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11.1.1939
 
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Mittwoch,U-Zamar 1959

Gießener Anzeiger

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dieser Losung Beneschs in dramatischer Eindring-

Wenn man die Rolle, die Dmowski im

Sckr'itt ist fest ja hart, die Gesichtszüge sind ernst,, vergleicht, wird deutlich sichtbar, daß es sich hier Grenze Asiens bis nach Europa hinein verschob,

nur um die Mundwinkel liegt ein flüchtiges nicht mehr um eine zufällige Gleichrichtung ihrer mußte er notwendigerweise Gegenkräfte des

Läckeln' aber diese Augen, wie leuchten sie vor Schicksale handelt. Als Exponenten einer abklm- Abendlandes auslosen. Nur das Polen Pll-

^1-eudel'" gettden Welle im geistigen Strom beider west- sudskis hat sich den Rucken im Westen frei ge-

ü Mer * diesen Polen kurz vor seinem Tode sah, slawischer Völker mußten sie der gleichen Gesetz- macht, als es das Abkommen vom Jahre 1934 mit

Chamberlain auf der Kahrt nach Rom

Die Abreife

Unlerhattung gab Gelegenheit Oie Sitzungen mit Reden der Alterspräsidenten

beiden Regierungen hera«ffteltte ^öffnet. Im Senat, wo der 92jährige Al-

1 v . ... i Z < Sa. o t i a. r v 1 r7x_________ h.» ni nr n rha h i pf I

Wer diesen Polen kurz vor seinem Tode sah, mußte feststellen, daß jenes Lächeln der Freude und des Triumphes aus dem Antlitz seit langer Zeit ausgelöscht war. Hart gruben sich die Falten in die Wangen ein, die dicht bebuschten dunklen Augen sahen müde in die Ferne, als suchten sie jenseits von Weichsel und Pripjet den längst ent­schwundenen Glanz des Zarentums, als trauerten sie um den romantischen Schimmer desBeherr- schers aller Reußen", der auch ein freies Polen

Dmowski und seine Partei in hoffnungs­loser Opposition, und er selbst hat in den letzten Jahren nichts mehr von sich hören lassen. Auch der Tscheche Kramarsch mußte nach sei­nem mißglückten Versuch, als erster Minister­präsident der Republik dem dort vorherrschenden Marxismus Widerpart zu bieten, seine Segel streichen und sich damit bescheiden, das grollende Gewissen seiner Nation zu sein, dessen Mahnungen nicht erhört wurden.

dem größeren Manne Pilsudski unterlag, weil er sich in bürgerlichen, veralteten politischen Formen der Vergangenheit bewegte. Nichts kennzeichnet seine Pedanterie greller als die Tatsache, daß er zur gleichen Zeit, als Pilsudski 1926 in Polen den entscheidenden Staatsstreich durchführte, in Italien theoretischen Studien des Faschismus nachging.

dem nationalsozialistischen Deutschland schloß. Der tschechische Staat versuchte sich weiter auf alten

Dmowski war wie Kramarsch ein kluger, geist­reicher Kopf; er hat auf die geistige Ausrichtung des polnischen Volkes einen großen Einfluß aus­geübt. Ihm blieb die Tragik nicht erspart, daß er, während der Nationalstaatsgedanke die Grundlage

des Wortes ein Opfer des trügerischen Zaren­glanzes geworden. Während sie noch den Puls­schlag des Groß-Slawentums in Petersburg zu vernehmen glaubten, gliederten sich die Völker un­ter dem Druck der unerbitterlichen Tatsachen m den Rhytmus des mitteleuropäischen Raumes em. Dmowski hat Kramarsch um nicht einmal zwei Jahre überlebt. Als jetzt auch er in den Schatten des Todes trat, übernahm gerade der polnische Staat einen Teil der russischen Kronjuwelen, die in Warschau als Pfand für eme alte russische Schuld aufbewahrt worden sind. Es ist unter ihnen die alte Zarenkrone, ihrer Edelsteine beraubt und in sieben Teile zerbrochen ...

Feierliche Bestattung OmowskiS.

