Ausklang des Gießener Gtudenieniages 1939
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werden soll, einen Einblick in das deutsche Studenten« leben zu gewinnen, die Einrichtung großer deut« scher Betriebe kennen zu lernen und bekannte deutsche Gegenden und Städte zu besichtigen. Im Rahmen der Gießener Möglichkeiten ist diesen Aufgaben weitgehend entsprochen worden. Das Verhältnis der ausländischen Studenten zu den deutschen Karne«
der Wissenschaft" ener Studenten«
und können in kurzer Zeit ein ganzes Kartoffelfeld kahl fressen. Die Nachkommenschaft eines einzigen Kartoffelkäfe?weibchens beträgt 31 Millionen Tiere, diese brauchen zu ihrer Ernährung das Laub von 10 Morgen Kartoffeln. Das bedeutet die Vernichtung von zirka 450 Doppelzentner Kartoffeln. Ein derartiger Verlust an Dolksoermögen ist untragbar, darum müssen diese Schädlinge vernichtet werden, wo sie sich zeigen. Jeder verdächtige Fund ist der Ortspoli^eibehörde anzuzeigen, damit die nötigen .Bekämpfungsmaßnahmen sofort durchgeführt werden können.
liche Veranstaltungen, aememsame Wanderungen, Einladungen der Ausländer zu den Veranstaltungen der Kameradschaften usw. erheblich beitrugen. Der
Der Samstag als „I a int Rahmen d> tages 1939 brachte nach der -auptkundgebung am Vormittag, über die wir am Sarnstatz bereits berichteten, im Verlaufe des Nachmittag einen
„Tag der Kameradschaft."
sche Student steht in der vordersten Linie des Dolkstumskampfes, er hat sich da schon bewährt und wird auch weiterhin hier seinen Mann stehen durch den Ernteeinsatz im Osten.
Am Nachmittag folgte im Studentenhaus bei guter Beteiligung die
TagungdesAS.-Altherreubundes
Arn Sonntagnachmittag fand eine Tagung des NS.-Altherrenbundes unter Leitung des Hochschul
Empfang des Außenamtes
im Hause der Kameradschaft Brockwitz im Wetzlarer Weg. Daran nahmen neben den ausländischen Studenten und Studentinnen auch zahlreiche Gäste teil, an ihrer Spitze Vertreter der Partei.
Der Leiter des Außenamtes, Schmelz, hielt einleitend eine Ansprache, in der er einen lieber» blick über die Arbeit und Aufgaben des Außen« amtes der Studentenführung gab. Dabei steht im Vordergrund die Betreuung der ausländischen Stu« deuten, denen es durch das Außenamt ermöglicht
dium zugeführt werden. In großen Zügen ga eine Uebersicht über die Art und Weise der S)i
Der gestrige Sonntag als „Tag der Kameradschaft^ brachte vormittags die
VolksdeuWe Morgenfeier.
Um ihre willensmäßige Einstellung und ihre Verbundenheit mit dem Dolksdeutschtum kundzutun, hatte sich der NS.-Studentenbund mit zahlreichen Gästen am Sonntagvormittag zu einer schlichten Feier hinter dem Studentenheim im Garten versammelt.
Die volksdeutsche Morgenfeier wurde mit dem gemeinsam gesungenen Lied .Siehst du im Osten das Morgenrot" eröffnet; ein Zeichen dafür, daß der Osten unseres Reiches wieder stärker denn je in den Brennpunkt der politischen Ereignisse gerückt ist. Es folgte ein Gedichtvortrag des Studentenbundskameraden Hahn mit dem Gedicht von Thieme: „Jenseits der Grenzen". Ein Lied, von dem Studentenchor unter Leitung des Studentenbundskameraden I m b e s ch e i d vorgetragen, leitete zu der Rede des Pg. Dr. Neumann aus Darmstadt über, der der Altherrenschaft einer unserer Kameradschaften an» gehört. Ausgehend von der Rede des Stellvertreters des Führers Rudolfs Heß, die er im Anblick des Westwalles auf dem Gauparteitag des Gaues Saarpfalz in Kaiserslautern hielt, und in der er der übrigen Welt zurief: „Sie mögen nicht vergessen, daß das deutsche Volk ein politisches geworden ist , entwarf der Redner ein Bild von der politischen Haltung des deutschen Volkes innerhalb und außerhalb der Grenzen des Großdeutschen Reiches Adolf Hitlers. Der geschloffene Block des deutschen 100-Millionen-Dolkes ist einheitlich ausgerichtet auf das eine politische Ziel der Erhaltung des deutschen Blutes aust deutschem Volksboden. In diesem Kampfe ist die Verantwortung des einzelnen gleich groß, ob er nun Reichsdeutscher, Auslandsdeutscher ober Volksdeutscher ist. Ihr aller Führer ist Adolf Hitler.
