Ausgabe 
10.7.1939
 
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Schall heilt Krankheiten.

Eine wichtige Entdeckung der deutschen Forschung.

Von Or. Georg Meyer.

Der nachstehende Artikel berichtet über eine neue Entdeckung der deutschen Forschung, die für die praktische Behandlung zahlreicher Krankheiten sehr bedeutsam ist. Es ist,jetzt gelungen, den sogenanntenUltraschall" er­folgreich in den Dienst der Heilkunde zu stellen.

In letzter Zeit konnte die Strahlungstherapie als selbständiger Zweig der Heilkunde durch eine Methode bereichert werden, die zwar im einzelnen noch nicht ausgebaut ist, aber doch bereits sehr hoffnungsvolle Ansätze erkennen läßt, die der Kunst des Arztes ganz neue Möglichkeiten erschließen. Während die Methoden, das Licht in seinen ver­schiedenen Formen für die Heilpraxis nutzbar zu machen, seit langem nach vielen Richtungen hin durchgearbeitet sind, hat man dem Schall erst jetzt größere Aufmerksamkeit zugewandt, nachdem sich gezeigt hat, daß der sogenannte Ultraschall recht erhebliche Wirkungen aus die Lebewesen ausüben kann.

Ultraschall was ist das? Die Wissenschaft bezeichnet mit diesem Worte Schallwellen, deren Schwingungszahl größer ist als die dergehörten" Schallwellen. Wie unser Gesichtssinn nur einen im Grunde recht kleinen Ausschnitt aus dem riesigen Bereich der Lichtwellen wahrnimmt die knappe Strecke zwischen Rot und Diolett, so ist auch unser Ohr keineswegs in der Lage, jeden Schall zu empfinden. Der tiefste Ton, der noch als solcher gehört und in der Musik verwendet wird, hot etwa 16 Schwingungen in der Sekunde, während die obere Hörbarkeitsgrenze beim Menschen etwa bei 20 000 Schwingungen in der Sekunde liegt. Wir hören also etwas über 10 Oktaven; in der Musik werden Töne bis etwa 4000 Schwingungen in der Sekunde verwendet. Höhere Töne, die wir nicht mehr zu hören vermögen, fallen also unter den BegriffUltraschall". Es hat sich nun gezeigt, daß man mit solchen Ultraschallen Fische und kleinere Tiere töten kann, daß Mikroorganismen zer­rissen und rote Blutkörperchen zum Zerfall gebracht werden. Bei Krankheitserregern wurde unter wech­selnden Bedingungen eine Steigerung oder auch eine Verminderung ihrerVirulenz" erzielt, das heißt dieGiftigkeit" wächst oder nimmt ab.

Es ist nun eine bekannte Tatsache, daß viele Stosse, die in größerer Menge aus den Organis­mus schädigend wirken, in kleineren Dosen sehr günstige Wirkungen Hervorrufen: ein Gift kann unter Umständen heilenden Einfluß aus­üben. Etwas Aehnliches hat man jetzt auch beim Studium der biologischen Wirkungen des Ultra­schalles entdeckt. Die zerstörenden Erscheinungen

Durch die glitzernde Drehtür betritt eine kleine, sehr zierliche Dame mit schneeweißem Haar das Großhotel Unter den Linden in Berlin. Der Mann in der Anmeldung grüßt tief:Den Schlüssel Frau Blondin-Robioli, bitte!"

Blondin... ? Blondin ... ? Hat man den Namen nicht schon oft gehört? Gab es nicht einmal einen Mann dieses Namens, der als erster Mensch auf einem Drahtseil über die Niagarafälle ging, ohne Balancierstange und ganz so, als ob es sich um einen alltäglichen Spaziergang handelte... ?Ver­zeihen Sie, gnädige Frau . sagt der Zeitungsmann ein wenig atemlos, während er den nach oben glei­tenden Fahrstuhl betritt,sind Sie nicht die Toch­ter... nein, die Gattin ... ?"

Die kleine, weißhaarige Dame lächelt ein bezau­berndes Lächeln:Die Tochter?" verbessert sie in fehlerfreiem Deutsch.Die Tochter Blondins, des größten Drahtseilartisten der Welt?" Und dann setzt sie mit einer einladenden Handbewegung hinzu: Wollen Sie eine Zigarette bei mir rauchen, mein Herr?"

