Egon im Schnee.
Von Sofie von llbde.
Die ganze Schihüfte war in Aufregung: unser Freund Egon hatte sich angesagt, und mir blickten alle düster in die Zukunft. Wir schätzten Egon sehr, aber nicht in den Bergen-, er ist eine alpine Unmöglichkeit, und vom Schiläufen hat er keine.Ahnung. Auf irgendeinem geistreichen Tee oder einer mondänen Tanzpartie ist er weit mehr am Platze.
„Geh du ihn abholen", sagte der Hausherr Robby zu mir. „Natürlich schleppt er wieder viel zu viel Zeug mit und wenn er unterwegs schlapp macht — und das macht er sicher —, darf ich den Scherfer tragen: einer Frau kann er das doch nicht zumuten." Diese Argumente leuchteten mir ein, und so schnallte ich denn die „Brettln" an, pfiff den Hunden und sauste die 1000 Meter Höhenunterschied ins Tal hinunter.
Egon winkte schon aus dem Zuge Er war wahnsinnig stadtfein, küßte mir die vorn Schiwachs gebräunte Hand und war so schön wie eine Modefigurine auf einer Sportausstellung. Sein Rucksack hatte wahrhaft erschreckende Dimensionen: schon hatten ein paar Bauernkinder ihn erspäht und riefen schallend: „Den schaugt's o mit sein g'schwollenen Scherfer; der tragt g'wiß sei Großmutter spazier'n", und der ganze Bahnhof schrie vor Freude. Egon hatte natürlich nichts verstanden und meinte anerkennend: „Wie froh die Menschen hier sind!"
Wir schnallten die Schier an und machten uns an den Aufstieg durch die stillen, weißen Wälder. Egon war zunächst begeistert, die sakrale Ruhe der Gipfel, die einsame Pracht der glitzernden Tannen griff ihm doch an sein Großstädterherz. Und obwohl ihm die Schier alle Augenblicke nach rückwärts glitten, daß er umsank und mit AUihe wieder auf- gerichtet werden mußte, obwohl der wahrhaft vier- dimensionale Rucksack mehr und mehr zu drücken begann, blickte er mit Emphase um sich. Die Pudel jagten natürlich wieder mit schauderhaftem Gebell. Dabei war der Jäger im Walde! Der Teufel sollte sie holen! Aber Egon sand es schön und meinte voll Poesie: ,Köstlich dies Geläut der Hunde in den tiefen Wäldern?" Nun, ich fand es weniger köstlich, und schon ging richtig ein Fluchen los in allernächster Nähe. Pan und Bolle brachen aus dem verschneiten Unterholz, schuldbewußt bei mir Schutz suchend — hinter ihnen der alte Waldhüter. Der schnaubte mich an: „Ietza woaß i doch, wem's g'hörn, die Sauviecher, die miserabligen, die wo mir allweil's Wild verscheuchen. No amal, wann i's derwisch, na knallt's, verstehst mi, Madl. Na
kannst es z'sammklaub'n, deine Hund'ln, und als Brat'l servier'n, daß d' es woaßt! Pfüat Gott, bei» nand." Und er verschwand im Wald.
Ich war schwer erschüttert. Egon hatte wieder nichts verstanden, hatte höflich an die Mütze gegriffen und mich interessiert gefragt: „Was erzählte der alte Herr?" Aber nachdem ich es ihm in gleichwertige Berliner Injurien verdeutscht hatte, war er höchst ägriert, fand es eine unerhörte Ansprache an eine Dame und wollte dem Alten nach und Genugtuung für mich fordern. Ich hielt ihn voll Schrecken zurück.
Mehr und mehr begann der Rucksack zu wirken. Egon fiel in Schneckentempo, die Schweißtropfen liefen ihm in den blütenweißen Kragen, er machte sichtlich schlapp, „er schob ein Spinattvagerl", wie es im Hüttendeutsch heißt, aber er wollte es nicht wahr haben. Zuweilen raffte er sich gewaltsam auf und rief enthusiastisch: „Göttlich, diese Berge!", während er vor Erschöpfung wankte. Als er sah, daß meine Blicke auf ihm ruhten, wurde er weltmännisch und sagte: „Famos siehst du aus, fabelhaft sportlich!" — mit erlöschender Stimme sagte er es.
