sie erlassenen besonderen Bestimmungen. Als Zivilanwärter können im wesentlichen nur Angestellte und Arbeiter zugelassen werden, die sich mehrere Jahre im Dienste der Verwaltung bewährt und das 27. Lebensjahr vollendet haben. Die Bewerber müssen die gesetzlichen Voraussetzungen für die Ernennung zum Beamten erfüllen und eine deutsche Volksschule mit hinreichendem Erfolg besucht haben. Gegebenenfalls sind auch fachliche Kenntnisse nachzuweisen. Voraussetzung für die Einberufung ist, daß der Bewerber auf Grund der von den beauftragten Hoheitsträgern der Partei auf Ansuchen der Anstellungsbehörde ausgestellten politischen Begutachtung die Gewähr dafür bietet, daß er jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintritt. Der einberufene Bewerber wird im allgemeinen als Beamter „auf Probe" in der Eingangs- ftufe seiner Laufbahn anaestellt. Die Probezeit dauert sechs Monate. Der Anwärter führt wahrend dieser Zeit die Amtsbezeichnung mit dem Zusatz „auf Probe", z. B. „Amtsgehilfe auf Probe". Beamte „auf Probe" — die Probezeit kann um weitere sechs Monate verlängert werden —, die sich für ihren Dienst als körperlich unbrauchbar oder sonst in Fleiß und Anforderungen nicht genügend erweisen, sind zu entlassen. Nach erfolgreicher Probezeit wird der Beamte in seiner Stelle böstätigt. Die Dienstzeit, die Angestellte und Arbeiter als volle Arbeitskraft bei der allgemeinen und inneren Verwaltung ab-geleiftet haben, wird grundsätzlich auf den Probedienst angerechnet. Solche Angestellte und Arbeiter können alsbald auf Lebenszeit angestellt werden. Die Verordnung tritt mit dem 1. Dezember 1939 in Kraft.
, Berufsschulpflicht der Pflichtjahrmädchen.
Um bestehende Unklarheiten zu beseitigen, weist der Reichserziehungsminister durch Erlaß darauf hin, daß alle berufsschulpflichtigen Mädchen, die nach der Anordnung des Beauftragten für den Vierjahresplan über den verstärkten Einsatz weiblicher Arbeitskräfte in der Land- und Hauswirtschaft ihr land- oder hauswirtschaftliches Jahr ableisten, während dieser Zeit die ländliche bzw. haus- wirtschaftliche Berufsschule zu besuchen haben.
August-Zuchtviehversteigerung in Gießen.
In der Rhein-Main-Versteigerungshalle wurde am gestrigen Donnerstag und am heutigen Freitagvormittag die Zuchtoiehversteigerung des Monats August von den Landesverbänden der Rinderzüchter, Gruppe Fleckvieh und der Schweinezüchter in Hessen-Nassau, durchgeführt. Der Auftrieb, der bereits am Donnerstag erfolgte, zeitigte ein Ergebnis von 51 Bullen des hessischen Fleckviehs und 67 Ebern, davon 63 des Veredelten deutschen Landschweines und 4 des Weißen deutschen Edelschweines. Am Donnerstag wurde die Einteilung in die Wertklassen vorgenommen. Dabei erwies es sich, daß beim hessischen Fleckvieh keine Spitzentiere vorhanden waren, weil diese für eine spätere Veranstaltung zurückgestellt wurden. Das vorhandene Zuchtmaterial war zufriedenstellend, so daß 23 Tiere der Gruppe der herdbuchfähigen Bullen und 14 davon der Wertklasse II zugeteilt werden konnten. Bei den Ebern des Veredelten deutschen Landschweines konnten 23 von 63 Tieren der Wert- klasse II zugeteilt werden. Das Tiermaterial war ausgeglichener.
Heute morgen fand die Versteigerung statt. *
** Ein Fünfundachtzigjähriger. Der Invalide Ludwig Stein, Anneröder Weg 18, kann am morgigen Samstag, 12. August, seinen 85. Geburtstag begehen. (Herzlichen Glückwunsch!)
