Nr. 264 «es Blaff
189. Mrgang
Aeifag, 10. November 19Z9
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Das ruchlose Verbrechen von München.
Oie ersten (Ermittlungen. — Oer Anschlag war von langer Hand auf das sorgfältigste vorbereitet. — Oie Spuren des feigen Verbrechens weifen ins Ausland.
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Unser BiD gewährt einen Blick in den völlig zerstörten Bürgerbräukeller zu München am Tage nach dem rucklosen Attentat, das die denkwürdige Stätte in ein gewaltiges Trümmerfeld verwandelte. — (Preffe-Hoffmann-M.)
Schluß damit!
Ms wir im Morgendämmern des 9. November die Nachricht von dem Attentatsoersuch in München erfuhren, wurde es wohl einen Augenblick ganz still in uns. Die Ungeheuerlichkeit des Verbrechens schlug uns in Bann. Dock dann setzte das Denken wieder ein, und plötzlich ourchströmte uns ein unsagbares Glücksaefühl: der Führer lebt! Und wieder etwas später sahen wir prüfend in die Gesichter derer, die uns im f)aufe, auf der Straße, bei der Arbeit begegneten. Da entdeckten wir, daß alle das gleiche Erlebnis gehabt hatten, da lasen wir in den Augen unserer Frauen, unserer Kameraden, unserer Weggenossen überall die gleiche Empfindung, die auch uns beherrschte: die ingrimmigste Entschlossenheit, mit dem Verbrechergesindel und seinen geistigen Anstiftern im In- und Ausland radikal Schluß zu machen. Da ging es wie ein geheimer Schwur durch das ganze große Reich: Wer Adolf Hitler nach dem Leben trachtet, der will achtzig Millionen Deutschen ans Leben! Wer sich auch nur im geringsten, durch Wort oder Tat, an der Person des Führers vergreift, den wird die deutsche Volksgemeinschaft vernichten?
So, aus tiefernsten Gedanken und Gesprächen, aus der Kenntnis der Umstände und aus der Erinnerung an frühere politische Vorgänge formte sich auch die Antwort auf jene drängende Frage, wo die Ursachen des ruchlosen Attentates zu suchen seien. Ein übermächtiger Veraeltungswille hatte von uns Besitz ergriffen und forderte Sühne. So erging es mir und dir, so erging es achtzig Millionen Deutschen. Wie aber sieht das Bild jener höllischen Welt aus, aus deren Schoße die grausige Mordtat allein geboren werden konnte?
Blicken wir noch einmal in die Vergangenheit zurück. 9. November 1918 — durch die deutschen
beendet war. Wegen der knapp bemessenen Zeit für seinen Münchener Aufenthalt war diesmal der Redebeginn um eine halbe Stunde vor- verlegt worden, und die sonst anderthalbstündige Rede hatte am gestrigen Tage kaum eine Stunde gedauert. So war der Führer schon kurz nach 21 Uhr mit seinen Ausführungen fertig. Richt wie so »ft verweilte er gestern noch längere Zeit in kameradschaftlichem Gespräch mit feinen alten Kampfgenossen, sondern verabschiedete sich kurz von den ihm zunächst sitzenden Parteigenossen, um mit der übrigen Führerschaft der Bewegung d,e Kundgebung zu verlassen. So allein ist es zu erklären.
600000 Reichsmark für Feststellung der ruchlosen Münchener Attentäter.
München, 10. Nov. (DNB.) Die zuständigen Stellen haben alle Maßnahmen getroffen, um die Untersuchung und Aufklärung des ruchlosen Attentates im Bürgerbräukeller zu beschleunigen. Reichsführer ff Himmler hat im Interesse einer zentralen Leitung dieser Arbeit die gesamte Aufklärungstätigkeit einer Spezial^ kommission von Fachleuten übertragen. Diese Spezialkommission wertet selbstverständlich alle nur irgendwie in Betracht kommenden Anhaltspunkte für ihre Untersuchungen und Ermitt« hingen aus und ist bereits jetzt zu Feststellungen gekommen, die immerhin wichtige Schlüsse zulassen
Die Bergung der Toten, Schwer- und Leichtverletzten im Bürgerbräukeller wurde dank der vorbildlichen Zusammenarbeit aller an Ort und Stelle eingesetzten Kräfte und unter Mitwirkung auch von noch anwesenden Alten Kämpfern in allerkürzester Zett bewerkstelligt. Dies verdient umsomehr hervorgehoben zu werden, als diese Bergungsarbeiten mitten in einem wüsten Durcheinander von Bauschutt, Trümmern und Einrichtungsgegenständen geschehen mußte. Zwischen der Polizei, der Feuerschutzpolizei, den Pionieren der Wehrmacht. den Angehörigen der Formationen, dem Rettungsdienst usw. herrschte schon vor der ersten Minute des Einsatzes an eine ausgezeichnete Zusammenarbeit, so daß die großen Schwierigkeiten der Rettungs- und Bergungsaktion reibungslos bewerkstelligt werden konnten.
