Zunge deutsche Nation
Gesundheit und Schönheit
ver-
Heinrich Hest.
lichem Leben und Denken.
ist in
poltern die Stiefel der Jungen, die längst ihre Müdigkeit vergessen haben.
Nun geht es zunächst einmal in den Stall. Der Herbergswart berichtet voll Stolz, daß im vergangenen Jahr soundso viel Schweine geschlachtet wurden, und daß seine große Huhnerschar eine immerhin beachtliche Zahl von Eiern legt. Das Schönste aber kommt noch: Die Schweine zu futtern, kostet fast keinen Pfennig. Dazu werden die Abfälle aus der Küche benutzt, und wenn das nicht reicht^ hilft eine benachbarte Jugendherberge aus, die selbst keine Tiere halten kann, weil sie mitten in der Stadt gelegen ist.
Unten auf dem Söller sitzen ein paar Madel und singen. Die Pimpfe kichern, aber dann haben sie selbst so viel Spaß am Singen, daß sie mittun. Und so vergeht die Stunde am Abend wie im Fluge. In den Schlafräumen geht es dann noch einmal hoch her. Der eine mag lieber das obere Bett, der andere das untere, oft muß ein Aelterer als Schiedsrichter eingreifen. Die warmen Wolldecken werden sorgsam mit den mitgebrachten
Lebens in engster Gemeinschaft mit dem Bauern und seiner Familie kennenlernen. Dann erst werden sie verstehen, welche völkische Verantwortung auf den Schultern des Bauern ruht, wie von seinem Fleiß die Ernährung des ganzen Volkes abhängt.
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Der Junge aber, der in der Kammer des Bauernhauses schläft, der beim Morgengrauen die ersten Arbeiten aus dem Hofe miterlebt und der schnell zupacken lernt, der findet zuerst zum Bauerntum zurück, zum Verständnis und vielleicht zu mehr noch! Und das soll er ja auch. Mancher Junge, der als Erntehelfer zum erstenmal überhaupt auf das Land kommt, wird vielleicht sein erstes Erleben im Bauernhaus fo verstärken und vertiefen, daß er schließlich völlig zur Scholle zurückkehrt. Heute hat ja die Jugend die Möglichkeit, auch ohne Vermögen sich zu einem freien Bauern auf eigener Scholle emporzuarbeiten.
So wird aus diesem Ernteeinsatz der Hitler- Jugend viel mehr, etwas, was sich vielleicht in Jahren erst voll auswirken wird. Der Ernteeinsatz der HI. wird so zu einer Brücke für die Stadtjugend zum bäuerlichen Leben und zur bäuerlichen Arbeit zurück. Aus der Lebensschule der Erntehilfe und des Landdienstes der HI. geht ein neues Jungbauerntum hervor, daß der Verstädterung des deutschen Volkes entgegentritt. Hier wird bestimmt nicht „aus der Not eine Tugend gemacht", aber es zeigt sich, wie eine sinnvolle Führung der Jugend auch aus einem taggebundenen Anlaß, wie aus der Erntehilfe, immer wieder Einsatz im Sinne der großen völkischen Aufgaben im Großdeutschen Reich vorbereiten kann. Was heute nur Erntehilfe ist, ist in seiner letzten Auswirkung Kampf gegen die Stadtsucht, Rückführung der kommenden Generation Großdeutschlands zu bäuer-
Die Gefundheitsführung der deutschen Jugend eine Aufgabe, der sich die HI. in diesem Jahre besonderem Maße zuwendet. Auf der Tagung des Sozialen Amtes der Reichsjugendfuhrung m der Hauptstadt der Bewegung, München, Hat der Reichsjugendführer Baldur von Schirach die Parole der „G e s u n d h e i t s p f l i ch t" für alle der HI. und dem BDM. angehörigen Jugendlichen ausgegeben. Sieben Millionen junge deutsche Menschen sind in diesen beiden Organisationen zu- sammengefaßt. Sie gesundheitlich zu betreuen und -u überwachen erfordert ein gewaltiges Maß von Arbeit, das nur bei straftfter und gut eingesetzter Organisation bewältigt werden kann, lieber diese Organisation und ihre hauptsächlichsten Aufgaben unterrichten eine Reihe von Aufsätzen im amtlichen Organ des Jugendführers des Deutschen Reichs, Das junge Deutschland". In ihm äußert sich Dr. med. Ursula Kuhlo, die dem Gesundheitsamt der Reichsjugendführung angehört, über die Gesundheitsführung im BDM. Sie sagt in dem Auf, jatz „Gesundheit und Schönheit" u. a.: „Im BDM. wollen wir lebensmäßig erziehen. Eine solche Er- Ziehung erfordert eine gleichgerichtete For« mung der Seele und des Körpers. Die Mädel sollen nicht nur körperlich gesund sein, son, dern auch gesund fühlen, denken und handeln. Aus dieser Harmonie der Gesundheit des Körpers und der Seele ergibt sich der Begriff jener Schönheit, die unser letztes Erziehungsideal darstellt.
