Ausgabe 
11.11.1939
 
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hing: Harry Grünste. Die Vorstellung findet außeß Miete statt.

Dichterlesung von Jakob Schaffner In Gießen.

Die Lesung des bekannten Schwyzer Dichters Dakob Schaffner, die der Goethe-Bund und Kaufmännische Verein Gießen am Montag, 13. No­vember, 20 Uhr, im Großen Hörsaal der Univer­sität veranstalten, hat eine besondere Bedeutung. Jakob Schaffner istüberzeugter Schweizer deut, scheu Stammes und ein tulturdeutscher Mensch schweizerischer Nationalität". Seine künstlerische Sendung so schreibt man uns gilt damit nicht allein der Schweiz als der engeren Heimat, sondern auch dem Land, mit dem die Schweiz in schwesterlicher Kulturgemeinschaft lebt: Deutsch» land. Er gibt nichts von seiner engeren Heimat, keine ihrer Traditionen auf, wenn er von seinen Schweizer Landsleuten fordert, den Nationalsozia­lismus als völkische Bewegung zu verstehen und volkhaft zu denken.^ Es siiÄ kühne, klare Worte, die Schaffner damit spricht. Es ist für alle Freunde des Schrifttums ein seltenes Erlebnis, den Dichter persönlich am Dortragstisch zu hören.

Gießener Konzert-Verein.

Die hervorragende Pianistin Poldi Mildner veranstaltet am Sonntag, 19. November, in der Neuen Aula einen Klavierabend. Mit ihren 23 Jahren gehört diese jugendliche Künstlerin heute schon zu den ersten Pianistinnen der Welt, wie aus Den Kritiken Deutschlands und des Auslandes her» vorgeht. DieNew York Times" schrieb:Poldi Mildner ist eine der größten unter den jungen Pianistinnen: phänomenale Technik im Dienste einer scharfsinnigen musikalischen Intelligenz." Die Paga- nini-Bariationen spielt sie mit einer spielerischen Selbstverständlichkeit ohnegleichen, wie das Ber­liner Börsenblatt berichtet. Die Wandererfantasie soll man nicht besser spielen können. Die Bril­lanz ihrer Technik, ihr männlich-kraftvoller An- schlag und die überlegene Auffassung sichern ihr üoerall durchschlagende Erfolge.

NieÄolksgasmasken werden überprüft

Wie der örtliche Lustschutzleiter uns mitteilt, ist dem Reichslustschutzbund der Auftrag erteilt wor­den, in der Zeit vom 15. Oktober bis 30. November eine Überprüfung der Volksgasmasken durchzu- führen. Die Ueberprüfung erfolgt im Interesse der Sicherheit der Bevölkerung, damit jeder Besitzer einer Volksaasmaske die unbedingte Gewähr hat, daß seine Gasmaske jederzeit gebrauchsfähig ist. Es handelt sich also um eine Maßnahme, die im eigensten Interesse jedes Besitzers der Dolksgas» maske liegt. Wie der örtliche Lustschutzleiter betont, ist jeder Volksgenosse verpflichtet, dem mit der Ueberprüfung beauftragten Vertreter des Reichs- luftschutzbundes die Volksgasmaske vorzuweffen.

Buch spenden noch bis juml S.November

NSG. Die Düchersammlung der Partei für un­sere Wehrmacht, die seit Mitte Oktober durchgeführt wird, ist in unserem Gau von großem Erfolg be­gleitet. Fast keine Familie schloß sich von der Spende aus. Die Volksgenossen trennten sich von Büchern, die ihnen gute Freunde geworden waren. Für unsere Soldaten war kein Buch zu wertvoll, als daß sie es ihnen nicht schenken wollten. Aus allen Greifen unseres Gaues laufen die Meldungen ein, daß die Sammlungen ein überraschend gutes Ergebnis brachten und im allgemeinen auch nur wertvolle Bücher gespendet wurden.

