„Sie haben gut reden! Da soll man sich nicht ärgern, wenn einem der Vitus solche Geschichten zusammenmacht! Vor vierzehn Tagen verladt er sich, gestern geht es wieder auseinander. Nichts wie Verdruß habe ich, seit diese Ferber im Ort ist", jammert die Greisin.
„Sie meinen das Fräulein Ferber, das bei mir ist?" vergewissert sich Severin betreten.
„3a, die. Aber sagen Sie's um Himmels willen nicht weiter. 3ch hab's dem Vitus versprechen müs- sen, und es ist mir vorhin dummerweise heraus- gerutscht."
Severin nickt abwesend. Nikoline war mit diesem Friedrich verlobt? Ist es zu glauben?
„Sie dürfen nicht soviel reden, Frau Friedrich", befiehlt er. „Die Magd soll das Zimmer abdunkeln, und abends sehe ich wieder nach.
Er trifft noch ein paar Anordnungen und macht sich dann nachdenklich auf den Heimweg. „Verlobt — entlobt", das Hat ihm einen schönen Stoß gegeben. Eigentlich kann er sich die beiden nicht gut als Paar vorstellen. Auch ist ihm früher nie auf- aefallen, daß sich Nikoline für diesen Hopfenhändler sonderlich interessiert hätte. Auch hat sie vorhin keineswegs wie eine gramgeoeugte „gewesene Braut" ausgesehen. Teufel nochmal, das ist eine ganz vertrackte und undurchsichtige Angelegenheit und eine äußerst unbehagliche dazu! Unter diesen Umständen ist es natürlich ausgeschlossen, die unterbrochene Erklärung fortzusetzen. Er wird sich doch nicht blamieren.
Verstimmt betritt er das Wahnzimmer und fachsimpelt mit Dr. Wenz über Berufsfragen. Nikoline sitzt aufmerksam und höflich dabei, aber das glückliche Lächeln verschwindet langsam aus chrem Gesicht. Wenn sie eine Zwischenfrage stellt, antwortet Severin mit erzwungener Freundlichkeit; aber er vermeidet es, sich an sie selbst zu wenden. Nikoline, hellhörig und zartfühlend, bemerkt diesen Stimmungswechsel sehr wohl, aber sie kann ihn sich nicht erklären.
Der Tag geht zu Ende und mit ihm eine von ihren Hoffnungen. Ist es zu ertragen, daß der Mann, den man seit Monaten liebt, immer nur freundliche Kühle von sich gibt? Daß er einen Anlauf nimmt und dann plötzlich umschwenkt? Sie wird diese Komödie nicht mehr lange mitmachen; sie ist aüch nur ein Mensch, und jede Kraft hat ihre Grenzen.
Mit einem großen Seufzer kriecht NikoHne in ihr knarrendes Bett und weint in die Kissen.
(Schluß folgt/
in tiefer Dunkelheit fahren die Briefkastenleerer mit ihren Fahrrädern von Brieftasten zu Briefkasten und führen sowohl die Abendleerung, als auch die Spätabendleerung durch. Trotz mancher Schwierigkeiten geht die abends aufgegebene Post mit den erreichbaren abgehenden Zügen noch hinaus.
Weihnachts-Ausstellung oberhessischer Künstler.
Der Oberhessische Kunstverein veranstaltet in seinem Ausstellungsraum im Turmhaus am Brandplatz eine Weihnachtsausstellung, die das Schaffen unserer heimischen Künstler einem breiteren Kreis unserer Bevölkerung nahebringen soll. In der diesjährigen Ausstellung, die in der Zeit vom 3. bis 23. Dezember stattfinden wird, sind nicht nur die Gießener Künstler mit ihren Werken vertreten, vielmehr sollen alle oberhessischen Künstler mit ihren besten Werken beteiligt sein. Es werden dadurch etwa 40 Künstlerinnen und Künstler erfaßt. Der Obelhessische Kunstverein eröffnet mit dieser Weihnachts-Ausstellung die Kulturarbeit des Winterhalb- jahres 1939/40.
** Geschäfts - Stenografenprüfung Herbst 1939. Wie die Industrie- und Handelskammer Gießen uns mitteilt, fand am Sonntag die diesjährige Herbft-Geschäftsstenogra- fenprüfung statt, die in der Abteilung 150 Silben von Hildegard Henning (Heuchelheim), Gustel Domm (Lauterbach) und Emil Walther (Lauter- bad)) bestanden wurde.
