Ausgabe 
11.11.1939
 
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Strahlen müssen Farbe bekennen.

Achtzig Jahre Spektralanalyse.

Von Rolf Burk.

griff ober zur Abwehr oder zur Hilfeleistung für andere Fronten.

Gegenüber dieser Planlosigkeit auf polnischer Seite finden wir eine ungemein klare und feste Zielsetzung bei der deutschen Heeresleitung, nämlich die im großen Weichselbogen versammel­ten polnischen Hauptkräfte umfassend anzugreifen, zum Kampf zu stellen und zu vernichten. Dement­sprechend wurden nördlich der polnischen Haupt­armee im Posener Raum je eine Armee aus Ost­preußen und Pommern, südlich der polnischen Hauptarmee zwei Armeen aus Schlesien zum An­griff, und zwar alle in der allgemeinen Richtung aus Warschau, d. h. in den Rücken der feindlichen Hauptkräfte, angesetzt, während eine fünfte Ar­mee, Liese Hauptoperation in der rechten Flanke sichernd, aus Oberschlesien und dem slowakischen Raume heraus die polnische Südarmee möglichst umfassend packen und vernichten sollte. In der vor­springenden polnischen Front westlich Posen sollten die feindlichen Hauptkräfte zunächst nicht angegrif­fen werden, damit die Umfassung sich um so siche­rer auswirken und der Einkreisungsring geschlossen werden konnte, ehe die feindliche Hauptarmee, die Gefahr erkennend, den Rückzug nach Osten über die Weichsel anzutreten in der Lage war. Ein Feldzugsplan von sehr großer Kühnheit, der auf der Moltteschen LehreGetrennt marschieren, ver­eint schlagen" sind der Schlieffenschen Vernichtungs­lehre beruhte. Das Wagnis, das in der ursprüng­lichen weiten Trennung der deutschen Armeen einem entschlossenen Gegner gegenüberlag, konnte die deut­sche Heeresleitung um so eher auf sich nehmen, als die Stärke des deutschen Heeres an Panzer- und sonstigen motorisierten Truppen schnelle Operatio­nen über weiteste Räume hinweg begünstigte.

Auch in der Ausführung der Operatio­nen finden wir auf polnischer Seite ein gänzliches Versagen der Führuna. Gegenüber der durch den stürmischen deutschen Angriff gänzlich veränderten Lage hatte die polnische Heeresleitung nicht die Fähigkeit, einen neuen Entschluß zu faßen, sondern wartete untätig, bis die Einkreisung vollendet war und ihr nur noch verzweifelte Durchbruchsversuche übrig blieben. Dieser gänzliche Mangel an Initiative und Entschlußkraft, weder zum schnellsten Angriff auf Ostpreußen sofort bei Kriegsausbruch noch zur entschlossenen Abwehr gegen den deutschen Angriff in weiter rückwärts gelegenen starken Flußabschnitten, an denen Polen so reich ist, trägt die Hauptschuld an der furcht­baren Katastrophe des polnischen Heeres.

Im Gegensatz dazu entsprach die Führung der Operationen auf deutscher Seite genau dem vorher festgelegten Operationsplan und vollzog sich mit geradezu erstaunlicher Sicherheit und fast uhrwerks- artiger Genauigkeit. Durch die Zusammenfassung der beiden nördlichen und der drei südlichen Ar­meen in die Heeresgruppen Nord und Süd wurde die Einheitlichkeit der Führung auf beiden zunächst sehr weitgetrennten Kriegsschau­plätzen bei straffer Leitung durch den Oberbefehls­haber des Heeres gewahrt. Vorbildlich war das Zusammenwirken der einzelnen Armeen, der schlagartige Einsatz der Panzer und sonstigen moto­risierten Truppen unter Ausnutzung ihrer Schnellig­keit und die glänzende Unterstützung der Erdopera­tionen durch die Luftwaffe. Binnen drei Tagen war die polnische Korridorarmee durchbrochen und ihr nördlicher Teil abgeschnürt, binnen zehn Tagen hatte sich der Ring um die polnischen Haupt­kräfte im Weichselbogen an der Bzura und bei Radom geschlossen, binnen 17 Tagen waren auch die noch östlich der Weichsel und des San be­findlichen polnischen Heeresteile von Süden und Osten her vollständig umfaßt. Damit war das eigentliche Operationsziel erreicht, die endgültige Vernichtung bzw. Kapitulation der umklammerten Feindmassen war dann Sache der taktischen Entschei­dung auf dem Schlachtfelde.

