Wenn -ie Zähne vorzeitig ausfallen...
Klima und paradentose. - Dorbeugen ist besser als heilen. Der Mensch braucht ein gesundes Gebiß.
Ist der Mensch der Gegenwart noch so gesund, wie seine Vorfahren, die vor vielleicht tausend Jahren lebten? Wenn man heute die Zahl der Krebs- rkrankungen, der T u b e r k u l o s e f ä l l e getrachtet, so könnte das dazu verleiten, die Frage 11 verneinen. Aber früher starben zahlreiche Menschen n Krankheiten, die nicht richtig erkannt, und des- alb auch nicht als zu dieser oder jener Gruppe gehörige aufgesührt wurden. Außerdem starben sie im Durchschnitt alle erheblich früher, wodurch die Sta- istik eines Vergleichs zwischen der 5)äufigfeit des lluftretens einer bestimmten Krankheit einst und stzt wiederum verfälscht wird. Wir wissen heute mit Zestimmtheit, daß der Gegenwartsmensch an Lebenskraft seit tausend oder noch mehr Jahren nicht :-.as geringste eingebüßt hat, daß er anlagemäßig d gesund ist wie ehedem.
Er tut heute nur eines: er schafft sich mehr Drankheitsmöglichkeiten durch ungesunde Lebensge- isohnheiten. Solche Gewohnheiten führen u. a. auch ui einem stärkeren Auftreten der großen Volks- ^ankheit, die durch vorzeitiges Ausfallen !er Zähne, durch das krankhafte Zurückgehen i3)n Knochensubstanz, Bindegewebe und Zahnfleisch les Zahnhalteapparates gekennzeichnet ist, und die 7ian als „P a r a d e n t o s e" bezeichnet. An sich hat 65 Zahnbettschwund, vorzeitiges Ausfallen der Zcih- also Paradentose ebenso wie Zahnfäule oder !>aries immer schon beim Menschen gegeben, sie ist um Teil sogar erbbedingt! Aber ihre Häufigkeit it ganz verschieden.
fung von Zahnstein kann zu Paradentose fuhren. Das Zahnfleisch entzündet sich dabei, die Entzündung wandert vom Zahnfleisch zum Knochen, dieser wird zerstört, der Zahn verliert seinen Halt und fallt aus. Eine schlechte Blutoersorgung des Kiefers und Zahnsystems durch eine krankhafte Veränderung der feinen Blutgefäße kann ebenfalls Paradentose zur Folge haben. Auch einseitige Ernährung, z. B. das Fehlen des vor allem im Gemüse enthaltenen Vitamin C, das ja auch das Antiskorbut-Vitamin heißt, wird als Ursache bezeichnet, wenn auch auf der Tagung der Ernährung bei Paradentose nicht die überragende Rolle zu- gesprochen wurde, wie das bei vielen anderen Krankheiten der Fall ist.
Auch das Zahnsystem
braucht sein Training.
Ausschlaggebend für den Erfolg einer Paradentosebehandlung ist, daß sie so frühzeitig wie möglich in Angriff genommen wird. Wenn ganze Zahnreihen wackeln, wenn der Betreffende sie mit der Zunge berührt, ist es zu spät. Ist der Lockerungsgrad noch nicht sehr stark, so gelingt es fast stets, durch einen Metallbügel den Zahn zu befestigen, ihn vom Kaudruck zu entlasten, bis er sich nach seiner Umstellung der Lebensweise des Patienten wieder gekräftigt hat. Während man noch vor
wenigen Jähren eine Heilung bei Paradentose als aussichtslos betrachtete, gelingt es heute immer häufiger selbst bei erblichen Krankheitsfällen das Gebiß auf lange Zeit hinaus gebrauchstüchtig zu erhalten. Wichtiger als alle lokalen Maßnahmen und als die Behandlungsmethoden, die sich hauptsächlich von einer Aenderung der Lebensgewohnheiten und einer Ernährungsumstellung das Heil versprechen, ist die Vorbeugung, die beim Kinde beginnen muß.
