Aus der engeren Heimat
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war.
Schwerer Motorradunfall.
Lin Toter und ein Schwerverletzter.
Holl auch wissen, daß der Bindestrich auf der langen Strecke in Verlust geraten war. Er überlegte, ob diese Drahtung eine Antwort nötig machte, und entschied sich für nein. Jetzt kam es aus einen Tag mehr oder weniger auch nicht an. Morgen kehrte er sowieso nach München zurück, und dann würde er ja sehen, was an dieser undurchsichtigen Geschichte war.
Nach dem Abendessen pilgerte Holl zum Kurhaus, wo Promenadenkonzert war. Es war ein milder Septemberabend mit Ansichtskartenrot auf den Bergen, mit bunt angegilbten Platanen und schluchzender Musik von Puccini. — In der Tiefe floß die Passer durch ein Flußbett aus Beton, das ihr Menschenhände gebaut hatten. Da und dort erglommen erste Lichter an erdunkelnden Hängen. Junge Offiziere der italienischen Armee bewegten sich zwischen schwarzen Südlandsfrauen. Holl wandelte den Fluß entlang, bis die Musik leiser wurde und das Rauschen der Passer stärker. Dann holte er das ein wenig verblaßte Mädchen Maxie aus seiner Erinnerung und versuchte, es sich zu vergegenwärtigen. Denn sieben Tage Fahrt und Ablenkung hatten heilsam in ihm gewaltet. Seine Finger spielten mit einem zerknitterten Papier in der Rocktasche.
Sollte dies Telegramm eine Anbahnung sein? Und wenn — warum eigentlich? Daß Frauen so selten folgerichtig schreiben konnten und alles wie Kraut und Rüben durcheinanderbrachten! Wie es ihnen
Zusammenhang zu suchen hatte. „Bedauere Scheuert sowie Schwiebussache unendlich." Was sollte das
erfaßt und überfahren. Die Verletzungen waren derart schwer, daß das Kind auf der Stelle
Lpd. Offenbach a. M., 8. April. Am Karfrei- tag ereignete sich kurz nach 14 Uhr auf der Der- bindungsstraße zwischen Bürgel und Rumpenheim in der Nähe der Gemarkungsgrenze ein Motor, r a d u n f a l l, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Das mit zwei Personen besetzte Fahrzeug wurde in starker Fahrt aus der Kurve getragen und rannte gegen eine Laterne. Der Fahrer des Motorrades erlitt einen Schädelbruch und wurde auf der Stelle g e t ö t e t. Der Beifahrer kam mit einer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus.
bezog. —
Am nächsten Tag gings über den Brenner nach Haufe. Kurze Rast in Innsbruck, verbunden mit kleiner Abschiedsfeier. Herr Mayerscder aus Plauen nannte Herrn Dr. Holl den reizendsten Reiseleiter aller Zeiten und Zonen. Nur eine Eigenschaft wäre an ihm zu tadeln — sene mimosenhafte Zurückhaltung gegenüber den jüngeren Teilnehmerinnen. Ein Eisblock sei hitzig dagegen. Holl lächelte gezwungen und erwiderte spöttisch: Wenn dem wirklich so sei, dann sorge Herr Mayerseder entschieden für Ausgleich.
Als der Autobus in München eintraf, begann es zu dämmern. Als der Wagen vor dem Büro der „Monachia" hielt, begann das Aussteigen, das Händeschütteln und feierliche Schwurleistung, sich als- bald zu schreiben und sich nächstes Jahr wieder zu treffen. Schwüre, die erfahrungsgemäß nie gehalten werden. Die begeisterte dicke Holländerin zog Holl zur Seite und wollte ihm durchaus einen Geldschein in die Hand drücken, bis er sie überzeugte, daß hierfür der Chauffeur der gegebene Mann sei. Dann begab sich Holl ins Büro und ordnete seine Obliegenheiten. Als er endlich wieder auf der Straße erschien, hatten sich die Leute verlaufen und der Wagen fuhr nach der Garage Dor der Auslage mit den farbigen Prospekten stand eine junge Dame, die befangen auf ihn zutrat. Es war Maxie Hegemann.
Holl zog seinen Hut und machte eine leichte Der- beugung, die steif und feindselig wirkte.
