Nr.186 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger lGeneral-Anzeiger für Oberhessen)
§reitag,u. August (939
Aus 25 000 qm wächst die Ausstellung „Wille und Tat".
NSG. Im Pahmen der Herbstveranstaltungen der Stadt Wiesbaden nimmt die Ausstellung „Wille und- Tat", die am 25. August eröffnet wird, einen besonderen Platz ein. Wenn man vom Hauptbahnhof kommt und- die Kaiserstraße heruntergeht, fällt der Blick auf riesige Zelthallen, die, teils fertig, teils noch im Bau begriffen, bestimmt sind, die kommende Ausstellung „Wille und Tat" aufzunehmen. Schon rein äußerlich ist der Eindruck ein gewaltiger. Mehr als 15 Ausstellungshallen °uf dem großen Gelände zwischen Hauptbahnhof und Museum verbinden sich zu einer Ausstellungsstadt von imponierender Größe. Sie geben schon heute einen Begriff von der Bedeutung der Ausstellung, die die einzige Großveranstaltung dieses Jahres im Gau Hessen-Nassau ist.
Während die Massivfassaden in einer Frontlänge von über 350 Metern und einer durchschnittlichen Höhe von sechs Metern angebracht werden, geht gleichzeitig mit fieberhaftem Fleiß der Innenausbau vor sich. Der Laie sieht verwundert auf die unzähligen Holzstapel und Ballen Bekleidungsmaterial, steht staunend vor der Masse der von über 20 Waggons angefahrenen Ausstellungsmaterialien aller Art, die ihres Einbaues harren. Eine ungefähre Vorstellung von dem riesenhaften Verbrauch an Bauzeug aller Art, das nur mit Tausenden rechnet und zählt, bekommt man, wenn man überlegt, daß allein für Inneneinrichtung der Halle schätzungsweise 25 000 Quadratmeter Deckenmaterial benötigt werden. lieber 8000 Quadratmeter
Wandeinrichtungen, über 15 000 laufende Meter Holzplatten und annähernd 20 Kilometer Draht 3uni Abspannen der Decke geben einen weiteren Begriff von den riesenhaften Ausmaßen dieser großzügigen Ausstellung. Es versteht sich, daß insbesondere der Innenausbau von langjährig geschulten Spezialarbeitern durchgeführt wird, denen die Arbeit, wie es scheint, spielend von der Hand geht. Noch eine interessante Zahl! Mehr als 20 000 Nähte müssen genäht werden, um Stoffbahn um Stoffbahn aneinanderzureihen.
Damit ist das Zahlenbeispiel, das lediglich einen kleinen Ausschnitt aus der großen Hallenstadt darstellt, noch längst nicht erschöpft. Das gesamte Verkleidungsmaterial reicht an eine für tiaien unvorstellbare Ziffer heran und dürfte insgesamt gesehen weit über 150 000 Quadratmeter hinausgehen. Alles in allem imposante Ziffern, die die Weiträumigkeit und das große Ausmaß der Ausstellung erkennen lassen. So wird buchstäblich eine gewaltige Leistungsschau aus dem Boden gestampft, die nach ihrer Fertigstellung mehrere Stunden eingehender Besichtigung notwendig hat und — auch das ist ausgerechnet worden — gemessen an der Länge des Weges eine Wegstrecke von 10 Kilometer hat. So ist aus dem Willen geboren eine Ausstellung im Entstehen begriffen, der die Tat auf dem Fuß folgt und die zu bewundern Tausende von Besuchern demnächst, in Wiesbaden Gelegenheit haben werden.
Gesundheitsfürsorge auf dem Lande.
NSG. Wir wissen alle, daß auch in der bäuerlichen Bevölkerung sich vor wenigen Jahren ein Absinken des Lebensstandardes bemerkbar gemacht hatte, der in den Jahren vor der Machtergreifung durch die nationalsozialistische Bewegung zum wirtschaftlichen Ruin vieler Bauernstellen führte. Zugleich damit zeigte sich auch ein erhebliches Äbsinken der Geburtenzahlen. Derartige Feststellungen waren aber für den völkischen Staat keine private Angelegenheit mehr, sondern sie gingen das ganze Volk an, und es wurden deshalb Mittel und Wege gesucht und auch gefunden, diese Mißstände zu beseitigen.