** Ein Einundsiebzigjähriger. Am morgigen Samstag, 12. August, kann der Reichsbahnschaffner i. R. Karl Fischer, Krofdorfer Straße 4, seinen 71. Geburtstag feiern. Der betagte Mann erfreut sich aller geistigen und körperlichen Rüstigkeit. Wir beglückwünschen zum Geburtstage!
** Ehrung für Friedrich L u d w i g I a h n. Am gestrigen Donnerstagabend legte Oberturnwart Karl E r b im Namen der beiden Turnvereine (Turnverein 1846 Gießen und Mannerturn- oerein Gießen) am Jahn-Gedenkstein an der Ecke Berg- und Gartenstraße -aus Anlaß des 161. Geburtstages des Turnvaters Jahn einen Kranz nieder. Dor dem kleinen Kreis der Teilnehmer an dieser Kranzniederlegung gedachte Kamerad Erb in ehrenden Worten des deutschen Mannes und völkischen Vorkämpfers, in dessen Geiste es auch fernerhin für die körperliche Ertüchtigung unseres Volkes zu wirken gelte.
** Kleine Gäste aus dem Protektorat. Morgen früh um 7.35 Uhr werden unter der Obhut der NSV. 50 Kinder aus dem Protektorat Böhmen in Gießen eintreffen, die zu einem mehrwöchigen Erholungsaufenthalt in unserer Stadt und der Umgebung untergebracht werden.
' ** Entwichen. .Aus der Landes-Heil- und Pflegeanstalt an der Licher Straße ist dieser Tage der 56 Jahre alte Johann D r a d w o h l aus Gau-
odernheim entwichen. Der Kranke ist 1,60 Meter qroß, hat schwarze Haare und einen Stoppelbart, ist kriegsbeschädigt und hinkt auf der linken Seite. Sachdienliche Mitteilungen über den Verbleib des Entwichenen erbittet die Gendarmerie Gießen bzw. die Landes-Heil- und Pflegeanstall,
** Austreten glimmender Tabak- r e ft e i ft Feuer- und Tierschutz! In letzter Zeit wurden dem Reichstierschutzbund wieder^ holt Berichte zugeleitet, wonach Hunde vornehmlich kleinerer Rassen nicht unerhebliche Brandoerletzun- gen durch das Treten in glimmende Zigarren- und Zigarettenstummel daoongetragen haben. Die glühenden Tabakreste hatte sich zwischen die Zehen oder Ballen geklemmt und die Behaarung angesengt, so daß den Tieren nicht unerhebliche Brand- oerletzungen zugefügt wurden. An die Bevölkerung ergeht aus Rücksicht auf die zwei- und vierbeinigen Barfußgänger sowie zwecks Brandverhütung die Mahnung, glühende Tabakreste auf der Straße nicht achtlos wegzuwerfen, sondern durch Austreten unschädlich zu machen.
Aus der engeren Heimat.
Bauern!
Großdeutschland braucht zur Sicherung seiner Freiheit dringend eine Steigerung der Fetterzeu- gung. Steigert deshalb jetzt beträchtlich den Oel- fruchtanbau, ohne die Viehwirtschaft zu vernachlässigen. Die neuen erhöhten Oelsaatpreise sichern Euch die Wirtschaftlichkeit des Anbaues. Jetzt ist es Zeit, Raps und Rübsen zu bestellen. Laßt Euch dabei vom Reichsnährstand beraten!
Unfälle auf dem Lande.
Die Ehefrau des Bäckermeisters Müller aus Lützellinden stürzte beim Futterholen so unglücklich vom Wagen, daß sie einen Bruch der Wirbelsäule erlitt. — Mit schweren Rücken- und Beckenprellungen mußte der 40jährige Hilfsheizer Heinrich W einandt aus Großen-Linden in ärztliche Behandlung gebracht werden. Der bedauernswerte Mann war rücklings von einer drei Meter hohen Leiter abgestürzt. — Der 20jährige Reichsbahnarbeiter Erwin Mühlig aus Vetzberg schlug sich bei seiner Arbeit mit der Spitzhacke in den rechten Fuß und erlitt eine große und schmerzhafte Verletzung. Die Verunglückten wurden in die Chirurgische Klinik ausgenommen.