„Sie haben mir nach Meran gedrahtet, Fräulein Hegemann?"
„Ja", erwiderte sie leise. Sein „Sie" brachte sie aus der Fassung.
Sie schritten ziellos und stumm nebeneinder her.
„Offengestanden habe ich Ihr Telegramm nicht ganz begriffen. Weshalb haben Sie die Anna darin erwähnt?" begann er, als das Schweigen unerträglich wurde'.
„Ich war so aufgeregt damals. Es war so viel los an jenem Tag. Ich bin gekommen, um dir zu sagen, daß ich mich sehr albern betragen habe. Mit Scheuer!, dem Tinser, mit der Schwiebus, mit allem ganz einfach. Ich sehe das heute vollkommen ein und — Man kann das auf der Straße nicht so besprechen", meinte sie hilflos. Sie trug ein einfaches Kleid und hatte auf Derschünerungen heute völlig verzichtet.
zerrten Zieler fjufon«!
sowie Schwiebussache unendlich/
heißen? Das war doch geölter Blödsinn! Wie sollte
Zwei tödliche Äerkehrsunfälle im Taunus.
LPD. Königstein, 10.April. Ein in Richtung Kronberg fahrender Personenkraftwagen aus Frankfurt geriet beim Ueberholen eines Lieferwagens auf den unbefestigten jzußweg und fuhr hier in eine Fußgängergruppe hinein. Der etwa 53jährige Schmied Wilhelm D e u- finger aus Kronberg wurde sofort getötet. Sein Schwiegervater Ludwig Weber wurde am Fuß verletzt und ein im Kinderwagen befindliches Kleinkind wurde herausgeschleudert, blieb jedoch glücklicherweise unverletzt.
Ein weiterer schwerer Unfall ereignete sich m Neuenhain. Ein dort zu Besuch weilender vierjähriger Junge aus Frankfurt wurde von einem aus Königstein kommenden Kraftwagen
gerade einfiel! Ob ein anderer hinterher Scherereien mit ihren Ergüssen hatte, war ja einerlei. Holl schob die Gedanken an Maxie Hegemann ärgerlich beiseite und machte kehrt. In einer altertümlichen Gasse mit Bogengängen vor den Häusern kaufte er sich einen halben Liter Traminer und stellte seine Abrechnungen für die „Monachia" fertig. Lira, Schilling, Mark. Vertrackte Spalten mit endlosen Einträgen. Deutsche Gründlichkeit. Es war gar nicht so einfach, Reiseleiter zu fein. Dann zündete er sich eine dieser miserablen Regiezigarren an und schlenderte durch die nächtliche Stadt zu seinem Hotel. Auf dem Nachttisch lag aufgeschlagen der Baedeker, aus dem er den größten Teil seiner vielbestaunten Kenntnisse
SA.-Wehrabzeichen-Urkunde wird dem Inhaber des SA.-Wehrabzeichens die Teilnahme an der Wieder- holjungsüdung beglaubigt.
Im übrigen wird darauf hingewiesen, daß alle SA.-Dienststellen über alle mit dem SA.-Wehrabzeichen und den Wiederholungsübungen zusammenhängenden Fragen Auskunft geben.
Leipzigs Turner wieder in Front.
Glatter Sieg über Hamburg und Berlin.
Zum 36. Male standen sich die Turner-Auswahl- Mannschaften der drei Städte Berlin, Leipzig und Hamburg gegenüber, dessen Ausgang diesmal über den Besitz des vom Reichsstatthalter von Hamburg gestifteten Ehrenpreises entscheiden sollte. Leipzigs Turner, die eine ausgeglichene Mannschaft stellten und keinen Versager 'in ihren Reihen hatten, errangen einen verdienten Sieg, der mit über 15 Punkten Vorsprung vor dem Zweiten, Hamburg, sehr deutlich ausfiel. Der Endstand lautete: 1. Leipzig, 870,3 Punkte; 2. Hamburg, 854,5 Punkte; 3. Berlin, 830,9 Punkte. Bester Einzelturner war der Leipziger Haustein mit 115,4 Punkten vor den Hamburgern Kribic (115,3) und Jürgensen (111,1). Rund 7000 Zuschauer wohnten dem Dreistädtekampf der Turner in der Hamburger Hanseatenhalle bei. Sofort nach dem Kampf wurde bekanntgegeben, daß Leipzigs Oberbürgermeister einen neuen Ehrenpreis gestiftet habe.