Aus der engeren Heimat.
Landkreis Glesien.
4- Grünberg, 9. Nov. Dem hiesigen Jagdaufseher Otto Eifert gelang es, am Donnerstag-
Oer (Sport und das Knegs-WHW.
Opferlage und Sonderveransiallungen.
Der deutsche Sport, dessen Bedeutung gerade in unseren Tagen allenthalben erkannt und gewürdigt wird, setzt sich mit besonderer Kraft für das Kriegs- winterhilfswerk ein. Wie schon in den vergangenen Jahren werden besondere Opfertatze und Veranstaltungen dem großen deutschen Sozialwerk zu dienen suchen. Die Reichssportführung hat im Einvernehmen mit den Reichsfachämtern und Verbänden für die einzelnen Sportarten die Opfertage wie folgt festgelegt:
Fußball: 19. November für die Gaue und Bereiche, für die der Bußtag (22. November) kein
Die nächsten Handballkämpfe im Kreis Gießen.
morgen im Walde bei Nieder-Ohmen eine Wildsau zu erlegen. Das etwas über ein Jahr alte Tier hatte ein Gewicht von etwa 120 Pfund. Im gleichen Jagdrevier hatte einen Tag vorder Lehrer Mül- l e r (Merlau) ebenfalls ein Wildschwein zur Strecke gebracht.
Kreis Friedberg.
= Butzbach, 9. Nov. Trotz Kriegszeit hat die Bautätigkeit in unserer Stadt kaum nachgelassen. Bis jetzt wurden acht Eigenheimhäuser erbaut und zum Teil völlig fertiggestellt. Andere stehen vor der Vollendung. Jedem Haus ist ein ansehnliches Stück Garten zugeteilt. — Dieser Tage löste sich aus einem Lastzug einer Wetzlarer Firma aus unbekannter Ursache ein Anhänger und fuhr eine Böschung hinunter, wobei der starke Holzzaun eines Gartens völlig demoliert wurde. Zum Glück befand sich in diesem Augenblick auf der sonst sehr belebten Straße kein Mensch. Nach langwierigen Anstregungen gelang es dem Abschleppdienst, den beladenen Wagen wieder flott zu machen.
Mainz weihte
sein Horst-Weffel-Oenkmal.
Lpd. Mainz, 9. Nov. Als eine der ersten Städte Großdeutschlands weihte am Donnerstag Mainz fein Horst-Wessel-Denkmal. Während die Dämmerung sich von dem wolkengrauen Himmel niederzusenken begann, scharten sich Abordnungen der Partei und ihrer Gliederungen, an ihrer Spitze Kreisleiter und Politische Leiter, sowie inmitten zahlreicher Ehrengäste Vertreter der Behörden und der Wehrmacht und zahlreiche Volksgenossen um das Gedächtnismal. Kreisleiter Fuchs hielt die Weiherede. Nach der Rede des Hoheitsträgers übernahm Provinzialdirektor Dr. Wehner als Vertreter des Oberbürgermeisters das Denkmal in die Obhut der Stadt Mainz.
Feiertag ist, sonst 22. November. — Handball: 26. November; Ringen und Judo: 17. Februar bis 3. Marz; Gewichtheben: 28. Januar; Boxen: 15. Nov. bis 15. Dezember; Schwimmen: 19. bis 26. November; Fechten: 21. bis 28.Januar; Rudern: 7.April; Kanusport: 21. April; E i s- und Rollschuhsport: 21. Januar; Segeln: 4. März; Kegeln: 3. bis 10. März; Schießen: 3. bis 10. März. Für die übrigen Sportarten, wie Turnen, Leichtathletik, Hockey, Tennis, Tischtennis, Billard, Schisport, Bob- und Schlittensport, Wandern und Bergsteigen, werden die Opferveranstaltunaen jeweils von den Bereichs- oder Gauführern festgesetzt.