Das mit dem Nachtquartier bei dem Bauern, von dem das deutsche Soldatenlied nun seit Generationen berichtet, ist nur für einen Teil jener deu- schen Jugend zutreffend, die sich freiwillig zum Ernteeinsatz gemeldet hat. Es werden längst nicht alle Jungen beim Bauern Nachtquartier beziehen. In reinen Landwirtschaftsgebieten werden z. B. viele Helfer in Ernteeinsatzlagern untergebracht. Andere werden nur auf ihren Fahrten oder vom Sommerlager aus zur Erntehilfe eingesetzt, ohne die Lager- oder Fahrtengruppengemeinschaft zu verlassen. Bei allen Arten dieses Einsatzes aber ist gleich gut organisiert und gleich gründlich die Ueberwachung durch die HJ.-Aerzte, so daß die Jungen unter einer dauernden gesundheitlichen Kontrolle stehen.
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Das soll nicht heißen, daß nun diese Kontrolle durch die Aerzte der HI. so dringend nötig sei, weil den Jungen eine übermäßige Arbeit zugemutet wird. Bestimmt nicht! Die Jungen sollen arbeiten, denn schließlich ist ja ihr Einsatz als Erntehilfe nicht eine Spielerei, sondern eine Arbeit, die ernst genommen wird, weil sie einen tiefen Sinn hat und einem ernsten Gebot entspricht.
Für manchen Jungen wird diese Arbeit — und er braucht deswegen noch lange fein verwöhntes Muttersöhnchen zu sein — anfangs gar nicht so einfach sein. Denn stundenlang Heu mit dem Rechen wenden oder mit gekrümmtem Buckel im Herbst Rüben zu ziehen oder kniend Kartoffeln zu buddeln, das will nicht nur gelernt, sondern vor allem geübt sein. Anfangs wird mancher Muskelkater knurren, aber schließlich ist es eine gesunde Arbeit, in frischer Luft und in fröhlicher Gemeinschaft.
Dafür aber hat unsere Jugend heute ein sehr feines Empfinden. Auch wenn sie in eine neue, anfänglich fremde Umgebung kommt, sie spürt doch bald, was für ein Geist hier herrscht und ob die Arbeit ihr eine innere Befriedigung verschafft. Und welche Arbeit könnte das mehr als die auf der Scholle, als gerade die Erntearbeit! Ja, dieses Gefühl einer innerlichen Befriedigung wird noch verstärkt durch den Einblick, den die Jugend in das bäuerliche Leben erhält, vor allem jene Jungen, die einzeln Bauern zugeteilt werden und damit in die bäuerliche Familie ausgenommen werden.
Diese Art Ernteeinsatz, vielleicht die intensivste, wird von manchen Eltern mit völlig falschen Bedenken betrachtet. Ihnen scheint das Verbleiben des Jungen in einem HJ.-Lager ober in einer Einsatzgruppe irgendwie eine Art Sicherung für das Wohlbefinden des Jungen. Das leuchtet zwar ein,
...zu dem dauern in das Nachtquartier."
