Ausgabe 
11.11.1939
 
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Nr. 265 Erstes Blaff

189. Jahrgang

Samstag, U./$onntag,l2. November 1939

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Vor den Särgen der Toten des 8. November.

Feierliche Aufbahrung der Opfer des Bürgerbraukellers vor der Feldherrnhalle.

München, 11. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Hauvtstadt der Bewegung und mit ihr das ganze deutsche Volk schickt sich an, Abschied zu nehmen non den sieben Toten, die vor 48 Stunden im Bür­gerbräukeller für den Führer und Deutschland ge­iallen sind. Die nächtliche Aufbahrung der Hingemordeten vor den Stufen der Feld­herr n h a l l e in der zehnten Abendstunde des Freitag hat die Trauerfeier ergreifend eingeleitet.

Die drei Bögen der Feldherrnhalle sind mit dunkelrotem Tuch ausgeschlagen In der Mitte steht ein mächtiger Podest, der auf rotem Tuch das Hakenkreuz trägt. Davor brennt eine Feuerschale. Oie lodernden Flammen vermischen sich mit dem Heuer der vier Pylonen, die vor der Feldherrhalle rrichtet sind. Sonst ist der ganze Platz in Dunkel ;ehüllt.

Die Tribünen zu beiden Seiten der Feldherrn- zalle sind voll von schweigenden Menschen. Kopf an Ko^f stehen die Tausende bis zum Odeonplatz. i$ein 2aut unterbricht die Stille. Aus dem Dunkel oachsen die Schatten marschierender Männer. Zwei tompanien der jj, im Stahlhelm, nehmen vor den eitlidjen Tribünen Aufstellung. Der Turm der ^heatinerkirche kündet die zehnte Abendstunde. )umpf dröhnt der Rhythmus der Trommeln. Aus iem Hofgartentor heraus bewegt sich der Zug nit den Särgen, in denen die Toten ruhen, seden Sarg deckt ein rotsamtenes Tuch mit dem Hakenkreuz. Den Trauerzug geleitet nationalsozia­listische Jugend mit brennenden Fackeln vor die Stufen der Feldherrn Halle. Stumm und in tiefer Ehrfurcht grüßen die Menschen die Toten. Dann ikurze Kommandorufe in die Stille. Die Truppe jräfentiert das Gewehr mit Blickwendung zu den bärgen. Der Präsentiermarsch erklingt. Die Män­ner, die die Särge tragen, setzen sie auf Podeste, |ie vor den Stufen der Feldherrnhalle stehen. SA.° Männer treten neben die Särge und halten Wacht lei ihren Kameraden. Der feierliche Akt ist beendet.

Und nun ergießt sich der Strom der Dolksge- flössen nach der Feldherrnhalle, um vorbeizudefilieren ror den Helden des 8. November. Stumm, mit er­hobener Rechten, ziehen sie vorüber und nehmen Nbschied von den Ermordeten.

Machens Bevölkerung ehrt die Opfer des 8. November

Im Dämmer des heraufziehenden Tages fetzte imeut die Wallfahrt zu den Särgen der sieben Opfer des 8. November vor der Feldherrnhalle ein, Vährend an den Häusern die Flaggen auf h a l b m a st gingen. Schon um die achte Morgen- iunde eilten HI., Pimpfe und BDM.-Mädel zu ier großen Spalierbildung der deutschen Jugend ings der Straßen des Trauerkonduktes. Auf dem )deonsplatz und vor der Feldherrnhalle nahmen auf en Bürgersteigen bereits die ersten Volksgenossen EuffteUung, um schon Stunden vor Beginn den rierlichen Staatsakt zu erwarten.

Unablässig bewegte sich unterdessen von der driennerstraße her der Strom zur Feldherrnhalle. 5n Dreier- und Viererreihen zogen die Menschen h schweigendem Ernst mit erhobener Rechten an len Särgen vorüber, hinter denen die Opferslam- nen lodern. Männer, Frauen, Kinder, Marschierer les 9. November 1923, politische Leiter, Männer jer Gliederungen zogen vorüber SA -Männer hal­len die Ehrenwache an sechs Särgen, an dem Sarg Kaisers Männer vom NSKK.

Alle Verwundeten auf dem Wege der Vessernng.

Gauleiter Adolf Wagner überbrachte die Grütze des Führers.

