Ausgabe 
10.2.1939
 
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Nr. 35 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zrettag.w.ZebruarMY

Aus der Stadt Gießen.

Kometenjäger.

In der Astronomischen Zentralstelle in Berlin traf ein Telegramm aus Amerika ein, das die auf­regende Mitteilung enthielt, der amerikanische Astro­nom Peltier habe einen neuen, bisher unbe­kannten Kometen entdeckt. Peltier ist geradezu ein Kometenjäger, der schon eine ganze Reihe von neuen Kometen entdeckt hat. Er durchsucht mit seinen hochwertigen Geräten das Weltall nach die­sen sonderbaren Gesellen, die unerwartet irgendwo auftauchcn und ebenso unerwartet wieder verschwin­den. Und der amerikanische Kometenfpezialist hat Glück. Auch diesmal hat sich seine Entdeckung be­stätigt. Die Astronomische Zentralstelle in Berlin gab die Nachricht von dem neuen Kometen sofort tele­graphisch an alle deutschen Sternwarten weiter, die nun ihrerseits sofort die Beobachtungen aufnahmen. Der Neuling am Firmament wurde buchstäblich unter die Lupe genommen. Die deutschen Stern­warten haben auch sofort den neuen Kometen fest- gestellt und seine Bahn und Richtung bestimmen können. Als er'entdeckt wurde, hatte er die Hellig­keit eines Sternes achter oder neunter Größe. Dann war er näher gekommen und heller geworden, so daß er die Helligkeit eines Sternes sechster Größe besaß. Bei den Sternen mit einer Helligkeit sechster Größe liegt gerade die Grenze ihrer Sichtbarkeit von der Erde aus. Da der neue Komet weiter an Helligkeit zunahm, konnte man ihn mit unbewaff­netem Auge leicht sehen. Der neue Komet wurde entdeckt im Sternbild des Schwan und bewegt sich in Richtung nach dem Quadrat des Pegasus. Anfang Februar ist er auf die südliche Halbkugel abge­rutscht.

Kometen waren immer mit einem dichten Schleier von Geheimnissen umwunden. Früher waren die Kometen Gegenstände ängstlicher Furcht und wilder Verzweiflung. Man befürchtete den Zusammenstoß eines Kometen mit der Erde, wobei dann die Erde untergehen sollte. Da die Kometen regelmäßige Bah­nen haben, dürfte ein Zusammenstoß völlig unmög­lich sein. Sollte aber wirklich einmal ein Komet von seiner Bahn abweichen und auf die Erde tref­fen, dann hätte bei einem solch unliebsamen Treffen der Komet weit mehr zu befürchten als die Erde. Die Kometen sind nicht wie die Planeten auf eine bestimmte Gegend des Himmels beschränkt, haben auch in der Richtung ihrer Bewegung nichts Ge­meinsames, sondern sie durchwandern alle Zonen, des Himmels in allen Richtungen. Bei aller Un­regelmäßigkeit beschreiben sie doch regelmäßige Bah­nen, allerdings sehr langgestreckte. So kommt es auch, daß sie sich sehr weit von der Soncke ent­fernen. Ihre Umlaufzeit beträgt daher auch bis zu Jahrtausenden. Nur bei verhältnismäßig wenig Kometen ist Bahn und Umlaufzeit berechnet. Aus der Spektralanalyse ist zu ersehen, daß Wasserstoff einen Hauptbestandteil der Kometen bildet und daß der Kern aus glühendem Kohlengas besteht. Wer gute Augen hat, wird die drei Teile des Kometen unterscheiden können, den Kopf, Kern und Schweif.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag.

Volksbildungsstätte- Gießen (VortragsreiheWis­senschaft im Dienst am Volke"): Hörsaal des Kunst­wissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße 34, 20.30 Uhr, Vortrag von Professor Zschietzschmann über Die deutschen Ausgrabungen in Pergamon". Stadttheater: zum letzten MaleBerenize"' Glo­ria-Palast:Napoleon ist an allem schuld". Licht­spielhaus, Bahnhofstraße:Shirley auf Welle 303".