Massensturz im Karlshorster Ofterpreis
Als erste Berliner Großbahn eröffnete Karlshorft traditionsgemäß am Ostermontag mit dem Oster- preis. Prächtiges Frühlingswetter hatte den Besuch außerordentlich begünstigt. Tausende hatten die Fahrt nach der Wuhlheide angetreten, die Totoumsätze erreichten eine ansehnliche Hohe, so daß sich Karlshorft eigentlich keinen besseren Start in fein neues Rennjahr wünschen konnte. Der über 3400 Meter führende Ofterpreis wurde leider durch Zwischenfälle stark beeinflußt. Melnitz verlor am Start unzählige Längen, und gleich am ersten Sprung vielen nicht weniger als vier Bewerber des Elferfeldes einem Massensturz zum Opfer. Raubritter kam zu Fall, und über ihn hinweg stürzten Feldpost, Magul und Rodrigo. Raubritter und Rodrigo blieben dabei leider tot am Platze, während bet Jockey H. Michaels mit einer Gehirnerschütterung und Schlüsselbeinbruch ins Krankenhaus gebracht werden mußte. — Der in schweizerischem Besitz befindliche Franzose Le Rex, der in diesem Jahr im Westen schon zwei Rennen gewonnen hat, hatte dann nicht mehr viel zu schlagen, zumal auch Norman noch durch Sturz ausschied.
gemacht habe. Du kannst dich bei Doktor Klotz erkundigen. Und neuerdings habe ich so ein paar Familien, denen ich den Haushalt versehe. Die ganze Zeit her erziehe ich an mir herum und es wird schon werden, ich bin ja noch jung", sägte sie zuversichtlich und hob das Näschen.
„Na, dann wäre ja alles so ziemlich in Ordnung", meinte Holl befriedigt. „Da komm' mal her und gib mir einen Kuß; es schaut gerade niemand her. Wollen wir uns wieder vertragen?"
Maxie nickte zweimal sehr energisch und legte dann die Stirn an seine Schulter. Sie war sehr glücklich in diesem Augenblick. Plötzlich fiel ihr etwas ein. Herrgott, sie mußte ihm fa noch den Bries geben. Sie kramte ein großes graues Amtskuvert aus ihrer Handtasche.
Ich war am Vormittag bei deiner Mutter, Georg. Sie hat mir das für dich mitgegeben. Es ist in der Frühe gekommen."
„Vom Physiologischen Institut der Universität München", las Holl. Sollte das schon der Bescheid auf die durch den Professor übermittelte Arbeit sein? Er öffnete den Umschlag voll Erwartung.
„Laß mal sehen, was schreiben denn die? Ich lese es vielleicht am einfachsten vor. Also: ,Wir haben Ihre wissenschaftliche Arbeit, die uns von Herrn Professor Dr. Brettschneider übergeben wurde, der gewünschten Nachprüfung unterzogen. Wir stimmen Ihren Ergebnissen in allen Punkten zu. Nach unserem Dafürhalten besteht kein Zweifel, daß der von Ihnen gefundene und mit Antikörper X bezeichnete Wirkstoff die Autolyse verhindert und somit das Problem der Blutübertragung in ein völlig neues Stadium bringt. Wir stehen nicht an, Sie zu dieser wertvollen Entdeckung zu beglückwünschen, und sehen einer baldigen mündlichen Aussprache entgegen. Gleichzeitig stellen wir Ihnen nach Rücksprache mit den maßgeblichen Behörden anheim, um die erledigte Stelle eines zweiten Assistenten an unserer Anstalt einzukommen. Buhmütter."
Holl ließ den Kopf sinken, ihm war plötzlich sehr warm. Eine gute Nachricht das, dachte er, eine vortreffliche Nachricht. Ueberhaupt ein feiner Tag heute. Am meisten freute ihn die rückhaltlose Anerkennung seiner Leistung.
„Was sagst du dazu, Maxie?"
„Großartig, Georg! Eigentlich habe ich ein biß’ chen Angst davor, einen so furchtbar gescheiten Man« zu bekommen."