München, 10. Nov. (DNB.) Wie das Deutsche Nachrichtenbüro auf Anfrage in den Münchener . Kliniken, die die Schwerverletzten des Anschlages iom 8. November aufgenommen haben, hört, hat fch das Befinden sämtlicher Verletzten n den letzten 24 Stunden erfreulicherweise gebes­sert, wenn auch bei Zweien die Krise noch nicht öanz überwunden ist. Eine besondere Freude wurde len Verwundeten am Freitagnachmittag dadurch bereitet, daß Gauleiter Staatsminister Adolf W ag­ner jeden einzelnen im Auftrage des Füh­rers besuchte, um ihm seine Wünsche für baldige Genesung zu übermitteln. Herzlich begrüßte b?r Gauleiter in der Chirurgischen Klinik einen Men Kämpfer der Bewegung, Oberamtmann a. D. Nichael S ch m e i d l, der durch eine Netzhautab- liJung fast erblindet ist und von seinem alten Kampfgefährten Kaiser aus den Trümmern des Dürgerbräukellers herausgeleitet wurde. Kaiser ist bann den bei der Explosion erlittenen Verletzungen selbst erlegen. Besonderen Anteil nahm der Gau­leiter auch an dem Geschick der beiden in dieser Klinik liegenden verletzten Frauen, der Gymnastik- lchrerin Schirmer, die erhebliche Gesichtsoer- lchungen davongetragen hat, und der im Bürger- bräukeller beschäftigt gewesenen Kassiererin Sie- srcke, die bei der Aufräumung der Tische von der Explosion ereilt wurde und schwere Verletzungen am Oberschenkel aufweist. Im Krankenhaus rechts der 5far sind 16 Verletzte in einem Saal untergebracht, (fünf Frauen liegen in anderen Zimmern. Fußoer- ! binde. Arm- und Oberschenkelschienen und Gesichts- vrrbände zeigen die Verschiedenartigkeit der Ver- lchungen. Ein Besuch im Schwabinger

Krankenhaus bildete den Abschluß. Die An­gehörigen der Verwundeten, die zu der üblichen Be­suchsstunde in den Krankenhäusern erschienen waren, begrüßte der Gauleiter herzlich und erkundigte sich nach ihren Verhältnissen.

Alle Sender übertragen den Staatsakt für die Toten des 8. November.

München. 10. Aon. (DRV.) Der Staaten» an der Feldherrnhalle für die Opfer des 8.November 1939 wird am Samstag, 11.No­vember, um 11 Uhr über alle deulfchen Sender übertragen. Nach dem Staatsakt werden die Opfer des 8. November 1939 in feierlichem Zuge 3 u m Nordfriedhof geleitel, wo die Bei­setzung ln einem Gemeinfchaftsgrab

München, 10. Nov. (DNB.) Die das Deutsche Nachrichtenbüro erfährt, h ä u f e n s i ch bei der Sonderkommlssion zur Untersuchung des Verbre­chens vom 8. November die Hinweise und Mitteilungen aus allen Kreisen der Volks­genossen. Die Sonderkommifsion ist daher um ein Dreifaches verstärkt worden, damit sie diese einlaufenden Angaben, die natürlich zunächst meist nur Hinweise allgemeiner Art enthalten, aber selbst­verständlich auch Wichtigstes bringen können, er­schöpfend bearbeiten Fann. Zur Zeit liegen wohl über 1 0 0 0 derartige Hinweise aus der Bevölkerung vor.

Zur Zeit sind Sachverständige damit befaßt, auf das genaueste die aufgefundenen Teile des zur Entzündung der Sprengladung benutzten mecha­nischen Zündapparates festzustellen. Ls ist dabei

Rom, 10. Nov. (Europapreß.) Staatsmimster F a r i n a c c i fordert imRegime Fascista" offen zu Ve r g e l t u n gs m a ß n a h m e n für das Atten­tat von München auf. Er schreibt u. a., da der ver­brecherische Anschlag mißlungen sei, werde die Rückwirkung jene treffen, die lhn aus- gedacht und organisiert haben. .Deutsch­land darf nach Belieben vergelten. Die im Bürger- bräuteUer explodierte Höllenmaschine kann mit einer Bombe verglichen werden, die der Feind zur Nacht­zeit gegen das Zentrum einer Stadt abwirft. D i e zahlreichen Toten rufen nach Rache. Was sich in München ereignet hat, ist nur die logische Folge der Haßpolitik und Aufhetzung zu Verbrechen, die nicht nur gegen den Nationalsozialismus son­dern auch gegen die Person des Fuh- rers selbst gepredigt werden. Als wenigstens

erfolgt. Auf dem Wege zum Nordfriedhof entbietet die Bevölkerung der Hauptstadt der Bewegung den Toten den letzten Gruß.