Aber diese Bewunderung des erschöpften Mannes ergriff mich nicht schlecht, und ich meinte voll Güte: „Gib den Rucksack her, Egon, wir kommen sonst vor Nacht nicht mehr in die Hütte." Er schrie zwar indigniert auf: „Wo denkst du hin, ich werde mir doch von dir nicht den Rucksack tragen lassen!", ließ ihn aber schon stöhnend von den Schultern gleiten. Ich nahm ihn um. D du gerechte Vorsehung, welches Gewicht? Er hatte wahrhaftig feine Großmutter drinnen? Nun hieß es aber Fassung bewahren und sportliches Training zeigen! Und ich stapfte los, hinter mir der erleichterte und beschämte Egon. _ So freudig hatte ich die endlich auftauchende Hütte noch nie begrüßt. Natürlich standen Robby und Pips davor und lachten sich kaputt, weil ich nun doch den Rucksack hatte tragen müssen. Nun, ich erholte mich, auch Egon lebte wieder auf und zog aus seinem Gepäck so viel erlesene Genüsse, daß der Tag in eitel Lust und Freude endete.
Am anderen Morgen bekam Egon Schiunterricht. Wir beteiligten uns alle, am eifrigsten Pips, welcher selig war, daß er nun einen Kompagnon für seine fulminanten Stürze erhielt und nur noch frecher losfuhr. Die beiden machten wahrhaftig eine G. m. b. H. auf; wo der eine nicht lag, lag der andere. Aber während Pips aus Tollheit und blindem Wagemut stürzte, fiel der unselige Egon aus unüberbietbarer, sträflicher Talentlofigkeit. Der schöne Steilhang hinter unserer Hütte sah bald wie ein zerwühltes Schlachtfeld aus, und der sportliche
Robby fand es aus Herzensgrund eine Schweinerei. Oh, er rächte sich an Egon, indem er ihn zu den schmutzigsten Hüttenarbeiten anstellte; aber der Neuling arbeitete mit Schwung, er sand alles fabelhaft „apart", und obwohl er nichts verstand, überall zu Schaden kam, von uns natürlich aufs übelste mißbraucht wurde, kannte seine Begeisterung keine Grenzen.
Am dritten Tage schon machten wir mit unferm Schisäugling eine Fahrt und schleiften ihn auf den nächsten Gipfel. Was für eine Freude, diese rührende Freude des Flachlandmenschen, der zum ersten Male von hoher Warte über die Welt hinaussieht! Iltis andern, die wir diese Berge als unser vertrautes Eigentum liebten, ging das Herz noch mal so weit auf beim Anblick feiner Hingerissenheit. Wir verziehen ihm jede Ignoranz und genossen in völ» liger Eintracht die fonnenumflutete, windumdrauste Gipfeleinsamkeit.
Aber bann kam die Abfahrt!
Der erste Hang unter dem Grat war verdammt steil, und Egon zögerte schaudernd. „Fahr doch endlich los!" schrie Robby roh, und der erschreckte Egon fuhr los. Aber er kam nicht weit, in rasender Fahrt tauchte er kopfüber in den Schnee. Da sich nun die Schispitzen sowohl wie die angstvoll vorgestreckten Arme in den Grund bohrten, bildete sein Körper eine Brücke, dem seine Bekleidung nicht gewachsen mar. Diese zarten, schönbeschnittenen Knickerbockers? Sie rissen still und stetig, während wir sie entzückt umstanden, und Egon, der allein nicht loskam, innig und fruchtlos um Hilfe flehte und sich schließlich an mein weiches Frauenherz wandte. Ich machte ihn los und fetzte ihn mit seiner lädierten Gartenfront in den kühlen Schnee, wobei et; sehr schnell die ganze Tragweite seines Mißgeschicks begriff und sich errötend weigerte, auf» zustehn.
Die weitere Heimfahrt wurde eine vollendete Katastrophe. Egon lag hier, Egon lag dort, er sauste auf den Kopf, er sauste auf den Rücken, und hatte er anfangs seine Akrobatik mit erstaunten Ausrufen begleitet, wie: „Nicht zu glauben'" oder „Eine ganz fabelhaft komplizierte Sache!", so verstummte er zum Schluß leidvoll und blieb nach jedem Sturz düster sitzen, wo er saß, „wie eine Nebelwolke am schweigenden Hügel", um mit Ossian zu reden. Wir konnten ihn nur mit viel Anstrengung zur heimatlichen Hütte zurückbringen. Ich habe dann noch einen Tag lang an den Knickerbockers geflickt.
