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Nr. 60 Erstes Blatt

189.Jahrgang

Samstag, ^./Sonntag,12. Marz 1939

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Preßburg unter dem Standrecht.

Tschechisches Militär gegen die demonstrierende slowakische Bevölkerung. Eine Note des Kabinetts Tiso an die Neichsregierung.

Budapest, 10. März. (Europapreß.) Berichten, die telephonisch aus Preßburg hierher gelangt sind, sind über die politischen Vorgänge der letzten vier­undzwanzig Stunden folgende Einzelheiten zu ent­nehmen:

Die Stadt Preßburg wurde in bdr Nacht zum Freitag durch starke tschechische Polizei» kräfte, die mit Lastkraftwagen herbeigeschafft worden waren, von der Außenwelt abge­riegelt. Die Hlinka-Garden, die am Don­nerstagabend in der ganzen Provinz alarmiert wor­den waren, konnten wegen der militärischen Absper­rungen nicht mehr nach Preßburg hinein­kommen. Die tschechischen Polizeikräfte besetz- t e n sämtliche wichtigen Punkte der Stadt Preßburg. Polizei- und Gendarmeriegebäude, Poft, Telephon- und Telegraphen-Direktion, ferner das Eisenbahn-Verwaltungsgebäude stehen unter tsche­chischer polizeilicher bzw. militärischer Besetzung. Um 11 Uhr vormittags wurde durch den Rundfunk mit­geteilt, über Preßburg sei das Standrecht ver­hängt worden.

In dem slowakischen Studentenheim .,V o r a d o v", dem slowakischenAlkazar", versuchte die Studentenschaft sich gegen das tschechische Militär zur Wehr zu setzen. Tschechische Polizei mar­schierte mit Panzerautomobilen auf und stürmte schließlich das Gebäude mit gefälltem Bajonett. Auch das Redaktionsgebäude des Hauptorgans der Hlinka-Garde, desS l o w a f", wurde militärisch besetzt. Außer dem Pro­pagandachef der slowakischen Landesregierung, Mach, und Professor Tuca, dem bekannten Vor­kämpfer der slowakischen Selbständigkeit, wurden auch die beiden Unterführer der Hlinka-Garden, Farkas und Murgac, verhaftet. Auch deren Frauen wurden festgenommen.

Gegen Mittag hatte sich vor dem Preßburger Re- gierunasgebäude eine vieltausendköpfige Menschenmenge angesammelt, die sich vor­nehmlich aus Arbeitern, Hlinka-Gardisten und Stu­denten zusammensetzte. Die Menge d e m o n - strierte in Sprechchören für eine freie Slowakei. Tschechische Polizei in Ueberfall- wagen versuchte, die Menge zu zerstreuen. Die Kundgeber empfingen die Polizisten mit lauten Pfuirufen und stimmten dos slowakische National- liedHej Slovakij" an. Schließlich trieb die Polizei mit Gummiknüppeln die Menge auseinander. Die Demonstrationen hielten den ganzen Nachmittag an. Dor dem Gewerbehaus im Preßburger Zentrum kam es zu einem schweren Zusammen st zwischen der tschechischen Polizei und der Hlinka- Garde. Im Laufe einer Schießerei wurden auf Sei­ten der Hlinka-Garde ein Mann erschossen und drei Personen schwer verletzt. Die Demonstranten rufen immer wieder in Sprechchören: Wo istTiso? Wo ist Mach? Wo ist Tuka?

Die Tschechen muffen hinaus."

Demonstrationen in Preßburg gegen die Rückkehr tschechischer Gewaltherrschaft.

