1453 Kranke, also fast den dritten Teil ihres Bestandes, die in den französischen Lazaretten keine Aufnahme fanden und sich mühsam bettelnd von Ort zu Ort schleppten. Daß unter solchen Hmstcinden die kaum neu gefestigte Disziplin erheblich leiden mußte, ist nur natürlich. Hunger und Mangel aller Art trieben die Soldaten zur Selbsthilfe und Plünderung, die den unglücklichen Einwohnern auch noch das Letzte nahm, das ihnen die zuerst gekommenen Franzosen aelassen hatten.
Endlich, am 11. November, traf der Befehl zur Heimkehr ein, die bis 30. Dezember dauerte. Aber auf den auch sehr beschwerlichen Rückmärschen1 wurden nach und nach wieder Soldaten aus den ausgemergelten und zerlumpten Gastalten, so daß
ihr Einmarsch am 30.12.1807 mit großen Feier-1 lichkeiten begangen werden konnte. Die beiden Ba-1 taillone waren noch eben 700 Mann stark. Das Garde-Füsilier-Baicullon kam nach Darmstadt, das I Leib-Füsilier-Bataillon nach Homburg v. d. H., wo demobilisiert wurde.
Es war kein Feldzug gewesen, auf den die hessischen Truppen mit Genugtuung zurückblicken konnten. In der Heimat schlecht vorbereitet und gerüstet, hatten sie unter französischer Führung den Krieg von seiner übelsten Seite kennen gelernt. Ihr Los war Hunger, Frost und Erschöpfung gewesen, kriegerische Lorbeeren waren ihnen nicht zuteil geworden. Die blieben erst der kommenden
jZett vorbehalten. Fortsetzung folgt.
Oer Kamps gegen den unsichtbaren Feind.
* Das llebermikroskop entlarvt die Grippe.
Von Dr. H. Woltereck.
Wie vor einiger Zeit bekannt wurde, sind deutschem Forschergeist die Entdeckung und der praktische Ausbau des sogenannten „U e b e r m i k r o s k o p s" gelungen, dos bis- her völlig unbekannte Vergrößerungen ermöglicht. Auf diese Weise erhält die Heilkunde einen außerordentlich wichtigen Helfer in ihrem Kampf gegen einen der furchtbarsten Feinde des Menschen: jene winzigen Erreger, die weit kleiner als Bakterien sind und eine lange Reihe der gefährlichsten Krankheiten Hervorrufen, gegen die wir bisher in vielen Fällen nahezu machtlos waren. Eine neue Epoche der Heilkunde ist angebrochen: die Dirusforschung (Virus nennt man diese mit dem normalen Mikroskop unsichtbaren Erreger) wird schon in naher Zukunft die gleiche Bedeutung wie die bisherige Bakteriologie erlangen. In diesem Zusammenhang dürfte unsere Leser der nachstehende Artikel interessieren, der über die neuesten Erfolge im Kampf gegen den „unsichtbaren Feind" berichtet.
Neben den Bakterien gibt es, wie die -Forschung weiß, eine große Anzahl von Krankheitserregern, die bisher auch für die schärfsten Linsen der besten Mikroskope unsichtbar blieben und nur in ihren Wirkungen am erkrankten Organismus erkannt werden konnten. Diese Wirkungen sind allerdings schlimm genug, denn es handelt sich hierbei um Krankheiten, die zu den gefährlichsten gehören, unter denen Menschen und Tiere zu leiden haben, darunter Pocken, Grippe, Hundswut, Gelbfieber, die gefürchtete Kinderlähmung, Papageienkrankheit und Maul- und Klauenseuche. In der allerletzten Zeit sind nun auf diesem Gebiet entscheidend wichtige Erfolge gelungen: man konnte zunächst eine ganze Reihe dieser Dirusarten durch neuartige Färbemethoden deutlich sichtbar machen und sogar im ultravioletten Licht photographieren. Erst auf diese Weise wird dann die Einleitung eines wirklich aussichtsreichen Kampfes gegen diese gefährlichen Feinde ermöglicht. Der zweite Forfichritt der Forschung, der ebenfalls erst in letzter Zeit erzielt wurde, bestand darin, daß man eine größere Anzahl der gefährlichsten Dirusarten im Laboratorium züchten und damit in ihrer Entwicklung beobachten und kontrollieren konnte.