„Jetzt mach' einen Punkt, ja. Ader weil du gerade von ,Mamst rebetft, meinst du, ich könnte, jetzt bei deinem Vater anklopfen?"
„Ich habe mit Papa heute früh schon gesprochen- Er war riesig nett. Er hat gegen unsere Heirat goM und gar nichts. Kann ich vielleicht noch einen Kuv haben? Du haft mich die letzten zwei Wochen W knapp gehalten", maunzte sie.
„Du, das kann nachgeholt werden. Hier ist die erste Rate! Und jetzt will ich nobel sein und zweimal italienischen Salat spendieren. Prost, Maxie!
Ende.
Oer deutsche Sport am 20. April.
Beteiligung an den Veranstaltungen der NSDAP.
Der Reichssportführer gibt folgendes bekannt:
„Am 20. April begeht der Führer seinen 50. Geburtstag. Dieser Tag wird vom ganzen deutschen Volk in besonders festlicher Weise gefeiert werden. Träger der Veranstaltungen sind überall die politischen Ortsgruppen der NSDAP. Ich ordne hiermit an, daß die Führer der Gemeinschaften des NSRL. dafür Sorge tragen, daß sich alle Mitglieder des NSRL. geschlossen an den festlichen Veranstaltungen der NSDAP, beteiligen, soweit sie nicht durch ihre Zugehörigkeit zur Partei und ihren Gliederungen anderweitig beansprucht sind. Die Plätze, Heime und Sportanlagen des NSRL. sind am Geburtstag festlich zu beflaggen. Eigene Veranstaltungen des NSRL. werden am 20. April nicht durchgesuhrt."
Wiederholungsübungen
zum SA.-Wehrabzeichen.
Nach dem Befehl des Führers haben die SA.- Wehrabzeichenträger ihre stete Einsatzbereitschaft und den Stand ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit alljährlich durch die Teilnahme an den Wiederholung sübun gen zu beweisen. Die vom Stabschef der SA. herausgegebenen Richtlinien bestimmen für die Wiederholunasübungen, die vom 1. Mai bis zum 15. Juni mit Kleinkaliberschießen, Handgranatenzielwerfen und 1500-Meter-Geländelauf beginnen, daß jeder Inhaber des SA.-Wehrabzeichens, dem das Abzeichen gemäß dem auf seinem Besitzzeug- nis stehenden Datum vor dem 1. Januar 1939 verliehen wurde, zur Teilnahme verpflichtet ist. Don der Teilnahme befreit werden kann:
1. Jeder, der durch Krankheit oder aus beruflichen Gründen an einem festgesetzten Tage nicht abkommen kann. Er muß hierüber der zuständigen SA.-Dienststelle einen Beleg beibringen und erhält von dort Bescheid, ob seine Entschuldigung anerkannt roirb.
2. Jeder, der sich zur Zeit der Wiederholungsübung im Wehrdienst befindet. Selbstverständlich gilt diese Befreiung nur für die Hebung, die in die Zeit fallt, in der er tatsächlich bei der Wehrmacht dient. Er muß jedoch hierüber durch Vorlage des Wehrpasses der für ihn zuständigen SA.-Dienst- stelle einen Nachweis erbringen.
Zu den vom Stabschef angeordneten Frühjahrs- Wiedeeholungsübungen hat jeder SA.-Wehrabzeichenträger dafür zu sorgen,' daß die in seiner Hand befindlichen Unterlagen, wie SA.-Wehrabzeichen- Urkunde, Uebungsbuch (Leistungsbuch, Leistungskarte) und Besitzzeugnis in Ordnung find. In der
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„Wir können ja in ein Lokal gehen", schlug er erfig vor.
„Bitte!"
Holl wußte eine kleine Weinstube in der Nahe des Karlstors. Wenige Minuten später saßen sie in einer stillen Ecke, zwei Gläser und eine Stengel- vase mit künstlichen Blumen vor sich. Eine verrückt geformte Laterne zauberte Rot auf ihre Gesichter und Hände. Es roch nach Bratenfett und verschüttetem Alkohol; die Stammgäste waren zum Glück noch nicht erschienen. .
„Bitte!" ermutigte Holl und starrte tampfluftig auf sein unberührtes Glas.
„Ja also — vor allem das mit der Schwiebus , wollte Maxie beginnen.