Dieser Rede war wiederum ein Gedichtvortrag der Studentenbundskameradin Fischer vv'-ausgegan- gen mit dem Gedicht: „Volk meines Glaubens" von Schmidt-Gorsblock. Ein Gedichtvortrag, von dem Studentenbundskameraden Gimpel vorgetragen: „Ein Lied für Ausländsdeutsche" von Will (Polen) leitete zum Schluß der Morgenfeier über, der gebildet wurde von dem Lied: „Heilig Vaterland", das wiederum der Studentenchor sang.
Und so klang aus dieser Feier heraus: Der deut
weckten die Erinnerung an die ersten Studentenheime im Hause des früheren „Caf6 Ebel", dem jetzigen „Burghof", und auf der „Schönen Aussicht" und an die Bauperioden des jetzigen Studentenheimes. Daran schloß sich eine Reihe von Aufsätzen und Berichten aus dem „Gießener Anzeiger" und dem „Schottener Kreisblatt" an. Die trostlosen Verhältnisse jener Nachkriegsjahre kennzeichnete der Schriftwechsel, aus dem u. a. zu entnehmen war, daß eine Schweizerisch - Deutsche Hilfsgemeinschaft 1922 den Gießener Studenten 500 000 Mark als Unterstützung sandte. Wie ernst die Verhältnisse damals waren, erhellte ein weiteres Schreiben, in dem um die Genehmigung zur Verwendung von 4,5 Millionen Mark als Anteil für den Ankauf einer dringend benötigten Kuh eingeholt werden muhte, die allerdings beim Eintreffen der Antwort für den genannten betrag nicht mehr zu kaufen war.
Der Leiter der Dienststelle Gießen des Studentenwerkes, Dipl.-Volkswirt Grebe, eröffnete im Auftrage des Reichsstudentenwerkes die Tagung, zu der auch Gaustudentenbundsführer Kugelmann und der Rektor der Universität, Professor Dr. ©eifer, erschienen waren. In großen Zügen gab er einen Ueberblicf über die Entwicklung des Studentenwerkes. (Wir haben darüber im „Gieß. Anz." vorn 17./18.3uni 1939, Nr. 139, in einem Aufsatz „Das
Studentenwerk als wichtiger Aufbaufaktor" bereits eingehend berichtet. D. Schriftltg.) Er verband mit seinem Bericht den Dank an alle, die bisher zum Gelingen beigetragen haben. Sein ganz besonderer Dank galt Professor Dr. (Eger, dem „Vater der Gießener Studenten", dessen uneigennützige und erfolgreiche Arbeit er besonders betonte. In großen Linien umriß dann Herr Grebe die Aufgaben des Studentenwerkes, die durch den Gesundheits-, den Wirtschafts- und jetzt auch Beratungsdienst eine großzügige Forderung der Studierenden zum Ziele haben, für die in erster Linie Zuschüsse des Reiches zur Verfügung stehen. Die Forderung ermöglicht geistig und körperlich gesunden jungen Menschen, die ihren Einsatz in einer der Gliederungen der Bewegung zu erkennen gegeben und einige, weitere Voraussetzungen zu erfüllen haben, das Studium. (Darüber wurde in unserem Aufsatz v. 17./18. Juni ebenfalls eingehend berichtet. D. Schriftltg.)