Egon hat ttotz unserer vierzehntägigen Bemühungen keine Ahnung vom Schiläufen bekommen. Aber er beherrscht die Fachausdrücke, und wenn er in ber Stadt beim Nachmittagstee in einem interessier
Zwei Wege.
Von Hans Hartmann.
wesen, einen solchen Film zu gestalten. Wir haben tief in das alte Nürnberg tauchen dürfen. Der Gauleiter Streicher hat mir wirklich einen fast nie geglaubten Traum als Regisseur möglich gemacht. Nürnberg stand für lange Zeit ganz im Zeichen unserer Filmaufnahmen. Straßenbahnen wurden um» geleitet, Häuserfronten zu ihrer alten Form verändert, riesige Absperrungen vorgenommen. Aus den Menschen von 1938 wurden nicht nur durch Kostüm
Volkstums. ....
Beide Haltungen des Geistes und der Seele muffen bann, jede zu verschiedener Zeit und auf verschiedene Weise, auf die Frage nach Gott stoßen. Kant und mit ihm alle rein geistig Denkenden werden in Gott den letzten Sinn alles Seins und Lebens erkennen. Er wird im wesenllichen die Zuge des Schöpfers alles „Guten" tragen, ohne ihn wäre bas Leben leer unb kalt, unb ber Mensch wäre ohne ihn ein Atom im All, ohne höheren Sinn und ohne tiefere Weisheit. Darwin aber unb die anschaulich Denkenben werben Gott hinter der Fülle der Naturtatsachen suchen müssen. Sie werden zunäckst^ um einen von Darwin geschaffenen Ausdruck zu gebrauchen, überall nur den „Kampf ums Dasein" finden, also ein Prinzip ber Zerstörung, der Verschwendung von Milliarden von Geschöpfen, ber an
ständig erfahren. _ r, „
So kann man sagen, daß die Gottesvorstellung eine andere „Tönung" oder Färbung bekomme, je nachdem ob man mehr auf dem Wege Kants oder auf dem Wege Darwins zu ihr gelangt. Und das hängt mit unserer Geistes- und Herzensveranlagung zusammen. Prüfen wir uns nur, welcher Art sie ist, unb gehen wir bann unerschrocken unseren Weg mehr im Sinne Kants ober mehr im Sinne Darwins. Tun wir es auch, inbem wir immer roieber um bie Stille ......... " *—i in ihrem
fcheinenb völlig unethischen unb „amoralischen' Struktur bes Daseins. Gott wird hinter biesern bunten Schleier von Naturtatsachen immer roieber oerschwinben. Gleichwohl hat gerabe Darwin gezeigt, baß bazu keine innere Notwenbigkeit besteht. Darwin selbst hat immer roieber bie Größe Gottes aus ber Natur erlebt, unb Goethe hat barüber hinaus bie Natur geradezu als eine Offenbarung Gottes
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ten Kreise nachlässig von „Umfprung" unb „tiefer Hocke", von „opbreken" unb „Vorarlbergtechnik" spricht, macht er entschieden den Eindruck eines Sachverständigen.
Mnd um den Eiffelturm.
„Lichtstadf ohne LichtreUame. - Parlamentarier und Sport. Oer Abgeordnete mit sechs Frauen.
Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.
XVI.
Leichtmetall aus Ton.
Man schrieb das Jahr 1808, als ber englische Chemiker Humphry D a o y in einer offentlich-sest- lichen Vorlesung demonstrierte, wie man durch eine einfache Elektrolyse die Minerale Kali und Natron zerlegen und daraus neue Körper»M e t a l l e gewinnen könne. „Diese Körper haben die Undurchsichtigkeit, den Glanz und die Dehnbarkeit ber Metalle, sie leiten Warme und Elektrizität ebenso — und ihr sehr geringes spezifisches Gewicht allein scheint mir kein Grund, sie nicht Metalle zu nennen." So hieß es in dieser epochalen Vorlesung. Unb bann weiter „ich bin selbst m die Berge von Donegal gestiegen unb hab mir jenes alaunhaltige Gestein geholt, das ich als nächstes zu zerlegen gedenke. Ich bin sicher, auch in ihm ein neues, leichtes Metall zu finden, das ich heute schon ,A l u m i n i u m‘ nennen möchte."