Preßburg, 10. März. (DNB.) In den Abend­stunden sammelte sich eine große Menschenmenge vor de m Gebäude der De utschenPartei an. Von den Anwesenden stürmisch begrüßt, erschien Staatssekretär Ingenieur - K a r m a ft n auf dem Balkon und hielt an die Menge eine kurze An­sprache, in der er u. a. erklärte, es gehe nicht an, daß wiederum die alten Zustände der tschechischen Vorherrschaft eingeführt würden. Er schloß seine mit ! begeisterter Zustimmung aufgenommene Rede mit iden Worten: .Lameraden! Zusammenhalten! 'Mag kommen, was kommen mag!" Nach dem Ab- Isingen des Horst-Wessel-Liedes, während dem auf idem Parteigebäude die Hakenkreuzfahne gehißt «wurde, zogen die deutschen Demonstranten gegen die tschechische Willkürherrschaft vor das Preßbur- ig e r Theater, wo sie gemeinsam mit der Hlinka-Garde eine neuerliche Kundge­bung veranstalteten, bei der der Propagandaleiter fiber Deutschen Partei, Hauskrecht, u. a. erklärte, 8daß die Zustande der letzten 20 Jahre nicht wie­der einreißen dürfen. Anschließend nahm ein ^Vertreter der Hlinka-Garde gegen die brutale tsche­chische Gewaltherrschaft Stellung. Die ohne Zwi- isschenfälle verlaufene Kundgebung wurde mit dem Horst-Wessel-Lied und der slowakischen National­hymne geschlossen.

In Preßburg wurden nachmittags t s ch e ch e n - f « t n b I i d) e Flugze11el verteilt,in benen gegen neuerliche Willkürherrschaft und gegen Öre neue von Prag eingesetzte Regierung Stellung genommen wurde. Der politische Stabschef b-r Hlinka-Garde, Karl Murgas, konnte sich r- seiner Verhaftung noch rechtzeitig verbergen. Er er« ieß einen Aufruf an die Hlinka-Garde, '.n dem es u. a. heißt:Heute in der Nacht wurde nm slowakischen Volk b e r größte Verrat verübt, den bie Geschichte unseres Volkes kennt. Tine CliguevonVerrätern, an beren Spitze öer Gutsbesitzer unb Korruptionär Teplansky steht, bringt aus Prag in die Tschechoslowakei ein unb hat mit ben silbischen Schiebern unb den Ba­jonetten tschechischer Söldner die Tschecho-Slowakei und das slowakische Volk dem tschechisch-bol- chewistischen Terror ausgeliefert. Te- vlansky unb Sivak, diese Schänder des politischen Testaments Hlinkas, setzten sich auch um den Preis der Freiheit des Volkes in die mit Verrat gepolster­ten Ministersessel. Teplansky, Sivak, Buday und So- L!ol verrieten unseren Eid, der lautet: Der

Weg zurück ist nicht möglich! Vereinigt euch mit den deutschen Kameraden der FS. für unsere Slowakei gegen die Regierung unb gegen die tschechischen Eindringlinge. Diese müssen hinaus aus dem Lande. Es lebe die Freiheit des slowakischen Volkes; es lebe die deutsch- slowakische Zusammenarbeit und Brüderlichkeit. Hin­ter uns steht Dr. Tiso, Sidor, Durcansky und die anderen, die das Volk nicht verraten haben.

Am Freitagabend haben die Preßburger Sicher­heitsbehörden die Schließung sämtlicher Gaststätten unb Lichtspielhäuser ange= orbnet und die Bevölkerung aufgefordert, ihre Woh- mtngen aufzusuchen. Diese Maßnahme hatte zur Folge, daß die Kundgebungen in den Abendstunden etwas abflauten. Die'Kundgeber zogen sich von den Hauptstraßen in die Nebenstraßen zurück. Mili­tärpatrouillen durchziehen die Stadt. Ueberhaupt wird der Sicherheitsdienst immer mehr in die Hände von Militär und Gendarmerie gelegt, da die Preßburger Polizei mit der Bevölkerung sympathisiert.

Eine Note des Kabinetts Tiso

an die deutsche NeichSeegierung.

Berlin, 10.Mär;. <DNB.) Das DBB. erfährt auf Anfrage von zuständiger Stelle, daß die Be­hauptung der Absendung einer Note der slowakischen Regierung Tiso an die deutsche Reichsregierung zutriffl.