Im Anschluß an den fesselnden Bericht von Dipl.- Volkswirt Grebe sprach der Leiter des Bezirksberatungsdienstes, Dr. Weber (Frankfurt a. M.). eingehend über die Wege und Mittel, um frühzeitig den Nachwuchs für die akademischen Berufe zu erfassen. Dieser Vortrag wurde am Sonntag auch in der Tagung des NS.-Altherrenbundes gehalten. (Siehe Bericht über diese Tagung.)
führung an die akademische Berufsausbildung und über die erforderliche Auslese. Dabei machte er verständlich, daß die bisherige Art der Werbung durch die einzelnen Hochschulen nicht den Notwendigkeiten entspricht, sondern daß eine umfassende und planmäßige Erfassung der regsamsten Kräfte im Interesse des Volksganzen erforderlich ist, die schon in der Schule einsetzen muß und über den Arbeitsdienst «und die Zeit der Wehrpflicht hinausgreifen muß. Dr. Weber ging auf die Aufgaben und Verpflichtungen der Altherrenbünde bei dieser Beratung ein und zeigte, wie der Arzt, Apotheker, Ingenieur usw. dadurch, daß er den für diesen Berufszweig interessierten Abiturienten oder jungen Menschen einmal einen Einblick in den Arbeits- und Aufgabenbereich bietet, ihm die Entscheidung erleichtern kann. Durch die Hinzuziehung der vor der Berufs.-, wähl stehenden jungen Menschen zu den Zusammenkünften des Älcherrenbundes und durch die Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt soll eine taktvolle Berufslenkung erfolgen, damit jeder junge Mensch seinen Begabungen und Anlagen entsprechend auf den Platz geführt wird, auf dem er der Volksgemeinschaft den höchsten Dienst erweisen kann.
ringführers Professor Dr. R i e h m statt, bei der der Leiter des Dezirksberatungsdienstes Dr. Weber (Frankfurt a. M.) die Aufgaben und Zielsetzung der Beratungsstellen erläuterte. Er schilderte die äugen«' blicklichen Verhältnisse, die bedingen, daß auch die akademischen Berufe für einen Nachwuchs zu sorgen haben uno daß, wenn schon das Reich außerordentliche Mittel für die Ausbildung durch ein Hoch- schulstudium $ur Verfügung stellt, auch wirklich die besten und fähigsten jungen Menschen diesem Stu« rab er
Wilhelm Lipp, Forstamtssekretär Konrad (Eifert, beide in Gießen, Revierförster Georg Heinrich, Revierförster Georg Heinrich Scheig in Atzenhain, Karl Blum in Lumda, Jakob Stauth in Wahlen.
2. Stufe (Silbernes Treudienst-Ehrenzeichen für 25jährige Dienstleistungen): Forstrat Hermann Gutfleisch in Butzbach, Hermann Koch in Ortenberg, Wilhelm Jochem in Storndorf, Forstamtssekretär Otto Heußinger in Grünberg, Ludwig Schneucker in Gießen, Heinrich Ruhl in Grebenhain, Revierförster Heinrich Förster in Allendorf, Karl Funk in Bellersheim, Ernst Dillemuth in Bermutshain, Christian Braun in Daubringen, Adolf Simon in Elpenrod, Philipp Keil in Ettingshausen, Johannes Decker in Harbach, Peter Becker in Hausen, Wilhelm Bechtold in Forsthaus Hochwart bei Gießen, Karl Kirschner in Hochweisel, Rudolf Göbel in Kirtorf, Kaspar Kipper und Konrad Heinrich Textor in Lich, Karl Frank in Rainrod, Georg Johannes Eichenauer, in Reinhardshain, Karl Schäfer in Rockenberg, Karl Brück in Rödgen, Peter Richtberg in Strebendorf, Heinrich Spamer in Vadenrod, Forftwart Friedrich Peppler in Hörgenau, Heinrich Wilhelm Damm V. in Reiskirchen.
Schädlinge im roten Rock.
Redner bat die ausländischen Studenten, die nun in ihr Heimatland zurückkehren, schöne Erinnerun- gen an Gießen und seine Universität mitzunehmen und in ihrer Heimat davon zu berichten.