Stadttheater Gießen.

Heute abend zum letztenmalBerenize", Tragödie von Jean Racine, im Versmaß des Originals über­tragen von R. A. Schroeder. Spielleitung: Her­mann Schultze-Griesheim, Bühnenbilder: Karl Löff­ler. Die Vorstellung findet gleichzeitig als 19. Vor­stellung der Freitag-Miete statt.

77 Gas-Heizkörper für die Volkshalle.

Unserer Gießener Volkshalle, dem größten Raume in unserer Stadt, haftete bisher ein Mangel an, der es verhinderte, daß sie im besten Sinne hätte volks­tümlich werden können. Der Halle fehlte die zweck­mäßige Heizung! Zwar waren Oefen ausgestellt wenn zu winterlicher Zeit in der Volkshall'e Ver­anstaltungen abgehalten werden mußten, aber diese Ofenheizung hatte mancherlei Nachteile. Um die Volkshalle damit einigermaßen warm zu bekommen, war es notwendig, zwei Tage vorher zu Heizen, 60 Zentner Koks zu verfeuern und das Feuer auch nachts zu halten, so daß immer ein Mann während öiqer Nacht vor der Veranstaltung sein mußte, um die Oefen zu versorgen. Außerdem war diese Ofen­heizung für oft nur einen einzigen Abend sehr teuer und erforderte einen Geldaufwand von rund 200 Mark. Hinzu kam, daß die eisernen Oefen keineswegs zur Zierde der Halle beitrugen. Wer in der Nähe dek Oefen faß, wurdegebraten", mäh­rend der Raum im übrigen nicht sonderlich warm wurde. Deni Uebclstand ist jetzt abgeholfen worden!

Die Volkshalle hat nun eine ihren Raummaßen (17 000 Kubikmeter) entsprechende Beheizung er­hallen. Seit dem 2. Januar waren Ingenieure, Techniker und Arbeiter damit beschäftigt, eine groß­zügig angelegte Gasheizung einzubauen. Die Hei­zung konnte am gestrigen Donnerstagnachmittag zu einer ersten Probe in Betrieb gesetzt werden. Dabei war schon innerhalb einer halben Stunde festzu­stellen, daß die ausreichende Durchwärmung der Volkshalle gesichert ist. Die Heizung roitb auch dann ihre Aufgabe erfüllen, wenn die Außentemperatur sehr niedrig liegen sollte. Die Handhabung der Gas­heizung ist äußerst praktisch und bequem. Innerhalb von acht Minuten gelang es (ohne sonderliche oder gar auf Rekord abgestellte Bemühung), sämtliche Heizkörper, also insgesamt 77, in Betrieb zu setzen. Von den Heizkörpern geht eine wunderbar gleich­mäßige Wärme aus, so daß es in Zukunft in der Volkshallc weit gemütlicher fein wird, als es bisher je der Fall war.

Der' Einbau der Heizung stellte alle Beteiligten vor große Aufgaben. Es galt, zwei überdimensio­nale Gasmesser einzubauen, die jedermann einen panischen schrecken einjagen könnten bei dem Ge­danken, daß ein Privatmann das alles bezahlen sollte, was diese.Gasmesser zu messen in der Lage sind. Dann galt es, die gasführende Lei­tung zu verlegen, die zu einem großen Teil unter die Betondecke des Volkshallenbodens gebracht wer­den mußte. Gleichzeitig wurden aber auch die Ab­gasrohre (Tonröhren von 40 Zentimeter Durch­messer) verlegt, so daß im Gesamtbild der Volkshallc kaum eine Rohrleitung zu sehen ist. Lediglich die in feinem braunen Ton gehaltenen, emaillierten Heizkörper fallen nun auf.