telnde Worte über die Bewährung des National- fozialisten in dem Kampf unserer Tage. Die sechzehn Toten vom 9. November 1923, die noch dem Willen des Führers auf ewiger Wache stehen, sollen dem deutschen Volke Vorbild sein. In das Gedenken an diese Gefallenen der Bewegung schloß Ortsgruppenleiter Weber jene Toten und Verletzten der Jahre nach 1933, die auf fremdem Boden dem Volke die Treue hielten, oder bei der Rückkehr deutschen Landes in das Reich ihr Leben ließen, sowie die Ge- fallenen des Krieges gegen England ein. Auch in den kommenden Tagen wird das deutsche Volk sich zu bewähren haben, und auch dann soll das Wort bleiben, das der Führer gesprochen hat: Das deutsche Soldatentum hat sich den Lorbeerkranz wieder fest um das Haupt gelegt. Und ihr habt doch gesiegt! Das Bekenntnis zum Führer klang aus in den Liedern der Natton.
Kampflieder der Bewegung, gespielt von der Kapelle Krengel und gesungen von der Versammlung, bildeten dann die Ueberleitung zu einer interessanten Erlebmsschilderung des Politischen Leiters Beck von der Ortsgruppe Mitte, der als Hilfspolizeiwacht- meister zunächst im Westen, dann in Polen eingesetzt war.
Or. Eduard Ritsert achtzig Jahre alt.
Am morgigen 11. November 1939 vollendet Eduard Ritsert sein 80. Lebensjahr. Er ist ein geborener Darmstädter, studierte in Gießen, Darmstadt und Berlin Pharmazie und promovierte in Bern zum Dr. phil. mit einer Arbeit über „Das Ranzigwerden der Fette". Als Schüler Professor Gaffkys in Gießen bestand er im Jahre 1884 sein Staatsexamen als Apotheker. Im Jahre 1892 ließ er sich als Fabrikant pharmazeutischer Arttkel in Frankfurt a. M. nieder, war auch lange Jahre daselbst Mitinhaber der Dr. Schleußnerschen Trockenplattenfabrik. Im Jahre 1890 entdeckte Ritsert in dem Aminobenzoesäureäthylester das erste synthe- ttsch ungiftige Dauerlokalanästhetikum, das Anäs- ihesin, die Stammbausubstanz sämtlicher wasserlöslicher Aminobenzoesäureester, wie Novocain, Tuto- cain, Pantoeain, die das giftige Kokain weitgehend ersetzt haben. So wurde durch Ritserts Entdeckung die Anästhesiefrage auf eine ganz andere Grundlage gestellt. Denn is wurde von chm zum ersten Male gezeigt, daß die anästhesierende Wirkung der kompliziert zusammengesetzten, sehr giftigen Man- zenbase Kokain auch durch einen einfachen, synthetisch hergestellten, ungiftigen Körper erzeugt werden kann. Novocain ist ein Anästhesin-Derioat. Es ist wenn man von der Oberflächenanästhesie absieht, bis heute das lokale Betäubungsmittel geblieben zur Verhütung des Operationsschmerzes.
Eduard Ritsert war während seiner Gießener Studienzeit ein eifriger Turner und Mitglied des Turnvereins von 1846, als welches er einst namhafte Preise errang. Seine Mutter war eine To älter des ehemaligen Gießener Bürgermeisters Karl Silbereifen. Heute noch ist der Jubilar, der in Frankfurt a. M. lebt, ein begeisterter Sportsmann, Reiter und Jäger. F. G.
Don der llniversität Gießen.
Ernannt wurden: zum außerplanmäßigen Professor der nichtbeamtete außerordentliche Professor in der Juristischen Fakultät Dr. Earl H e y l a n d ; zum Dozenten der Dr. rer. techn. habil. Arnold Scheibe von der Philosophischen Fakultät unter Berufung in das Beamtenverhältnis; zum Dozenten neuer Ordnung der Dozent in der Philosophischen Fakultät Dr. phiL habiL Helmut Arntz.
Regelmäßige Briefkastenleerung gesichert.