Ein Versicherungsschwindler am Werk.
Lpd. Nidda, 10. Aug. Nach dem tödlichen Un- alücksfall eines Mannes in einem Nachbardorf erhielten die Hinterbliebenen aus der Lebensversicherung einen größeren Betrag ausbezahlt. Einige Zeit später erhielten sie die briefliche [[Mitteilung von der Versicherungsgesellschaft, daß ihnen weitere 5000 RM. auszuzahlen seien, worauf aber 400 RM. für Unkosten bezahlt werden müßten. Ein Angestellter werde diesen Betrag in den nächsten Tagen kassieren, so daß dann die Auszahlung der 5000 RM. erfolgen könne. In der Tat erschien einige Tage später ein Mann, der die 400 RM. abholen wollte. Die Schwiegertochter des Verstorbenen war jedoch durch einige Umstände bedenklich geworden, so daß sie den Unbekannten bat, noch einmal wiederzukommen, weil der Betrag gerade nicht im Hause sei. Mit lebhaften Worten des Bedauerns über den vergeblichen Weg entfernte sich der Mann und blieb seitdem verschwunden. Eine Rückfrage bei der Versicherungsgesellschaft ergab, daß es sich um das auch an anderen Orten schon bemerkte Treiben eines gerissenen Schwindlers handelte, dem es unerklärlicherweise gelungen war, sich Briefbogen, Formulare und Umschläge der Versicherungsgesellschaft zu verschaffen, mit deren Hilfe er seine Schwindeleien einleitete. Die polizeilichen Ermittlungen nach dem Gauner sind noch im Gange.
Landkreis Gießen.
* Holzheim, 11.Aug. Am heutigen Freitag, 11.August, kann der Landwirt Hartmann Jäger in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 3. Ge - burtstag feiern. Seine Ehefrau Klara, geb. Sames, konnte vor einiger Zeit ihren 81. G e - burtstag feiern. Seinen Lebensabend verbringt der Jubilar im Kreise seiner Angehörigen. Er nimmt noch regen Anteil am Zeitgeschehen. (Wir gratulieren herzlich.)
Gesundheit durch richtige Ernährung.
NSG. Nun gibt es reichlich Gemüse und Früchte, nach deren Vitaminen unser Körper besonders stark verlangt. Aber auf dem Lande, wo die Bäuerin so leicht Gemüse und Obst auf den Tisch bringen könnte, wird oft am wenigsten Gemüse gegessen. Die Frau scheut meist die Arbeit des Zubereitens, obwohl sie kaum größer rft als beim Fleisch. Fleisch muß zurecht gemacht und mit Zutaten versehen werden. In derselben Zeit ist auch ein Blumenkohl kochfertig. Außerdem ist er schneller gar als Fleisch, liefert also ein schnelles Mittagsgericht. Auch die Zubereitung von Salaten macht wenig Mühe, wenn sie frisch und jung aus dem Garten geholt werden.
Die Landfrau hat durch ihren Garten die Möglichkeit, das Essen so vielseitig zu gestalten, daß Mann und Kinder sich ein Gericht nicht so bald über essen. Allein aus den Kartoffeln, die besonders gesund sind, wenn sie in der Schale gekocht werden, lassen sich unzählige Gerichte Herstellen. Die verschiedenen Küchenkräuter, die das Gewürzgärtlein der Hausfrau liefert, verändern diese Gerichte immer wieder. Sellerie an die Brühe getan, ergibt nicht nur eine gesunde Suppe, sondern auch einen Salat, der die notwendigen Vitamine enthält.
Wenn die Landfrau während der Hauptfeldarbeit keine Zeit findet, Gemüse zuzubereiten, so kann sie sie während der Erntezeit einmachen oder zu Säften verarbeiten. Diese werden nach der Mahlzeit gereicht. Denn nicht nur Obstsäfte, sondern auch Mohrrüben- und Rote-Rübensäfte sind gesund.