Tschechischer Terror

gegen die Deutschen in Käsmark.

Preßburg, 10. März. (DNB.) 3n Käsmark, Amt Zips, wurde das haus der Deutschen Partei vom tschechischen Militär beseht. Das Militär nahm Verhaftungen unter den Amtswaltern der Deutschen Partei vor. Die deutsche Bevölkerung von Käsmark wird durch tschechisches Militär in schwer st er Meise drangsaliert.

Die Rechtslage.

Das Kabinett Tiso hatte das einstimmige Vertrauen des slowakischen Landtages.

Preßburg, 11. März. (DNB.) DerSlowak", das offizielle slowakische Organ, vorn Freitagabend ist beschlagnahmt worden. Er enthielt bie Feststellung, baß bie Nachricht von den Prager Maßnahmen m der Slowakei w i e eine Bombe eingeschla - gen habe. Die Slowaken hätten den ungebroche­nen Willen, nicht einen Schritt von ihrem Recht nachzugeben unb ihre weiteren Taten nach bem einen Ziel zu richten, b. h.bie Freiheit bes slowaki­schen Volkes". Diese Freiheit sei keine Ange­legenheit, mit der jeder spielen könne, gerade des­halb protestiere das slowakische Volk gegen die will­kürlichen Eingriffe des Militärs, denn diese seien ohne Wissen unb Zustimmung ber rechtmäßigen slowakischen Regierung erfolgt.Unsere Vertreter merbert in der entsvrechenben Form Protest ein­legen. Wer unsere Rechte verletzt, ber trifft bas Verfassungsgesetz, in bem bie slowakische Autonomie garantiert ist. Weber ein Schuß noch andere Gewalten werben uns einschüchtern kön­nen?"

Von maßgebender slowakischer Seite wird zur gegenwärtigen Rechtslage erklärt, daß die klare Fassung des Autonomie gesetzes bestimmt, daß eine slowakische Regierung, solange sie das Vertrauen des Landtags genießt, d i e legale Regierung, insbesondere auch gegen­über der Prager Zentralregierung ist. Der slowa­kische Landtag hat ber Regierung Tiso am 23. Fe­bruar einstimmig das Vertrauen aus­gesprochen und damit einen verfassungs­mäßigen 21 f t getan, ber von der Prager Re­gierung zu respektieren sei. Tue sie dies nicht, so handele sie rechtswidrig. Eine etwaige Um­bildung der slowakischen Landesregierung Hobe ge­mäß bem Einführunasgesetz zum Autonomiegesetz berarf zu erfolgen, daß zunächst ber Landtag ein Mißtrauensvotum beschließe, ober Bie Regierung von l i ch aus zurücktrete. Die Neubilbung ber Regierung habe Vorschläge des Präsidium sbes Landtages zur Vor­aussetzung, die bann vom.Vräsibenten ber Republik unter Gegenzeichnung bes Ministerpräsidenten aner­kannt niürden. Der gegcn^eicbnenbe Ministerpräsi­dent müsse jedenfalls das Vertrauen des Landtages genießen. Insoweit diese Grundsätze nicht beachtet wurden, handele es sich um einen Versuch, bie klaren Bestimmungen der Verfassung zu durchbrechen unb dem slowakischen Land­tag die ihm zustehenden Rechte zu nehmen.

fimonflrationen an ben^ren^brütfen

Preßburg, 11. März. (DNB.) Zahlreiche höhere slowakische Beamte wurden in einer Reihe von Städten verhaftet. Nach Professor Tuka wurde auch der gleichfalls verhaftete slowakische Propagandachef Mach von einer tschechischen Es­korte ins Innere Böhmens verschleppt. In den späten Nachmittagsstunden setzten sich die slowakischen Studenten gewaltsam wieder in den Besitz des Studentenheimes, das am Vormittag von tschechischer Gendarmerie besetzt worden war. In den Kasernen halten sich starke Aufgebote bereit.