Da« Elektronen-Mikroskop.
Der letzte und größte Fortschritt auf diesem Gebiet ist in der Schaffung des sogenannten „Heber- Mikroskops" zu erblicken, das mit einem Schlage jene Mauer beseitigt, die uns bisher die Welt des „unsichtbaren" Virus und anderer ebenso winziger Gebilde verbarg. Die erste Veröffentlichung über die Schaffung eines „Hebermikroskops" liegt schon ein paar Jahre zurück, aber inzwischen sind diese
Arbeiten immer weiter gefördert, und nunmehr ist ein Gerät geschaffen worden, das allen Anforderungen der Praxis entspricht. Die Arbeitsweise dieses neuen Instruments ist allerdings wesentlich anders als die eines normalen Mikroskops. Nicht Glaslinsen werden zur Vergrößerung und dadurch Sichtbarmachung der zu untersuchenden Objekte verwendet, sondern elektromagnetische Spulen. Mit Hilfe großer Spannungen (6Ö 000 bis 80 000 Volt) werden in der komplizierten elektrischen Apparatur, die dieses „Mikroskop" darstellt, sogenannte Elektro- nenstrahlen ausgelöst, deren Wellenlänae ganz erheblich kleiner als die des Lichtes ist. Diese Elektronenstrahlen gehen durch elektromagnetische Spulen hindurch, die sozusagen als Ersatz der Glaslinsen eines gewöhnlichen Mikroskops wirken. Je nach der Spannung, die man durch diese „elektrischen Linsen" schickt, läßt sich das beobachtete Objekt wunschgemäß vergrößern und scharf einstellen. Auf einem Lichtschirm — ähnlich wie beim Fernsehen — wird das unsichtbare „elektrische Bild" wieder in ein optisches zurückverwandelt. So sehen wir Dinge, die bisher noch keines Menschen Auge geschaut hat, so werden ungeahnte Feinheiten im Dau aller möglichen Stoffe der Beobachtung zugänglich — und mit Hilfe des von deutschem Forschergeist erarbeiteten Hebermikroskops werden nun auch jene furchtbaren Erreger der Kinderlähmung, der Tollwut, der Grippe und vieler anderer Krankheiten sichtbar, die wir bisher als „unsichtbares Virus" bezeichneten.
Ist das Virus lebendig oder nicht?
Man sollte annehmen, daß ein gefährlicher Krankheitserreger, der sich in der von ihm befallenen Zelle in einem erstaunlich raschen Tempo vermehrt, zweifellos als „lebend" angesprochen werden muß. Bei den in so vieler Beziehung rätselhaften Dirusarten ist aber auch diese Frage keineswegs mit einem einfachen Ja oder Nein zu beantworten, und es ist heute noch eine durchaus ungeklärte Frage, ob diese gefährlichen Krankheitserreger als Lebewesen oder als unbelebte Substanzen zu betrachten sind. Allerdings spricht ihre Vermehrungsfähigkeit sehr stark für eine Zuordnung zu den Lebewesen, aber viele Dirusarten haben wiederum Eigenschaften, die man sonst nur der unbelebten Materie zuzuerkennen gewohnt ist. Bei gewissen Dirusarten, die Krankheiten der Pflanzen — z. B. die gefürchtete Mosaikkrankheit des Tabaks — verursachen, ist es in letzter Zeit gelungen, bestimmte Eiweißkörper ans dem Virus in Kristallform zu isolieren, die seine krankmachenden Eigenschaften sozusagen in höchst konzentrierter Form besitzen. Schließlich gelangen ähnliche Experimente auch bei Dirusarten, die beim Tier als Krankheitserreger Auftreten. Man erhielt beispielsweise nach ungeheuer mühevollen Arbeiten eine Substanz, von der die winzige Menge von einem Milligramm genügen würde, um eine Million Kaninchen anzustecken!
