Haus für Innendekoration unternommen, wobei die Tagungsteilnehmer über die Unterschiede bei Teppichen aufgeklärt wurden. Die Besichtigungen fanden lebhaftes Interesse, und Obmann Moll übermittelte den Geschäftsinhabern den Dank seiner Berufskameraden. Anschließend an die Besichtigungen wurden bei einem kameradschaftlichen Zusammensein die gewonnenen Kenntnisse in einer Aussprache erweitert. Nach der Mittagspause fand im Amtsgericht ein Vorttag des Bezirksrevifors beim Landgericht, Justizoberinspektor W. Hardt statt, der über neue Bestimmungen, in erster Linie über die des Buchungswesens, sprach. Mit einem Austausch von Erfahrungen wurde die Tagung geschlossen.
Zeder Dogelnistkasten muß jetzt nachgesehen werden.
Lieber keine Nistkästen aufhängen, als sie nachher sich selbst überlassen, so schreibt Resierungsforstrat Dr. Henze, Leiter der Vogelschutzwarte Garmisch, in der „Deutschen Forstzeitung" in einem Appell an die Forstmänner, der aber auch für andere sehr beachtlich ist. Und er fügt hinzu: Falls nicht jedes Jahr im August-September jedes Nistgerät nachgesehen und sauber gereinigt wird, muß leider festgestellt werden, daß sie sonst alle: 1. nach zwei bis drei Jahren mit alten Nestern vollgefüllt sind, bald faulen und nur vier bis fünf, statt zehn bis fünfzehn Jahre aushalten; 2. Ungezieferzuchtanstalten darstellen, woraufhin die Geräte von den Vögeln gemieden werden; 3. von Jahr zu Jahr immer mehr von Hornissen (Eichenwald) und Wespen (Fichtenwald) besetzt werden; 4. zur Eindämmung der Forstinsekten mit Hilfe von Singvögelbruten keinerlei prakttschen Wert mehr besitzen können; 5. keinen Aufschluß über ihre technische Brauchbarkeit liefern; 6. nicht erkennen lassen, oo noch mehr Geräte aufgehängt werden sollten oder nicht; 7. nicht erkennen lassen, ob die erwünschten Vogelarten zu- oder abnehmen; 8. nicht erkennen lassen, ob jeder Kasten am geeigneten Ort hängt; 9. nicht erkennen lassen, ob Geräte gestohlen wurden, Reparatur oder Ersatz nötig sind; 10. nicht erkennen lassen, welche Räuber den Dogelbruten nachstellen und wie dem abgeholfen werden kann; 11. jegliche Kontrolle über Wert oder Unwert wei- lerer Dogeischutzmaßnahmen vermissen lassen; 12. nicht erkennen lassen, ob das Geld für die Nistgerätbeschaffung umsonst oder nutzbringend aus« gegeben wurde.
Gießener Wochenmarktprelse.
* G i e ß e n, 10. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Markenbutter, % kg 1,60 RM., Matte 25 bis 50 Rpf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, % kg 6 bis 9, Weißkraut 6 bis 9, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 13 bis 28, gelb 15 bis 25, Erbsen 20 bis 25, Tomaten, deutsche 30 bis 35, italienische 20 bis 25, Zwiebeln 12 bis 15, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 35 bis 50, Kartoffeln, neue, J4 kg 5 bis 6 Rpf., 5 kg 55 bis 58 Rpf., 50 kg 4,50 bis 5 RM., Frühäpfel, r/r kg 20 bis 28 Rpf., Falläpfel 8, Pfirsiche 40 bis 42, Brombeeren 40, Birnen 15 bis 30, Kirschen 35, Heidelbeeren 40, Stachelbeeren 10 bis 20, Johannisbeeren 15, Pflaumen 15 bis 18, Zwei- schen 25 bis 30, Mirabellen 30 bis 40, Renekloden 30 Rpf., Hähne 1,20 RM., Suppenhühner 90 Rpf., Blumenkohl, das Stück 5 bis 50, Salat 5 bis 8, Salatgurken 10 bis 30, Einmachgurken 1 bis 6, Endivien 8 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis lO^Rpf.