„Mich würde das mit Tinser mehr interessieren , unterbrach sie Holl. „Ihr wart doch damals in Gattersee? Wie war das eigentlich}?"
„Harmlos, ganz harmlos; besser gesagt, fad. Ich habe Tinser nur aus Trotz mitgenommen, weil ich mich dafür revanchieren wollte, daß du mit der Anna los bist. Wir sind schon am Nachmittag zurück. Es war ein verpfuschtes Unternehmen, Georg."
„Na, und weiter? Später? Bißchen was vorgefallen? Abgeküßt?" inspirierte er.
„Gar nicht! Auf Ehr und Seligkeit! Mir ist Tinser doch ganz schnuppe", stieß sie hervor.
„So? Warum heißt es denn in jenem Brief: ,Nach allem, was vorgefallen ift‘ oder so ähnlich? Ich habe bas auf unseren Krach unb auf Tinser bezogen."
„Damit habe ich boch etwas ganz anderes gemeint. Daß die Anna an jenem Dienstag bei dir im Zimmer war. Ich war doch eifersüchtig auf sie. Schon die ganze Zeit her. Ich habe damals draußen gestanden vor deiner Tür mit dem besten Willen zum Einlenken und da hast du zu ihr gesagt: .Zieh' dich jetzt an, Anncr, unb das habe ich falsch aufgefaßt. Und bann hab' ich eben diesen Brief geschrieben. Ich war doch so unglücklich! Ich habe gemeint, du hast mich hintergangen. Ich bin nicht schlecht, das darfst du nicht glauben von mir. Mit Tinser wohl gar nichts. Wo denkst du denn hin! Und wie sich das mit der Anna aufgeklärt hat, habe ich dich überall gesucht, aber du warst schon unterwegs. Und da habe ich in meiner Verzweiflung bas Telegramm abgeschickt, unb es ist keine Antwort gekommen", schloß sie weinerlich und fahndete in ihrer Tasche nach dem Tüchlein.
Eifersucht also, dachte Holl und rückte eine Handbreit näher. Was mit Eifersucht zusammenhing, begriff er ausgezeichnet und sofort.
„Und ich habe mir eingebildet, du hast mich über", brummte er.
„Keine Spur. Wenn du wüßtest, wie es mich berumgetrieben hat! Und ich habe mir doch so Mühe gegeben, deinen Beruf zu verstehen unb ba- binter zu kommen, wie eine Arztfrau eigentlich sein soll. Seit ich diese Entbindung gehabt habe, verkehre ich viel mit einem Dr. Klotz, der mir —"
„Was hast du gehabt?" fiel ihr Holl in die Rede.
„Eine Entbindung; bei einer gewissen Frau Tukan. Ich glaube, nicht, baß ich meine Sache schlecht
93 Jahre alt
* Deckenbach (Kreis Alsfeld), 11. April. Am morgigen Mittwoch, 12. April, kann der älteste Einwohner unseres Ortes, Georg Kornmann, im Kreise von 4 Kindern, 16 Enkeln und 15 Urenkeln seinen 9 3. Geburtstag begehen. Der alte Herr hat in Gießen im Infanterie-Regiment 116 gedient unb ben Feldzug 1870/71 mitgemacht. Am 18.August 1870 mußte er schwer verwundet in die Heimat verbracht werden. — Ebenfalls am morgigen Mittwoch kann die Witwe Bertha Müller ihren 7 6. Geburtstag begehen. Beiden Jubilaren unseren herzlichen Glückwunsch.
Jahresabschluß der Kreisviehkasse Biedenkopf.
Die diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung der K r e i s v i e h k a s s e Biedenkopf V. a. G. fand in ihrem Verwaltungsgebäude in Biedenkopf unter Leitung des Vorsitzenden des Aufsichtsrates, Kreisbauernführer Heinrich Veite (Silberg) und in Anwesenheit des 1. Direktors, Landrat Dr. Burghof statt.