Der große Vernichtungsstratege Graf Schlies­sen hat einmal gesagt:Der Angriff gegen die Flanke ist der wesentlichste Inhalt der gan­zen Kriegsgeschichte ... Nicht mit einem Korps oder zwei Korps muß der feindliche Flügel angegriffen werden, sondern mit einer oder mehreren Armeen, und ihr Marsch darf nicht auf den Flügel, sondern muß auf die Rückzugslinie gerichtet sein." Es gibt in 'ter gesamten Kriegsgeschichte keine glän­zendere Bestätigung dieser Lehre als den Feldzug der zwanzig Tage in Polen.

Aus aller Wett.

Neue Personenstandsverordnung der Wehrmacht.

Berlin, 9. Nov. (DNB.) Die Reichsminister der Justiz und des Innern und der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht haben eine Per- sonenftanüsverordnung der Wehrmacht erlassen, durch die eine Eheschließung zugelassen wird, ohne daß der Mann zum Zwecke der Eheschließung vor dem Standesbeamten zu erscheinen braucht. Der Mann, der im Felde steht, kann seinen Willen, die Che einzugehen, vor seinem Bataillonskommandeur erklären, während die Frau demnächst vor dem Standesbeamten erscheinen und ihre Eheschließungs­erklärung abgeben muß. Damit ist die Möglichkeit geschaffen, daß Verlobte, die die Absicht der Che- schließnng vor dem Einrücken des Mannes ins Fell) nicht mehr verwirklichen konnten, dies ohne Zeitverlust nunmehr nachholen. Ferner ist Vor­sorge getroffen, daß die S t e r b e f ä l l e von Sol­daten mit tunlicher Beschleunigung in den Per­sonenstandsbüchern beurkundet werden, damit die Angehörigen in kürzester Frist in den Besitz der zur Nachlaßregulierung und zum Bezüge von Witwen- und Waisenrenten unentbehrlichen Sterbe- urkunden gelangen.

Ekelettfund in Gelnhausen.

LPD. Gelnhausen, 10. Nov. Im Hof der Kreishandwerkerschaft in der Brentanostraße wurde knapp 30 cm unter der Oberfläche das Skelett einer weiblichen Person gefunden. Das Grundstück war bis vor kurzem jahrzehntelang im Besitz von Juden gewesen. Das Skelett lag unter Steinplatten, die ehemals den Fußboden eines läng abgerissenen Stalles bildeten. Der Schädel wies a zwei Stellen Einwirkungen auf, so daß der Verdacht besteht, daß die Tote erschlagen worden ist. Die Be­hörden haben die Uebersührung des Fundes zur weiteren Aufklärung an das Institut für gerichtliche Medizin in Frankfurt angeordnet.

Todesurteil vollstreckt.

Am 10. November 1939 ist der am 1. Mai 1913 in Berlin geborene Werner Kramer hingerichtet worden, der vom Sondergericht Halle a. d. S. wegen Mordes zum Tode verurteilt worden war. Kramer, ein gefährlicher Gewohnheits­und Sittlichkeitsoerbrecher, der den Schrecken der Bevölkerung in der Dübener Heide bildete, hatte am 11. Juni 1939 in der Nähs von

Ein Verfahren, das es ermöglicht, den Bau der Sterne kennenzulernen, Bodenschätze zu erforschen und Spuren von Vergiftungen im menschlichen Körper aufzuspüren, wurde in einer Schrift be- chrieben, die Bunsen und Kirchhoff im Spätherbst des Jahres 1859 der Berliner Akademie der Wissenschaften Übergaben: Die Spektral- analyfe war geboren. Daß man mit Hilfe eines dreieckigen Glaskörpers, eines sogenannten Pris­mas, das weiße Licht der Sonne in Regenbogenfar­ben zerlegen kann, hatte Newton schon zweihun­dert Jahre vorher entdeckt. Niemand hatte seit­her daran gedacht, daß man mit der Zerlegung des Lichtes auch auf die Zusammensetzung eines Kör­pers Rückschlüße ziehen könne, von dem Licht aus­geht.