** VdA-Schulsammlung in Hessen. Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland hat wiederum die Erlaubnis erhalten, eine Schulsamm
lung durchzuführen. Für Hessen ift der^Zeichunkt dieser Sammlung auf die Zeit vom 26. August bis 2. September festgelegt. Zu der Schulsammlung tonnen Kinder im Alter vom vollendeten 10. Lebensjahr herangezogen werden. Das Sammeln ist lediglich un Bekanntenkreis der Sammler gestattet und darf nicht auf Straßen und Plätzen, in Gast- und Vergnügungsstätten oder von Haus zu Haus, sondern ausschließlich in den Wohnungen der Sammler oder ihrer nächsten Bekannten geschehen. An Stelle der früheren Ouittungsbücher sind jetzt Spendenmarken zu verwenden. Die Sammeltätigkeit und die Abrechnung hat außerhalb der Unterrichtsstunden zu liegen.
** Zwei betrunkene Radfahrerfest- genommen. Gestern nachmittag wurden in der
Steinstraße zwei betrunkene Radfahrer festgenommen, die es ttotz ihres Zustandes immer wieder versuchten, sich auf die Fahrräder zu schwingen. Da sie sowohl sich selbst, als auch den Verkehr im allgemeinen gefährdeten, wurden sie in Polizeigewahrsam gebracht. Auch die Blutprobe wurde genommen. ’
** DomMotorradangefahren. Gestern gegen 13 Uhr ereignete sich in der Frankfurter Straße ein Derkehrsunfall. Eine Frau aus Trais- Horlosf wurde von einem Motorradfahrer angefahren und mußte durch die Sanitätsbereitschaft vom Deutschen Roten Kreuz in die Klinik gebracht werden.
Zeder trägt die Reichsparteitag-Plakette.
NSG. Während das ganze deutsche Volk in diesen Tagen beschäftigt ist, die Ernte zu bergen und die Grenzen des Landes gegen die geplanten lieber« fälle neidischer und gehässtaer Völker zu sichern, sind die Gedanken schon wieder auf das große Ereignis des Jahres, den Reichsparteitag in Nürnberg, geschloffen und einheitlich ausgerichtet. Dies find die Tage der ganzen deutschen Nation, da sie aus dem Munde des Führers und feiner Mitarbeiter den Marschbefehl für die Zukunft empfangt. Und so wird es auch in diesem Jahr in den Tagen vom 2. bis 11. September in Nürnberg sein, wo Hunderttausende von Männern und Frauen aus allen deutschen Gauen sich sammeln. Es ist der glanzvolle Höhepunkt in der Jahresarbeit der nationalsozialistischen Bewegung.
Jahr für Jahr ist zum Reichsparteitag eine Plakette herausgekommen, die symbolhaft zum Ausdruck brachte, was das Volk besonders bewegte. Auch in diesem Jahre werden alle Volksgenossen Gelegenheit haben, die Plakette des Reichsparteitages 1939 zu erwerben und zu tragen als sichtbares Bekenntnis zur nationalsozialistischen Bewegung und damit gleichzeitig zur Volksgemeinschaft. Die Plakette ist mehr als ein Festzeichen! So werden sie nicht nur jene tragen, die das Glück haben, nach Nürnberg fahren zu können, sondern auch jene, die das große Ereignis nur durch die Zeitung oder den Rundfunk erleben. Die Welt soll wissen, daß der Wille und die Entschlüsse des Führers, wie sie auch immer lauten, nichts anderes sind als Hoffnung und Wunsch des gesamten Volkes.
Wenn die Polittschen Leiter und die Walter der Deutschen Arbeitsfront uns die Plakette des Reichs
parteitages überbringen, dann werden wir sie schon von diesem Tage an tragen und uns freuen an dem Relief, das uns an Staat und Ernte mahnt. Der wehrhafte Adler des Reiches sichert die Früchte des Landes, die Erträge der Arbeit des schaffenden Volkes und spannt seine schützenden Flügel über Mutter und Kind. Wir wissen, daß dieser Adler stark und mächtig genug ist, jedem Feind zu begegnen und ihm für immer die Lust zu nehmen, den Frieden des deutschen Volkes zu stören. In dieser stolzen Gewißheit tragen wir alle die Plakette des Reichsparteitages 1939.
Aus her engeren Heimat.
90 Jahre alt.
* Kesfelbach, 10. Aug. Am kommenden Montag, 14. August, begeht Ober-Eisenbahnassistent a. D. Johannes M e i ß i n g e r im Kreise seiner vier Kinder, acht Enkel und zwei Urenkel bei voller Rüstigkeit seinen 9 0. Geburtstag. Der Jubilar ist Kriegsteilnehmer von 1870/71. Er diente im JR. 116. Der hochbetagte Mann nimmt an allem Zeitgeschehen noch regen Anteil. (Wir beglückwünschen zum Geburtstag!)