Neben der Installation von Zuleitung, Heizkör­pern, Abgasrohren und Gasmessern bedurfte es noch weiterer technischer Anlagen. Es mußten zwei Exhaustoren untergebracht werden, mit deren Hilfe die Abgase aus den Rohren gesogen werden, so daß keine Spur des Abgases in den großen Raum strö­men kann. Dieser Zweck wird völlig erreicht! Nicht die Spur eines Gas- oder Abgasgeruches wird in der Volkshalle wahrzunehmen sein, auch wenn sich alle Heizkörper in Betrieb befinden.

Die große Zahl der Heizkörper ist gleichmäßig auf den gesamten Volkshallebau verteilt. Die weitaus größte Zahl der Heizkörper steht unmittelbar <m den Wänden der Halle, auf der Bühne wurden zwei Heizkörper untergebracht, vor der Bühne deren vier, der Vorraum der Halle wird in Zukunft ebenfalls geheizt fein, ferner find sämtliche Nebenräume der Halle mit Heizkörpern versehen. Es wird also zu erreichen sein, daß in sämtlichen Räumen des gro­ßen Hauses eine völlige gleichmäßige Temperatur gehalten werden kann.

Selbstverständlich sind für die gesamte Anlage alle möglichen technischen Sicherungen eingebaut worden,

die zu ihren wichtigsten Teilen an den Gasmessern liegen. Darüber hinaus ist jeder einzelne Heizkörper mit Sicherungen versehen. Auch besteht keine Mög­lichkeit, daß sich unbefugte Hände irgendwie an der Heizung zu schaffen machen können.

Die Jnstallationsarbeiten sind durchweg von Gie­ßener Handwerkern in Gemeinschaftsarbeit durch­geführt worden. Die Leitung der Jnst-allationsarbeit

lag in Händen eines Ingenieurs der Firma, dis die gesamte Anlage lieferte. Die Firma hat auch die Garantie für die einwandfreie Funktion über­nommen.

Die neue Gasheizung der Volkshalle wird zum ersten Male bei dem am 19. Februar stattfindenden Hallen-Handball-Turnier ihre Eignung unter Be­weis stellen können.

Disziplin - auch im Straßenverkehr!

Appell an das Derantwortungsbewußisein.

Die Grundlage aller Ordnung ist der Gehorsam, die Voraussetzung für ein geordnetes Leben im Staat also die genaue Befolgung der von der Führung er­lassenen Gesetze und Anordnungen. Das gilt für alle Gebiete des öffentlichen Lebens, auch für den Straßenverkehr. Es wäre undenkbar, wollte sich in unserer Zeit jeder auf der Straße bewegen, wie es ihm gerade paßt. Ein ungeheures Durchein­ander wäre die Folge, in kurzer Zeit würde sich der Verkehr besonders in unseren Städten zu unentwirrbaren Knäueln zusammengeballt haben, ganz abgesehen von den dann ins Uferlose ansteigen­den Verkehrsunfällen.

Ordnung muß sein, auch auf der Straße! Um diese Ordnung zu sichern und den reibungslosen Ab­lauf des Verkehrs zu gewährleisten, find in allen zivilisierten Staaten der Welt Anordnungen ergan­gen, die jeder Straßenbenutzer einzuhalten hat. Die genauesten Vorschriften, die klügsten Erlasse bleiben aber ohne Wirkung, wenn sie nicht befolgt werden. Ordnung und Sicherheit auf der Straße entstehen erst aus dem Einhalten der erlassenen Vorschriften, sind also abhängig von dem Wollen jedes Verkehrs­teilnehmers. Der gute Wille des einzelnen Menschen auf der Straße macht die Anordnungen überhaupt erst wirksam. Diesen guten Willen und den festen Vorsatz, den Gesetzen gehorsam zu sein, nennen wir Disziplin. Wir brauchen keine langen Unter­suchungen darüber anzustellen was besser ist, Diszi­plin oder schrankenlose Freiheit, denn jeder weiß, daß ein Leben ganz nach eigenen Wünschen und Meinungen ohne Rücksicht auf das Ergehen anderer in kürzester Zeit zum Chaos führt.

