werden?"
„Heiraten!" sagte Jago und stand auf. „Ich kann nicht mehr sitzen, Jte, laß uns gehn!"
Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 9, Wirsing, Yi kg 12 bis 15, Weißkraut 9 bis 10, Rotkraut 10 bis 12, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 10 bis 11, Spinat 25 bis 28, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 18, Rosenkohl 18 bis 45, Feldsalat, 1ko 12 bis 15, Tomaten, Yi kg 35 bis 45, Meerrettich 35 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 40, Kartoffeln, Y kg 4 Pf., 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,35 bis 3,65 Mark, Aepfel, kg 40 bis 50 Pf., Nüsse 50, Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 1,20, Truthähne 1,20 bis 1,25 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Endivien 10 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 35, Rettich 5 bis 15 Pf.
** Vom Finanzamt Gießen. Mit Wirkung vom 1. Februar ab werden die Gemeinden Gambach, Kirch-Göns und Pohl-Göns aus dem Bezirk des Finanzamts Gießen dem Bezirk des Finanzamts Friedberg zugeteilt.
** Alterskameradschaft 1889/1939. In Fortsetzung einer alten Gießener Lokaltradition ist nunmehr auch die Gründung einer Fünfziger- Vereinigung des Altersiahrgangs 1889 geplant. Eine Zusammenkunft dieser Alterskameraden ist auf kommenden Samstagabend angesetzt.
Heue EillbemfiWSorduiW der ASDAp.
Wichtig für alle Betriebsführer und Äehördenleiter.
NSG. Mit Wirkung vom 1. Januar 1939 trat eine neue Einberufungsordnung f ü r die Schulen der NSDAP, in Kraft. Diese neue Einberufungsordnung hat den Zweck, den Betriebsführern und Behördenleitern die Möglichkeit zu geben, die Einberufungen zu Schulungslehrgän- aen der NSDAP., ihrer Gliederungen und cmge- sthlossenen Verbände aus ihren Betrieben und Behörden auf lange Sicht zu überblicken und ihre Arbeitsnotwendigkeiten zu berücksichtigen. Durch diese ganzjährige, im voraus erfolgte Lehrgangsplanung wird die Beurlaubung von Lehrgangsteilnehmern wesentlich erleichtert.
Es wurdey auf Grund des jährlichen Fassungsvermögens der Schulen der NSDAP, den Betriebsführern und Behördenleitern Lehrgangsteilnehmerbogen zugeleitet, durch bereit Ausfüllung festgelegt wird, wann der vorgeschlagene Lehrgangsteilnehmer einberufen werden soll. Die Lehrgangsteilnehmerbogen werden von den für einen Lehrgang vorgesehenen Politischen Leitern, SA.-, ff», NSKK.- und NSFK.-Führern sowie HJ.-An- gehörigen, Waltern, Warten und Obmännern der angeschlossenen Verbände abgeholt. Es ergeht daher an die Betriebsführer die Bitte, die Urlaubsanforderungen für Lehrgänge weitgehendst zu unterstützen und die Bogen ausgefüllt bereitzuhalten.
Ausgenommen von dieser Regelung sind kurzfristige und technische Spezial-Lehrgänge (Motorsport-Lehrgänge des NSKK., Segelfliegerlehrgänge des NSFK. usw.). Jeweils vier Wochen vor Beginn des Lehrganges erhätt der Lehrgangsteilnehmer die endgültige .Einberufung zugestellt, die er dann feiner Dienststelle vorzulegen hüt.
Sauleiter Sprenqer
hat auf den Lehrgangsteilnehmerbogen folgenden Appell an die Betriebsführer und Behördenleiter vorangestellt:
„Der Führer hat der nationalsozialistischen Bewegung Aufgaben gestellt, deren Durchführung den Aufbau der Natton und die Erlangung und Beibehaltung der politischen und wirtschaftlichen Freiheit sichert. Keine andere Stelle ist in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen, als die vom Führer gegründete und geführte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei. Es ist eine zwingende Notwendigkeit, daß die NSDAP, durch Schulungslehrgänge bei ihren Politischen Leitern die Voraussetzungen zur Lösung der ihr gestellten Aufgaben schafft. Die Teilnahme an einem Lehrgang hängt jedoch von den finanziellen Verhältnissen und der Urlaubsgewährung des einzelnen Politischen Leiters ab. Ich richte daher an die Betriebsführer die Bitte, ihre Mitarbeiter, die sich in den ehrenamtlichen Dienst der großen Gemeinschaftsaufgabe stellen, für die Dauer eines Lehrganges zu beurlauben — im Höchstfälle 21 Arbeitstage im Jahr —, die Lohn- und Gehaltsbezüge in voller Höhe für die Zeit ihrer Abwesenheit weiterzuzahlen und diese Zeit nicht auf den Urlaub in Anrechnung zu bringen. Die damit für den einzelnen Betrieb verbundene Belastung ist nicht so groß wie der Nutzen, der jedem Betrieb durch die Arbeit der NSDAP, zugute kommt. Die Einberufung erfolgt in meinem Auftrag durch den Gauschulungsleiter."