Rektor i. R. Köhler 80 Jahre alt.
ex) Langsdorf, 10. Auaust. Am morgigen Tage vollendet ein verdienter hessischer Schulmann in unserem Orte sein 8 0. Lebensjahr, der Rektor i. R. Henrich Köhler. Er entstammt einer un
serer ältesten und verbreitetsten Bauernsippen, die in den verschiedenen Jahichunderten der Gemeinde manchen namhaften Vertreter gestellt hat. Köhlers Vater und Großvater waren Gemeinderechner, der Großvater war der erste hauptamtliche Rechner, den es überhaupt hier gab, während vorher die Gemeinderechnung von den jährlich wechselnden „gemeinen" Bürgermeistern geführt worden war. Heinrich Köhler fand nach vollendeter seminaristischer Ausbildung seine erste Verwendung im Schuldienst zu Stumpertenrod im Vogelsberg. Diese Tätigkeit wurde nur für kurze Zeit unterbrochen durch eine Dienstleistung in Wallenrod, von wo er aber wieder nach Stumpertenrod zurückkehrte. Ein gutes Jahrzehnt wirkte er bann in Ulrichstein, wo er sich mit einer Bauerntochter aus seinem früheren Wirkungskreis verehelichte. Im Jahre
1900 wurde er an die Schule zu Watzenborn-Steln. berg berufen, an der ihm noch 24 Jahre pädv. gogischen Wirkens beschieden waren. Im Zuge der Neuordnung des Schulwesens nach 1918 wurde ihm das Rektorenamt übertragen. Mit der Erreichung der Altersgrenze trat er 1924 in den wohlverdienten Ruhestand. Er blieb zunächst an feiner bisherigen Wirkungsstätte wohnen; da aber sein einziger Sohn sich nach Langsdorf verheiratet und den bäuerlichen Beruf der Ahnen wieder erwählt hatte, zog Rektor Köhler 1926 in die alte Heimat. Nach einigen Jahren erfuhr er hier ein Glück, das den meist heimatlosen Beamten unserer Tage nur sehr selten widerfährt: da seine einzige Schwester kinderlos gestorben war, erbte er das elterliche Haus, das er heute noch bewohnt. In seltener Rüstigkeit des Körpers und Frische des Geistes kann er die Doll, endung seines achten Lebensjahrzehntes begehen, geachtet und geehrt von unserer ganzen Gemeinde. Dem Jubilar güt auch unser herzlicher Glückwunsch.
Der NSV.-Kindergarten in Lich.
H Lich, 9. Aug. Der hiesige vor einem Jahr auf Anregung von Gauamtsleiter Haug ins Leben gerufene NSV.-Kindergarten, der sich einer immer größeren Beliebtheit bei Eltern und Kindern erfreut, veranstaltet am kommenden Sonntaa auf dem schön gelegenen Spielplatz auf dem historischen Wall ein frohes Kinderfest, das unter der Leitung der beiden Leiterinnen des Kindergartes, Frl. Me. decke und Frl. Hamel, steht. Nach einem kleinen Festzug durch die Straßen unserer Stadt, unter Dorantritt einer Musikkapelle, wird der Beaufi tragte der NSD. Bürgermeister a. D. Walz, die Gäste und Kinder begrüßen. Die Kleinen werden dann bei Spielen, Gesängen und anderen Darbietungen Zeugnis ablegen von der Dielseittgkeit des Lehr, stofses, der ihnen im Laufe des Jahres unter der umsichtigen Führung ihrer Leiterinnen geboten wurde.
3n der Iauchegrube den Tod gefunden.
LPD. Biedenkopf, 9.August. Eine hiesige Einwohnerin, die ihr zehn Monate altes Enkelkind auf dem Arm trug, stürzte mit dem Kind in die Jauchegrube, wo beide den Tod fanden.
Wieder ein tödlicher Derkehrsunfall bei Limburg.
LPD. Limburg, 9. August. Nachdem in bei Limburger Gegenb lange kein löblicher Verkehrs« Unfall mehr zu verzeichnen war, ereignete sich nun innerhalb 14 Tagen ber britte löbliche Unfall in der Umgegenb. Auf ber Straße Kirberg—Limburg würbe bei der ©emeinbe Linter die von bort flam- menbe 15jährige Margot Zollmann von einem Auto angefahren unb am Kopf schwer verletzt. Der Autofahrer brachte bas Mäbchen nach Hause, wo es nach kurzer Zeit, ohne das Bewußtsein wiebererlangt zu haben, an ben Folgen der schweren Verletzung starb.