Ein seltsames Ultimatum.

Die Wissenschaftler, die sich schon zu seinen Leb­zeiten oft desFalles Blondin" angenommen haben, erklären heute, daß das Wunder feiner nie

treten, wie gesagt, fast ausschließlich bei hohen Stärkegraden des Schalls auf was liegt also näher, als sich einmal mit der Wirkung geringerer Grade zu befassen! Sollte es nicht möglich fein, dabeitherapeutische" Wirkungen zu erzielen? Bei der Verfolgung dieses Gedankenganges ist man nun zu sehr merkwürdigen Ergebnissen gekommen, über die kürzlich berichtet wurde. Am Martin-Luther- Krankenhaus zu Berlin konnten von mehreren Aerzten Versuche mit dem Ultraschall an Patienten durchgeführt werden, die bereits schöne Erfolge erzielt haben.

Mit Hilfe des Ultraschalls läßt sich zunächst das Durchdringungsoermögen der Haut erheblich stei­gern: praktisch gesprochen eröffnet sich damit die Möglichkeit, Medikamente in sehr feiner Ver­teilung durch die Haut hindurch einzubringen und so bei bestimmten Krankheitsfällen eine beson­ders gute Heilwirkung zu erzielen. Schon das ist zweifellos eine recht wertvolle Errungenschaft. Fer­ner hat sich gezeigt, daß die Ultraschallwellen in demdurchstrahlten" Körpergebiet erhebliche Druck- und Zugunterschiede verursachen; dadurch ergibt sich gewissermaßen eine konzentrierte Massage von großer Tiefenwirkung. Der Erfolg ist eine erhöhte Durchblutung des Gewebes und eine Steigerung des Stoffaustausches zwischen den Zellen. Da sich die eingestrahlte Ultraschall-Energie teilweise in Wärme umsetzt, wird zugleich eine örtliche dia­thermische Wirkung erzielt. Man hat jetzt eine Apparatur konstruiert, die Ultraschall erzeugt und deren Endstück wie ein kleiner Massageknopf strei­chend über die zu behandelnde Stelle des Körpers geführt wird.

Die neue Heilmethode hat sich in erster Linie bei der Behandlung gewisser Arten von Nerven­schmerzen, der gefürchteten Neuralgien, be­währt: bei Ischias, der sogenannten Plexusneural­gie, Gelenkentzündung ufw. Manche vorherunheil­baren" Jschiaspatienten konnten schon nach vier bis neun Bestrahlungen aus dem Krankenhaus ent­lassen werden. Bei Gelenkentzündung waren die Erfolge nicht ganz so eindeutig, immerhin wurde die Ultraschallbehandlung von den Kranken als sehr lindernd empfunden. Die Erfolge der neuen Methode beruhen wahrscheinlich in erster Linie auf der intensiven Massagewirkung des Ultra­schalls: die dadurch bedingteZellgymnastik" stei­gert den Stoffwechsel der Zellen und führt dadurch Heilung ober wenigstens Linderung des Leidens herbei. Im übrigen sind die Untersuchungen zur Zeit noch im Gange, und man darf erwarten, daß die nächste Zeit uns auf diesem Gebiete noch man­chen schönen Erfolg bescheren wird.

wieder erreichten Leistung nur möglich gewesen sei durch eine besondere Funktion gewisser Gehirn­stellen, die wir als Koordinationszentren bezeichnen. Aber Frau Blondin-Robioli.schüttelt energisch den Kopf:Nein!" sagt sie unwillig.Die Vollkommen­heit der Leistung meines Vaters ist nichts anderes als das Ergebnis einer fast übermenschlichen Kon­zentration und eines ununterbrochenen Trainings. Blondin ging auf dem Seil wie auf ebener Erde, ohne Stange und ohne Schirm, und trug er eine zweite, manchmal sogar eine dritte Person auf seinen Schultern, bann verzichtete er auch dann noch auf Hilfen! Aber nicht, weil er irgendwie mit über­natürlichen Gaben ausgestattet war, sondern weil er von frühester Kindheit an bis in das Alter hin­ein sein tägliches Training absolvierte, selbst an seinem Hochzeitstage und an meinem Geburtstage!"

