Nr.84 Zweites Blatt
Aus der Stadt Gießen.
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Qcmann (262 km) • (einem Franzosen
Eindrücke aus dem Memellande. Von Erwin Kroll.
„Es kann ja nicht immer so bleiben hier unter dem wechselnden Mond" —
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Asses sind die Anfangszeilen eines Gedichts, Iigguft von Kotzebue im Sandkrug bei Memel i-j"te, als er des Sturmes wegen auf der großen,
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i.m\ Ä UW’ Gehrung wohnenden, lettisch sprechenden Kuren von 'IP" . . u zur deutschen Kultur und Sprache bekannt W°n. Die Fischer des Kurischen Haffs, die Bauern 5s flachen Landes um den Memelstrom, die Be- f***^^v" aahner der Städte Memel und Heydekrug als der 5tel>^> ckrsschaftlichen Mittelpunkte — sie alle haben zwi- frei sich und den „russischen" Litauern stets einen WtA Icnnungsstrich gezogen.
g5 hat lange gedauert, bis man die landschaft- al%rMa i Wm Schönheiten Ostpreußens entdeckte. Noch irt&rti leröer und E. M. Arndt gingen achtlos an
ch beim Geister. h eintn enborfer
Kommerzienrat Adolf Noll f.
Arn Ostersonntag früh ist nach längerer schwerer Krankheit der Seniorchef der Zigarrenfabriken Ioh. Balth. Noll in Gießen, Kommerzienrat Adolf Noll, im 77. Lebensjahre verstorben. Mit ihm ist eine Persönlichkeit heimgegangen, die weithin in 2tadt und Land bekannt war und sich großer Wert- chätzung erfreute.
Kommerzienrat Adolf Noll war Gießener, wo « am 26. September 1862 geboren wurde. Nach fr em Besuch des Gymnasiums trat er in das väterliche Geschäft ein, wo er zunächst seine kaufmännische Ausbildung erhielt. Er diente dann als Einjährig- Freiwiliger beim damaligen Hessischen Garde-Drago- »er-Negiment Nr. 23 in Darmstadt und weilte anschließend zu seiner weiteren Aus- und Fortbildung ils Kaufmann in Holland und Amerika. Nach seiner ^ückkehr aus dem Ausland trat er wieder in die väterliche Firma ein.
Anfangs der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts ll-dernahm Adolf Noll zusammen mit seinem Bru- ft'-er Georg und dem Prokuristen Georg Emil Mähl : as väterliche Geschäft. Durch Todesfall schieden im Jahre 1906 sein Bruder Georg und der Mitinhaber ^eorg Em>l Möhl aus der gemeinsamen Arbeit us. Nunmehr übernahm Adolf Noll als Allein- mhaber die Führung des Unternehmens. Unter ”iner umsichtigen und tatfrohen Leitung nahm die Iirma einen großen Aufschwung. Neben den bereits isstehenden Fabriken in Gießen, Wieseck, Burkhards- elbcn, Rodheim a. d. Bieber, Krumbach und Launs- !>ach wurden im Laufe der Jahre neue Filialbe- riebe in Altenvers, Mudersbach, Beuern, Großen- Iuseck, Garbenteich und Schotten eingerichtet, ferner ilbemahm die Firma vor einem Jahre noch eine iröfrere Zigarrenfabrik in Kaiserslautern.