Die Landfrau ist verantwortlich für die Gesunderhaltung und richtige Ernährung ihrer Familie. In ihrer Hand liegt es, ob ihre Kinder gesund sind oder schlechte Zähne und Zahnerkrankungen bekommen, ob sie als Säugling von der Rachitis, der gefährlichen Kinderkrankheit, ergriffen werden oder später als junge Männer von der Teilnahme am Wehrdienst wegen Untauglichkeit ausgeschlossen werden.müssen. Jeder Ernährungsfehler macht sich bei den Heranwachsenden Kindern bemerkbar. Man sieht es der Frische der Kinder an, ob sie durch Gemüse und Früchte genügend Vitamine zu sich nehmen, man merkt es, wenn ihnen anstatt Roggen
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann
Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau L Sa.
3. Fortsetzung. (Nachdruck verboten!)
Und als sich Hellmers erstaunt erkundigte, ob er tatsächlich eine Ahnung von solchen Dingen hätte, da tönte es ganz friedlich — nur ein verstecktes Lachen gluckste dabei in der Stimme —: „Ach, so ’n bißchen! Ich bin nämlich der alte Perkins. Nehme an, daß Sie die Leute aus der Branche kennen."
„Perkins ...? Etwa Sir John Perkins von der Londoner Großspinnerei und Webwaren Companie?"
Ein trockenes Lachen von drüben war die Antwort.
„Stimmt. Sie haben's getroffen. Ich bin Perkins, derzeit auf einem Europatrip befindlich. Aber deswegen brauchen Sie nun nicht gleich liebenswürdig zu werden! Erzählen Sie mir lieber mal ’n bißchen ausführlicher, was Sie da erfunden haben!"
Da hatte denn der unbekannte, stellungslose Dr. Hellmers, der nicht wußte, wovon er in den nächsten Wochen seine Zimmermiete bezahlen sollte, dem Mann neben ihm im Stroh von seiner Erfindung erzählt. Von feinem Kampf, diese Erfindung als sein Geistesgut schützen zu lassen, und wie sie ihn gejagt hätten, um die Sache in die Hände zu bekommen ... dis er' kurz entschlossen, diesem Werk den Rücken drehte.
„Ja, und bann habe ich den Riemen stramm gezogen, zu Hause weitergearbeitet, bis ich alle die grundlegenden Verbesserungen patentreif hatte."
„Und dann?"
„Dann habe ich mich rund tausend Meter überm Meeresspiegel ins Stroh gelegt und daraus gewartet, daß der liebe Gott kommt und mir das nötige Geld für mein Patent vorstreckt."
Das war eine Frechheit. Aber einmal war es ja rundum stockdunkel, zum andern hatte Hellmers in diesem Augenblick gar kein Gefühl dafür. Was tat es auch, ob er dem bekannten englischen Industriellen fehle Geschichte erzählte ober einem Konfektions- reifenben im Eisenbahnabteil? Der eine wie ber anbere wirb mit geheucheltem Interesse zuhören, bebauernb nicken unb mit bem Ausbruck bester Wünsche roieber losgehen.
Aber Hellmers hatte sich boch getäuscht.
Der Nachbar jammerte nämlich nicht, jonbern schwieg in allen Tonarten, bis sein Schweigen langsam in ein gleichmäßiges Schnarchen überging.
Am Morgen jeboch, als er sich ben Schlaf aus beri Augen wischte, stellte Hellmers zu seinem Erstaunen est, baß sein Nachbar sich bereits heimlich bavon- gemacht hatte. Kopfschüttelnb war er schon geneigt, bas Ganze für einen Traum zu nehmen, für einen Spuk der regenschweren Nacht.
Aber auf dem Tisch entdeckte er dann eine schmale Karte:
„John Perkins, London."
Und auf ber Rückseite nichts als ein Wort: „Kommen!"
Damit begann die seltsame Freundschaft zwischen den beiden ungleichen Männern.
In jener Hütte begann sie und auf einem Felsvorsprung der südwestlichen Steilküste Englands endete sie.
5.
M r. Pembroke taucht auf.
„Guten Abend, Herr Doktor!" sagt ber schlanke junge Mann mit dem Gesicht eines verlegenen Primaners und erhebt sich von dem Sofa, auf dessen Kante er bisher gehockt hat.