In Heidelberg wurde 1855 die Gasbeleuch­tung eingeführt. Ganz Heidelberg pries den egensreichen Fortschritt, der die umständlichen Pe­troleumlampen überflüssig machte. Nur einige Bür­ger der Stadt waren mit der technischen Neuerung nicht ganz einverstanden. Das Licht sei viel zu hell, o erklärten sie, und müsse den an Petroleumschein gewöhnten Menschen Kopfschmerzen bereiten. Auch Professor Bunsen war mit den Gasbrennern un­zufrieden, allerdings aus einem anderen Grund; ihm schien der Fortschritt nämlich nicht groß genug, die Heizkraft der Gasbrenner war für ein Laboratorium höchst unzulänglich. Als Chemi­ker kam er auf den Gedanken, der Flamme zur Verbrennung mehr Luft zu verschaffen. Er bohrte das Loch des Brenners seitlich an und schuf o den Bunsenbrenner, der allerdings keine leuchtende Flamme gab, aber dafür eine Hitze von 2000 Grad Celsius. Bunsen war sich rasch darüber im klaren, daß die kleine heiße Flamme seines Brenners, dessen Konstruktion wir noch heute in unseren Gasherden verwenden, ihm ausgezeichnete Dienste erweisen konnte. Da sie nicht so gelb war wie eine Kerzenflamme, sondern fast farblos brannte, sandten Salzverbindungen oder Metalle, die man in ihr zum Glühen brachte, ihr Licht viel reiner und ungetrübter aus als bisher. Nun konnte man eindeuttg feststellen, daß es z. B. nur das Natrium war, das eine Flamme leuchtend gelb färbte, wenn man die Natrium-Chlor-Derbindung, das Kochsalz, hineinbrachte. Rot färbte sich die farblose Flamme mit einem Salz des Kaliums uff.

Strahlen werden seziert.

Um nun jedoch einen Lichtstrahl in alle Einzel­heiten zu zerlegen, genügt es nicht, daß man einfach ein Glasprisma vor das Licht hält. Man mußte es durch den engen Spalt eines Rohres zwängen, von dort durch em Prisma, um es in einem zweiten Rohr mit einer Linse wieder aufzufangen. So bekam man, bei der Sonne z. B. einen Farbstre i° f e n mit aufeinanderfolgenden leuchtenden Linsen. Erst die heiße, farblose Bunsenflamme erlaubte es aber, nun von allen Stoffen solche Spektren herzu- stellen. Künstlich zum Leuchten gebrachte feste Kör­per ergaben im Spekttum Farbbänder, glühende Gase, Linien von ganz bestimmter Wellenlänge. Muß es nicht möglich sein, wenn man die Farb­streifen aller auf der Erde vorkommenden wichtigen Elemente und Verbindungen festgestellt Hat, neue Elemente zu entdecken? Kann man damit nicht die Zusammensetzung der Sonne, ja, selbst der Fix­sterne erforschen?" Diese Ueberlegung von Bunsen und seinem Freund Kirchhoff war bald von über­raschendem Erfolg gekrönt. Bunsen brachte aus Bad

Schköna eine 55jährige Frau ermordet, nachdem er vorher versucht hatte, an ihr ein Sittlichkeits­verbrechen zu verüben.

Vollstreckung eines Todesurteils.

Am 8. November 1939 wurde der am 24. Sep­tember 1904 in Leipzig geborene Kurt Han sch - man n hingerichtet, der vom Schwurgericht in Han­nover am 11. August 1939 wegen M o rde s zum Tode und zum dauernden Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte verurteilt worden ist. Hansch- mann, ein wegen Totschlages mit Zucht­haus vorbestrafter Verbrecher, hat am 24. Mai 1939 in Hannover ein junges Mädchen er- tochen, weil es seine Annäherungsversuche abge­wiesen hatte.

Erdrutsche am Eomerfee.