Landkreis Gießen.
} Lich, 9. Aug. Die seit einigen Monaten verwaiste Zollassistentenstelle des Zollkommissariats Nibba würbe biefer Tage durch den von ber Westgrenze nach hier versetzten Zollassistenten Kropp neu besetzt. — Der von bem Kleinkaliberschützen« verein erworbene Schießstand des NS.-Reichskrie- gerbunbes auf der Hardt wurde in den letzten Wochen durch die jungen Kameraden einer gründlichen Reparatur unterzogen. U. a. wurde eine neue Schießhalle errichtet, sowie bie beiben Schießstände auf 50 Meter verkürzt. Voraussichtlich wird am
2. Fortsetzung.
(Nachbruck verboten!)
‘ Opekta
ben schweren Weg, der zum Erfolg führte, schildert in lebendigen Worten des Toten Werk. Mit feinem Wort aber erwähnt er die Töchter des Toten oder den Bruder.
Der Propagandachef wirft fragende Blicke zu Dr. Hellmers, aber der scheint nichts zu bemerken oder alles in Ordnung zu finden.
So schweigt er und beschließt diese Unterlassungssünden des Geistlichen nicht weiter zu beachten. Schließlich ist es ein alter Mann und außerdem hat bis gestern noch niemand etwas davon gewußt, daß Sir John Perkins zwei Töchter und einen Bruder tjat — sehr herzlich können die Beziehungen nicht gewesen sein.
Bei den übrigen Teilnehmern der Trauerfeier hin- aegen wird dieser Mangel außerordentlich stark bemerkt. .
„Haben Sie gehört? Kein Wort von den Töchtern und dem Bruder!"
„Der alte Perkins soll bie Möbels 'rausgeworfen haben! Und daß er einen Bruder hat? Naja, warum eigentlich nicht?"
„Klatschereien! Wahrscheinlich sind sie nicht so kirchenfromm wie er! Wer weiß ..."
„Und der Bruder...? Warum hat man von dem nichts gehört und gesehen?"
„Keine Ahnung! Wußte überhaupt nicht, daß ber Verstorbene Kinder unb Bruder besitzt!"
So schwirrten die Vermutungen offen und heimlich zwischen ben Beteiligten hin und her.
Trotzdem versäumte es niemand, vor ben beiden Damen sehr tief ben Zylinder zu lüften.
Man konnte nicht wissen, wie sich die Dinge entwickelten ...
Mit teilnehmendem Händedruck verabschiedeten sich "die Trauergäste von den beiden Herren, die mit den beiden Töchtern gekommen waren: dem Bruder des Verstorbenen und einem hochgewachsenen schlanken Mann, dessen Gesicht wohl jeder glaubte schon einmal gesehen zu haben. Allerdings weiß niemand, wer er ist.
Dis bie Frau des Kapitäns Lanson plötzlich b>e Lösung findet: Holgerson, der bekannte Tenor von Cooent-Garden. Auf dieses Stichwort hin ist gleich alles im Bilde.
„Richttg! Erinnern Sie sich, daß die eine Tochter, bie hübsche, sehr jung geheiratet haben soll? Irgend- ein bekanntes Tier vorn Theater. Da haben wir's! Dieser Holgerson ist ihr Mann!"
„Ein leichtsinniger Bursche! Stammt aus bester schwedischer Familie!"
So wendet sich das Interesse ber Damen besonders biesem Manne zu, unb wenn Sir John Perkins nicht unter jenem Hügel von Kränzen und Blumen längst schliefe, so hätte er sicherlich diese Gelegenheit wahrgenommen, eine seiner bissigen Bemerkungen anzubringen, mit denen er zu seinen Lebzeiten nicht sparsam war.
in den Bergen herumtteiben mitten im Alltag, was?" hatte der Unbekannte gefragt.
Und Hellmers gab augenzwinkernb zurück, daß es ihm scheinbar ebenso ginge, wie gewissen älteren Herren, bie sich roeber burch Höflichkeit noch durch sonstiges Entgegenkommen auszeichneten.
„Jedenfalls wäre es besser. Sie hätten in Ihrem Alter Zeit, sich auszuruhen, unb ich junger Kerl hätte Arbeit!"