In jüngster Zeit sind manche Volksgenossen, die Briefe oder Karten in den Briefkasten zu werfen im Begriffe waren, dadurch etwas in Zweifel geraten, daß der Zeitweiser an den Briefkasten (im kleinen runden Feld) nicht die erwartete Auskunft gab. Auf unsere Anfrage bei der Post hören wir, daß die Stellung dieses Zeittveksers durch die nächtliche tiefe Dunkelheit nicht immer so möglich ist, wie es an sich wünschenswert wäre. Aus einer falschen Stellung des Zeitweisers braucht deshalb nicht geschlossen zu werden, daß der Briefkasten vielleicht erst am nächsten Tage geleert wird. Vielmehr wird bisher unverändert an den Zeiten der Briefkastenleerung fest gehalten. Auch
Während die Staffel 3 bereits mit der Rückrunde beginnt, erledigen die beiden übrigen Gruppen die restlichen Spiele der Vorrunde zum Lahnpotal. Während in Mtv. Gießen und Tv. Garbenheim bereits zwei „Halbzeitssieger" festftehen, wird die Entscheidung in der Staffel 1 vielleicht diesmal fallen.
Tv. Hörnshelm — Tv. Dornholzhaufen
Tv. Münchholzhausen — Tv. Hochelheim Tv. Dutenhofen — W^Aledergirmes Mlv. Gießen — Spog. 1900 Gießen Tv. Londorf — VfB. R. Gießen.
Dornholzhausen verfügt über eine Panz vorzüglich ringesvielte und wendige Elf, die sich als Ueber- raschung der ganzen Spiele erwiesen hat. Bisher wurde nur ein Spiel verloren. Wird Hörnsheim den Siegeslauf abstoppen können? Es wird einen harten Kampf geben. Im Spiel in Münchholzhausen geht es darum, wer die besseren Nerven hat und über das größere Stehvermögen verfügt. Die Mannschaft, die durchsteht, wird Sieger fein. Dutenhofen ist ins Hintertreffen geraten. Es ist deshalb vonnöten, daß man sich etwas anstrengt und wenigstens diesmal seine Anhänger nicht enttäuscht. Normalerweise sollte ein Sieg möglich sein, weil die Gäste noch nicht richtig eingespielt sind.
Das Gießener Lokaltreffen wird auch diesmal
wieder alles in sich haben. Beide Mannschaften haben schon im Vorspiel gezeigt, daß sie auch mit Ersatz spielen können. Wer Sieger wird, ist hier weniger wichtig. Wichtig ist vielmehr, daß es ein Spiel gibt, an dem man seine Freude haben kann.
Londorf hat am letzten Sonntag versagt. Die Elf hat bei weitem nicht die Leistung aufzubringen vermocht, die man von ihr gewohnt ist. Gerade deshalb wird erwartet, daß sie diesmal wieder voll auf Touren kommt und ihrem Gegner das gleiche Spiel wie in der Vorrunde liefert.
Die Jugend beginnt mit folgenden Treffen: Großen-Bufeck — Beuern; Garbenyeim gegen Krofdorf; Großen-Oinden — Heuchelheim; Dutenhofen gegen Münchholzhausen; Nauborn — Katzenfurt; Hochelheim — Ebersgöns; Hörnsheim — Grüningen.
Jugendhandball der Spvgg. 1900.
Am Sonntag trifft die 1. Jgd. auf die 1. Mannschaft des Mtv. In diesem Spiel um den „Pokal" dürfte es auf dem Universitätsplatz zu einem anregenden Kampf kommen! Hier die junge, technisch gute Elf der Blau-Weißen, dort die erfahrene Kampfmannschaft des Mtv. Obwohl die Jungen der Spvgg. sich bis jetzt in den Spielen sehr gut gehalten haben, dürste es ihnen doch sehr schwer fallen, ein ehrenvolles Ergebnis herauszuholen.
Wirtschaft.
Rhein-Mainische Börse.
Aueinhelttich.
Frankfurt a. M., 9.Nov. Der etwas kleiner gewordene Auftragseingang der Kundschaft und vereinzelte Glattstellungen, auch aus Berufs kreisen, führten an der heutigen Börse zu einiger Zurückhaltung. Trotz nicht ganz einheitlicher Kursent- wicklung am Aktienmarkt war die Gesamt- Haltung der Börse weiterhin freundlich, das Geschäft zeigte allerdings eine weitere Schrumpfung. Bei der Marktenge stellten sich teilweise stärkere Veränderungen als durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. ein. So gingen u. a. AG. für Verkehr auf 107,50 (110,50), von Maschinenaktien Rheinmetall auf 116,75 (118) und am Chemiemarkt Scheideanstalt auf 206,50 (208,50) zurück, anderseits gewannen Südd. Zucker 1,75 o. H. auf 218,75. Don den führenden Werten blieben JG.-Farben mit 159,25 (159,40) und Verein. Stahl mit 94,40 (94,50) behauptet, während u. a. AEG. auf 115 (116) und Rheinstahl auf 130,25 (131,25) nachließen.