Es kommt also darauf an, jeden Straßenbenutzer zu einem disziplinierten Verhalten zu erziehen. Das kann auf zweierlei Art geschehen. Staatsführungen, deren Völker wenig oder gar keinen Gemeinschaftssinn besitzen, werden die Ein­haltung ihrer Gesetze erzwingen. Mit staatlichen Machtmitteln wird jeder, der Gesetze verletzt und Menschen gefährdet, unnachsichtlich zur Verantwor­tung gezogen und bestraft werden. Das kann so weit gehen, daß zuletzt die Furcht vor der Strafe stärker wird als die Gewohnheit, das Gesetz zu mißachten. Damit ist dann das Ziel, Ordnung zu schaffen und zu halten, erreicht. Man wird sich diszipliniert be­wegen. Diese Disziplin garantiert zweifellos auch die Sicherheit, ist aber eines freien Mannes unwürdig. Der Sklave ist cmch gehorsam und bezeugt Diszi­plin aus Furcht vor der Peitsche!

Wir sehen in der Disziplin, wie wir sie ver­stehen, nicht ein Produkt der Angst. Uns ist der Gehorsam gegenüber den Gesetzen unseres Landes selbstverständlich, und wir beugen uns ihnen, weil wir ihre Notwendigkeit einsehen. Das ist der zweite Weg, ein Volk zur Disziplin auch in klein­sten Dingen zu erziehen. Ein Volk wie das deutsche, dem Gedanken der Gemeinschaft er­schlossen, braucht nicht mit Strafen gezwungen zu werden, einfache Gesetze zu halten. Ein Appell an den Gemeinschaftssinn genügt, um die Ord­nung sicherzustellen.

Der Deutsche ist gewohnt, Disziplin zu halten, er tut das auch auf der Straße, weil er weiß, daß durch

undiszipliniertes Verhalten Unfälle herv'orgerufen werden, die das Volk also uns alle mit schwe­ren unnötigen Opfern an Gut und Blut belasten. Der Deutsche bewegt sich auf der Straße so, wie es sich für einen vernünftigen Menschen gehört und bringt nicht durch leichtfertiges Verhalten dauernd andere und sich selber in Gefahr!

Leider ist das zu einem Teil nur ein Wunschbild. Darum muß das Volk durch den Appell an das Verantwortungsbewußtsein immer wie­der zur Disziplin im Straßenverkehr ermahnt wer­den. Dann werden wir diesem Wunschbild immer näher kommen. Es ist ja doch nicht so, daß nuq jeder Verkehrssünder aus purer Bosheit gegen das Gesetz verstoßen hat. Vielleicht war er leichtsinnig, ober er

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Hass UoltltytNlVEA.

Schon abends die Haut gut vor­bereiten. Gesicht u. Hände mit Nivea-Creme pflegen, dai macht die Haut widerstands­fähig gegen Wind und Wetter.

war mit seinen Gebanken ganz woanbers, ober er meinte es so eilig zu haben, baß er anbere barum vergaß!

Das deutsche Volk hat seinen Willen zur Gemein­schaft unb seine bisziplinierte Haltung so oft burch bie Tat unter Beweis gestellt, baß es vermessen wäre, baran zu zweifeln. Es geht nun barum, diese sooft bewiesene Disziplin auch auf ben Straßenver­kehr auszubehnen.

Es barf aber kein Zweifel darüber bestehen, daß jeder, der gegen die zur Gewährleistung der Sicher­heit erlassenen Bestimmungen verstößt, von den vom Staat mit der Ueberwachung des Verkehrs beauf­tragten Organen der Polizei zur Rechenschaft gezogen wird. Wie man sich bettet, so schläft man.

Disziplin halten heißt, dem Gesetz gehorsam sein, das Gesetz regelt aber nicht nur die großen Pflichten jedes Volksgenossen gegen­über dem Staat, sondern erstreckt sich.auch auf bie kleinen Dinge bes täglichen Ledens, auch auf bas Verhalten im Straßenverkehr! fg. (RAS)

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Hitler-Lugend Lungbann 116.

Fähnlein 21Gorch Fock".