Diese Vorlesung machte den 30jährigen Gelehrten zu einem berühmten Mann. Die Londoner Gesellschaft war stolz auf den großen Engländer. Aber — das Aluminium hat er nicht entdeckt. Er blieb einen Schritt davor stehen. Das angekündigte Alu- mmiumerperiment unterblieb. Erst etwa 20 Jahre später hat der stille deutsche Gelehrte Wöhler, der Freund des großen Liebig und Schüler des schwedischen Meisters Berzellius, Tonerde gewaschen, getrocknet, mit Kohle gemengt und mit Chlorgas gereinigt, sie in einem Plattntiegel solange erhitzt, bah sie glühte unb ben Tiegel von innen heraus erleuchtete. Dazu tat er dann Kalium und ließ das Chloraluminium mit dem Kalium zusammen schmelzen. Das ergab eine häßliche, schwarz- graue Flüssigkeit. Die ließ er erkalten und warf den erkalteten Tiegel in ein mit frischem Wasser angefülltes Becken. Ein häßlicher, übelriechender Gasnebel stieg hoch und als der sich nun verzogen hatte, schwamm auf der Wasseroberfläche ein leicht glänzendes, graues, metallisches Pulver. So war in dem Labor des Wöhler 1827 zum erstenmal aus Tonerde Aluminium geworden.
Das war die Darstellung eines neuen Elementes. Man konnte darüber einen gelehrten Artikel schreiben, eine Notiz eintragen in das große Buch der wissenschaftlichen Chemie. Die Welt aber kümmerte sich nicht um die Metallrezepte des Professor Wöhler. Damals war die Suggestion einer chemischen Erfindung noch nicht allzu groß. 20 Jahre später hat bann Wöhler seine Experimente mit dem Aluminium wieder ausgenommen. Er nimmt ein Mikroskop zu Hilfe. Er sieht, daß das graue Pulver aus kleinen Metallkügelchen besteht. Er kann sie posieren unb zu Plättchen aushauen. Der Gelehrte ahnt die Zukunft seiner Endeckung und schreibt folgende Prophetie: man könne bei Verwendung
von Aluminium anstelle des Eisens fast ebenso dauerhafte Eisenbahngefährte wie bie jetzt üblichen Herstellen und unter Verwendung derselben Zugkraft bei viel stärkerer Belastung sie ebenso leicht bewegen wie bie schwereren eisernen."
Allein, nicht in Deutschland, sondern in Frankreich begann bie industrielle Entwicklung des Aluminiums. Die Politik interessierte sich für bas neue Metall. Napoleon III. selbst unterstützte den Professor Sainte-Deville von der Ecole normale unb in einer kaiserlichen Fabrik würbe nach dcr^Methode Wöhlers ber erste Barren von Chlor- aluminium, metallischen Natriums und eine Stange Aluminium beraeftellt. die 2 Mund woa. Im Va-
unb Maske die Menschen von 1500 — sie erlebten wie durch ein Wunder die alle Zeit der freien Reichsstadt wieder: lieber bie allen Straßen, zwischen ben uralt-schönen Brunnenfiguren und den hohen Giebelfassaden lebten wie durch emen Zauber bie Menschen bes alten Nürnberg. Em Werk konnte so geschaffen werden, dessen gesegnetes Motto ja bas alte große Wort fein sollte: "Ehret eure deuftchen Meister!" K. H. U u w e 11.
Der 12. Februar ist der Todestag Immanuel Kants (1804) und ber Geburtstag Darwins (1809). Wer sich gelegentlich überlegt, ob nicht boch etwas von ber inbischen Seelenwanbe- rungslehre wahr fei, ber wirb angesichts dieses seltsamen Zusammentreffens vielleicht meinen, daß die Seele Kants sich fünf Jahre später in Darwin verkörpert habe. Unserem Denken liegt das Verständnis ber Seelenwanderungslehre allzufern. Das hinbert uns aber nicht, eine tief ins Weltanschauliche unb zugleich Religiöse bringenbe Verwandtschaft zwischen ben beiben Zeugen eines hohen, ja Herden norbischen Geistes, zwischen Kant unb Darwin, festzustellen. Vergessen wir nicht, daß ber große deutsche Denker Kant von ber Naturwissenschaft herkam unb sich zunächst einmal Gebauten über Weltall, Astronomie unb Physik machte, ehe er bie großen unb letzten Fragen stellte: Was können wir wirklich erkennen? Wie können wir trotz ber überall waltenden Naturgesetze ein ethisches Bewußtsein haben unb ein ethisches Leben führen?