So hatte er feine Antwort abgeschlossen.
„Hm!" knurrte der Alte unb kaute nachbenklich auf feinem Schwarzbrot, währenb er sich mit einem Taschenmesser bitte Speckscheiben bazu schnitt. „Sie halten mich also für altes Eisen unb finb gekränkt, baß ich scheinbar noch arbeite, währenb Sie als junger Kerl feiern müssen? Auch ein Stanbpunkt. Wenn's nach mir ginge ..." unb bann hatte er abgewinkt. „Abwarten! Ist noch nicht aller Tage Abend. Vermutlich 'rausgesetzt, nicht wahr?"
„Nein. Ich habe selber aufgehört", war Hellmers kurze Antwort.
„Wie? Sie haben von selbst aufgehört? Ja, gibt'S benn bas auch noch, daß heute einer kommt unb sagt, er will aufhören?^
„Anscheinenb. Ich habe es {ebenfalls getan. Oder halten Sie es für richtig, noch ben Kopf hinzuhalten unb ,Banfe* zu sagen, wenn eine Banbe braus und bran ist, eine erstklassige Erfindung zu stehlen?"
„Sehr interessant!" Der Alte wickelte feine Abend« brotrefte sorgfältig in Pergamentpapier unb verstaute sie in eine Aluminiumbose. Dann holte er eine kohlschwarze Brasil aus seiner Seitentasche unb begann mit großer Hingabe zu paffen.
„Tja, Anstanb ist heute mitunter ein teures Vergnügen!"
Hellmers hatte bereits bie Stiefel ausgezogen unö es sich auf bem Stroh bequem gemacht.
„Haben Sie etwa ein neues Schlafmittel erfun» ben? Ober ’ne Patentschuhwichse?" fragte ber Alte nach einer kleinen Ewigkeit, unb es lag so viel HO in feinen Worten, baß Hellmers roütenb würbe.
„Nein, solch ein Zinnober hat mich nie intereffiflt Aber bamit Ihre Neugierbe enblich gestillt wird: $ habe ein neues Spinnverfahren ausgearbeitet! Sehen Sie, alter Herr, nun können Sie meinetwegen Bau- klötzer staunen, benn verstehen tun Sie davon einen Dreck!"
„Hm!" war bie einzige Antwort. Und bann eine ganze Weile gar nichts. Inzwischen streckte sich auch ber Alte aus, nachbem er sorgfältig bas Feuer ge* löscht hatte.
Draußen rauschte der Regen in Strömen, er trommelte melancholisch auf bas Dach unb klopfte an die Scheiben.
In den Wipfeln orgelte ber Sturm.
Da fragte plötzlich sein Nachbar ganz ruhig,, oo es sich um einen Selfaktor, eine Ringspinnmaschine, hanbele.
(Fortsetzung folgt)
Der Täter mitten unter uns
Roman von Kurt Riemann Copyright by Verlag Oskar Weister, Werdau L Sa.
Still unb fast unbemerkt entfernt sich Dr. Hellmers. Er hat Morell gebeten, in ber Kantine auf ihn zu warten. Er kriegt es jetzt einfach nicht übers Herz, sich in bie Menge ber schwatzenden Menschen zu begeben. Ihn treibt nur ein Verlangen: mit denen zusammen zu sein, bie bas finb, was Sir John war: Arbeiter.
4.
Ei ne Bekanntschaft
Spät in ber Nacht kehrt Joachim Hellmers in seine Wohnung zurück. Ein schlichtes kleines Landhaus zwischen Basking unb Upminster hat er für sich gemietet, das ihn selbst im Schatten ber Schlote ein Stück Natur sehen läßt.
Es hat ihn nicht mehr gelitten zwischen ben Mauern bes Werks. Ein unbänbiger Drang nach Alleinsein, nach bem spärlichen Walb unb ben grünen Hügeln jener Lanbschaft östlich von Lonbon hat ihn übermannt, unb kurz entschlossen setzt er sich in seinen Roabster unb sucht bas Weite auf. Eine knappe halbe Staube . bann umgibt ihn Wiese, ein wenig Walb unb viel Einsamkeit unb Stille.
Es finb bie gleichen Dinge, bie Sir John Perkins so über alles geliebt hat.