Der Sturz des Zarenreiches hätte für Dmowski ebenso ein Warnungszeichen sein müssen wie für Kramarsch. Indem der Bolschewismus die

zwischen den l------ - -

vollkommene Identität derGesichls- punkte im vollen Umfang zu bestätigen.

Warschau, 8.Jan. (DRV.) Seit dem Tode Marschall Pilsudskis erlebte die polnische Haupt­stadt ihre größte Beisetzungsfeier. Sie galt der Ehrung der sterblichen Ueberreste des polittschen Gegenspielers Marschall Pilsudskis, Roman Dmowski, des Mitbegründers der nationalde­mokratischen Partei und geisttgen Haupts der Rechtsopposition. In Sonderzügen waren aus allen Teilen Polens rund 15 000 Personen nach Warschau gekommen. Der Totenmesse m der War­schauer Kathedrale wohnte neben Vertretern sämt­licher nationaler Oppositionsparteien auch der ehe­malige Staatspräsident Wojciechowski bet Die Zahl derer, die dem ehemaligen Führer der nationalen Partei die letzte Ehre erwiesen, der auch als Schöpfer des Antisemitismus in Polen anzusprechen ist, wird auf rnchr als 100 000 ge­schätzt. Dmowski wurde auf einem Warschauer Friedhof beigesetzt. Besondere Trauerfeiern fanden auch noch in vielen anderen Städten Palens statt.

Duclos erhielt 273 Stimmen, während sein Ge­genkandidat Aubert, der den Radikalsoziaüsten nahesteht, 133 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Auch die Wahl des der rechten Gruppe Marin ange­hörenden Kandidaten V a l l a t kam nicht im ersten Wahlgang zustande, da er nur 264 Stimmen aus sich vereinigen konnte, während für den farbigen Abgeordneten E a n d a c e , der schon bisher Vize­präsident war, 193 Stimmen abgegeben rvUrden.

Oer Kommunistenhäuptling DucloS wiedergewählt.

Der kommunistische Fraktionsvorsitzende Duclos ist entgegen den allgemeinen Voraussagen mit sehr knapper Mehrheit für ein weiteres Jahr zu einem der sechs Vizepräsidenten der Kammer w i eder- gewählt worden. In der Stichwahl entfielen auf ihn 246 Stimmen; die absolute Mehrheit betrug 237. Die Kommunisten, die Sozialisten und die klei­nen Linksparteien sowie einige Radikal­sozialiften haben für den Kommunisten get

gegeben: , , . .

Rlinifferpräfibenf Chamberlain und Außenminister Lord Halifax, die sich auf der Durchreise nach Rom in Paris befanden, haben diese Gelegenheit benutzt, um sich im Quai d'Or­say mit den Herren Daladier und Bonnet zu un­terhalten. Diese Unterhaltung gab Gelegenheit, die

Herriot wieder Kammerpräsident

Neue Sitzungsperiode des französischen Parlaments.

Paris, 10.Jan. (Europapreß.) Das Parlament traf am Dienstagnachmittag zu einer neuen Sitzunasperiode zusammen. In beiden Häusern wur-

Slawische Zeitenwende

Eigener Bericht des Gießener Anzeigers

failles verkannte, ja er sah in Deutschland einen Verbündeten gegen den fanatischen Feind im Osten, gegen den Bolschewismus. So ersparte er seinem Lund das Schicksal des Tschechentums, das von dem System Masaryk-Benefch irregeleitet zum Schlüsse keine andere Rettung mehr zu haben glaubte, als wieder eine russische Karte, diesmal die mit dem Sowjetstern, auf den grünen Tisch

In Begleitung von Ministerpräsident Daladier und Außenminister Bonnet begaben sich sodann Ministerpräsident Chamberlmn und Außenminister Lord Halifax zum Lyoner Bahnhof, um von Dort aus um 19.30 Uhr WEZ. mit dem Rom-Expreß nach Italien weiterzufahren. ...