Anläßlich des 100jährigen Bestehens der Firma m Jahre 1911 wurde Adolf Noll von dem damali- iLn Großherzog von Hessen als äußeres Zeichen ter Anerkennung der Titel „Kommerzienrat" ver- isehen. Die Kriegsjahre und die Nachkriegszeit mit ter verhängnisvollen Inflation und den mancherlei riberen großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten teilten Kommerzienrat Noll und seine Firma vor : elfältigc schwierige Aufgaben. Der kaufmännischen msicht und der richtigen vorausschauenden Ein- chätzung der Entwicklung durch Kommerzienrat ' oll verdankt es das Unternehmen, daß es jene Aahrvolle Zeit glücklich überstand und Hunderten mn Männern und Frauen der Arbeitsplatz erhal- 1m blieb. Als Frucht feines Schaffens und Mühens bmnte Adolf Noll eine ständige erfreuliche Aufwärtsentwicklung seines Unternehmens verzeichnen; c_ißerdem hatte er die Freude, bei feiner Gefolg- s^aft ohne Ausnahme die größte Wertschätzung zu cmießen. Die enge Verbundenheit zwischen ihm und dien seinen Mitarbeitern kam bei seinen Besuchen i den Filialbetrieben, bei Veranstaltungen der Be- tiebsgemeinschaft und in jüngster Zeit ganz beson- t rs bei der Feier des 125jährigen Bestehens der fiirma im August 1936 vielfältig in herzlicher Weise z. m Ausdruck. An den Sorgen und Freuden aller j ner Gefolgschaftsmitglieder nahm er stets regen Anteil, und wo er raten und helfen oder durch ein Iemunternbes Wort aufrichten konnte, ließ er es nie Wen. Wer sich mit Angehörigen seiner Gefolgschaft unterhielt, konnte immer wieder die Wahrnehmung mdjen, daß alle nur mit Liebe und Verehrung von „unserem Kommerzienrat" sprachen.
I Neben seiner geschäftlichen Tätigkeit wirkte der it nmehr Verewigte auch noch in manchen ehrenamtlichen Stellungen im Dienste der Allgemeinheit. 5* war er in den Kriegsjahren Vorstandsmitglied ihr Darlehenskasse bei der Reichsbank. Viele Jahre lmg stand er an der Spitze des Aufsichtsrates der hi ndels- und Gewerbebank, an deren Aufstieg er ir verdienstvoller Weife mitwirkte. Sein Interesse ai der Natur bekundete er durch rege Mitarbeit in br Sektion Gießen-Oberhessen des Deutsch-Oester- inchischen Alpenvereins. Als kerndeutscher und von 'knkstem Nationalbewußtsein erfüllter Mann fan- b<n die Bestrebungen, die auf die Durchsetzung einer
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Nimeldeutschen in den letzten zwanzig Jahren um icien Vers gekreist haben! Denn das Land rechts o- Memel und Ruß, in dem einst die Litauer gast-
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4^ Aufnahme gefunden hatten, war schon 300 a re vor der Entdeckung Amerikas im Besitz des e^schen Reiches, und Memel selbst ist eine der Wen Gründungen des Deutschen Ritterordens, liir weilten in Preußens trübster Zeit König ir^brid) Wilhelm III. und Königin Luise, hier schuf iciiherr vom Stein die Grundlage zu einem neuen «riußen. Hier umgeben die Bronzebüsten eines in, Hardenberg, Schon, Schröter, Scharnhorst, iriiifenau, Porck und Dohna das Denkmal der Hoiussia, die, das Schwert in der Linken, die zer- brthenen Ketten niedertritt. Hier stand und steht j.z wieder das Denkmal Kaiser Wilhelms I. Be- liqineni), daß sich auch die von Litauen abstammen- Bn Bewohner des Memellandes und die auf der
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irbett-
o i Königsberg nach Riga führenden Poststraße myt weiter, kam. „Es kann ja nicht immer so
j llitrn vorüber. Erst ein weiter Gewanderter, Wil- । hlii von Humboldt, fand auf seinen Dienst- I ’m (in die heimlichen Reize dieses Landes. Als er » eic stürmische Mondnacht an der samländischen I llf'2 erlebt hatte, schrieb er an seine Frau: „Es ’ Hi ein sehr großes Schauspiel. Ich werde die ’ Sic-t nie vergessen; sie ist das Größte und Schönste, 1 <15 ich seit meiner Abreise aus Italien erlebt Nach einer Wanderung über die Kurische iW'ung ist feine Begeisterung noch gestiegen: „Die
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesfen)
Dienstag,Il.April (YZY
Ostern im Frühlingsglanz.
Ungewöhnlich schwacher Reiseverkehr bei der Reichsbahn.
Die Dfterfeiertage brachten eine angenehme Überraschung: wer bei dem regnerischen Wetter und der kühlen Temperatur Mitte voriger Woche angenommen hatte, während der Osterfeiertage zu Hause am geheizten Ofen bleiben zu müssen, der konnte an beiden Feiertagen die erfreuliche Feststellung machen, daß der Frühling uns ein nettes „Osterei" in Gestalt von herrlichem Frühlingswetter mit strahlendem Sonnenschein brachte. An beiden Feiertagen herrschte ein Festwetter, wie wir es uns besser gar nicht wünschen konnten.