Es war die N S. - V o l k s w o h l f a h r t, die sich alsbald auch um die Verhältnisse auf dem flachen Lande zu kümmern- hatte. Die immer schon schwere Arbeit des Bauern wurde durch die geforderte Leistungssteigerung der Landwirtschaft noch vermehrt.- Anderseits saugte die in wirtschaftlicher Blüte stehende Industrie nicht nur den Ueberschuß, sondern auch dringend notwendige Kräfte aus der Landbevölkerung auf. Es galt deshalb, dem so'stark in Anspruch genommenen Bauernstand Erleichterungen zu verschaffen und seine Gesundheit vor Schäden durch eine Reihe von vorsorglichen Maßnahmen zu bewahren. Wenn es in Großdeutschland bereits gelungen ist, die Säuglingssterblichkeit in den letzten Jahren um fast zwei Prozent zu senken, dann ist das nicht zuletzt -ein Verdienst der vielen ländlichen Hilfsstellen „Mutter und Kind", der Einrichtungen der Haushaltshilfen bei Verfchik- kung von Landfrauen in Müttererholungsheime, der Schaffung von Kindergärten, insbesondere Erntekindergärten und Spielringe, die alle eingerichtet wurden, um die Gesundheit der Landbevölkerung zu heben, besonders die Lebensquelle dieser Landbevölkerung, die Mutter, .auf dem Lande zu kräftigen und sie für ihre weiteren Aufgaben zu stärken.
Gerade in der arbeitsreichen Zeit vom Frühjahr bis zum Herbst war bisher die Versorgung
und Beschäftigung der Kleinkinder ein schweres Problem für die Landfrauen. Hier half die NSV. durch einen großzügigen Einsatz von Kindertagestätten. Wie die weit über hundert Schwesternstationen im Gau Hessen-Nassau, dienen auch die Kindertagestätten der NSV. als Stätten zur Ueberwachung und Hebung der Volksgesundheit.
Auch auf anderen Gebieten- hat sich die NS- Volkswohlfahrt seit geraumer Zeit .ihr Arbeitsfeld auf dem Lande bereitet. Durch die Schulzahnpflegestellen, d. h. die Ueberwachung der Schulkinder durch Zahnärzte, wird im Auftrage der NSV. ständig der Gesundheitszustand der Zähne bei den Schulkindern beobachtet und hierdurch späteren gesundheitsschädlichen Folgeerscheinungen vor- aebeugt. Ganz erheblich ist auch der Einsatz der NSV. bei der Bekämpfung der Tuberkulose unter der Landbevölkerung. Mittel der NSV. waren es auch, die der Bevölkerung in Notstandsgebieten, wie zum Beispiel in der Rhön, Verbesserungen hygienischer Einrichtungen brachten. Neben der Einrichtung von Schwesternstationen und Kindergärten, sogenannten Gesundheitshausern, wurden gesunde Wohnungen und Siedlerstellen, aber auch Verbesserungen von Wasserleitungen finanziert.
Wir wissen, daß diesen hochzubewertenden Leistungen des deutschen Volkes sür die Landbevölkerung ebensolche Leistungen der Landbevölkerung für das gesamte deutsche Volk gegenüberstehen. Die Bauernschaft spendete vorbildlich für das Winterhilfswerk, sie unterstützt die NSV. durch die Spende von Ferienplätzen für Kinder der „Kinder-Land- Verschickung" und für Urlauber der „Hitler-Freiplatz-Spende".
Don der Universität Gießen.
Ernannt wurde Dr. med. vet. habil., Dr. phil. Oskar Wagner zum Dozenten für das Fach Parasitologie unter Zuweisung an die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Gießen.
Aus der Stadt Gießen.
Zn einer Hochsommernacht.