Deutsche Jugend findet über den Ernteeinsatz zur Scholle zurück.
aber auch der einzeln eingesetzte Erntehelfer liert ja nicht die Fühlung mit der Einheit. Mehr aber noch als andere Erntehelfer hat er Gelegenheit, das Leben der deutschen Bauern, ihr ganzes Tagewerk aus nächster Nähe kennen und lieben zu lernen. Es ist wahrhaftig kein leichtes Leben, sondern ein Tagewerk, dessen Inhalt und Umfang sich nicht nach eigenen Wünschen beschränken läßt. Es steht unter dem unwandelbaren Gesetz der Scholle.
Und wenn es noch so heiß ist, die Arbeit muß gemacht werden! Und wenn die Arbeit auf dem Felde noch so lang und schwer war, zuerst muß das Vieh besorgt werden! Es gibt aus dem Gesetz dieses bäuerlichen Tagewerkes kein Ausweichen, kein Nachlassen! Es tut gut, wenn junge Menschen aus der Stadt einmal diese harte Seite bäuerlichen
Die Breitenarbeit in der körperlichen Ertüchtigung besteht in einer allgemeinen Grundschule, die Bewegungs- und Haltungsübungen mit einem Heben der verschiedenen Sportarten, wie Schwim- men, Leichtathletik usw. in sich vereinigt. Für dis jüngeren Jahrgänge werden diese Ausgaben in die Form des Spieles gekleidet und damit der fee» lischen Eigenart der Jungmädel angeglichen. Selbstverständlich werden außerhalb dieser Grundschule auch sportliche Einzelleistungen gefördert. Der weid- liche Nachwuchs für die Olympischen Spiele soll in Zukunft aus den Reihen des BDM. gestellt werden.
Durch gewisse sportliche Leistungen, die der Entwicklung in den verschiedenen Lebensaltern entsprechen, wird eine Leistungssteigerung und eine damit verbundene allgemeine Kräftigung der Muskulatur und des Kreislaufsystems erreicht. Zugleich wirken die Leibesübungen in der Richtung einer damit verbundenen harmonischen Formung des Gemüts. Durch Freude am Spiel, an der Bewegung und auch an der Leistung wird das Mädel fröhlich und frei; bei der Lösung gemeinsamer Aufgaben bildet und stärkt sich das Kameradschaftsgefühl.
Einen breiten Raum innerhalb der körperlichen Ertüchtigung nimmt die ausgedehnte Fahrten« und Lagerarbeit der Sommermonate ein. Die Anforderungen auf Fahrt werden fo gewählt, daß sie von jedem Mädel ohne Anstrengung bewirb tigt werden können; für sachgemäße Unterkunft und Verpflegung ist in jedem Falle gesorgt. Der Klima- reiz, der Aufenthalt in Lust, Wind und Sonne trägt zur Gesundung, Stählung und Kräftigung bei.
Jedes Mädel muß wissen, daß es verpflicht?/ ift, gesund zu sein. Man bleibt nicht von selbst., gesund, sondern muß diese Gesundheit hegen und pflegen. Durch umfassende Schulung werden die Madel im BDM über die Bedingungen einer gesunden Körper- und Schönheitspflege unterrichtet, ferner über die Anforderungen an eine gesunde Wohnung und Kleidung.
Die gesamte Führungsarbeit des BDM. besteht aus einer eng gekoppelten Erziehungsarbeit am Körper und an der Seele. Sämtliche Aufgabengebiete, fei es die Kulturarbeit, die weltanschauliche Schulung, die soziale Arbeit, seien es die Leibesübungen, die Fahrten und das Wandern, sei es endlich die Gesundheitsführung, sie dienen alle dem gleichen Erziehungsziel: gesunde und schöne Mädel zu formen."
Schlafsäcken bezogen, und darunter schläft man genau so gut, wie in seinem eigenen Bett. Das heißt, eigentlich noch viel besser, nach einem solchen Tage!