So war denn auch der Ausflüglerverkehr in die im ersten Frühlingsschmuck prangende Natur an beiden Feiertagen sehr stark. Schon morgens konnte man in den Ausfallstraßen der Stadt große Scharen von Ausflüglern zu Fuß, auf dem Fahrrad oder in Kraftfahrzeugen sehen. In den Abendstunden herrschte gleichfalls reger Verkehr in umgekehrter Richtung. Während der Tagesstunden waren die Anlagen und die engere Umgebung der Stadt, namentlich auch die Ausflugsstätten, stark besucht.
Eine Enttäuschung hinsichtlich des Verkehrs brachten beide Feiertage nur der Reichsbahn. Wie wir
auf Anfrage bei der zuständigen Stelle der Reichsbahn in Gießen hören, entsprach hier der Reisendenverkehr vom Ostersamstag bis zum gestrigen Ostermontagabend in keiner Weise den Erwartungen und den Vorbereitungen der Reichsbahn. Am Ostersamstag war die Benutzung der Züge auffallenderweise noch schwächer als an jedem anderen Samstag, und auch an den beiden Feiertagen wurde der Verkehr jedes anderen gewöhnlichen Sonntags nicht einmal erreicht. Daß die Reichsbahn unter diesen Umständen keine Sonderzüge fahren ließ, ist selbstverständlich. Lediglich die schon vor Wochen für Ostern bestimmten Urlauberzüge wurden gefahren. Dieser außerordentlich schwache Verkehr bei der Reichsbahn ist jedenfalls eine für unsere Gießener Verhältnisse ungewöhnliche Erscheinung.
Polizei, Gendarmerie und Notes Kreuz wurden erfreulicherweise während der Feiertage nicht in Anspruch genommen und hatten völlige Festtagsruhe.
Die Osterbilanz kann man also, bis auf die Ausnahme bei der Reichsbahn, als durchaus befriedigend bezeichnen.
nationalen Haltung und Politik unseres Volkes gerichtet waren, bei ihm alle Sympathie. Seine kompromißlose nationale Haltung veranlaßte ihn auch, in der Systemzeit, als die Sozialdemokratie dem in Gießen, im jetzigen Hause der Firma Noll an der Ecke Kirchstraße/Burggraben, geborenen Marxistenführer Liebknecht eine Gedenktafel an diesem Hause widmen wollte, seine Zustimmung rundweg zu versagen, sehr zum Aerger der Marxisten, die deswegen in Gießen und auch außerhalb durch ihre Presse heftige Angriffe gegen Kommerzienrat Noll richteten. Aber das alles vermochte den charaktervollen, von heißer Vaterlandsliebe erfüllten Mann nicht irre zu machen. Er blieb allezeit seiner nationalen Gesinnung treu und begrüßte es mit großer Freude, als im Januar 1933 der nationale Gedanke überall in unserem Volke wieder zum Durchbruch kam.
Bei seiner vorbildlichen Haltung als Kaufmann und Inhaber eines großen Betriebes und feiner warmherzigen Verbundenheit mit allen seinen Mitarbeitern war er auch im Verkehr mit feinen Geschäftsfreunden und mit feinem Bekanntenkreis stets ein Mann, der sich alle Sympathie erwarb. Sein vornehmer Charakter und seine offene deutsche Art verschafften ihm nicht nur einen großen Kreis von Freunden und Bekannten, sondern auch hohe Wertschätzung in weiten Bevölkerungskreisen. So wird das Andenken an diesen Mann nicht nur im Kreise feiner Gefolgschaft, sondern weit darüber hinaus bei allen denen, die mit ihm in Berührung tarnen, stets in Ehren und in dankbarer Erinnerung fortleben.
Dornotizen.
Tageskalender für Dienstag.
Stadttheater: 20 bis gegen 23 Uhr „Der Vetter aus Dingsda". — Gloria-Palast: „Drunter und drüber". — Lichtspielhaus: „Wasser für Canitoga". — Oberhessifcher Kunftverein: 17 bis 18 Uhr Ausstellung im Turmhaus am Brand.
Spielplan des Sladtthealers vom 11. bis 16. April.