Ich sitze in der Gartenlaube. Ein, mattes, von 'lauem,Seidenstoff umspanntes Lämpchen leuchtet, 'lad) drückender Tageshitze ist nun die kühle Nacht gekommen. Ein Aufatmen geht durch die Natur. IlDte Blumen duften stärker in diesen Stunden, ie Vögel sind verstummt, nur die Grillen zirpen .munterbrochen ihre ewige Melodie.
Das kleine Lämpchen ist aber doch hell genug, um die nächtlichen Schwärmer anzulocken. Sie, ie tagsüber hinter den großen Blättern des wil- en Weines gesessen haben, angstvoll jeden Son- lenstrahl meidend, sie wagen sich nun heraus aus Krem Versteck und gaukeln durch die kühle Sommernacht. Die kleine Lichtflamme ist ihr Ziel. Taumelnd schweben sie der Lampe zu, rasten einige Sekunden auf dem Schirm, und von neuem be- iinnt das Spiel. Zum Teil haben die Nachtfalter >anz prächtig gefärbte Flügel. Nun setzt sich einer ! luf meine Hand. Wie sein leichter Körper atmet, nie er die kühle Nachtluft einsaugt! Zwei große Die Punkte sind auf seinen Flügeln, von denen ein ?iner Staub auf meine Hand rieselt. Eine kleine Bewegung — er fliegt auf, wieder der Lampe zu. «b das glühende Licht den Tierchen als erftrebens- ■ocrtes Glück erscheint? Haben auch diese zarten Zeschöpfchen eine Sehnsucht im Herzen?
Ganz dunkel spannt sich der Nachthimmel über acr Erde. Die Sterne funkeln, und ein leichter Mein hinter den Bergen zeigt das Kommen des Rondes an. Einzelne Nebelfetzen legen sich wie in weißes Gewand über die Bergeshänge. In den Ställen der Nachbarhäuser klirren manchmal die betten. Irgendwo bellt ein Hofhund. Der Bach Trüben in den Wiesen rauscht stärker. Schon sehe | :ih, wie sich die ersten Mondstrahlen im Wasser siegeln.
Nun steht der volle Mond am nächtlichen Him- - el. Die ganze Landschaft ist wie mit Silber über- ! Men. Da, wo vorher Waldbäume und Himmel einanderflossen, ist jetzt ein klarer, heller Grenz- || preisen. Und wie glänzt der Spiegel des Mühlen- mches! Da drunten rauscht das Wasser über das 88ehr. Das Mühlrad dreht sich, und dumpf klappert be Mühle, während Müller und Knecht schlafen. Getreide wurde ungefähren, und neues Mehl rieselt die Säcke.
In allen Häusern sind die Lichter erloschen. Nur :c Grillen zirpen noch, und ganz in der Ferne iiett ein junger Künstler auf seiner Geige ein Sieben Schubert. Ganz unwillkürlich lausche ich auf sese feinen Töne. Das gibt die rechte Stimmung. ! welche Zaubergewalt hat eine solche Sommer- i :acht!
1 Es ist schwer, in solchen Nächten zu schlafen. Tom Kirchturm schlägt es Mitternacht. Fern am vorizont ziehen einige dunkle Wolken auf. Wie ro§e, blaue Gebirge überdecken sie die Landschaft, rann zuckt irgendwo ein Blitz, und weithin wer- :'n Wald und Wiesen beleuchtet. Der Donner ist acht zu hören.
Es ist, als hätt' der Himmel die Erde still geküßt, daß sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müßt ...
(Eichendorfs.)
Infanterie-Regiment „Großdeutschland" stellt noch Freiwillige ein.
!Das Infanterieregiment „Großdeutschland" Motorisiert) stellt noch eine geringe Anzahl von Feiwilligen ein. Spätester Meldetermin i d e r 2 0. A u g u st. Merkblätter, die genaue Auskünfte über Einstellungsbedingungen usw. geben, rrrden den Bewerbern kostenlos zugesandt. Änfra- xm sind unmittelbar zu richten an: Jnfanterie-Re- fiment „Großdeutschland", Berlin, Rathenower Sraße 10.