Infolge der anhalten Regengüsse ereigneten sich am Comersee mehrere Erdrutsche, durch die sowohl die Straße am Westufer des Sees bei Cernobbio als auch die Sttaße nach Bellagio verschüttet sind. Auf einer Sandbank inmitten des Flüßchens Taro bei Parmo waren zwei Männer mit ihren Pferdefuhrwerken von einem plötzlich eintretenden Hochwasser überrascht worden. Erst nach 30 Stunden gelang es, die Leute zu retten. Zwei be­herzte junge Männer waren durch die Hochwasser- fluten zu der Insel geschwommen und hatten den Fuhrmännern, die bis zu den Knöcheln im Wasser stehen mußten, etwas zu essen gebracht. Der Jsonzo führt ebenfalls Hochwasser, das ein Todesopfer ge­fordert hat und großen Materialschaden verursachte.

Schweres Bergwerksunglück in Japan.

Durch Erdrutsche in einer Schwefelmine bei Matsuo in der Provinz Twate wurden über 4 0 0 Bergarbeiter verschüttet. Bis­her konnten 34 Tote und etwa 50 Verletzte ge­borgen werden, während 39 Arbeiter noch vermißt werden. Die übrigen Verschütteten konnten gerettet werden.

Wassereinbruch in einem chinesischen Bergwerk.

Nach einer Meldung desKarriere della Sera" aus Tschungking hat sich in einem Bergwerk bei Kutschinaschien ein schweres Unglück ereignet. Aus noch nicht näher festgestellten Gründen sind 2000 chinesische Bergleute durch Eindringen großer Wassermassen ertrunken.

Zwei schwere Unglücksfälle in Holland.

Beim Legen von Landminen ereigneten sich am Freitag in Holland zwei schwere Unglücks­fälle, bei denen insgesamt sechs Personen ge­tötet wurden. In Gelderland tarnen vier Sol­daten ums Leben, weil eine Landmine, die gerade gelegt worden war, zur Entladung kam. In der Provinz Groningen fanden ein Soldat und em Zivilist unter ähnlichen Umständen den Tod.

Im Dell geraucht und verbrannt.

In Kirn (Nahe) hatte der 40jährige unverhei­ratete Ludwig Michel abends getrunken und sich bann mit einer brennenden Zigarette ins Bett gelegt. Dabei wurde das Bett in Brand gesetzt, ohne daß der Mann etwas bemerkte.

Dürkheim Salz aus der dortigen Sole mit. Als die Forscher es im Bunsenbrenner zum Glühen brach­ten, entdeckten sie im Spektralapparat zwei neue Elemente, die sie Cäsium und Rubidium nannten. Der Siegeslauf der Spektralanalyse hatte begon­nen. Immer neue Anwendungsmöglichkeiten taten sich auf.

Sterne geben ihr Geheimnis Preis.

Ein Förster kehrt von seinem Dienstgang nicht zurück. Er wird erschossen aufgefunden. Lag hier ein Unglücksfall ober ein Verbrechen vor? Bom Arzt wird ein kleiner Hautstreifen des Schußkanals herauspräpariert und einem Chemiker zur Unter­suchung übergeben. Im elektrischen Lichtbogen ver­dampft, wirft die Spur von Blei, die das Ge­schoß beim Eindringen an der Haut abstreifte, einen feinen Strahl durch das Prisma des Spekttalap- parates. Da der Förster keine Geschosse mit Blei­mantel bei sich hat, ist erwiesen, daß ein Verbrechen vor liegt. In einem anderen Fall bekommt ein Chemiker eine Lösung, um zu untersuchen, wieviel Nickel in der Flüssigkeit enthalten ist. Anstatt nun den Nickelanteil chemisch auszufällen, zu fil­trieren, einzudampfen und wiederum zu wiegen usw., nimmt er den Spektralapparat zu Hilfe, um fast im Handumdrehen z. B. aus der Zahl der im Spekttum aufttetenden Linien festzustellen, daß in der zu untersuchenden Lösung genau ein hunderttau- sendstel Gramm Nickel vorhanden ist. In einer che­mischen Fabrik erkrankt ein Arbeiter. Es besteht Verdacht auf Metallvergiftung. Klar und eindeutig zeigt in solchen Fällen der leuchtende Streifen des Spektrums, ob der Körper des betroffenen eine Spur mehr als das zulässige Höchstmaß von dem fraglichen Metall enthält. Auch Stahl, der in den hochbeanspruchten Teilen unserer Kampfflugzeuge verwendet wird, wird mit feiner Hilfe auf seine Reinheit geprüft.