Heute abend Wiederholung von „Der Vetter aus Dingsda". Operette in drei Akten von Eduard Künneke. Musikalische Leitung Joachim Popelka, Spielleitung Gert Buchheim, Tänze Thea Maaß. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 27. Vorstellung der Dienstag-Miete statt. Anfang 20 Uhr, Ende gegen 23 Uhr.
Mittwoch, 12. April, Anfang 19.30 Uhr, Ende gegen 22 Uhr: „Ein ganzer Kerl", Komödie von Fritz Peter Buch. Inszenierung: Hans Geißler. Mittwoch-Miete, 27. Vorstellung.
Donnerstag, 13. April, Anfang 20 Uhr, Ende 22 Uhr: Gießener Konzertverein, Viertes Orchester
konzert des Großen Städtischen Orchesters (9. Platzmiete-Konzert). Leitung: Paul Walter.
Freitag, 14. April, Anfang 20 Uhr, Ende nach 22 Uhr: Erstaufführung „Einen Sommer lang", Lustspiel von Katharina Stoll. Spielleitung: Günter Winkel. Freitag-Miete, 27. Vorstellung.
Samstag, 15. April, Anfang 20 Uhr, Ende nach 22 Uhr: KdF. - Feierabendring (12. Vorstellung), zum letzten Male, „Flitterwochen", Lustspiel von Paul Helwig. Spielleitung: Günter Winkel.
Sonntag, 16. April. Anfang 11.30 Uhr, Ende 12.30 Uhr: 13. Morgenveranstaltung, „Kammermusik", Werke von Dvorak und Schubert. Aus- führende: das Gießener Streichquartett Ewald Lassen, Karl Jost, Georg Scheuermann, Ernst Schneider. — Anfang 19 Ühr, Ende 22 Uhr: Zum letzten Male „Die Tänzerin Fanny Elßler", Operette von Johann Strauß. Musikalische Leitung: Joachim Popelka, Spielleitung: Gert Buchheim. Außer Miete!
Viertes Orchesterkonzert im Stadttheater.
Am Donnerstag, 13. April, findet das Vierte Orchesterkonzert des großen Städtischen Orchesters im Stadttheater statt. Leitung Kapellmeister Paul Walter. Das Programm sieht vor: Mozart, Haffner — Sinfonie in D-dur K. V. 385 — Bruckner, Fünfte Sinfonie in B-dur. — Das Konzert findet gleichzeitig als 9. Platzmiete-Konzert des Konzertvereins statt. Anfang des Konzertes 20 Uhr, Ende 22 Uhr.
Don der Universität Gießen.
Prof. v. Haenchen, Gießen, wurde als Nachfolger des an die Universität Berlin berufenen bisherigen Dekans der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität M ü n st e r , Prof. D. Friedrich Wilhelm Schmidt, auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie der Universität Münster berufen. Prof. D. Haenchen wurde 1894 im abgetretenen Posen, in Czarnikau, geboren und war bis 1918, als er schwer verwundet wurde, Kriegsteilnehmer. Er ist Schüler von Prof. Dr. Heim in Tübingen, wo er sich auch habilitierte. Sein Hauptarbeitsgebiet ist Systematische Theologie, ferner ist er ein besonderer Kenner der nordischen Theologie.
Gießener Wochenmarktprelse.
* Gießen, 11. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 Mark, Matte 25 bis 50 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Weißkraut. % kg 15, Rotkraut 18, Karotten 15 bis 17, Spinat 35, Unterkohlrabi 8 bis 10, Feldsalat, 1ho 15, Tomaten, % kg 45 bis 50 Pf., Meerrettich 40 bis 50, Kartoffeln, % kg 5 bis 7 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,30 bis 3,90 Mark, Saatkartoffeln, frühe, % kg 8 bis 10 Pf., späte 6 bis 8, Aepfel 45,
Blumenkohl 35 bis 50, Salat 40 bis 45 Pf., Salatgurken 1 Mark, Lauch 5 bis 15 Pf., Sellerie, Va kg 40 bis 50, Rettich 10 bis 15, Radieschen, das Bündel 15 bis 25 Pf.
Das Recht des 1. Mai darf nicht geschmälert werden.
