Ausgabe 
11.10.1939
 
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A msterd am, 10. Okt. (DNB.) Ministerpräsi- dent General Smuts hat es mit feiner Krieas- erllarung an Deutschland fertiggebracht, daß zwei der politischen Führer der Südafrikanischen Union, die bisher Gegner waren, Freunde wurden: Gene­ral Hertzog, der bis Anfang September d. I. Ministerpräsident war, und Dr. Mal an, der nationale Oppositionsführer. Beide treten für die Neutralität Südafrikas ein. Als äußeren Leweis für die nunmehrige Freundschaft zwischen diesen beiden Politikern versammelten sich in diesen

' M: Tagen, wie der AmsterdamerTelegraaf" berichtet, reism^ 5060 QOO Afrikander vor dem im Bau befindlichen enN Loortrekker-Denkmal in der Nähe von Pretoria. Dr. Malan brachte dabei zum Ausdruck, Nlntril daßS der Wunsch der Afrikander fei, der Re- seity gierung Smuts ihre Unterstützung nicht zu geben, solange sie ihre Kriegserklä- ning an Deutschland aufrecht erhalte. Alle Afri­kander strebten vielmehr nach derA b s ch ü t t e - !un$ d e s britischen Jochs". General Hertz o g sagte, er habe sich eigentlich aus dem politischen Leben zurückziehen wollen, doch die jüng­sten Ereignisse hätten ihn zu der Ueberzeugung ge­bracht, daß er d e n Kampf f o r t s e tz e n müsse. Lieser innere südafrikanische Kampf könne zwei, röer auch fünf Jahre währen. Er werde jedoch den Lest seines Lebens dem Afrikandervolk schenken.

Dr. Malan sagteJetzt kommt General Smuts jur Behauptung, Deutschland habe die Absicht, die ranze Welt zu beherrschen. Dabei geht es um Pro­paganda, wie wir sie auch im Weltkrieg zekannt haben. Ich frage: Ist das deutsche Auf- rckn nicht immer von zwei Gedanken beherrscht Mesen, 1. wiedecherzustellen, was mit dem Frie­sen von 1919 geraubt wurde, und 2. alle in einem Keich zu vereinigen, die zum deutschen Volke ge­hören und die die deutsche Sprache sprechen. Für

. MM nicht lieber tun solle und wolle, bevor Mil- onen von Menschen Blut und Leben für ein llchts hatten lassen müssen. Bemerkenswert, daß Professor Joad nur zwel Hindernisse sieht: die ver- mgmsvolle englische Blankovollmacht an Polen nd die Aufstellung unmöglicher Vorbe- ^^XrÄbet5 polnischenfait accompli. ludere foI4ßr Briefe fragen, wieso mankein Äer- Kuen zu Hitler haben wolle; ob etwa die Benesch M Beck, diese Verführer und Vernichter ihrer ^^^^aaten, vertrauenswürdiger seien? Ganz ausdrücklich gegen das Schlagwort vomHitleris- U1 '.'Spectator" der bekannte " lk^liche I. C. Hardwlck und sagt für den Fall M^V0rCkU5u ba6 England und Frankreich selb st sich dem Hitlensmus, will sagen aner französischen oder englischen Abwandlung des Ij zatwnalsoMismus wurden zuwenden müssen, da Ne vergreisten Demokratien des Westens auf die Dauer emem ernsten Wettbewerb mit dem jungen I Mionalsozialismus nicht gewachsen sein wurden, i a9L *51cfeJ SuJJjnften aus geistig führenden * $e,^en Englands nicht eine einzige, die gegen die Zuhrerrede und für deren Ablehnung wäre

Dennoch wäre es sehr verhängnisvoll, sich da- Nirch zu einer faljchen Einschätzung der englischen Gegenkräfte verführen zu lassen. Die mt dem Weltjudentum verfilzten englischen Kriegs­hetzer und die judenhörige Presse haben drüben die Hirne so vergiftet, daß immer noch die kriegshetzerischen Stimmen überwie- ^ran muß sich also begnügen, die herrschende Zwiespältigkeit festzustellen, durch welche der deullchfeindliche und selbst kriegshetzerischeDaily Heralü sich gedrungen fühlt, dringliche Beschwö­rungen an diePazifisten" zu richten, doch nicht für einenFrieden um jeden Preis" und für eine bedingungslose Uebergabe" einzutreten. Wir no° brren dies wir notieren jenes. Wir schauen zu und lassen den Engländern Zeit, klar über sich und ihre verhängnisvolle Verantwortung vor der aan/en »lt,zu werden. Worte -nieFrieden um H Preis und roieUedergabe" sind nicht unser« Worte.