Das Daumenlutschen der kleinen Kinder beeinflußt oft den noch formbaren Kiefer so ungünstig, daß die Zähne später schief stehen und beim Kauen dann einseitig belastet werden, was zum Ausbruch einer Paradentose führen kann. Sowohl der Erwachsene wie das Kind müssen ihren Zahnhalteapparat ständig in Hebung halten. Man hat bei Säuglingen, die künstlich ernährt wurden, festgestellt, daß sie um 50 v. H. weniger Kieserbewegungen ausführen als Altersaefährten, die von der Mutter gestillt werden. Ein solches Kind kann nie einen gesunden, widerstandsfähigen Zahnhalteapparat ausbilden. Es ist von vornherein für Paradentose disponiert. Wer schon lockere Zähne hat, kann sich neben der unbedingt notwendigen ärztlichen Kontrolle durch Selbstbehandlung ausgezeichnet helfen. Neben einer gesunden Ernährung können eine tägliche Massage des Zahnfleisches mit der Fingerkuppe, dreimaliges Bürsten mit einer harten Bürste und einer säuerlichen Zahnpasta, ihm selbst in Fällen das Gebiß erhalten, wo sonst in kurzer Zeit ein vollständiger Zerfall eintreten würde. Damit erweist man nicht nur seinem Aussehen, sondern vor allem der gesamten Gesundheit des Körpers einen unschätzbaren Dienst; denn ohne vollständige Zahnreihen ist eine geregelte Verdauung und damit eine richtige Nahrungsaufnahme und Verarbeitung nicht möglich.
Rifkabylen haben bessere Zähne ...
Wie Dr. H r u s k a (Mailand) auf dem VIII. In- irnationalen Kongreß für Paradentoseforschung in ireiburg berichtete, kann man in Nordafrika eine Msame Beobachtung machen. Fast alle Kabhlen s-fteuen sich selbst im höchsten Lebensalter noch V.-5 Glanzes eines vollständigen Gebisses, während Ise benachbarten Araber, die unter genau denselben tiebingungen leb eh, häufig schon in jüngeren Jcch- nn kaum einen Zahn mehr im Munde haben, luß aber die Paradentose nicht erst hervorgerufen rurde durch die Verweichlichung des Menschen in« flcje höheren Kultur- und Zivilisationsstandes, be- I2ijen Untersuchungen an Schädeln von Menschen br Jungsteinzeit und an Alemannenschädeln, bei innen auch schon Paradentose nachgewiesen werden turnte. Allgemein ist die Krankheit jedoch in frühen Zeitaltern bei den Menschen der nördlichen Steren Klimazonen bei weitem nicht so verbreitet iwesen, wie in den heißen südlichen Ländern; jiälte schützte offenbar vor Zah n au s- ill. Wie sehr Zahn und Kieferbildung übrigens im d i e Rasse gebunden ist, ynö wie ungünstig ich auch hier Rassenmischung auswirken, bewies (in anderes von Dr. H r u s k a angeführtes Beispiel: i n einer Studienreise nach Finnland stellt er fest, !iß dort häufiger als anderswo Menschen mit zu- ü?nig Zähnen zu finden sind. Es zeigte sich, daß b?s fast ausnahmslos Nachkommen aus Ehen Mchen hochgewachsenen nordischen Frauen und versetzten finnländischen Männern mit ostbaltischem (-mschlag waren.
Oie Ursachen der paradentose.
Wenn in Deutschland heute in vielen Fällen schon panzigjährige Menschen von Paradentose befallen jiäb, kennzeichnet dies die Notwendigkeit einer o gant fierten Bekämpfung dieser §2 u ch e. Noch ist man sich über die letzten Ent- slMNgsursachen des krankhaften Zahnausfalls nicht nilos im Klaren. Man weiß jedoch, daß er bei bin Menschen auftritt, die — auch ohne erbbedingte fiira'dentoseanlage — ihre Zähne unbewußt allzu ichen Belastungsdrucken aussetzen. Menschen, die b. Schreckvorstellungen nachts mit den Zähnen li.rschen, pressen dabei den Zahn, der wie mit üiunmibänbern in der Knochenhülse bes Zahnhalte- aiparates aufgehängt ist, so stark, baß der Halte- ciparat geschädigt Wirb. Auch anormale Anhäu -
Aus aller Wett.