Der Redner gab bann einen Ueberblick über die studentische Außenarbeit und deren Aufgabenstel- lung, nämlich: 1. die Erziehungsaufgabe der Studentenschaft unter Führung des NSDStB. auf diesem Teilgebiet durch Bereitstellung der Kräfte und Bearbeitung des Materials zu unterstützen, 2. aus dieser Erziehung und aus dem praktischen Einsatz diesseits und jenseits der Grenzen die notwendigen Nachwuchskräfte zur Verfügung zu stellen, 3. die in dem studentischen Rahmen gestellten Aufgaben sicher und verantwortungsbewußt zu lösen. Weiterhin gab der Redner einen Rückblick auf die Beziehungen der Deutschen Studentenschaft zu den ausländischen Studenten-Organisattonen, ferner einen Einblick in das Volksdeutsche Arbeitsgebiet der Deutschen Studentenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Aufgaben des Außenamtes. Schließ« lich begründete er noch den Austritt der Deutschen Studentenschaft aus dem Internationalen Studentenwerk, da dieses den berechtigten deutschen Forderungen gegenüber jegliches Verständnis und Entgegenkommen vermissen ließ. In der studenttschen Generation in allen Völkern der Welt beginne aber heute ein Erwachen. Dies sei das Bekenntnis zu einer neuen politischen Lebensordnung der Volker. Die Deutsche Studentenschaft werde in Zukunft mehr denn je die Studentenschaften der anderen Länder mit sich verbinden zum gemeinsamen Einsatz an den vor uns liegenden großen Aufgabe.
Anschließend berichtete ein Student aus Irland, Herr van Stockum, in fesselnder Weise über das Studentenleben an der irischen Universität Dublin. Schließlich sprach noch der Gründer und Leiter der Auslandsstelle der Universität, Professor Dr. Fischer, kurz über die verpflichtenden Aufgaben der Universitäten im Sinne der Auslandsstellen.
Der weitere Verlauf der Nachmittagsstunden brachte den Teilnehmern frohe Geselligkeit.
Tagung des Studentenwerkes.
Zu der Tagung des Studentenwerkes war eine interessante Ausstellung aufgebaut, die einen Ueberblick über die aus der „Gießener Studentenhilfe" zum „Studentenwerk" entwickelte Selbsthilfeeinrichtung der Gießener Studentenschaft gab. Lichtbilder
Häufig findet man jetzt auf Kartoffelfeldern rote, anfangs 2 mm lange Larven, die einen schwarzen Kopf und an den Seiten 2 Reihen schwarzer Punkte..---------.... u- — ----.....—
haben. Es sind die Larven des schwarz-gelb ge- raden war immer ein recht gutes, wozu gesellschaft« streiften Kartoffelkäfers. Sie sind ungeheuer gefräßig liche Veranstaltungen, aemeinfame Wanderungen,
Rundfunkprogramm
Dienstag, 11. Juli.
5 Uhr: Frühmusrk. 5.50: Bauer, merk auf! 6: Morgenlied. Morgenfpruch. Nachrichten. Gymnafttk. 6.30: Frühkonzert. Ausführung: das kleine Orchester des Reichssenders Frankfurt. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.25: Kleine Ratschläge für Küche und Haus. 8.40: Froher Klang zur Werkpause. Es spielt das Rundfunkorchester des Reichssenders München. 10: Schulfunk: Unser täglich Brot. Bauernbrauch bei Saat und Ernte. 11.40: Ruf ins Land. 12: Mittagskonzert. Ausführung: Kurhessisches Landesorchester Kassel. 13: Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Das Stündchen nach Tisch. (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnah- Ynen.) 16: Nachmittagskonzert. 17 bis 17.10: Das Mikrophon unterwegs. 18: Volk und Wirtschaft: Eine Million Schweine mehr — durch dasEHW. 18.15: Im Museum der Vorzeit. 18.30: Gute Unterhaltung, liebe Hörer! (Jndustrie-Schallplatten und Eigenaufnahmen.) 19.15: Tagesspiegel. Don München: Zum Tag der deutschen Kunst: „Was wir nicht vergessen wollen." Peter Parier, der Dombaumeister von Prag. 19.30: Im Sommer, da woll'n wir wandern. Von frohen Fahrten in Lied und Wort. 20: Nachrichten des drahtlosen Dienstes. Anschließend: Hier spricht die Reichsgartenschau. 20.15: Orchesterkonzert. 21.10: Aus dem Preußischen Staatstheater Kassel: „Der Arzt wider Willen." Komische Oper (frei nach Moliöre). 22: Nachrichten. 22.15: Sportnachrichten in Kürze. 22.20: Vom Deutschlandsender: Politische Zeitungsschau. 22.40: Internationale Segelwettkämpfe um den Marine-Pokal auf der Kieler Förde. 22.45 bis 24: Tanzmusik.