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M Hüdafrikanische Krönt gegen M Englands Krieg.

"Alle Afrikander für Abschüttclung

is ä des britischen Joches."

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12. Fortsetzung.

(Nachdruck verboten.)

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Jor grob und unverschämt. Dabei habe ich seiner siini vor zwei Jahren das Leben gerettet und die Behandlung geschenkt. Wie undankbar manche Leute

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Roman von Walther filoopfer (opfltiflht öfl Hari vnnlker vertag - Berlin w ss

»Dintler dürfen Sie nicht ernstnehmen; diesen kennt doch ganz Eschelbrunn."

»Schon. Aber ein Mückenstich ist es doch, und der uyhat so viele Mückenstiche. Manchmal möchte ich 'Ws hinwerfen", seuft Dr. Severin.Meine Ner- ,en sind so ziemlich alle. Dann wird man launisch ln& ungerecht. Auch gegen Sie war ich nicht irm n<r, wie ich sollte. Sie dürfen das nicht so tragisch fernen."

bestimmt nicht", erwidert Nikotine ruhig. Sie st roll Glück. Noch nie hat Dr. Severin so eine 'W Rede an sie verschwendet.Die Post kommt!

w Postbote bringt u. a. einen eingeschriebenen . Brief von Friedrich. Wenn in Eschelbrunn einer andern Briefe schreibt, so ist das ein betont Mmndlicher Akt. Wenn diese Briefe bann gar S eingeschrieben sind, so ist das offene Kermpf- Ma^e. Unbehaglich greift Severin nach dem Kuchem 1 Wx und liest;

Mich hat er noch nie eingeladen, denkt Nikoline nit leiser Bitterkeit.Werden Ihnen die vielen Moffeln nicht über?"

|l!Kartoffeln kann man immer essen. Bei mir ist !s Macht der Gewohnheit; mein Vater war Bries- l Mger und hatte sieben Kinder. Wundern die Kar- ioiftln Sie jetzt noch? Was ich noch sagen wollte die sind zu fleißig. Fräulein Ferber, Sie machen sch kaputt."

"Sie übertreiben", lächelt Nikoline.

^,Seit Sie hier sind ist alles wunderbar in ° 5hvung. Ich wollte Ihnen schon längst meine An- Kennung aussprechen. Auch die Kinder hängen an Itonen. Hoffentlich bleiben Sie recht lange bei uns, tor haben Sie andere Pläne?"

- ,Lch? Nein. Nicht im mindesten."

»Sehen Sie, gerade so ein Arzthaus braucht einen Öen Geist, ein Hausmütterchen. Es gibt so viel wer mit der Praxis. Vorhin war wieder dieser ,uei(» Binder da und wollte eine Rente. Kann ich das X ' ^antworten, wenn dem Mann nichts fehlt? Er

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, Daladier

sprach über den französischen Rundfunk.

P a ri s, 11. Okt. (DNB.) Der französische Mini­sterpräsident Daladier hielt am Dienstagabend eine Rundfunkansprache an das französische Volk. Er sagte, unter Hinweis auf die Tatsache, daß sich Frankreich im Kriege befinde, sei es notwendig, über alle militärischen Operationen zu schweigen. zTber es sei natürlich, daß das französische Volk über die Ideen und die Entscheidungen der Negie­rung, vor allem was die internattonale Lage an- lange, in .Kenntnis gesetzt werden wolle.