Ausländer-Führungsvienst der HL.
Heffen-Aaffaus HZ. dient einer neuen großen Aufgabe. — Vorbereitungen in Gießen getroffen.
NSG. Zu Beginn des neuen Jahres hat eine von der Abteilung Fahrt und Lager in der Gebietsführung Hessen-Nassau der HI. aufgebaute Einrichtung ihre Arbeit ausgenommen: der Ausländer-Führungs- • dien st! Mit dieser Einrichtung hat sich die
Jugendorganisation eine Aufgabe gestellt, die von großer Bedeutung ist.
Mit jedem Jahr seit der Machtübernahme steigt die Zahl der nach Deutschland reisenden Ausländer, insbesondere auch der Jugend aus fremden Staaten. War es das Ziel unserer unversöhnlichen Gegner, der internationalen Pressejuden, im Rahmen der Hetze gegen uns auch den Reiseverkehr nach dem „verhaßten Nazireich" lahmzulegen und uns damit wirtschaftlichen und moralischen Schaden zuzufügen, so erreichten sie gerade das Gegenteil: sie machten ungewollt eine gewaltige Propaganda für Deutschland und weckten überall das Interesse, das neue Deutschland kennenzulernen. Wohl galt es 1933/34 in vielen Ländern noch für besonders „mutig", Deutschland zu durchreisen. Diese Muttgen aber sanden nicht ein Volk, das sich nach den Aeußerungen der Hetzpresse selbst zerfleischte und sich unter der furchtbaren Knute einer „faschistischen Diktatur" befand. Sie sahen ein Deutschland der Arbeit, eine große Gemeinschaft aufgebaut und verbunden durch die Bewegung des Führers. Die Ehrlichen unter den Gästen des Auslandes berichteten in ihrer Heimat über das wahre Gesicht des neuen Deutschland. Die Wahrheit siegte, und insbesondere seit der er
folgreichen Durchführung der Olympischen Spiele in Berlin 1936 gehört Deutschland zu einem der meist besuchtesten Länder.
Wer unser Reich besucht, will es genau kennenlernen! Denn ganz ohne Einwirkung ist die „anti- saschistische Wühlarbeit" des Judentums nicht geblieben. Voller Zurückhaltung und auch mit einem gewissen Mißtrauen, neben großer Neugierde, kommen viele Ausländer zu uns. Dieses Mißtrauen würde sich auch nicht durch die Teilnahme an großzügig oraanifierten Besichtigungsfahrten usw. beseitigen lassen. Es gilt darum, unsere Auslandsgäste mitten in den Alltag unseres Volkes zu stellen, dorthin zu führen, wo ihnen das gewaltige Schaffen der deutschen Menschen eindrucksvoll gegenübertritt.
Die im „Jahr der Verständigung", wie die Parole des Reicksjugendführers für das vergangene Jahr gelautet hatte, unerroart große Steigerung der Zahl der uns besuchenden Gruppen junger Ausländer gab der Hitler-Jugend den Gedanken, einen Ausländer-Führungs dien st aufzubauen. Die Jugend ist besonders dazu berufen, Ausländer zu führen und ihnen Einblick in das Leben des schaffenden deutschen Volkes zu verschaffen, denn die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, daß unsere ausländischen Reisenden der Führung durch Jugendliche besonderes Interesse entgegenbrachten. Der Führungsdienst soll ihnen die Stätten geschichtlicher und kultureller Bedeutung erklären, sie aber auch den gewaltigen Lebens- und Kampfeswillen verspüren lassen, oer aus den Leistungen und der Gemeinschaft heraus in den ausdrucksvollen Bauten
Jte steuerte Jago, der ins Theater wollte, um dort bis zum Abend auf Elisabeth zu warten, zur Garage hinaus. Sie hatte so manchen Liebesfaden in ihren kleinen Händen gehabt und sich an allen bis zum glücklichen Ende durchgefunden. Sie wollte auch im Fall Jago und Elisabech ihre Freundes- pflickt tun.