Am R entenmar kt zeigte die Nachfrage kaum eine Minderung, besonders gefragt blieben Industrie-Obligationen, aber auch Pfandbriefe und verschiedene Reichstitel. Das Geschäft war allerdings durch den herrschenden Materialmangel vielfach beschränkt. Die kursmäßigen Abweichungen gingen über -Prozentbruchteile nicht hinaus, Liqui-Pfand- briefe bröckelten z. T. noch leicht ab.
Auch im Verlaufe blieb Die Kursentwicklung bet kleinsten Umsätzen uneinheitlich, es überwogen jedoch Abschwächungen. Zweite Notierungen lagen nur vereinzelt vor, Verein. Stahl 94 nach 94,40, JG.-Farben um). 159,25 Brief. Von später fest- gestellten Kursen wichen etwas stärker ab: Schuckert 180,50 (182), Elektro Lieferungen 132 (130,50), Berger Tiefbau 140 (137,25). Feinmech. Ietter kamen nach Pause und Geldstreichung der letzten Schätzung entsprechend nur am Dnheitsmarkt mit 98,25 (91) bei 40 v. H. Zuteilung zur Notiz.
Don Freiver^kehrs werten gingen Elfäfs. Bad. Wolle höher mit 78,50 (75), daaegen Verein. Fränk. Schuh 1 v. H. schwächer mit 64 um. Tages- gelb unv. 2 v. H.
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
Fr an t f ur t a. M., 9. November. Auftrieb: Rinder 1403 (gegen 1511 am 2. 11.), darunter 217 (335) Ochsen, 190 (182) Bullen, 612 (556) Kühe, 384 (438) Färsen. Kälber 629 (477), Schafe 211 (432), Schweine 1648 (695). Notiert wurden je 50 Kilo Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 44 bis 46,50 (44 bis 46,50), b) 40,50 bis 42,50 (40 bis
42,50), c) 36,50 bis 37,50 (35 bis 37,50). Bullen
a) 42 bis 44,50 (43 bis 44,50), b)37,50 bis 40,50 (38 bis 40,50), c) 35 bis 35,50 (32 bis 34). Kühe
a) 42 bis 44,50 (41,50 bis 44,50), b) 36,50 bis 40,50
(38 bis 40,50), c) 28 bis 34,50 (28 bis 34,50), d) 15 bis 25 (21 bis 25). Färsen a) 43,50 bis 45,50 (43 bis 45,50), b) 39 bis 41,50 (39 bis 41,50), c) 34 bis 36,50 (33,50 bis 36,50), d) 28 (26 bis 28). Kälber a) 62 bis 65 (62 bis 65), b) 55 bis 59 (55 bis 59), c) 45 bis 50 (45 bis 50), d) 30 bis 40 (30 bis 40). Hämmel a2) 49 bis 50 (49 bis 50), b2) 44 bis 48 (44 bis 48), c) 42 (36 bis 42). Schafe a) 40 bis 42 (40 bis 42), b) 33 bis 39 (35 bis 39), c)25 bis 32 (20 bis 32). Schweine a) 56 (56), bl) 56 (56), b2 56 (56), c) 55 (55, d) 52 (52), e) 50 (50); Sauen gl) 56 (56). Marktoerlauf: Groß- vieh, Kälber, Hämmel, Schafe und Schweine zuge« teilt
Tkundfunkprogramm
Samstag, 11. November.
6 Uhr: Landvolk, merk auf! 6.05 Morgengymnastik. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: Das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 7 bis 7.15: Nachrichten. 8.05: Gymnastik. 9.30: Kleines Konzert. 10: Deutschland — Kinderland: 1. Kinderfüße — Kinderfüße. 2. Die Zügel fester fassen. 10.15: Frohe Weisen. 11: Konzert. 12: Stadt und Land — Hand in Hand. 12.10: Mittagskonzert. 12.30 bis 12.40: Nachrichten. 14: Nachrichten. 14.15: Beliebte Melodien. 16: Nachmittagskonzert. 18: Frohsinn zum Wochenende. Dazwischen 18.30: Aus dem Zeitgeschehen. 19.10: Berichte. 19.45: Politische Zeitungsschau. 20: Nachrichten. 20.15: Uebertragung vvm Deutschlandsender. 22 bis 22.15: Nachrichten.