Dieses „konzentrierte Virus" ist ebenfalls ein bestimmter Eiweißkörper — also keinLebewesen wie etwa die Bakterien. Gehen nun diese unheimlichen Stoffe im lebenden Körper in andere Formen
Zentrum der Preußen bei Dierzehnheiligen zurückwich, gingen auch die Sachsen in einem großen Karree zurück, fortgesetzt von französischer Kavallerie attackiert. Auch die hessen-darmstädtischen Schützen waren den Sachsen gefolgt, als unerwartet französische Reiterei über sie herfiel und auf sie einhieb. Leutnant Meyer wurde schwer und sechs Schützen leicht verwundet. Die Franzosen hatten sie für Feinde gehalten, da die hessische Uniform der preußischen und sächsischen sehr ähnlich war. Noch ein zweites Mal wurden die Bataillone, die in Richtung Weimar vorgingen, von französischer Reiterei angegriffen, und es kostete große Mühe, diese davon zu überzeugen, daß sie Verbündete vor sich habe. Die beiden Bataillone folgten nur bis Oberweimar, bezogen dort Biwak und rückten, wie erwähnt, am 16. Oktober zur Besetzung von Erfurt ab, welche Festung sich bereits am Tage nach der Schlacht m schmachvollster Weise französischer Reiterei übergeben hatte. Der Zustand der beiden Füsilier-Bataillone war ein trostloser. Röcke und Hosen waren zerrisien, Hemden und Strümpfe nur noch Lumpen, und Schuhe waren überhaupt kaum vorhanden. Mit Mühe wurde eine Neubeschaffung aus den eroberten preußischen Beständen vorgenommen, aber noch lange fehlten Mäntel, Decken und Schuhe.
In der folgenden Zeit wurden die Bataillone, zu denen in Erfurt auch die übrigen hessischen Truppen gestoßen waren, nur zu Gefangenentransporten und Nachtdienst verwendet, bis sie endlich am 20. No- oember den Weitermarsch antraten. Die beiden Ba- taillone waren nur je 13 Offiziere, 290 Mann stark. Der Marsch ging durch eine völlig ausgeplünderte Gegend zunächst nach Küstrin, von da am 15. De- gember nach Bromberg, von wo aus sie Vorposten auf den Straßen nach Marienwerder und Graudenz bezogen. Am 17. Januar wurde das gesamte hessische Truppenkorps der Belagerungsarmee von Graudenz zugeteilt, das bis zum Frieden von Tilsit fünf Monate lang vergeblich belagert wurde. Ich habe diese Belagerung bereits in einem besonderen Aufsatz (Nr. 200 Jahrgang 1937 des Gießener Anzeigers) geschildert und gehen nicht noch einmal auf diese für unsere Truppen der großen Kälte, schlechten Ausrüstung und jammervollen Verpflegung wegen besonders schwierige Zeit ein. Aber die Disziplin, die, wie wir gesehen haben, im Anfang des Feldzugs so manches zu wünschen übrig ließ, hatte sich in dem Maße, wie die Truppen des Kriegslebens gewohnt wurden und in festere, geordnete Verhältnisse kam, wesentlich gebessert. Bei Freund und Feind stand ihr Betragen in autem Ruf.
Am 7. 7.1807 war zwischen Napoleon, Preußen und Rußland der Frieden von Tilsit geschlossen worden, der Preußen völlig zerstückelte und ihm kaum die Hälfte des Landes ließ. Aber die Hoffnung der Hessen, nun endlich heimzukommen, trog. Bereits am 17. Juli erhielt Generalleutnant vonWerner, der die hessischen Truppen befehligte, den Befehl, über Stettin zur Belagerung von Stralsund, das damals noch schwedisch und bereits van französischen und italienischen Truppen eingeschlossen war. abzu- rücken. Denn der König von Schweden hatte sich dem Tilsiter Frieden nicht angeschlassen und führte auf eigene Faust den Krieg weiter. Wieder begannen bei großer Hitze anstrengende Märsche bei völlig fehlender Dernllegung durch ausgeplünderte Gegenden bis nach Pütte (zwei Stunden vor Stralsund), wo auf nacktem Boden, ohne Stroh, Zelte und Nahrungsmittel ein Lager bezogen wurde. Die französischen Behörden sargten für nichts, das Leben der verbündeten Rheintruvpen war ja billig zu haben. Hnd von Zuhause kam ebenfalls nichts, er war eine Lage zum SeriroeMn.