„Der Westwall."
Ein dokumentarischer Film im Gloria-Palast.
Wie bereits angekündigt wurde, ist gestern in zu- rtchst 850 deutschen Lichtspieltheatern der dokumenta- rche Film „Der Westwall" angelaufen, der innerhalb cm acht Wochen sämtliche Lichtspielhäuser des,Reichs \ jjieren und überdies in großem Umfange auch 1 Auslande gezeigt werden soll. Der Film ist eine ^'meinschaftsarbeit der deutschen Wochenschau- t'irmen; ein ausgewählter Stab unserer besten R- meraleute hat die Aufnahmen geliefert. Die Ge- scmtgestaltung des Films stammt von Dr. Fritz i P P l e r; ihm standen Hauptmann Kühne vom ^rerkommando des Heeres (für militärische Fra- fnn) und Oberbaurat Henne in fachtechnischer h'-nsicht als Berater zur Seite. Der Film ist 1270 D ter lang und hat die Prädikate „Staatspolitisch nfo künstlerisch besonders wertvoll", „Als Lehrfilm il erkannt" und — als erster deutscher Kulturfilm r. „Jugendwert" erhalten. Der Film, der übrigens ilH auf der Biennale in Venedig gezeigt werden ; v-., erschien gestern bei uns zum ersten Male im Seoria-Palast ah Stelle des sonst üblichen, aus ' L'chenschau und Kulturfilm zusammengestellten ! ^Programms.
i in der sehr dezenten und zurückhaltenden musika- lst,en Begleitung klingt zweimal die Melodie der I:acht am Rhein" an, und die Worte „Lieb Vater- lu£>, magst ruhig sein" könnten wahrhaftig mit it'sm Grunde als Motto über dem Werk stehen. V Film — in der Lückenlosigkeit und Plastik :i;er bildmäßigen Anschauungskraft unübertreff- d — geht von einer kontrastreichen und sehr zum i icchdenken anregenden Gegenüberstellung aus, in- ■7i er an den Zustand von 1914 erinnert und dem Schauer klar macht, wie damals die deutschen Ernzen jedem feindlichen Zugriff offen und unge- hstzt dalagen ... In einem außenpolitisch entscheiden Augenblick, am 28. Mai 1938, gab der Füh- p und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht den ^°ehl zum Bau des Westwalles, der heute voll- ^rt dasteht. Was es mit diesem Befehl und seiner . , ’fübrung innerhalb einer unwahrscheinlich und ^olüffenb kurzen Zeit auf sich hat —: dies zu • -hen, ist Ausgabe und Inhalt des Films. Er gibt in-n Aufriß der gewaltigen, mit der Präzision Uhrwerks ineinandergreifenden Organisation ■Mit der Oberleitung von Generalinspekteur Dr.
t, er zeigt die vorbereitende, großzügige Pla- *irg, bann bie erforberlichen Vermessungsarbeiten «i der Grenze, — endlich den Bau, die Vollendung itö Ausgestaltung des Werkes selbst.
Nur ein im Verhältnis zu unserer gesamten Be- völkerungszif-fer geringer Teil des Volkes hat den Westwall bis jetzt aus eigener Anschauung kennen gelernt. Es soll ihn aber jeder kennen lernen, und dazu gibt der Film — weit über das bisher durch die Presse in Bild und Wort verbreitete Material hinaus — einen großartigen Anschauungsunterricht. Mit Staunen und tiefer Bewunderung wird man hier Zeuge einer unerhörten Kraftanspannung der gesamten Nation zum Schutze ihres Lebensraumes, einer Zusammenfassung von Menschen und Material, einer Konzentrierung physischer und seelischer, organisatorischer, militärischer und technischer Kräfte, wie sie wohl bisher noch nirgends in der Welt erlebt worden ist. Erst wer diese Bilder sieht, wird einen Begriff davon bekommen, was hier in kürzester Zeit aus dem Boden gestampft wurde, was hier an Ingenieuren, Bauleitern, Technikern, Handwerkern, an Arbeitern und Soldaten, an Stahl, Beton, Stacheldraht, Kies und Holz, an Waffen und Munition, an Lebensmitteln und zahllosen anderen Dingen des täglichen Bedarfs aufgeboten und zusammengetragen werden mußte, um den Westwall in der ganzen Länge der Grenze, vielfältig gestaffelt und tief gegliedert, entstehen zu lassen — als eine unüberwindliche Mauer, eine unzerstörbare Front schwerster und modernster Panzerwerke, Höckerhindernisse zur Tankabwehr, Jnfanterie- sperren, Bunker und Flakstellungen ...