Ueberrascht bleibt Joachim auf ber Schwelle seines Zimmers stehen. „Wie kommen Sie denn in mein Zimmer? Wer sind Sie? Und was haben Sie hier zu suchen?"
/Der junge Mensch wird schrecklich verlegen.
„Entschuldigen Sie, Herr Doktor, ich war seit heute mittag bereits dreimal hier und immer sagte ihre Haushälterin, Sie seien verreist."
„Ja, und was kann Sie das interessieren?"
„Sehr viel, Herr Doktor. Ich mußte Sie doch sprechen."
Belustigt schüttelt Hellmers den Kopf. Das ist ja eine merkwürdige Sache!
„Jetzt mitten in der Nacht wollen Sie mich sprechen? Ja, sind Sie denn bei Tröste? Ich bin müde wie ein Hund und möchte ins Bett. Morgen habe ich tüchtig zu tun."
„Ich weiß, ich weiß", nickt der junge Mensch eifrig. „Sie sollen die neuen Maschinen auf der Zehntonnenstraße ausprobieren! Ist sicher ein schönes Stück Arbeit. Gebe Gott, daß alles klappt, Herr Doktor. Ja, wenn bas ber alte Herr noch erlebt hätte!"
Hellmers bleibt im ersten Augenblick starr vor Staunen die Sprache weg. Langsam schließt er die Tür hinter sich.
„Alle Achtung! Sie scheinen ja glänzend im Bilde zu sein. Wer hat Ihnen denn diese Weisheit vermittelt?"
Der große Junge lacht wieder verlegen und tritt von einem Fuß auf den andern.
„Herr Doktor — ich — ich bin boch keine Plan- dertasche, nicht wahr? Bestimmt nicht. Ich weiß es und damit ist’s gut. Wer das gesagt hat, ist ganz
gleichgültig, nicht währ? Das können Sie doch sicher begreifen?"
„Vielleicht, aber noch immer kann ich nicht begreifen, was Sie eigentlich hier wollen. Wer zum Teufel sind sie eigentlich?"
„Oh — Sie kennen mich nicht?" Das Jungen- aesicht staunt mit offenem Mund über die erschütternde Tatsache, daß Dr. Hellmers ihn nicht kennt. Dann zieht ein strählendes Lächeln über sein Gesicht.
„Herrlich. Und ich habe immer gefürchtet, ich wäre viel zu bekannt. Ich heiße Pembroke, Ellery Allan Pembroke, wenn Sie geflattert. Seit zehn Jähren leite ich den — wie soll ich sagen — nun, den Geheimdienst in den Perkins-Werken."
„Donnerwetter!"
Joachim kommt aus dem Staunen nicht heraus. Mit ungläubigem Lächeln betrachtet er den jungen Mann da vor sich, der kaum den Anflug eines Bartes auf den Lippen hat und sich benimmt wie ein verlaufener Schulbub.
„Sie sind — der berühmte, gefürchtete Pembroke, den alle kennen und niemand gesehen hat?"
„Soll ich Ihnen etwa meine Papiere...?"
„Danke! Danke!" wehrt Hellmers ab. „Ich glaube es Ihnen auch so. Entschuldigen Sie bitte mein Erstaunen, ich habe bas wirklich nicht hinter Ihnen vermutet."
„Kenne ich!" lächelt Pembroke. „Kenne :ch! Man hält mich immer für ’nen Pennäler. Wenn ich ben Leuten 'erzähle, daß ich 1918 bereits im Geheimdienst arbeitete, halten sie mich glatt für wahnsinnig. Aber schließlich kann ich ja nichts dafür, daß die Natur mich offenbar im Jünglingsalter konservieren will, doch kommen wir zur Sache, Herr Doktor. Denn zu einem Plauderstündchen bin ich nicht bei Ihnen eingebrungen."
„Eingedrungen?"
„Natürlich!" Pembroke tut, als sei das ganz selbstverständlich. „Ihre Haushälterin hat mich keinen Zoll über die Schwelle gelassen. Die ist wachsam. Aber ich habe ja zu Ihrer Wohnung auch einen Schlüssel."
„Sie haben ...?"