„Zur Garage?" fragte Jago.
„Zur Garage", sagte Jte. „Eine Fahrt über die Avus kühlt dich ab und macht dich wieder normal. Ein stundenlanges Warten aber in der Garderobe würde in dir nur einen störenden Ueberdruck erzeugen. Stell dir vor: Elisabeth kommt in die Garderobe, bereits gesammelt für den Abend, und du sitzest da und explodierst!"
Als auf der Bahn die Scheinwerfer sich ins Dunkel des Dezembertages fraßen und der Zeiger auf hundertdreißig ging, fühlte Jago wirklich, wie im Rauch und Wirbel der schnellen Fahrt die Spannungen seiner Seele sich lösten und sein Herz sich zur Klarheit wandelte.
Er ließ seine Hupe erdröhnen und schrie Jte ins Ohr:
„Ich bin so glücklich, Jte, namenlos glücklich!"
Am Abend auf der Bühne erhielt Elisabeth wieder einen großen Strauß wundervoller Rosen. Aber eine Aussprache unter vier Augen wußte Jte zu verhindern. Und sie wußte klar, was sie damit tat. Noch war in beiden Partnern über das Grundgefühl ihrer Liebe hinaus keine Klarheit über die gemeinsamen Wege in die Zukunft hinein geschaffen worden. Und beide waren Menschen von ausgeprägtester Eigenart. Sie würden in aller Siebe wieder aneinander geraten, wenn nicht eine klügere oder gar eine höhere Hand die Fäden in die Finger nahm. Jte war unbescheiden genug, sich selbst zwar nicht für eine höhere, aber doch für eine klügere Hand zu halten.
„Und ist dir denn das Theater wirkliches Lebensbedürfnis? Kannst du ohne das Theater nicht sein? Sprich, Elisabeth!"
Jte saß ihr in der Garderobe gegenüber und redete in ihrer lebendigen Art auf sie ein. Die dunklen Augen suchten in den blauen.
„Ich muß spielen, Jte, ich darf gar nicht fragen, ob ich will oder ob ich muß, von innen her. Ich muß um meiner Heimat willen."
„Um deiner Heimat?"
„Um Trebbin!"
Jte wußte bald um all diese Sorgen Bescheid, und sie trug sie wieder zu Jago, der von der Bank
über jede Schuldentilgung aufs genaueste unterrichtet wurde. Jago war stolz auf all seine Umsicht.
Aber Jte schüttelte bange ihren Kops.
„Wenn das nur kein böses Ende nimmt! Die am feinsten gesponnenen Netze reißen am leichtesten!"
„Warum ein böses Ende?" fragte Jago.
„Well Elisabeth in allen Geldsachen doppelt empfindlich ist. Wie alle Deutschen in dieser Zeit! Kannst du dir denn nicht vorstellen, wie einem Menschen zumute sein muß, dem der Ertrag seiner Arbeit unter seinen Händen zerrinnt? Und nebenan ist der Pesetenbesitzer, dem umgekehrt das Geld unter der Hand, in der Lade ober in der Brieftasche sich vermehrt?"
„Falsch!" sagte Jagd. „Es vermehrt sich nicht!"
„Doch! Zum mindesten in den Augen der andern. Und praktisch doch auch, weil du wirklich heute in Deutschland für hundert Peseten mehr Waren eintauschen kannst als noch vor einigen Monaten."
„Um so leichter wird sich Elisabeth in Zukunft tun!"
„Und um so schwerer wird sie sich im Augenblick entschließen. Jedenfalls darf sie unter gar keinen Umständen erfahren, daß sie einen Teil ihrer Gage aus deinem Geldbeutel bezieht."
Jago lachte harmlos und froh.
Jte aber krauste die Stirn und sagte ernst: „Unterschatze Elisabeth nicht. Du sprichst so oft vom stolzen Spanier. Elisabeth ist stolzer und hochmütiger als alle kastilischen Granden zusammen. Wenn in ihr das Gefühl hochkäme, gekauft zu sein ..."