Rach den bisherigen Feststellungen handelt es sich bei der Tat auf keinen Fall um ein spontan verübtes Attentat, sondern vielmehr um ein sehr sorgfältig vorbereitetes. mit einem mechanischen Zeit- zünder verübtes Verbrechen. Es ist hier nicht etwas Primitives und vom Augen- blich Geborenes geschehen, was etwa erst ganz kurze Zeit vor der Kundgebung ausgeheckt wurde, sondern sowohl die Auswahl der Stelle als auch die .»fachmännische^ Arbeit weisen darauf hin, daß die Täter sehr sorgfältige Vorbereitungen getroffen haben. Das große Glück war nur, daß im Augenblick der Explosion der Führer bereits abgefahren war. Das ganze Verbrechen war offenbar planmäßig so angelegt worden, daß der Führer am exponiertesten war und daß ein Erfolg des Attentatsplanes
Kleinarbeit wird auch das zusammengebrochene Mauerwerk auf das genaueste untersucht. Erst auf den unzähligen Einzelergebnisien der Untersuchungsarbeit kann sich die Mosaikarbeit der Polizei aufbauen. Erfreulicherweise nimmt die Bevölkerung in der Hauptstadt der Bewegung ungeheuren Anteil an der Aufhellung des Verbrechens. Fortgesetzt melden sich aus allen Schichten der Bevölkerung Personen, um Angaben zu machen und durch die Meldung von Anhaltspunkten zur Aufklärung des Attentats beizutragen.
Wie die Gxvlosion geschah.
München, 9. Rovember. (DRV.) Zu dem ruch- losen Attentat, das verbrecherische Subjekte am gestrigen Abend auf den Führer verüben wollten.
und das ihn wie durch ein Wunder nicht erreicht hat, erfährt das Deutsche Rachrichtenbüro folgende Einzelheiten:
Die verheerende Explosion im Bürgerbräukeller ereignete sich am gestrigen Abend etwa um 21.20 Uhr, zu einer Zeit, als der Führer schon den Sagt verlassen hatte, da er wegen dringender Staatsgeschäfte sofort nach Berlin zurückkehren wollte. Man kann es nur als ein Wunder bezeichnen, daß der Führer diesem Attentat auf sein Leben entging, diesem Attentat das zugleich ein Anschlag auf die Sicherheit des Reiches ist. 3n allen Jahren vorher war es üblich gewesen, daß der Führer etwa gegen 20.30 Uhr mit seiner großen Rede begann, die meist um 22 Uhr erst
Der Führer wieder in Berlin.
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mit Sicherheit eintreten muhte.
Wenn auch noch nicht auf bestimmte Täter oder Tätergruppen geschlossen werden kann, so zeigen immerhin Material und Spuren die Richtung an, in der sich die weitere Ermittlungstatigkeit zu bewegen hat. Im Rahmen dieser systematischen
N°ck> der Teilnahme an der Gedenkfeier im Münchner Burgerbraukeller, wa er mit knapper Not hem ru-blolen Sprengstoffanschlag entgangen war, traf der Führer am Donnerstagvormittag wieder fn de^Reichshauptstadt ein. Neben dem Führer GeneralfeldmaZchall S ö r, n g. Hinter ihnen Oberst Srhmuntit links hinter dem Führer Reichsleiter Bormann, Gruppenführer Schaub und Reichs. Schmund t, unt-chum 2ENter,.- (Presfe-Jllustrationen-Hoffmann-M.)
Berlin, 9. Rov. (DRV.) Durch einen freiwilligen Beitrag von privater Seite ist die zur Feststellung der Täter des Münchener Sprengftoffatten- tates ausgesetzte Belohnung von 5 0 0 0 0 0 R M. um weitere 100 000 RM. erhöht worden.
daß bei der Explosion keiner der führenden Männer der nationalsozialistischen Bewegung verletzt wurde. Wäre der Verlauf der Veranstaltung wie in den früheren Jahren vor sich gegangen, so hätten an der Stelle, an der der Sprengkörper explodierte, sämtliche Führer der Partei ihren Platz gehabt. Welch niederträchtig und infam angelegtes Verbrechen, das die gesamte politische Führerschaft des nationalsozialistischen Deutschlands mit einem Sdjlage vernichten sollte!
Gestern abend war der Saal ein großer Trümmerhaufen. Dies erklärt sich vor allem dadurch, daß die einzige, die Decke tragende Säule durch die Explosion angeknickt worden war. die Last des Gebälkes nicht mehr tragen konnte und mit allem Mörtel. Trägern und Balken Hernie d e r st ü r z t e. An der Stelle, wo die Führer der Bewegung während der Führerrede ihren Platz hatten, liegt heute ein drei Meter hoher Schutthaufen. Sieben Tote sind durch dies verbrechen zu beklagen, nicht nur Kämpfer der Bewegung, sondern auch eine Frau. 25 Schwerverletzte liegen in den Münchener Krankenhäusern, darunter auch wieder eine Anzahl Frauen. Rudolf Heß war es, der zusammen mit den Führern der Partei in München die ersten Maßnahmen zur Rettung und Bergung der Opfer veranlaßte.
Wie eine Fügung der Vorsehung empfinden wir es. daß der Führer schon seinen Zug bestieg in dem Augenblick, als ihn die ruchlose Tat in der historischen Versammlungsstätte der Bewegung treffen sollte. Auf dem Wege nach Berlin erst erreichte den Führer die Meldung von dem verbrechen. Als Adolf Hiller am heutigen Vormittag in Berlin einfraf, empfingen ihn auf dem Anhalter Bahnhof Generalfeldmarschall Hermann Göring und Reichsminister Dr. Lammers. Die wenigen Menschen, die am heutigen Morgen zufällig auf den Straßen waren, durch die der Führer zur Reichskanzlei fuhr, grüßten ihn spontan und mit tiefernstem, dankbarem Gefühl gegen die Vorsehung, ihn. der ihnen allen an diesem Tage noch näher verbunden ist als je zuvor.