In den Abendstunden wurden Einzelheiten über die Ministerbesprechung bekannt, die interessante Rückschlüsse auf die französisch-englische Haltung gegenüber den italienischen Forderungen zulitisen. Obgleich man sich weiterhin in französischen Krei­sen gegen den Gedanken wehrt, daß die englischen Minister m Rom eine Vermittlung im fran­zösisch-italienischen Streit unternehmen «urden deu­tet doch alles darauf hin, daß die englischen Mim-

Der Aufenthalt in Paris.

E. F. Paris, 10. Januar.

Ministerpräsident Chamberlain und Außen­minister Lord Halifax sind mit ihrer Begleitung am Dienstag um 17.45 Uhr WEZ. mit Dem Luxus­zugGoldener Pfeil", aus Calais kommend, in Paris eingetroffen. Auf dem Nordbahnhof wur­den sie von Ministerpräsident Daladier, Außen­minister Bonnet, dem englischen Botschafter Sir Eric P h i p p s und Beamten des Quai d'Orsay empfangen. Mit Rücksicht auf die Kürze der zur Ver­fügung stehenden Zeit spielte sich die Begrüßung m den knappesten Formen ab. Die aus sechs Wagen bestehende und von Motorradfahrern begleitete Ko­lonne setzte sich dann zum Außenministerium tn Be­wegung. Beim Verlassen Des Bahnhofs wurde Chamberlain verschiedentlich durch Hochrufe begrüßt. Am Quai d'Orsay begann sofort eine Besprechung zwischen Chamberlain, Lord Halifax, Daladier und Bonnet im Rotundensaal. Nach deren Beendigung wurde folgende amtliche Mitteilung aus-

Rom zu sefilichemEmpsang bereit

Rom, 10. Jan. (Europapreß.) Die englischen Minister werden am Mittwoch um 16.30 Uhr mit dem Sonderzug in Rom erwartet. Im Hauptbahn­hof und in dessen Umgebung sind die Vorbereitungs­arbeiten für den festlichen Empfang der englischen Gäste in vollem Gang. Der Bahnhof wird reich mtt englischen und italienischen Flaggen, mit grünen Blattpflanzen und bunten Blumen geschmückt. Um Raum für Die Begrüßungsfeier zu schaffen, sind zwei Gleise überdeckt worden, so daß drei Bahn­steige miteinander verbunden sind. Die auf diese Weise entstandene breite Plattform ist vollständig! mit karmesinfarbenen Teppichen und roten Läufern bedeckt worden. An den Pfeilern und den Wänden der Bahnhofshalle wurden Wappen mit den Zei­chen des Hauses Savoyen, dem Liktorenbündel, dem Adler des Imperiums oder den Farben der Stadt Rom angebracht. Auch die Außenfronten des Bahn­hofs prangen im Flaggenschmuck. Gegenüber dem Seitenausgang, durch Den Die Gäste Den Bahnhof verlassen werden, ist eine große Tribüne für Die englische Kolonie in Rom errichtet worden. Zu Dem englischen Ministerbesuch ist eine große Zahl von Sonderberichterstattern aus London, Paris und an­deren Hauptstädten in Rom eingetroffen.

Die römische Presse geht auch am Vor­abend der Ankunft des englischen Ministerpräsident ten Chamberlain und Des Außenministers Lord Halifax nicht aus ihrer Zurückhaltung hinsichtlich der bei Der Zusammenkunft zur Erörterung kom- menDen politischen Probleme heraus. Lediglich Die Tribuna" bringt einen Leitartikel, Der in Der Fest­stellung gipfelt, daß Frankreich eine aus Dem Lon­doner Vertrag von 1915 sich ergebende Schuld an Italien abzutragen habe. Die Bezahlung Dieser Schuld seinurdurchGebietsabtretungen möglich. In Frankreich mache man natürlich Aus­flüchte. Man weise darauf hin. Durch Derartige Zu- geständnisse könne Das demokratische Prestige leiden ober das autoritäre System gestärkt werden. Das sei zwecklos. Wenn etwa Die französische Regierung Die englischen Minister beauftragt habe. Derartige Argumente in Rom vorzubringen, Dann gehe Der gallische Stolz und der demokratische Optimismus zu weit.

verklären sollte.