Nachdem Daladier in der von der französischen Publizistik gewohnten Weise die angeblichen Kriegs­erfolge der französischen und englischen Stteitkräfte mit ebenso pachettschen wie überheblichen Worten nachzuweisen versucht hatte und seinem Aerger über die deutsche Propaganda zur Aufklärung des fran­zösischen Volkes Ausdruck gegeben hatte, sprach er oon der Brüderlichkeit, die sich im französischen -oolf gezeigt habe, und von der Hoffnung, daß die jetzigen schweren Prüfungen überstanden und die Gefahren überwunden werden ^können. Die Fran­zosen seien freie Menschen, so erklärte Daladier werter, und fähig, ihr Wort zu halten. Weder Frankreich noch Großbritannien seien in den Krieg gegangen, um einen ideologischen Kampf auszu- fechten. Sie feien auch nicht von Eroberungsgeist beseelt, sondern seien gezwungen worden, mit Deutschland zu kämpfen, weil Deutschland wie r sich ausdrückte dieHerrschaft über Europa" aufrichten wolle.

Zur Führerrede übergehend sagte Daladier, man spreche jeßt von Frieden. Der Führer habe gesagt, man solle eine Konferenz einberufen, die den Frieden organisieren solle Aber die Ereignisse der letzten zwei Jahre hätten Fr a n k-

reich immer wieder enttäuscht.Wir haben immer gewünscht und wünschen auch weiter", so fuhr Daladier fort,eine aufrichtige Zusammen­arbeit und eine loyale Entente zwischen allen Völ­kern. Aber es ist u n m ö g l i ch zu denken, daß man s i ch einem Diktat unterwerfen soll. Wir verlangen daher jetzt eine Sicherheitsga­rantie, damit nicht wieder nach sechs Monaten alles umge stoßen wird."

Will man einen stabilen Frieden haben", so er­klärte Daladier weiter,so muß in Betracht gezo­gen werden, daß die Unabhängigkeit der Nationen durch gegenseitige Garan­tien sichergestellt werden muß. Das würde jede Ueberraschuny ausschließen. Wir Franzosen wünschen ein oon jeglichen Drohungen der Vorherr­schaft aller befreites Europa. Wir werden solange kämpfen, bis wir eine endgültige Garantie der Sicherheit erhalten haben." Der einfachste franzö­sische Soldat lege sich Rechenschaft ab über die Ge­fahren, die eine vorzeitige Demobilmachung mit sich bringen würde, wenn nicht garantiert werde, daß er nicht schon in wenigen Monaten wieder zu den Waffen gerufen würde, und das wäre dann mit unendlichen neuen Schwierigkeiten verknüpft. Man müßte dann alles von neuem organisieren und den Schutz Frankreichs von neuem aufbauen.

Daladier schloß seine Rede, indem er allen Tat­sachen zum Trotz behauptete, daß die französische Regierung alles getan habe, um den Frieden zu retten, und indem er sich mit pathetischen Worten an die französischen Soldaten wandte,, die er auf» rief, eine wie er sich ausdrücktegerechte Sache" bis zum Ende zu verteidigen.

einen Afrikander ist das kein Gedanke, der adzu- lehnen ist. Dieser Wunsch ist natüri'ich. Unter die­sen Umständen, uns zu bitten, unser Blut für Danzig und den Korridor zu opfern, ist zu viel von Südafrika verlangt. Gin derarttger Krieg ist nicht eine Kugel aus einer afri­kanischen Flinte und nicht einen Tropfen Blut eines Südafrikaners Wert. Man hat hier gesagt, Südafrika sei moralisch verpsiichtet, an der Seite Englands zu kämpfen. Wir reden hier von Freiheit, wenn das aber so ist, dann sind wir ein Land von Sklaven. Jenes Argument ist nichts anderes als eine Unterminie­rung unseres Unabhängigkertsstatuts.

Südafrika lehnt gemeinsame Fliegerausbildung ab.