Zum Flugkapitän ernannt
Der Wormser Flugzeugführer Ernst Seibert würbe vom Generalfeldmarschall Hermann G ö - ring zum Flugkapitän ernannt. Er erhielt gleichzeitig von Generaldirektor Dr. Koppen- b e r g die Goldene Junkers-Nadel. Flugkapitän Seibert hat zusammen mit seinem Kameraden Heintz zwei Weltrekorde auf Flügen zwischen Dessau und der Zugspitze errungen, die er über 1000 und 2000 Kilometer mit zwei Tonnen Nutzlast auf einem Junkers-Bomber aus führte.
600 Sack Zucker als deutsche Spende für Spaniens Sozialhilfe.
In Bilbao traf der deutsche Frachtdampfer „Las Palmas" ein, der als Spende des Deutschen Reiches 600SackZucker für die spanische Sozialhilfe an Bord hat.
Jenny ftammersgaarb zur zweiten Ostsee-Durchquerung gestartet.
Die dänische Schwimmerin Jenny Kammers- g a a r b , bie im vergangenen Jahr bie Ostsee von Dänemark nach Deutschland burchschwamm, ist am Mittwochabenb, 20 Uhr, in Darsser Ort zu einer Durchquerung ber Ostsee in entgegengesetzter Richtung gestartet. Ihr Ziel ist bas bänische Hafenstäbtchen Gebser. \
Gummiwarenfabrik in Bromberg eingeaschert.
In ber polnischen Gummiwarenfabrik „Siplo- nia" in Bromberg brach ein verheerendes Feuer aus, bas die ganze Fabrik einäscherte. Das Feuer' entstand durch eine Explosion in der flüssigen. Kautschukmasse. Ein Arbeiter wurde dabei schwer verletzt. Die Bemühungen der Feuerwehr waren 3um Scheitern verurteilt, weil es in ber ganzen Umgebung der Fabrik nicht einen einzigen Hydranten gab.
118 Iahre all geworden.
In Craiova (Rumänien) starb im Alter von 118 Jahren Frau Trana Eonstantinescu. Sie war 1821 geboren, hatte dreizehn Kinder, von denen noch fünf am Leben sind, außerdem über hundert Enkel und Urenkel. Sie ist während ihres ganzen Lebens nicht ein einzigesmal krank gewesen, sondern war bis zwei Tage vor ihrem Tode
munter und guter Dinge. Ihr Mann ist vor 23 Jahren im Alter von 95 Jahren gestorben.
Goldvorkommen in Spanien entdeckt.
Eine allem Anschein na'ch bedeutende Goldader ist bei Robledillo de Gata in der spanischen Provinz Caceres entdeckt worden. Die Goldader weist einen außerordentlich hohen Gehalt an reinem Gold auf. Der Gauleiter von Caceres hat sofort General Franco auf telegraphischem Wege Bericht erstattet. Dieser hat einen größeren Betrag für Forschungsarbeiten zur Verfügung gestellt und Techniker zur Prüfung des Goldvorkommens entsandt.
Kunst und Wissenschast.
OeutscheKuttursilm-ErfolgeinVenedig
Venedig, ll.Aug. (DNB.) Auf ber Internationalen Filmkunst schau kamen an den auf die Eröffnung folgenden beiden Spieltagen Frankreich, die Schweiz und die tschechische Produktion des Protektoratsgebietes mit Spielfilmen ZU Wort. Der französische Film „Hinter der F a s s a d e" (Derriere la Fagade) unter der Spielleitung von Mi ran de und Lacombe behandelt mit typisch französischem Geschick Vorgänge aus dem Leben des Alltags. Er fand eine recht gute Aufnahme. Mit dem Film „Das Gold in den Berge n") (L’Or dans la montagne) — Spielleitung Max Haussier — gab die Schweiz zu ernennen, daß auch die Filmkunst dieses kleinen Landes eine beachtliche Höhe erreicht hat. Hervorzu- heben sind die herrlichen Bilder von der Hochgebirgswelt. Eine starke Wirkung ging von den unter der Spielleitung von Ladislav Brom hergestellten tschechischen Film „Der Vagabund Macoum" aus. Auch ohne Uebersetzung des tschechischen Textes konnte man dem Geschehen mit der größten Selbstverständlichkeit folgen.