An den (9ren 3b rüden in Preßburg und Theben wurden Acherungsmaßnahmen ergriffen.

Gegen 20 Uhr sammelte sich eine vielhundert- köpfige Menge bei ber Brücke, die von Preßburg auf reichsdeutsches Gebiet führt. Die Menge demonstrierte dort gegen bie angesammelten tschechischen Militär- und Gendarmerieeinheiten. Sie brach zu wiederholten Malen in tschechenfeindliche Rufe aus. Jeder Reichsdeutsche, ber über bie Brücke fuhr, wurde lebhaft gefeiert. Die Polizei und Gendarmerie fuhr bann in sieben Uederfallautos heran unb zerstreute bie Menge. Die Slowaken forberten baraushin ben Abzug bes tsche­chischen Militärs und bie Uebergabe bes Ordnungsdienstes an bie Hlinka - Garbe. In ben späten Abendstunden sah man in ben Preßburger Straßen zahlreiche Hlinka- Gardisten, die mit geschultertem Gewehr auf* unb ab marschierten.

Die Lage in derKarpatho-Maine

Chust, 10. März. (DNB.) Der verdienstvolle Vorkämpfer bes völkischen ukrainischen Gedankens Febor R e v a y ist vom Vorsitz ber ukrainischen völ­kischen Einheitsbewegung UNO enthoben wor­ben. An Stelle des abgesetzten Pressechefs Dr. K o - m a r i n s k y soll Ingenieur F l e n k o zum Presse­chef der karpatho-ukrainischen Regierung ernannt werden. Flenko unterhält gute Beziehungen zu den Prager Stellen. Die Entwaffnung der Wehrorgani­sation SIC konnte keineswegs vollständig durchge­führt werden. Nur in dem kleinen Ort Koroleve an ber Theiß konnte eine tatsächliche Entwaffnung burchgeführt werden. Die wirkliche Macht im Lande übt bie Ukrainische Nationale E i n- h e i t s p a r t e i aus.

General Prchala hat die Leitung bes Sicher­heitswesens und seine übrigen Ministerämter noch nicht übernehmen können, da ber Chef der Kanzlei bes Ministers Revay, Dr. Popovic, sich geweigert hat, bie Amtsräume in Abwesenheit des Ministers Reväy zu übergeben. Prchala hält sich ftänbig in dem Gebäude bes Militärkommanbos in Chust auf.

Än!«is ber Großmächte.

Jenseits der Großmächte" lautet der Titel eines vor etwa einem Jahrzehnt erschienenen Buches, das seine Verfasser, eine Gruppe deutscher Geopolitiker unter Führung bes Münchener Geographen Karl Haushofer, als Ergänzung zu dem Lebenswerk Rudolf Kjellens,Die Großmächte", gedacht hatten, des großen schwedischen Gelehrten, der als der Vater ber geopolitischen Wissenschaft als ber Lehre von der Raumgebundenheit politischer Vor­gänge und Gestaltungen angesprochen roerben bars. Jenseits ber Großmächte liegen bie oft seit Jahr­hunderten eigentlich labilen Schütterzonen der gro­ßen Politik, bie Pufferräume und Schutzgebilde, deren politische Entwicklung nicht minder unsere Beachtung verdienen als die Verhältnisse zwischen ben Großmächten selbst, weil hier in bem Aus­strahlungsgebiet ber verschiebenften Interessensphä­ren unb in Räumen fließenber völkischer Grenzen die Bildung von Krisenherben begünstigt wurde, bie oftmals bie Richtung der großen Politik bestimmt haben. Es finb bie neuralgischen Punkte ber großen Politik, und häufig genug find sie Schauplatz der großen machtpolitischen Auseinanderfetzungen ge­wesen. So war es mit Belgien in mehr als einem Jahrtausend wechselvoller Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen, mit Polen in bem Verhältnis zwischen Deutschland und Rußland mit der Tschecho-Slowakei in den Ausein andersetzungen zwischen Deutschtum und Slawentum- und mit Rumänien in bem Kampf RußlaNbs gegen die Türkei. Heute hat sich ber politische Raum von dreien der genannten Staatsgebilde erheblich konsolidiert, aber bie Probleme, die ihre Vergangen­heit weitgehend bestimmt haben, ragen in ihre istner- politische Gegenwart hinein und vermögen auch heute noch ihre Außenpolitik mitzubestimmen.