Sie war sechs Jahre alt, die heute 75jährige Tochter des Seiltänzers (die noch so rüstig ist, baß sie zu ihrem Vergnügen eine Reise um die Welt macht), nachbem sie ein ganzes Leben lang beruflich gereist ist), als sie energisch verlangte, in ber Truppe bes Vaters mitarbeiten zu bürfen. Als Blonbins Frau eines Adenbs burch irgenbeine haus­frauliche Arbeit aufgehalten würbe, erschien die kleine Evelyn auf demTurm", um die Mutter zu vertreten. Sie stellte kurzweg ein Ultimatum:

entweder arbeitete der Vater mit .ihr,-oder sie hin­derte ihn an feiner Arbeit!

Um das Publikum das zunächst glaubte, es handele sich bei der geflüsterten Auseinandersetzung zwischen dem Mann und dem Mädchen um eine humoristische Einlage nicht zu beunruhigen, gab der Artist endlich nach. Und die Mutter, die endlich mit einer kleinen Verspätung im Stall gang erschien, fiel fast in Ohnmacht, als sie die Kleine hoch auf den Schultern Blondins erblickte. Von diesem Tage an hat der Seiltänzer Blondin fast 30 Hahre lang seine Tochter Abend für Abend auf den Schultern oder auf dem Kopf über dem Seil getragen ... ohne Balancierstange und ohne Schirm!

Ein merkwürdiger Vertrag.

Das heißt: ich muß mich berichtigen!" unter­bricht Frau Blondin-Robioli sich und kloppt das dicke Album mit den vergilbten Fotografien zu. Wir haben nicht 30 Jahre lang ununterbrochen im Zirkus und Variete gearbeitet, sondern einmal er­hielt mein Vater für mehrere Monate einenjob" durch einen Manager, der wie ich heute weiß Blondins großes Können in der gewissenlosesten Weise ausnutzte. Als mein Vater als erster Mensch auf dem Seil über den Niagara gegangen war, schlug dieser Mann ihm vor, auch weiterhin solche Spaziergänge" zu machen. Er selbst wollte dann auf das Gelingen des Wagnisses mit den Zuschauern Wetten abschließen und meinen Vater mit der Hälfte am Gewinn beteiligen. Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Spiel mit dem Leben, und es graut mich heute noch, wenn ich daran denke, wie oft der geldgierige Unternehmer meinen Vater ohne Hilfen über die Fälle schickte. Heute betrachte ich es fast als ein Wunder, daß niemals ein Un­glück geschehen ist."

Hat Ihr Vater diese seltsame artistische Tätig­keit lange ausüben können, oder gelang es ihm, sich vorzeitig von diesem merkwürdigen Vertrage frei zu machen?"

Frau Blondin-Robioli nickt eifrig.Der Vertrag mit dem Manager wurde von den amerikanischen Behörden lange vor seinem Abläufen zwangsweise gelöst, nachdem es einen eigenartigen Skandal ge­geben hatte, von dem die Welt allerdings kaum etwas erfahren hat. Eines Tages erschien ber Prinz von Wales ber spätere König Eduard VII. von England bei dem Unternehmer und bot eine sehr hohe Summe bafür, baß Blondin ihn einmal über den Niagara-Fall tragen sollte. Natürlich sagte ber gewissenlose Mensch sofort zu, aber als mein Vater von dem seltsamen Handel hörte, kabelte er einen empörten Bericht nach Lonbon, von wo post­wendend ein kategorisches Verbot kam. Die Sache wurde irgendwie auch in Chikago bekannt und nun griffen die Behörden endlich ein und verboten die weiterenSpaziergänge" über die Fälle, wofür ich ihnen heute noch aufrichtig dankbar bin."

Einmal gezittert!"

Natürlich hat auch Frau Blondin-Ribioli als As­sistentin und Mitarbeiterin ihres Vaters manche aufregende und gefährliche Situation erlebt. So erinnert sie sich z. B. daran, daß Blondin während einer Reise nach Indien zugesagt hatte, bei einem Bordfest mitzuwirken; er wollte seine Tochter auf den Schultern von einem Mast zum anderen tragen.