Auf Grund zahlreicher Anfragen weisen wir die Bevölkerung darauf hin, daß die Büchersammlung für unsere Wehrmacht im Gau Hessen-Nassau noA nicht abgeschlossen ist. Alle Volksgenossen, die noch ein Buch für die Front- und Lazarett-Bücherei spenden wollen, werden gebeten, dies bei den Block­leitern der Partei, oder in den Dienststellen, der Ortsgruppenleitungen , abzugeben. Letzter Termin für die Entgegennahme der Bücher ist der 15. No­vember.

Gießen-Klein-Linden.

Ihren 75. Geburtstag feiert am morgigen Sonn­tag 12. November, in voller Rüstigkeit die Witwe

Wenn Äugen versagen Magnus-Brillen tragen!

Der Kampf der Inneren Front.

Oer Gau Hessen-Nassau tritt erneut zur Opferbereitschast an.

NSG. Eine siegreiche Schlacht beendet noch keinen Krieg. Wie oft haben mir das schon in der Kriegs­geschichte erlebt. Auch der Feldzug in Polen war nicht mit einer Schlacht abgeschlossen, sondern im­mer wieder mußten unsere Soldaten einsatzbereit und opfermutig weiter vorgehen. Täglich und stündlich wurde von ihnen der Einsatz chrer ganzen Kraft und ihres Lebens gefordert. Ihre vorbild- liche Haltung erzwang Sieg um Sieg. Auf die Kette der Siege folgte endlich und mit unglaub­licher Schnelligkeit die Niederwerfung des Feindes.

Wir sind Im Augenblick alle Soldaten des Führers, gleichgültig, ob mir draußen an der Front stehen, ober zur kämpfenden Truppe der Heimat gehören Der Einsatz der kämpfenden Heimat ist genau so erforderlich, wie die Opferbereitschast des Frontsoldaten.

Der Kampf der Inneren Front gilt der lieber- Windung des Hungers und der Kälte und der Stär­kung der Heimat. Der Gau Hessen-Nassau ist be­reits dreimal im Kriegsrninterhilfswerk erfolgreich angetreten. Ein weiterer Einsatz im sozialen Feld­zug der Inneren Front steht am morgigen Sonn­tag, am zweiten Opfersonntag des Kriegswmter- Hilfswerkes, bevor. Opfer müssen wir heute alle bringen. Erfolge aber werden nur durch eine be­sondere Opferwilligkeit erzielt, die größer ist als die alltägliche Bereitschaft.

Auch der morgige Opfersonntag muß in allen Städten und Dörfern des Gaues wieder ein über­zeugender Erfolg der kämpfenden Heimat, der ge­schlossenen Inneren Front sein!

Gießener Mädchen der Oberschule im Kriegshilfsdienst.

In den vergangenen Wochen wurde, veranlaßt durch die Ereignisse der Gegenwart, der Unterricht an der Gießener Oberschule für Mädchen mehrfach unterbrochen.

Viel Zeit wurde von den Mädchen während der Unterrichtspausen für die volkswirtschaftlich so über­aus notwendige Erntehilfe geopfert. Ganze Klassen waren zur Bergung der Kartoffeln und der Obsternte mehrere Wochen Lang draußen zur Arbeit. Wieder andere Mädchen weilten gar zur Wein­ernte im Rheingau und in Rheinhessen. Für viele der beledigten Mädchen war das ein besonderes, neues Erlebnis. Da. wie die Schülerinnen der Ober­schule für Mädche-n nicht nur aus der Stadt, fon- bern auch zu etwa 30 v. H. vom Lande unferer näheren Umgebung kommen, wurde einer stattlichen Anzahl auf Antrag der Eltern Urlaüb für wei­tere Erntehilfearbeit im elterlichen Be­trieb gegeben.