Sehr erfreuliche Leistungen zeigte der Kultur- film. Hier sind es wie in den vergangenen Jahren die deutschen Dokumentarfilme, die einen besonderen Platz einnehmen. Mit starkem Beifall wurde der herrliche Film „Flieger zur See" ausgenommen, der in unübertrefflicher Photographie ein fesselndes Bild von der Tätigkeit der deutschen Ma
rineflieger entwirft. In dem vom Propagandaamt der DAF. hergestellten Film „Schiff 754" wird das Entstehen des Urlauberschiffes „Wilhelm Gust- lofs" gezeigt. Hier spricht der Geist der Arbeit, der deutschen Technik seine machtvolle Sprache. Die herrlichen Kunstschätze Deutschlands allen zugänglich zu machen und gleichzeitig zu werben, liegt in der Absicht des schönen Films der Reichsbahnzentrale „Schatzkammer Deutschland". Hervorragender Photokunst gelang es, deutschen Kunstwerken eine Plastik zu verleihen, die immer wieder überraschte. — Städte und Landschaft Griechenlands hat sich der schweizerische Regisseur Fred Sur- v i l l e zum Gegenstände mehrerer Kulturfilme gewählt, von denen am eindrucksvollsten der Film von der Stadt Athen wirkte.
7000 deutsche Arbeiter erleben Bayreuth.
Bayreuth, 10. August. (DNB.) Die Festspielstadt Bayreuth steht in diesen Tagen im Zeichen der 7000 KdF.-Urlauber, die es Reichsorganisationsleiter Dr. Ley danken, daß ihnen dieses Kunsterleben zuteil wird. Die Teilnehmer sind aus allen deutschen Gauen zusammengekommen. Eine Anzahl von Reichsautobahnarbeitern ist gleichfalls unter den Festspielbesuchern. Ein besonderes Ereignis war das Werkkonzert, das in der Ludwig-Siebert-Halle 2500 Arbeitskameraden aus den Bayreuther Betrieben vereinigte, und das, von 7 Neichssendern übertragen, Millionen zum Kunstgenuß wurde.
Oie Feier am Tannenberg-Ehrenmal.
Hohen st ein, 10. Aug. (DNB.) In wenigen Wochen jährt sich die ruhmreiche Tannenbergschlacht zum 25. Male. Etwa 150 000 deutsche Volksgenossen werden für diesen Tag zum Staatsakt am Reichsehrenmal Tannenberg erwartet. Seit längerer Zeit ist in dem kleinen ostpreußischen Städtchen Hohen st ein die Aufmarschleitung bei der Arbeit, um einen glatten Verlauf des 27. August zu gewährleisten. Die etwa 150 000 Volksgenossen aus Ostpreußen, Teilnehmer der Tannenbergschlacht und die Soldaten der neuen deutschen Wehrmacht werden in 42 Sonderzügen nach Hohenstein herangeführt werden, andere kommen auf Last- oder Personenkraftwagen. Die Hitler-Jugend wird zu dem Staatsakt aus Ostpreußen etwa 20 000 Hitlerjunaen und BDM.-Mädchen in einem dreitägigen Radfahrmarsch nach Hohenstein führen.. Aus dem übrigen Reichsgebiet werden die Volksgenossen in 16 Sonderzügen zum Reichsehrenmal gebracht.
Der Staatsakt beginnt am Vormittag mit einer Kranzniederlegung im Reichsehrenmal, bei der die Fahnen der ehemaligen Schlachtregimenter von Tannenberg und ihrer Traditionsregimenter, sowie sämtliche Fahnen des I. Armeekorps einschließlich der Fahnen ber Luftwaffe und der Marine, ange». treten sein werden. Verdiente Offiziere und Mannschaften werden an dieser historischen Stätte eine besondere Ehrung erfahren. Nach der Kranznieder- legung marschieren die Fahnen und bie Ehrengäste auf dem großen Platz vor dem Reichsehrenmal', wo die etwa 150 000 Volksgenossen bereits zu dieser gewaltigen Kundgebung am Erinnerungstage der Schlacht von Tannenberg aufmarschiert find. Etwa 40 000 Schlachtteilnehmer werden an der denkwür- bigen Kundgebung teilnehmen, und der weite Platz wirb von 2500 Fahnen der Bewegung" umsäumt. Der Kundgebung schließt sich eine große Feldparabe an, an der sämtliche Waffen unb auch Verbände der Luftwaffe beteiligt sind.