In der Stunde, in der das Fest begann, setzte ein ziemlich heftiger Wind ein, der das Schiff stark schwanken ließ. Der Kapitän, ein Deutscher, der selbst Frau und Kinder hatte, bat Blondin, seine Vorführung für die er ohnehin kein Honorar erhielt 'ausfallen zu lassen. Aber ber inzwischen längst weltbekannt gewordene Artist wollte die Pas­sagiere nicht enttäuschen, vielleicht aber wollte er auch sich selbst und den Zuschauern beweisen, daß ein Blondin selbst mit Wind und Wellen fertig wird. Er fragte lediglich seine Tochter, ob sie zu­rücktreten wollte; aber das Mädchen, felsenfest auf das Können und die Sicherheit des Vaters ver­trauend, verneinte energisch.

Und bann begann Blondin zu arbeiten. Wie im­mer ohne Hilfen, erschien er, seine Tochter auf ben Schultern, im Mastkorb unb begann seine gefähr­liche Wanberung. Schritt für Schritt tastete er sich auf bem schwankenden Seil vorwärts, zusammen- gerissen unb angespannt bis zum äußersten. Fast 20 Minuten brauchte er biesmal für eine Strecke, bie er sonst in wenigen Sekunben zurücklegte.Unb als. er eüblich mit mir ben anberen Mast erreicht hatte, ba zitterte ber Mann, ben ich niemals vor­her zittern gesehen hatte!" erzählt seine greife Toch­ter halblaut.

Oer Seiltänzer über dem Niagara.

Blondins Tochter erzählt Erinnerungen an einen der berühmtesten Artisten.

Zur Belohnung ein Spiegele».

Aber als ich sie bann fragte, welches benn nun ber tiefste unb bleibenbfte Embruck aus ihrer Zu- fammenarbeit mit bem Vater gewesen sei, ba er« innert sie sich nicht an eine neue, noch waghalsigere Situation, sonbern mit einem nachbenklichen Lä­cheln steht sie auf unb tritt an bas Fenster, an bem ber abendliche Verkehr ber Reichshauptstadt vorüberbraust:

Ich glaube", sagt sie leise vor sich hin,wenn man alt wird, dann verschieben sich in der Erinne­rung die Werte unb Begriffe. Gewiß weiß ich noch genau, wie aufregenb unb schön es war, wenn man Vater irgenbwo in Moskau z. B. ober in Kon­stantinopel mieber einmal einen hohen Orben verliehen erhielt ober wenn ein König ober Kaiser uns empfing. Meine schönste Erinnerung an unsere gemeinsame Arbeit aber ist, baß ich als Kinb nach

Hiller-Urlaub gibt Lebensfreude.

Melde deinen Gastplah der

ben Vorstellungen immer bas Spiegelei e s- s e n bürste, bas mein Vater auf bem Drahtseil un­ter meiner Assistenz auf einem kleinen Spiritus­kocher briet. Sie werben es vielleicht nicht verstehen, aber es ist so: nie mieber im Leden hat mir ein Gericht so gut geschmeckt als bas auf bem turm­hoch gespannten Seil in der Pfanne gebratene Ei, bas Blondin mir nach dem Auftritt als Belohnung fürbraves Arbeiten" überließ. Und die schwerste Aufgabe, die mein Vater mir je gestellt hat, war es,, bei dem Feuerwerk, in dem mein Vater und ich bei Festvorstellungen untertauchen mußten, nicht zu niesen. Der Puloerqualm reizte die Nase ent­setzlich aber ich mußte ganz still auf ben Schultern Blonbins ober auf feinem Kopf stehen, benn ein unvorhergefehenes Niesen hätte eine Kata­strophe für uns beibe zur Folge haben können" W. Höppner-Flatow.

Feuerwehr erhält Polizei-Uniform.

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Die Feuerfchutzpolizei erhält, um auch äußerlich ihre Zugehörigkeit zur Polizei in Erscheinung treten zu lassen, eine Feuerwehrbien st kleibung, bie ber Uniform ber Orbnungspolizei angeglichen ist. Die Offizierte unb Beamten ber Feuerschutzpolizei tragen künftig bie Uniform ber Schutzpolizei bes Reiches (grünmeliertes Tuch) mit folgenben Ab­weichungen: bas Befatztuch ist schwarz, bas Ab­zeichentuch karmesinrot. An Stelle bes Tschakos und des Polizeistahlhelms tritt der Feuerschutz^ Helm (ohne Kamm) in der Farbe des Besatztuches. An Stelle des Polizeiseitengewehrs tritt das F a schinenmesser. Unser Bild zeigt links den alten und rechts den neuen Feuerwehrdienstanzug. (Scherl-Bilderdienst-M.)

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