Darüber hinaus standen zahlreiche Mädchen in den verschiedenartigsten KriegshilfMensten. In den ersten Septembertagen halfen die Oberschülerinnen bei der Verpflegung und Betreuung

der Rückwanderer, sie arbeiteten Mit im Bahnhofshilfsdienst, halfen beim Kochen, beim Ab­waschen des Geschirrs, teilten Essen aus und was es dabei sonst noch alles zu tun gab. Wieder andere Mädchen waren zeitweise zur Unter st ützung kinderreicher Mütter eingesetzt und hatten sich hier zu bewähren. Bei .einigen Dienststellen waren auch einige der Kameradinnen tätig, und schließlich machten sich Schülerinnen der Oberprima mit Eimer und Besen bei einem größeren Einsatz rm Kriegshilfsdienst sehr nützlich.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß auch in der Oberschule für Mädchen sowohl vom Lehrkörper, als auch von den Schülerinnen, die Notwendig­keiten der Gegenwart erkannt und mit aller Tat- freüdigkeit bejaht worden sind. Mit unermüdlichem Eifer widmeten sich die Schülerinnen ihren kriegs- wtrtschaftlichen Aufgaben. Jetzt aber sitzen sie fast alle wieder auf der Schulbank, denn die eigentliche Aufgabe der Schule muß natürlich grundsätzlich in ihren Rechten bleiben. N.

»ugeborenen möglich wurde, der Klinikbetrieb eine jumlicb zweckentsprechende Austeiluna in perschie- bene Abteilungen erfuhr, Aerste und Schwestern bessere Unterkunstsräume erhielten und vor allem für die Patienten der Klinik nun noch besser Vor­sorge getroffen werden konnte, als es vorher mög­lich gewesen war.

Es ist ein mit Dielen Stationen gekennzeich- neter Weg, den unsere Universitäts-Frauenklinik zurückgelest hat. Auf diesem Wege ist eine große Reihe segensreicher Leistungen und bebeutsamer Er­folge zum Wohle der Patienten und zur Förde­rung der Volksgesundheit zu verzeichnen. Daher gebühren dieser Klinik und ihren Leitern an dem jetzigen Gedenktage Dank und Anerkennung unserer Volksgemeinschaft, besonders auch derer, denen neben der praktischen Hilfe für die Patienten die Förderung der Wissenschaft, die in dieser Klinik eine besondere Pflegestatt besitzt, am Herzen liegt.

B.

Aus der Stadt Gießen.

Geheimnisvolles Leuchten.

Wer kennt nicht jene kleinen geheimnisvoll leuch« tenden Punkte, denen wir des Abends in den ver­dunkelten Straßen begegnen und die wir zu aller­meist selbst auf dem Mantelaufschlag tragen? Leuchtplaketten nennt sie der nüchterne Handelsver­kehr, der uns zugleich belehrt, daß es zweierlei Arten von Leuchtplaketten gibt. Die einen leuchten von selbst", will sagen, ohne jede äußere Einwir­kung. Man nennt sie gern radioaktive Leuchtpla­ketten. Es ist aber kein Radium, das in der Fin­sternis leuchtet, sondern Mesotholium, das in Radio- thortum zerfällt. Die anderen Plaketten, die nicht von selbst" leuchten, sollen so sagt man oft PHosphorplaketten sein. Aber auch das stimmt nicht. Vielmehr ist es das Zinksulfid, das den Pla­ketten die Eigenschaft verleiht, alsLichtspeicher" zu dienen. Sie leuchten nur eben dann, wenn auf sie Licht gefallen ist, das sie auffpeitfyern und dann in der Dunkelheit wieder ausstrahlen.

So haben also, nüchtern betrachtet, weder die einen noch die anderen Leuchtplaketten, etwas ab­sonderliches oder gar geheimnisvolles an sich. Und dennoch! Dieses Leuchten will uns Nicht aus dem Sinn kommen. Zu sehr sind wir von der Vor­stellung befangen, daß eine Lichtquelle, wie etwa das Gas oder die Elektrizität die Ursache des Leuch­tens sein muß.

Denn: kann wirklich etwasvon fett)ft" leuchten? Indem wir darüber nachsirmen, denken wir un- willkürlich an eine große Persönlichkeit, von der ein Leuchten ausgeht, ohne daß mir es uns er­klären können. Ein bedeutender Mensch, ein Dich­ter, ein Genie, ja, von ihnen allen geht ein geheimes und geheimnisvolles Leuchten aus. Aus ihnen leuchtete die Kraft des göttlichen Funkens, der in sie hineingeleat ist. Auch von einer Mutter kann dieses innere Leuchten ausgehen. Es ist die unauslöschliche Mutterliebe, die aus ihren Augen leuchtet.