Millionen Jahre eilt ein Lichtstrahl durch den Weltenraum, bis er zur Sternwarte gelangt. Mit dem Fernrohr fängt ihn der Astronom ein und leitet ihn auf ein kleines Glasprisma. Das Glas ist zwar durchsichtig, dennoch setzt es, da es dichter ist als Luft, dem Licht etwas Widerstand entgegen, die Geschwindigkeit von 300 000 Kilometer in der Sekunde wird ein klein wenig herabgesetzt. Aber nicht alle Teile des Lichtstrahles werden gleich stark abgebremst. Die Teilchen, denen es leichter fällt als den anderen, das Glasprisma zu durchbrin­gen, werden weniger aus ihrer ursprünglichen Rich­tung abgelenkt wie die übrigen, und so wird der Sttahl, wie Wasser durch ein Sieb, in feine Ein- zelsttahlen zerteilt. Ein Sonnenstrahl wird je­doch anders zerlegt als ein Sttahl, der vom fernen Sirius zur Sternwarte gelangt. Und darauf kommt es dem Forscher, in diesem Fall dem Astronomen, an. Zwar beobachtet er den Lichtstrahl nicht direkt. Er bringt eine Kamera am Ende des Fern­rohres an und überläßt es der photographischen Platte, von dem zerlegten Strahl ein Bild festzu­halten. In aller Ruhe kann er nachher den Bild­streifen, den das Lichtteil aus fremden Welten hinterlaßen hat, untersuchen. Er kann bie Zahl der Linien und ihre Dicke messen, um das Spektrum zu analysieren. Und wie es Bunsen vor 80 Jahren vorausgesehen hat, die fernsten Sterne verraten dem Asttonomen nun, aus welchen Stoffen sie gebaut sind, und der Schlüssel zu diesem Ge­heimnis heißt Spektralanalyse.

Arbeitskameraden, die nachts durch den Brandgeruch aufmerksam wurden, drangen in das Dachzimmer Michels ein und fanden den Schläfer besinnungslos im Bett liegend; er hatte bereits starke Verbren­nungen erlitten. Man brachte den Mann ins Freie, doch ist er bald darauf feinen schweren Brandver- letzungen erlegen. Inzwischen hatten die Flammen schon auf die Möbel und den Dachstuhl über­gegriffen, Hausbewohner konnten jedoch den Brand noch löschen.

Der Wind fragt ein Vermögen fort ...

Vom Winde verweht" ... pflegt man zu sagen, wenn ein Vermögen nach allen Richtungen zer­stoben ist. Ein belgischer Geschäftsmann muhte allerdings dieser Tage erleben, daß der Wind auch im wahrsten Sinne des Wortes selbst ein kleines Vermögen davonttagen kann. Solches geschah in der Nähe des Parkes von Mouscron, wo der Belgier, der sich auf einer Geschäftsreise befand, seinen Wagen ab gestellt hatte. Beim Aussteigen hatte er aber seine Brieftasche verloren, was ihm schon nach einigen hundert Schritten auffiel. Zu spät. Zwar ging er sofort zurück, doch seine Brief­tasche tanzte im Winde auf der Straße herum und war ... völlig geleert. Zwölftausend Fran­ken, die der Kaufmann in Banknoten bei sich ge­habt hatte, waren zerstoben. Er fand in dem Park nach längerem Suchen noch 800 Franken im Herbst­laub. Mehr war aber von seinem Gelde nicht mehr aufzutteiben.

Vor dem Mikrophon tot zusammengebrochen.

Ein tragischer Vorfall ereignete sich dieser Tage im Senderaum des Bessarahien-Senders Kischi- new. Der angesehene Cello-^Künstler Leonida Tscherbakow, ein Mann von 64 Jahren, der zuletzt in wirtschaftliche Notlage geraten war, hatte einige Tage vorher ein Engagement beim Kischine- wer Sender erhalten. Trotz großer innerer Erre­gung spielte er fein erstes Konzert mustergültig zu Ende. Kaum war der letzte Ton desHerbst" von Tschaikowsky verklungen, als Tscherbakow zusam­menbrach und starb. Im Fallen ging auch sein ge­liebtes Violincello in Trümmer. Das Geräusch des fallenden Mannes und des zerbrechenden Instru­mentes wurde von den Rundfunkhörern deutlich wahrgenommen.