Geschäftsführer Plitt erstattete den Bericht über das Geschäftsjahr 1938. Der Geschäftsbetrieb hat auch im Jahre 1938 weiter zugenommen. 413 Mit- alieber sind neu eingetreten, 19 schieden aus. Das Versicherungskapital betrug am Ende des Geschäftsjahres 1938 6 262 481 Mark gegen 6 065 606 Mark im Jahre 1937, mithin eine Zunahme von 196 875 Mark. An Beiträgen gingen ein 153 922,40 Mark gegen 143 941,60 Mark, mithin eine Zunahme von 9 980,80 Mark. Versichert waren: 2406 Pferde, 10 001 Stück Rindvieh, 11 322 Schweine und 1728 Ziegen' und Schafe, zusammen 25 457 Stück Vieh. Entschädigt wurden: 198 Pferde mit einer Entschädigungssumme von 68 384 Mark, 504 Stück Rindvieh mit einer Entschädigungssumme von 56 969,10 Mark, 512 Schreine mit einer Entschädigungssumme von 26 700,50 Mark, 115 Ziegen und Schafe mit einer Entschädigungssumme von 3015,50 Mark. Insgesamt wurden 1329 Stück Vieh mit einer Entschädigungssumme von 155 069,10 Mark entschädigt, gegenüber einer Entschädigungssumme von 141149,15 Mark im Jahre 1937. Für Tierarztkosten wurden 5390,49 Mark ausgezahlt. Bei den Pferden, dem Rindvieh, den Ziegen unb Schafen reichten bie Versicherungsbeiträge nicht aus. Bei den Schweinen wurden Ueberschüsse erzielt. Die außergewöhnlichen Verluste betrugen im Geschäftsjahr 1938: 12 590,90 Mark. Diese wurden durch den Stiftunassonds und bie Entschädigungsrücklage gedeckt. Da seit Bestehen der Versicherung immer Ueberschüsse erzielt wurden, hat der Vorstand davon abgesehen, Nachschüsse zu erheben. Die rückständigen Beiträge sind bis auf einen kleinen Rest eingegangen. Das Vermögen beträgt am 31. Dezember 1938: 149 610,28 Mark. Die Kreisviehkasse Biedenkopf V. a. G., die in diesem Jahre auf ihr 70jähriges Bestehen zurückblickt, erstreckt sich auf zehn Kreise. Die Jahresrechnung und Vermögensübersicht waren geprüft worden, Anstände ergaben sich nicht. Die Versammlung nahm von den Ausführungen des Geschäftsführers Kenntnis unb genehmigte die Rechnung. Dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt.
Sodann fanden die Wahlen zum Aufsichtsrat statt. Die infolge Ablauf der Wahlzeit ausscheidenden Mitglieder Bürgermeister und Bauer Jvhs. Preis (Wittelsberg, Kreis Marburg), Gemeinderechner und Bauer Heinrich Gottschalk (Münchhausen, Kreis Marburg), Ortsbauernführer Willi Becker (Rodenroth, Dillkreis) unb Landwirt Heinrich Feußner (Ercksdorf, Kreis Marburg) wurden wiedergewählt. Die silberne Medaille nebst Diplom für langjährige treue Dienste erhielt der Ortsbevollmächtige Fried
rich Klein (Quotshaufen). Zum Schlüsse wurden noch einige Dereinsangelegenheiten besprochen.
Schweinemarkt in Nidda.
Nidda, 11. April. Zum jüngsten Schweinemarkt waren 210 Ferkel aufgetrieben. Bei hohen Preisen ging der Verkauf nur schleppend. Es wurden bezahlt für Ferkel bis 6 Wochen 30 bis 35, bis zu 8 Wochen bis 40, bis zu 12 Wochen bis 55 Mark.
Landkreis Gießen.
* Harbach, 11. April. Gestern gegen 13 Uhr geriet auf der Straße zwischen Harbach und Hattenrod der Personenkraftwagen eines Kraftfahrers aus Ober-Besfingen in Brand. Der Wagen fiel den Flammen vollständig zum Opfer. Der Lenker des Fahrzeuges konnte sich glücklicherweise in Sicherheit bringen.
00 Beuern, 10. April. Im Saale von Dietrich fand die Prüfung der für den Dienst im Roten Kreuz ausgebildeten 16 Männer und 26 Frauen statt. Dazu waren auch Vertreter des Roten Kreuzes Gießen erfchiedene. Die Prüfung schloß mit einem vollen Erfolg ab. Die Ausbildung der Männer und Frauen hatte Dr. Augst (Allendorf a.d. Lda.) durchgeführt. Nach der Prüfung vereinigten sich die Männer und Frauen vom Roten Kreuz noch zu einer Stunde kameradschaftlicher Geselligkeit. In unserem Orte wurde eine Ortsgemeinschaft des Deutschen Noten Kreuzes mit 42 Mitgliedern errichtet.