Sprechstunden Der ' ?rnktron.
11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mittag geschlossen.
GROSSGARAGE
•OltU/esten.
Roman von Harald Baumgarten
Copyright by Carl Duncker Verlag, Berlin W 35
11. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)
Nach Beendigung des Telephongespräches mit Margit — Vallendar hatte es von einem Kaffeehaus aus geführt — war er wieder in Notar Gru- ßendorfs Büro zurückgekehrt.
Etwas ungeduldig setzte er sich vor die lange Schranke, hinter der der Bürovorsteher und zwei \ Fräulein arbeiteten, und wartete. Hoffentlich kam der Notar bald vom Gericht zurück? Margits Stimme hatte am Schluß sonderbar geklungen. Ob er Pernau anrief —? Mit jeder Sekunde wurde er ungeduldiger.
Endlich ging Tür auf, und ein Mann von ungefähr fünfundvierzig Jahren betrat "bas Büro.
„Guten Tag, Herr Notar, begrüßte ihn das Personal.
Der Anwalt legte ab und machte Vallendar eine kleine Verbeugung, stutzte und lächelte erfreut. „Herr Vallendar — wenn ich mich nicht irre?*'
„Ganz recht: Vallendar. Ich muß Sie was fragen, Herr Notar!"
Grußendorf öffnete die Tür zu seinem Sprechzimmer. „Bitte sehr!" Dann schob er dem Schauspieler einen bequemen Sessel an den Schreibtisch. "2hx letzter Film hat mir außerordentlich gefallen. Meine kleine Frau ist sehr begeistert von Jynen." Er setzte sich hinter seinen Schreibtisch. „Hoffentlich fuhrt Sie keine persönliche Unannehmlichkeit zu mir?"
„(Es geht eigentlich nicht um mich, Herr Notar. Es ist eine Sache, bei der ich einer jungen Dame behilflich sein mochte. Ich rief Sie ja gestern noch spät abends an."
„Gewiß. Und kaum hatten Sie angehängt, kam ein zweiter Anruf. Und zwar loste der die Fragen, die Sie mir stellten. Mister Burd meldete sich nämlich und sagte mir, die Sache habe sich erledigt, er könne den Vertrag nicht abschließen; ich möchte entschuldigen." Liebenswürdig blickte der Notar Vallendar an. Er hätte gern noch über den Film geplaudert; seine Frau würde es bestimmt interessieren, wenn er ihr etwas von Vallendar erzählte. Aber sein Blick blieb gebannt an dem Gesicht des Schauspielers hängen. „Was setzt Sie denn so in Erstaunen, Herr Vallendar?"
„Verzeihung, Herr Notar! Sie sagten eben, kurz nach meinem Anruf hätte Mister Burd Sie nochmals angerufen? Könnten Sie sich nicht in der Zeit irren?"
„Wieso denn? Jeder Irrtum ist ausgeschlossen." „Und es war Burds Stimme?"
„Ich kenne Burd nicht, persönlich. Als er mich vom Palasthotel aus anrief, horte ich seinen Namen zum erstenmal. Aber es schien mir die gleiche Stimme wie beim ersten Anruf zu fein."
Vallendars braunes Gesicht wurde blaß. Er stand auf. „Als ich Sie anfief, Herr Notar, war Burd bereits tot. Er ist gestern abend gegen halb zehn in der Großgarage Alter Westen einem Herzschlag erlegen. (Eine halbe Stunde später rief ich Sie an."
Der Notar schüttelte den Kopf. „Verstehe ich nicht. Belm erstenmal und auch beim zweitenmal behauptete der Mann, Mister Burd zu sein." Sein Gesicht wurde ernst. „Wollen Sie mir nicht sagen, Herr Vallendar, was Sie hierhergeführt hat?" fragte er nach kurzem Nachdenken.