Lpd. Da das deutsche Volk in Kürze wieder den 1. Mai feiert, verdient eine neue Entscheiduna des Reichsarbeitsgerichts (207/38) allgemeines Interesse. Im letzten Jahre fiel der 1. Mai auf einen Sonntag. Ein bei einer Wirtschaftsbetriebsgesellschaft beschäftigter Kellner verlangte auf Grund der Tarifbestimmungen einen Betrag als Ausgleich für den für die Arbeit am 1. Mai nicht gewährten bezahlten freien Tag in der folgenden Woche. Die Gesellschaft wandte ein, daß dieser bezahlte freie Tag im Gastwirtsgewerbe zum Ausgleich dafür gewährt werde, daß die übrigen Werktätigen durch den 1. Mai einen zusätzlichen Wochenfeiertag erhalten haben. Dieses Moment entfalle, wenn der 1. Mai ein Sonntag sei. Alle drei Rechtszüge haben dagegen dem Kläger seinen Anspruch zuerkannt. Das Reichsarbeitsgericht erklärt,, daß der Ausgleich nach der Tarifordnung nicht dafür erfolge, daß die Werktätigen durch die Gewährung eines weiteren Wochenfeiertages einen wirtschaftlichen Vorteil haben, sondern dafür, daß den Beschäftigen im Gastwirtsgewerbe die Beteiligung an der Maifeier durch den Zwang zur Anwesenheit im Betrieb unmöglich gemacht werde, also zum Ausgleich eines ideellen Verlustes. Zum Ausgleich für die entsprechende Maifeier werde der zusätzlich bezahlte freie Tag gewährt.
* ,
** Reichsbahnpersonalien. Rückwirkend ab 1. Janaur 1939 wurden die nachgenqnnten Schaffner des Bahnhofs Gießen zu Zugführern ernannt: (9g. Jung I., Karl Erbe, Karl Seipp, Wilhelm Menges, H. Freihöfer, Beck, Bünde, Pepp- müller, Polofcheck, (9g. Jung II. und Armin Wolf.
** Vergiftungsverfuch. Ein hiesiger Einwohner machte den Versuch, sich durch Essigsäure zu vergiften. Er wurde in ärztliche Behandlung gebracht. Die Beweggründe zu dieser Tat konnten noch nicht ermittelt werden, da er noch nickst vernehmungsfähig ist.
** Unfälle. Durch einen Sturz von einem Scheunenboden zog sich der 28jährige Kaufmann Heinz Will, Cbelstraße, einen Schädelbasisbruch zu, der seine sofortige Ueberführung in die Chirurgische Klinik notwendig machte. — Durch einen Schwindelanfall veranlaßt, stürzte die 74jährige Frau Marie Michel, Weserstraße, eine Treppe hinab und erlitt dabei einen Oberschenkelbruch. Der 51jährige Arbeiter Bernhard W e st b r o ck wurde bei seiner Arbeit von deinem Pferd an die Wand gedrückt und erlitt dabei Brust- und Rippenquetschungen.
ORunhfunfprogramm
Mittwoch, 12. April.
5.50 Uhr: Bauer, merk auf! 6: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. 10: Schulfunk: Und der Hauptmann hat's gesagt. Alte und neue Signale. 11.40: Ruf ins Land. 12:'Werks- konzert. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. Es spielt das große Rundfunkorchester. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch... 16: Musik am Nachmittag. Gespielt vom kleinen Orchester des Reichssenders Saarbrücken. Einlage 17 bis 17.10: Das Mikrophon unterwegs. 18: Hier spricht der Jurist: Haften Eltern für die Schäden ihrer Kinder? 18.10: Das neue Staatsarchiv zu Marburg. 18.30: Frauen der Vergangenheit: Königin Luise. 19: Zum 50. Male: „Fliegendes Deutschland". Zwei Jahre NS.-'Fliegerkorps. 19.15: Tagesspiegel. 19.30: Der fröhliche Lautsprecher. (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 20: Nachrichten. 20.15: Unterhaltungskonzert. 21: Gastkonzert des japanischen Dirigenten Hidemaro Konoye. 22: Nachrichten. 22.15: Bilderbuch der Woche. 22.30: Musik aus Wien. 24 bis 3: Nachtkonzert.