In einer solchen Stunbe ber Besinnung hat er vor vier Jahren zum erstenmal ben kurzgebrungenen Mann im grünen Rock getroffen, ber mit feinen mächtigen Schultern, bem kurzgeschnittenen grauen Haar unb seinem harten Wesen eher einem pensionierten Major glich als einem Jnbustrieherrn. In Deutschland) war es, in seinem Vaterlanb, hoch oben in ber Einsamkeit bes Riesengebirges.
Das Wetter hatte sie überrascht. Es begann zu regnen, nein, zu gießen, unb in ber einsamen Jäger- Hütte hatten bie beiden Männer miteinander Freundschaft geschlossen, der Alte und ber Junge.
Hellmers sieht bas heute roieber alles, als fei es gestern gewesen: Er stößt bie Tür zur Hütte auf, unb wie er sich ben Regen aus ben Kleibern schüttelt, fährt ihn brinnen eine knurrende Stimme auf englisch an, gefälligst bie Tür zuzumachen. Den Namen hat wohl niemanb verstauben bei ber knappen Verbeugung, bie sie gegeneinanber machten.
Doch bann mürbe ber alte knurrige Herr mit bem Feuer nicht recht fertig. Es gab einen höllischen Qualm, aber keine Flamme, bis sich Hellmers ber Sache annahm unb in wenigen Minuten bas Teewasser zum Singen brachte.
„Sie scheinen gar nicht so bämlich zu sein!"
Das war bie erste zusammenhängenbe Aeußerung bes unbekannten grauhaarigen Gastes, unb auf Grunb biefer Anerkennung mürbe es bann boch noch ganz gemütlich. Auf jeben Fall hatte ber Alte eine bunbsgemeine Art, bärbeißig zu sein. Trotzbem konnte man ihm nicht böse sein. Daß fein Partner englisch mit ihm sprach, erschien ihm in ber golbenen Unbekümmertheit bes Englänbers als felbftoer- stänblich.
„Scheinen viel Zeit zu haben, baß Sie sich hier
■ Damals begann er dieses Werk aufzubauen. Es Bar klein und roenig bekannt, eine bescheidene Eßerfftätte, die mohl ihren Besitzer nährte, aber im ijrofjen Getriebe ber Welt roenig zu sagen hatte. I Was aber steht heute, ba mir um ihn zum letzten klbschied versammelt sind?
I Mehr als zehntausend Arbeiter schaffen und loirfen, weit sind die Säle, in denen die Spinn« smaschinen klappern und die Webstühle raffeln. Die Essen rauchen über die Stadt hinweg, und die Fäden bes weiten Betriebes spannen sich über Länber unb Meere, über bie Grenzen unseres Vaterlandes weit hinaus.
Das aber ift dein Werk, deins ganz allein, John Perkins!
Du haft gebetet, und Gott hat dich gesegnet, du hast gearbeitet, und dein Werk wuchs. Nun aber ruhe aus.
Der Herr, ber dich zu sich rief, wird feine Augen offen halten über deinem Werk Tag und Nacht... um deines Friedens willen..."
Der weißhaarige Geistliche hält inne. Ihm will die Stimme brechen, die Bewegung hat ihn übermannt. Seit Jahrzehnten kannte er den Mann, ber auf ber Bahre liegt, unendlich viel Not hat feine Hand mit dem Reichtum des Verstorbenen gelindert.
Doller Pläne war dieser Mann noch vor einem Monat zu ihm gekommen.
Du hast ihn gut gekannt, denkt Joachim Hellmers und schließt bie Augen, bu auch... Unb bann schaut er hinüber zu den Arbeitern am Sarge.
Vorn an ber Ecke steht Morell, Werkmeister aus Saal B, über bie Sechzig schon lange hinaus, aber noch immer ein Kerl wie ein Baum. Ihm kollern die Tränen in ben breiten eisengrauen Bart; er ver- zieht keine Muskel seines zerfurchten Gesichtes, aber er kann nicht hindern, baß er weint...
Ja, ja, denkt Hellmers, bu Alter, du host mit ihm angefangen, ihr habt beide miteinander die ersten mechanischen Webstühle aufgestellt. Sir John hat mir’s oft erzählt. Bis in die Nacht hinein habt ihr geschuftet, und wenn der Chef in den Saal B kam, hat er sich aus ber Thermosflasche einen Schluck Kaffee geben lassen. Ich weiß, alter guter Morell, du hast ihn gut gekannt... du brauchst dich deiner Tränen nicht zu schämen ...
Inzwischen redet ber Geistliche weiter, schildert