London, 11. Okt. (Europapreß.) Luftfahrtmini­ster Sir Kingsley Wood gab der englischen De ff ent* lichkeit einen Rechenschaftsbericht im Rundfunk. Der Minister mußte im Verlauf feiner Ausführungen zugeben, daß die südafrikanische Regierung sich ;e weigert habe, sich an einer Gemein- chaftsausbildung der südafrikanischen Luft- treitkräfte zusammen mit denjenigen aus den übri­gen Dominien und aus England zu beteiligen. Die südafrikanische Union ziehe es vor, ihr Luft- waiffenpersonal in Südafrika auszubilden. Während Sir Kingsley Wood eingehende Ausfüh­rungen den Flieger-Konttngenten widmete, die die einzelnen Dominien für England stellen sollen, wußte er von einem südafrikanischen Fliegerkontin­gent für die europäische Front nichts zu berichten. Lloyd George gründet einen »Ausschuß für Friedensaktion".

London, 11. Okt. (Europapreß.) Der ehemalige Ministerpräsident LloydGeorgehat einenAus­schuß für Friedensaktion" gegründet und diesen für den kommenden Donnerstag zu einer Sitzung in London zusammenberufen. An dieser Sitzung werden Angehörige des Ausschusses aus ganz England teil­nehmen. WieUnited Preß" meldet, hat Lloyd George die Absicht, feine Ansichten über eine sofor­

tige Einberufung einer Konferenz zur Erörterung der Friedensvorfchläge näher auseinanderzusetzen. Lloyd George soll mit dieser Sondersitzung einen Feldzug gegen die Träger der Ansicht einesKrieges um jeden Preis" beginnen wollen.

Neuer Schwindel des englischen Lügenministenums.

Berlin, 10. Okt. (DNB.) Das englische Lügen- ministerium hat sich zur Verwirrung der öffentlich en Meinung einen neuen infamen Schwindel ausgedacht. Durch die Agenten des Secret Service läßt es in der ganzen Welt das Gerücht verbreiten, daß die englische Regierung zurückgetreten und einW a f f enst ill- stand" mit Deutschland abgeschlossen sei. Dieses Gerücht soll, wie jedermann sofort feststellen wird, nur dazu dienen, d i e Völker in Unruhe zu versetzen, in der es der Lügenpolitik der eng­lischen Kriegshetzer um so leichter möglich würde, ihre dunklen Pläne zu verfolgen. Es muß demgegen­über mit aller Klarheit festgestellt werden, daß an diesen Gerüchten kein wahres Wort ist.

*

Es ist schon wiederholt festgestellt worden, daß man sich in den westeuropäischen Kriegszentralen bemüht, die Stimmung in den neutralen Ländern dadurch in Verwirrung zu bringen, daß man Ge­rüchte auf eine schwer kontrollierbare Weise in die Welt setzt, beispielsweise durch Mißbrauch fremd­ländischer Rundfunkwellen und dergleichen. Auch in dem oben erwähnten Fall handelt es sich um einen Versuch westlicher politischer Börsenjobber, die durch die Führerrede geschaffene Klarheit der Atmosphäre durch allerlei Gerüchte und scheinbare Friedens­parolen zu verdunkeln und unterdessen die eigenen unsauberen Geschäfte vorwärts zu treiben. Man braucht demgegenüber nur einmal die Frage auf­zuwerfen, wer denn eigentlich solche Gerüchtemache­rei so nötig hat, wenn man sogar zu derartigen Mätzchen greift, die sich jederzeit sofort nach prüf en lassen. Es zeugt jedenfalls nicht von großer Selbst­sicherheit, wenn man feine Zuflucht zu Aus­streuungen nimmt, die den Stempel der Unwahrheit

Oer französische Bauer.