Beibe Männer finb nur zu verstehen, wenn wir bie Mitte ihres Wesens erkennen. Unb bas ist bie EhrfurchtvorberallwaltenbenNatur, vor ber Größe ihrer Gesetze unb vor bem Reichtum ihrer Schöpfungen. Dabei hat Kant mehr bie Größe ber Gesetze, Darwin mehr ben Reichtum ihrer Formen betont. Das muß mit einer ursprünglichen Geistes- unb Herzensanlage zusammengehangen haben. Wir werben gerabe aus biefer Tatsache menschlicher Verschiebenheit inneren Gewinn ziehen können. Denn auch bei uns ist es so: ber eine ist mehr nach innen gerichtet, wie Kant, er versenkt sich in bie Fragen nach bem letzten Sinn bes Seins, des Kosmos, des Menschen, der Zweckmäßigkeit und Schönheit ber Dinge. Der anbere aber hat ein stets offenes Auge, er übt feinen Blick am Reichtum ber Formen, bie er in innere Beziehung zueinanber fetzt, wie es Darwins Bestreben war. Unb er kann sich nicht satt sehen an ihrer Fülle, ihrem strengen Maße und bann roieber ihrem über» strömenden Reichtum. Wir fühlen, baß in dieser Beziehung eine starke Verwandtschaft zwischen Darwin, dem großen Engländer, und Goethe besteht. Diese Tatsache ist uns ein Sinnbild dafür, daß innerhalb einer großen Gemeinschaft, wie es die Rassen und । zurückgezogenen Leben wichtig
lais de l'Jndustrie konnten die Besucher aus aller Well jenes berühmte „Silber aus Ton" bewundern 900 Franks kostete 1855 das Kilo. Ein Jahr darauf nur noch 270 Franks, 1859 hatte man 700 kg im Jahr fabriziert für 240 Franks je Kilo, 1867 war ber Preis auf 120 Franks gefallen.
Große Schwierigkeiten bestanden mit dem Ausgangsmaterial. Denn reine Tonerde gab es Nirgends Aus dem Mneral K r y o l i t h hatte man sie noch am besten erschließen können. Da griff roieber deutsche Gelehrsamkeit in die Entwicklung ein. Dem Chemie-Professor Heinrich Rose gelang es aus dem natürlichen Kryolith, ben bie Berliner Seifensieb er aus Grönland als „Mineralsoda" einführten, Aluminium herzustellen. Das gab der Geschichte dieses Leichtmetalls einen weiteren Auftrieb. Aber immer noch war die Fabrikation zu teuer und schließlich kannte die Agence Havas am 8. Oktober 1870 melden: Man werde das Aluminium „aus den Einge- roeiben von Paris selbst ziehen". Franzosen hatten es gelernt, aus einer (Erbart, die über 50 v. H. Tonerbe, dazu Eisenoxyd, Kieselsäure und Kalk enthielt und die man nach ihrem Fundort unweit der Stadt Baux — Bauxit nannte, bas Aluminium zu fabrizieren. Jedoch an eine Großfabrikation, an eine allgemeine Einführung in bie Industrie, um Eisen unb andere Metalle zu ersetzen, könne nian immer noch nicht denken. Wenn es möglich wäre — so schrieb in jenen Tagen Deville, ein Verfahren ausfindig zu machen, das Aluminium „mit geringen Kosten aus feinem Erz, ber Tonerbe, abzuscheiden, so würbe es das allgemeinste aller Metalle werden".