Büchertisch.
— Carl Oskar Jatho: „Stromeinsamkeit und ein Menschenherz". Ein Dona u b u ch. Kleine Bücherei des Verlages Albert Langen/Georg Müller, München. Preis 0,80 RM. Wer das gesegnete Stromland der ins Reich heim- gekehrten Ostmark kennenlernen will, wird sich ihm, der uns kundig zu führen weiß, gern anvertrauen. Und so begleiten wir ihn denn von den Auen unb Wäldern ber jungen Donau bis hinunter in bie Wachau, durch Stromengen, an stillen Felbern, alten Städtchen unb Fünen Burgen entlang auf seiner stimmungsvollen Paddelbootfahrt unb werden rasch gut Freund mit ihm und mit der Land- schaft dieses alten deutschen Schicksalsstroms.
Hinter -en Kulissen
-es Puppentheaters.
Von Hans Brandenburg.
Mit dem Auto kommt das Theater angefahren, oh?r yicht mit einem Lieferwagen, sondern einem »gewöhnlichen Personenwagen, den kleine, grüne ssMstervorhänge — ein angedeutetes Zunftzeichen — tl den alten „grünen Wagen" der Fahrenden aus- ( öiifen. Auf den beiden Rücksitzen hat die ganze zu- Immengelegte Bühne mit allen Figuren, Kulissen, Üguisiten und technischen Einrichtungen Platz: zwei Inten und Zubehör. Der Chauffeur am Steuer ist i U lrich Theaterdirektor und sein eigener Theater- haiter, Theatermaler, Maschinist, Sprecher, ja, der ccöpfer aller seiner Spiele und Spieler, und die 2cme neben ihm, seine Frau, ist sein ganzes Perfol, feine Kostümschneiderin, feine Mitsprecherin, Mer in.
l'tewiß, es gibt raffinierte Marionettentheater, j:koe, die einen Stab von Künstlern, Entwerfern, Gdiaufpielern, Sängern beschäftigen, die ihre Fi- fiiien von stumm bleibenden Personen, jede möglichst i:t einer anderen, führen lassen, während die Spre- dt: und Sänger der Rollen svnst nichts zu tun htm, und die ein Repertoire aus der gesamten fetaufpieh und Singspielliteratur aufführen. Es fü gute und beste Theaterchen darunter, aber ihr Crneinfames besteht darin, daß sie mit dem Theater trilebenben Menschen wetteifern, daß sie es mehr t!e' weniger nachmachen, vielleicht auch mehr oder t?figer zu übertreffen suchen. Die künstlerischen ^penspiele entstammen noch ganz dem Wesen und ü'riWelt der Puppe und der echten Tradition des ^Ipenspieles. Dazu gehört, daß sie immer Kasperl, »fr! Unverwüstlichen, zum Helden machen. Dazu ge- m., daß sie sich unverhohlen zum Primitiven, Ur- ^ifigen bekennen, zum Holzgeschnitzten der Köpfe, Eie auch der Hände, zum gesteigerten Ausdruck in J* rm Unverhältnismäßigen der Glieder und in dem k ontieren ihrer Bewegung. Dazu gehört, daß alles erster und eigener Hand ist, alles selbst gemacht, vc selbst gedichtet, der Dialog gar aus dem ©teg= ~ kupz, dazu gehört diese Personalunion, das ^göttliche einer kleinen Weltschöpfung, einer Welt o* Qauberer, Engel, Tierbändiger, Wucherer, armer • p»» Menschenfresser, Marsbewohner, Spießbürger, Achrten, jungen Damen und Bauern — aller > "^»schichten unter, auf und über der Erde.