Wie aber steht es mit den anderen Menschen? Leuchten sie immervon selbst"? Wie steht es Mit unseren Freunden, Mit unseren Kameraden? Ge­wiß! Auch von ihnen geht ein Leuchten zu uns herüber. Aber es ist nicht das Leuchten des Genies, auch Nicht das Leuchten der sich immer wieder opfernden Mutter. Woher kommt es, daß Freund- schäften und Kameradschaften eines Tages matter leuchten ober ganz verlöschen?

Denken wir an die zweite Art der Leuchtplaketten, an dieLichtspeicher". Das soll kein Vorwurf gegen­über unseren Freunden und Kameraden fein. Wir selbst, wir müssen uns nur allzu oft den Vorwurf machen, daß eine Freundschaft, eine Kameradschaft matter leuchtet ober verlöscht. Denn nur zu o t haben mir unseren Freunden und Kameraden selbst nicht genug geleuchtet, so daß sie gar kein Licht aufspeichern konnten, um es auf uns wieder aus« zustrahlen.

Und so wie es mit den Freunden und den Ka­meraden ist, ist es auch mit der Volksgemeinschaft! Wir selbst verlangen Volksgemeinschaft! Haben wir auch alles getan, um Volksgemeinschaft empfangen zu können? Nicht immer. Oder jedenfalls nicht im­mer genügend viel, um erwarten zu können, daß sich die Volksgemeinschaft auch um uns kümmert. So also Heißt es für uns Licht spenden, damit es aufgespeichert und dann wieder ausgestrahlt wer­

den kann. Wie können wir diese Pflicht erfüllen? Wir können es morgen schon wieder. Denn am morgigen Sonntag ist abermals ein Opfertag des Krieg s wi nterhilf swerk s. Zeigen mir uns dieses Tages würdig! Opfern wir, damit wir auch der Opfer wert find, die draußen an der Front und drinnen in der Heimat tagtäglich geleistet werden. Dann erhebt sich auch das, was viele, sehr viele jenseits der deutschen Grenzen als so geheimnisvoll empfinden, dann erhebt sich: eine leuchtende Volks­gemeinschaft, an der wir alle teil haben. F. B.

Äornotizen.

Tageskalender für Samstag.

Stadttheater: 20 bis 22.30 Uhr£a Traviata". Gloria-Palast, Seltersweg:Es war eine rau­schende Ballnacht". Lichtspielhaus, Bahnhof­straße:An heiligen Wassern". Verein ehern. 116er: 20.15 imAuerhahn" Kameradschaftsappell.

Tageskalender für Sonntag.

NSG.Kraft durch Freude", Volksbildungsstätte Gießen: 11 Uhr im Physiologischen Institut Vor­trag mit Filmvorführungen, Professor Dr. Herzog Das Leben in unserem Körper". Stadttheater: 14.45 Uhr nur für HI.:Für die Katz"; 19 bis 21.45 UhrDer Zigeunerbaron". Gloria-Palast, Seltersweg:Es war eine rauschende Ballnacht". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:An heiligen Was­sern". DHC.: Monatsoersammlung im Hopseld. Geschlossene Vorstellung für KdF.La Traviata-.

Am heutigen Abend wird die OperLa Traviata" in einer gefchlossenen Vorstellung im Stadttheater für die NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" wiederholt. Musikalische Leitung: Richard Boeck. Spielleitung: Bernhard Schmitz. Die Titelrolle singt

Anni Assion. Bühnenbilder: Karl Löffler. Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr. Die Vorstellung findet als 1. Vorstellung des KdF.-Theaterrings statt. Kein freier Kartenverkauf.