Kurische Nehrung ist so merkwürdig, daß man sie eigentlich ebensogut als Spanien und Italien gesehen haben muß, wenn einem nicht ein wunderbares Bild in der Seele fehlen soll. Ein schmaler Strich toten Sandes, an dem das Meer unaufhörlich auf einer Seite wütet und den an der andern eine ruhige, große Wasserfläche, bas Haff, bespült. Die ödesten Sandhügel, die schrecklichsten, traurigsten Kiefern, die ganze Stunden lang, soweit man sehen kann, bloß aus dem Sand ohne einen einzigen Grashalm hervorwachsen und nur oben durch die Lust zu leben scheinen..." Auch am weiteren Memelgebiet, „wo schon die Namen erschrecken", findet er landschaftliche Reize.
Bekanntlich ging die Versailler Grenze mitten durch die Kurische Nehrung, so daß die schönsten Teile dieses schmalen, aus Sanddünen, Wald und Palwe geflochtenen Landstreifens, der, von Cranz bis Memel sich hinziehend, Ostsee und Haff trennt, dem Reiche entrissen waren. Vor allem hatten wir den Verlust jener beiden Haffdörfer Nidden und Schwarzort zu beklagen, die feit Jahrzehnten den Dichtern und Malern und neuerdings auch reiselustigen gewöhnlichen Sterblichen vertraut sind. Schon im Frühling, wenn die vom Schacktarp aufgetürmten Eisschollen geschmolzen sind, ist die Nehrungslandschaft voller Reize. Der Sommer läßt die Natur sich prächtig entfalten, die See lockt jetzt zum Bade. Am schönsten aber ist der Herbst. Da hat sich der Schwarm der Gäste verlaufen, in unwahrscheinlich satten Farben glänzen Meer, Haff und Wanderdüne. Der Wald ist dicht bevölkert von Schwärmen nach Süden ziehender Vögel. Elchfamilien ziehen friedlich vorüber. Noch weht die Luft lind vom sommerlich angewärmten Wasser her. Wenn die Dämmerung aufs blinkende Haff niedersieht, fahren die stattlichen Fischerkähne hinaus. Langsam verschwinden ihre buntgeschnitzten Wimpel in der Dunkelheit. Wie eintönig, wie gefahrvoll das Leben der Fischer! Vom Kampfe dieser Braven wissen die Dorfkirchhöfe am Haff zu melden. Hart ist das Ringen ums tägliche Brot, und karg nur spendet die Natur.
Nidden! An der Dorfstraße, die sich das Haff entlangzieht, liegen die Häuser der Fischer-Wirte. Die hohen Dünen, die von dem Seewinde angeweht wurden und mit ihrem Sonde Hous und Hof, ja ganze Dörfer zu verschütten pflegten, sind längst bepflanzt, und tragen mehr oder minder üppigen Baumschmuck. Kirche und Leuchtturm erheben sich auf ihnen und weisen den Schiffen den Weg. Gar manches Fifcherhaus ist noch aus Holz gezimmert und entbehrt den Schornstein. UeberaU grüßen Fenster, aus hellblau angestrichenen Rahmen. Ein
üppig buntes Bauerngärtlein fehlt vorn nirgends, muß auch jede Krume fruchtbare Erde mit Mühe herangeschafft werden. Hinter den Häusern pflanzt man Kartoffeln in den Sand. Andere Feldfrüchte gedeihen hier nicht, und das Heu zum Füttern des Viehs müssen sich die Fischer auf ihren Booten vom gegenüberliegenden Festlande holen. Der Fischfang war in den letzten zwanzig Jahren für sie keine sonderlich lohnende Beschäftigung. Es fehlten die richtigen Absatzgebiete, und so litt man in Nidden, Preil und Schwarzort oft Not.
Welch ein anderes Bild bietet dagegen ein Markttag in Memel! Da sieht man auf dem riesigen Platz in der Nähe des Hafens Hunderte von kleinen Wagen. Von weither sind die Bauern angefahren, um ihre Erzeugnisse — Butter, Eier, Honig, Obst, Gemüse, Geflügel und felbstgewebtes Seinen — anzubieten. In den großen Hallen nebenbei findet man Fleisch, Brot und Kuchen die Fülle. Ein Paradies für die Hausfrau! Aber wie oft mußten die Bauern infolge der Ueberfülle des Angebots heimkehren, ohne ihre Waren losgeworden zu sein, ohne in den zahlreichen Läden der Stadt ihrerseits Einkäufe gemacht zu haben ...