JöO sah den Puppenspieler im Sommer zwischen ! UstWalieren, Graswald und Klatschrosen mit auf»
gekrempelten Hemdärmeln und Arbeitsschurz über feinem Schnitzwerk sitzen. Er schnitzte frei aus der Hand, den Holzklotz unter dem Messer unter die Brust gestemmt. Den Feldrain nebenan kränzten Kornblumen und Mohn, und die Roggenblüte roch warm wie ein Backofen nach Brot. In der Wohnstube drinnen reihte sich an der Wand der „Weg zum Christ": Kasperl als Bub und Berta, das aller- bravste Mädchen, ihre Eltern, das heilige Paar und das Christkind, und am Ofentür! hingen frisch bemalt kopfüber Pharao und der englische Archäologe Professor Krubauwau und seine Tochter Miß Anny zum Trocknen. Und dann fährt der Puppenspieler zu Gastspielen in Schulhäuser und andere Säle.
Wenn er wo angekommen ist und abgelabet hat, bann quellen an Ort unb Stelle bie Kisten über vom Bilberbuch bunter Schauplätze unb von Zwergenmöbeln unb Puppenstubenbingen. Kein Weihnachtsmann entläßt aus feinem großen Sack solche lieber» raschungen, wie sie hier aus lauter kleinen Säcken sich herausschälen,. autz beren jebem ein ganzer Mensch ober ein ganzes Ungeheuer zum Vorschein kommt. Die leeren Kisten hüben bann ben Sockel für ben Bühnenboben, ber mit einer ganzen Reihe Dersenkungsklappen versehen ist, Schrauben unb Klammern liegen bereit, unb schnell erhebt sich, aus ein paar Latten und Lattenrahmen bestehend, das szenische Gerüst. Nichts als Pappdeckel mit bunten Treiben bemalt, finb bie Seitenkulissen unb Hinter- grünbe für nächtliche Straße. Wohnstube, Schloßpark, Gefängnis, unb seitlich, rechts unb links von ben Kulissen, ba finb sie alle aufgehängt, die Herrschaften, die in dem heiteren Spiel „Die Mondlaterne" mitwirken sollen, jedes^ an acht oder neun Fäden: der Mond mit Armen und Beinen, Kasperl, Herr und Frau Meier, König und Königstochter, Diener und Teufel, auch die Laterne hängt ba, in bie ber Monbmann bie Erfüllung für brei Wünsche eingeschlossen hat. Ober „Kasperls Fahrt zum Mars" wirb aufgebaut: ba baumelt, außerhalb einer Mars- lanbschaft ber Ingenieur Nepomuk Luftschuß neben seinem Raketenschiff, ba baumeln Kasperl unb seine Eltern, ber Zirkusbirektor Joachim Löwensprung, bie Marsmenschen, als ba finb ber Marsfürst, bie Marsminister, ein Zweikopf unb ein Ungetüm.
Wenn ber Puppenspieler zwischen bissen Gestalten unb Szenen fauernb, hämmert unb bastelt, bann ist er Gulliver im Zwergenreich. Schon wirb er fertig, aber schon haben sich auch bie Sitzreihen vor bem Vorhang gefüllt. Die Lichter ber kleinen Rampe werben eingeschaltet, auf einen Hebelzug klingelt unb trillert eine Spieluhr bie Ouvertüre: „Das Wanbern ist des Müllers Lust", den Lindenbaum oder den Radetzkymarsch, Herr und Frau Direktor steigen auf
Hocker, von wo sie hinter und über den Wolken Stimmen und Schicksale herabsenden, das Unmöglichste möglich und das Unglaubhafteste glaublich machen, daß bie Kinder lachen unb weinen unb bie Erwachsenen auch zu Kinbern werben; sie ergreifen mit jeber Hanb eines ber kleinen hölzernen Führungskreuze, an benen bas Fäbenspiel ihren Figuren gehorcht, unb der Vorhang geht hoch ...
Oie Geschichte vom Fenster.
Von Hans Joachim Mütter.
Mit ben Unzuträglichkeiten, die uns auf Reisen zuweilen begegnen, ist es eine eigene Sache. Es kommt in den meisten Fällen nur darauf an, wie wir die Dinge aufnehmen. Und daran hapert es eben.
Da war an einem schönen Sommerabend der Schlafsaal des Watzmannhauses restlos ausverkauft. Als die letzten Ankömmlinge unter die Decke gekrochen waren und die vorschriftsmäßige Nachtruhe hätte beginnen sollen, erhob sich nach einleitendem Aechzen und Stöhnen eine kräftige Männerstimme mit der Feststellung: Das sei ja hier eine Lust zum Ersticken.