„Tu du, was du für richtig hältst, Jte!"
Und nun nahm Jte wirklich die Zügel in die Hand. Sie opferte dabei ihre Zeit. Sie ließ die beiden nie alleine, sie nährte in Jago wie in Elisabeth die heilige Flamme, selbstlos dabei, wie eine Vestalin. Sogar auf die gelegentlichen Zusammenkünfte mit dem Herzog leistete sie in diesen Tagen Verzicht. Und ein glücklicher Zufall kam ihr schließlich zu Hilfe. Jago mußte die bereits festgesetzte Abreise um einige Tage vorverlegen, und so kam der Abschied ebenso unerwartet wie plötzlich.
Er hatte bereits im Kölner O-Zug seinen Platz eingenommen, als Jte mit Elisabeth auf dem Bahnsteig erschien. In Jago war ein banger Abschiedsschmerz. Sollte Elisabeth wirklich nicht kommen? Der graue Wintertag lag dunkel und böse in der Halle und machte ihm das Herz noch schwerem
und Einrichtungen der letzten Jahre seinen sich!» baren Niederschlag fand. Der Besuck eines HI.« Heimabends, einer Führerschule, oder einer Jugendfilm st unde wird die meisten Ausländer interessieren. Eine Fahrt über die Autobahnen, der Besuch einer Arbeitersiedlung, der umfassenden sozialen Einrichtungen u. a. m. sollen unsere Auslandsgäste, ob jung ober alt, durch den Führungsdienst sehen und beurteilen können. Die zu uns kommende Auslandsjugend kann die deutschen Jugendherbergen benutzen wie unsere Jungen und Mädel und sich dabei auch von der Größe des deutschen Jugendherbergswerkes überzeugen.
Der Aufbau und die Arbeit des HI.-Füh«- rungsdienstes gehen in engster Zusammenarbeit mit dem Landesfremdenverkehrs- verband und dem Landesverband der deutschen Jugendherbergen vor sich. In jeder größeren Stadt und den Badeorten sind ein Führungsdienstführer mit fünf bis zehn Hitlerjun- gen, eine BDM.-Führerin mit fünf Mädeln und ein Verbindungsmann zum zuständigen Verkehrsamt eingesetzt, die zum Frühjahr bereits ihre aktive Arbeit ausnehmen. In folgenden Städten sind die Vorbereitungen bereits getroffen: Frankfurt, Mainz, Darmstadt, Gießen, Worms, Hanau, Offenbach, Nüdesheim und den Bädern: Wiesbaden, Bad- Nauheim, Bad Homburg, Bad Ems und Bad Schmalbach. Bis zum Sommer werden noch die Orte Dillenburg, Westerburg, Alzey und Wetzlar in den FührungÄnenst enrbe zogen.
Die Bann- und Jungbannführer bzw. Unter» gauführerinnen suchen für den Führungsdienst die benötigten Jungen und Mädels in den Einheiten aus. Durch die Gebietsführung erfolgt dann eine Ueberprüfung der Ausgesuchten in Gemeinschaft mit den Vertretern der mitarbeitenben Verbände. Bei Eignung wird den HJ.-Angehörigen ein Füh- rungsdienftausweis ausgestellt. Allein die Inhaber solcher Ausweise sind aus den Reihen der HI. be- rechttgt, Ausländer und auch Einheiten der HI. aus dem Reich zu führen.
Durch enge Zusammenarbeit mit den Dienststellen der Partei und des Staates, den Jugendherbergen, Hotels, Gasthäusern, Pensionen, Schulen, Universitäten, ausländischer Konsulate, ausländischer Gesellschaften und Klubs usw. werden von den vorgenannten Stellen dem Führungsdienst die Ausländer, die den Wunsch haben, durch diesen betreut zu werden, die HI. und chre Organisation selbst kennenzulernen, gemeldet.