Einige Zahlen, die-für sich sprechen, seien genannt: 695 000 Kubikmeter Holz wurden bereitgestellt, sechs Millionen Tonnen Zement wurden zu Beton verarbeitet (ein Drittel der gesamten deutschen Jahresproduktion!), drei Millionen Rollen Draht wurden zu Stacheldrahthindernissen verarbeitet — täglich rollten 8000 Eisenbahnwaggons mit Baustoffen zum Westen, dazu Schiffstransport auf Schiffstransport. Der Reichskraftwagenbetriebsoerband organisierte den Einsatz von 15 000 Lastkraftwagen aus allen Gauen und allen Branchen.
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Beton und Stahl und Maschinen allein, so heißt es einmal, find aber nur totes Material: erst der lebendige Mensch, der hier eingesetzt wird, macht den Wall zu dem enormen Verteidigungswerk, als das er geplant und errichtet wurde. Mit der in die Stellung einrückenden Truppe gleichsam betritt der Beschauer des Films ein Panzerwerk Und darf in feinem geräumigen Innern Umschau halten. Es würde zu weit führen, alles aufzuzählen, was die bewegliche Kamera hier festgehalten hat, aber man sieht: es ist an alles gedacht worden, und man muß wiederholen, daß der Anblick immer aufs neue unser Staunen und unsere Bewunderung hervor
ruft... und vor allem das Gefühl unbegrenzter Sicherheit.
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„Hier kommt keiner durch!" —: diese Feststellung, bie wir in ben letzten Wochen wiederholt in Reden und Beschreibungen vom Westwall gehört und gelesen haben, wird der Beschauer aus eigener Anschauung und tiefer Ueberzeugung bestätigen, wenn er die Bilder des Films auf sich hat wirken lassen, und zumal, wenn er anschaulich erlebt, wie die Luftoerteidigungszone dem eigentlichen Westwall elastisch und wiederum vielfältig in sich gestaffelt folgt, ausgerüstet mit allem, was uns an hochwertig wirksamen Abwehrmitteln überhaupt zu Gebote steht, den Gürtel aus Stahl und Beton noch verstärkt, vertieft und gewissermaßen überhöht ... Etwas Besseres und Vollkommeneres, als es hier geschaffen wurde, gibt es heute nicht. Und so gewaltig der Einsatz an Menschen war, den die Errichtung dieses riesigen Bollwerkes erforderte, so verhältnismäßig gering ist die Zahl der militärischen Kräfte, die zu seiner Besetzung gebraucht werden, und die dennoch sehr starke gegnerische Angriffskräfte binden würden.
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Von der belgischen bis zur schweizerischen Grenze eine unüberwindliche Front, 50 Kilometer tief, gespickt mit 22 000 der modernsten Panzerwerke, ist der Westwall ein Symbol der geballten Kraft und des unerschütterlichen Abwehrwillens der gesamten Nation. Wir glauben, daß dieser Film eben heute in einem psychologisch richtig gewählten Augenblick erscheint und vor allem auch im Auslände seine Wirkung nicht verfehlen wird. Bei uns wird ohne- h>n niemand versäumen, ihn sich anzusehen, weil er jeden einzelnen unter uns angeht.
Hans Thyriot.
Aufregende Tigerjagd in England.