Die helle Sonne scheint schon in die Fenster, als dann morgens geweckt wird. Nur einer ist schon auf: Der große Herbert muß sich bereits rasieren, und da beginnt er lieber etwas früher mit der morgendlichen Verschönerungskur, weil er sonst nachher am Kaffeetisch zu kurz kommt. Vorher gibt es aber noch einen kleinen Morgenlauf, damit jeder auch den richtigen Hunger für das Frühstück mitbringt. Dann aber schlägt schon die Stunde des Abmarsches. Ein langer Tag liegt noch vor den Jungen, die sich nur ungern von der Jugendburg trennen. So fein hat es sich kaum einer von ihnen in der Jugendherberge vorgestellt. Man wußte ja schon allerlei davon, aber erst wenn man selbst dagewesen war, konnte man ja mitreden! Später, wenn diese Pimpfe längst zu den „alten", erfahrenen Hasen gehören, roerfoen sie sicher noch oft von dieser ersten Fahrt ihres Lebens sprechen. Horst.
Sie erste pimpsensahtt.
Zum erstenmal auf Fahrt über Samstag und Sonntag! Die Pimpfe des jüngsten Jahrgangs find begeistert. Das ist doch endlich einmal eine Sache! Da braucht man also nicht wieder abends heimwärts zu fahren, um in das gewohnte Federbett des elterlichen Hauses zu kriechen, sondern es liegt noch ein zweiter Tag ungebundener Fahrtenfteiheit vor einem. Freilich, in Zelten darf nicht übernachtet werden. Das ist eine Sache für die Aelteren. Aber ist nicht eine Jugendherberge mindestens ebenso schön? Wartet nur ab, ihr sollt euer blaues Wunder erleben!
Und dann marschieren sie los, mit leichtem Gepäck, wie man es für die zwei Tage braucht. Das Wandern ist fo schön, wenn man endlich einmal nicht das gewohnte Straßenpflaster unter den Sohlen hat, sondern weichen Waldboden oder sandige Feldwege. Aber nach und nach werden die unternehmungslustigen Pimpfe doch müder. Immer leiser wird die Unterhaltung, immer schleppender der Schritt. Selbst ein Lied will nicht mehr die schlaffen Glieder zusammenreißen. Doch einmal wird auch das fernste Ziel erreicht, und dabei war der Weg heute gar nicht so sehr lang. Noch zwei Kilometer, bann sind wir da!
Zuletzt geht es durch ein Städtchen. Jetzt klappern die beschlagenen Stiefel wieder munter auf den holprigen Steinen. Wo bleibt nur die Jugendherberge? Aber es geht wieder hinaus aus dem Häusergewimmel, auf einen alten Park zu, der am Rande der Stadt liegt. Und dort hinein führt em Seitenweg, der jetzt eingeschlagen wird. Dicke Mauern sind zu erkennen, und hinter den grünen Kulissen der knorrigen Bäume blinken die kleinen Fenster eines großen Baues, der von einem niedrigen, dicken Turm gefrönt ist: die Jugendburg!
Jetzt hält es schwer, die ganze Bande beisammenzuhalten. Jeder möchte am liebsten gleich auf Entdeckungsreise gehen. Aber zunächst einmal wird das Gepäck auf dem Burghof zusammengelegt, und dann geht es in den Waschraum zur Generalreinigung. In den zahlreichen Waschkauen lassen Waschströme schnell den Staub der Landstraße verschwinden. Blanke Augen leuchten wieder aus rotgeriebenen Gesichtem, und nun meldet sich auch schon der ” Hunger. .
Einer hat die Küche entdeckt, die im etwas tiefer gelegenen Erdgeschoß zu finden ist. Er schnuppert und meint, daß sich bas, was dort so gut riecht, <rud) gut essen lassen muß. Das lassen sich die anderen nicht zweimal sagen. Das Gepäck ist rasch in den Schlafräumen verteilt, wo immer sechs bis zehn Jungen gemeinsam Unterkunft finden. Dann geht es wieder hinunter in das Erdgeschoß, wo der Rittersaal die Pimpfe mit feinen blankgescheuerten Tischen empfängt. In langer R^ihe sind die Teller mit dem dampfenden Eintopfgericht auf geb aut. Da gibt es nun kein Halten mehr. Jetzt wird einge- hauen.