„Einen richtigen Schlüssel! Hier!" Er hält Joachim tatsächlich einen Schlüssel vor die Nase, der seinem eigenen wie ein Ei dem anderen gleicht. „Ich habe die Schlüssel zu den Wohnungen aller unserer wichtigen Leute. War so eine kleine Eigenart Sir Johns, daß er ben Menschen mißtraute. Nur mir nicht. Ich bitte zu bedenken, daß ich dieses Vertrauen beinahe zehn Jahre nicht enttäuscht habe. Sie waren außer mir ber einzige, dem er im gleichen Maße vertraute. Obwohl Sie kein Engländer, sondern Deutscher sind. Das ist ein großes Lob für Sie und Ihre Nation, Mister Hellmers!"
„Toll!"
Hellmers wischte sich über die Stirn, denn ihm beginnt, vor diesem Mann unheimlich zu werden.
Weizenbrot gegeben oder zu Gunsten des Brotes das warme'Abendbrot gestrichen wurde. Durch richtige Ernährung verhilft die Landfrau den Ihren zur Gesundheit, macht die Kinder zu starken Män- nern unb kraftvollen Frauen, um ihren Dienst an der Scholle zu erfüllen und ihre Aufgabe im Rah. men der Ernährungssicherung des ganzen Volkes zu übernehmen.
Elf Personen wegen Oevisenvergehens verurteilt. Lpd. Frankfurt a. M., 10. Aug. In zwei« tägiger Sitzung verhandelte die Erste Strafkammer gegen elf Angestellte eines Reiseunternehmens, die sich gegen das Devisengesetz vergangen hatten. Es handelt sich dabei z. T. um Leute, die schon seit vielen Jahren bei dem Unternehmen tätig sind und sich bisher nichts zuschulden kommen lie- ßen. Die Angeklagten wurden je nach dem Grad der von ihnen hervorgerufenen Schädigung bestraft und erhielten G e f ä n g n i s st r a f e n von vier Monaten bis 3 Jahre drei Monate und außerdem Geldstrafen von 200 RM. bis 36 000 RM. Beschlag- nahmte- Erlöse wurden eingezogen. Zu Gunsten ber Angeklagten würbe angenommen, baß sie ber Meinung waren, daß ihre Manipulationen von gerin« gerer Bedeutung seien, da es sich nicht um Demsen- schiebungen herkömmlicher Art handelte, und daß mangelnde Kontrolle sie in die Lage versetzte, die strafbaren Handlungen zu begehen.
Briefe aus !5rauelihänden.
Bereits 20 Briefträgerinnen tm Dienst.
Lpd. Frankfurt a. M., 10. Aug. Die Frank- furter Hauptpost hat neuerdings Frauen als Briefträgerinnen eingestellt. Bisher find es 20 Briefträgerinnen, die ihren Dienst im Frank- furter Hauptpostamt ausgenommen haben; in Kürze werden es 110 fein. Diese Maßnahme ist notwendig geworden, da die Paketumschlagstelle im Ostbahn- Hof für den Weihnachtsverkehr bedeutend vergrößert werden soll. Frankfurt ist die größte Paketumschlag, stelle im Reich, weil hier von allen Richtungen sich die Pakete kreuzen und umgeleitet werden müssen. Um allen Anforderungen gewachsen zu sein, soll eine größere Anzahl von Briefzustellern für den Dienst im Ostbahnhof abkommandiert werden, für die Frauen eingestellt wurden.
Rundfunkprogramm
Samstag, 12. August.