Glücklicherweise kam es nicht zum Kampfe, die Schweden räumten Stralsund und zogen sich zunächst nach Rügen zurück, das sie aber auch bald verließen. Die helll^ch"n Trunpen erhielten hierauf den Befehl, die Insel Rügen zu besetzen, wo sie unangefochten bis 24. Oktober blieben und dann Quartiere in Vorpommern bei Anklam und Demmin bezogen. Hier kam endlich eine große Heimatlendung an: 332 Mann Erlaß, aber völlia ohne Waffen, und der notwen- diast- B"darf an Kleidung. Geld überhaupt nicht, so daß die Trunren monatelang ohne Löhnung geblieben waren und die Heimatorte sogar Geldsammlungen für ihre Angehörigen auf Grund ihrer jammervollen Klagen veranstalteten. Am allerschlimmsten er» gina e« den Kranken, für die wenigen als nichts geschah Bereit? in Bütte hatten die hessischen Trunven
Oie Wiener Llniversität.
Von Anton Machart.
Mitten in der „Reservation" der Wiener Altstadt steht das vornehme Barockgebäude der alten Hniver- fität. Ihre Portalfront bildet mit den beiden Brunnen die eine Seite des stillen Platzes, der sich zwischen der harmonischen Fassade der Jesuitenkirche und dem ehemaligen Konviktshaus ausbreitet, wo der Sängerknabe Schubert die Schule besuchte. Kaum bedenkt man noch, daß an dieser Stelle einst das fröhliche Leben der Studenten herrschte, seit Jahrzehnten ist ja die Hniversität auf die Ringstraße Der» legt und dieses Haus still geworden: es dient heute ols Sitz der „Akademie der Wissenschaften" den Zusammenkünften der Gelehrten.
Das Merkwürdigste dieses barocken Palais, das der Baumeister Jean Nicolas Jadot erbaute, ist der alte Festsaal, der wohl nirgends seinesgleichen in der Welt findet. Die prächtige und doch intime Art des französischen Barock verleiht ihm den Charakter eines Zimmers; er wird überwölbt von einem farbenreichen Deckengemälde des berühmten Grega» rio G u g l i e l m i, der auch Schönbrunn mit Fresken ausgemalt hat: es stellt die von der Hniversität gepflegten Wissenschaften nach einer Anordnung dar, die von dem Dichter Metastasio stammt. Schon bei der Eröffnung erregte der Saal den Beifall der ganzen Welt, Voltaire schrieb sogar ein Preisgedicht auf ihn.
Als wäre er schon von Anfang an zu Besonderem ausersehen: hier fanden historische Ereignisse statt. Zuerst diente er als offizieller Wiener Konzertsaal —- man sieht noch heute an der Fensterfront die Abdrücke des Podiums, wo sich das Orchester zu versammeln pflegte — und als solcher erlebte er unsterbliche Aufführungen von Haydn und Beethoven. Am 8. Dezember 1813 wurde hier zum ersten Male Beethovens „Siebente" aufgeführt. Mehr als hundert vorzügliche Spieler befanden sich in dem Saal, außerdem viele berühmte Komponisten und Virtuosen, die sich vereinigt hatten, um dem Werk Beethovens, dessen Genie sie erkannten, zum Sieg zu verhelfen. Mayseder, Schuppanzigh wirkten mit, Spohr war unter den Geigern, Hummel stand an der großen Trommel. Beethoven selbst dirigierte in feiner leidenschaftlichen Art. „Bei dem piano bückte er sich nieder", schreibt Spohr, „und um so tiefer, je schwacher er es wollte. Trat bann ein crescendo ein, fo richtete er sich nach und nach wieder auf und sprang beim Eintritt des forte hoch in die Höhe. Auch jchris ex manchmal, um das forte noch zu ver
stärken, mit hinein, ohne es zu wissen." Der Abend brachte als Ertrag Die ansehnliche Summe von 4006 Gulden ein.