In der Atempause zwischen dem ersten und dem zweiten Teller meldet sich der Herbergswart zu Wort. „Ja, ihr Jungen, wißt ihr denn, daß wir dieses Gemüse selbst hier gezogen haben? Geschmeckt hat es euch doch sicher, wie?" Kaum bedarf es der allseitigen Zustimmung als Bestätigung; denn alle Teller sind bereits leer. Als auch die zweite Portion bewältigt ist, kann man an die weitere Besichtigung des Hauses gehen. Zwei Pimpfe haben die Treppe zum Turm bereits entdeckt und zeigen den anderen den Weg. „Dort liegt der Gemüsegarten des Herbergswarts!"
Tatsächlich, dort dehnt sich unterhalb der Burgmauer ein großer Garten, dessen Beete schnurgerade ausgerichtet sind, und weiter hinten stehen viele Obstbäume in voller Blüte. Das kann eine feine Apfelernte werden! „Ach, Hühner gibt es hier auch?" fragt einer, der fick mehr für lebendige Wesen als für zukünftige Aepfel interessiert. Ja, es gibt tatsächlich Hühner hier, und Schweine und sogar ein paar Hammel. Das muß man gesehen haben! Rasch geht es wieder die Treppe hinunter, rechts und links, vor und hinter dem Herbergswart
Um einen lumpigen Schlafsaü.
(Sine Pimpfengeschichie von Karlheinz Holzhausen.
Ratlos stand Hans vor dem Ungetüm von Tornister. Wie wollte er ihn nur zukriegen? Prall gefüllt klafften die beiden Teile des „Affen" wie ein riesiges Maul und außerdem sollte noch die Jacke dazwischengelegt werden.
„Laß mich mal machen!" Der Vater kniete hin und zog — ho ruck! — so lange und kräftig, bis er plötzlich — hupp — zurückflog und die Schnalle in der Hand hatte. Abgerissen! Während Hans in höchster Eile mit dem Tornister zum Schuhmacher stürmte, standen die Eltern vor all den Sachen, die Hans laut Dienstbefehl zu seiner Pimpfenfahrt mit« nehmen sollte.
„Ich möchte den sehen, der das alles in den Tornister reinkriegt: Schlafsack, Turnzeug, Waschbeutel, Schuhputzzeug, Trainingsanzug! Meine Güte, und was nicht noch mehr!" musterte Vater Häffner das Durcheinander der Fahrtenausrüftung böse.
„Vergiß nichts und bring alles wieder mit, Hänschen!" rief die Mutter noch vom Balkon herunter, als Hans die Straße entlang zum Schillerplatz marschierte. Frohgemut winkte er noch mal zurück und war in Gedanken schon draußen in der Jugendherberge Blasberg, wohin die Pimpfenprobefahrt ging.
Am Sonntagabend kam Hans zurück.
„Hans — dein Schlafsack ist nicht da, und dafür sind hier ein paar Strümpfe, die dir gar nicht gehören. Wo hast du den Schlafsack gelassen? Er war doch funkelnagelneu und aus gutem Nessel!" wollte die Mutter wissen.
Wenige Zeit später klingelte es bei Deffingeks in der Hofstraße. Es wollte jemand den Jungzugführer Fritz Deffinger sprechen. Der brütete gerade über einigen Rechenaufgaben. Dabei war er jetzt genau fo müde wie all die Pimpfe. Und nun kriegte er sogar noch Besuch! Vor Wut pfeifend ging Fritz die Treppe hinunter.
„Sie sind Fritz Deffinger?" fragte die Frau vor der Tür. Fritz bejahte und trat auf die Straße hinaus. Er mußte vernehmen, daß ein Schlafsack auf der Fahrt der Neuaufnahmen des Fähnleins 4 verloren gegangen fei. Fritz wollte die Frau be
ruhigen, und das würde doch sicher bis morgen Zeit haben. Den Schlafsack werde eben ein anderer mitgenommen haben, aus Versehen sicher, und es würde sich bald Herausstellen.