So haben sich in den letzten Tagen in Belgien in einer Folge von Regierungskrisen Spannungen gezeigt, die ihren Ursprung zu einem guten Teil in der Nationalitätenfrage haben, auf ber im Grunbe bie Existenz bes mobernen belgischen Staates beruht, so absonberlich diese Behauptung auch klingen mag.

Auf den Menschen kam es an!

Die Bilanz der einjährigen Aufbauarbeit Gauleiter Bürckels in der Ostmark.

Wien, 10. März. (DNB.) Anläßlich des bevor­stehenden Jahrestages ber Rückgliederung Oesterreichs in bas Reich hatte ein Vertreter bes Deutschen Nachrichtenbüros Gelegenheit, sich mit Reichskommissar Gauleiter Bürckel über die Aufbauarbeit in der Ostmark zu unterhalten.Die Rückführung Oesterreichs in das Reich", so erklärte ber Gauleiter,war in erster Linie eine Frage ber Menschenführung. Nicht ber Boden unb nicht bie Fragen ber Wirtschaft ftanben im Mittelpunkt unseres Kampfes, sondern der arbeitende Mensch. Wir wollten aus dem schlecht bezahlten und unterernährten Wiener Arbeiter, der im Grunde seines Wesens aber anständig, fleißig und gut deutsch ist, wieder einen zukunftsfrohen Menschen machen, bas war bas wichtigste! Freilich erforderte das gewisse reale Voraussetzungen wirt­schaftlicher unb sozialpolitischer Art. Und so kamen wir von selbst zu einer sehr klaren Preis- p o l i t i k in der Ostmark. Im allgemeinen lagen die Preise hier weit über dem Reichsniveau. Wir waren deshalb gezwungen, eine umfassende Preissenkung durchzuführen. Wir appellierten an die Gesinnung und guten Tugenden des ehrbaren deutschen Kaufmannes. Die Kameradschaft zwischen Käufer und Verkäufer Tvurde proklamiert; denn Preispolitik ist in erster Linie eine Charakterfrage. Heute schon können wir feststellen, daß unsere Arbeit erfolgreich war. Wir beschäftigen uns insbesondere auch mit der Frage der Han­delsspanne und führten ein übersichtliches Kalkulationssystem ein. Durch die berech­tigte Senkung der Handelsspannen kamen wir zu oernünftiaen Preisermäßigungen bei Schuhen, Tex­til- und Wirkwaren, weiter bei Möbel und Haus­haltungsgegenständen. Sehr wichtig war auch eine Verbilligung der mittleren Hotel­zimmerpreise biszu 25 v. H., denn dadurch wurde ein weiterer Anreiz zur Steigerung des Fremdenverkehrs geschaffen.

Die Verjudung Oesterreichs zeigte sich bei meinem Amtsantritt in erschreckendem Ausmaß. In Oesterreich hatten die Juden über zwei Mil­liarden Reichsmark Besitz- und Ver - mögenswerte in Händen. Mancher Wirtschafts­zweig gehörte ihnen hundertprozentig. Das bedeutete für einen so kleinen Staat wie Oesterreich die völ­lige Abhängikeit vom internationa­len Finanzkapital jüdischer unb deutschf ei üb­licher Prägung. Und weiter hieß das bewußte Ver­elendung und kommuni st ische Ver­hetzung der arbeitenden Massen. Die ganzen, gegen ben Anschluß gerichteten Kräfte haben sich mif dieser Ebene gefunden. Schuschnigg stützte sich zuletzt in ber Hauptsache auf ben politischen Katholizismus, auf die deutschfeindliche Hochfinanz bes Auslandes unb auf den Marxismus. Das heißt mit anderen Worten, der österreichische Staat vege­tierte auf Kosten ber bewußten Verelendung bes arbeitenben Volkes. Wollte man bas politische Sy­stem in Oesterreich beseitigen, bann mußte man auch der sozialen Verelendung endlich zu Leibe rücken.