Das andere große musikalische Ereignis, das mit diesem Saal für immer verbunden bleibt, war die feslliche Aufführung der „Schöpfung" von Haydn am 27. März 1808, ein Jahr vor dessen Tod. Die Damen der Aristokratie, ihnen voran die Fürstin Esterhazy, zeigten sich so besorgt um die Gesundheit des Greises, daß sie ihn mit ihren Shawls einhüllten, damit ihm kein Luftzug schade. Auf einem berühmten Aquarell dieser Zeit sieht man Haydn als einzigen im Saale das Haupt mit einem Zweispitz bedeckt und wie eine Mumie umwickelt mit rotem, blauem, golddurchwirktem Musselin in einem Ehrenfauteuil sitzen. Die beiden ebenfalls abgebildeten prächtigen Eisenöfen — die ersten, gußeisernen — stehen heut noch und werden beim Gebrauch des Saales geheizt.
Wiens Hniversität gehört zu den ersten Europas, neben Prag ist sie überhaupt die älteste auf deutschem Gebiet. Herzog Rudolf der Stifter, der sie am 12 März 1365 gründete, hatte ursprünglich einen ganzen Stadtteil — zwischen der Burg und dem Schottentor — für sie ausersehen, später wurde sie im Kloster der Dominikaner untergebracht, wo sie sich großen Ansehens erfreute. Humanismus und Gegenreformation wirkten im Lauf der Jahrhunderte tiefgestaltend auf sie ein und sie bat manchen großen Namen zu verzeichnen. Maria Theresia endlich mar es, die eine entscheidende Wendung in ihrem Schicksal herbeiführte: sie vereinigte die Fakultäten, die bis dahin in geistliche und weltliche Wissenschaften geschieden waren und getrennten Be- börben unterstanden, in ein Ganzes und stellte die Hniversität selbst somit unter den unmittelbaren Einfluß des Staates. Der berühmte van ©mieten mürbe mit der Durchführung dieses Planes betraut.
Franz I. von Lothringen, der Gemahl der Kaiserin, brachte den Architekten nach Wien, dem die Errichtung des Hniversitätsgebäudes übertragen wurde: ^ean Nicolas Jadot, der auch die „Botschafterstiege" der Hofburg und die Maria Theresiengruft bei den Kapuzinern schuf. Als Inspektor und Eontrollor des k. k. Hofbauamtes" arbeitete er von 1753—1755 Daran und stellte das Palais schließlich mit einem Kostenaufmand von 230 000 Gulden her.
Heute beherbergt die alte Hniversität die „Aka- bemie ber Wissenschaften", jenes höhere Forum von Gelehrten, bas schon 1497 von bem Humanisten Conrad Celtes und dann 1704 von bem Philo- fvphen Leibnitz für Oesterreich angeregt worden war — ein Plan, für den sich dann' auch Prinz Eugen lebhaft sinsetzte. Obzwar Kaxl lü, und
Maria Theresia die Sache förderten, blieb es doch nur bei Verhandlungen, bis nach 1848 die Schaffung der Akademie Wirklichkeit mürbe Hier treten nun die Gelehrten immer mieber zu Besprechungen zusammen, deren Verlauf in Protokollen niebergelegt mird. So bient bieses Haus weiter der Kultur, in deren Zeichen es angetreten ist.
Intermezzo im Schnee.
Von Mich von Llechlrih.
Sie gingen ganz langsam durch den knirschenden Schnee. Die Spuren ihrer Schier zogen eine lange Bahn hinter ihnen.-
Sie waren ganz jung und darum sehr ernsthaft.
Sie hielten sich für zu reif für die Liebe — so jung waren sie noch.
Darum sprachen sie auch mir von den Schnee- veihältnissen, von steilen Abfahrten und gutem Gelände, von Telemark und Ehristiania. Manchmal auch über ihre Weltanschauung, in ber immer noch ein wenig das Knarren der Schulbänke mittönte.
Heber ihnen stand schräg eine leuchtende Winter» sonne. Sie waren Sportkameraden — wer wollte das bezweifeln? Es mar ganz still um sie, und sie schwiegen beide.
Er sah sie an.
Nein, er sah nicht auf das faszinierende Gold ihrer flimmemben Haare, auf ihr Kindergesicht — er stellte nur wieder einmal fest, daß sie für ein Mädchen ungewöhnlich zweckmäßig ausgerüstet war. Außerdem gefielen ihm ihre bunten norwegischen Handschuhe.