Nur ältere, sprachenkundige HJ.-Führer und BDM.-Führerinnen bzw. Junggenossen und Junggenossinnen, die gute Kenntnisse vor allem in italienischer, englischer, französischer und holländischer Sprache besitzen, kommen als Angehörige des ehrenamtlich tätigen Führungsdienstes in Frage. Gewandtes und sicheres Auftreten verbunden mit entsprechender Haltung und mindestens durchschnittlichem Allgemeinwissen ist die weitere Voraussetzung. Dor ihrem aktiven Dienst werden die Angehörigen des Führungsdienstes geschult und auf die neuen Ausgaben ausgerichtet. Durch die Einrichtung verbilligter Sprachkurse wird auch die Ergänzung und Erweiterung des Führungsdienstes keine Schwierigkeiten bieten. Als Nachwuchs für die Verkehrsämter und Reisebüros werden in Zukunft bewährte Führungsdienstangehörige an erster Stelle in Betracht kommen, bedeutet doch ihr Einsatz ehre Vorauslese für diesen Beruf.
Der HJ.-Führungsdienst hat noch eine zweite große Aufgabe! Nicht nur Ausländer sollen betreut werden, sondern auch die aus dem Reich in die Städte und Dörfer unseres Gaues fommenbert Fahrtengruppen der HI. Im Hinblick auf die alljährliche Steigerung der Zahl dieser Fahrtengrup- pen ist gerade diese Aufgabe sowohl m ihrer Größe, als auch in ihrem Wert nicht zu unterschätzen.
Generalleutnant von Herff f.
LPD. 2) a r m ft a b t, 11. Januar. Im Alter von 78 Jahren fta rb ein im Krieg und Frieden gleich bewährter Offizier, Generalleutnant a. D. Carl von H e r f f, der zuletzt in Seeheim an der Bergstraße wohnte. Aus dem ehemaligen Großherzoglich Hessischen Artilleriekorps hervorgegängen, wurde er 1906 Abteilungskommandeur in Trier und bann Kommandeur des Artillerie-Regiments 23 in Koblenz, mit dem er in den Krieg zog. Später war er Artilleriekommandeur bei der badischen Division.
Und nun stand Elisabeth doch plötzlich vor ihm, ihre Geschenke im Arm: ein Buch und ein paar Blumen. Er sprang aus dem Wagen.
Wie schön sie war! Und wie warm und beglückend das Helle Blau ihrer Augen in der bangen und wehmütigen Stimmung des Abschieds!
„Jago!" jagte sie und spürte selbst bas Klopfen ihres Herzens.
Da legte er feinen Arm um sie mit einem ftohen, fragenden Blick und barg sie für eines Herzschlags Länge an feiner breiten Brust und küßte sie. „Du Liebste!" sagte er.
„Jago!" schrie Jte und zog ihn am Aermel. Der Schaffner stand neben der Tür. Der Fahrdienstleiter gab sein Zeichen. Jago verschwand, und indes die Räder langsam rollten, erschien er, wie damals Elisabeth in Wismar, am Fenster und rief sein glückliches ,Hallo! Auf Wiedersehn!" Er war ganz außer Atem vor Glück.
Als Jte und Elisabech die Treppen hinunterschritten, sagte Jte:
„Jetzt hast du ein paar Wochen Zeit zum Heber« legen und zum Entschluß fassen." Sie schob ihren Arm unter den Elisabeths: „Du", sagte sie, „es gibt keinen besseren Menschen auf der Welt als Jago!"
„Ja", sagte Elisabeth, „es ist etwas Seltsames um das Glück!"
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An dem Tage, an dem Jago aus dem Westen Deutschlands weiterfuhr nach Paris, fand in der österreichischen Gesandtschaft in Berlin das Wohl, tätigkeitsfest des Deutsch-österreichischen Hilssver« eins statt, das alljährlich die führenden Gesellschaftskreise mit den Prominenten aus der Künstlerschaft zu vereinigen pflegte.
Elisabeth hatte sich lange gegen eine Mitwirkung gesträubt. Sie sei, so schrieb sie zurück, als eine vermeintliche Münchnerin in den Kreis der Wiener Künstler geraten, aber ihre Wiege habe soweit von der Donau und Isar entfernt gestanden, ■ daß sie sich als einen Eindringling empfinden müsse. Aber dann hatte plötzlich auch die Herzogin um ihre Mitwirkung gebeten und hinzugefügt, sie müsse kommen, es sei sicher auch zu ihrem eigenen Nutzen.
Zu meinem Nutzen? dachte Elisabeth. Sollte mir eine hohe Förderung zuteil werden in einem Augenblick, da meine Wünsche schon eine andere Richtung laufen?
(Fortsetzung folgt!)