Lebhaft hob Vallendar die Hand. „Das kann ich nicht! Es sind ja nur Vermutungen von mir." Er sprudelte über. „Ich hatte plötzlich das Gefühl, daß sich hinter den Erlebnissen eines jungen Mädchens, das ich gestern erst kennenlernte, etwas Besonderes versteckte. Sie war nämlich zu Mister Burd bestellt, den sie von früher her flüchtig kannte. Und nun kommt dieser seltsame Anruf hinzu! Das interessiert mich aufs höchste. Vorläufig kann ich aus der ganzen Geschichte noch nicht klug werden, Herr Notar. Jetzt noch nicht. Aber ich werde schon dahinterkommen! Ich werde--Vielen Dank für
die Auskunft, Herr Notar! Sie müssen mich jetzt entschuldigen, aber ich muß nachdenken!" Man merkte, daß ihm der Boden unter den Füßen brannte. (Er streckte dem Anwalt die Hand entgegen. „Auf Wiedersehen, Herr Notar! Und vielen, vielen Dank!" Er war schon an der Tür. Nachdenken! Nachspüren! Es gab nichts, was den Schauspieler Vallendar mehr fesselte als das wechselnde und geheimnisvolle Spiel des Lebens ...
Notar Grußendorf blieb ein paar Minuten vorm Schreibtisch sitzen. Er grübelte. Dann hob er die Hand und nahm den Telephonhörer ab.
*
Die Uhren schlugen sieben.
„Acht, neun, zehn", zählte Fritz Huckemann schnell an den Fingern ab. — Eine Gewohnheit, die er von der Schule beibehalten hatte. Noch drei Stunden, dann hatte er frei!
Wo die Hilde wohl jetzt sein mochte? War doch allerhand, so ganz allein mit der „Verleih" zu fahren. Und bann zu übernachten und im Wirtshaus ZU sitzen. Ob sie an ihn dachte —? Um neun (Uhr bestimmt. Das hatten sie ausgemacht: Punkt neun Ufjr dachten sie jeden Abend aneinander — ganz lebhaft und stark.
Gott sei Dank, daß der Letzte vorbei war! Man konnte ganz durcheinanderkommen. Mühsam benahm sich wie ein kleiner Vogel, der in seinem Bauer herumflatterte. Er war wohl in Sorge, ob ber neue Pächter ihn behalten würbe; vielleicht
machte ber die ganze Buchführung selbst. Was Mühsam ihn heute nur 'rumgehetzt fyafte! Bei dem vielen Wagenwechsel! Da waren Wagen 'rausgegangen, die bis zum Frühjahr aufgebotft wurden; von Leuten, denen es kein Spaß machte, in den Wintermonaten zu fahren. Und dabei war heute so schönes, klares Wetter gewesen! Und eine ganze Menge neue Wagen waren gekommen. In den Sammelgaragen war besonders viel Wechsel gewesen. Nun mußte er erst mal die neuen Mieter kennenlernen.
„Fritz!" Mühsams Kopf reckte sich durchs Fenster.
„Jawoll, Herr Mühsam?"
„Morgen um elf kommt ein Herr Meier — will die Garage ansehen, will sie pachten. Daß alles morgen früh wie geleckt aussieht! Er soll gleich wissen, daß wir hier die Sache in Schuß haben/
„Ist ja alles tadellos in Ordnung. Herr Mühsam!" Jotte doch, der zitterte ja förmlich... Hier ist immer alles in Ordnung gewesen, Herr Mühsam, und wird es auch morgen sein — da verlassen Sie sich drauf!"
„Ja. Aber gestern abend diese Geschichte! Man ist doch nicht von Holz. Sie ist mir ordentlich in die Knochen gefahren... Sind die Wagen alle gut in den Sammelgaragen untergekommen, daß nicht immer so viel hin und her geschoben werden muß? Sie müssen sich^genau erkundigen, Fritz, wer abends spät einfährt, damit er nach dem Gang hin zu stehen kommt. Hat der Zornack 'nen guten Platz erhalten?"
„Zornack? Wer ist denn bas?"
„Der Vertreter mit der grauen Limousine, ber vor brei Stunden gemietet hat. Das müssen Sie boch wissen, Huckemann!"
„Richtig, ber! Ja, ber ist in C gekommen!"