Jene Kräfte die die Völker gegeneinander Hetzen» haben es verstanden, schon vor Wochen die Deutsch-Französischen Monatsheft e* in Frankreich zu verbieten, obwohl darin seit Jah­ren die hervorragendsten Vertreter Frankreichs zir Wort kamen. Das August-Septemberheft fährt trotz­dem fort, Brücken der Verständigung zu schlagen^ Wir finden darin u. a.Gedanken über das Bauern­tum" von Dr. Maurice Boigey, die wir heute mit ganz besonderen Empfindungen lesen. Der Verfasser weist darauf hin, daß das Bauerntum in Frank­reich mit 3,5 Millionen Familien mehr als dis Hälfte der französischen Bevölkerung ausmacht, daß es aber in einem Parlament mit 600 Abge­ordneten kaum ein Dutzend bäuerliche Ver­treter gibt. Diese Bauern aber wären die ersten, die sich mit den Bauern jenseits des Rheins ver­ständigen könnten:Das Herz aller Bauern, der französischen und deutschen, und das Herz der Erde schlagen gemeinsam, mit gleichgestimmtem Rhyth­mus. Im Westen wie im Osten des Rheins be­stimmt und regelt die Liebe zur Scholle dies Ver­halten. Hier wie dort waltet ein gesunder, kerniger Realismus über den Dingen des Lebens. Die Land­leute, mögen sie aus der Becmve oder aus Pom­mern stammen, haben die gleiche Liebe zum Sprich­wort und eine Ausdrucksweise, wie sie nur den Bauern aller Länder und Zeiten eigen ist. Hier wie dort ist die Landwirtschaft Freundin der Ord­nung und des Friedens. Diesseits und jenseits des Rheines herrschen heute Doktrinen, welche scheinbar unversöhnlich sind. Aber die Bauern aller Länder haben ein Gemeinsames: den Boden. Durch ihrs gleiche Arbeit, ihre gemeinsame Mutter, die Erde, herrscht zwischen ihnen eine viel festere Brüder­schaft als unter anderen Menschen. Wenn sie zu­sammenkommen, verstehen sie sich sofort. Sie finden den Weg zueinander, weil ihr tägliches Leben über­all das gleiche ist."

Wir wünschen, daß der französische Verfasser Recht behalte, wenn er schließt:So wird auch wahrscheinlich am Widerstand der Bauern jeder Ansturm der Kräfte der Zerstörung, woher sie auch immer kommen mögen, zerbrechen. Die Seele des Bauern ist friedliebend und klar; sie verabscheut Unordnung und Katastrophen. Vielleicht ist- der Augenblick gekommen, da die Bauern wieder ein­mal die Kultur retten müssen. Die sog. überlegenen Geister, die ihnen nichts weiter zugestanden haben, als das bloße Recht physisch zu existieren, fangen an, in ihnen die Retter der Volksgemeinschaften zu sehen. Die Seele des Bauern ist unzerstörbar.".

für jedermann erkenntlich tragen. Jedenfalls hat nicht Deutschland solche armseligen Mittelchen nötig, das heute in seiner ganzen imponierenden Stärke mit der Ruhe des Siegers dasteht, nachdem infolge der blitzschnellen Beendigung des Feldzuges in Polen alle feine Kräfte für eine etwaige Entschei­dung im Westen frei geworden sind.

(Spielraum

für eine Vermittlung "

Genf, 9. Okt. (Europapreß.)Spielraum für eine Vermittlung", so wird die augenblickliche Lage in den diplomatischen Kreisen Genfs seit der Führer-Rede bewertet. Man hört nicht selten die Aeußerung, daß seit der großen Reichstagsrede eine Pause eingetreten sei, von der man nicht wisse, ob sie als Auftakt zu einem schnellen Schlußakt der Verständigung sei oder Zwischenspiel zu dem wirk­lichen europäischen Konflikt, der bis jetzt ja eigent­lich noch gar nicht ausgebrochen sei. In den neutra­len Kreisen, die mit ihrer Meinung nicht zurückhal- tcn, hort man des öfteren, daß dieser Fall der Ver­söhnlichkeit von der einen kriegführenden Partei, wie die Rede Hitlers, die ganz ohne Drohungen war, es ja gezeigt habe, Vorgelegen habe. Jetzt warte man auf London und Paris.

Herr Dr. Franz Severin, prüft. Arzt, dahier!

Sehr geehrter Herr, zu meinem Erstaunen ist diesmal die Zinsrate in Hohe von Mark 1500. noch immer nicht in meinen Händen, trotzdem sie bereits am 1. Dezember vorigen Jahres (!) fällig war. Zwecks Vermeidung oon Unannehm­lichkeiten und Weiterungen ersuche ich daher höf­lich um alsbaldige Glattstellung Ihrer Derpftich- tuna, um so mehr, als am 1. Juni bereits die zweite Jahresrate fällig wird. Mit vornüglicher Hochachtung Vitus Friedrich."