Mit ihren Wiesen und einsamen Mooren bietet die Niederung des Memellandes ein anderes Bild al^ die Nehrung. Der nährende, aber auch zerstörende Memelstrom, der einst gewaltige Holztriften trug und hoffentlich wieder tragen wird, gibt der Landschaft den Charakter. Sudermann, der Sohn Heydekrugs, hat Land und Leute seiner Heimat oft geschildert; er widmete ihr aus der Ferne einen dichterischen Segensgruß, der mit folgenden Worten beginnt:
Blaues Haff und bunte Wiesen, Krähenwald und Weidenstrauch ' Seid gegrüßt und seid gepriesen, Heimatstadt, du fei es auch.
Von der besonderen Eigenart des Memelmenschen, vom Ur-Pruzzischen in seinem Blute kündet Alfred B r u st, der allzu früh verstorbene Dichter, in seinem Roman „Die verlorene Erde". Auch die Stadt Memel hat ihren Poeten. Es ist der alte Simon Dach, dessen Bild uns vom Turm der Johanniskirche und vom Aennchen-Brunnen auf dem Theater- Platz grüßt. Gern hätte er in seinen letzten Tagen von Königsberg aus noch einmal seine Heimat besucht. Aber die Reise war damals zu beschwerlich, und so widmete er seinem lieben „Mümmel" wenigstens noch ein Abschiedsgedicht, in dem es u. a. heißt:
Nun, werte Mümmel, gute Nacht, Du mögest glückhaft leben,
„Du mögest glückhaft leben" — bas ist ein Wunsch, auf dessen Erfüllung die nunmehr heimgekehrte nördlichste Stadt Großdeutschlands sicherer rechnen kann als je zuvor.
Das Osterwiegen.
Wenn heute die „schlanke Linie" trotz aller Anfeindungen noch immer bevorzugt wird, so ist sie früher und jedenfalls beim Volke nie beliebt gewesen, im Gegenteil, die Dünnen und Mageren hatten immer viel unter dem Spott zu leiden, und wenn es auch bei uns nicht so war wie bei den Orientalen, die die Schönheit nach den Fettpolstern abzuschätzen scheinen, so haben sich doch auch in unserem Volksbrauch die Dicken stets einer besonderen Beliebtheit erfreut. Das hat sich nie deutlicher gezeigt als bei einer eigenartigen Dfterfitte, die an manchen Orten üblich war: das Osterwiegen. Zu Ostern war der große Augenblick gekommen, da Bauer und Bäuerin auf die Waage traten, um feft- zustellen, was sie in den fetten Wintermonaten „geschafft" hatten. Alt und jung beteiligte sich an diesem Osterwiegen, das zu den beliebtesten Festfreuden gehörte. So war es in 4)er Soester Börde seit altersher üblich, daß man sich zu Ostern auf die Waage stellte und bescheinigen ließ, welch ein „gewichtiger" Kerl man war. Daß es gerade zu Ostern geschah und nicht im Sommer trber Herbst, hatte seinen guten Grund. Die schwere Erntearbeit kostete manchen Schweißtropfen und nahm den Körper mit, auch wenn er besser und reichlicher genährt wurde. Ebenso wenig gestatteten die Herbstarbeiten, vor allem das Dreschen, keine erhebliche Zunahme der Körperfülle. Aber nach Weihnachten, nach Lichtmeß, da war die schwere Arbeit vorbei, ein Schlachtfest folgte dem anderen, da gab es „fette Dage". Alter Sitte gemäß bekamen die Nachbarn immer von dem Guten etwas mit, so daß der Landmann in der Zeit bis Ostern sich ordentlich „int Smeer" legen konnte. Gutes Essen und wenig Arbeit, dabei konnte man großartig dick und stark werden, und cs bestand zu Ostern keine Gefahr, wenn man sich auf die alte Balkenwaage stellte: man „was guct dorn Winter fummen". Und wem es trotz alledem nicht gelungen war, den nötigen Speckansatz zu erzielen, der hals wohl auch ein wenig drirch Steine nach, die er sich in die Tasche steckte, um die gewünschte Schwere zu haben und dem Spott der lieben Nachbarn zu entgehen. Der schwerste Mann, die dickste Frau, das war die gewichtigste Person, die für einige Tage in aller Munde 'war, und auf diesen Ruhm war jeber, der ihn einmal erlangte, stolz. B.