Wenn man Das Schicksal Des WieDererweckers eines unabhängigen Polens betrachtet, Dann drängt sich unwillkürlich der Vergleich mit dem 1937 verstorbenen Führer Der tschechischen Natio­naldemokraten, Karl Kram ar sch, auf. Beide setzten im, Kampfe um die Unabhängigkeit ihrer Völker auf Die russische Karte. Dmowski j realisierte Den NationalgeDanken seines Land- , manns Poplawski, inDem er Die polnische National- Demokratie als Partei vornehmlich Des Bürger- , tums schuf, Die sich 1905 mit Dem Zarentum aus- j söhnte und im Deutschen Reich Deng e» fährlichsten FeinD Polens" sah. Zur , gleichen Zeit spann Karl Kramarsch, damals Reichsratsabgeordneter in Wien, seine Fäden nach Petersburg unD trat in Den gemeinsamen Dele­gationen Der Wiener unD Budapester Parlamente für Die Lösung Des Bündnisses Der Monarchie mit Deutschland unD Dessen Ersatz durch ein Bünd­nis mit Rußland ein. Dmowski versprach sich von einem Sieg Rußlands über Das Reich Die Wieder­erlangung Der polnischen Unabhängigkeit. Kra­marsch verkörperte Den alten Traum des tschechi­schen Volkes nach einem slawischen Großreich mit dem Sitz in Petersburg unD feinem westlichsten Vorposten in Prag. Auf Dem Panslawistischen Kongreß in Prag, 1908, waren Dmowski und Kramarsch anwesend, jener freilich mehr zu dem Zwecke, um Verbündete für den polnischen Frei­heitskampf zu suchen, Dieter aber als unbedingter Anhänger Des Russentums, Dem auch feine Frau entstammte. Nur Kramarsch war als echter Pan­slawist anzusprechen, Denn Roman Dmowski sah in dieser Idee in erster Linie eine Waffe gegen Die germanische Welt.

Die Gegenspieler Der beiDen Slawen wa­ren voneinander in Ideologie und Charakter völlig verschieden. Ueber Dmowski siegte der Revolutionär Pilsudski, Der sich in seinem Kampfe werbend an Die Soldaten und Arbeiter seiner Nation wandte und daher jene realpolitischen Kompro­misse haßte, Die Das satte polnische Bürgertum um seiner wirtschaftlichen Existenz willen im Wechsel­spiel der Geschichte anwandte, und denen Dmowski auch dadurch Rechnung trug, daß er als Vor­sitzender der polnischen Fraktion in die russische Reichsduma einzog. Kramarsch aber hatte es mit einem Philosophen Masaryk zu tun, der Den Begriff Der Demokratie mit Humanität übergoß und in einer überspitzten Form aus dem Westen Europas nach Prag zu verpflanzen suchte. Pil- .sudski baute auf Den Sieg der Mittelmächte über Rußland, Dmowski ging im Weltkrieg Die West­mächte um Hilfe gegen Deutschland und für Polen an weil sie die Verbündeten Rußlands waren, Masaryk sah im Gegensatz zu Kramarfch m ihnen nicht nur die Machtfaktoren Der Zett, sondern auch die ideologischen Keimzellen DesNeuen Europa , Das er sich unter Der Führung Frankreichs vor­stellte. Ihm gelang es, eine Einheitsfront mit Kramarfch während des Krieges herzustellen mtt jenem Kramarsch, Der Den Kampf um Böhmen innerhalb Der Grenzen Der Monarchie führte Da­mit wurde Den Tschechen jener Bruderkampf er- spart, Der Polen in zwei Lager, um Dmowski und um Pilsudski, zerrissen batte.