Man hört, wie sich jemand im Bett wälzt, trapp, trapp, trapp, Schritte durch den Raum, das Fenster wird aufgemacht, trapp, trapp, trapp, jemand steigt wieder ins Bett.
Stille. Aber jetzt räuspert sich eine andere Kehle. Ja, sie hüstelt, sie hustet sogar, denn es" ist ihr ernst. Und die andere Stimme erklärt bescheiden, aber voll Festigkeit, ihr Bronchialkatarrh vertrüge keinesfalls' diese eisige Bergluft.
Trapp, trapp, trapp, Fenster zu, trapp, trapp, trapp. Schwung ins Bett.
Der Husten verstummt befriedigt, das Aechzen jedoch erhebt sich wieder.
„Naa, a solchem Lust!"
Schritte, Fenster auf, Schritte, Sprung ins Bett. Die Luft ist sofort merklich besser.
Räuspern, Husten, „— glauben Sie, ich hole mir eine Lungenentzündung wegen Ihnen bei meiner unterhöhlten Gesundheit?"
Eilige Füße, Fenster zu, Laufschritt zurück, krach in die Falle.
Nunmehr sind auch die letzten Schläfer aufgewacht, zwölf Uhr nachts, und wer ba Sportgeist hat, lauscht in das Dunkel und harrt voller Spannung der Dinge, die kommen müssen.
Aber es gibt nur Stellungskrieg.
„Himmiherrgottsakra!" stöhnt die erste Stimme gar lästerlich, und sie sei keineswegs geneigt, sich von einem Weichling die Lust abschneiden zu lassen. Atmen muß der Mensch halt.
Sprung auf, marsch, marsch, das Fenster fliegt auf, ein tiefer, befreiter Atemzug folgt.
„Ich hole mir aber nicht den Tod!" hustet verzweifelt der Bronchialkatarrh. „Legen Sie sich doch ins Freie auf die Steine, wenn es Ihnen Spvß macht. Sie — Sie Neandertaler!"
Das Fenster schlug zu.
Das Fenster ward aufgetan und ging wieder zu. Schritte trappten immer eiliger durch ben nächtlichen Raum. Die Matratzen krachten. Niemand tat ein Auge zu.
Schließlich schlug einer aus Sachsen in dem beschwichtigenden Tonfall dieses Landes vor, das Fenster in Anbetracht des nahen Morgens doch ein kleines Stückchen aufzumachen, da sei jedem geholfen, vor allem denen, bie schlafen wollten.
So geschah es. Der Lufthungrige schlief seufzend ein, während sich der Bronchialkatarrh nur noch schwächlich räusperte.
Als sich aber die ersten Schläfer im grauen Morgenlicht zum Ankleiden erhoben, siehe, da zeigte es sich, daß das umkämpfte Fenster den Streit mitnichten verlohnt hatte. Es war tags vorher einem Unfall zum Opfer gefallen und befaß gar keine Scheibe mehr.
Die wackeren Männer hoben es heraus unb legten schlicht ben leeren Rahmen wie einen Heiligenschein ums Haupt des schnarchenden Brottchialkatarrhs.
Zeitschriften.
— Die neue Nummer der Leipziger Jllu» ftrirten Zeitung enthält u. a. zwei naturgetreue farbige Wiedergaben von Gemälden aus dem Wallraf-Richartz-Museum in Köln. Aus dem übrigen Inhalt erwähnen wir eine ganzseitige Auf- nähme von Frau Goebbels und ihren Kindern, einen doppelseitigen Bildbericht über die Reichs- wettkämpse ber SA., sowie eine ausführliche bildliche und textliche Würdigung der deutschen Universität in Prag. Im Mittelpunkt dieses Heftes steht ein umfangreicher Modebeitrag, dem sich ein interessanter Bildbericht unter dem Titel „Geheimnisvolles Leben der Tiefsee" anschließt. Erwähnenswert ist auch die Artikelfolge „Große Deutsche in Italien", in deren Rahmen diesmal folgende Themen behandelt werden: „Johann Joachim Winckelmanns letzte Jta» lienfahrt", „Goethe in Rom", „Richard Wagner in Italien" unb .Ltalien-Flucht Nietzsches",