Man kann auch nicht sagen, daß sie ihn ansah; sie betrachtete nur mit fachmännischem Ernst seine ausgezeichnete Haltung beim Gehen — aber sie bemerkte doch wenigstens, daß der bunte Schal, den er um den Hals trug, ihm ganz unerhört gut stand. Das lag aber selbstverständlich ausschließlich an der Wahl der Farben.
Sie waren endlich an dem Hang angelangt, von dessen ungeahnten Möglichkeiten für eine Abfahrt sie sich viel versprachen.
Er sah sich nur einen Augenblick nach ihr um, bann sah sie ihn schon viel tiefer unten in vorschriftsmäßiger Haltung landen.
Dann folgte sie, mar darauf bedacht, ihm an Eleganz und Haltung nicht nachzustehen. — Plötzlich lag sie im Schnee: wie es" eigentlich geschehen war, konnte sie selbst nicht sagen; jedenfalls lag sie.
‘ Sifi versucht- auszustehen« es wollte nicht ■* der
über, werden sie dadurch vielleicht zu lebenden Er- regem? Diese Frage ist vorläufig noch ungeklärt — mir stehen eben noch ganz im Anfang der Virus- forschung und haben gerade die ersten tastenden Versuche gemacht, um diesen unsichtbaren Feind zu entlarven.
Oer Kampf besinnt.
Der Kamps gegen diese furchtbaren Feinde des Menschen wird in erster Linie auf dem bereits sehr erfolgreich beschrittenen Weg der Immunisierung geführt, da wir wenigstens bisher kein Mittel kannten, durch das sich das Virus im lebenden Körper abtöten ließ. In allerletzter Zeit ist es jedoch gelungen, gewisse Dirusarten durch Behandlung mit Farbstoffen und gleichzeitige Bestrah - l u n g mit langwelligem Licht zu vernichten — diese neue Entdeckung eröffnet einen durchaus erfolgversprechenden Weg zur Bekämpfung der Viruskrank- Heiken. Dor allem aber ist die Medizin jetzt bereits in der Lage, mit Hilfe der künstlich gezüchteten Kulturen der Erreger vieler gefährlicher Krankheiten von Mensch und Tier sehr wirksame Impfstoffe herzustellen, die durch rechtzeitige Anwendung Schutz vor diesen Erkrankungen gewähren.
Wie wichtig dieser Kampf ist, geht schon daraus hervor, daß mir heute bereits 150 Dirusarten kennen, die Krankheiten Hervorrufen. Sie finden sich nicht nur bei Menschen und Tieren, sondern auch bei Pflanzen, beispielsweise bei der bereits erwähnten Mosaikkrankheit des Tabaks, der Kartoffel und der Tomate. Durch die Viruskrankheiten der Tiere und Pflanzen gehen der Landwirtschaft Jahr für Jahr riesige Betröge verloren, und es ist sehr erfreulich, daß die Forschung jetzt in der Lage ist, den Kampf gegen diese Krankheitserreger mit neuen Mitteln aufzunehmen.
Rätsel um Krankheiten.
Die Dirusforschung verspricht auch bei einer ganzen Reihe bisher noch ungeklärter Krankheiten des Menschen schon in naher Zukunft wirksame Bekämpfungsmethoden zu liefern. Das gilt 3. B. für die gefürchtete Kinderlähmung, als deren Erreger ein bestimmtes Virus gefunden wurde. Es besteht auch Aussicht, daß für Die so lange vergeblich gesuchte Lösung des Krebsproblems von dieser Seite her wichtige Aufschlüsse gefunden werden können.
Bei einer anderen, bisher noch sehr geheimnisvollen Krankheit ist die Dirusforschung bereits ein gutes Stück vorwärts gekommen: es ist die Grippe, über deren Erreger namentlich aus Amerika immer wieder Meldungen verbreitet werden, die sich aber meist bei näherer Prüfung als nicht stichhaltig erweisen. Dieses so lange umkämpfte Problem scheint jetzt endlich vor der Losung zu stehen, denn es ist in letzter Zeit gelungen, ein Virus zu entdecken, das zweifellos als der Erreger der menschlichen Grippe anzusehen ist. Man hat diesen Erreger bereits in Kulturen züchten können. Es hat sich bei dieser Untersuchung auch der Grund dafür gefunden, warum gerade bei den Arbeiten über die Grippe so häufig nur scheinbar richtige Resultate erzielt wurden, die einer Nachprüfung nicht standhielten. Die Losung dieser Frage bringen einige neue Entdeckungen, die über die Entstehung der Grippe gemacht werden konnten.