Da haben wir den Salat!" sagt Severin be­stürzt.Wo dieser Drang nur die geschwollenen Phrasen- herhat. Zwecks und Mark 1500. und Glattstellungen. Lesen Sie mal, Fräulein Ferber." Haben Sie ihm denn letzthin die Abzahlung nicht geschickt?"

Dr. Severin sieht schuldbewußt aus.Da war dieser Höfling bei mir und hat mir von seinen Kühen vorgejammert ..."

Sie haben Höfling natürlich ausgeholfen?"

Es war eine Dummheit von mir, ich weiß schon. Zanken Sie nicht, Fräulein Ferber."

Sie find viel zu gutmütig", tadelt Nikoline streng, aber ein heißes Gefühl für dieses große Kindwesen durchströmt sie. Selber im Druck sitzen und ausborgen das ist echt Severin. Sie liebt ihn in dieser Minute stürmisch.Haben Sie Fried­rich wenigstens eine Entschuldigung geschickt?"

Da war die Operation und dieses Durcheinander mit den Kassenabrechnungen, ich habe es von einem Tag 3um andern verschoben, und schließlich habe ich es vergessen. Es ist schrecklich mit mir."

Konnten Sie vielleicht von der Bank ...?" Ich habe augenblicklich kein Geld auf der Bank, erklärt Severin verschämt.Das Krankenhaus hat zuviel verschlungen. Ihnen kann ich es ja sagen. Dierzigtausend Mark stecken darin. Die Mitgift meiner Frau, meine Ersparnisse, alles."

Und dieser Teufelsbau rentiert sich nicht! Soviel kapiere ich auch."

Das, und dann die letzten Jahre. Die Praxis geht zur Not, aber man bekommt nichts herein. Bisher habe ich mich so durchgesrettet, ein Loch zu, bas andere auf. Aber jetzt weiß ich überhaupt nicht mehr, woher ich das Geld nehmen soll", sagt er stockend. Es wird ihm gar nicht bewußt, wie treu- herzig er seine Sorgen oor diesem immerhin frem- den Fräulein Ferber ausbreitet. Er hat einfach Ver­trauen zu ihr und handelt demgemäß. Denn sonst ist er keineswegs redselig und eher zugesperrt.

Nikoline sieht wie ein bekümmertes junges Frau­chen drein, das mit dem Wirtschaftsgeld nicht flu-,

rande kommt. Sie hat eine Kattunschürze an, mit vielen kleinen roten Herzen darauf. Sie stochert mit dem Messergrift in ihrem Haar und denkt ange- ftrenft nach.

Wir müssen Rechnungen ausschreiben, ft ar. Wir müssen Dampf dahinter machen und den Brüdern mit dem Rechtsanwalt kommen. Da ist auch noch diese Schauspielerin drüben. Wie lange dauert es bei der noch?"

Acht Tage schätze ich."

Wird das zusammen reichen?"

Leicht wenn die Leute zahlen."

Wir müssen sehr energisch sein. Keine Bange, ich verstehe Sie schon. Ich meine, nur bei denen, die können und nicht mögen. Da ist zum Beispiel der Bauer Honold. Hat vorige Woche seinen Stier verkauft. Haben Sie GeD gekriegt? Na also! Dann die Bäckerin Silberhorn. Wozu braucht die einen Mantel um 85 Mark, wenn der alte noch ganz gut ist? Die Kinder oon Lechners laufen tagaus tagein mit Schleckereien herum. Wäre es nicht angebracht, zuerst mal an den Doktor zu denken? Unb solche weiß ich noch einen Hausen." 1

Das gibt eine Revolution, Fräulein Ferber", stöhnt Severin.

Dann eben Revolution. Wir werden sie über­leben. Sie haben die Leute zu schlecht erzogen, ver­zeihen Sie. Wo anders müssen Sie auch bezahlen. Weil wir schon mal beim Ausräumen sind da ist auch noch dieser Parsunke! Lungert nur herum, dem seine Schliche habe ich heraus, und kostet Sie eine Masse Geld. Sie schenken zu viel her, Herr Doktor."