Frühgermanischer Fund in Dänemark.

Das dänische Nattonalmuseum beschäftigt sich zur Zeit mit einem interessanten steinzeitlichen Fund. Es handelt sich um ein B o o t , das aus einem Eichenstamm gearbeitet worden ist. Das Boot ist fünf Meter lang. Dänische Archäologen schätzen das Alter des Bootes auf 4000 Jahre. Das Boot wurde in dem uralten germanischen Siedlungsgebiet bei Ulftrupbrö in Nvrdjütland aufgedeckt. Die Reihe der vorgeschichtlichen Funde der letzten Jahre ist damit um ein wertvolles Stück bereichert worden, wenngleich das neue Fund-Objett auch an Interesse und Bedeutung nicht verglichen werden kann mit dem vor wenigen Jahren in der Nähe von Odense auf der Insel Fünen ausgegrabenen Latby-Schlff, in dem sich ein großer eiserner Anker, Waffen und Totengaben befanden.

Bücheriisch.

So sah ich Afrika. Von P.C.Ettig« Hoffer. (Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Gebunden 4,80 NM.) (76) Vor einiger Zeit hielt Ettighoffer in der Aula der Gwßener Uni­versität einen Vortrag über seine Reise quer durch Afrika. Von dieser Reise erzählt er in diesem Buche noch eingehender, als es an diesem Vortrags­abend natürlich möglich war. Es ist von außerordent­lichem Reiz, den Kriegsschriftsteller hier einmal als Reiseerzähler kennenzulernen, der sich überall gründlich umzusehen pflegt und anschaulich davon erzählen kann. Allein begab er sich in Begleitung vonMax" (seinem Auto) undMelusine" (die Schreibmaschine) auf die Fahrt, die über dieKlei­nigkeit" von 20 000 Kilometer durch Südwest, Rhodesien und schließlich durch unsere frühere Kolonie Ostafrika führte. Eine Fülle von Erleb­nissen findet in diesem Buche ihren Niederschlag, bereichert durch viele gute Bilder, die den Leser von Anfang bis Ende in größter Spannung halten. Dieser prächtige Erlebnisbericht ist ein ausgezeich­neter Wegbereiter für den deutschen Kolonialge« danken, und auch darum darf man ihm eine be­sonders weite Verbreitung in unserer Volksgemein­schaft wünschen. Ernst Biumschein.

Rebellen um Ehre. Von Herbert V o l ck. (Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh. Gebunden 3,25 RM.) (77) In diesem Buche berichtet Volck von seinem unermüdlichen Ringen und Kämpfen für die nationale Erhebung, das tim von 1918 bis 1933 durch unzählige Stationen der deutschen Not

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führte. Voll Tatkraft setzt er überall feine Person ein, um an feiner Stelle gegen das Weimarer System anzugehen und den Weg zur deutschen Freiheit bahnen zu Helsen. Don den Kämpfen im Baltikum bis zu dem Aufstand der Bauern in 5)oh stein unter der schwarzen Fahne der Bauernnot, durch viel Kämpfe und Leiden, sogar ins Zucht­haus, geht der Weg dieses Mannes. Er erzählt überall in feinem Buche nur schlicht und ohne jedes Aufbauschen, klar und unwiderleglich die furchtbaren Tatsachen jener Zeit, und gerade durch diese soldatische Schlichtheit und Gradlinigkeit wird dieses packende Buch nicht nur zu einem glühenden Bekenntnis eines ewigen Soldaten, sondern auch zu einer gewaltigen Anklage gegen die Machthaber des überwundenen Systems, deren großes Schuldkonto gegenüber unserem Volke" hier rücksichtslos offen­bart wird. Möchte dieses Buch viele Leser finden^ Ernst Blumschein.

Heinrich Zerkauten: Komm mit nach Madeira. (Nationalsozialistischer Verlag für den Gau Sachsen in Dresden.) Das Erlebnis einer KDF.-Urlaubsfahrt, wie es Tausenden von deutschen Arbeitern in bislang beispielloser Weise zuteilgeworden ist, hat in diesem Buche seinen dich­terischen Niederschlag.gefunden. Zerkauten hat sich aufgeschlossen und warmherzig in die einzigartige Atmosphäre dieser Urlaubsfahrt deutscher Arbeiter eingefuhlt und ganz den richtigen Ton getroffen. So ist hier, mit vielen hübschen Bildern ausgestattet, ein Büchlein entstanden, das die soziale Mee des Nationalsozialismus ungemein wirkungsvoll und schlagkräftig illustriert. Fr. W. Lange.