MfrsliMöerftmöe
Roman M Walther KIWer
lWrlght t>y farl Dtmtftr Verlag»Berlin w 62
38. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Der Wagen hat jetzt die Amfelder Fabrikschlote nn Rücken und rollt durch offenes Land. An den Chausseeratnen glühen die blauen Rosetten der Zichorie. Es riecht nach Benzin, nach Dung und Humus. Die Ackerfurchen sind mit Kartoffelbüschen bestickt und der spärliche Roggen beginnt sich ernte« nah zu neigen. Durch das Wiesengründlein schlängelt sich ein Dach, und in der Ferne riegeln grau- gelbe Föhrenwälder die Erde gegen den Sommerhimmel ab. Manchmal winkt ein ledergesichtiger Bauer oder ein Radler, der die Insassen von Lucki erkannt hat. Das Antlitz der Landschaft ist wie chre Menschen: Herd, verkniffen und ohne Ueberschwang. Jedes Korn, jeder Halm muß ihr unter Schweiß abgetrotzt werden. Zu viel Sand, zuviel Giyster, zu wenig Regen. Oder gleich das Gegenteil drüben auf der anderen Seite: säuerndes Moor. Schmelben, Mißwachs. Hier wird keinem das Brot geschenkt; auch dem Doktor nicht. Und dennoch läuft Severin in dieser Stunde das Herz über, er spürt ziehend und stark: hier ist die Heimat, hier werde ich für die Meinen schaffen. Später taucht das Schloß auf, der spitze Kirchturm, das Fenster geblinke des Krankenhauses und das Gewimmel der hochgiebeligen Hauser von Eschelbrunn. Sie haben Fahnen aufgezogen, irgendeiner Veranstaltung halber, und wenn Severin unbescheiden rft, mag er es auf sich beziehen.
Vor dem Doktorhaus stehen die Kinder auf den Zehen und gucken sich rein die Augen aus dem Kopf. „Da sind sie", brüllt Atto und reißt Luis an der Hand vorwärts. Während Dr. Wenz den Wagen in die Garage bringt, wird Severin von den Seinen zu Tode begrüßt. Alto hängt an einem, Luis zappelt am andern Arm. Bulli vollführt Indianertänze und springt mit seinen dreckigen Pfoten an Severins bestem Anzug hoch. Ein paar Eschel- brunner bleiben stehen und bestaunen das Ereignis, Frauen mit weißen Kopftüchern, rasch zusammengelaufene Buben, ein paar Arbeiter. Niko- fine wartet strahlend unter einem Transparent: Herzlich willkommen! We. hübsch sie lachen kann,
denkt Severin und schüttelt ihr die Hand.
„Ich bin doch recht froh, daß ich wieder da bin. Aber sagen Sie es nicht weiter", slüsterte er lächelnd in ihr Ohr.
Dann sitzen sie alle um den gemütlich gedeckten Wohnzimmertisch, auf dem ein riesiger Feldblumen- sttauß prangt. Es gibt Bohnenkaffee und Hefekuchen. Auf jedem Knie ein Kind, erzählt Severin die Unterredung mit Bürgermeister Heller, von der Nikoline noch keine Ahnung hat. Sie macht große Augen über das unverhoffte Angebot.
„Das mit den Hypothekenzinsen ist anständig", meint Wenz. „Die werden sich halt klargemacht haben, was es für Eschelbrunn bedeutet, wenn das Spital auf fliegt. Insofern hatte diese Epidemie ihr Gutes. Nächste Woche fangen sie auf dem Moor zu arbeiten an."
Nikoline schaute ftumm in ihren Schoß. Sie muß sich mit dieser großen Neuigkeit erst abfinden. Wie doch das Schicksal oft leichtfertig mit einem Menschen umspringt. Mit eins gewinnt es den Anschein, als sei ihr Opfer gar nicht nötig gewesen, und das Abenteuer mit Friedrich wird zu einer übereilten und komischen Veranstaltung degradiert. Trotzdem bleibt ein gutes und erhebendes Gefühl in ihr zurück, well sie jene Ausschreibung verhindert hat.