£ Kesselbach, 11.April. Unser Mitbürger Heinrich Schnell wird am 13.April 78 Jahre alt. Herr Schnell ist körperlich und geistig noch sehr rüstig, unb täglich sieht man den alten Herrn, wie er seinen Mitbürgern ihr Heimatblatt, den Gießener Anzeiger, zustellt. 'Diese Arbeit verrichtet Herr Schnell bereits über 50 Jahre. Darüber hinaus ist er schon über 40 Jahre als Vereinsdiener für ben Gesangverein Lieberkranz tätig unb hat sich auch hier das Vertrauen feiner Mitbürger erworben. Dem Jubilar unseren herzlichen Glückwunsch.
$ Albach, 11. April. Das Fest der silbernen Hochzeit feiern am 13. April die Eheleute Landwirt Karl Horn nnb Eleonore, geb. Fink, verwitwete Atzbach. — Am 12. April kann Landwirt Karl Arnold feinen 78. Geburtstag feiern. Herr Arnold erfreut sich noch einer guten Gesundheit. Beiden Jubilaren unsere herzlichen Glückwünsche.
Allershausen, 10. April. Die hiesige NS. -Kriegerkameradschaft hielt unter Leitung ihres Kameradschaftsführers Johann Heinrich Nachtigall ihren Jahresappell im Saale von Hormann ab. Der Kameradschaftsführer gedachte zunächst der Gefallenen des Weltkrieges unb her Ermordeten der Bewegung, ferner der im verflossenen Jahre verstorbenen Kameraben, deren Andenken in üblicher Weise geehrt wurde. Sodann erstattete er ben Jahresbericht, aus bem eine rege Tätigkeit der Kameradschaft im verflossenen Jahre zu entnehmen war. Seinen Mitarbeitern sprach der Kameradschaftsführer Dank aus für ihre eifrige und treue Mitarbeit. Kassenwart L i ch erstattete den Kassenbericht, der einen einwandfreien Stand auf* wies. Rechner und Kameradschaftsführung wurde herzlicher Dank gesagt und Entlastung erteilt. Der Kameradschaftsführer schloß den Appell mit der Aufforderung an die alten Soldaten, jederzeit einsatzbereit zu sein für Führer, Volk und Vaterland. Mit dem Gruß an den Führer fand der Appell den üblichen Abschluß.
Kreis Bübingen.
+ Gedern, 11. April. In einer unübersichtlichen Kurve geriet der 24jährige Friseur Ernst Ziegler von hier gegen ein entgegenkommendes Auto. Er stürzte und erlitt einen schweren Schädelbasisbruch. Durch das Schottener Rote Kreuz wurde er in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht.
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Noman von Mlthec ffloepffer.
Eopyrlght by Earl Buncker Verlag,ÄerllnV^Z5
40 Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Heute war der vorletzte Tag der Reise. Man hatte diesmal aus irgendwelchen technischen Gründen die Venedigstrecke, die einer Schleife glich, umgekehrt gefahren, so daß man in Meran nicht am zweiten, sondern erst am vorletzten Tag eintraf. Während Holl einer alten dicken Holländerin nachsah, die asthmatisch die Treppe hinaufkeuchte, schnippste der Empfangschef mit Daumen und Zeigefinger an das Telegramm und sagte:
„Seien Sie mir nicht böse, Doktor, weil ich das Dings aufgemacht habe. Es geschah in Ihrem Interesse. Wäre etwas von Todesfall oder Großem Los dringestanden, hätte ich es Ihnen natürlich vorausgehetzt. So aber las ich nur von „Mißverständnis" und „Vergebung", und das erschien mir nicht so wichtig. Habe ich das rechte getroffen?"
Holl nickte. Sieben Tage Verspätung waren für eine Depesche allerdings haarsträubend. Dieser Mensch hatte sie einfach liegen lassen. Holl versenkte sich nochmals in den Wortlaut. — Was Fräulein Hegemann da schrieb, war reichlich verworren. Es war auch nicht einzusehen, was die Anna in diesem
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