2. Vorstellung für den Theaterring der Hiller-Jugend.

Am morgigen Sonntag findet um 14.45 Uhr die zweite Vorstellung des Theaterrings der Hitler- Jugend statt. Zur Aufführung kommt das Lust­spielFür die Katz" von August Hinrichs unter der Spielleitung von Karl Volck. Ende gegen 17 Uhr. Kein freier Kartenverkauf.

Der Slgcunerbaron im Stadttheater.

Am morgigen Sonntag wirdDer Zigeuner­baron", Operette von Joh. Strauß, wiederholt. Spielleitung: Harry Grüneke. Bühnenbilder: Karl Löffler. Anfang 19 Uhr, Ende 21.45 Uhr. Die Vorstellung findet außer Miete statt.

Der Spielplan

des Stadttheaters für die nächste Woche.

Dienstag, 14. November, Anfang 20 Uhr, Ende 22.30 Uhr: Intermezzo am Abend", Lustspiel von Möller und Lorenz. Spielleitung: Hans Geißler. 7. Vorstellung der Dienstag-Miete.

Mittwoch, 15. November, Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22 Uhr: ErstaufführungDie lustigen Weiber von Windsor", Oper von Nicolai. Musikalische Lei­tung: Paul Walter. Spielleitung: Harry Grüneke. 7. Vorstellung der Mittwoch-Miete.

Freitag, 17. November, Anfang 20 Uhr, Ende 23 Uhr:Das Wintermärchen , Tragikomödie von Shakespeare. Spielleitung: Dr. Hannes Razum. 8. Vorstellung der Freitag-Miete.

Sonntag, 19. November, Anfang 19 Uhr, Ende 22 Uhr:Gasvarone", Operette von Karl Millöcker. Musikalische Leitung: Heinz Markwardt. Spiellei-

Gießener Stadttheater.

Intermezzo am Abend."

Die Gesellschaftskomödie, die gestern abend im! Stadttheater zur ersten Aufführung gelangte, hielt es über drei Akte und zweieinhalb Stunden lang eindeutig mit einer unproblematischen Heiterkeit, die sehr rasch auf den Zuschauerraum Übergriff und sich auch nicht verflüchtigte, als die Handlung zum Ende des zweiten Aktes in Ernst umzuschlagen drohte. Dank der Geistesgegenwart einer der be­teiligten jungen Damen geschieht aber nichts Böses. Diese geiftesgegenroärtige junge Dame ist über­haupt die Seele des Stückes. Sie bringt den drin­gend erwünschten Vertragsabschluß der Schatt- plattenfirma mit dem bekannten Schlagerkompo­nisten zustande, sie sorgt aber auch geschickt für die eigene Verlobung. Daß beides nicht auf Anhieb, sondern auf dem Umweg über einige Schwierig­keiten gelingt, liegt auf der Hand. Glücklich werden alle Klippen umschifft, der Schlagerkomponist unter­schreibt und zum Schluß gibt es zweimal zwei glückliche Liebende, die befriedigt den Schauplatz spitzer Gespräche, begründeter und unbegründeter Verdächtigungen, entzückender Irrtümer und eines anhaltenden Eiertanzes um den erwähnten Ver­tragsabschluß verlassen.

Die Komödie, die von zwei Verfassern (A. M ö l - l e r und H. Lorenz) mit erstaunlicher Geschick­lichkeit gemixt morden war, gab den Künstlern unseres Stadttheaters reichlich Gelegenheit zu leb­hafter und origineller Aeußerung. Hilde Heinrich stattete die Rolle der geschäftstüchtigen Privaffekre- tärin mit viel fraulichem Takt aus und sicherte auf nette Weife nicht nur den Vertragsabschluß, son­dern für sich persönlich auch den Herrn Direktor. Viktor von Gschmeidler erwies sich sehr ge- schickt als Direktor, der nie so ganz im Bilde ist und kaum seine eigene Liebeserklärung an seine Privatsekretärin ohne deren Hilfe zu starten ver­mag. Herr Erl er gab den umworbenen Schlager- fomponiften mit etlichen angebrachten Ueberzeich- nungen. Allerdings hat man von ihm in jüngster Zeit schon manche origineller gestaltete Rolle ge­sehen. Elisabeth Leip reckt stellte seine lebens­lustige und etwas fragwürdige Braut mit großer Lebhaftigkeit dar und traf dabei auch den richtigen Ton. Hilmar Manders mimte als Gesellschafter,