Robert Bunsen, den man vielleicht ben größten Chemiker des 19. Jahrhunderts nennen kann, führte bie Entwicklung zur Entscheidung. Er verstand es, aus billigem unb konstanten Strom eine Kraftquelle zu erzeugen, um das Aluminium aus feinen Verbindungen zu reißen. Bunsen gelang zuerst bie Ele ktrolys e bes Aluminiums. So führte er bie Aluminiumindustrie an, die bann später an die Stelle der Bunsen-Kette große und gewaltige Dynamo-Maschinen setzte. Damit begann man Ende der 80er Jahre. Sell 1889 nützen wir die Wasserkräfte bes Rheinfalls zu Schaffhausen aus, um Alu- mimumfabritation zu betreiben. Das Verfahren bazu haben ein Schweizer namens 5)eroult und ber Ingenieur Kiliani aus der Fabrik Schlegelstraße der AEG. zu Berlin ausgearbeitet. Die AEG. hat gemeinsam mit einem Schweizer Werk die Alu- minium-Jndustrie-Gesellschast in Neuhausen gegründet. Tausende von Tonnen Aluminium wurden hergestellt. Aber bald stoppte der Absatz. Aluminium war zu weich.
Es war für die weitere Entwicklung dieses neuen Metalls von entscheidender Bedeutung, daß ein Zufall und die gute Beobachtungsgabe dem Alfred W i l m zu Hilfe kamen. Er arbeitete mit Aluminium unb stellte eine Aluminium-Magnesium-Legierung mit Kupfer und Mangan her. Allein bie Mischung ber einzelnen Bestanbteile ergab noch nichts Brauchbares. Erst als sie eine Zeitlang stehen blieb, wurde entdeckt, daß die Zeit schöpferisch gewesen sei, denn die Legierung bildet sich in einer „Nachreife". Er entdeckte, daß das Aluminium zum Duralu- m ini u m zu härten und zu veredeln sei. So wurde es möglich, auch Leichtmetalle in die Technik ein- zusetzen. So begann die grandiose Revolutionierung ber Metallwirtschaft durch die Leichtmetalle, die einst vor über 100 Jahren von einem stillen deutschen Gelehrten vorausgesagt wurde. H. Sch-r.
Chemie erschließt die Welt.
Von den Grundlagen und Aufgaben des chemischen Zeitalters.
er, unb Goethe ve|ieyl. Diese wir es aucy, inuem uju muuti Sinnbild dafür, daß innerhalb ringen, die diesen beiden großen Denkern ifrhaff. wie es bie Rassen unb I zurückgezogenen Leben wichtig und heilig war.
H. B. Paris, Februar 1939.
Man erinnert sich noch, daß vor einigen Wochen die Pariser Lichtspieltheater ihre Pforten schlossen, weil die Besitzer erklärten, die neue, von der Stadt Paris erhobene Sonderst e u e r nicht bezahlen zu können. Mehrere Tage dauerte der Streik, bis dann eine Regelung gefunden wurde, die, wie man gleich sehen wird, überhaupt nichts regelte. Die Stadt erklärte sich nämlich bereit, während 14 Tagen mit der Erhebung dieser Steuer warten zu wollen, bis eine Neuregelung gefunden sei. Aber man fand nichts, unb bie Kassierer der Stadt begannen dieser Tage mit dem Einkassieren der Steuersummen. Die Besitzer der Lichtspieltheater beschlossen jetzt, zu einem zweiten Angriff vorzugehen, ber, ohne bie Hunderttausenden von Filmbegeisterten um ihr Vergnügen zu bringen, wie es bei einem neuen Streik der Fall wäre, doch ben Stadt und die Stadt, unb darüber hinaus noch die Zeitungen unb die privaten Rundfunkstationen, empfindlich schädigen wird.
Sie beschlossen nämlich, die Lichtreklame aufzuheben, auf die Plakatanschläge an den Pariser Mauern zu verzichten, fast keine Zei- tungs» unb gar keine Rundfunk re klame mehr zu machen. Nur noch die Einzeilenreklame in den Zeitungen soll bestehen bleiben. Für die Lichtreklame und die Plakatanschläge erhalten Staat und Stadt
die Völker finb, die beiden Haltungen zum Ur. geheimnis ber Natur ihre Berechtigung haben. Kant und Darwin bezeichnen so bie beiben Pole innerhalb bes norbischen Denkens, Kant unb Goethe be^eid)« nen bie gleichen beiben Pole innerhalb des beutjdjcn
wöchentlich ansehnliche Steuerbeträge; allein für die Plakatanschläge erhält der Staat wöchentlich 200 000 Franken. Auf Lichtreklame ist die Steuer noch viel höher. Diese Maßnahmen sollen vom nächsten Mittwoch an in Kraft treten, falls bis dahin eine Einigung nicht zustande kommt. Die Aufhebung ber Lichtreklame ist die schärftte Waffe, die die Kinobesitzer führen, und zwar nicht nur in materieller Hinsicht.