Dr. Severin ist, das darf man wohl sagen, ein tüchtiger Arzt. Aber er hat seine Schwächen. Schrei­berei zum Beispiel ist ihm ein Greuel. Er vergißt, Besuche zu notieren, die er gemacht hat; er vergißt Medikamente aufzurechnen, und ist auch nicht sehr pünktlich mit seinen Ka ss e n ab re chnun ge n, was zu unliebsamen Auseinandersetzungen und Geldstrafen führt. Kurz, er ist ein guter Arzt, aber ein schlech­ter Geschäftsmann, eine Eigenschaft, die er mit vielen seiner Kollegen teilt. Darum ist es Nicht verwunderlich, wenn manche Pattenten das aus­nützen und mit ihm Schindluder treiben.

Und einen Brief an Friedrich! Den zu aller­erst", bohrt Mkoline. Sie legt ihm Papier zurecht, drückt ihm die Feder in die Hand und läßt nicht nach, bis Severin den mit einer höflichen Entschul­digung beginnenden und mit einer glaubhaften Ver­tröstung endigenden Brief fertig hat. Sie will sich keine Rechte anmaßen, das liegt ihr fern, aber sie

empfindet ganz richtig, daß hier eingegriffen und gehandelt werden muß. Sodann geht Severin ins Krankerchaus, um sich diesen Parsunke vorzuknöp­fen. Unterwegs hält ihn Oberlehrer Weinzierl an.

Sie, ich habe mich nach diesem Fräulein Fabri erkundigt", beginnt Weinzierl.Das ist die Enkelin von dem großen Maler Steinacker. Von dem BiDer in der Neuen Pinakothek hängen. Die Familie ist geadelt, ganz vornehm und spielt in München eine bedeutende Rolle. Man muß Komtesie zu ihr sagen. Die Großmutter, eine geborene Farinetti, lebt noch. Nächstens soll Ihre Patientin in einem fabelhaften Film auf treten.Die Dubarry" heißt er. Ich habe das alles von einem Bekannten in der Stadt. Auch einen Film bekommen wir her, in dem sie mitwirkt. Aber ich will Sie nicht aufhalten. Lassen Sie sich doch mal abends wieder sehen, Sie machen sich ja schrecklich rar."

Severin verspricht das. Also eine feine Nummer ist das, denft er, während er dem Krankenhaus zu­strebt. Ich werde aber trotzdem nicht Komtesse sagen. Die Fabri ist ganz anders wie die Frauen, die er kennt. Reizvoller, erregender; man muß sich vor Dummheiten hüten.

.Lieber Parsunke, die schonen Tage von Aran- fuez sind jetzt vorüber. Sie sind geheilt. Operieren wollen Sie sich auch nicht lassen. Morgen, denke ich, greifen wir zum Wanderstab", überrumpelt er den Landstreicher.

Aber wenn ich doch noch nicht gesund bin!" Par- sänke ist um Hochdeutsch bemüht, nur auf der Land­straße und vor Kumpanen läßt er sich gehen.

So? Was fchlt Ihnen beim heute wieder?"

Ich hab's im Darm."

Für Ihren Darm gfb es nichts besseres als frische Luft und Bewegung", erklärt Severin lieb­los.Glauben Sie mir. Aufrichtig gestanden, Sie find mir zu kostspielig, fieber Mann."

Ich gehe nicht, ich bin noch nicht geheilt", bockt Pars unke.

Das werden wir schon sehen, mein Freunder!. Für verzweifelte Fälle ist der Hausmeister da. Haben Sie sich dem seine Muskeln mal ange­sehen?"

Er läßt den verdutzten Parfunke einfach stehen. Dieser bleibt gehässig zurück und murmelt:Wat? Mit Ra us schmeiß en kommt der mir? Wo ick mir so jut eingelebt habe hier?" Er lacht höhnisch.Wenn dieser rabiate Salbenfritze wüßte ..."

(Fortsetzung folgt)