Samstag, 11. Februar, Fähnleindienst. Antreten des FZ. und SZ. mit Instrumente. Jungzug HI unb die Ausbildungsjungenschaften ohne Instrumente um 14.45 Uhr an ber Volkshalle.

BDM.-Llntergau 116 Gießen.

Am Montag, 13. 2., findet für alle M.-Ringführe­rinnen unb Stabsmitglieder um 20 Uhr eine Be­sprechung auf ber Dienststelle bes Untergaues statt.

Kap paffero.

Von Hans Kappler.

Dröhnend unb von unheimlichem Klang war ber Ton bes Nebelhornes. Vorsichtig fuhr ber Fracht- bampferEl Bono" um bie Südspitze Siziliens, am Kap Passero vorbei. Die Nacht war stürmisch, die See äußerst unruhig, doch hätte das alles zu keiner­lei Besorgnis Anlaß geben können, wenn sich nicht auch noch ganz überraschend ein fast undurchdring­licher Nebel eingestellt hätte.

Kapitän Rivello ließ einen westlicheren Kurs ein­schlagen, damit man aus dem Gebiet der gefähr­lichen Riffs, die unweit bes Kap Paffero um die Correnti-Jnfeln vorgelagert waren, herauskommen konnte.

Auf ber Kommanbobrücke ftanb neben bem Steuermann der Taucher Hage Svenfon, ber auf demEl Bono" als Passagier nach Marseille fuhr.

Glaubst du, daß wir gut burch bie Sizilische Straße kommen?" fragte er.

Ich hoffe es", war bie Antwort bes Steuer­mannes.

Nach meinen Berechnungen unb Schätzungen müssen wir die Riffs gerade hinter uns haben", ließ sich nun auch Kapitän Rivello vernehmen und schob den Sextanten zur Seite. In diesem Augen­blick erschütterte plötzlich ein ungemein heftiger Stoß bas Schiff.

Stopp!!" schrie Rivello entsetzt in bas Sprach­rohr zu dem Maschinisten herunter.

Da haben wir bie Bescherung!" stieß der Steuer­mann hervor.

Halbe Kraft zurück!"

Das Summen der Maschine setzte von neuem ein.

Ein Leck!" erscholl gellend ein Ruf aus dem Schiffsinnern. Backbord, dicht am Bug!"

Stopp! Luken dicht!" schrie Kapitän Rivello.

Es stellte sich bald heraus, daß ein großes Leck im unteren Laderaum und zu einem Teil auch im Kielraum das Wasser in starkem Strome in das Innere des Dampfers quellen ließ. Die Pumpen traten zwar in Tätigkeit, doch schon begann das Schiff zu schlingern unb sich nach vorn zu senken. Das Deck besEl Bono" würbe merklich nach Backborb geneigt.

Wir müssen bas Leck zu verstopfen versuchen!" rief Rivello ben Matrosen zu.

Achselzucken als Antwort.

Wer soll in ben Kielraum klettern?" erroiberte ein Obermaat.Wir können nicht hinein, unb wenn es uns gelingt, aus bem Laberaum einen Teil bes einbringenden Wassers *zu pumpen, dann könnten wir vielleicht noch ben Hafen von Catania erreichen." 1

In diesem Falle müßten wir ja um Kap Pas­sero zurück!" rief der Kapitän.Trotzdem habt ihr recht, es ist der kürzeste Weg zu einem Dock."

Die Pumpen schaffen es nicht", kam in diesem Augenblick eine Meldung.

Durch die Reihe ber Matrosen schob sich Hage Svenson, ber Taucher.

Käpt'n, könnte man nicht bas Leck von außen verstopfen?"

Was heißt das? Bon außen?" fragte ber Kapi­tän überrascht.Wie benkt Ihr Euch die Sache?"

Nun, wir haben doch mächtige Baumwollballen an Bord. Wir suchen uns einen aus, ber schätzungs­weise größer als bas Leck ist, unb versuchen, den Ballen von außen vor bas Loch-in der Schiffs­wand zu bringen. Der Strubel des einftrömenben Wassers wirb ben Ballen in das Leck pressen, bas auf diese Weise notdürftig geschlossen wirb. Was trotzdem an Wasser einbringt, kann mühelos heraus­gepumpt werben!"