Spannende Kr i e g s e r z ä h l u n g e n in Heftchen für jeden Jungen, aber auch interessant für ältere Leser, liegen uns in den Ausgaben meh­rerer Verlage vor. Im Verlag von C. v. Lamas Nachf. K. Widmann, München, erschien das Heft von A. A l ck e n sTsingtau 1914, unser Helden­kampf 1914/18." Der Berichterstatter weiß darin sehr interessant zu erzählen. Bilder und eine Karte sind beigefügt. (20). Der Verlag von C. Ber­telsmann, Gütersloh, legt zwei fesselnde Heftchen von Tanaka Hokusai unter der Ueberschrift Bomben auf Nanking" und ,Luftkampf über Schanghai" vor, in denen der als Leutnant der japanischen Luftflotte später vor Kanton gefallene Verfasser sehr anschaulich vom japanisch-chinesischen Krieg berichtet, soweit dabei die Luftwaffe in Be* tracht kam. Die Heftchen verdienen ein empfehlen­des Wort. (104/105).

Wirtschaft.

Mein-Mainische Börse.

Still und wenig verändert.

Frankfurt a. M., 10. Nov. An der Börse hat wieder eine stärkere Zurückhaltung Platz gegriffen, so daß es allgemein nur zu wenigen Abschlüssen kam. Das weiterhin vorhandene Anlagebedürfnis konnte in den meisten Fällen glatt befriedigt wer­den, da sich vielfach leichte Abgaben fortsetzten.

Am Aktienmarkt war die Kursgestaltung erneut uneinheitlich, im großen und ganzen er­fuhren die Kurse aber nur geringe Abweichungen. U. a. eröffneten JG.-Farben mit 158,25 (159,25). Scheideanstalt mit 206 (206,50), Hoesch mit 108,25 (109), Rheinstahl mit 130 (130,25), Nheinmetall mit 116 (116,75), Verein. Deutsche Metall mit 149 (150), anderseits waren AEG. auf 115,40 (115), Bekula auf 150,50 (150), Deutsche Erdöl auf 132,50 (131,50) und AG. für Verkehr auf 108 (107,50) be- festigt. Lahmeyer und Rhein. Elektro mit je 110 und Adlerwerke mit 88 lagen behauptet.

Arn Rentenmarkt erhielt sich überwiegend kleine Nachfrage, doch war auch hier die Lage aus­geglichener. Erhöhtes Interesse verblieb für die neu­emittierten 5 v. H. RWE.° und 5 v. H. HEW.- Anleihen, ebenso wurden Pfandbriefe noch verhält­nismäßig rege gesucht. Don Liqui-Pfandbriefen Meininger fest mit 102,50 (102,13). Bei den amtlich notierten Industrie-Anleihen ergaben sich verschie­dentlich Abbröckelung bis 0,25 v. H., ebenso gingen einzelne Stadtanleihen bis etwa 0,50 v. H. zurück. Don Auslosungswerten Reichsaltbesitz 135,30 (135,25), Mannheimer Altbesitz 132,50 (132), da­gegen Dekosama II 158,25 (158,75). Steuergut­scheine I wenig verändert, ebenso Kommunal-Um« schuldung mit 93,40 weiter behauptet.

Auch in der zweiten Börsenstunde herrschte Zu­rückhaltung und Geschäftsstille und die Kurse tröp­felten überwiegend etwas ab; besonders die erst später notierten Papiere lagen rückläufig. Am stärksten Demag mit 139,50 bis 138 (141,75) und Bemberg mit 121,50 (123,50), dagegen gewannen MAN. bei 6,8 v. H. Dividendenabschlag rund 2 v. H. auf 143,25 (148).

Unnotierte Werte lagen still und behauptet Katz & Klumpp etwas höher mit 92 bis 94 (91,50 bis 93,50), ferner Bürbach Kali 87 (85,50). Tages- geld unv. 2 v. H.