„Nein — du hättest eben als verantwortlicher Führer auf die Jungen achten müssen, damit sie ihre Siebensachen beieinanderbehalten!" erwiderte die Mutter von Hans Häffner.
„Aber ich bin doch kein Kindermädchen!" fuhr es Fritz heraus.
„Sollst du auch gar nicht! Hättest nur durch die Räume zu gehen brauchen und nachsehen, ob nicht einer etwas vergessen hat!" erklärte Frau Häffner.
„Bin ich auch! Da lag aber nichts mehr!" meinte Fritz, nun allmählich etwas aufgebracht. Er war ehrlich wütend. Als Frau Häffner zum Abschied noch meinte, daß es eben nicht richtig wäre, wenn auf so einer Fahrt nicht ein älterer mit sei, war es mit Fritz' Fassung nahezu aus. Er versicherte, daß er den Schlafsack wieder herbeischaffen würde. Das stehe bombenfest!
Als er wieder über feinen Rechenaufgaben faß, mußte er immer wieder an den Schlafsack denken. Und was hatte die Frau gesagt, daß er noch zu jung sei und daß eben ältere mitmüßten?! Das war starker Tobak! Fritz hatte seine Pflicht getan. Ehe sie abrückten, war er noch einmal durch die benutzten Räume der Jugendherberge gegangen und hatte nachgesehen, ob auch ordentlich gefegt worden war und die Decken richtig hingepackt waren.
Halt mal — hatte er denn alle Betten geprüft? Wo hatte der Hans Häffner eigentlich geschlafen? Das war doch das Erkerzimmer gewesen. Hinten in dem einzelnen Bett oben, wo der Hans so lange berumgetobt hatte, bis er beinahe heruntergesegelt wäre. Ja, dieses Bett hatte er bei seinem Kontrollgang übersehen, hatte es vergessen!
Ein paar Minuten später mußte Familie Deffinger mit ansehen, wie Fritz seine Tretmühle aus dem Stall zog, sich daraus schwang und nach Blas- berg hinausfuhr.
Tatsache! Der blöde Schlafsack lag auf dem bewußten Bett im Erkerzimmer. Außerdem hatte Hans Häffner die Decke genau verkehrt hingelegt und das Bett verteufelt schlecht gemacht. Fritz brachte die Kiste in Ordnung und fuhr zur Stadt zurück. Es mochte kurz vor 21 Uhr sein, als es bei Häffners klingelte. Was war die Mutter von Hans erschrocken, als ihr Fritz den vermißten Schlafsack überreichte!
„Hier — er lag tatsächlich noch in der Jugendherberge auf dem Bett, wo Hans geschlafen hatte.
Ich übersah es", berichtete Fritz Deffinger. Die Frau wußte nicht, was sie sagen sollte.
Hans rieb sich die Augen und riß den Mund auf, als er plötzlich seinen Jungzugführer vor dem Bett stehen sah.
„Hier hast du deine Penntüte — unordentlicher Onkel! Und das nächste Mal lauft du dein Bett in der Jugendherberge nicht so luschig. Die Decken lagen auch verkehrt!" Mit diesen Worten warf Fritz den Schlafsack aufs Bett. Hans bekam noch einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter, und schon war Fritz wieder draußen.
Frau Häffner wollte dem Jungzugführer noch eine Tasse Tee einschenken, denn irgendwie mußte sie dem Jungen doch ihre Dankbarkeit zeigen. Fritz aber dachte an seine Sinusaufgaben und verabschiedete sich schnell. So drückte ihm die Frau wenigstens einen schönen prallen Apfel in die Hand.
Als Fritz fröhlich pfeifend nach Hause fuhr, sagte Frau Häffner zu ihrem Mann: „So ein junger Mensch und so viel Pflichtgefühl, was!" Worauf Vater Häffner hinter feiner Zeitung hervorbrummte: „Einen verflixten Ehrgeiz haben sie, die jungen Führer! Muß man schon sagen!"