Ein Aufatmen ging durch bie Reihen ber Matro­sen. Auch Kapitän Rivello schien aus dem Vor­schlag neue Hoffnung geschöpft zu haben.

Wie soll ober ber Ballen vor bas Leck gebracht werben?"

Ich werbe in meinem Taucheranzug an der Bordwanb hinabgelassen unb bugsiere ben Ballen oor bie Oeffnung."Das kann bei der unruhigen See äußerst gefährlich für Euer Leben fein!"

Ebenso gefährlich ist es ja wohl, nichts zu tun, Käpt'n; ich schaffe es schon. Los, Jungens, holt meine Sachen unb sucht schnell einen ansehnlichen Ballen aus dem Laberaum! Jebe Minute kann un­ser aller Leben kosten!"

Schon nach kurzer Zeit ftanb der Taucher an ber Reling. Gischt spritzte über das Deck des Schiffes.

Vorsichtig kletterte Hage Svenson über bie Re­ling, unb als man auch ben Ballen hinabgelassen hatte, ergriff er bie Leine unb ließ sich nun an ber Schiffswanb hinabgleiten. Wog um Woge kam heran unb brohte den tollkühnen Taucher zu zer­schmettern, aber er hielt sich vorsorglich so, baß ihn die Gewalt des Meeres nur an ben weichen Ballen brücken konnte.

Auf bepi Deck stauben bie Matrosen bang unb voller Sorge. Hage Svenson war im milchigen, zähen Dunst bes Nebels unb im Gischt der Wogen verschwunden.

DerEl Bono" hatte sich inzwischen in beäng­stigendem Maße geneigt; bald mußte er unrettbar sinken, roe/in jetzt kein Wunder geschah!

Der zweite Steuermann ftanb im Laberaum unb beobachtete bas weitere Eindringen bes Wassers burch eine starkglasige Luke bes Nebenraumes. Da versiegte nicht -plötzlich mit einem Ruck der Wir-

I bel an der Bordwanb? Senkte sich nicht schon der j Wasserspiegel im Innern, burch bie unermüdlich arbeitenden Pumpen verursacht? War das Leck also doch geschlossen? Noch eine Minute wartete er, bann eilte er rasch an Deck.Zieht auf, Jun­gens!" schrie ber Kapitän. Die Matrosen aber schie­nen keine Freube zu zeigen. Stumm zogen sie bie Leine, an ber Hage Svenson befestigt war, herauf. Leicht, allzu leicht würbe es ihnen benn sie hielten balb bas Ende des Taues in ber Hand. Das Seil war zerrissen, der Taucher verloren!

Lange ftanb Kapitän Rivello an der Reling. Er schien es nicht zu bemerken, daß sich der Bug wieder hob, bas Deck roieber waagerecht würbe. Als der Morgen graute, ftanb Rivello noch immer an der gleichen Stelle, während der Steuermann bem Dampfer neuen Kurs gab unb bie Maschine ar­beiten ließ.

Der Hafen von Catania würbe ungefährdet er­reicht.

Als man benEl Bono" ins Trockendock brachte, machte man eine grauenhafte Entdeckung. Mit dem Baumwollballen zugleich hatte der wirbelnde, mäch­tige, Strom des durch bas Leck bringenden Wassers ben Körper bes Tauchers erfaßt. Nicht nur ein Ballen schloß bas Leck, sonbern auch Hage Svenson, der Retter der Mannschaft, mit seinem eigenen Leib.

Hochschulnachrichfen.