Die Flucht von zwei Tigern aus einem Zirkus in Birkenhead während der Nachmittagsvorstellungen führte zu einer Reihe aufregender Zwischenfälle, bevor beide Tiere wieder eingefangen werden konnten. Ungefähr 2000 Zuschauer, fast ausschließlich Kinder, waren zu der Vorstellung, im Zirkus- zelt versammelt, als der Direktor kurz vor der letzten Nummer zu seinem Entsetzen bemerkte, daß zwei dreijährige Tiger, Romeo und Bengal, aus dem Käsig entsprungen waren und, ohne zunächst von jemand bemerkt zu werden, unter die Bankreihen krochen. Es gelang dem Direktor eine Panik zu vermeiden, indem er der Musik leise den Auftrag gab, die Nationalhymne zu spielen. Daraufhin verließen die Zuschauer, ohne eine Ahnung der drohenden Gefahr, den Zirkus und das Feld, auf
Dornoüzen.
Tageskalender für Freilag.
Gloria-Palast (Seltersroeg): „Hallo, Janine!"j Spät-Dorstellung, 22 Uhr: „Stenka Rasin" und der Don-Kosaken-Chor.
„Reisebegleiterin gesucht" mit Ittaria Paudler.
Am Samstag, 12. August, gastiert im Stadt- theater Gießen die auch durch den Film bekannte Schauspielerin Maria P a u d l e r in dem Lustspiel von Heinz Klimmer „Reisebegleiterin gesucht — An- aebote unter F. 5000 postlagernd." Die Berliner Gastspieldirektion — Klubertanz — hat in Stück und Besetzung der Rollen wiederum eine glückliche Wahl getroffen. Das Gastspiel des Berliner Ensembles verspricht einen Abend beschwingter Heiterkeit. Die Vorstellung beginnt 20 Uhr und endet -gegen 22.15 Uhr.
IMlitärkonzert beim Ruderklub „hassia".
Am kommenden Sonntag veranstaltet der Gießener Ruderklub „Hassia" 1906 aus Anlaß des Opfer- tages der deutschen Ruderer aus seinem Platze an der Lahn ein großes Militärkonzert, das vom Musikkorps der Fliegerhorst-Kommandantur unter der Leitung von Musikmeister Pfarre ausgeführt wird. In den Pausen des Konzerts werden verschiedene wassersportliche Darbietungen zur weiteren Unterhaltung beitragen.
Unsere Pimpfe und Hitlerjungen kommen am Sonntag zurück.
Am Sonntag, 13. August, kommen unsere Pimpfe und Hitlerjungen von ihrer herrlichen Egerfahrt aus Eisenach, dem Endpunkt der Fahrt, zurück. Die Fahrtabteilung des Bannes und Jungbannes 116 trifft um 12.04 Uhr mit dem Zug aus Fulda in Gießen ein. Bannführer Taesler wird in einem Schlußappell an der Alten Klinik die Teilnehmer in ihre Heimatstandorte entlassen.
Marschemheit Westfalen der HZ. unterwegs.
Zu einer großen Kundgebung der nationalsozialistischen Jugend gestaltete sich die Verabschiedung des Adols-Hitler-Marsches 1939 in Siegen, die am 8. August 1939 auf dem Marktplatz der südlichsten Stadt Westfalens stattfand. Eine Anzahl von Ehrengästen der Partei, des Staates und der Wehrmacht wohnten der feierlichen Kundgebung bei, in deren Verlauf Gebietsführer G. A. L a n g a n k e die Marfcheinheit feines Gebietes verabschiedete und ihr den Befehl gab, die Feldzeichen der westfälischen Hitler-Jugend, 33 Bannfahnen aller Banne seines Gebietes, nach Nürnberg und dort am Führer vorbeizutragen.
Die Marscheinheit der westfälischen Hitler-Jugend wird — wie mir,- bereits berichteten — von Rodheim her am Montag, 14. August, voraussichtlich noch in den Vormittagsstunden, unsere Stadt passieren, um dann am Abend in Lich zur lieber» nachtung zu sein.
Die Zulassung
zum einfachen Deamiendienst.