Flaggen auf Halbmast

Berlin, 10. Nov. (DNB.) Der Reichsminister des Innern und der Reichspropagandaleiter der NSDAP, geben folgendes bekannt:

Aus Anlaß der Beisetzung der Opfer des ruch­losen Münchener Attentats fetzen am Sams­tag, 11. November 1 939, alle öffent­lichen Gebäude und die öffentlichen Schulen im ganzen Reich die Flaggen auf halb­mast. Sämtliche Parteidienststellen sind angewiesen, ebenfalls halbmast zu flaggen.

sehr wesentlich, daß die genaue Zusammen­setzung der Metalle eruiert wird. Man kann schon heute sagen, daß jedenfalls in bezug auf die Legierung einzelner Metalltelle tatsächlich ein ausländischer Ursprung nachzuweisen sein wird. Es sind gegenwärtig Untersuchungen von ver­schiedenen Seiten im Gange, um ganz unabhängig voneinander ein absolut einwandfreies Ergebnis zu erhalten. Gerade diese Art der Untersuchung ist von entscheidender Bedeutung, um so mehr, als die Sonderkommission bereits eine ganz spe­zielle Richtung verfolgt, man kann sagen, daß vielleicht schon in den allernächsten Tagen ter Oesfentlichkeit nähere Einzelheiten bekanntgegeben werden können, damit die Sonderkommifsion, die alle Hinweise prüft, genauere Mitteilungen, speziell nach dieser Richtung hin, erhält.

moralische Auftraggeber müssen alle jene betrachtet werden, die mit Reden, in den Zeitungen, Frei­maurerlogen und Snnagogen zur Rache aufgefor- i dert haben Zum Glück ist Adolf Hitler unversehrt : und dem deutschen Volk durch die Vorsehung der Führer gerettet worden, der Deutschland zum siche­ren Siege führen wird.

Der halbamtlichePopolo d'Jtalia" schreibt, je mehr ein Führer an der Spitze seines Volkes zur Wahrung der Interessen, der Ehre und Ideale her­vorrage und die besten Kräfte des Volkes um sich schare, um so verbissener kämpften die dunklen und negativen Kräfte des Bösen gegen ihn.Wir kenn en den Stil dieser Attentate gut und auch ihren Ursprun g", so fährt das Blatt fort,aber wir kennen auch die göttliche Vor- sehung, die den Führer geschützt und der Liebe fei-

Ausländischer Ursprung des mechanischen Zündapparates. Oie Sonderkommission zur Untersuchung des Verbrechens vom 8. November an der Arbeit.

Die Stätte des ruchlosen Anschlages.

Ein Blick in den Bürgerbräukeller in München am Tage nach dem ruchlosen Attentat. (Scherl-M.)

Das Echo in Italien.

Farinacci fordert Vergeltungsmaßnahmen.

Secret Service.

Die ganze Welt steht im Banne des furchtbaren Geschehens in München. Noch zittert in jedem deut­schen Herzen die Erregung nach, welch unausdenk­bares Unheil die gütige Hand der göttlichen Vor­sehung von unserem deutschen Volke abgewandt hat, als sie den Führer, den Schöpfer des neuen Groß­deutschen Reiches und seinen ersten Schildträger in dem ihm von seinen Neidern und Hassern aufge­zwungenen Kampf um eine gesicherte Zukunft in der Stunde höchster Gefahr wiederum so sichtbar unter ihren Schutz genommen hat. Noch wenige Augenblicke vor der grauenhaften Expldsion, die dem Führer und seinen ersten Mitarbeitern in Staat und Bewegung galt, hatte der Führer an der gleichen Stelle, die wenig später von einem unüber­sehbaren Trümmerhaufen bedeckt war, zum Schluß seiner Ansprache an die um ihn versammelten Alten Kämpfer der Bewegung dankbaren Herzens daran erinnert, wie sehr die Vorsehung seine Pläne habe richtig gestalten lassen und ihre Durchführung sichtbar gesegnet habe, und dann die prophetischen Worte gesprochen:Wir sind daher des Glaubens, daß die Vorsehung das, was geschah, so gewollt hat!" So ist uns erneut die Gewißheit geworden, daß Gott es gut mit uns Deutschen meint und das Wort sich erfüllt hat, das Rudolf Heß in den kritischen Augusttagen in Graz sprach:Wir haben den Glauben, daß der Höchste mit Deutschland ist und mit seiner gerechten Sache. Denn wir haben den Glauben, daß der Höchste den Führer gesandt hat zur Rettung aus tiefster Not. Indem wir zum Führer stehen, erfüllen wir den Willen dessen, der uns den Führer gesandt hat." Und in der Tat nie­mals vorher hat das deutsche Volk stärker die un­auflösbare Verbundenheit mit feinem Führer emp­funden, niemals vorher hat es sich so vollkommen eins mit ihm gefühlt und niemals vorher hat es stärker in sich den unbeugsamen Willen gespürt, mit ihm diesen Kampf zu bestehen, der um nichts anderes geht, als um die Freiheit der Nation und die Sicherung der Zukunft des ewigen Reiches der Deutschen.