Polen hat in Dmowski wohl einen Kramarsch, jedoch nie einen Masaryk erlebt Der große Pole aus Wilna, Pilsudski, war das^Gegentei des ideologisch verkrampften Demokraten Masarnk, Pilsudski war Soldat und als solcher Imperialist. Während Dmowski die Ansprüche des Polentums auf russisches Staatsgebiet freiwillig be^rankte und den Bug als Ostgrenze ansah, holte Pilsudski mit seinem Schwert wett nach Der Ebene

aus. Dmowski wollte Dafür Das Rad der Geschichte zurückdrehen und fo genannte "Mansche An­sprüche" auf deutsches Land bis zur Elbe geltend machen. Pilsudski aber drängte nicht weiter gegen Den Westen als ihm Der Friedensschluß von Der-

ster ermächtigt worden sind, die großen Linien der französischen Haltung dem Duce dar zu leg en und ihn vor allem einzuladen, die italienischen Forderungen auf dem direkten diplo­matischen Wege Der französischen Regierung be- kanntzugeben. Man hat in gut unterrichteten Krei­sen in Paris den Eindruck, daß Frankreich z u d r e 1 Zugeständnissen gegenüber Italien bereit sei: 1. würde Frankreich den Derwaltungsrat Der Suezkanalgesellschaft durch Italiener er­gänzen; 2. würde es, was übrigens bereits im Laval- Mussolini-Abkommen vorgesehen ist, den Italienern in Tunis gewisse Rechte zusprechen und 3. wurde Frankreich unter Umständen in eine mehr oder we­niger völlige Abtretung Der Eisenbahn Dschibuti ADdisAbeda an Italien einwilli­gen. Es scheint sich hier um französische Zugeständ­nisse zu handeln, Die Die englischen Minister in Rom mitzuteilen ermächtigt sein sollen. Die englische Re­gierung würde aber selbst in die Verhandlungen nicht eingreifen, Die nach französischer Auffassung direkt zwischen Paris und Rom geführt werden müßten. ,

Die L 0 nd 0 ner Blä11er vom Mittwoch stellen einstimmig fest, daß Die Gespräche sich in Der Haupt­sache auf Die spanische Frage bezogen hatten. Der gut unterrichteteDaily Expreß' schreibt, Chamberlain habe erklärt, daß England einen letzten großen V e r mittlun gs schritt zwischen Den beiden in Spanien kämpfenden Par­teien anstrebe. Die englischen Staatsmänner sollen von den Franzosen davon in Kenntnis gesetzt wor­den sein, daß Frankreich keine Aenderung der grundlegenden Fragen" zulassen werde.Daily Mail" behauptet, daß auch Die militärische Bereitschaft Englands und Frankreichs be­rührt worden sei. Don französischer Seite seien große militärische Anstrengungen Englands und im Kriegs­fall die sofortige Einführung der Dienstpflicht ge- 1 fordert worden. Ferner habe man in Paris auch über Die Möglichkeiten einer industriellen Mobilisierung in England gesprochen.Daily Expreß" erwartet, Chamberlain und Lord Halifax würden bei Mussolini als erstes die Einstellu n g d e s P r e s s e f e l d z u g e s gegen Frankreich durch­zusetzen suchen. Die englischen Staatsmänner wur­den diese Maßnahme als Vorbedingung für Die Ge-

1 spräche stellen.

L 0 nd 0 n, 10. Jan. (Europapreß.) Ministerpräsi­dent Chamberlain und Außenminister Lord Halifax traten programmähig am Dienstagvor­mittag ihre Reise über Paris nach Rom an. Als Chamberlain seine Dienstwohnung verließ, wurde er in Der Downing Street unD in Whitehall von einergroßenMenschenmengebegrüßt. Chamberlain, Der in Begleitung feines Privatfekre- tärs Cleverly Den Wagen bestieg, nahm Die freundlichen Zurufe Der Menge lächelnD zur Kennt­nis. Er schwenkte seinen Regenschirm und lüftete feinen schwarzen weichen Hut zum Gruß. Auf Dem Viktoria-Bahnhof hatten sich mehrere MitglieDer Des Kabinetts sowie Die Botschafter Italiens unD Frank­reichs eingefunDen. Auf Dem Bahnhof waren unge­wöhnlich scharfe Absperrmaßnahmen er­griffen worDen. Der Ministerpräsident traf nur wenige Minuten vor Abfahrt Des Zuges auf Dem Bahnhof ein und begab sich zu Den Diplomaten unD feinen Ministerkollegen, um sich von ihnen zu ver- abfchieden. Kurz vorher versuchten Arbeitslose mit Dem durch die Kundgebungen der letzten Wochen be­rühmt gewordenen schwarzen Sarg auf den Bahn­steig vorzudringen. Sie wurden jedoch durch Die Polizei zurückgehalten.