Die Pressestelle der Reichsdozentenführung teilt mit: Das Dozentenbundsmitglied Pa. Professor Dr. Gerhard Pfähler ist zum ordentlichen Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Tübingen ernannt unb damit Nachfolger des nach München berufenen Professors Oswald K r o h geworben. Aus ber praktischen Lehrtätigkeit an ber Volksschule heraus studierte er in Tübingen und München Päbagogik unb Psychologie, Staatsrecht unb Volkswirtschaft. Nach ber Promotion unb Ab­legung ber Prüfung für ben höheren Volksfchul- bienft war er als Lehrer in Tübingen unb als Assistent am Päbagogischen Seminar ber bärtigen Universität tätig. Später wirkte er in Altona, Frankfurt, Göttingen unb Gießen, wo er Mei- einhalb Jahre bas Rektoramt bekleidete. Pfählers Arbeitsgebiet ist bie Erbcharakterologie. Von seinen Werken seien genannt:System ber Typenlehre", Vererbung als Schicksal" unbWarum Erziehung trotz Vererbung?".

Dem Dozentenbunbsmitglieb Pg. Professor Dr. 21 nton Werkgartner würbe mit Wirkung vom 1. Februar vertretungsweise ber Lehrstuhl für ge­richtliche Mebizin an ber Universität Graz über­tragen,

Oer Pudel.

Von Joses Znedrich perkonig.

Diese kleine Geschichte hat sich in einem franzö- schen Städtchen wirklich ereignet unb läßt mich fra­gen:Verdienen es die Tiere nicht, daß man in ihnen Wesen von einem gewissen Verstände sieht und sie schützt vor Unverständnis und Roheit?"

Da war in jenem Städtchen ein Zirkus angekom- meu, von der Art, wie sie kleinere Orte zu besu­chen pflegen. Ein armseliges Unternehmen, bas ein paar Menschen und Tieren ein karges Brot öfter verspricht -als sichert. Während die Zirkusleute da­mit beschäftigt waren, das kleine Leinwandzelt auf­zustellen, stahl sich ein Pudel, der auch zu ber Künstlergruppe zählte, abseits, bie Sehnsucht trieb ihn zu seinesgleichen, unb irgendwo auf einem Anger sanlmelte sich um den fremden Gast, ber bei seinen Artgenossen wohl auch burch seine reine, weiße Wolle Ehrfurcht erwecken mochte, balb eine Schar von Hunben.

Konnte er sich nun ber Zubringlichkeit seiner Brü­der nicht erwehren ober hatten es sich nach ber ersten Scheu einige rauflustige Köter vorgenommen, den schöneren Bruder zu zausen, geschah es nun aus Eifersucht ober Neid ober drängte den Pubel ber Ehrgeiz, ben anderen Hundeherrschaften zu bewei­sen, wie sehr er sich von ihnen unterscheide oder aber regte sich in ihm etwas wie Zirkusblut jedenfalls geschah etwas Köstliches, was jemand, der gut verborgen war, von ferne mit ansehen konnte, und so ist die hübsche Begebenheit nicht unter ben Tieren allein geblieben.

Alle bie Köter hatten sich in einen Kreis zurück­gezogen, unb inmitten biefes Ringes vollbrachte nun der Pudel feine Kunststücke, eines nach dem andern, als geschähe es vor Zuschauern, bie sich feine Kunst etwas kosten ließen. Er ftanb auf dem Kopfe, stol­zierte balb auf den Dorberfüßen, balb uuf den Hin­terfüßen herum, er überschlug sich in der Luft, kurz unb gut, er bewies in seiner großartigen Tätigkeit ben minberen Brübern ihre ganze jämmerliche, nichtssagende, nutzlose Geringfügigkeit.

Unb alle bie schmutzigen, verhungerten, tiefäugi­gen, aber auch bie glücklicheren Hunde, für die ein Herr sorgte, sic glotzten erstaunt ihren wunderbaren Bruder an, ber nicht mübe wurde, ihnen vorzutan- zen, oorzuspringen. Unb zuletzt schlich einer nach bem anbern, als wäre er tief beschämt worden, als trauere er über sein eigenes Unvermögen, davon, und übrig blieb endlich nur der Pudel, der alten Entschwundenen ein paarmal nachbelltc, als spräche er damit:Daß ihr es nur wißt ...!"

Wahrhaftig geschehen in einer kleinen französi" fchen Stadt.