„Unb ber „Garage" muß ganz nach hinten — in ben kleinen, leeren Raum, den man nicht vermieten kann. Der Wagen wird doch nicht mehr so oft gebraucht."
„Gut, Herr Mühsam!"
„Und sagen Sie Preetz, er müsse ben Dienst für ben neuen Mieter, Box 18, übernehmen! Scheint sehr genau zu sein."
„Mache ich. Preetz-kommt gleich. Ich sage ihm alles." Mühsams Kopf verschwand.
Die Wagen aus der Stadt kamen. Das tägliche Bild.
Hallo — was war denn das? Da kam einer, ber hatte den Kotflügel verbogen. Er fuhr in bie Einfahrt.
„Was ist denn los, Herr Riemers?"
Der Fahrer ftteckte den Kopf heraus. „Bin angefahren worben. Am Großen Stern. Kommt da einer auf mich losgerast... Aber ich habe die Nummer!"
„Na, denn ist's gut. Geht ja auf Versicherung. Melden Sie es man gleich! Das kostet ’nen neuen Kotflügel."
Der Wagen fuhr weiter.
So war bas immer. Angefahren? Natürlich: Der Riemers war auch einer, der gern um die Ecken b raufte...
Preetz kam über die Straße, „’n Abend, Huckemann!"
„lag, Preetz! Fahr man den „Garage" ganz nach hinten! Mühsam will es so. (Er meint, jetzt werbe der Wagen doch seltener gemietet."
„Tja, wat sagste, Fritz? Nun bin ick den schönen Job los. Essig mit dem Privatchauffeur!"
„Schade. Was macht deine Frau."
„Wunderbar, Fritz! Doktor Römer war heute da. Er meint, morgen oder übermorgen würd' es wohl losjehn. Wenn's nur ein Junge wird —!"
„Wir nehmen, was wir kriegen — wie, Preetz? Oder soll ick dem Storch telephonisch--"
„Quassel nid)! Sowat bringt mich in Ratze. Kannst du jar nich begreifen, wie einem zumute ts. Man sitzt hier und denkt: Jetzt vielleicht jeht es los... Drei Weiber hocken bei mir in ber Küche. Ick muß alle Tage ’n halbes Pfund Kaffee kaufen — bet schmerzt im Portemonnaie!" Er ging hinunter ins Fahrerzimmer.
Wagen kamen ... Dort ber kleine Zweisitzer von Fräulein ©anher. Nun würbe der Doktor auch bald eintrubeln. Wenn bas nichts wurde mit den beiden —! Was die nur so lange überlegten? Herrgott: Wenn er so ’ne Praxis hätte, er würbe nicht fünf Minuten mehr fackeln mit ber Hilde!
„’n Abend, Fräulein Sander!"
Sie grüßte zurück: „’n Abend, Herr Huckemann!" Weg war der Wagen.
Huckemann griff sich an den Kopf. Hoffentlich hatte der Neue seine Limousine nicht an Fräulein Sandners Platz gestellt? Wie hieß doch ber bloß? War doch so was mit „Wut". Diese verflixten Namen!! Nachher mußte er mal bei Mühsam bie Listen einsehen. Ach, richtig: Zornack!
Drüben tauchte der Doktor auf. Na ja, bas hatte er doch gewußt!
„Fritz!" schrie es laut von unten herauf. „Mal schnell! Fritz!"
„Ich komme!" Huckemann mar dazu bestellt, um Ordnung zu machen. Ein feiner Posten, Erster in der Garage zu sein. Pächter freilich — das wäre noch besser.
Unten traf er die Wagenwäscher, die beieinanber- standen. In der Mitte Preetz. Er mar es, der gerufen hatte. „Nun sieh dir bloß die Schweinerei an! Das war nicht — bas weiß ich! Das wär’ mir boch aufgefallen. Wie ick den „Garage" ’reinjefah» ren habe, kann bet nich jemesen fein. Det is später jemacht worben."
„Was habt ihr denn?"
Preetz zeigte in ben Garagenwagen. „Wer ben Wagen jewaschen hat, will ick wissen! Hat er doch bet janze Polster airfjetiffen! Natürlich: Außen hui und innen pfui — immer mit der scharfen Bürste über die Polster rüber."
- (Fortsetzung folgt.)