R. H. Warschau, 8. Januar.

Der erste Totenschein Des Jahres 1939 in Der nortpolnWn Gemeinde Drozdowo wurde am 2. Januar um 11 Uhr vormittags °u-gestelltt Ueber dem uralten Siegel der Pfarrer |tet)t geschrieben: Gestorben Roman Dmowstl, 74 Jahre alt Wiedererwecker des unabhängigen Polens . . . Der Mann Der fett Jahren verbittert unD einsam auf Den Tod gewartet hat, feierte im Jahre 1919 Den Triumph seines Lebens. Als Clömenceau im Schloß zu Versailles in alphabetischer Reihen­folge Die Delegationen der einzelnen Staaten zur

eröffnet, -oni ökhul, ivu w v , ,,

terspräsident Damecour Die Ansprache hielt, befanD sich unter Den bei Den Ergänzungswahlen gewählten neuen Senatoren auch Der ehe­malige sozialistische Innenminister M a r x D o r - m o y. Der 79jährige Alterspräsident Der Kammer, Salles, sprach sich in seiner Eröffnungsrede für Die Politik von München und Das im Dezember in Pa­ris unterzeichnete deutfch-französifche Abkommen aus. Zum Kammerpräsidenten mürbe H c r- riot mit 421 Stimmen wiedergewählt. Dann wur­den Die Abstimmungen für Die Wahlen der sechs VizepräsiDenten vorgenommen, von Denen Die folgenden vier ohne Schwierigkeiten gewählt wurden- Paulin, Morin, Ducos und Buyat. ^Da­gegen ließ sich die Entscheidung über die beiden ubri- gen Vizepräsidentenposten nicht so glatt DerbeifuD= ren. Der bisherige kommunistische Vizepräsident

nami^Rutzland^ ft eht ^hinter unsDie^'iünasten wayreno oerjcanonaifiaaisgeuuiue uit ynunuiuyc ndmi! Rußland steht hinter uns. Die fungsten Neuordnung Europas wird, machtpoltti ch

Ereignisse in Mitteleuropa haben die Irrsinnigkeit wnn9np nilludski unterlaa. weil er

Unterzeichnung des Friedensdiktats aufrief, Da er- lichkeit beleuchtet. Der schon 1937 verstorbene Pan- boben sich bet Dem Ruf:La Pologne!" P a D e -: flawist Kramarfch, Der bis zu feinem lobe den rewffi und Dmowski, burchschritten Die gan- Kreuzzug gegen Den Bolschewismus gepredigt hat, ,e Länge Des Saales, um im Namen eines Durfte diese letzte Genugtuung über den Zusam- Staates zu unterfertigen, Der 125 Jahre lang aus menbruch Der Politik seiner Gegner auf Der Pra-

her Geschichte ausgelöscht war. Ein Zeitgenosse ger Burg nicht mehr erleben.

hat diesen stolzen Gang Dmowskis so beschrieben: Wenn man Die Rolle, Die Dmowsk t tm

Er sieht noch größer aus als sonst, vielleicht des- neuen Polen spielte, mit Der politischen Laufbahn

halb weil er hoch aufgerichtet schreitet. Sein Kramarschs im tschechischen Staate nach 1918

slawischer Völker mußten sie Der gleichen Gesetz­lichkeit erliegen. Dmowski vermochte wohl noch 1923 für kurze Zeit als Außenminister in Den. iiu/euHiiye ^uut VorDergrund zu rücken, gegen Den Tatmenschen! Gleisen, Die nach Paris unD Moskau führten. Der Pilsudski aber, der um sich eine neue, soldatische. Panslawismus aber hoffte untätig auf den Sturz Atmosphäre geschaffen hatte, gelang es ihm nur]Des roten Regimes im Kreml, Dem Dmowski eben- mit taktisch-parlamentarischen Methoden bis 1926 j so wie Kramarsch irrtümlicherweise nur ein kurzes Widerstand zu leisten. Seither verzehrten sich! Leben gegeben hatten. Sie sind im wahrsten Sinne I