„Herrschaften, das ist noch nicht alles", fährt Severin in seinem Bericht fort. „Auch bei der Moor- kultur profitiere ich. Wahrscheinlich werde ich dem Spital eine kleine Landwirtschaft angliedern und Selbstversorger werden. Jetzt braucht nur noch der Hopfen teuer einzuschlagen." Er ist gesprächig, lustig und voller Zuversicht; Nikotine erkennt ihn gar nicht wieder. „Wissen Sie, was ich mir vorgenommen habe, Fräulein Ferber? Kein Jahr mehr ohne drei Wochen Urlaub, und zwar in der Großstadt. Dann schätzt man sein Zuhause erst wieder. In diesem Punkt habe ich zwölf Jahre lang gesündigt."
Die Kinder zerren ihn in den Garten, denn er soll ihre Beete begutachten. Alto hat in dem seinen Rettiche gezogen, Luis hingegen Schlangengurken. Severin lobt, aber schüttelt den Kopf.
.Finder, was seid ihr materiell veranlagt! Habt ihr das von mir? Warum so profane Sachen und keine Blumen wie Tante Nikoline?" Und er entsinnt sich voll Beschämung jenes Anfalls von Sparwut, in dem er Nikoline ein paar Mark für Blumen verweigert hat. Trotzdem leuchtet der Garten tn Blütenpracht, und es bleibt unverständlich, aus welchem Geheimfonds Fräulein Ferber diese Farbenorgien beftreitet. Severin hat eine brennende Sehnsucht nach chr und mochte ihr etwas sagen, was
er seit Tagen mit sich herumträgt. Endlich bietet sich eine Gelegenheit. Nikotine ist mit ihm im Wohnzimmer, die Kinder sind auf der Straße und Dr. Wenz packt seine Koffer. Severin schält die Handtasche aus ihren Hüllen und überreicht sic Mkoline.
hoffentlich habe ich nicht allzuweit nn Ihrem Geschmack vorbei geschossen. Wir Männer stellen uns ein bißchen dumm an beim Einkäufen."
„Aber gar nicht", sagt sie froh. „Schlangenhaut, au fein! So eine habe ich mir schon immer gewünscht. Wunderschön ist sie, viel zu schön für Eschelbrunn."
„Für Sie rft nichts zu schön, Mkoline" erwidert er fröhlich in ihre blanken Hummelaugen hinein und hält ihre hübsch gepolsterte kleine Hand fest. „Sie sind ein Prachtstück von einer Frau, und es ist beschämend für mich, daß ich so spät dahinter- komme. Ich möchte Sie fragen ob ...?" Er spricht seine Liebeserklärung nicht zu Ende, denn es wird chm plötzlich bewußt, daß er nicht so mit der Tür ins Haus fallen kann, nachdem die Sache mit der Fabri doch erst wenige Wochen zurückliegt.
„Was möchten Sie fragen?" lächelt ihn Mkoline ermutigend an.
In diesem Augenblick läutet das Telephon.
„Moment mar, entschuldigt sich Severin und saust an den Apparat. Die Magd von Friedrich ruft an und bittet sofort zu kommen. Die alte Frau habe einen furchtbaren Anfall, und sie wisse sich nicht mehr zu helfen.
Fünf Minuten später stcht er vor der Kranken, die nach Luft schnappend und blaulippig in einem Dackenstuhl sitzt. Sie ist voll quellender motorischer Unruhe, und der schreckhaft geweitete Blick verrät dem Arzt das Nötige: Lufthunger, Stenokardie. Severin injiziert ein krampflösendes Präparat und wartet. Er zieht sich einen Stuhl heran, nimmt den Puls zwischen die Finger und sagt etliche Trostworte. Eine Handbewegung scheucht die verstörte Magd hinaus.
„Jetzt wird es besser, nicht?"
Die alte Friedrich nickt, kleine ölige Schweißtropfen auf der grauen Stirn. Ihre verkrampften Züge glätten sich allmählich.
„'Wir haben lange keinen Anfall mehr gehabt, Frau Friedrich? Und jetzt auf einmal? Wie kommt denn das? Haben Sie sich überanstrengt?"
Sie schüttelt den Kops.
„Aufgeregt habe ich mich, Herr Doktor."
„Ach so. Aufregungen müssen Sie natürlich vermeiden, das habe ich Ihnen ja seinerzeit ringe- schärft!"