Und wieder brütete Fritz Deffinger über feinen Rechenaufgaben. Die Turmuhr schlug zehnmal. Längst hätte er auch in der Falle sein können und schlafen wie der Hans Häffner. Nur wegen eines vertrackten Schlafsackes nicht! Ach, laß den Hans mal schlafen — er ist ja noch viel jünger und braucht es nach einer so pfundigen Fahrt bestimmt. Herzhaft biß Fritz in den Apfel von Frau Häffner und dachte, daß es hier sicher um mehr als nur um einen lumpigen Schlafsack gegangen sein mochte.
Klex und die Ameisen.
Lange Zeit beobachtete Klex die geschäftigen Ameisen. Ihn wunderte es, daß sie überhaupt nicht zur Ruhe kamen. Es war ein fwttwährendes Hin und Her. Wenn sich zwei Ameifeidbegegneten, stießen sie sich mit dem Kopf an, verweilten aber nicht länger als eine Sekunde und rannten dann weiter. Sie schleppten Lasten, die doppelt so groß wie sie selbst waren. Ueber Halme und Steinchen zerrten sie tote Käfer und Fliegen, oder sie balancierten weiße Eier durch die Landschaft.
Klex ging der Straße der Ameisen nach und fand auf einer Lichtung einen Ameisenhaufen. Da wim
melte und kribbelte es geradezu beängstigend. Der ganze Haufen schien lebendig zu sein.
Zu gern hätte Klex mal gesehen, wie so ein Ameisenhaufen von innen aussieht. Er scharrte also mit einem Stöckchen die Spitze des Haufens ein. Da war nicht viel zu sehen. Die Ameisenburg schien nur aus übereinandergelegten vertrockneten Kiefernadeln zu bestehen. Klex stocherte weiter und freute sich, wie plötzlich die Ameisen wild durcheinanderrannten. Das mußte für sie eine riesige Einsturz« katastrophe sein, wenn ihre Burg zerstört wurde. Und schließlich hatte Klex den ganzen Haufen auseinandergezerrt. Das hatte er eigentlich gar nicht gewollt. Die Ayieifen schienen sich nun nicht wieder beruhigen zu können. Es war ein völliges Durcheinander entstanden.
Als es Klex zu langweilig wurde, ging er weiter und vergaß die Sache mit den Ameisen schnell. Vielleicht hätte Klex sie überhaupt vergessen, wenn er nicht am nächsten Tage dazu gezwungen worden wäre! Die ganze Lagermannschaft war nänv lich zu einem Geländespiel hinausgezogen. Hierbei hatte Klex das Pech gehabt, in Gefangenschaft zu geraten und mit seinem eigenen Koppelzeug gefesselt zu werden. Man hatte ihn auf einer Lichtung in den Schatten der Bäume gelegt und ausgekechnet haarscharf neben jene Stelle, an der Tags zuvor sich ein schöner Ameisenhaufen gestanden hatte.
Blöder Zufall!
Klex mußte, ob er wollte oder nicht, den geschah tigen Ameisen zu sehen. Sie bauten nämlich unvel' drossen ihre Burg wieder auf. Lange trockene Kie- fernadeln wurden herbeigeschleppt und wie Balken kunstgerecht übereinandergeschichtet. So wuchs die Burg ganz allmählich wieder auf.
Die Tierchen hatten allerhand Mut, mußte Kstk anerkennen. Sie konnten sich nicht rächen. Sie bauten einfach wieder auf. Wenn sie gewußt hätten, daß der Zerstörer ihrer Burg dicht neben ihnen M und augenblicklich wehrlos war, hätten sie ihn wohl entsprechend „bearbeitet". Klex hatte vor Ameisenbissen netten Dampf, weil er das schon mal aus einer Fahrt miterlebt hatte.
Als man Klex aus seiner Lage befreite, hatten die Ameisen die Grundmauern ihrer Burg wieder errichtet. Nach drei Tagen war ein neuer Hausen entstanden, der Klex höher als der erste Dörfern-
Wenn Klex seitdem etwas zerstören will, muß er immer an die Ameisen denken.