Sie sehen", erklärte Gauleiter Bürckel weiter, der Erfolg hat unsere Methoden bestättgt. Es ge­nügt, aus das fast restlose Verschwinden der 650000 Erwerbslosen Oesterreichs, auf das sprunghafte 21 n ft e i g c n ber Eheschlie­ßungen und Geburtenziffern^ auf die

sofortige Einstellung aller Zwangsversteigerungen und auf ben erhöhten Konsum von Le­bensrnitteln aller Akt hinzuweisen. Dem Ar­beiter geht es wieder besser. In Wien, früher die Stadt mit der größten Selbstmordziffer in Europa, bat allein im letzten Viertel des vergangenen Jahres die Zahl der Eheschließungen um 243 Prozent An­genommen."

Beispielhafte Verwaltung des staatlichen Grundbesitzes.

Berlin, 10. März. (DNB.) Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hatte die Leiter der Grundbesitzverwaltung der deutschen Länder zu- sammengerufen, um einen Zusammenschluß der staatlichen landwirtschaftlichen Grundbesitzverwal­tungen herbeizuführen. Staatssekretär W i l l i k e n s erklärte, der staatliche Grundbesitz umfasse rund 600 000 Hektar des wertvollsten Grund und Bodens mit rund 1700 Gütern und Höfen, rund 150 000 Hektar Streugrundstücken unb einer großen Zahl von ertragreichen Fischgewäfsern. Der einheit liche Einsatz eines solchen umfangreichen unb über das gesamte Reichsgebiet verteilten Grund­besitzes für die nationalsozialistische Agrarpolitik müsse sich, beispielgebend für die übrige Landwirtschaft auswir­ken unb vor allem burdj Steigerung der Erzeugung ben Forderungen ber Erzeugungs­schlacht unb bes Vierjahresplanes Rechnung tragen. Kein staatlicher Grund unb Boden dürfe mangels geeigneter Meliorationen in ber Erzeugungsleistung zurückstehen. Jebe Verbesserung alten Kulturlandes, jede Kultivierung von Heide unb Moor bedeute einen Gewinn beutschen Lonbes.

Wichtigste Aufgabe ber Grundbesitzverwaltungen sei bie richtige Verwertung des staatlichen Grunbbesitzes im Sinne einer nationalsozialistischen Bobenordnung. Jnsbesonbere müsse im Kamps a e g e n bie Landflucht zur Schaffung von Ausstieasmöglichkeiten auf dem Lande vom staat­lichen Grunbbefitz bie Neubildung deutschen Bauerntums gefördert werden, unb zwar im Westen unb Süden bes Reiches in ber Haupt fache auf bem Wege der Anliegersiedlung.' im O ft e n durch Bereitstellung geeigneter Groß­betriebe zum Ansetzen neuer Bauern. Ferner halte er es für bie Pflicht ber Grundbesitz­verwaltungen, durch Festlegung gerechter P a ch t b e d i n g u n g e n und eines gerechten Pacht­preises vorbildlich für das gesamte deutsche Pacht- roefen zu wirken. Der Zusammenschluß der staat­lichen Grundbesitzverwaltungen sei ein weiterer Schritt zur Vereinheitlichung der Reichsverwaltung.

Flaggt Vollffock-ani Heldenoe^en^iag

Berlin, 10. März. (DBB.) Der Reichs - Minister für, Bolfsaufflärung und Propaganda gibt bekannt: Aus Anlaß des Heldengedenktages fordere ich alle deut­schen Volksgenosien auf, ihre Häuser und Moh­nungen Vollstock zu beflaggen und diele Beflaggung auch für den 13. März zur Erinnerung an den Anschluß Oesterreichs an das Reich bestehen zu lassen.