Das lähmende Entsetzen, das im ersten Augen­blick alle gepackt hielt vor dem kaum Faßbaren der Münchener Schreckenstat, ist flammender Empörung über die Ruchlosigkeit des Anschlages gewichen und die Frage nach den Urhebern dieses zynischen Ver­brechens will nicht verstummen. Niemand in aller Welt wundert sich, daß die Augen des deutschen Volkes immer wieder herüber nach England gehen und die Fragen sich immer mehr zu furcht­barer Anklage verdichten. Denn die Mordbuben, die die Höllenmaschine gefertigt und im Bürgerbräu- keller von langer Hand jene Explosion vorbereitet haben, die Adolf Hitler und mit ihm die führenden Männer der Bewegung und des Staates in die Luft sprengen sollte, können ja nur gedungene Werkzeuae gewesen fein, wie man sie gegen klin­genden Lohn unter dem Abschaum der Menschheit immer und überall au finden vermag. Die alte Frage lautet:Cui bono , wem zum Nutzen konnte die Beseitigung des Führers fein in diesem Augenblick, wo das deutsche Volk in einem Kampf auf Leben und Tod steht? Wer hat seit Jahr und Tag diesen Kampf in schrankenloser Hetze ganz auf die Person des Führers zugespitzt? Sind es nicht immer die gleichen Kreise der britischen Plutokratie gewesen, die mit den niedrigsten Mitteln der Lüge und Ver­leumdung ihren Kampf gegen Deutschland und sei­nen Führer betrieben haben? Unterirdisch, solange sie noch hoffen dursten, das deutsche Volk in seinen ihm in Versailles geschmiedeten Fesseln halten zu können, und dann mit immer skrupelloserer Offen­heit, als das Wiedererstarken Deutschlands unter

nes Volkes bewahrt hat. Um so schlimmer ist das Verbrechen, das jedes menschliche Gefühl beleidigt, um so größer ist die Verwünschung jedes ehrlichen Menschen der ganzen Welt und besonders der Fa­schisten, die die Freundschaft des Führers für Ita­lien und für den Duce kennen und die historische Größe seiner Persönlichkeit ermessen. Die Italiener verurteilen das abscheuliche Attentatcheglückwünschen Hitler für die bestandene Gefahr und nehmen soli­darisch an der Trauer des deutschen Volkes für die gefallenen Anhänger teil."

Im übrigen befaßt sich die Presse eingehend mit allen Einzelheiten und Begleitumständen des An­schlages. Ausführlich werden nach den Veröffent­lichungen der deutschen Presse die Vermutungen besprochen, die gehegt werden über die Anstifter des furchtbaren Anschlages. Es wird hervorge­hoben, daß die Mehrzahl dieser Stimmen den englischen Geheimdienst als Urheber des Attentats vermutet. Ausführlich unterstrichen wird auch in den großen Schlagzeilen der römischen Presse diese gegen den englischen Geheimdienst ge­richtete Anschuldigung sowie die von der deutschen Polizei bereits festgestellte Tatsache, daß die auf­gefundenen Spuren ins Ausland führen.

Unveränderte Lage im Westen

Der Heeresbericht vom Samstag.

Berlin. 11. November. (DNV.-Funkspruch.) Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt:

3m Westen schwache Spähtrupp- und Artillerie- Tätigkeit. Ein französischer Fesselballon wurde bei kolmar durch ein deutsches Jagdflugzeug a b - geschossen.