5 Uhr: Fvühmusik. Die Tanzkapelle des Reichs« fenders Breslau. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Mor- genlied, Morgenspruch — Nachrichten — Gymnastik. 6.30: Frühkonzert In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Deutschland — Kinderland. Lachen und Weinen um ein Stückchen Himmel. Mutti fährt in Ferien. Plaudereien aus einer kinderreichen Familie. 8.40: Vom Landessender Danzig: Froher Klang zur Werkpause. 9.30: Nur Frankfurt. Gaunachrichten. 10: Schulfunk. Böhmen, H erstand des Reiches. Hörfzenen. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. „Wiener Bilder." Das kleine Orchester des Reichssenders Wien. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert (Fortsetzung). Stabs- musikkorps eines Luftgaukommandos. 14: Nachrichten. 14.10: Kinder, wie die Zeit vergeht! (Industrie - Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 15: Bilderbuch der Woche. 15.15: Am Rande des alltäglichen Geschehens. 15.30: „Wind von Acker unb von Korn". Großstadt-Jungmädel erleben die bäuerliche Welt. 16: Frohsinn und Rhythmus. 18: Unb abends, wenn fein Dienst mehr drückt. Dec &>!• datenchor des I. Bataillons und das Musikkarps öes Infanterie-Regiments 105. Einlage: Kamerad, wo bist du? 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Buhne unb Film im Rundfunk. 20: Nachrichten. 20.15; Aus Zell an der Mosel: Zeller Schwarze Katz’. Winzerfest aus Zell an der Mosel. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Sport in Kürze. 22.20 bis 24: Wir tanzen in den Sonntag. In Verbindung mit der NS.-Gern ein schäft .Irast durch Freude". '
„Und da schleichen Sie ganz einfach in die Wolp nung irgendeines Beamten ober Angestellten ..."
„... wenn es die Umstände erfordern, gewiß. Das gehört zu meinen Aufgaben. Ab et eins vorweg, lieber Herr Doktor! Ich versichere Ihnen auf Ehrenwort, daß ich in diesem Raum nichts getan habe, als still unb bescheiden auf ber Kante des Sofas gesessen. Können Sie mir glauben?"
Hellmers zuckt bie Achseln.
„Was soll ich sonst tun? Ich muß wohl. Es will mir nur nicht in ben Kopf, baß ich in ben vier Jahren, bie ich nun hier arbeite, Sie noch nie gesehen habe!"
Da lächelt Pembroke wieber sein Jungenlächeln unb meint ganz ruhig: „O boch! Gesehen haben Sie mich schon? Ich habe sogar schon einmal vier Wochen lang Ihr Laboratorium aufgeräumt. Bloß Sie haben den jungen Mann im blauen Pullover nie betrachtet.
Aber nun lassen wir bas einmal beiseite; denn, was mich zu Ihnen führt, ist wichtiger. Herr Doktor, ich brauche Ihr volles Vertrauen unb Ihr Ehrenwort, daß nie ein Mensch von biesem Gespräch erfährt. Glauben Sie, mir beibes geben zu können?
„Wenn es bas Interesse bes Werkes verlangt?" „Unb Ihr eigenes!"
„Das zählt nicht. Hier gilt nur bas Wohl und Wehe ber Perkins-Werke."
„Ich habe also Ihr Wort?"
„Sie haben es."
„Gut. Dann will ich Ihnen reinen Wein einschen' ken. Ich glaube Anhaltspunkte bafür zu haben, daß Sir John Perkins nicht freiwillig gestorben ist."
nicht freiwillig? Wie soll ich bas verstehe/
Pembroke beachtet ben Einwurf gar nicht fährt fort, als habe er nichts gehört.
„Weiterhin ist eine Gesellschaft von vorläufig UN' bekannten Dieben Ihrer Erfindung auf ber 6pur' So. Das ist allerhanb Ueberraschung um bie Mittel' nachtsstunde, nicht wahr? Aber ich mochte nicht länger warten." Mit einem Schlage schwindet R’J Lächeln. „Sir John Perkins ist ermorbet. Das wew ich, obwohl ich es nicht beweisen kann. Aber es M nicht nur um ihn, sondern um sein Werk. E haben wir nicht retten können, aber fein Werk nicht ebenso heimtückisch in bje Tiefe gerissen wer« ben wie er." '
In diesen Augenblicken ist aus dem Jünm'^ plötzlich ein Mann geworden, dessen Worte so ha» und bestimmt klingen, als flirre Stahl auf Stem. Impulsiv streckt ihm Hellmers die Hand entgegen.
„Auf mich können Sie zählen, Pembroke. Sn jeder Lage. Wenn Ihr Verdacht wahr ist — wollen wir den Mörder jagen wie einen t311£n Hund!" -
„Verlassen Sie sich darauf, es ist wahr.
Geheimrat wurde ermorbet."
/Fortsetzung folgt.)