Es hat sich nämlich herausgestellt, daß die Grippe sehr wahrscheinlich durch zwei zusammenwirkende Erreger, und zwar den Jnfluenzabazillus und ein Virus verursacht wird. Die Grippe tritt nach dieser Annahme nur dann auf, wenn eine Doppel- i n f e f t i o n, ein Zusammenwirken von Virus und Bakterium, vorliegt. Im Zusammenhang mit diesen neuen Erkenntnissen sind bereits die ersten sehr erfolgversprechenden Ansätze zur Herstellung des bisher vergeblich gesuchten Jmpfftoffes gegen die Grippe zu verzeichnen.
Im übrigen wird das neue Uebermikroskop der Heilkunde in ihrem Kampf gegen den „unsichtbaren Feind", das Virus, eine entscheidend wichtige Unterstützung geben. Das Mikroskop hat den Kampf gegen die Bakterien erst wirklich erfolgreich werden lassen — hoffen wir, daß die Erfindung des Elektronen-Mikroskops der Dirusforschung zu ähnlichen Erfolgen verhilft.
rechte Fuß wollte nicht. „Sicher gebrochen", stellte sie sachlich und ungerührt fest.
Dann eine Stimme von wett Herr „Haaalloook"
Sie schrie zurück: „Hier!"
Ein paar Sekunden später war er da. „Na, was ist denn nun?" fragte er — aber in feinen Augen war richtige ehrliche Angst, als er sich über ihren verletzten Fuß beugte.
„Sicher gebrochen?", stellte auch er fest, aber ein wenig atemloser und nicht so ungerührt wie sie.
Dann saßen sie nebeneinander im Schnee, zwei große, hilflose Kinder. „Wie bekomme icy dich nur hier runter, ohne dir weh zu tun?" Seine Stimme war ganz ratlos.
Etwas in ihr rührte sich unter der Ratlosigkeit seines Tones — freute sie sich, daß er Angst um sie hatte?
Plötzlich wollte sie gar nicht mehr tapfer feint sie lehnte sich in den Schnee zurück und biß sich mit verzerrtem Gesicht in die Lippen.
„Tut es dir so weh?" — feine Stimme schwankte bedenklich.
Statt aller Antwort lachte sie plötzlich hell auf — hell und glücklich.
Er sah verdutzt aus... war sie verrückt geworden?
Sie lachte immer noch —: „Wie dumm waren wir doch — wie dumm!"
Plötzlich verstand er; — mit äußerster Vorsicht, um ihr krankes Bein nur nicht zu berühren, beugte er sich zu ihr hinüber und küßte sie. Ein wenig unbeholfen — aber sie lachte nicht mehr.
Dann traten se behutsam den Heimweg an.
Hochschulnachrichten.
Von der Hniversität Bologna, die alle fünf Jahre das hefte wissenschaftliche Werk auf orthopädischem Gebiet durch den Hmberto-Prois, eine Stiftung des früheren italienischen Königs, auszeichnet, wurde dieser Preis in diesem Jahre dem Chefarzt der Orthopädischen Klinik des Städtischen Krankenhauses in Aachen, Dr. Fr. P a u w e l s , verliehen. — Die Italienische Gesellschaft für Gerichtliche Medizin inMai 1 and ernannte den Ordinarius für Gerichtliche und Soziale Medizin, Professor Dr. Gerhard Schrader in Halle zum Ehrenmitglied. Seine Arbeiten betreffen besonders das Gebiet der Elettropathologie, der forensischen Toxikologie und der postmortalen Verändeningen.
Der Dozentin in der Medizinischen Fakultät der Universität München Dr. med. dent. Dr. med. Maria Kösters wurde die Dienstbsgeichnung mchtbeamtetLc MherochLMchex Professor verlichm,