Mit knappsten darstellerischen Mitteln

Es war eine rauschende Battnacht." Ein Carl-Froelich-Film der Ufa.

nicht, daß sie mit ihm Not und Elend teilt. So heiratet sie ohne Neigung den reichen Muräkin und läßt Tschaikowsky in Lethargie zurück. Aber sie sehen sich wieder! Musikprofessor Hinsinger, getreuer Ekke­hard der beiden, verhilft ihnen zum Wiedersehen. Katharina beschließt, mit des Professors Vermitt­lung, ihm, dem Komponisten, aus dem Ueberfluß ihres Mannes zu Helsen, seinem Genie den Weg zu ebnen, seine Werke drucken zu lassen, ihn die Straße des Erfolgs zu führen ohne daß er dies alles wissen darf. Er wird auch berühmt, begeistert Eu­ropa, kehrt nach Moskau zurück und Katharina ver­läßt nun um seinetwillen den ungeliebten reichen Mann. Aber in seinem großen Konzert reißt ihn der Tod vom Dirigentenpult, er stirbt ihr unter den Händen, und ihr, der liebenden Frau, bleibt nur feine Unsterblichkeit.

Der Film nimmt Wahrheit und Dichtung mit allem künstlerischen Ernst auf, gestaltet die Hand-

In der Rolle der liebenden Frau Katharina Alexandrowna fordert Harah Leander zu Be­wunderung heraus. Mit inniger Anteilhaftigkeit steht sie neben dem Komponisten. Unnachahmlich erscheint sie in der stetigen seelischen Ablehnung neben ihrem ungeliebten Mann. Mit einiger Erschütterung ver­folgt man ihre schuldbewußte Unsicherheit Murakin gegenüber. In den Szenen des Schmerzes und der Trauer um den sterbenden und toten Komponisten

luna mit reichen Mitteln äußeren Auftrags und darstellerischen Könnens. In scharfer Ausprägung erfahrnen die Charaktere. Die leidenschaftliche Musik verbindet, ohne sich zum Selbstzweck zu erheben, Szene um Szene in sinnvoller Harmonie. In man­chem Austritt, insbesondere zwischen Katharina und ihrem ungeliebten Manne, zwischen Tschaikowsky und Murakin liegt eine Spannung von solcher Un­heimlichkeit, die fast an die Grenze des Menschlich- Tragbaren vorstößt. Die Regie (Prof. Carl F r o e - l i ch) hielt in klaren Strichen am Wesentlichen fest.

Greta GarbosAnna Karemna" nahe.

Heinz S t ü w e verkörpert den Komponisten. Fast geschieht es etwas bürgerlich, obwohl man gerade für diese Rolle eine Darstellung erwartet hätte, die in den Grundzügen an Romangestalten Dostojewskis erinnern müßte. Dies ist nur in wenigen Augen­blicken erreicht! Ganz ungewöhnlich und fern aller üblichen Form stellt Aribert Wäscher den reichen Murakin dar, besonders eindringlich in jener Szene, da feine Frau Katharina ihm und vielen Gästen in der ftioolen Form eines Chansons das Leid ihrer Ehe wissen läßt. Das einzige unbeschwerte Element bringt Marikka Nöck als Tänzerin Nastassja in die Spannung der Handlung. Mit ihrer naiven, hoff­nungslosen Liebe zu Tschaikowsky, mifr ihrem Charme, ihrem tänzerischen Können und ihrer Un­problematik schafft sie Gegensätze, die Emst und Schwere des Schicksals der beiden Liebenden beson­ders erkennen lassen. Zu nennen sind ferner Leo S l e z a k als Musikprofessor Hinsinger, der Musik­kritiker von Fritz Rasp und der Musikverleger von Paul Dahlke. Dem Film der Ufa muß die reife künstlerische Gesamtleistung rückhaltlos zuerkannt werden.