Auf Grund der Verordnung über die Vorbildung und Laufbahnen der deutschen Beamten hat der Reichsinnenminister nunmehr eine Ausbildungsordnung auch für die Anwärter des einfachen Dienstes in der allgemeinen und inneren Verwaltung erlassen. Zur Laufbahn des einfachen Dienstes in der allgemeinen und inneren Verwaltung sind danach Militäranwärter, Anwärter des Reichsarbeitsdienstes und Versorgungsanwärter alten Rechts zugelassen. Zivilanwärter können nur zugelassen werden, wenn sich innerhalb einer bestimmten Frist keine geeigneten Bewerber der bevorrechtigten Gruppen gemeldet haben oder wenn sonstige Möglichkeiten der Abweichung von den festgesetzten Stellenoorbehalten gegeben sind. Für die Auswahl und Einberufung von Militäranwärtern usw. gelten die für
dem er stand. Inzwischen hatten die Zirkusanhestell-, tert die Jagd^aufgenommen. Einer der Tiger raste durch einen Stall mit zwanzig Pferden, glücklicherweise ohne eines davon zu verletzen. Dann sprangen beide über einen vier Meter hohen Zaun auf einen benachbarten Fußballplatz, wo der eine, Bengal, rasch in eine Ecke getrieben und eingefangen wer-, den konnte. Romeo dagegen rannte auf die bewohnte Gegend zu. Ein zehnjähriges kleines Mäd^' chen, Nancy Shimmin, war unterwegs nach Hause, als es plötzlich den Tiger auf sich zukommen sah. Es flüchtete zu dem nächstgelegenen Hause einer Familie Miller, die ihm die Vordertür öffnete, ein paar Sekunden bevor der Tiger in ihrem Garten erschien. Sie konnten sich gerade noch zurückziehen und die Tür zuschlagen. Gleich darauf tauchte Romeos Kopf am Eßzimmerfenster auf, und die Familie suchte eilig Zuflucht in den oberen Räumen. Der Tiger setzte über, den Zaun in den Nachbargarten, wo ein Trupp von fünfzig.Verfolgern, Zirkusleute, Tierwärter und Polizei, ihn einhölte. Stevs Hill, ein Zirkusangestellter, kletterte auf das Dach einer Garage und öffnete die Tür, während Senor I. Vargus, nur mit einem Stöckchen bewaffnet, sich dem Tiger näherte, ihn hineintrieb und die Tür schloß. Ein fahrbarer Käsig wurde herangebracht, mit Schienen ein Laufgang gebaut und nun die Tür wieder geöffnet. Auf einen Pfiff des Wärters sprang Romeo mit einem mächtigen Satz wieder in die Gefangenschaft zurück. Eine Stunde hatts sein Ausflug in die Freiheit gedauert. B.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. jur. Siegfried Reicke, Ordinarius für Deutsche Rechtsgefchichte, Kirchenrecht, Bürgerliches und Handelsrecht an der Universität Mar^ bürg, l)at eine ehrenvolle Berufung nach Leipzig abgelehnt. Professor Reicke, 1897 in Nürnberg geboren, begann seine akademische Laufbahn als Dozent an der Universität Berlin; 1933 übernahm er vertretungsweise eine Professur in Königsberg und folgte 1936 dem Ruf nach Marburg.
Dem nb. ao. Professor Dr. med. Albert Viethen wurde unter Ernennung zum Ordinarius an der Universität Erlangen der Lehrstuhl für Kinderheilkunde übertragen. Professor Viethen, 1897 Vr München-Gladbach geboren, hat sich 1932 in Freiburg habilitiert und war dort als Oberarzt an der Universitäts-Kinderklinik tätig. 1935 übernahm er vertretungsweise die Leitung der Universitäts-Kinderklinik in Heidelberg.
Dem Dozenten Dr.-Jng. Karl Bechtold rourbd unter Ernennung zum ordentlichen Professor an der Bergakademie Clausthal der Lehrstuhl füij Maschinenkunde und Elektrotechnik übertragen.