Die „Lichtstadt Paris" ohne Lichtreklame, unb wenn es auch nur bie der Hunderte von Lichtspieltheatern ist, bas ist für ben Ruf ber französischen Hauptstadt ein - schwerer Schlag, auch wenn noch viele andere Lichtreklamen bleiben. Ein besonders sentimentaler Filmgewaltiger meinte, daß „Paris bann in Trauer" sein werbe. Traurig werben vor allem die Stadtvätex sein, denen große Summen Steuergelder entgegen werden und bie zudem noch bie Sorge haben, ob ber Ruf von Paris als Lichtstadt nun nicht so geschädigt wird, daß zahlreiche Fremde anderswo hinfahren. Denn solche Angelegenheiten haben immer einen revolutionären Beigeschmack, auch wenn sie sich in friedlichsten Formen abspielen.
Die Filmgewaltigen kündigen selbst an, daß es sich dabei nur um „e r ft e" Maßnahmen handle, sozusagen um die sanfte Einführung zu bem gewaltigsten Filmstreik „in the world“. Sie ziehen näm-
Zeitschriften.
— „A u s der N d t u r" („Der Naturforscher"), Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. Der Preis vierteljährlich 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mark. Aw ei Aufsätze aus der Feder bekannter Fachmänner schildern im Februar-Heft, wie es der deutschen Wissenschaft und Technik mehr und mehr gelingt, die Eigenversorgung unseres Landes mit Rohstoffen zu sichern. Studienrat M. Dubrau läßt an Hand von anschaulichen Aufnahmen aus einem führenden Wert das Werden der deutschen Zellwolle von der Zellulose bis zum vielseitig verwendungsfähigen ©pinngut erleben. Prof. Dr.-Jng. Robert Dürrer gibt eine Uebersicht über bie neuen Wege in ber Verhüttung von Eisenerzen. Auch Dr. Alfons Fischer führt mit seinem Aufsatz „Wildrassen und Kulturpflanzen" in den Kampf um unsere Existenzgrundlagen hinein. Professor Dr. W. Goetsch kann von weiteren Ergebnissen seiner letzten Forschungsreise nach Südamerika berichten, unb zwar über bie argentinischen Blattschneider-Ameisen, deren Lebensweise bisher noch manches Geheimnis barg, lieber ben Stoffwechsel der mikroskopisch kleinen Tiere berichtet Dr. med. et phil. Theobor Wense mit feinem Aufsatz „Hormone als Wirkstoffe von Urtierchen", und in die unendlichen Fernen des Weltalls zu dem merkwürdigen veränderlichen Stern „Zeta Auri-ae" führt die Abhandlung von Professor Dr. Plah- mann. Dr. Wilh. Erpelt unterrichtet darüber, was sich am Wintersternhimmel mit einfachen Mitteln beobachten läßt. Kleine Beiträge and kurz gefaßte Forschungsberichte aus allen Gebieten der Naturwissenschaften, Bücherbesprechungen, Preisfrage beschließen das Heft.
— „Der Bergsteiger" und „Mtttellungen des Deutschen Alpenvereins", Alpenverlag F. Druck- mann & Holzhaufen, München, Wien. Aus bem Inhalt des Januarheftes, bas mit einem farbigen Bild „Winterabenb in ber Ramsau" eröffnet wird, feien heroorgehoben: Schifahrten am Brenner: Der Schilauf als Seroegungsftubie; lieber Schi' Unfälle und deren Verhütung; Lehrbuben als Erstersteiger (die erste Begehung des Südgrates am Plattigen Habach in den Hohen Tauern durch den Lehrwart-Eiskurs des DAV.): Moutelet, das Wiesel, von O. E. Meyer, eine Erzählung, bie sich um ben alten Montblancführer Marie Couttet rankt; Volks- Fünft — Baucrnkunst: Stilles Leuchten, eine landschaftliche Jahreszeitenschau.