Heinrich Ludwig Neuner.

der Schallplattenfirma eine gediegene Berliner Type. Eine prächtige Figur lieferte Siegfried L o w i tz in der Rolle des ungarischen Kapellmeisters. Die Damen Eckert, Kneip und Eiben und die Herren Volck und Seitz steuerten auch ihr Teil zum Erfolg bei. Herr Löffler sorgte für einen geschmackvollen modernen Hintergrund. Es gab manchen Beifall auf offener Szene und viel Zustimmung zum Schluß.

Heinrich Ludwig Neuner.

- [o M&t « in einigen Zeilen einleitenden T-xks. I ^8 ^Ruhe unb»oB.

Aber schon erklingen Melodien deo genialen russi- 3 der Gesamtleistung liegt fast ein B-rgleich mit scheu Komponisten, dessen Leben und musikalische Sendung in die Hand einer Frau gegeben sind, in die Hand der schönen Katharina Alexandrowna. So will es der Film! Sie soll es gewesen sein, die ihn zu seinen Liedern, Walzern und Symphonien be­geisterte. Sie ist es aber auch, die nicht des Glücks an seiner Seite teilhaftig werden soll, denn er will

Geschichten von Victor Emanuel HL

Der König und Kaffer Victor Emanuel, der ent 11. November seinen 70. Geburtstag feiert, liebt es sehr, sich in seinem Lande ganz zwanglos zu be­wegen. Das hat schon oft, namentlich in seiner Jugend, zu lustigen Zwischenfällen geführt. Einst hatte das Auto des Königs in einem Dörfchen einen Unfall, und die Menge strömte hinzu. Darunter befanden sich auch zwei englische Autofahrer. Da sie in einer fremden Sprache sprachen, hiellen sie sich für sicher vor Lauschern und führten folgend« Unterhaltung:Hübsches Autol" ,La, und die Dam$ ist auch hübsch."Mehr als man von dem Mann sagen kann. Hast du je einen so kleinen Mann in einem so großen Wagen gesehen?"Ich habe fast keinen Brennstoff mehr. Ob er mir welchen geben kann. Soll ich ihn fragen? Vielleicht spricht er französisch." ,Zch will Ihnen gern einen Dienst erweisen und Ihnen von meinem Brennstoff ab- geben", sagte hier plötzlich der König in tadellosem Englisch, und er fügte noch hinzu:Kann ich Ihnen weiter nützlich sein? Mein Königreich steht zu Ihrer Verfügung. Es ist nicht so klein wie sein Herrscher." Teufel!" schrie der eine Engländer auf, und der andere rief entsetzt aus:Der König!"

Ein andermal ging das Königspaar in der Näh« des Schlosses Racconigi spazieren, und da der Tag warm war, bekam die Königin Dürft und wollt« gern ein Glas Milch ober Wasser haben. Eine alte Frau hütete in der Nähe eine Kuh. Der König ging zu ihr und bat sie um etwas Milch. Die alte Bäuerin, in dem Glauben, der junge Mann sei ein gewöhnlicher Tourist, erwiderte, ihre Kuh gebe keine Milch.Aber Sie haben doch zu Hause etwas Was­ser. Können Sie nicht so gut sein, mir ein Glas da­von zu holen?"Ja, wenn Sie so lange auf meine Kuh aufpassen wollen."Schön", antwortete der König und achtete nun sorgfältig auf die Kuh. Nach zehn Minuten kam die Frau mit dem Wasser zu­rück.Wie kommt es, daß heute hier so wenig Menschen sind?" fragte der König.Alle sind zum Schloß gegangen, um den König, die Königin und die kleine Prinzessin zu sehen. Nur ich bin als alte Frau zu Hause geblieben und habe nun nicht das Glück, den König zu sehen."Hier sehen Sie ihn", sagte der König und drückte ihr ein Geldstück in die Hand,ich bin der König und diese Dame ist bte Königin." QK